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Zwei Ausgaber ügich. und Münsterische Volkszeitung. 44860 Momenten.

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Dritte Ausgabe.

Donnerstag, 12. April 1917.

66. Jahrgang. Nr. 260.

Friedens= und Kriegskundgebungen in Rußland.

Die Kundgebungen aus Rußland häufen sich, und zwar vor allem die Kundgebungen der gegenwärtigen Regierung und einzelner Männer dieser Regierung. Wieviel mal mag Kerenski schon zu den Arbeitern von ihrer großen Aufgabe gesprochen haben, wieviel mal Miljukow von der Notwendig­keit eines Sieges und der Durchführung der Kriegsziele der Entente? Wie viel Erlasse und Aufrufe hat die Regierung schon erlassen, in denen sie zum Ausharren aufruft, oder dem Volke sein Selbstbestimmungsrecht über alle wichtigen Fra­gen der Nation verheißt? Aber alle diese vielen Kundgebun­gen haben keine Klarheit über die russischen Verhältnisse ge­schaffen, im Gegenteil, sie verwirren und sind in ihren Widersprüchen schwer unter einen Hut zu bringen.

Von den Kundgebungen und Vorgängen der letzten Tage heben sich drei besonders hervor: die Erklärungen Milju­kows an Vertreter der Presse, ferner die von den Arbeiter­varteien herbeigeführten Friedensbesprechungen in Stockholm, wo angeblich auch deutsche Abgeordnete anwesend sind, sowie die neue Erklärung der provisorischen Regierung vom 10. S. G Ar er A

Die Bestrebungen, die in diesen drei Kundgebungen ihren Ausdruck finden, zeigen den Zwiespalt, der gegenwärtig in Rußland besteht, und der es nicht zuläßt, zu bestimmten Schlüssen und Urteilen über die kommenden Dinge zu ge­langen. Miliukow, der ganz auf das Entente-Programm ein­geschworen ist, und der jetzt als Minister des Rußern Gele­genheit hat, die Politik zu verwirklichen, von der er früher träumte und sprach, will die Fortsetzung bis zur Verwirk­lichung seiner Wünsche: bis Armenien russisch ist, bis die Dardanellen in russischem Besitz sind. Danzig der russische Hafen zum freien Meere wird, usw. Die russischen Abgeord­neten, die in Stockholm für den Frieden wirken wollen, sind weit davon entfernt, derartige Annexionsgedanken zu billigen rder auch für durchführbar zu halten, und die russische Re­gierung, für die Fürst Lwow als Präsident zeichnet, hat die undankbare Aufgabe, sich auf die eine oder andere Seite zu schlagen oder eine eigene Politik zu machen, die dann not­gedrungen eine Desavo lierung des Ministers des Außern werden muß.

Sie tut weder das eine noch das andere: Die neue Er­ktärung, die sie unter dem 10. April abgegeben hat, und die mit den Worten beginnt, daß die Nachprüfung der militäri­schen Lage dem Volke offen und direkt die ganze Wahrheit sagen wolle, verbirgt hinter vielen Worte viele Wege, die die Regierung sich offen hält. Die provisorische Regierung wird es dem Willen des Volkes überlassen, alle den Weltkrieg und seine Beendigung betreffenden Fragen endgültig zu entschei­den. aber diese Entscheidung soll erfolgen in enger Gemein­schaft mit den russischen Verbündeten. Diese Entscheidung in Gemeinschaft mit den Verbündeten ist aber das Gegenteil von der Entscheidung nach dem freien Willen des russischen Volkes, weil der Wille Englands von vornherein fest­steht und eine freie Entschließung Rußlands nicht mehr zu­läßt, sofern es auf die Gemeinschaft mit England Wert legt. Somit mutet diese Wendung in der Regierungserklärung an wic eine inhaltlose und verlegene Redewendung gegenüber dem eigenen Volke sowohl wie gegenüber der Entente. In einem andern=Punkte nimmt die Regierung aber eine selb­

ständige Stellung ein und setzt sich damit in Widerspruch mit der Politik des Ministers des Außern, Miljukow. Sie er­klärt nämlich, daß das freie Rußland nicht das Ziel habe, andere Völker zu beherrschen und gewaltsam fremdes Gebiet zu besetzen, daß es vielmehr einen dauerhaften Frieden auf Grund des Rechtes der Völker, ihr Schicksal selbst zu be­stimmen, herbeiführen will. Die russische Regierung gibt da­mit die Ziele auf, die Rußland zum Kriege geführt haben. und die Wendung. Rußland verfolge nicht das Ziel, irgendein Volk zu unterjochen oder zu erniedrigen, zeigt einige Ahnlich­keiten mit den Worten, mit denen der deutsche Reichskanzler in seiner letzten Rede dem russischen Volke die Hand zum Frieden bot. Die positive Festlegung von Friedensbedingun­gen Rußlands aber, die den schwierigen Umständen entspre­chen, wie sie die Erklärung als Folge des alten Regimes selbst schildert, ist in der Regierungserklärung keineswegs enthal­ten: im Gegenteil lassen eine Reihe von Wendungen Deutun­gen zu, die eine Diskussion über den Frieden ausschließen. Die ganze Lage in Rußland bleibt danach unklar.

Für Deutschland ist es eine Frage von Bedeutung, welche“ Stellung es zu der Entwicklung Rußlands nehmen soll. Es will uns dabei scheinen, daß es vorerst wichtig wäre, zu ent­scheiden, ob es sich um eine Entwickelung zu positivem Ziele handelt, oder vielmehr um eine Zersersetzung, die zu hemmen wir keinerlei Anlaß haben. Übertriebene Erwartungen an dem gegenteiligen Zustande und auch an die Konferenz in Stockholm werden sich kaum rechtfertigen lassen, zumal selbst ein günstiger Verlauf dieser Besprechungen doch nur eine mittelbare Einwirkung auf einen Kriegesschluß haben könnte. Denn bei allex Machtfülle des Arbeiterkomitees wird man doch kaum ihm die Möglichkeit zusprechen können, einen Frie­den abzuschließen. Wird die provisorische Regierung dazu im­stande sein, oder wird die von der konstituierenden Ver­sommlung einzusetzende Regierung berufen sein, das Frie­densprotokoll zu unterzeichnen? Auch in dieser Hinsicht sind Zweifel möglich, die freilich verfallen, wenn der Friedenswille und der Friedensentschluß des ganzen russischen Volkes durch­dringt.

(2) Kovenhagen, 12. April. Dos hiesige Bureau des nor­wegischen Reederblattes„Handels oa Sjoefartsch Tidende" veröffentlichte gestern in seinem Telegrammaushang ausführ­liche Meldungen über angebliche Friedensver­bandlungen, die zwilchen deutschen und russischen So­zialdemokroten in Kovenhagen stattgefunden und ein be­stimmtes Programm der deutschen Vertreter ergeben hätten. Diese Erfindungen veranlassen das weitere Gerücht, daß Scheidemann auf einer Reise nach den skandinavischen Städten begriffen sei, um an den Verhandlungen in Stockholm oder Kopenhagen mit den Führern der russischen Sozialdemokra­tie teilzunehmen. Wie das hiesige Blatt„Sozialdemokraten“ mitteilt, entbehren die Gerüchte von einer solchen Reise und solchen Handlungen jeder Grundlage.

In Übereinstimmung mit dieser Kopenhagener Mittei­lung schreibt der„Vorwärts": über Auslandskonferenzen der Vertreter der sozialdemokratischen Parteien bringen bür­gerliche Blätter fast täglich Meldungen, die mit größter Vor­sicht aufzunehmen sind. Meistens sind sie falsch. So läßt sich der„Lokalanzeiger“ aus Wien telegraphieren, daß sich die Genossen Adler und Scheidemann gegenwärtig in Stock­halm befänden. Genosse Dr. Adler befindet sich aber zurzeit in Wien und Scheidemann in Berlin.

∆ Basel, 12. April.(KG.] Laut dem„Baseler Anzeiger“

schreibt die Londoner„Morningpost“ zu dem Aufruf der russischen Regierung über Krieg und Frieden, der Aufruf set ein demstigender Schlag für die Verbün­deten Rußlands. An der Entente sei es jetzt, end­gültig festzustellen, ob Rußland noch ein aktiver Verbündeter der Entente sei oder nicht. Zu Extrakundgebungen sei jetzt die Zeit zu ernst.

Genk, 12. April.(KG.) Clemencean schreibt zu der zussischen Proklamation: Uns will scheinen, als

Zu äußerster Heftigkeit gesteigerter Artillerie­numpf zwischen Voissons und Keims.

24 Flugzeuge abgeschossen.

Großes Hauptauertier, 12. April.(WTB.) Westlicher Kriegsschauplatz,

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Kronprinzen

Rupprecht von Bayern.

Auf dem Nordufer der Gearpe wurden bei heftiger Artilleriewirkung Angriffe der Engländer auf Vimy und bei Fampoux abgeschlagen.

Südlich der Bachniederung führte der Gegner starke Kräfte zum Stoß gegen unsere Linien vor. Nach mehrmals gescheitertem Ansturm ging uus Mouchy verloren; nördlich und südlich des Ortes brachen englische Augriffe, an denen auch Kavallerie und Panzerkraftwagen teilnahmen, verlustreich zusammen.

In den Kämpfen bei Bullecourt wurde ein Anfangs­erfolg des Feindes durch Gegenstoß ausgeglichen; dabei blieben 25 Offiziere, über 1000 Mann und 27 Maschinen­gewehre in unserer Hand.

Aus einem Gefecht bei Hargicourt, östlich von Péronne, wurden mehr als 100 Gefangene und 5 Maschinen­gewehre eingebracht.

St. Quentin wurde auch gestern stark beschossen. Front des deutschen Kronprinzen.

Von Soissons bis Reims hat sich der Feuer­kampf zu äußerster Heftigkeit gesteigert; ein­zelne Frontstrecken lagen mehrfach unter Trommelfener.

In der westlichen Champagne ist gleichfalls der Ar­tilleriekampf im Wachsen.

Erkundungsvorstöße französischer Insanterie wurden ab­gewiesen.

Armee des Generalfeldmarschalls Herzog Albrecht

von Württemberg

Gefechtstätigkeit nur in beschränktem Umfange.

*

Trotz Sturmes waren die Flieger wieder sehr tätig: der Feind verlor in Luftkämpfen 23, durch Infanterie­fener 1 Flugzeug.

Bombeuabwürfe auf feindliche Truppenlager und Munitionsstapel im Besle= und Suippes=Tale ver­ursachten beobachteten Schaden.

Rittmeister Freiherr v. Richthofen schoß den 40. Gegner ab.

Ostlicher Kriegsschauplatz.

Front des Generalfeldmarschalls Prinzen

Leopold von Bayern.

Bei Brody an der Bahn Zloczow—Tarnopol und bei­derseits des Duiestr rege russische Feuertätigkeit.

Richthofens 40. Sieg.

An der Frout des Generalobersten Erzherzoas Joseph und bei der Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen keine wesentlichen Ereignisse.

Mazedonische Front.

Die Lage ist nicht verändert.

Der Erste Generalquartiermeister Ludendorff.

Zürich, 12. April.(KG.) Der„Corriere della Sera" be­stätigt, daß die Schlacht bei Arras die große Entschei­dungsoffensive der Entente im Westen einleiten sollte. Der„Secolo" berichtet, daß bei Arras vier englische Armeekorps und große Kavalleriemassen für den(bekanntlich nicht geglückten. Die Red.) Durchbruch bereitgestellt waren.

Amerika.

Lugauo, 12. April.(BB.) Nach einer Pariser Meldung an den„Corriere dello Sera“ werde der von Nordame rika bewilligte Kriegskredit nicht nur auf Frankreich und England beschränkt, sondern auch auf Rußland und Italien ausgedehnt.

Genf. 12. April.(KG.) Das„Newyorker Journal“ meldet: Die Opposition im amerikanischen Kongreß gegen weitere Maßnahmen Wilsons wächst. Ein Antrag, der sich gegen die Verwendung amerikanischer Truppen im Ausland ausspricht, trägt bereits 71 Unterschriften.

Amsterdam, 12. April.(WTB.) In einem Bericht der „Times“ aus Washington vom 11. April heißt es, daß die amerikanische Regierung noch immer zögere ein förmliches Bündnis mit den Ententemäch­ten abzuschließen. Die Amerikaner hätten sich infolge ihrer bisherigen Isolierung noch nicht an den Gedanken eines Bündnisses gewöhnen können. Ein förmlicher Vertrag müsse dem Senate vorgelegt werden, und dieser werde endlosen Vorurteilen doktrinärer Politiker ausgesetzt sein.

Italien.

Berlin, 12. April.(TdA.)„Droit du Peuple“ schreibt: Als Italien in den Krieg eintrat, erhob sich ein frenetischer Jubelsturm, auf den alsbald Ruhe folgte. Das Gleiche ge­schah mit Rumänien, nur folgte hier noch schneller die Beru­higung. Jetzt erleben wir denselben Jubel wegen Amerika. Unsere Presse ist außer Rand und Band: Wilson ist ein großer Mann, Amerika eine große Nation. Wilson erklärte, er werde eine Armee von einer halben Million Mann aufstellen— daraus werden im Handumdre­hen 3 Millionen gemacht— es ist ja so leicht, mit Zahlen um sich zu werfen. Später wird man ein anderes Volk, etwa China, entdecken, das man mit Vorschußlorbeeren be­kränzen und dessen Eingreifen man entscheidend nennen toird. Warum betrachtet man die Ereignisse nicht einfach mit ruhi gem Blut, statt Bravo zu schreien und sich in Ekstase zu be­geben. Und wenn es uns schlecht geht, wie in Rumänien, dann schilt man auf den Optimismus und gelobt, ihn fallen zu lassen. Das Gelübte hält aber nur bis zur nächsten Ge­legenheit vor. Wilson sagt, er führe Krieg gegen die deutsche Regierung, nicht mit dem deutschen Volke.. Nun, wir denken anders, dürfen aber seine Worte nicht lritisieren.

Auch die Pariser„Liberté“ erklärt: Wilkons idealistische * Auffassung von einem Gegensatz zwischen dem deutschen Volke und dem Kaiser ist von der ganzen deutschen Presse einhellig abgelehnt worden. So war die Denkungsweise der Deutschen zu Anfang des Krieges, so ist sie noch heute. Volk und Re­gierung sind sich einig, das dürfen wir nicht vergessen, dar­über wird sich Amerika auch bald im klaren sein.

Aus der Schweiz, 11. April. Der„Avanti“ meldet aus Rom: Gerüchte über erneute Friedensaussich­ten finden in Rom begeisterte Aufnahme. Sie würden nicht ein zweites Mal zurückgewiesen werden.(Der „Avanti“, formuliert die angeblichen Friedensgrundlagen nach dem Vorschlag der Mittelmächte.)

Kardinal Bettinger F.

=(2) München, 12. April.(Eig. Meldung.) Kardinal Bettinger, Erzbischof von München=Freising ist heute in seinem Palais gestorben.

ob diese Proklamation die erste gefahrvolle Brücke bildet, die zum Frieden führen kann.„Die Staats­männer der Entente stehen vor einer furchtbaren Verant­wortung. Denn um das zu erreichen, war die ganze russische Revolution nicht nötig.

à Basel. 12. April.(KG.) Laut dem Anzeiger sind Mitglieder der schweizerischen Sozialdemo­kratie in den letzten Tagen nach Stock holm abgereist, um sich von dort nach Petersburg zu begeben und mit der russischen Arbeiterpartei wichtige Besprechungen über Friedensmöglichkeiten zu führen.

Petersburg, 10. April.(WTB.) Petersb. Telegr.=Agent. „Rietsch“, das die Meinung des Ministers des Außeren widerspiegelt, bespricht den Erlaß der Regierung über die Kriegsziele und betont die Notwendigkeit, vor allem das Land zu verteidigen. Die Wahrheit müsse alle Parteien einigen„Rietsch“ schreibt: Einige ganz extreme Parteien begehen einen schweren Fehler, indem sie alle natür­lichen Bestrebungen, die Sicherheit nach außen und die wirt­schaftliche Entwickelung Rußlands zu gewährleisten, als Im­pcrialismus bezeichnen. Indem die Regierung das Ziel ab­weist, die Macht Rußlands auf Kosten anderer Völker zu vergrößern, gestattet sie keineswegs die Möglichkeit einer Erniedrigung des Vaterlandes und einer Verringerung seiner Lebenskräfte und seiner unverjährbaren Rechte. Gleichzeitig bestätigt die Regierung, daß sie in vollem Umfange alle ihre Verpflichtungen gegenüber den Alliierten einhalten weird. Eine Autgebe dieses Gedankenganges würde die russische Temokratie mit Selbstmord bedrohen. Die kon­kreten Friedensbe dingungen werden vom Volk in enger Ver­bindung mit den Alliierten aufgestellt werden.

Stockholm, 12. April.(WTB.)„Nya Dagliaht Allehanda". veröffentlicht die Schilderung eines aus Finland zurück­gekehrten Kenners der russischen Verhältnisse, der berichtet, daß die Revolution in Helsingfors 400 bis 500 Offizieren das Leben kostete. Nur durch das rechtzeitige Eintreffen Kerenskis sei die Zerstörung der Ostseeflotte durch die Matrosen verhindert worden, die schon zwei große Schiffe vernichtet hatten. Das schwerste Problem sei die Lebensmittelfrage, die sich unter der neuen russischen Regierung sehr zugespitzt habe.

Der bulgarische Tagesbericht.

Sofia, 12. April.(WTB.) Amtlicher Heeresbericht vom 11. April:

Mazedonische Front: Auf der ganzen Front im allgemeinen schwache Kampftätigkeit, die verschiedentlich durch vereinzeltes Artilleriefeuer und an einzelnen Stellen durch Feuerwechsel zwischen vorgeschobenen Abteilungen zum Aus­druck kam. Südlich von Gewaheli versuchten feindliche Ab­teilungen vorzugehen, wurden aber durch unser Feuer ver­trieben und zerstreut.

Rumänische Front: Hstlich von Mahmudie be­schossen ein feindlicher Monitor und mehrere Kanonenboote unsere Posten auf dem Südufer des St. Georgs=Armes; sie wurden durch unser Feuer vertrieben.

Der türkische Tagesbericht.

Konstantinopel, 12. April.(W2B.) Amtlicher Bericht vom 11. April. Irak=Front: Unseren berittenen Trup­ven gelang es südlich Felludscha zwei englische Kom­pagnien zu zwingen, von dem rechten auf die linke Euphrat­Ufer überzugehen. Hierbei wurden fünf Engländer gefan­gen und 30 getötet. Beiderseits des Tigris kam es zu keiner Gefechtstätigkeit. Der Vormarsch unserer Truppen auf das südliche Tialaufer schreitet fort. Die vor ihrer Front. befind­lichen seindlichen Kavalleriedivisionen wurden dreimal aus ihren Stellungen geworsen.— Kaukasus=Front: Im

allgemeinen nur gegenseitige Patrouillentätigkeit. Einer un­serer Kompagnien gelang es, einen Teil einer feindlichen Sicherungsstellung zu besetzen und sich in ihr zu behaupten. Der Feind verlor hierbei 30 Mann.— Von den übrigen Fronten keine besonderen Ereignisse.

Die amtlichen Berichte der Feinde.

Französischer Bericht vom 11. April, nachmittags: Die Artillerietätigkeit in der Gegend der Somme und Oise hält an. Patrouillengefechte an verschiedenen Punkten der Front verschafften den Franzosen Gefangene. Südlich der Oise scheiterte ein deutscher Versuch gegen einen kleinen Po­sten östlich von Coucy unter schwerem Feuer. Bei Maisons de Champagne während der Nacht lebhafter Handgranaten­kampf. Im Priesterwalde ziemlich heftiger Artilleriekampf. Nördlich von Arracourt brachten französische Patrouillen Gefangene ein. In der Gegend von Ban de Sapt fügten die Franzosen bei einem Einbruch in die deutschen Linien nördlich La Fontenelle dem Gegner Verluste bei.— Abends: Ziemlich lebhafter Artilleriekampf. In der Gegend von St. Quentin und südlich der Oise drängte der Feind nach lebhafter Beschießung eine unserer Abteilungen nordöstlich Verneuil sons Concy zurück. Wir warfen ihn durch einen Gegenangriff sofort wieder aus unseren Stel­lungen. Starke Tätigkeit der beiden Artillerien in der Ge­gend von Berry au Bac und La Ponelle sowie an verschie­denen Punkten der Champagne=Front. Im Priesterwalde unterhielten wir wirksames Zerstörungsfeuer auf die deut­schen Anlagen.

Englischer Bericht vom 11. April, nachmittags: Die Lage entwickelt sich gemäß dem allgemeinen Plane gün­stig. Dorf und Anhöhen von Mouchy le Preux und Laberge wurden früh morgens von uns genommen. An den anderen Teilen der Schlachtfront wurden befriedigende Fortschritte gemacht.

Englischer Hceresbericht vom 11. April abends. Den ganzen Tag über ist andauernd dichter Schnee gefallen. der die Beobachtung unmöglich machte und die Operationen stark behinderte. Ein Gegenangriff in der Nachbarschaft von Monchy le Peur wurde erfolgreich abgeschlagen. Bei Mouchn eingebrachte Gefangene erzählen, daß sie Befehl hatten, das Dorf um jeden Preis zu halten. Weiter südlich gelang es unseren Truppen in die deutschen Stellungen bei Bulles­court einzudringen, wobei eine Anzahl Gefangener gemacht wurde. Mittags wurden sie durch einen von starken feind­lichen Kräften ausgeführten Gegenangriff gezwungen sich auf die eigenen Linien zurückzuziehen. Die angreifenden seindlichen Truppen wurden von unserer Artillerie wirksam unter Feuer genommen und erlitten schwere Verluste. Unsere Flugzeuge waren gestern wieder tätig und verrichteten trotz starken Westwindes und häusiger Schneestürme im Zusam­menwirken mit der Infanterie wertvolle Arbeit. Es wur­den nur wenige feindliche Flugzeuge gesichtet. Alle unsere Flugzeuge sind unversehrt zurückgekehrt.

Der Seekrieg.

Kopenhagen, 11. April.(W7B.)„Berlingste Tidende". meldet aus Esbierg: Der Fischerkutter„Aegir“ aus Esbierg ist in der vorigen Woche ausgelaufen, um in lokalen Gewässern zu fischen. Er ist seitdem verschollen. Von Schif­fen ist das stark beschädigte Wrack gefunden worden, an dem deutlich zu erkennen war, daß das Schiff auf eine Mine gelausen ist. Das Schiff ist danach wahrscheinlich in die von den Engländern in der Nordsee gelegte Minensperre geraten und dort auf eine Mine gelaufen. Von der Besatzung, die aus drei Mann bestand, sehlt jede Spur. Wahrscheinlich ist sie ertrunken.

Christiania, 12. April.(WTS.) Wie„Tidens Tegn" meldet, haben die norwegischen Reedereien allein im März und April von den auf den amerikanischen Perf­ten für die norwegische Regierung bestellten Schiffs­raum 200 000 Tonnen im Werte von über 200 Millio­nen Kronen verkauft, wobei sie an der Tonne 400—500 Kronen verdienten.

Kardinal Franz von Bettinger wurde am 17. Sept. 1850 in Landstuhl(Rheinpfalz] als Sohn eines Schmieds geboren. Er wuchs in recht bescheidenen Verhältnissen auf und mußte als Knabe seinem Vater in der Werkstatt zu Hand gehen. Aber seine Eltern, die ihn von Anfang an für die geistliche Laufbahn bestimmt hatten, ermöglichten ihm dennoch durch ihre Opferwilligkeit den Gymnasialbesuch und das theologische Studium. Am 17. August 1873 wurde er zum Priester ge­weiht, war danach Vikar und wurde 1879 Pfarrer. 1895 wurde er Domherr in Speyer und rückte 1909 zum Dom­probst auf. Am 6. Juni 1909 wurde er zum Erzbischof von München=Freising gewählt, am 26. Juni präkonisiert und am 15. August desselben Jahres inthronisiert. Sein Vor­gänger auf dem erzbischöflichen Stuhl war Monsignore von Stein.

In der inneren Politik Bayerns spielte Franz von Bettinger zeitweilig eine viel bemerkte Rolle. Am 31. Oli. 1911 erklärte der bayerische Abgeordnete v. Vollmar(Soz. in der„Münchener Post“, es sei allen Ableugnungen gegen­über dennoch war, daß bei den Kaisergräbern im Dom zu Speyer im Jahre 1899 drei sozialdemokratische Abgeordnete eingehend mit Domaeistlichen über den Abschluß eines Wahl­bündnisses für die Pfalz verhandelt hätten.

Am 25. 5. 14 wurde Erzbischof v. Bettinger zum Kardinal ernannt. Er erhielt dabei den Titel von San Marcello.

Kardinal v. Bettinger war Reichsrat der Krone Bayerns und üfhrte den damit verbundenen persönlichen Adel.

Die neue Lebensmitteleinteilung.

Vom 15. April ab erfährt unsere Ernöhrung für einige Zeit wesentliche Anderungen:

Die tägliche Mehlmenge wird für die versorgungsberech­tigte Bevölkerung von 200 Gramm auf 170 Gramm berab­gesetzt.. Die bisherigen Streckungsmittel fallen weg.

Dem Selbstversorger, der bisher monatlich 9 Kilogramm Brotgetreide erhielt, wird diese Menge auf 6½ Kilogramm gekürzt.

Die den Kommunalverbänden für Schwerarbeiterzula­gen zugewiesenen Mehlmengen werden um 25 Prozent ver­ringert.

Die Zulagen für Jugendliche kommen gönzlich in Fortfall.

Als Ausgleich für die durch diese Neuregelung den Ver­sorgungsberechtigten entzogenen Nährwerte ist Vorsorge ge­troffen worden, daß jedem die gesetzliche Höchstmenge von täglich ¾ Pfund Kartoffeln überall gegeben werden kann. Außerdem werden den Gemeinden für die festgesetzte von Schwerarbeitern täglich weitere ¾ Pfund Kartoffeln überwiesen werden. Ferner wird jede nicht durch Haus­schlachtung selbstversorgte Person wöchentlich eine Fleisch­zulage von 250 Gramm, also ½ Pfund mehr als bisher, er­halten. Für Kinder bis zu 6 Jahren beträgt diese Fleisch­zulage 125 Gramm oder ¼ Pfund.

Die Ausgabe dieser Fleischzulage erfolgt mittels beson­derer Fleischzusatzkarten. Diese sind nicht freizügig, sondern haben nur örtliche Geltung. Die Fleischzulage wird zu einem besonders billigen Preise abgegeben. Um dies zu er­möglichen, erhalten die Kommunalverbände Reichs= und Staatszuschüsse in Höhe von insgesamt wöchentlich 80 Pfg. auf den Kopf der versorgungsberechtigten Bevölkerung. Von diesen 80 Pfg. werden jedem Kommunalverband 70 Pfg. un­mittelbar zugewiesen. Der Rest wird von den Landeszen­tralbehörden zum Ausgleich je nach der Zahl der besonders bedürftigen Bevölkerung an die Kommunalverbände verteilt.

Diese Umgruppierung der Lebensmittelversorgung muß für eine versorgungsberechtigte Bevölkerung von ungefähr 50 Millionen Köpfen in die Wege geleitet werden. Sie stellt an die vorhandenen, an sich schon überlasteten Arbeitskräfte und Transportmittol ganz außerordentliche Ansorderungen. Ohne kleinere örtliche Hemmungen und Stockungen wird es kaum abgeben. Deshalb ist die Bestimmung getroffen, daß dort, wo Hemmungen sich geltend machen, bis zu ihrer Be­hebung die bisherige Brot= bezw. Mehlmenge weiter ge­währt wird, jedoch nicht in der Form der bisherigen Brot­karte sondern auf Grund besonderer Verordnungen.

Alles in allem handelt es sich also um eine Herabsetzung der Brotration um den vierten Teil unter gleichseitignr