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Dritte Ausgabe.
Dienstag, 3. April 1917.
66. Jahrgang. Nr. 241.
Kufen sfert ven Rriegszustanr.
Washington, 2. April.[W26.) Reuter meldet: Wilson forderte heute abend den Kongreß auf, zu erklären, daß zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland der Kriegszustand bestehe.
Wir geben diese Reutermeldung, für die eine Bestätigung von anderer Seite nicht vorliegt, zunächst unter allem Vorbehalt wieder. Sollte sie sich bestätigen, so hätte Wilson dem Kongreß gegenüber die Formel ausgesprochen, die die für eine Kriegserklärung der Vereinigten Staaten übliche ist. Ein Teil des amerikanischen Volkes scheint auch tatsächlich entschlossen zu sein, die Kriegserklärung zu fordern. Dagegen macht sich das immerhin beträchtliche Gewicht der Pazifisten geltend, die in einer Stärke von mehreren Tausend nach Washington gehen, um für den Frieden zu demonstrieren. Allerdings darf man diesen Schritt wohl schon jetzt als ein vergebliches Beginnen bezeichnen: denn der Kongreß will den Krieg. Das Land aber hat kaum das Bewußtsein, daß der Krieg im Anzuge sei, und niemals ist ein Volk leichtsinniger in ein solches Unternehmen hineingegangen, als es heute die Amerikaner tun.
In Washinaton ging es bei starkem Zustrom aus allen Teilen des Landes lebhaft zu. Die Stadt war sogar vielfach beflaggt. Wie englische Meldungen berichten, sollen sich die Friedensfreunde soweit in das Unvermeidliche ergeben haben, daß sie erklärten, sie würden, wenn es tatsächlich zur Verkündigung des Kriegszustandes komme, die Regierung unterstützen.
Mittlerweile laufen denn auch Nachrichten ein, die keinen Zweifel mehr darüber aufkommen lassen, daß Wilson dem Kongreß wirklich die Entscheidung vorgelegt hat. Die Förmlichkeiten, die mit dem Beginn der Tagung verknüpft waren, wurden auf Drängen Wilsons rasch erledigt und Champ Clark(Demokrat) mit 217 gegen 205 Stimmen, die auf den Republikaner Mann fielen, zum Vorsitzenden des Repräsentantenhauses gewählt. Die amerikanische Heuchelei ging sogar soweit, durch das öffentliche Gebet eines Geistlichen unter unverantwortlicher Entstellung und Verdrehung der Tatsachen dem ganzen Vorgange den Eindruck des Weihevollen zu geben und Amerika hinzustellen, als ob es in den Krieg gedrängt worden sei. Denn der Geistliche des Repräsentantenhauses eröffnete die Sitzung mit einem Gebet, in dem es heißt, die Diplomatie habe versagt und die Aufforderung zur Vernunft und Gerechtigkeit in den Wind geschlagen.„Uns graut vor dem Kriege, wir lieben den Frieden: allein wenn der Krieg uns aufgedrungen ist, so wollen wir beten, daß das Herz jedes Amerikaners von vaterländischem Erpfinden laut schlagen möge, damit das Volk sich einträchtig um seinen Präsidenten schare und ihn bei allen seinen Anordnungen unterstütze, die er für notwendig erachtet, um das Leben der amerikanischen Bürger zu beschützen und unser Erbe in Sicherheit zu erhalten.“
Trotz dieses klassischen Ergusses amerikanischer Bigotterie sind die amerikanischen Zeitungen noch keineswegs davon überzeugt, daß alles so glatt gehen wird: denn mehrere Blätter weisen ausdrücklich darauf hin, daß Amerika seelisch nicht kriegsberei: sei. So spricht die deutschfeindliche„Tribune" offen aus, die Volksleidenschaften seien nicht genügend aufgewühlt, und wenn es Wilson nicht gelinge, die Herzen der Amerikaner zu befeuern, werde dieser Krieg den nüchternen Anstrich der Amtshandlung eines Gerichtsvollziehers tragen.
Washington, 2. April.(WTB.) Reutermeldung. Wilsons Adresse wird unverzüglich an alle Botschaften und Gesandtschaften der Bereinigten Staaten geschickt und allen amerikanischen Diplomaten im Auslande telegraphiert werden. Wie verlautet, ist die Adresse derart, daß die fremden Regierungen sie als eine Erklärung des Kriegszustandes so nahe kommend betrachten dürfen, daß dadurch Neutralitätserklärungen erforderlich gemacht werden.
□ Haag, 3. April.(Eig. Meld.) Das holländische Nieuwe Bureau meldet aus Washinaton: Von der„United Preß“. wird berichtet: Seit heute ist der Kriegszustand erklärt. Wilson sagte im Kongreß, daß seit heute nacht der Kriegszustand zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten bestehe. Wilson erinnerte in seiner Rede an die Umstände, die er bereits in seiner Rede am 3. Februar erwähnte. Er drängte auf die sofortige Bildung eines Heeres von einer halben Million Mann und die Einführung der allgemeinen Dienstpflicht. über den Antrag des Senators Flood, den Krieg zu erklären, wird noch debattiert. Wilson empfahl, zu erwägen, daß. weil Deutschlands Handlungen als nichts anderes als Krieg bezeichnet werden könnten, Amerika die ihm aufgezwungene Stellung als Kriegführender aufnehmen werde:„Ich empfehle Ihnen, sofort Schritte zu unternehmen, um Deutschlands Anmaßungen ein Ende zu machen. Der Krieg fordert die engste Zusammenwirkung mit den Verbündeten.“ Der Kongreß wurde hierauf bis Dienstag mittag vertagt, ohne einen Beschluß gefaßt zu haben.
C Haag, 3. Adril.(Eig. Meld.) Das holländische Nieuwe Bureau meldet aus Washington: Das gesamte Land ist absolnt überzeugt, daß Wilson Dienstag dem Kongreß Mitteilungen machen wird, daß der Kriegszustand tatsächlich existiert. Es ist absolut sicher, daß kein anderer Verlauf der Ereignisse zu erwarten ist. Der Senat und das Abgeordnetenhaus sind vollständig einig in der Unterstützung einer solchen Erklärung, obwohl. wie man erwartet, im Senat die oppositionellen Senatoren sich brüsten, sich bis zum letzten Augenblick zu streiten, in der Hoffnung, daß der Krieg noch abgewendet werden kann. Das Land wünscht aber allgemein, daß Amerika am Kriege teilnehme und auch eine Expedition nach Europa ausrüste, sowie direkte Aktionen vornehme. Sobald Wilson erst einmal vom Joch der Pazifisten befreit ist, wird er aggressiver und aktiver am Kriege teilnehmen, als seine frühere Haltung erwarten ließ.
(2) Rotterdam, 3. April.(W2W.]„Dailv Telegraph“ erfährt aus Washington: Es wird mitgeteilt, daß sich Wilson im Kabinettsrat vom Freitag endgültig für den Krieg ausgesprochen habe. Das ermutigte diejenigen, die mit Vorbereitungen für die Bewaffnung beauftragt waren. Selbst der bekannte Pazifist Stone, der Vorsitzende des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten, erklärte heute, daß er nicht versuchen werde, die Handlungen des Kongresses zu verhindern, obgleich er Gegner dieses Krieges sei. weil nach seiner Auffassung die Amerikaner sich nicht in die europäischen Angelegenheiten einlassen sollten. Stone sei überzeugt, daß der Kongreß sich für den Krieg erklären perde. Es würde in dieser Woche große Erregungen geben. In Washington würden die Straßen mit Aufzügen gefüllt sein, die den Präsidenten unterstützten. Sonderzüge aus vielen Städten würden vatriotische Abordnungen nach Washingvon bringen, die sich zugunsten der Kriegspolitik erklären würden. Auch die Pozifisten seien sehr tätig.
Der deutsche Tagesbericht.
Großes Hauptauartier, 3. April.(W2B.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Nördlich von Arras heitiger Geschützkampf. Mehrere gegen unsere Stellungen vordringende englische Aufklärungsabteilungen wurden abgewiesen.
Die gewaltsamen Erkundungen der Engläuder und Franzosen im Kampfgebiete nordöstlich von Bapaume und westlich von St. Quentin wurden von starken Kräften ausgeführt. Gie verliesen— wie beobachtet und Gefangenenaussagen ergaben— für den Feind äußert der lustreich. Bei Moreuil wurden von uns über 300 Engländer gefangen und zurückgeführt: sie gerieten jedoch unter englisches Maschinengewehrfeuer, sodaß nur 60 unsere Linien erreichten. Ostlich der Straße Couey=le=chatean— Soissons zersprengte unser Artilleriefener beobachtete Trupvenausammlungen, in der Champagne, südlich von Rivont, unterband seine vernichtende Wirkung einen sich vorbereitenden Angriff.—
In den Luftkämpfen verlor der Feind 4 Fluazeuge, von denen zwei durch Oberleutnaut Irhr. von Richthofen abgeschossen wurden.
Ostlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls Prinzen
Leoposd von Bayern.
Nordwestlich von Dünaburg holten mehrfach bewährte Stoßtrupps 1 Offizier, 93 Mann und 2 Maschinengewehre aus de rrussischen Stellung: auch bei Maljawitschi(nordöstlich Bogdanow), hatte ein Er kundungsvorstoß vollen Erfolg und brachte 1 Offizier und 25 Mann als Gefangene ein.
Nordöstlich von Baranowitschi griffen mehrere russische
Die Vorgänge in Washington, die uns gegenwärtig unvollständig und unklar durch englische Nachrichtenstellen übermittelt werden, bedeuten für uns keine Überraschung. Seit geraumer Zeit wissen wir, daß Wilson dem Krieg entgegen treibt, und die vorzeitige Einberufung des Kongresses zum 2. April war für uns gleichzeitig die Ankündigung, daß Wilson in dieser Zeit seine Absichten durchführen wollte. Diese Erkenntnis war bei uns allgemein, im Volke und ebenso bei den leitenden Stellen, wie aus der letzten Rede des Reichskanzlers hervorgeht, die keine Hoffnung mehr auf einen friedlichen Ausgang mehr verriet. Man hat mit der Agitationsmetbode, die drüben üblich ist, selbst diese Rede zur Stimmungsmache ausgenutzt, obwohl der Kanzler sagte, daß das deutsche Volk ohne Haß und Feindschaft in diesen Krieg gehe, der ihm aufgezwungen wird, weil es sein Land, sein Recht, seine Existenz gegen englische Willkür, englische Habgier und Neid und Englands Rechtsbrüche verteidigen muß. Amerika wollte uns in den Arm fallen, wollte uns unsere starke Waffe entwinden, wir waren bereit, den Unterseebootkrieg einzustellen, wenn England zur Einhaltung der völkerrecht. lichen Bestimmungen zu bewegen sei. Acht Monate haben wir darauf gewartet, haben ebenso lange gewartet, daß Amerika seine Hand rühren werde. um England zur Einhaltung der völkerrechtlichen Bestimmungen zu bewegen, aber nichts ist in dieser Hinsicht geschehen. Jetzt spielt Wilson die gekränkte Unschuld: Er versucht es, eine amerikanische Kriegserklärung zu vermeiden und es so darzustellen, als ob Deutschland die feindseligen Handlungen begonnen habe.
Aber die Fiktion Wilsons ändert nichts an der Tatsache und sie ändert auch nichts daran, daß Wilson die hunder Jahre alte Freundschaft mit Deutschland ebenso beendet wie er die Monroedoktrin die Grundlage der auswärtigen Politik der Vereinigten Staaten, über den Haufen wirft. Gerade die Demokraten waren es, die an dieser Politik festgehalten haben und die von einer imperialistischen Politik. wie Wilson sie jetzt betreibt, nichts wissen wollten. Das wird in der inneren Politik noch Rückschläge bringen, die zu den schwerwiegendsten Folgen des Vorgehens Wilsons zählen und die dazu beitragen werden, daß die Folgen seiner Politik für Amerika schwerwiegender sein werden als für uns.
Bei uns in Deutschland hat man die Folgen eines eventuellen Krieges mit Amerika sachlich und nüchtern erwogen. Wir verheblen uns nicht, daß der Eintritt Amerikas in den Krieg einen Kräftezuwachs unserer Gegner bedeutet. Dieser Kräftezuwachs ist für uns nicht erwünscht, aber wir wissen auch, daß er nicht entscheidend sein wird. Die Hilfsmittel Amerikas sind den Gegnern bisher schon in reichem Maße zugute gekommen. Die Munitionserzeugung war auf das Außerste angespannt, und in der Entente hat man schon ändstlich darauf hingewiesen, daß die Munitionsversorgung dem Eintritt Amarikas in den Krieg und der Vermehrung des eigenen Bedarfs eher abnehmen als zunehmen werde. Der große Reichtum des reichsten Landes der Erde aber wird dn geschwächten Ententemächten zufließen, die den neuen Siegen schon sehnsüchtig entgegenblicken. Es heißt, daß Wilson auch an eine Ausgestaltung der Armee der Vereinigten Staaten denke, daß# sogar an die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht dente. Das sind Umwälzungen, die nicht von heute auf morgen zu vollziehen sind, die aber für die Zukunft des Landes von entscheidender Bedeutung sein werden. Unmittelbarer wird die Einwirkung des Eintritts Amerika in den Krieg auf die ermüdeten Völker der Entente wirken, die neue Hoffnung daraus schöpfen werden. Namentlich wird nicht zu übersehen sein, daß der Einfluß auf Rußland für die weitere Entwickelung der Dinge von Bedeutung sein kann. Den bedrückten russischen Bauern und Arbeitern ist Amerika das goldene Land der Freiheit und als solches ein Land der Autorität. Ihnen mag in Unkenntnis der wirklichen Lage und der sachlichen Bedeutung der Eintritt Amerikas 2is ein Zeichen des baldigen Endes des Krieges erscheinen und sie so eher bestimmen, den Krieg fortzuführen. Wir müssen das abwarten.
Wir müssen das abwarten und tun das im vollen Vertrauen, vor allem nachdem die Obersten Heeresleitung durch den Mund des Reichskanzlers von ihrer Zuversicht Kenntnis gegeben hat.
Noch ist die Entscheidung in Amerika nicht gefallen, aber wir zweifeln nicht daran, daß der Kongreß der Politik Wilsons zustimmen wird. Wir können es bedauern, daß Amerika die Rechtsfrage auf die Seite schiebt und versucht. sie zu einer Gewaltfrage zu machen. Aber auf unserer Seite wird, wie das Recht auf unserer Seite war, auch die größere Kraft sein, und darum bleibt unsere Zuversicht unverändert. 829
Kompagnien eine unserer Feldwachen an, die trotz starker Feuervorbereitung ihre Stellung voll behauptete.
Lebhaftes russisches Feuer beiderseits der Bahn Zloczow= Tarnopol. An der Slota=Liva und am Dujestr sind keine Infauterieangriffe gefolgt.
An der Bistritza=Solotwinska vordringende Jagdabteilungen der Russen wurden vertrieben. An der Frout des Generalobersten Erzherzogs Joseph und bei der Heeresgrupep des Generalfeldmarschalls von Mackensen keine Ereignisse von Bedeutung.
Mazedonische Front
Zwischen Ochrida= und Prespa=See drangen unsere Truppen in vorgeschrlebene Stellungen der Franzosen. Sie kehrten nach Abweisung von Gegenangriffen befehlsgemäß in die eigenen Linien mit Beute zurück.
Nördlich von Monastir ist ein kleiner französischer Angriff gescheitert.
Der Erste Generalquartiermeister Ludendorff.
Der österreichische Tagesbericht.
Wien, 3. April.(WTB.) Amtlich wird verlautbart: Ostlicher Kriegsschauplatz,
An der Bistritza=Solotwinska scheiterten Vorstöße russischer Aufklärungstruppen. Nördlich des Dujestr stellenweise erhöhte russiche Gefechtstätigkeit.
Italienischer Kriegsschauplatz,
Keine besondere Begebenheit.
Östlich des Ochrida=Sees drangen unsere Truppen in feindliche Gräben ein und brachten Gefangene zurück.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: v. Höfer, Feldmarschallentnant.
Ein bewaffnetes amerikanisches Handelsschiff versenkt
Basel, 3. März.(IFrift. Ztg.) Die Havas=Agentur meldet unter dem 3. April aus Le Havre: Ein dentsches Unterseeboot versenkte das Schiff„After", das erste bewaffnete amerikanische Handelsschiff, das sich nach Europa begab. Eins unserer Patrouillenboote traf auf dem Meere eine Barke, an deren Bord sich 19 Mann von der Besatzung befanden. 78 Mann sollen vermißt werden. Da das Meer hoch gebt, befürchtet man, daß sie nicht mehr gerettet werden können.
*
Von dem deutschen Kaverschiff. Rio de Janeiro, 2. April.(WTB.) Havasmeldung. Der deutsche Hilfskreuzer nahm folgende Schiffe:„Gladys Royle".„Lady land",„Charles Gounod".„Perce Antonin“.„Buenos Aires“ litalienischer Segler, 1811 Tonnen),„Penmore“(englischer Segler, 1437 Tonnen),„Rochefoucould",„Gupleix" und „Horngarth“ mit zusammen 261 Seeleuten der verschiedensten Staatsangehörigkeit, darunter 102 Franzosen. Ungerechnet sind noch 22 Mann von der Bark„Cambronne“. Der Bericht des Kapitäns der Bark besagt: Am 20. März, 7 Uhr 30 morgens, nahmen wir im Nordosten ein Segelschiff wahr, das schnell ankam. Zwei Seemeilen entfernt geite es plötzlich die Segel auf. und wir erkannten die deutsche Flagae. Zugleich mit dieser Veränderung machte das Schiff Signal und feuerte einen Kanonenschuß ab. Darauf kam ein deutscher Offizier mit bewaffneter Mannschaft an Bord, beschlagnahme die Schiffspapiere und befahl mir, mich an Bord des Kreuzers zu begeben und zur Verfügung des feindlichen Kommandanten zu stellen. Dieser teilte mir mit, daß er die„Cambronne" versenken wolle. Er entsetzte mich des Kommandos und beauftragte den englischen Kapitän John Miller vom„Penmore", alle gefangenen Schiffsbemannungen von Bord des Kreuzers nach Rio de Janeiro zu bringen. Die Umschiffung wurde sogleich mit Hilfe meiner Boote, die von Booten des Kreuzers geschleppt wurden, bewerkstelligt. Während meiner Abwesenheit waren meine beiden Bramstangen abgesägt und die Bramsegel ins Wasser geworfen, um so die Fahrt der„Cambronne" zu vermindern und dem Kreuzer Zeit zu schaffen, andere Gewässer zu er7 Uhr abends betraten die letzten Gefangenen, nämlich die Kapitäne, mein Schiff.— Die Berichte der übrigen Kapitän lauten äbnlich.(Die Schiffe„Gladys Rvyle“. „Charles Gounod".„Rochefoucould" und„Horngarth“ wurden bereits in dem Bericht Nr. 237 des„Münst. Anz.“ genannt.)
Wie aus der Havasmeldung weiter hervorgeht, erzählen die Seeleute, daß das Kaperschiff ein Motorsegler sei, der den Namen„Seeadler“ führe. Es sei das frühere englische Segelschiff„Cap of Balmaha“, das zum Beginn des Krieges erbeutet worden war. Im allgemeinen hätten die Deutschen die Gefangenen gut behandelt.
Von den Kriegsschauplätzen.
Von der Ostfront. Frankfurt, 3. April.(Eig. Meld.) Wie der„Frankf. Ztg.“ berichtet wird, glückte gestern abend an der Niemen=Front in der Nähe von Kupisk nach kurzer, wirksamer Artillerievorbereitung ein Handstreich auf einen zum linken Niemen=Ufer vorgeschobenen Posten der russischen Feldwache. Eine aus Posenern und Schlesiern bestehende Stoßtruppe brachte die Besatzung der Stellung gefangen zurück, nachdem sie die Anlagen zerstörk hatte.
Amsterdam. 2. April.(WTB.) Die englische Verlustliste der„Times“ vom 26. März enthält die Namen von 182 Offizieren und 19041 Mann.
Das Schicksal unserer Heldenfriedhöse im geräumten Gebiete.
Großes Hauptquartier, 25. März.
Anläßlich der Räumung eines Streifens besetzten Gebietes habe ich zahlreiche Briefe erhalten, in denen die Angehörigen von Gefallenen ihrer Sorge um das Schicksal der dem Feinde überlassenen Heldengräber Ausdruck aeben. Diese Zuschriften alle einzeln zu beantwortten, ist nicht möglich. Besorgnis darüber, daß sich französische oder englische Soldaten an den Ruhestätten deutscher Krieger vergreifen werden, braucht wohl nicht zu bestehen, zumal der Feind bei seinem Vordringen überall gesehen hat, wie würdig wir seine Toten bestattet haben. Auf vielen der von uns angelegten Friedhöfe ruhen deutsche und feindliche Krieger nebeneinander, und der Gedanke scheint unsaßbar, daß eine feindliche Truppe sich die deutschen Gräber heraussuchen würde, um sie zu schänden. In den Ortschaften, wo man Zivilisten zurückgelassen hat, sind diese vielfach als Zeugen zu der von uns vor der Raumung vorgenommenen schriftlichen und photographischen Bestandaufnahme unserer Heldenfriedhöfe herangezogen worden. Auch diese Zivilisten werden sich wohl hüten, ihren Daß gegen uns an Grabkrenzen und Denk
stäigen auszutoben. Denn sie wissen, daß wir alle Möglichteiten der Vergeltung in der Hand haben.
W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.
Friedenserörterungen.
Berlin, 3. April.(W2B.) Amtlich. Seine Apostolische Majestät Kaiser Karl und Ihre Majestät die Kaiserin und Königin Zita trafen heute, bealeitet von dem Chef des k. u. k. Generalstabes, General der Infanterie Arz von Straußenburg. und dem Minister des Auswärtigen. Graf Czernin, im deutschen Großen Hauptquartier ein, um dem deutschen Kaiserpaar einen Besuch abzustatten.
Npc. Ballin und der Friede. Zeitungsnachrichten zufolge, soll Generaldirektor Ballin geäußert haben: wir hätten zum 1. Juli den Frieden. Wir können uns nicht denken, bemerkt dazu die„Neue politische Correspondenz“, daß eine so kluge Persönlichkeit wie Herr Ballin diesen Ausspruch so apodiktisch getan haben sollte. Er würde außerdem schwerlich zutreffen. Sicher ist nur, daß der Anfang vom Ende da ist, und daß wir nach menschlichem Ermessen einen vierten Winterfeldzug nicht mehr haben werden: weiteres aber möchten wir nicht prophezeien, und mehr wird auch Herr Ballin nicht in Aussicht gestellt haben.
Kopenhagen, 3. April.(WTB.)„Politiken“ schreibt zur letzten Kanzlerrede:: Die russische Revolution bildete den Hintergrund für beide Teile der Kanzlerrede. Klar und stark tritt der Friedensgedanke durch die Erklärung hervor, daß Deutschland keinen höheren Wunsch habe, als daß Rußland ein sicheres Bollwerk für den Frieden wird und das russische Volk nicht die geringste Einmischung in die inneren Angelegenheiten Rußlands zu befürchten brauche. Der Kanzler hat damit in bestimmten, unzweideutigen Worten die neuen Zustände in Rußland anerkannt.
Noc. Graf Czernins Konferenzvorschlag: eine Verlängerung des Krieges!
Die„Neue politische Correspoudenz“ schreibt:
Soweit man die Czerninsche Konferenzidee als unsere Bereitwilligkeit ansehen kann nach wie vor einen Frieden zu schließen, der zwar den schweren Blutverlusten der Zentralmächte gerecht wird, aber über das Notwendige, was wir erreichen müssen, nicht hinausgeht. kann die Anregung willkommen geheißen werden, wie dies ja auch geschieht. In der Praxis sofort durchgeführt, würde sich die Konferenz sicher zu einer Verlängerung des Krieges herausgestalten. Graf Czernin meint zwar, der Krieg könne während der Konferenz ruhig seinen Fortgang nehmen, und er verweist dabei auf 1870, auf Bismarck und Jules Favre und die Belagerung von Paris. Der Unterschied aber ist in das Auge springend. Paris wurde belagert, und wenn diese Belagerung ihren Fortgang nahm, so konnte während dessen draußen geschehen, was da wolle: wir kamen in der Zwischenzeit kriegerisch vorwärts. Eine Konferenz aber, im jetzigen Zeitpunkt des Krieges berufen, würde unter allen Umständen ein gewisses Zaudern auf dem einen oder andern Kriegsschauplatz, wenn nicht auf allen, herbeiführen. Und da man ziemlich sicher annehmen kann daß eine jetzt zusammentretende Konferenz mit großen Disharmonien resultatlos verliefe— dafür würde England schon sorgen— so wäre die ganze Verhandlungszeit verloren, und der Krieg würde anstatt verkürzt, verlängert werden. Nein, was im beiderseitigen Interesse sowohl Rußlands wie der Zentralmächte läge, wäre ein baldiger Sonderfrieden mit diesem Staate, der diesem freie Hand ließe, zur ungestörten Reorganisation seiner inneren Verhältnisse. Da Rußland sowielo seinen Völkern freie Hand lassen will.sich selbständig zu organisieren, so liegt kein Grund seinerseits vor, dies nicht gegenüber dem von uns besetzten Kurland, Litauen und Polen zu tun, und ebenso auf ein Eingreifen in die Neuorganisation des Balkaus und in die Verhältnisse der Türkei zu verzichten. Damit aber wäre den Ansprüchen der Zentralmächte entsprochen, da an Kriegskosten Rußland gegenüber wohl kaum zu denken ist. Im Gegenteil: wir könnten ihm vielleicht gegen die nötigen Sicherheiten eine Anleihe gewähren. Die alte Regierung Rußlands ist beseitigt, und die neuen Machthaber sind an die Fessel, keinen Sonderfrieden zu schlienen, nicht gebunden. Ungünstig wäre ein solcher nur für England. Auch die anderen Staaten würden dadurch freier und könnten selbständig kontrahieren. Und sie würden jedenfalls bei uns durchweg auf den Entschluß stoßen, ihnen ehrenvolle Bedingungen zu gewähren, wenn auch unter Wahrung unserer und unserer Bundesgenossen berechtigten Interessen.
Wien, 3. April.(Köln. Ztg.) Zu den jüngsten Auslassungen des Grafen Czernin wird im Hinblick auf Außerungen in der neutralen Presse versichert, daß Graf Czernin eine genaue Festlegung der Friedensbedingungen und der Bürgschaften unterlassen habe, weil es unmöglich sei, aus dem Gesamtumfange der zu beantwortenden Fragen Einzelheiten herauszugreifen, deren jede von der andern abhänge.
Die Revolution in Rußland.
Amsterdam, 3. April.(W2B.] Nach einem hiesigen Blatte meldet die„Times“ aus Petersburg, daß der russische Kriegsminister und der Marineminister im Hauptauartier eingetroffen sind, um die Verbindung zwischen der Heeresleitung und der Regierung wiederherzustellen, die durch den Rücktritt des Zaren abgebrochen war. Auf der Konferenz wurde beschlossen. ein Kriegskabinett nach britischem Muster zu bilden, dem der Kriegsminister, der Premierminister und die Minister des Auswärtigen. der Finanzen, der Eisenbahnen und der Landwirtschaft und ferner Kerensti angehörigen sollen. Die meisten von ihnen sind aufgefordert worden, sich ins Hauptquartier zu begeben.
Handel und Industrie.
Von der Berliner Börse. Berlin, 3. April.(WTB.) Die Börse läßt sich trotz der anscheinend unmittelbar bevorstehenden Kriegserklärung Amerikas in ihrer zuversichtlichen Beurteilung der allgemeinen Lage nicht beirren und verkehrte daher auf allen Gebieten, nach baldiger Überwindung einer anfänglichen Schwächung für Schiffahrtsaktien, in ausgesprochen fester Haltung. Das Geschäft war aber nicht besonders belangreich, zumal wenig schwimmendes Material vorhanden zu sein scheint und nur wenig Ware zum Verkauf gelangt. Von Montanwerten waren besonders Bochumer. Phönix, Laura und Consolidation, sonst noch chemische, elektrische und später Schiffahrtswerte beachtet. Russische Bankwerte, wie Prioritäten, werden erneut höher bezohl Für heimische Bankaktien. namentlich Deutsche Bank. hot der
olänzende Abschluß der letzteren gute Anregung. Der Morkt für inländische Renten war fest, aber still; ebenso waren ausländische Renten wenig verändert.
Die Näbe der Feiertage macht sich bereits im Warenverkehr sehr fühlbar, die Umsätze sind beschränkt. In Saatgerste herrschte etwas mehr Angebot, doch war in diesem Artikel wie auch in Saathafer infolge der Unsicherheit bezüglich der statthaften Preise das Geschäft unregelmäßig. In Seradella kam manches Geschäft zu festeren Preisen zu stande. über die übrigen Artikel ist nichts Neues zu berichten.