Fro. 8.

Samstag, 8. Januar 1870.

Jahrg. VI11.

(Wattenscheider Anzeiger.)

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Carl Busch in Wattenscheid. Hierzu die„Illustrirte Sonntagsbeigabe.“

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Politische Rundschau.

Wie verlautet, liegt die General=Synodal=Ord= nung dem Kaiser zum Vollzuge vor, um sofort als königliche Verordnung veröffentlicht zu wer­den und alsbald in Kraft zu treten. In libera­len Kreisen erregt diese Nachricht Aufsehen, da dies weder der Weg der Oktroirung sein würde.

Det König von Bayern hat unserm Kaiser und dem Fürsten Bismarck seine herzlichsten Glück­wünsche zum neuen Jahre ausdrücken lassen.

Der Prinz Friedrich Karl verabschiedete sich am 6. Jan. Nachmittags von den kaiserlichen Majestäten und den prinzlichen Herrschaften; der­selbe gedenkt nach Kurland abzureisen.

Wie nachträglich bemerkt wird, hat Fürst Bis­marck jüngst zum ersten Mal wieder seit zwei Jahren an einem Neujahrsempfange bei Hofe theilgenommen, was als sicheres Anzeichen der Besserung seines Befindens gelten kann.

Nach der„Prov.=Corr.“ wird der Landtag zum 15., spätestens zum 16. Januar Vormittags einberufen, und demselben der Haushaltsetat als­bald vorgelegt werden. Den am 19. Januar wieder zusammentretenden Reichstag werde der Landtag spätestens Mitte Februar wieder ablösen. Die Berathung der großen Reichsjustizgesetze dürfte kaum vor Herbst stattfinden können.

Es bestätigt sich, daß dem nächsten Landtag die schon im v. J. vorbereitete Städteordnung vorgelegt werden soll. In Abgeordnetenkreisen wird allgemein der Wunsch betont, daß eine ein­heitliche Städteordnung für die ganze Monarchie erlassen werde. Die Verhältnisse der Städte sind in der Monarchie so gleichmäßig, daß ein einheitliches Gesetz sehr wohl möglich ist.

In nächster Zeit wird man auch an die führung der Einrichtungen für das Reichs=Ge­sundheitsamt schreiten, wozu, die Mittel im Reichs­haushalts=Etat gewährt worden sind.

Am Dienstag, den 4. d. M., Vormittags um 10 Uhr, trat die orthographische Conferenz zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Der Cultus=Minister Dr. Falk begrüßte die Versammlung, in der nur Professor Hildebrandt, durch Krankheit verhindert,

Treue Liebe

von Arthur Müller.

(Fortsetzung.)

Der Arme Steff stand keines Wortes mächtig da, gleich einem Verurtheilten, über den so eben der Spruch gefällt ist.

„Steff.“ fuhr Joseph auf,„mache mir kein solches Gesicht, sonst werde ich wahrhaftig irre im Kopfe. Die Schwester geht dem sichern Un­glück entgegen und der Freund selbst auch unglück­lich, das ist zuviel.“

„Joseph,“ schaltete die fromme Bäuerin ein, „habt doch nicht gleich allen Muth verloren, ist das Mannsleut' Art. Wenn die Noth am größ­ten ist, dann ist Gott am nächsten.“

„Wenn nur dies Mal die Franzosen am näch­sten sind,“ sagte leichtfertig der Student.

„Pfui, schäme Dich, als christlicher Mensch so etwas zu sagen!“ rief Gertrud entrüstet.

„Steff.“ wandte sich Joseph zu seinem Freun­de,„noch habe ich einige Hoffnung, wenigstens Hoffnung, Zeit zu gewinnen. Die heutigen Nach­richten sind wieder schlimmer. Der Krieg ist vor der Thüre und wenn der ausbricht, dann muß ich so gut fort wie Du. Wenn aber mein Va­ter dann nochs Hochzeit lassen zwill, dann sage ich ihm, daß ich nie zurückkomme und sollte ich auf eine Mitrailleuse zulaufen müssen.“

fehlte. Der Minister hob die Bedeutung und die Schwierigkeit der Aufgabe hervor, zu deren Lösung die Conferenz zusammen berusen ist, und sprach die Hoffnung aus, daß es gelingen werde, auf Grund der Vorschläge der Conferenz eine zweckmäßige Reform und die erwünschte Einheit der deutschen Orthographie herbeizuführen. Als­dann übertrug der Minister dem geheimen Regie­rungs=Rath Dr. Bonitz den Vorsitz und die Lei­tung der Conferenz.

An Klassensteuer kommen für das Jahr 1876 auf je 3 M. 2 M. 90 Z zur Veranlagung. Der Gesammtbetrag der in der preußischen Monarchie aufzubringenden Klassensteuern pro 1876 beträgt 44,490,255 J#.

Zufolge einer auf der internationalen Tele­graphen=Conferenz in St. Petersburg getroffenen Vereinbarung ist es seit dem 1. Januar gestattet in telegraphischen Depeschen die Angabe„Rück­antwort bezahlt" durch die unmittelbar vor die Adresse zu setzenden Buchstaben„RP“(statt „Repense payée“[„Antwort bezahlt“]) auszu­drücken. Die angeführten beiden Buchstaben wer­den in diesem Falle nur als ein Wort gezählt.

Man will wissen, daß jetzt in Europa 11,000 Sparkassen existiren, davon aber käme die gute Hälfte auf England.

In Münster hat sich ein Comitee gebildet, um der Dichterin Annette von Droste=Hülshoff(geb. 12. Jan. 1797; F 24. Mai 1848 zu Meersburg am Bodensee) ein Denkmal zu errichten.

Wie die„Pall Mall Gazette“ hört, beabsich­tigt Capitän Brickenstein die Einleitung einer Untersuchung über den Schiffbruch des„Deutsch= land“ seitens Seekundiger in Deutschland zu ver­langen.

Das„Mainzer Journal“ kann mittheilen, daß die Nachricht, Bischof v. Ketteler sei mit der Lei­tung der laufenden Correspondenz unter den preu­ßischen Bischöfen vom Erzbischof von Köln be­auftragt worden,„auf Erfindung beruht".

Gegen den Bischof v. Ketteler und dessen Ge­neral=Vicar Dr. Heinrich ist nach dem„Frkf. Jour.“ in Folge ungesetzlicher Verwaltung der

„Aber Joseph,“ warf die Bäuerin ein,„auf der Universität lernt ihr bei all' dem Zeug doch nichts Gutes; was Du für leichtfertige Reden führst.“

„Laß mir doch nur das Predigen da,“ rief Joseph ärgerlich,„Du sitzt warm im Neste neben Deinem Conrad.“ Trotz des Ernstes mußten doch Alle lachen und Gertrud streckte ihrem wa­ckern Manne freundlich lachend die Hand hin.

„Joseph,“ sagte nach einer Pause der tiefge­beugte Steff,„Du warest mir stets ein treuer Freund, ja fast mehr als Freund, rathe mir, was ich thun soll. Soll ich noch bleiben, oder hälst Du es für besser, sogleich das Haus Deines Vaters zu verlassen?“

„Nein, nein, Steff, Du weichst diesem Men­schen, dem Grarenhofer, keinen Schritt; ich bitte Dich darum. Mein Vater hat der Marie streng verboten, mit Dir allein zu lsprechen, und ich kenne, sie genug, um zu wissen, daß sie jede Ge­legenheit meiden wird Dich allein zu treffen; da­her ist also kein Grund vorhanden, daß Du uns jetzt schon verlassen sollst. Uebrigens, wie ich schon sagte, glaube ich fast versicher zu sein, daß mank uns bald zur Fahne ruft, und das wäre vielleicht am allerbesten.

„Es ist schrecklich, daß Ihr so leichtfertig über den fürchterlichen Krieg sprechen könnt.“ sagte Gertrud.„Gott, was wäre das ein Unglück,

Pfarrei Castel Untersuchung wegen Verletzung des Art. 4 des Gesetzes vom 23. April 1875 einge­leitet worden.

Das Provinzial=Schulkollegium in Kassel hat die Gebete für den Papst und die„bedrängte" Kirche im Gottesdienste höherer Lehranstalten mittelst Circulars verboten.

In Frankreich hat die Wahlagitation begon­nen. Die bevorstehenden Wahlen versetzen das ganze Land in die größte Auftregung.

Lokal= und

Wattenscheid, 7. Jan. Die Direktion der niederländisch Westf. Eisenbahn=Gesellschaft in Winterswyk beehrt uns mit Zusendung eines Circulars, woraus wir ersehen, daß der Bau sowohl der projektirten Linie Winterswyk=Zütphen. wie auch Winterswyk=Borken=Gelsenkirchen gesi­chert ist. Für uns haben folgende Mittheilungen des

Circulars Interesse:...„Daß unterm 1. Dec.

1875 des Kaisers und Königs Majestät zu Ber­lin geruht haben, uns die Concession zu ertheilen zum Bau und Betriebe einer Eisenbahn von Winterswyk über Borken nach Gelsenkirchen nebst Abzweigung nach Bocholt.

Die Hauptbestimmungen dieser Concession sind:

a. Die Strecke Winterswyck über Borken nach Gelsenkirchen ist in längstens drei Jahren nach Aushändigung der Concessions=Urkunde zu voll­enden und in Betrieb zu setzen.

b. Die Zweigbahn nach Bocholt soll gebaut werden, sobald die Köln=Mindener Eisenbahn= Gesellschaft über den Bau der Bahn Wesel­Bocholt schlüssig geworden ist.

o. Die Gesellschaft hat binnen Jahresfrist bei der Königlich Preußischen Regierung eine Caution von 500,000 q als Pfand für die rechtzeitige Ausführung des Baues zu hinterlegen.

Das zwischen der Königlichen Direction der Bergisch=Märkischen Eisenbahn=Gesellschaft und der durch die Unterzeichneten repräsentirten Nieder­ländisch=Westfälischen Eisenbahn=Gesellschaft die Grundlagen festgestellt worden sind, auf welche Erstere ven Betrich der Bahn Winterswyk= Gelsen­

wenn wir den Feind ins Land bekämen und der hier raubte und sengte.“

Nun, so schlimm, ist's grade noch nicht, Ger­trud, da müßten sie erst über unsere Leiber kom­men. Aber es wäre auch das eine gute Schule für manchen ungerechtfertigten Stolz. Denn in Noth und Gefahr da hören die unerträglichen Ueberhebungen des Einen über den Andern auf, da gilt es selbst Mann zu sein, da nutzt weder der Geldsack, noch der aufgeblähte Hochmuth, der sich auf Rang und Geburt stützt. Da kann Mancher lernen, daß wir Menschen wie vor Gott, so auch in Noth und Tod gleich sind.“

„Ich kann Dich nicht begreifen, Joseph,“ warf nun auch Conrad ein, der in geistiger Arbeit lieber sein kluges Weibchen, die Gertrud walten ließ.„Du sprichst, wie man jetzt so viel in den Zeitungen liest, weißt Du von den So— So wie heißen sie doch nur, die Kerls?“

Joseph lachte hell auf.„Danke für die Ehre, Conrad, aber Socialdemokrat bin ich denn noch lange nicht, guter Freund. Ich will Dir meine Ansichten sagen und Dir versichern, daß unser greiser König in Noth und Gefahr auf mich ebenso sicher pochen kann, wie auf eine gewisse Klasse Menschen, die wenn sie den Namen des Königs aussprechen, sich beugen, in seinem Dienste aber nie einen nassen Finger sich holten.“

„Nein, Conrad,“ fuhr Joseph fort,„da thust