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Redaktion, Druck und Verlag

Aullicht= Ergan fur den Landgerichtsbestra Vortmuns.

Bahrheit.— Gerechtigkeit.— Gemeinwoßl. e=

von Ph. Culbart in Castrop.

Kro. 67.

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Erschamn Brutwahe und Gantage und kestea in der Expedttion: Marf durch Ge

elsächrlich in Mark 1,1

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peonton 1 Mrarr, durch Bote= Illustr. Blätter 50 Pfg.

Mittwoch, 22. August 1888.

Jasetiens-Gelähe:

für die einspaltige Zeile oder deren Raum 10 Pseunige. Reclamen per Zeile 30 Pfennige.

14. Jahrg.

Politische Aebersicht.

Deutschland.

In einer Tischrede, welche Kaiser Wilhelm am Donners­tag in Frankfurt a. O. gehalten, sagte der Kaiser, daß die gesammte Armee und das ganze Volk eher zu Grunde gehen, als auch nur einen Stein von dem Errungenen aufgeben würden.

Generalfeldmarschall Graf Moltke war nach Berlin ge­kommen, um dem Kaiser seinen Dank für die Ernennung zum Präses der Landesvertheidigungskommission auszusprechen und die Uebernahme seiner neuen Stellung zu melden. Als der Kaiser, der zur Besichtigung der Berliner Garnison in der Hauptstadt eingetroffen war, die Ankunft des greisen Feld­herrn erfuhr, wartete er die Meldung desselben nicht ab, son­dern überraschte ihn am Freitag Nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr in seiner Dienstwohnung und blieb eine halbe Stunde bei dem alten Herrn. Graf Moltke soll tief gerührt und er­griffen gewesen sein ob dieser einzig dastehenden Auszeichnung, da es niemals dagewesen, daß ein Monarch einer persönlichen Meldung zuvorgekommen ist; er soll die Bitte ausgesprochen haben, der Kaiser möge ihm Gelegenheit zur Bethätigung seiner Dankbarkeit geben. Der Akt ehrt den Grafen Moltke ebenso, wie den Kaiser.

Unser Kaiser besichtigte am Samstag Vormittag in Ge­genwart zahlreicher hoher Offiziere auf dem Bornstedter Felde bei Potsdam das erste Garderegiment zu Fuß. Nach Schluß der glänzend verlaufenen Uebung setzte sich der Kaiser an die Spitze des Regimentes, dessen Uniform er trug und ritt unter den Klängen der Nationalhymne mit demselben durch die Straßen nach dem Regimentshause, wo die Leibkompagnie defilierte. Der Kaiser nahm mit den Offizieren das Frühstück ein. Auf den Toast des Regimentskommandeurs antwortete der Kaiser mit einem Trinkspruch auf das Regiment, in welchem er der verstordenen Kaiser gedachte und unter Bezugnahme auf seine eigene Ausbildung in diesem Regiment die Verdienste desselben um die Pflege der altpreußischen Tradition hervor­hob. Nachmittags 4 Uhr fand im Potsdamer Stadtschlosse großes Galadiner aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers Franz Joseph von Oesterreich statt. Der Kaiser Wilhelm trank dabei auf die Gesundheit seines hohen Verbündeten. Dem Mahle folgte eine Dampferfahrt auf der Havel, zu welcher alle Theilnehmer an der Tafel geladen waren.

Der Kaiser hat Montag Vormittag die in Spandau garnisonirenden Garderegimenter, das 4. Garderegiment zu Fuß und das Garde=Grenadier=Regiment Nr. 3 Königin Eli­sabeth besichtigt.

S. M. der Kaiser ist bis um die Mitte des September durch die Manöver des Garde= und des 3. Armeekorps in Anspruch genommen. Dann ist ein Besuch des sächsischen und des baperischen, wahrscheinlich auch des württembergischen und badischen Hofes beabsichtigt und sodann wird jedenfalls von Süddeutschland aus die Abreise nach Wien erfolgen, von wo die Reise nach Rom fortgesetzt werden soll. In Rom ist die Ankunft des Kaisers für Mitte Oktober angekündigt. Ein Besuch der Reichslande liegt in diesem Jahr nicht in der Ab­sicht des Kaisers, vielleicht aber dietet sich im nächsten Jahr ein Anlaß, in den Reichslanden einen längeren Aufenthalt zu nehmen.

Das Marineverordnungsblatt publiziert die nachstehende kaiserliche Kabinettsordre:„Ich habe bei Meiner Reise nach Rußland, Schweden und Dänemark Veranlassung genommen, einen größeren Theil Meiner in Dienst gestellten Schiffe und Fahrzeuge zu besichtigen und zur Begleitung auf diesen Fahr­ten heranzuziehen. Mit lebhafter Befriedigung habe Ich hier. bei gesehen, daß Führung, Dienstbetrieb und Mannszucht in Meiner Marine mit vollster Hingebung gehandhabt werden und daß die Erscheinung Meiner Schiffe in fremden Häfen geeignet war, sie die anerkennende Beurtheilung des Auslan­des finden zu lassen. Gerne spreche Ich daher Meinen Kai­serlichen Dank aus den Admiralen, Kommandanten, Offizieren und Mannschaften Meiner Manöverflotte, im besonderen auch dafür, daß bei der Zusammengehörigkeit von zehn Schiffen zu fast dreiwöchiger Fahrt keinerlei Zwischenfälle eingetreten find, welche die gestellte Aufgabe in ihrer gewissenhaften Aus­führung hätten beeinträchtigen können. Ich vertraue daher, daß Schiffe und Fahrzeuge, welche unter Meinen Augen einen Theil ihrer Uebungsperiode mit so gutem Erfolge absolviert haben, auch allen ferneren Aufgaben derselben bis zum Schlufse zu Meiner Zufriedenheit entsprechen werden.“

Das Befinden der Kaiserin ist durchaus erfreulich; die hohe Frau hat bereits längere Zeit im Freien zubringen können.

Eine Dankeskundgebung des gesammten deutschen Volkes für den Grafen Moltke anläßlich des Rücktrittes desselben von seiner Stellung als Chef des Generalstabes der Armee wird zu der„Schles. Ztg. vorgeschlagen.

In den letzten Wochen sind bedeutende Personalverände­rungen in den höheren militärischen Stellungen vor sich ge­gangen. Dadurch ist es bereits bewirkt, daß jetzt schon Gene­ralmajors mit einem Patente vom Herbst 1885 zu Führern von Divisionen ernannt worden sind, während sonst mindestens fünf Jahre zu vergehen pflegten, ehe die Brigadekommandeure zur Division heran waren. Am auffallendsten ist jedoch der Sprung, welchen durch die neuesten Beförderungen die etats­mäßigen Stabsoffiziere der Infanterie— die Oberstlieutenants — gemacht haben. Es sind hier Oberstlieutenants mit einem Patent vom Juni 1886 zu Regimentsführern ernannt worden, also nach nur zweijährigem Verbleib in der Oberstlieutenants­charge, während sonst hierfür durchschnittlich fünf Jahre ge­rechnet wurden. Da aber die Reihe der Beförderungen noch lange nicht abgeschlossen sein dürfte, sondern nach Einführung des neuen Exercier=Reglements für die Infanterie voraussicht­lich noch sehr zahlreiche personale Veränderungen vom Stabs­offizier aufwärts zu erwarten sind, so ist jetzt schon mit Sicher­heit vorauszusehen, daß binnen Jahresfrist unsere Armee eine gewaltige Steigerung ihrer Kriegsbrauchbarkeit durch eine durchgreifende Verjüngung ihrer höheren Chargen erfahren haben wird.

In Leipzig fand am Samstag die Enthüllungsfeier des Siegesdenkmals statt. Der König und die Königin von Sach­sen, die Prinzen Georg und Friedrich August, die Prinzessin Mathilde, General=Feldmarschall Graf Moltke und die Staats­minister wohnten der Feier bei, welche sich zu einem erheben­den Nationalfeste gestaltete. Die Straßen der Stadt, beson­ders der Marktplatz, waren festlich geschmückt.

Für die 35. Generalversammlung deutscher Katholiken, die in Freiburg i. Br. abgehalten werden wird, ist dieser Tage das Programm erschienen. Es werden 4 öffentliche Versammlungen gehalten werden, sodann Versammlungen des Bonifazius:, des Vinzenz= und des Rafael=Vereins, ferner ein Kommers und ein Gartenfest. Die kleine Exzellenz und der Geschichtsschreiber Janssen haben ihr Erscheinen zugesagt.

" Der Statthalter von Elsaß=Lothringen, Fürst Hohenlohe, ist in St. Petersburg eingetroffen. Wie verlautet, soll Fürst Hohenlohe dorthin gekommen sein, um die Angelegenheit des Nachlasses des Fürsten Wittgenstein zu ordnen, welcher große Güter in Rußland besessen hat und dessen Erbe Fürst Hohen­lohe ist.

Aus Sansibar wird gemeldet, daß die deutsche Gesell­schaft, welcher am Donnerstag offiziell vom Sultan die Ver­waltung der Küste verliehen worden sei, in 14 Häfen die deutsche Flagge zusammen mit der des Sultans unter dem Donner der Geschütze gehißt habe.

Oesterreich=Ungarn.

In Oesterreich=Ungarn ist am Sonntag unter allgemeiner großer Theilnahme der Geburtstag des Kaisers Franz Joseph begangen worden. Das Kaiserpaar selbst verlebte den Tag in stiller Zurückgezogenheit in Ischl.

Die Verschärfung des Gegensatzes zwischen Rußland und Oesterreich, von der die täglich zunehmende Verbitterung in den Auslassungen der beiderseitigen tonangebenden Preßorgane, namentlich über das Verhalten der führenden panslavistischen Blätter unverkennbar Zeugnitz ablegt, wird in Berliner dip­lomatischen Kreisen mit größter Aufmerksamkeit verfolgt. Man besorgt in denselben, daß die Versuche, eine Verständigung und Ausgleichung herbeizuführen, trotz der Entrevue von Peterhof eröffneten günstigen Perspektiven, schließlich doch als erfolglos sich erweisen könnten.

Frankreich.

Boulanger ist plötzlich wieder der Held des Tages ge­worden, bei den am Sonntag stattgehabten Ersatzwahlen zur Deputirtenkammer wurde Boulanger sogar dreimal gewählt. Es erhielten in Lille Boulanger 130 152, Köchlin 126 567, Desmoutiers 97409, Moreau 95.023, Delcourt 6347, Del­clouze 5837 Stimmen; in Amiens: Boulanger 76 094, Ber­not 41371; in Larochelle: Boulanger 32614, Lair 23731. Nach weiteren Nachrichten ist in der Charente Inférieure Boulanger's Wahl gesichert. Seit Sonntag Abend wurden 54 Verhaftungen vorgenommen, von denen 25 aufrecht er­halten wurden. Paris war Montag allenthalben ruhig, je­doch hörte man öfter als in der letzten Zeit den Ruf„Hoch Boulanger!“ Seit Montag früh 6 Uhr wird das Wahler­gebniß von den Verkäufern der boulangistischen Blätter unter furchtbarem Lärm in den Straßen ausgerufen. Das ganze Arbeiterviertel sowie die Boulevards waren bis zum späten Abend mit Menschenmengen angefüllt; die Polizei trieb die­selben fortwährend auseinander. In Amiens mußte das Mili­tär mit aufgepflanztem Bajonett gegen die Mengen einschreiten. In Lille kam es zu Schlägereien zwischen Boulangisten und Antiboulangisten, wobei viele Verhaftungen vorgenommen wurden.— Dem Vernehmen nach soll gegen diejenigen Aus­länder, welche an den jüngsten Kundgebungen der feiernden Arbeiter theilgenommen haben, Ausweisungsbefehle erlassen werden.

Das Resultat der großen Flottenmanöver ist für die englische Marine außerordentlich wenig schmeichelhaft. Von allen Manöverschiffen waren nur zwei tadellos, alle übrigen zeigten größere oder gerinzere Fehler.

Rußland.

Bei der Festtafel anläßlich des Feiertages des Gardere­giments Preobaschenski brachte der Zar die Gesundheit des österreichischen Kaisers in französischer Sprache aus und trank den Mitgliedern der österreichischen Botschaft zu.

Lokales und Westfälisch-Rheinisches.

Castrop, 21. August. Die letzten Tage waren ja so­weit ganz angenehm, als sie wenigstens trocken waren, wenn die Wärme auch zu wünschen übrig ließ; sie wurden denn auch fleißig zu Arbeiten in Garten und Feld benutzt. Beim Schreiben dieses sing es wieder leicht an zu regnen, scheint

an shantet ves i geben, was Idermnam nur angenchm sei., könnte, da vorläufig noch Naß entbehrt werden kann, na­mentlich jetzt, wo die Weizenernte so recht im Gange ist.

— Dortmunder und Essener Blätter schrieben in den letzten Tagen von einer beabsichtigten Verschmelzung unseres Rennens mit dem in Dortmund. Es scheint bei den Blättern wohl nur der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen zu sein, denn in maßgebenden Kreisen ist von dieser Absicht nichts bekannt. Jedenfalls hätte Dortmund ein größeres Interesse an einer Verschmelzung als Castrop.

— Am 18. Januar d. J. gerieth der Bergmann Fried­rich Steinweg aus Obercastrop mit seiner energischen Nach­barin, der Ehefrau Maschinenwärter Johann Kaltenbach in Streit, in dem er diese mit einem Messer verletzte. Die am Donnerstag vor der Strafkammer in Dortmund stattgehabte Verhandlung ergab, daß Steinweg eine Gegnerin gefunden, die in der Handhabung des Besenstils, wie auch der Zunge eine außerordentliche Gewandtheit zu entwickeln weiß und die­ser Umstand kam ihm sehr zu gute, denn der Gerichtshof hielt die Schuld mit einer Geldstrafe von 100 Mark eventuell 20 Tagen Gefängniß für gesühnt.

— Mit dem 1. August sind folgende Aenderungen der Postordnung in Kraft getreten: 1. Auf der Vorderseite der Postkarte darf der Absender fortan außer den auf die Beför­derung bezüglichen Angaben noch seinen Namen und Stand bezw. seine Firma, sowie seine Wohnung vermerken. 2. Die Aufschrift der Waarenprobe darf nicht mehr auf einer soge­nannten Fahne angebracht und der Sendung angehängt sein, sondern muß auf diese selbst aufgeschrieben werden. 3. Im Falle der Nachsendung wird für jeden neuen Bestimmungsort vom Tage der Ankunft daselbst eine besondere Einlösungsfrist von sieben Tagen berechnet. 4. Postsendungen, welche an verstorbene Personen gerichtet sind, dürfen den Erben ausge­händigt werden, wenn dieselben sich als solche durch Vorleg­ung eines Testamentes oder der gerichtlichen Erbbescheinigung legitimiren; so lange dieser Nachweis nicht erbracht ist, wer­den die gewöhnlichen Briefsendungen an die Familienangehö­rigen oder den Hauswirth, Vermiether 2c. bestellt. 5. Bei Packeten, bei Briefen mit Werthangabe, sowie bei Briefen mit Nachnahme erfolgt die Nachsendung künftig nur auf Verlangen des Absenders, bei vorhandener Sicherheit für das Porto auch auf Verlangen des Empfängers.

— Anläßlich der Einziehung der Reservisten ist die Frage entstanden, ob dieselben während der sechswöchentlichen Uebungs­zeit Beiträge an die Ortskrankenkassen zu zahlen haben. Im Krankenkassengesetz ist dieser Fall nicht vorgesehen. Die Sache liegt so, daß die eingezogenen Reservisten die Beiträge nicht zu zahlen brauchen, da sie während der Dienstzeit die Kranken­kasse gar nicht belasten können. Sollte ihre Mitgliedschaft bei der Kasse inzwischen erlöschen, so können sie nach der Uebung ohne Eintrittsgeld in die Ortskrankenkasse wieder eintreten, da der Wiedereintritt in die Kasse innerhalb 13 Wochen nach der letzten Beitragszahlung frei ist. Auch sind dieselben während der Uebungszeit von Klassen= und Einkommensteuer befreit.

— Der von der Zeitschrift„Stahl und Eisen“ gemachte Vorschlag, zu beiden Seiten des Rhein=Ems=Kanals Schmal­spurgeleise zu legen, um das Schleppen der Schiffe mittelst Lokomotiven zu bewirken, wird von anderer Seite dahin er­weitert, eines der Geleise normalspurig zu legen, um im Winter bei eintretender Stockung des Kanalverkehrs dieses Geleise zu Transporten verwenden zu können und zugleich allerorts den Anschluß an bestehende Bahnlinien zu erleichtern. Auch dieser Vorschlag hat in betheiligten Kreisen den wohl­verdienten Beifall gefunden; die so zu erzielenden Vortheile springen zu sehr in die Augen, um für die Folge nicht nähe­rer Betrachtung unterzogen zu werden. Ohne Zweifel erblickt man darin nicht allein eine wesentliche Erleichterung der An­schlüsse an den Kanal, sondern geradezu eine äußerst erwünschte Ergänzung des Kanals durch Sicherstellung des Betriebes für