Dienslag, 6. Juni 1933 Preis 15 Pfg.

5. Jahrgang Nr. 130

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Passau unter Hakenkreuz und blauem Wimpel

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Die gewallige.. J J

Zehntausende in der Dreiflüssestadt— Reichsstatthalter von Epp spricht

Von uns. Sonderberichterstatter E. Beinhauer.

Passau, Pfingsten 1933.

Passau, die Dreiflüssestadt an Donau, Inn und Ilz, in der Adolf Hitler seine früheste

Jugend verlebte, steht ganz im Zeichen der großen deutschen Volkstagung, des Bekennt­nisses zur deutschen Nation über alle Gren­zen hinweg, steht ganz im Zeichen des blauen Wimpels des BDA und der Hakenkreuzfahne, steht— und das ist der gewaltigste Eindruck — im Zeichen deutschen Lebenswillens, aus­geprägt durch deutsche Jugend, die aus allen Gauen des Reiches und aus vielen ausland­deutschen Gebieten hier zu Zehntausend zu­sammenströmt. Regenschauer sind der siegrei­chen Sonne gewichen. Strahlendes Wetter, da­zu das Leuchten der jungen Augen,— es sind festliche, frohe Tage, die Passau, das über und über mit Flaggen geschmückt ist, jetzt zu Pfingsten 1933 erlebt. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend erfüllten Singsang, Marschmusik, frohes Jauchzen und Lachen, immer wieder Heilrufe und Begrüßungen die Straßen. Bald ist die Bevölkerung mitgerissen. Es gibt keine Zurückhaltung mehr. Ein Volk, ein Deutschland, dieses gewaltige Erlebnis wird in diesen Tagen allen, die hier in Passau sind, geschenkt.

„Klagenfurter Tagung in Passau“ heißt der offizielle Name. Die politische Lage machte die Verlegung in letzter Stunde notwendig. Trotzdem ist hier keine Trutzkundgebung, braucht es auch nicht zu sein, denn das Posi­tive, dieses einzigartige Bekenntnis zum deut­schen Volkstum ist geschichtlich so bedingt, daß sich ihm kein Mensch, auch keine österreichi­sche Regierung, in den Weg stellen kann. Kleinliche Schikanen, Rache der österreichischen Regierung, verhinderten zwar die Teilnahme der Brüder und Schwestern des Brudervolkes, aber ihr Geist ist unser Geist, das zeigen nur die Briefe und Telegramme, die hier in Passau eingelaufen sind, das ist schließlich der Sinn dieser Tagung. Ein Sonderzug aus Kärnten mit 300 Mann, der geplant war, mußte ausfallen. Oesterreichische Minister, die gern teilgenommen hätten, haben abgelehnt mit der Begründung, daß sie fürchten müß­ten, mit anderen Ministerkollegen verwechselt zu werden, und dann etwas auslöffeln müß­ten, was andere eingebrockt haben...

5 Schilling Sichtvermerk

Nicht 1000 Mark nimmt die österreichische Regierung für den Sichtvermerk für die Reise von Oesterreich nach Deutschland, sondern nur Schilling. Aber sie erteilt den Sichtvermerk grundsätzlich, nicht, oder nur in wenigen Aus­nahmefällen und dann unter allergrößten Schwierigkeiten. So ist die Grenze jetzt also regelrecht gesperrt. Aber noch ist der kleine Grenzverkehr möglich, und es zeugt von dem Geist, der jenseits der Grenzen herrscht, wenn wir erfahren, daß hunderte von brau­nen Uniformen hier auf deutscher Seite an der Grenze aufbewahrt werden, die SA und Ss=Leute, denen drüben das Tragen ver­boten ist, anziehen, wenn sie hier hinüber­kommen, um zu zeigen, wie stark der Ge­danke„Ein Volk, ein Reich“ diesseits und jen­seits der Grenze wurzelt.

Ein Volk, ein Reich— das Schönste, das 1ch sah, ist ein Abzeichen, das aus Oesterreich stammt und das Grazer Mädels, junge

dentinnen, tragen. Es zeigt das deutsche und das österreichische Wappen und in der Mitte einen zerbrochenen Grenzpfahl, durch den die Worte laufen:„Ein Volk, ein Reich“. Sie freuen sich riesig, die jungen Grazer Studentinnen, daß sie es noch geschafft haben, rechtzeitig hierher zur Tagung zu kommen, und sie erzählen lachend, wie Humor der Studenten gegen die Regierung Dollfuß Front macht. So berichten sie, daß in Graz vor eini­gen Tagen ein Schwein auf den Straßen herumlief, dem auf den Rücken das Wort „Dollfuß“ aufgemalt war und das dann von

der Polizei unter dem riesigen Jubel der Bevölkerung gefangen werden mußte. Oder aber: Eines Tages liegt auf der Straße ein Hut und obenauf ein Hühnerei mit der Auf­schrift:„Otto". Studenten haben einen großen Kreis gebildet und als die Polizei fragt„Was soll denn das?“, da ertönten Stimmen:„Das soll doch ausgebrütet werden!“ Gewiß ein hübscher Ulk, um die Legitimisten Oesterreichs zu brandmarken, die das einheitliche groß­deutsche Reich durch eine Habsburger Monar­chie, deren Richtung nach Südosten liegt, ver­hindern wollen.

Wiener Polzei verhafter Banziger Schuler

Mit lachenden Gesichtern, trotz des ernsten Hintergrundes erzählen auch Danziger Schüler von den Erlebnissen, die sie auf der Reise von Danzig nach Passau in Wien gehabt haben. Als 11 ihrer Kameraden durch die Straßen liefen, als sie scherzhaft Kike­rikt(eine Anspielung auf die Hahnenfeder, die Starhemberg am Hute trägt) riefen, wur­den sie von der Polizei festgenommen, in­haftiert und einem strengen Verhör unter­zogen. Es kostete dem Studienrat, der die Gruppe führte, schwere Verhandlungen, bis er sie wieder freibekam. Eigentlich, so wurde erklärt, hätten sie wegen Bedrohung der Staatssicherheit bestraft werden müssen, sie sollten aber noch einmal mit einer Verwar­nung davonkommen. Dieses wurde dann groß und wichtig protokolliert und die Uebeltäter mußten ihre Verwarnungsstrafe durch Unter­schrift bestätigen.

Ein Volk, ein Reich, das ist das Bekenntnis, das wird das schönste Erlebnis. Wie können davon berichten die jungen Kärntner Leh­rer, die durch den VDA eine Sangesreise durch Deutschland unternahmen und kürzlich abends, nachdem der Führer in der Oper war, vom Kanzler empfangen wurden. Um 11 Uhr des Nachts saßen sie zusammen, die Stunden vergingen wie im Fluge, bis 3 Uhr morgens waren sie bei Adolf Hitler— ein unvergeß­liches Erlebnis für sie, die von der südlichsten Grenze Deutschlands heraufkamen und noch eines mehr erlebten: Ein Führer, ein Volk — und es wird kommen: Ein Reich!

Der Regierung Dollfuß haben wir es zu verdanken, daß die Grenzpfähle immer mehr eine theoretische Angelegenheit werden. So herzlich, wie jetzt hier in Passau, sind wohl noch nie Oesterreicher in Deutschland begrüßt worden. Als beim riesigen Fackelzug, der die Jugend am Vorabend des Pfingstfestes ver­einte, eine Wiener Gruppe mitmar­schierte, mit Hakenkreuzbinde am Arm und im Chor rufend:„Wien grüßt: Heil Hit­ler!“, da wollten die Jubelrufe schier kein Ende nehmen, da war es eine Verbrüde­rungsszene von einzigartiger Eindruckskraft.

Neben den Wienern, die hier zu ganz weni­gen noch rechtzeitig her kommen konnten, ist auch ein Vertreter des Kärntner Stammes

anwesend: Maier=Kaibitsch, der Geschäftsfüh­

rer des Kärntner Heimatbundes ist mit seiner Frau herübergekommen. Sie bringen die Grüße, die Sehnsucht ihrer Volksgenossen mit und sie tragen die Grüße zurück, die wir auf dieser„Klagenfurter Tagung in Passau“ herzlich für die Kärntner hegen. Alles war, so hören wir von ihnen, für die Tagung v###

bereitet, Holzstoß neben Holzstoß war oben auf der Bergeskette errichtet, um die südlichste Grenze Deutschlands des Nachts lodernd zu erleuchten. Die Kärntner Frauen wollten Alpenblumen pflücken, um jeden der Be­sucher durch einen Strauß zu ehren, alles war fieberhaft tätig, für die reichsdeutschen Gäste zu rüsten— da kam die Absage, die Traurigkeit, die Sehnsucht, die Wut, die sich gegen die richtet, die sich mit ihrem kleinen Ich dem breiten Strom der deutschen Volks­werdung entgegenstellen.

Wir aber sehen hier: Viel Wasser läuft den breiten Strom der Donau hinunter, vieles kann ein Jahr ändern. Unsere Liebe zu Volk und Vaterland, zum einheitlichen Reich aber kann nur wachsen.

Der Empfang Passaus

Sonderzüge auf Sonderzüge sind einge­laufen, alle riesige Mengen von Teilnehmern ausspeiend, die unter dem Vorantritt der Schülerkapellen und unter Gesang in ihre Quartiere ziehen. 8000 Jugendliche aus allen Gauen sind versammelt, über 2000 Er­wachsene nehmen teil. Der Flaggenschmuck in den Straßen wird noch ergänzt durch herz­liche Begrüßungsartikel in der Passauer Presse. Ein Blatt druckt unter der Ueber­schrift

„Wir halten durch! Der„Auslands­deutschen" Oesterreichs Gruß zur Pfingst­tagung“

einen Brief eines Deutschen aus Oesterreich ab, in dem es heißt:

„Im Zuge des Fahnen= und Wimpel­waldes, der die neudeutsche Freiheit kün­det, wird zum ersten Male eine Lücke klaffen: Deutsch=Oesterreich.

Schwestern und Brüder aus dem Reiche, mögen sich auch in den nächsten Wochen die Gefängnisse mit Bekennern zum groß­deutschen Gedanken und zum Reiche Adolf Hitlers füllen, wir halten durch, weil Ihr an unserer Seite steht.

Einmal auch werden wir frei sein, wie heute Ihr.

Und einmal werden wir wieder gemein­sam ohne blutende Grenze Pfingsten feiern, als ein Volk und ein Reich.“

Pa. Schemms Bekenntnis

Am Sonnabend begannen die Tagungen mit einer Sitzung der Frauen, es folgten die studentischen Verbände: dann kamen der erste große Höhepunkt, die Wethe­

deute

Feierlich war am Adolf=Hitler=Platz der bayerische Kultusminister, Pg. Schemm, empfangen worden, die Jugend bildete Spa­lier und dann begann— durch den Rundfunk Übertragen— eine einzigartige Kundgebung, die durch die Rede von Pg. Schimm zu einem besonderen Erlebnis murde. Nach Chorge­sängen ergriff der Minister lebhaft begrüßt das Wort, um ein persönliches Bekennt­nis zu Volk und Gott abzulegen, das in schlichte Worte gefaßt, einen ungeheuer tiefen Eindruck machte. Pg. Schemm führte u. a. aus, daß ernste Menschen sich in einer großen Zeit heute an einer historischen Stätte versammelt hätten, um die kulturelle Lage des In= und Auslandsdeutschtums zu be­raten. Durch die Vergangenheit der letzten 14 Jahre, in der alle Teile des deutschen Volkes einander in innerer Zerrissenheit be­kämpften und sich gegenseitig zerfleischten, wäre der Gedanke an das Auslandsdeutsch­tum zu wenig gepflegt worden. Es sei daher eine Auszeichnung für alle diejenigen, die in der Zeit der heutigen Volkswerdung leben dürften, nunmehr auch aus der Gestaltung des heutigen Deutschland heraus dem Schick­sal der Auslandsdeutschen neue Wege auf­zuzeigen.

Heute sei sich Deutschland seiner Mutter­schaft wieder bewußt geworden, denn das innere Leben, das Adolf Hitler wieder dem deutschen Volke einzuprägen gewillt sei, wurzle in der Grundidee, daß das deutsche Volk wieder ein ganzes Volk werden müsse.

Heute erhebe die Mutter Deutschland wieder den Schrei nach den Kindern, deutlicher als bisher. Minister Schemm erinnerte dann noch­mals daran, daß gerade von Passau aus als historischer Stätte wieder der deutsche Ruf über alle Grenzen und Meere erschallen solle, der überall dort einen Widerhall fin­den müsse, wo sich etwäs von deutschem Blute regt. Oft hätten wohl die Auslands­deutschen bisher über das Deutschland der letzten 14 Jahre die Köpfe geschüttelt, jetzt sei aber wieder das Band geknüpft, das in der jüngsten Vergangenheit oft zerrissen schien. Von Bayern aus, gerade von Passau aus wollen wir das jubelnde Bekenntnis zum Auslandsdeutschtum hinaustragen, das in seinem und der Regierung Gelöbnis gipfeln solle: die Namen Hindenburg und Hitler sind die besten Garantien für das Auslanddeutschtum, daß niemals ihre Rechte geschmälert werden dürfen.

Anschließend sprach der Reichsführer des BDA, Dr. Hans Steinacher, der als Füh­rer des Kärntner Freiheitskampfes über die Geschichte seiner Heimat und den Kampf seines Landes berichtete.

Reichsstatthalter von Epp spricht

Am Nachmittag war dann wieder der Adolf=Hitler=Platz, auf den morgens schon Pg. Schemm empfangen worden war, Zeuge einer herzlichen Begrüßung. Als Vertreter der Reichsregierung war Reichsstatthal­ter Pg. von Epp aus München erschienen, der mit einem riesigen Beifallssturm und jubelnden Rufen empfangen wurde. Zu klein war der größte Raum, um alles zu fassen, was an dieser Kundgebung teilnehmen wollte. Durch die offenen Fenster klangen die Worte noch in den Garten hinaus, in dem viele Hunderte harrten.

General Ritter von Epp nahm nach einer kurzen Begrüßung durch Dr. Steinacher das Wort:„Wenn die Passauer Tagung“, so führte er aus,„auch eine Improvisation ist, so beweisen solche Improvisationen häufig eine besonders starke Kraft und nehmen einen schöneren Verlauf als etwa von langer Hand vorbereitete Veranstaltungen. Andere Völker ompfinden von Natur aus ihr Volkstun