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N 92.

Donnerstag den 23. April

1857

Deuttchland. Berlin, 21. April. Der„Allg. Ztg.“ wird aus München geschrieben:„Se. Heil. der Papst hat der hiesigen Nunciatur 300 Römische Scudi zustellen lassen, um dieselben dem Bau=Comité der Michaeliskirche in Berlin zuzuwenden. Die Veran­lassung zu viesem Geschenk, welches zu den seltenern in seiner Art gehört, ist eine sehr eigenthümliche, in­dem die genannte katholische Kirche in der Hauptstadt Preußens in die Lage gekommen ist, subhastirt zu werden! Da die Bevölkerung Berlins in dem letzten Decennium in einem ungewöhnlich raschen Grad zuge­nommen, so reicht die eine katholische St. Hedwigs­Pfarrkirche für die ebenfalls bedeutend angewachsene katholische Gemeinde nicht hin, und man entschloß sich, eine neue katholische Kirche(auf dem Köpnickerst

bauen, die z

sollte. Die Geldmittel gingen dem Bau=Comité aber

früher aus, als die Kirche fertig war, und da noch

erhebliche Baukosten überdies zu decken waren, so sollte die Kirche sub haste kommen. Um dieses zu verhin­pern, hat der Papst den gedachten Beitrag für die Voll­

indung dieser Kirche bewilligt, in der Hoffnung, daß ein Beispiel von günstiger Wirkung sein, und daß er

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Grichehe.

von anderer Seite an den nöthigen Beiträgen nicht sehlen werde, um die Kirche zu vollenden.“

Mainz, 18. Aprik. J. K. H. die Frau Prinzessin von Preußen beehrte gestern Mittag das„Kloster der frauen zum guten Hirten“ mit einem Besuche. Der Bischof, General=Vicar Lennig und die Frau Oberin es Klosters empfingen Ihre Königliche Hoheit an der Pforte, Höchstwelche beinahe eine Stunde im Hause serweilten und alle Einrichtungen desselben in Augen­hein nahmen, sowohl in Bezug auf die Erziehung er Kinder, als die Büßerinnen, an welche die Prin­essin eindringliche Worte der Ermahnung richtete. luch besuchte Höchstdieselbe die Kloster=Capelle und ließ sch aus der nahen St. Stephanskirche das Meßgewand

es heiligen Willigis zeigen.

Frankreich. Paris, 20. April. Es scheint keinem weifel mehr zu unterliegen, daß Neu=Caledonien zum deportationsorte für die politischen Gefangenen be­immt wird. Es soll auch ein Bischof dahin abgehen, belcher den Titel eines Bischofs von Amata führen wird. — Ueber die Verhaftungen, welche in Paris statt­efunden haben, wird jetzt das hochst merkwürdige berücht verbreitet, daß man beabsichtigt hat, den

Loge zu gelangen. Der Hauptangeschuldigte soll ein Seidenweber Namens R. sein, der sich in London be­funden haben soll, weshalb denn auch die dortigen po­litischen Flüchtlinge in Verdacht gerathen waren.

— Kaiser Napoleon feiert heute seinen 50. Geburts­tag. Die große Revue zu Ehren des Großfürsten Con­stantin soll am 6. Mai stattfinden. Es sind 50,000 Mann dazu befohlen. Der Großfürst ist übrigens nicht fremd in Frankreich, da er schon als Schiffslieutenant im April 1846 in Toulon gewesen war. Eine tele­graphische Depesche aus Toulon vom 20. April, 2½ Uhr, meldet die Ankunft des Großfürsten daselbst auf dem„Orloff“, in Begleitung des„Wiborg“ und„Pol­kan.“ Zehn Linienschiffe begrüßten ihn bei der Ein­fahrt, ein jedes mit 21 Kanonenschüssen.

— Ein Privatschreiben aus Algier vom 15. April meldet, daß das erste Zuaven=Regiment zu Tizi= Uzzu, an den Thoren Kabpliens gelegen, sein Lager aufge­schlagen hat. Tizi=Uzzu und Dra=el=Mizan sind die beiden äußersten Posten, die der General=Gouverneur von Algerien im letzten Jahr errichtet hat. Von dort aus wird das Expeditions=Corps in Kabplien eindringen. In diesen beiden Orten wird sich auch das Haupt­Depot des Armee=Versorgungswesens befinden.

England. London, 20. April. Der vorgestern in Southampton aus Brasilien angekommene Dampfer Medway hatte Diamanten zum Werthe von 60.000 L. un Bord.

### Im vorigen Jahre wurden auf der hiesigen Münze 6,440,060 L. gemünzt.

mbegocaiser durch eine Höllenmaschine, welche man unter essen Loge im Theatre français anbringen wollte, die Luft zu sprengen. Man soll vorgehabt haben, surch den Keller des Speisewirthes Chevet unter die

ff'schen

Schwurgerichts=Verhandlung.

Münster, 21. Aprtl. Die heutige Verhandlung erregte ihres Gegenstandes wegen allgemeines Interesse, so daß der Zuhörer=Raum vom Beginne bis zum Schluß derselben fort­während gedrängt angefullt war. Die Anklage lautet auf Mord resp. Theilnahme an demselben. Dieses schweren Ver­brechens angeklagt, sind der Zimmermann Ludwig Stein­acker und der Weber Theodor Tömmers, beide aus Gronau.— Am 14. October v.., etwa gegen 7 Uhr Mor­gens, wurde die Henrica Cösters, zu Gronau, todt im Bette liegend gefunden. Die 2c. Cösters war eine verwachsene, 51jährige Person, besaß ein Wohnhaus nebst einigen Grund­stücken und beabsichtigte trotz ihres vorgerückten Alters sich noch zu verhetrathen. Zunächst anwohnender Nachbar der Cösters war der Angeklagte Steinacker, dessen Kinder, falls erstere ohne Testament und unverheirathet verstarb, die Erben deren Nachlasses wurden.— Als sich bei näherer Besichtigung der Leiche der Cösters am Halse mehrere Sugillationen und im Bette an verschiedenen Stellen Flecken von Kuhdreck herrührend zeigten, wurde sofort die Ansicht ausgesprochen, daß die Cösters erwürgt set. Der Verdacht der Thäterschaft lenkte sich auf den Steinacker und wurde dessen Verhaftung angeordnet. Der­selbe bestritt jedoch bei seiner Vernehmung jede Betheiligung an der Ermordung der Cösters. Dem eigentlichen Thäter er­wachte jedoch alsbald das Gewissen, so daß er zu einem voll­