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Druck und Verlog: Corl Braus.
Ceiegr. Adr.: Braus, Schwerterudr. Cel.62. Postschect- Dortmund 2852 Verantwortliche Schriftleitung. Karl Richter: Stodt und Provinz
Friodr Kroas; sämtlich in Schwert#.
Nr. 217
Freitag, 15. September 1922
55. Jahrgang
Zum Geleit.
Was wohl dem Herzen größre Sorge schafft? Mehr Kraft als Pflicht? Mehr schwere Pflicht als Kraft?
Wohl dem, bei dem in schönem Gleichgewicht Die beiden Schalen schweben: Kraft und Pflicht.
Frida Schanz.
Neueste politische Nachrichten.
Belgien fordert von Deutschland auf die Dauer von 6 Monaten beschränkte Schatzwechsel und Deponierung von 100 Millionen Goldmark in einer Belgien genehmen Bank.
In Pariser politischen Kreisen wird mit der
Möglichkeit eines Verg
eiches in der Frage
der Bürgschaften für die deutschen Schauscheine gerechnet. Die von Deutschland verlangte Verlängerung der Schatzwechsel soll gewährt werden; aber nicht auf 18 Monate sondern auf ein Jahr.
Die deutsche Regierung will die belgische Forde
rung nach einem Golddepot ablehnen.
In Berlin sind Bestrebungen im Gange, auf Grund der innerpolitischen Vorgänge eine Erweiterung der Reichsregierung vorzubereiten.
Stegerwald hielt gestern in Berlin eine große politische Rede, in der er Richtlinien für eine große Koalition aufstellte.
Der Reichskanzler wird wegen der Inanspruchnahme durch die neue außenpolitische
Krise seinen beabsichtigten Urlaub nicht antreten.
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Die Spitzenverbände der Beamten und Staatsarbeiter wollen nach Beendigung der Münchener Tagung des Deutschen Eisenbahnerverbandes die Regierung ersuchen, noch im Laufe dieses Monats auf die jetzt gültigen Gehälter und Löhne Teuerungszuschläge zu gewähren.
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Der Reichsverkehrsminister hat zum 16. 9. den Ausschuß des Reichseisenbahnrates nach Berlin einberufen, um über die prozentuc beraten, die zum 1. Okte
höhungen für
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Ksenlbahntates narh Berlin einberufen, um über die prozentualen Tariferhöhungen zu beraten, die zum 1. Oktober mit Rücksicht auf die letzten Preiser...(4 Materialien und auf die jüngsten Erhohungen der Teuerungszulagen für das Personal notwendig werden.
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Der Reichstagsausschuß für das Postwesen nahm u. a. gestern einen Zentrumsantrag an, wonach die Post den Bezug und die Bezahlung der Zeitungen für einen Monat anstatt wie bisher für ein Vierteljahr ermöglichen muß.
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Der im Verlag der„Germania“ im 32. Jahrgang erscheinende„Deutsche Volksfreund“ muß vom 1. Oktober an sein Erscheinen einstellen.
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In Karlsruhe und auch in Baden=Baden fanden Versammlungen vertriebener ElsaßLothringer statt, die ihrem Unmut über die Schleppung der Entschädigungsfrage Ausdruck gaben. Sie erklärten, von dem Vorschuß nicht leben zu können und forderten schnelle Entscheidung.
Der ungarische Minister des Aeüßeren erklärte einem Vertreter der„Schweiz. Dep.=Agentur“, er habe aus den Besprechungen mit verschiedenen Delegationen den allgemeinen Eindruck gewonnen, daß die Aufnahme Ungarns in den Völkerbund von keiner Seite ernstlichem Widerspruch begegnen würde.
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Die Türken haben Brussa besetzt und damit die letzten Griechen von der Küste des Marmarameeres verdrängt.
Der Dollar stieg an der Berliner Börse nach Bekanntwerden der belgischen Forderungen wieder auf. 1600.
Es fordert kurzfristige Schatzwechsel und das Golddepot.
Der belgische Ministerrat hat beschlossen, von Deutschland die Begleichung der am 15. August und 15. September fälligen Zahlungen mit Schatzscheinen zu verlangen, die durch ein Golddepot sichergestellt werden sollen, das in einer der belgischen Regierung genehmen Bank hinterlegt werden soll.
Deutschland lehnt die belgische Forderung ab.
Dieser Beschluß wurde am Dienstag dem deutschen Geschäftsträger in Brüssel, Dr. Landsberg, mündlich notifiziert. Die deutsche Antwort, die in ablehnendem Sinne erfolgen wird, dürfte erst beschlossen und abgesandt werden, wenn die schriftliche Note über die Entscheidung der belgischen Regierung vorliegt.
Nähere Einzelheiten
über diesen Beschluß teilt der„Temps“ mit: Denach halte Belgien die Verhandlungen mit Berlin für abgeschlossen. Die deutsche Regierung habe der belgischen bis zum 15. September zwei Schatzanweisungen mit sechsmonatiger Lauffrist zu übergeben, die den Zahlungen des 15. August und des 15. September im Gesamtbetrage von 100 Millionen Goldmark zu entsprechen hätten. Gleichzeitig habe Deutschland zum 15. September die Summe von 100 Millionen Goldmark an die Nationalbank in Brüssel abzuliefern.
Alles werde nunmehr davon abhängen, ob Deutschland diesen beiden Verpflichtzungen nachkommen oder sie ablehnen werde. In halbamtlichen Brüsseler Kreisen glaube man an eine einfache Ablehnung. In diesem Falle hätte die Reparationskommission die„Verfehlung Deutschlands“ festzustellen. Man glaube, daß diese Feststellung einstimmig erfolgen werde(?) weil es nicht möglich(?) sei, die Lauffrist der Sechsmonatswechsel auf 1 Jahr zu verlängern. Belgien würde bei dem Vorschlage, daß die Reparationskommission die Verfehlung Deutschlands feststelle, sicherlich auf Frankreichs Seite treten. Die alsdann zu ergreifenden Maßnahmen würden aber von den alliierten Regierungen beschlossen werden. Allerdings fügt dasselbe französische Blatt hinzu, daß man in gewissen Brüsseler Kreisen eine Abneigung gegen Strafmaßnahmen habe, weil man befürchte, daß die die geplante große Brüsseler Finanzkonferenz unmöglich machen.
England hofft noch.
Während die Franzosen ganz offen gegen die Gewaltpolitik predigen, hofft man in England immer noch, daß es nicht bis zum äußersten kommen werde. So schreibt der Lloyd George nahestehende Daily Chronicle, die wörtliche Durchführung des belgischen Beschlusses hieße Deutschland überhaupt jede Atempause verweigern, die ihm die Reparationskommission doch unzweideutig
habe bewilligen wollen. Die Krisis, die man für überwunden hielt, sei wieder da, aber es sei noch zu früh für Pessimismus, es könnte immer noch ein Ausweg gefunden werden.
Wieder einiger Optimismus.
Berlin, 14. Sept. Wie in politischen und wirtschaftlichen Kreisen verlautet, soll Reichsbankpräsident Havenstein mit der Bank von England darüber verhandeln, ob sie bereit ist, in Gemeinschaft mit der Reichsbank als Garant des Deutschen Reiches für die Schatzwechsel aufzutreten. In litischen Kreisen verlautet ferner, daß ein eng lischer Vermittelungsvorschlag vorliegt, der die Gegensätze zwischen Deutschland und Belgien überbrücken soll. Im Gegensatz zu den letzten Tagen zeigt man jetzt innerhalb der Berliner Regierung wieder einigen Optimismus, und es gilt als nicht ausgeschlossen, daß noch eine Einigung zustande kommen wird. Die deutsche Regierung wird jedoch nur dann bereit sein, sich auf der Grundlage eines Kompromisses zu einigen, wenn es bei der Prolongation der Schatzwechsel bleibt.
Am Vorabend einer neuen Reparationspolitik?
Paris, 14. Sept. Der„Temps“ schreibt, wenn die deutsche Regierung sich weigere, den belgischen Forderungen nachzukommen, so werde die belgische Regierung schon am 16. September die Reparationskommission von dieser Weigerung verständigen. Die Kommission werde dann über ein neues Verschulden Deutschlands zu beraten haben. Im „Intransigeant“ schreibt dagegen de Gobart: Nach Erkundigungen glaubt er, daß es wenig wahrscheinlich sei, daß die Reparationskommission energische Maßnahmen ergreifen werde. Keiner der Alliierten denke augenblicklich an eine militärische Operation. In Paris stehe man vor einem großen Umschwung, man stehe am Vorabend einer neuen Reparationspolitik. Lubersac werde' der Mann sein, der einen neuen Weg beschreiten werde, den andere und vor allem Loucheur bezeichnet haben. Gobart versichert, der 24. September werde der Tag des Besuchs der deutschen Industriellen in Nordfrankreich sein. Dieser Tag werde dann die franzsischen Staatsmänner und die französischen Großindustriellen als offizielle Führer von Hugo Stinnes und der anderen Großindustriellen in den verschiedenen Gebieten sehen. Neue deutsch=französische Verhandlungen werden sich an diesen Besuch knüpfen und neue Abkommen ausgearbeitet werden. Es sei möglich, daß der Besuch aus technischen Gründen um 10 Tage verschoben werde. Zahlreiche Franzosen erblickten darin schon heute weittragende Ergebnisse. Der November 1922 werde vielleicht den Abschluß des Waffenstillstandes der letzten 4 Friedensjahre bilden.
Stegerwald
zu der großen Koalition.
Staatsminister a. D. Stegerwald hielt in einer Versammlung in Friedenau eine große Rede, in der er hochdiplomati#che Ausführungen über unsere außer= und innerpolitische Lage, insbesondere über die innerpolitischen Notwendigkeiten der nächsten Zukunft machte. Stegerwald ging davon aus, daß der deutsche Staat und das deutsche Volk gegenwärtig an zwei Uebeln kranke: einmal an dem Versailler Vertrag und zweitens daran, daß wir sehr viel mehr konsumieren als produzieren. Zur Lösung der neuen staatspolitischen fundamentalen Fragen hält er eine große innerpolitische Einigung des deutschen Volkes sowie die Schaffung einer großen parlamentarischen Koalition für notwendig. Bei der Frage, die den Reichstag im Oktober beschäftigen wird, ob eine Koalition vom Zentrum bis zu der unabhängigen Sozialdemokratie oder von der deutschen Volkspartei bis zur unabhängigen Sozialdemokratie geschaffen werden soll, entscheidet Stegerwald sich für die letztere Koalition. Die Reichsregierung müsse sich auf die allerbreitesten
Volksschichten stützen. Notwendig sei in Deutschland eine parlamentarische Mehrheit und eine Konlition, die dafür Gewähr bieten, daß beim deutschen Wiederaufbau sowohl die staatspolitischen als auch die sozialen Belange möglichst wahrgenommen würden. Dafür bietet die aus 180 Sozialdemokraten, 70 Zentrumsleuten und 40 Deutschdemokraten zusammengesetzte Regierungskoalition nicht die Gewähr. Mit der Sozialdemokratie, die in 50jähriger Geschichte mit Klassenkampfagitationsfragen groß geworden sei, könnten lediglich die sozialpolitischen Belange wahrgenommen werden. Solange das deutscht Volk sich zur Ueberwindung seines Elends noch nicht zu einer politischen Einheitsfront aufgerafft habe, hält er die Schaffung des Gleichgewichts politisch für unumgänglich notwendig„Aus diesen Gedanken heraus hat er sich für den Gedanken der Arbeitsgemeinschaft zwischen Zentrum, der deutschen und der bayrischen Volkspartei und der Deutschdemokraten eingesetzt. Diese Arbeitsgemeinschaft soll nicht gegen die Soziakdemokratir gerichtet sein, sondern neben ihe errichtet sein. Sie soll ferner als gegenseitiges Erziehungsmittel für die beteiligten Parteien wirken. Von großer Bedeutung sei es, daß auch die
deutsche Volkspartei in diesen Erziehungsprozeß einbezogen werde. Wenn es sich als ein großer Fehler herausgestellt habe, daß man die Sozialdemokratie nicht mit zur Verantwortung an den staatlichen Geschicken herangezogen habe, so sei es heute noch viel unrichtiger, die beiden Parteien von rechts, von denen die Führer der Wirtschaft überwiegen, von der staatlichen Mitverantwortung fernzuhalten. Stegerwald stellte zum Schluß seiner Ausführungen folgende Richtlinien auf, nach denen seiner Ansicht nach eine starke Arbeitsgemeinschaft im Reichstage schon heute erfolgreich wirken könne,
1. die Republik ist die Staatsform, von der beim deuschen Wiederaufbau auszugehen ist. Alle gegen sie gerichteten Bestrebungen sind auf das schärfste zu betämpfen. 2. Es ist eine aktive Außenpolitik zu betreiben, die zum Ziele hat a. die Gewährung eines langfristigen Moratoriums für Deutschland, b. die Revision des Versailler Vertrages. 3. Der Wiederausbau Deutschlands ist nur möglich durch eine Sozialpolitik. Die Lohn= und Gehaltsempfänger stellen den weitaus größten Teil des Volkes und einen bedeursamen Faktor für den Wiederaufbau dar. Sie sind aus allen Gebieten in Staat und Wirtschaft angemessen zur Mitwirkung heranzuziehen. 4. Die deutsche Wirtschaft ist den Notwendigkeiten der Stunde entsprechend umzugestalten. Die Steigerung der Kohlen, Stickstoffund Brotgetreideproduktion ist nachdrücklichst zu fördern. Der Verbesserung der Technik und der Industrie ist die größte Sorgfalt zuzuwenden. Die Einfuhr nichtlebensnotwendiger Gegenstände vom Ausland ist zu unterbinden. Die organisierte Wirtschaft ist angemessen zur Mitverantwortung an den staatlichen und wirtschaftlichen Geschicken heranzuziehen. 5. Die deutsche Innenpolitik verfolgt insgesamt das Ziel, das öffentliche Leben von Schiebern und Wucherern und.von engherzigen, egoistischen, politischen und wirtschaftlichen Interessengeist zu entlasten und das deutsche Volk in allen Schichten und Wirtschaftszweigen zu einer gegenseitigen Opfergemeinschaft zu erziehen.
Der Kampf gegen die Teuerung.
Die Regierungsbesprechungen mit den Gewerkschaften.
In einer Besprechung des Reichswirtschaftsministers und des Reichsernährungsministers mit Führern der Gewerkschaften erklärten diese, wenn die Arbeitgeber Ueberarbeit forderten, so müßten auch sie ihr Interesse angesicht der Not des Volkes zurücktreten lassen, und Handel und Industrie müßten in der Preisgestaltung Maß halten und nicht dem Dollarstand auf dem Inlandsmarkte wahllos nachlaufen. Der Reichswirtschaftsminister erörterte die Möglichkeiten und Schwierigkeiten, welche sich bei den angeregten weiteren Schritten zur Bekämpfung des
Ausverkaufes des deutschen Marktes
durch die Ausländer zeigten und unterftrich die schweren Bedenken, welche der tadelnswerten Fakturierung in Auslandswährung im Inlande entgegenständen. Weitere währungspolitische Maßnahmen, wie die Milderung der Geld= und Kreditnot und eine scharfe Kontrolle des Divisenverkehrs würden mit den anderen zuständigen Stellen erörtert. Eine Besteuerung der Börsengewinne bezw. eine scharfe Erfassung der Einkommensteuer habe durchaus seine Billigung; während eine Ausgestaltung der Besteuerung des Luxusgewerbes die Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus zum Teil berechtigten Bedenken gegen sich habe und wohl auch viel einbringen könne.
Der Reichsernäherungsminister kam eingehend auf die Frage der
Wiedereinführung der Zwangswirtschaft zu sprechen. Er warnte eindringlich vor der Auffassung, daß es möglich sei, einseitig ein Gebiet der Ernährungswirtschaft allein oder diese letztere insgesamt unter Freilassung der übrigen Gewerde in Zwangswirtschaft zu nehmen. Alle Erfahrungen aus der Kriegs= und Uebergangszeit spcechen dagegen. Der Minister ging dann ausführlich auf die
Aussichten unserer Ernährung
ein. Die Reichsgetreidestelle habe für die nächste Zeit genügend Brotgetreide in der Hand. Er habe keine Sorge, daß die Umlage zum wesentlichen Teil
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