Rembrandt, der Unvergleichliche

DER SPORT

Schalke 04 wieder zweistellig

Spyg Erkenschwick ging:12 unter

In der„Kriegs=Gauslasse“ Westfalen konnte dies­mal das Fußballprogramm nicht reibungslos abgewickelt wer­den. Von den vorgesehenen sieben Begegnungen kamen nur vier zum Austrag. Ohne Ausfälle ging es nur in der Staf­fel 1, während in der Staffel 2 die Begegnung BC Böving­hausen 04 gegen KS6 Ahlen ausfiel. Aus technischen Grün­den konnten die Ahlener nicht erscheinen. Aus der Staffel 3 konnten wir keine Meldungen erhalten, es dürfte dort aber auch kaum gespielt worden sein.

Staffel 1 meldet volles Programm

FE Schalke 04— SpVg. Erkenschwick 12:0(:0)

(86 Bochum— SV Alemannia Gelsenkirchen:2(:2)

EC Buer=Hassel 1919— Westfalia Herne:7(:6)

In der Glückauf=Kampfbahn fand das Meisterschaftsspiel zwischen dem Westfalenmeister FE Schalke 04 und der SpVg. Erkenschwick vor 2000 Besuchern mit 12:0(:0) einen überraschend hohen Ausgang. Mit Klodt, Darga­schewski. Berg, Megert, Schweißfurth, Nowack, Bors, Kanthak, Gawliczek, Kuzorra und Hinz stellten die Königsblauen auch diesmal eine starke Einheit. Die treibende Kraft im Schalker Sturm war der Gastspieler Gawliczek, der allein sechs Tore schoß. Schalke war klar überlegen und ging nach 5 Minu­ten durch Kanthak in Führung. In kurzen Abständen fielen bis zur Pause noch weitere acht Tore, die auf das Konto von Hinz(), Gawliczek(5) und Kuzorra(1) kommen. Nach dem Wechsel machte sich die Ueberlegenheit von Schalke noch stärker bemerkbar aber erst in der letzten Viertelstunde er­zielten Gawliczek, Kuzorra und Hinz die restlichen Tore. Das Ergebnis hätte dem Spielverlauf nach noch weit höher aus­fallen können. Die Erkenschwicker zeigten nur eine matte Leistung. Nur 300 Besucher wohnten dem Treffen KSG Bochum gegen Alemannia Gelsenkirchen bei, das die Bochumer verdient mit:2(:2) gewannen. Mittel­stürmer Andreas stellte die Bochumer Führung her, aber der Rechtsaußen Harkener holte bald den Ausgleich. Noch vor der Pause erzielte der Rechtsaußen Hornig den Gelsenkirchener Führungstreffer. Bochum stellte nach ded Pause um, kam. stark auf und Andreas schoß zwei weitere Tore. Die„Gel­senguß=Elf“ gab sich geschlagen und mußte noch zwei Treffer hinnehmen. Einen harten Kampf lieferten sich SC Buer­Hassel 1919 und Westftlia Herne vor gut 500 Zu­schauern Mit:1 Toren hatten die Herner den Sieg bereits in der Pause sicher in der Tasche, so daß sie sich im zweiten Spielabschnitt eine Schonung erlauben konnten.

Nur ein Spiel In der Staffel 2

SpVg Röhlinghausen— Borussia Dortmund:4(:3)

BC Bövinghausen 04— KS6 Ahlen ausgefallen

Die SpVg Röhlinghausen ist nun doch noch am Start erschienen, aber auf eigenem Gelände kam es zu keinem guten Auftakt, denn es gab gegen Borussia Dort­mund gleich eine klare:=Niederlage. Durch den Rechts­außen Hoffmann, durch den Halbrechten Schüttner und durch den linken Läufer Kindl sorgten die Borussen für einen:0­Pausenvorsprung. Während Schüttner im zweiten Spielab­schnitt auf:0 für Dortmund erhöhen konnte, ging Röhling­hausen leer aus.

*

Der Tabellenstand am 1. Oktober 1944

Staftel 1

sehr schwachen Mannschaft an und wurde überraschend klar mit:6 Toren geschlagen. Nach den gezeigten Leistungen zu urteilen, darf man dem„Club“ in dieser Spielzeit für die Meisterschaft keine guten Aussichten einräumen.

Herbstwaldlauf in Hagen

Zum Abschluß der diesjährigen leichtathletischen Saison fin­det am Sonntag, 8. Oktober, der traditionelle Herbstwaldlauf des Kreises Mark auf der bekannten Strecke an der Wald­

lust statt., Start und Ziel ist das Parkhaus in Hagen. Die Läufe beginnen um 10 Uhr. Folgende Klassen sind vorge­sehen: Klasse 2: 3000 Meter für Mittelstreckler, Fuß= und Handballer. Klasse 8: 2000 Meter für ältere, Jahrgang 1912 und älter. Klasse 4: 1000 Meter für Mädchen bis 18 Jahren. Klasse 5: 1000 Meter für Frauen und Mädchen über 18 Jahre, Klasse 6: 3000 Meter für Jugend ab 1. 9. 1925 bis 31. 8. 1927, Klasse 7: Jugend ab 1. 9. 1927 bis 31. 8. 1929. Meldungen bis.80 Uhr am Parkhaus.

Trotz Niederlage Punkte für Dorstleld

Das Handballprogramm des ersten Oktober=Sonntags wurde zum größten Teil unter Dach und Fach gebracht. Ueberraschun­gen blieben aus. Ihren ersten Punktsieg holte sich die KSc Hagen in Recklinghausen gegen die dortige Reichsbahn mit 10:6. In der Pause führten die Gäste bereits mit:2 und waren nach dem Wechsel noch fünfmal erfolgreich. Auch die Reichsbahner waren in der zweiten Halbzeit besser und war­fen noch vier Tore.

Trotz eines 10:=Sieges mußte XV Eintracht Dortmund in Dorstfeld die Punkte lassen, da die Gäste anfangs nur mit sieben Mann spielten und später die Mannschaft ergänzten. Bei Halbzeit lagen die Eintrachtler mit:3 in Führung.

Die Staffel Nord war aus technischen Gründen nicht zu ermitteln, jedoch dürften dort kaum Spiele stattgefunden haben.

Bei den Frauen verzichtete Gladbeck Zweckel zuaunsten von Westerholt.— Das Spiel Dortmund 06— Westfalia Som­born wurde verlegt.— Trotzdem der TV Barop nur mit 10 Spielerinnen antrat, langte es noch zu einem:=Sieg über Eintracht Brambauer.— Einen klaren Erfolg sicherte sich Dortmund 95 über Germania Lütgendortmund mit:1.

Egerland stärker als Saager

Die letzten diesjährigen Bahnrennen der Reichshauptstadt wurden auf der Aschenbahn, im. Neuköllner Stadion zur Durchführung gebracht und gipfelten in einem 60-Minuten­Mannschaftsfahren, in dem Egerland=Zerm, Saager=Jährling. Bunzel=Lohrke und Buse=Spring nach jagdenreichem Verlauf die übrigen Mannschaften zu überrunden vermochten. Aus­schlaggebend für den Sieg des Paares Egerland=Zerm war die starke Tagesform von Egerland, der trotz eines Sturzes sich aller Angriffe durch den früheren Deutschen Meister Harry Saager erwehren konnte. Viel Anklang fand auch der Mann­schaftsmehrkampf, der sich aus einem Malfahren in zwei Läufen. einem 500 Meter Zeitfahren mit stehendem Start, einem Punktefahren über 12 Runden und einem Mannschafts­Verfolgungsrennen zusammensetzte und von Saager=Jährling mit 37 Punkten vor Bunzel=Lohrke mit 31 Punkten und Egerland=Zerm mit 27 Punkten bzw. Tulies=Gebert mit 19 Punkten gewonnen wurde. Dabei erwies sich der deutsche Meister Werner Bunzel im Zeitfahren mit 42,3 Sek. etwas schneller als Saager, sein alter Widersacher, der für die 500 Meter 43 Sekunden benötigte. Das Ergebnis des 60=Minuten­Mannschaftsfahrens lautete: 1. Egerland=Zerm 20 Punkte, 2. Saager=Jährling 19 Punkte, 3. Bunzel=Lohrke 17 Punkte, 4. Buse=Spring 5 Punkte, 5. 1 Runde zurück Tulies=Peets 4 Punkte

Schöne Leistungen der Alten Herren

Im Kampf um die Deutsche Vereins=Meisterschaft der Leicht­athleten haben sich in den letzten Wochen mehrfach auch die „Alten Herren“ auf der Aschenbahn gezeigt und dabei durch­aus keine schlechte Rolle gespielt. So erzielte die KS6 Ham­burger Turnerbund 62 /Reichsbahn Altona am Sonntag in der Klasse 1 eine Verbesserung auf 5 983,4 Punkte und in der Klasse 2(über 40 Jahre) sogar die stattliche Punktzahl von 6 138,4 Punkte. Hierbei gefielen vor allem die Gebrüder Maas durch ihre Steinstoßleistungen von 14,88 bzw. 14,36 m, ferner Lüeck im Weitsprung mit 5,82 m und Maas 1 mit seinen 6,5 Sek. für den 50-=Lauf.

Zur gleichen Zeit unterzogen sich in Berlin auf dem Hubertus=Sportplatz die SGOP und der Deutsche Sport=Club einer weiteren Leistungsabnahme zur deutschen Mannschafts­meisterschaft. Dabei erreichte die SGOP in der Klasse 1 der Alten Herren mit 6197,2 Punkte zwar nicht ganz ihre bis­herige Bestleistung von 6286,8 Punkte.

Der Deutsche Sport=Club verbesserte sich in der leichten Klasse auf 6009,4 Punkte und kam in der Altersklasse 8(über 50 Jahre) auf 8746,2 Punkte.

Das„Flüssige“

Gottfried Keller litt mit zunehmendem Alter recht unter Gicht= und Rheumaschmerzen. Einst fühlte er sich so schlecht, daß er zu Hause bleiben mußte und den Arzt zu sich bat.

„Herr Doktor“, sagte er,„woher kommen bloß diese gräß­lichen Schmerzen?“

„Tja“, nickte der Arzt,„es läßt sich nicht leugnen, das kommt eben vom Flüssigen!"

„Siehst Du, da hast Du'!“, sagte Keller zu seiner Schwe­ster, die neben ihm stand,„das kommt von Deinen ewigen Suppen!"

Am 4. Oktober dieses Jahres jährt sich

zum 275. Mal der Todestag Rembrandts von Ryn. Er starb 1669 in Amsterdam.

In der europäischen Malerei ist das Merkmal, das wir als das entscheidende jeder großen und echten Kunst ansehen: der Stempel der Persönlichkeit, die triebnotwendige Gestaltung aus äußerem und innerem Erlebnis, viel früher zu sieghaftem Ausdruck gekom­men, als in der Dichtung, die zum Beispiel in Deutsch­land noch das ganze 17. Jahrhundert hindurch fast aus­nahmslos als eine Art geistigen Handwerks mit wesentlich moralischen Zwecken aufgefaßt und betrie­ben wurde. In Frankreich fehlt selbst der klassischen Blüte mit Corneille und Kacine dieses Merkmal. Anders in der Malerei, die mindestens seit der Re­naissance, zum Teil schon früher, in Italien, in Deutsch­land, in Spanien, in den Niederlanden eine Fülle scharfgeprägter Künstlerversönlichkeiten aufweist. Von Rembrandt gar gibt es kein Bild, ja, kein flüchtig hin­gekrizzeltes Blatt, das nicht seines Geistes und Wesens Züge trüge. Das Geheimnis des schöpferischen Men­schen in seiner Einzigkeit tritt beim Rembrandt in höchster Vollendung zutage.

Dies ist wohl auch der Grund, daß der Name Rem­brandt sich in der gesamten Kulturwelt mit dem Be­griff des großen Malers schlechthin deckt. Dieser Ruhm tritt erst ins volle Licht, wenn man sich vor Augen hält, daß allein im flämisch=niederländischen Raum un­gefähr zu gleicher Zeit wie Rembrandt von Ryn, so große Maler lebten und schufen, wie Rubens, Franz Hals. Ruisdael, van Dyk. Teniers, Breughel, Brou­wer und noch einige mehr von kaum geringerem For­mat. Dennoch wird. ähnlich Homer, Dante, Shakesveare, Goethe, Rembrandt bereits seit Jahrbunderten als ein künstlerisches Universum für sich empfunden.

So gesehen erscheint auch der stürmisch=tragische Ab­lauf des irdischen Daseins bei Rembrandt als eine höhere Notwendigkeit; die frühe Ruhelosigkeit des Müllerssohnes aus Leyden; die beiden Ehen: das him­melhochjauchzende Glück mit der schönen, reichen Saskia von Uylenburg und das Rubesuchen bei Hendrikje Stof­fels; der wilde, champagnerfrohe Lebensgenuß in den Jahren des Reichtums und der strotzenden, prunken­den, daseinsberauschten Verschwendung als Künstler und als Mensch und das leidvolle, bittere Versinken in Schulden, das Ende eines zu höchst Begnadeten in erbärmlicher Armut, der dennoch rastlos gestaltet bis zum Schluß.

Rücksichtslose Lebenswahrheit—„Realismus" nach dem Kunstausdruck— und magische Durchseelung ist in Rembrandts Werk überall so innig verbunden, daß beide nicht zu trennen sind. Er entblößt Menschen und Dinge, hier und da bis zur Schamlosigkeit, und ver­klärt sie zugleich überirdisch. Nichts ist seiner besesse­nen Leidenschaft, die tausendfältige Erscheinung des Lebens zu malen, zu radieren, zu zeichnen zu hoch, nichts zu gering— nicht der zerlumpte Bettler, der Landstreicher mit den Malen der Lasterhaftigkeit, nicht die Gestalten aus dem Dreck des Amsterdamer Ghettos. Mit genialer Unbekümmertheit setzt er niederländische Menschen seiner Zeit, nur durch phantastisches Kostüm verhüllt, in seine biblischen und antik=mythologischen Bilder. Er hat den faustischen Drang=Germane. der er ist bis in den tiefsten Kern— sich einzubohren in alles, was unter der Sonne, in der farbigen Wirklich­keit, atmet und lebt, jauchzt und leidet— nicht zuletzt auch in das große Rätsel seines eigenen Ichs, wie es die rund sechzig Selbstbildnisse, die er der Nachwelt hinterließ, bewiesen. Und die Palette dieses großen Malers schlechthin wechselt von den ungebrochenen, jugendlich=kampffrohen, naiv=harten Farben seiner frühen Schaffenszeit in jenes Helldunkel der Reife, sprechenden Schatten und der mastischen Vernachtung, darin dennoch ein goldenes Braun von der Lust des Daseins glüht. K. E. K.

Wie der„Erdrauch“ entsteht

Nebel gehört zum Herbst. Nebelmond heißt der Oktober zu deutsch im frühen Mittelalter. Weshalb ist nun der Nebel gerade in der Uebergangszeit zwischen Sommer und Winter eine so häufige Erscheinung? Der Grund ist: im Herbst erfüllen die atmosphärischen Ver­hältnisse besonders oft die Bedingungen, vermöge deren sich Nebel bildet. Diese Bedingungen haben im wesent­lichen zweierlei Form. Die eine, die besonders für

die Nebelbildung in uns Bleil.n I.##le##cht komms, besteht darin, daß die Temperatur auf der Erde und die der Luft erheblich auseinandertreten: die Luft ist kälter als die Erdoberfläche und die ihr nächste Luft­schicht. In diesem Fall sättigt die sich auf der Erde verdunstende Feuchtigkeit— von feuchten Wiesen, Was­serflächen, sumpfigen Geländen— mit der kälteren Luft der oberen Schichten und wird als Wasserdampf. der aus feinsten Tröpfchen besteht, ausgeschieden— der Nebel ist da. Im Grunde ist der Nebel, den wir als graue Schwaden wallen, als graue Wand stehen sehen, nichts anderes als eine Wolke, die nicht hoch über uns hinwegzieht, sondern auf der Erde aufliegt. Wenn wir im Hochgebirge einmal durch eine Wolke hindurchwandern und schließlich, auf hohem Gipfel, über ihr stehen und dann gar etwa ein Gewitter unter uns beobachten können, dann empfinden wir das als ein Erlebnis. Die„Wolken auf der Erde“. der Nebel, macht uns nicht so außerordentlichen Eindruck, wenngleich auch er, als Naturstimmung, die Phantasie der Men­schen seit Urzeiten lebhaft beschäftigt hat.

Bei einer zweiten Entstehungsursache des Nebels lie­gen die Verhältnisse genau umgekehrt. Nebel bildet sich auch dann, wenn über Teilen der Erdoberfläche Luft steht oder über sie hin Winde streichen, deren Tem­veratur höher ist als die des Bodens unter ihnen. Während die erste Form in den gemäßigten Zonen die häufigere ist, ist die zweite besonders charakteristisch für die Subtropen und Tropen.

Am frühen Morgen, vor Sonnenaufgang, und am Abend. findet das ganze Jahr hindurch hier und da Nebelbildung statt, im Herbst aber vermehren sich die atmosphärischen Voraussetzungen der Erscheinung er­heblich. Dem Wetterkundigen sagt der Nebel mancher­lei. Steigender Nebel deutet auf bevorstehenden Regen, fallender auf gutes Wetter. Zu starken Nebelbildun­gen kommt es, wenn im Herbst die ersten vorwinter­lichen Abkühlungen der Luft eintreten. Im Winter ist es ein gutes Zeichen, wenn sich Nebel bildet: Tau­wetter steht dann bevor. Mundartlich und dichterisch heißt der Nebel auch„Rauch“. Unter den Strahlen der erwärmenden Sonne löst sich der„Rauch“ auf und verschwindet. In großen Städten ist stärkere Nebel­bildung selten, da auf dem Steinboden ihrer Straßen die zu seiner Entstehung erforderliche Feuchtigkeit nicht vorhanden ist. Eine bekannte Ausnahme bildet Lon­don, dessen dicke, gelben Nebel, die„fogs“, berüchtigt sind.

Wir kören im Rürdeunle

Montag. Reichsprogramm:.30—.45 Uhr: Eine

Sendung zum Hören und Behalten aus der Geschichte Japans..50—.00 Uhr: Der Frauenspiegel. 12.35 bis 12.45 Uhr: Der Bericht zur Lage. 14.15—15.00 Uhr: Klingende Kurzweil mit der Hamburger Unterhal­tungskapelle Jan Hoffmann. 15.00—16.00 Uhr: Schöne Stimmen und bekannte Instrumentalisten in Terzetten und Trios. 16.00—17.00 Uhr: Otto Dobrindt dirigiert das Berliner Rundfunkorchester. 17.15—18.30 Uhr: „Dies und das für euch zum Spaß“. Unterhaltung mit Wiener Künstlern. 18.30—19.00 Uhr: Der Zeitspiegel. 19.15—19.80 Uhr: Frontberichte. 20.15—22.00 Uhr (auch über den Deutschlandsender): Für jeden etwas. Deutschlandsender: 17.15—18.30 Uhr: Musik zur Däm­merstunde: Werke von Max von Schillings, Hermann Götz, Bizet und Berlioz, Dirigent: Artur Rother, Solist: Hans Priegnitz.

„Küssenpfennig“— wenig besiebt

Im 16. und 17. Jahrhundert bezeichnete man noch einen Geizhals als„Küssenpfennig". Aehnliche Ausdrücke dafür waren der„Drückenpfennnig“ und der„Nagerauft". Ihnen allen schob man den Wahlspruch zu:„Ich küsse, bete an das Geld.“ Das Wort„Geizhals“ ist erst durch Luther in die deutsche Sprache eingegangen, im 19. Jahrhundert sprach man auch von einem„Geizkragen".„Hals“ wird dabei als ver­schlingender Nachen oder Schlund gebraucht.„Geizhals" be­deutet im Grunde„gieriger Rachen".

Wie entstand der„Leitfaden“

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann man, ein Lehrbuch als„Leitfaden“ zu bezeichnen. Es ist dies eine ver­einfachte Bezeichnung für„Faden der Ariadne“. In der grie­chischen Sage gab Ariadne dem Theseus einen langen aufge­wickelten Faden mit, als er das berühmte Labyrinth des Königs Minos betrat, um das darin hausende Stier=Unge­heuer Minotaurus zu töten. Nur an Hand dieses Fadens gelang es Theseus, den Rückweg aus den verschlungenen Wegen des Labyrinths zu finden.

Und das Leben gehlweiler.

ROMAN VON HANS ERNST Urbeberrechtschutz:

Deutscher Roman-Verlag Klotzsche(Bez. Dresden)

2. Fortsetzung

Der Bauer stand auf und schickte sich zum Gehen.

„Mir wärs recht, wenn es so käm, wie du sagst. Aber ich wär mit einem schon zufrieden.“ Er setzte den Hut auf, schaute die beiden dann ein wenig verärgert an und sagte:„Wie man nur grad so bockbeinig sein kann. Vielleicht reut es euch einmal.“

„Dös glaub ich weniger“, antwortete der Schmied trocken.

„Ich könnt jetzt fad sein und euch die Pachtwiese nehmen.“

„Um Gotteswillen“, jammerte die Frau, aber der Bachschmied überschnitt sie mit scharfer Stimme: „Wenn d' meinst, Bürgermeister, ich kann dich net hindern dran. Verhungern tun wir deswegen noch lange net. Im übrigen lauft der Pacht erst in drei Jahren ab. Und da wirst du uns auch net kündigen, sondern du wirst den Pacht dann auf weitere fünf Jahr verlängern.“

„Sooo? Wer sagt dir denn dös?“

„Ich sag es.“

„Dann tu dich ja net täuschen, Bachschmied.“

„Ich täusch mich net, denn du wirst doch net hab'n wollen, daß die Leut im ganzen Dorf erfahren, warum du mir die Buckelwiesen nimmer geben willst.“

„Aha, da naus willst du.“ Eine Zornader stand

plötzlich auf der hohen Stirn. Aber er beherrschte sich. „Du hast recht, Bachschmied. Es wär mir recht, wenn es unter uns blieb, was wir geredet haben heut abend.“

„Von uns erfahrt niemand was.“

Ohne Gruß verließ der Bauer die Stube. Sein her­kischer Schritt verlor sich bald dararuf draußen in der Dunkelheit.

*

Noch hatte der Morgen das Tor der Nacht nicht vollends aufgestoßen, als ein Mann quer über die Wiesen kam, obwohl er ja auch die Straße hätte achmen können, die schön und breit durch Birkenzell

führte. Aber er war aus dem Wald aufgetaucht, in dem er vielleicht die Nacht geschlafen, oder den er durchwandert hatte, um am Morgen am Ziel zu sein.

Bald war er es, aber er lief deshalb nicht schneller, wie man es zu tun pflegt, wenn das Ziel nahe ist. Nein, ganz gemächlich ging er dahin, ja. nun blieb er stehen wie überwältigt von dem schönen Bild des aufsteigenden Frühlingsmorgens. Ueber der Ortschaft selbst lagen noch feine Nebel, aber über die Berg­spitzen flutete es in heller Röte hin.

Kein störender Laut war im Morgen, nur die Vöglein erfüllten ihn mit ihren jubelnden Liedern. Dann schlug die Glocke an im Zwiebelturm der Dorf­kirche und läutete den Morgengruß.

Immer heller wurden die Lüfte über den erstarrten Riesenwogen des Gebirgszuges, der das Tal umschloß. Ueber allen Spitzen aber ragte der Dämon heraus, dieser herrliche Berg, der das Auge immer trunken machte, zu welcher Zeit man ihn auch anschauen mochte.

Am schönsten freilich wurde der Dämon erst am Abend, wenn die Sonne sinken wollte. Da sah dieser Riése— wenn das Abendlicht sein Haupt umschmei­chelte— so zart aus wie ein Jüngling mit rot­seidenem Umhang, wie ein guter Kamerad, der seine Urkraft schamhaft vor den Menschen verhüllte. Und doch war er gnadenlos, dieser Berg, im Bewußtsein seiner riesenhaften Macht. Er hatte schon manchen Menschen zerbrochen, der sich leichtfertig in seinen Be­reich gewagt hatte. An die Wenigen aber, die ihn bezwungen hatten, verschenkte er wunderbare Herr­lichkeiten, denn von seinem Gipfel sah man weit in das Land hinaus, und man sah über tausend Berg­kuppen weg die silbernen Spitzen des Großvenedigers leuchten.

Der Mann, der aus dem Morgen auftauchte wie ein Waldschratt, kannte den Dämon. Und er kannte auch die anderen Berge; das Sonnenjoch und die Schurerwand, und er suchte nun mit schmalen Augen die Routen, die er gegangen war. Es hing noch Schnee in den Rinnen und auf den Kuppen, obwohl der Frühling schon mit aller Macht im Lande war. O ja, es grünte und leuchtete alles, die kleinen Saatfelder lagen wie dunkle Teppiche im helleren Grün der Wiesen, und die blühenden Kirschbäume standen im Dorf und an den Hängen wie weißgekleidete Jung­trauen.

Tief atmend trank der Mann das morgendliche Bild der Landschaft und dachte: dies ist nun wieder Heimat liebe, geliebte Heimat. Er spielte ein bißchen mit diesem Wort, dessen Klang und Bedeutung ihm ge­fiel, obwohl es eigentlich seine wirkliche Heimat gar nicht war. Immerhin waren es gern gelebte Jahre in diesem Tal. und er hatte so oft daran denken müssen in all den schweren Zeiten, die er durchlebt und durchgekämpft.

Heimat ist eigentlich alles, dachte er,— alles Land, in dem die deutsche Zunge klingt. Es hat nur jeder Mensch einen bestimmten Platz, an dem er wohnt und der seinem Herzen näher liegt...

Nun ging er wieder weiter und bog auf die stille Landstraße ein. Das Dorf war erwacht. Hunde schlugen an, als er vorüberging. und als er die Häuser des Oberdorfes hinter sich hatte, begann er ein kleines Lied vor sich hinzusingen, dessen Rhythmus sich in die Bewegung seines Schrittes einfügte. Hoben nicht die Blumen am Straßenrand verwundert die Köpfe beim Klang dieser Schritte? So etwas war fremd und deutete nur eine ganz ferne, verblaßte Vertrautheit an. Hier kannte man nur den schweren Schritt der Bauern oder den leichtsinnigen der Vagabunden. Ein Soldat war lange nicht mehr marschiert auf dieser Straße. Ob der Mann nun ein Soldat war, das konnte nicht sogleich ohne weiteres behauptet werden. Erst bei näherem Hinsehen konnte man feststellen, daß der Mann tatsächlich so etwas wie eine vergangene Uniform trug. Ja, da sah man auch, daß viele Son­neei= und Regentage hingegangen waren über dieses Kleid gegangen, viel Nebel und Winde und die Feuch­tigkeit dunkelnder Nächte. Und noch etwas war an diesem Gewand, etwas, das man nicht auf den ersten Blick sah, das man überhaupt nur leise ahnen konnte: ein stilles, verborgenes Heldentum.

„Die wiehernden Rosse sie stampfen— die Birken sie wiegen sich lind...“ sang der Mann. Und de weiter im Kehrreim:

„Dort bei den Sternen überm Waldesrand liegt die neue Zeit...“

Hier lächelte der Mann nun ein wenig. Die neue Zeit lag wirklich noch hinter den Sternen, wenn die Menschen auch glaubten, schon in ihr zu leben, obwohl es nichts war als eine Zeit der Schande und der

Schaer.

Nun lag das Dorf schon hinter ihm. Einige hundert Meter noch, und er war am Ziel. Unter den blühen­den Bäumen sah er schon das kleine Bachschmiedhaus hervorleuchten. Ueber der Straße stand die Schmiede. Das Tor stand weit auf, aber es tönte noch kein Hammerschlag.

Darum ging der Mann hinein. Nichts war ihm fremd hier. Er zog den Rock aus, krempelte die Hemd­ärmel hoch und hing sich den Lederschurz um. Dann schlug er das Feuer an und trat den Blasebalg. Gleich darauf schlug er ein rotglühendes Eisen, daß die Funken sprühten. Von diesem Klang erwachten die Bachschmiedkinder. und sie wußten gleich, daß Robert wieder da war. Denn diesen schnellen. wilden Schlag, konnte nur Robert führen mit seiner ungestümen Kraft. Auch der Schmied. der drüben auf der Bach­wiese das Grünfutter für die beiden Kühe mähte, hielt inne und hob lauschend den Kopf.

„Hörst es. Mutter?“ rief er der Frau zu. die das Gras auf den Schubkarren lud.

Die Bärbel aber verließ den Stall und lief barfuß über die Straße und blieb unterm Schmiedetor stehen.

„Robert.“ sagte sie leise, und der Mann hielt mitten im Schlage inne, sah das Mädchen stehen und lächelte beinahe kindhaft. Sein Gesicht war vom Feuer rot beleuchtet und eine schwarze Locke fiel verwegen in seine Stirn.

„Ja, da bin ich wieder, Bärbel“, sagte er.„Hoffent­lich kann mich dein Vater noch brauchen.“

„Und wie notwendig!“ sagte sie.„Wo bist denn jetzt gewesen die ganze Zeit?“

Da lächelte er wieder auf die gleiche Weise.

„Mußt net fragen, Dirndl. das verstehst du doch net.

„Kimmst rüber, dann richt ich dir eine Supp'n her“, sagte das Mädel noch und sprang über die Straße.

Ja, da war nun Roberi wieder zurückgekehrt. Es gab nicht viel zu reden über seinen Verbleib während der Zwischenzeit. Er war wieder da und es war gut so. Für die Bachschmiedkinder war das so. als wenn nach langen Regentagen nun plötzlich die Sonne wie­der scheint. Er wußte so vieles und man konnte“: so gut gebrauchen, diesen Robert. Niemand auf

Welt hatte solche Geduld wie Robert. Ein fa“ Spielkamerad war er den Kindern.

Ber