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110. Jahrgang— Nr. 68

Montag, den 22. März 1954

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Moslem-Bruderschaft im Hintergrund

König Saud in Kairo Sechs Bombenattentate

Besprechungen über die Nahostpolitik der Westmächte

Kairo.(dpa/Reuter) Zu Ehren König Saudsvon Saudi-Arabien, der sich gegenwärtig zu einem Staatsbesuch in Agypten aufhält, wurde gestern auf dem„Platz der Republik“ in Kairo eine große Parade ver­anstaltet. Zum Dröhnen von Düsenflugzeugen, die über den Platz hinweg­brausten, zogen Kavallerie-, Panzer- und Artillerieeinheiten, Infanterie­verbände und eine Kamelreiterabteilung an der Ehrentribüne vorüber, auf der der arabische Monarch neben Staatspräsident Nagib und anderen Staatsmännern beider Länder Platz genommen hatte. Unmittelbar vor und während des Besuches explodierten in Kairo sechs Bomben, die aber nie­mand verletzten.

Politische Kreise in Kairo messen dem die letzte innen- und außenpolitische Ent­Besuch König Sauds politische Be-. wicklung mache es erforderlich, daß die

deutung bei und erwarten, daß er mit der ägyptischen Regierung die Nahostpolitik der Westmächte erörtern wird. Die in Agypten aufgelöste Moslem-Bruderschaft appellierte an König Saud, sich bei der ägyptischen Regierung für eine Auf­hebung des Verbots einzusetzen.

Demonstration mit Dynamit

In Kairo wurden von Freitagnacht bis gestern sechs Bombenattentate verübt, die nur geringen Sachschaden anrichteten. Die Urheber der Attentate konnten bisher nicht ermittelt werden. Es wird jedoch an­genommen, daß die Moslem-Bruderschaft mit diesen Attentaten auf sich aufmerk­sam machen wollte.

Inzwischen hält die lebhafte diplo­matische Aktivität in Kairo an. Der“ ägyptische Außenminister Mahmud Fauzi empfing nacheinander den britischen und den amerikanischen Botschafter. Mit Sir Ralph Stevenson erörterte Fauzi ver­mutlich die letzten Zwischenfälle in der Kanalzone.

Keine Liquidierung der Revolution

In politischen Kreisen Kairos hat ein Artikel der Zeitung„Akhbar Al Yom“ Aufsehen erregt, die unter Berufung auf eine„sehr zuverlässige Quelle“ schrieb,

Revolution andauere. Gespräche über die Liquidierung der Revolution und eine Rückkehr zur Vorrevolutionsära spiegeln eine irrtümliche Auffassung von kürzlich gefaßten Beschlüssen wider. Diese wird in den nächsten Tagen klar werden.

ROM SAH DEN PAPST

Papst Pius XII. zeigte sich zum erstenmal wieder seit seiner Erkrankung vor zwei Monaten in der Öffentlichkeit. 200 000 Menschen auf dem Petersplatz jubelten dem Papst zu, als er im strahlenden Son­nenschein an einem Fenster der päpstlichen Gemächer erschien. Etwa zwei Minuten lang blieb er am Fenster stehen, winkte der Menge zu(unser Bild) und zog sich zu­rück, nachdem er sic gesegnet hatte.

Sensation im römischen Skandal-Prozeß

Wurde Wilma Montesi von Piccioni ermordet?

Aufsehenerregendes„Testament“ einer Schauspielerin

Rom.(Reuter/INS) Im römischen Skandal-Prozeß Montesi gab es eine neue Sensation: die Schauspielerin Anna-Maria Caglio, eine der Hauptzeuginnen, beschuldigte Piero Piccioni. den Sohn des italie­nischen Außenministers, in einem am neunten Verhandlungstag verlesenen „Testament“ des Mordes an Wilma Montesi. Das„Testament“ hatte sie ihrer früheren Hauswirtin für den Fall anvertraut, daß sie„auf die gleiche Weise enden sollte wie Wilma Montesi“.

Außerdem bezeichnet Anna-Maria Caglio in ihrem„Testament“ den Marchese Ugo Montagna als Chef des gesamten italie­nischen Rauschgifthandels.

Drei widerspruchsvolle Alibis

Piero Piccioni hat für den Tag, an dem Wilma Montesi verschwand, nicht weniger als drei Alibis, die sich aber wider­sprechen. Der wichtigste Absatz aus dem„Testament“ Anna-Maria Caglios lau­tet:„Der Chef der Rauschgifthändler ist

Menderes und Köprülü kommen nach Bonn

Besprechungen in Ankara abgeschlossen— Adenauer besucht Izmir und Istanbul

Ankara.(dpa) In einer„Atmosphäre des vollständigen Einvernehmens“ sind die Besprechungen, die Bundeskanzler Dr. Adenauer mit der türkischen Regierung führte, abgeschlossen worden. In ihrem gemeinsamen Schlußkommunique betonen die Gesprächspartner, daß eine„möglichst rasche Integration der Bundesrepublik eine wesentliche Bedingung dafür darstellt, dieser Organisation jene Wirksamkeit zu verleihen, die für die Aufrechterhaltung des Friedens unerläßlich ist“. Die EVG wird als bestes Mittel zur Erreichung dieses Ziels bezeichnet.

Die Bundesrepublik und die Türkei sind zur Ausgleichung der Zahlungsbilanz zwi­schen beiden Ländern im Prinzip über­eingekommen, die türkischen Exporte nach der Bundesrepublik zu erhöhen. Die Staatsmänner beschlossen, in engem Kontakt miteinander zu bleiben. Der erste Schritt dazu ist die Einladung des Bun­deskanzlers an den türkischen Minister­

Angriff auf Paris- Kriegserklärung an USA

Außenminister Dulles über die Vollmachten des Präsidenten

Washington(Reuter). USA-Außenmini­ster Dulles sagte vor dem Außenpoliti­schen Ausschuß, ein Angriff auf Paris „käme einer Kriegserklärung an die USA gleich“. Dulles erläuterte vor dem Ausschuß die neue Verteidigungspoli­tik, die nicht die Zurückziehung der USA­Truppen aus Europa bedeute. Dulles ging auf die Vollmachten des USA-Präsi­denten bei einem plötzlichen Überfall ein. Dazu sagte er, es sei durchaus möglich, daß ein Angreifer zunächst versuchen würde, amerikanische Stützpunkte im Ausland zu vernichten, von denen aus der Gegenan­griff gestartet werden könnte, bevor die USA selbst angegriffen würden.„Wenn es scheint, daß dieser Angriff ein Vorspiel zu

einem Angriff auf die USA ist, dann sollte der Präsident nicht die zweite Welle ab­warten, sondern sofort handeln.“

Zur Abschreckung müsse die freie Welt über wirksame Mittel verfügen, die je­den Aggressionsversuch von vornherein zu kostspielig werden lassen. Ein wichti­ger Bestandteil der neuen Verteidigungs­politik sei die ständige enge Beratung mit den verbündeten Ländern. Dulles for­derte die freie Welt auf, sie müsse in der Lage sein, bei einem Angriff unver­zuglich zurückschlagen zu können. Am meisten schrecke vor einem Krieg die Mög­lichkeit ab, mit Mitteln zu antworten, die dem besonderen Gebiet am besten ent­sprechen.

Bischof Dibelius reist nach Jordanien

Erster deutscher Passagierdampfer seit Kriegsende in Yokohama

Der Bischof von Berlin, D. Dr. Dibelius,

reist heute nach Jordanien, um den frühe­ren Erlanger Studentenpfarrer Weigelt in sein Amt als Propst an der Erlöser­kirche in Jerusalem einzuführen.

Als erstes deutsches Passagierschiff seit Kriegsende traf die 8954 Tonnen große „Schwabenstein“ des Norddeutschen Lloyd am Sonnabend in Yokohama ein.

Der zehnte Heimkehrertransport aus

dem tschechoslowakischen Aussiedlungs­lager Groß-Kunzendorf traf in Schirnding in Bayern ein. Wie die zwanzig Heimkeh­rer berichteten, sollen am kommenden Wochenende die letzten 27 Lagerinsassen entlassen werden.

Bei der Ermittlung über den Mari­huana-Schmuggelring, der Anfang März in Nürnberg aufgedeckt worden war, wurden erneut drei amerikanische Sol­daten festgenommen.

Staatspräsident Peron empfing zum Ab­schluß der Filmfestspiele von Mar del Plata einige Mitglieder der deutschen Delegation, unter ihnen die Schauspie­lerinnen Lil Dagover und Edith Mill und die Produzenten Witt und Schwarz.

In einer Hamburger Frauenklinik wur­den siamesische Zwillinge geboren. Es sind zwei Mädchen, die an der Brust zu­sammengewachsen sind.

Fünf Gräber abgestürzter deutscher Flieger wurden auf Island gefunden. Die Überreste der deutschen Soldaten sollen

auf dem Ehrenfriedhof in Brautarholt be­stattet werden.

Achtzehn Menschen verbrannten beim Absturz einer zweimotorigen amerikani­schen Transportmaschine vom Typ C-119 südlich von Annapolis im amerikanischen Staat Maryland.

Griechische Studenten in Saloniki, die für eine Vereinigung der Insel Zypern mit Griechenland demonstrierten, versuchten in das bewachte britische Konsulat einzu­dringen.

Mit 420 japanischen Heimkehrern aus

der Sowjetunion traf das japanische Schiff„Koan Maru“ im Hafen von Mai­zuru in Westjapan ein.

Ein Düsenjäger-Schulflugzeug stürzte knapp zwei Kilometer von Bitburg(Eifel) kurz nach dem Start ab. Der Pilot wurde getötet.

Zwei junge Deutsche sind von französi­scher Pollzei an der französisch-italieni­schen Grenze festgenommen worden. Sie sollen vor zwei Jahren mehrere deutsche Wagen in Südfrankreich und eine Privat­jacht in Cannes gestohlen haben.

Bundeswirtschaftsminister Prof. Erhard traf in Mexiko ein, wo er morgen zusam­men mit dem mexikanischen Wirtschafts­minister Loyo die deutsche Industrieaus­stellung eröffnen wird.

Die Sowjetunion protestierte im Haag gegen die Stationierung amerikanischer Luftstreitkräfte in den Niederlanden.

präsidenten Menderes und den türki­schen Außenminister Köprülü zu einem Besuch in der Bundesrepublik. Menderes und Köprülü haben die Einladung an­genommen.

Und nun kommt der angenehme Teil

Nach den anstrengenden Tagen, die hin­ter ihm liegen, bereitete sich der Kanzler am Wochenende in bester„Ferienlaune“ auf den privaten Teil seiner Türkei-Reise vor, die ihn unter anderem nach Izmir und Istanbul führen wird. Am Sonn­abend hatte der Kanzler zehn verwundete türkische Koreakämpfer zu einem Er­holungsurlaub in Deutschland einge­laden. Die Kadetten einer Kriegsschule in Ankara, die der Kanzler besuchte, emp­fingen ihn mit einem dreifachen Hoch auf das deutsche Volk und den Bundeskanzler.

Scharfe Note des Kremls

Die Sowjetunion hat der Türkei in einer scharf gehaltenen Note vorgeworfen, sie wolle einen Militärblock im Nahen und Mittleren Östen und in Süd­ostasien errichten. Diese Politik müsse sich ungünstig auf die sowjetisch-türkischen Beziehungen auswirken und die Türkei trage die Verantwortung für die Folgen. Die Sowjetunion wendet sich ins­besondere gegen den„geplanten Pakt zwi­schen der Türkei und Pakistan“, der eine aktive militärische Zusammenarbeit vor­sehe und die Grundlage für einen breite­ren Militärblock schaffen solle.

im ersten Wahlgang durch. Ihm fehlen zur Bestätigung als Präsident 136 Stim­men. Heute soll ein zweiter Wahlgang erfolgen. Einziger Gegenkandidat war der Sozialist ShuFuLin. Im zweiten Wahl­gang wird der Präsident mit einfacher Stimmenmehrheit gewählt. Tschingkai­schek hatte im Februar der Kuomintang­Parteiführung erklärt, er wolle nicht wieder zum Staatspräsidenten gewählt werden.

Nicht von Terminen abhängig

London.(Korr.) Gegen die Stimme des deutschen Delegierten Dr. Gersten­maier wurde bei den Londoner Saarbe­sprechungen eines Europaratsausschusses ein dänischer Kompromißvorschlag ange­nommen, der die Gewährung der vollen Betätigungsfreiheit für politische Parteien einschließlich Rede-, Versammlungs- und Pressefreiheit ein Jahr vor der vorgesehe­nn Volksabstimmung vorsieht. Dr. Ger­stenmaier erklärte nach Schluß der Be­sprechungen, er habe seine Zustimmung nicht geben können, weil er der Auffas­sung sei, daß man die politischen Frei­heiten nicht von Terminen abhängig machen könne.

Ugo Montagna. Er ist für das Verschwin­den vieler Frauen verantwortlich. Piero Piccioni ist der Mörder.“

Die Schauspielerin fügte in ihrem„Te stament“ hinzu, wenr sie verschwinden sollte, solle man aus Rücksicht auf alle gefährdeten Mädchen keiner Erklärung glauben, die ihr zugeschrieben wird, son­dern nur diesem„Testament“, das die Wahrheit enthalte.„Ich bin zu sehr Christin und Katholikin, um Selbstmord zu verüben. Ich kenne die Art von Ugo Montagna und Piero Piccioni, dem Sohn des Außenministers, und ich weiß, wie man verschwinden muß.“

Sofort nach Veröffentlichung des„Te­staments“ verwahrte sich Piero Piccioni gegen die Behauptung, er sei ein Mörder, und kündigte an, daß er Strafantrag gegen Anna-Maria Caglio stellen werde.

Der amerikanische Hochkommissar Co­

nant traf mit seiner Gattin in Aachen ein, um auf Einladung der Stadt die Sehens­würdigkeiten der Pfalz Karls des Großen zu besichtigen.

DIE SOWJETUNION WÄHLTE

Am 14. März fanden in der Sowjetunion die Wahlen zum Obersten Sowjet statt. Nach Meldungen aus der Sowjetunion be­trug die Wahlbeteiligung über 98 Prozent. Unser Bild zeigt Wähler bei der Stimm­abgabe in einem Moskauer Wahllokal.

Hautkrebs durch radioaktive Stoffe?

Sperrgebiet um Eniwetok und Bikini auf 1400 Kilometer erweitert

Absage an Tschiangkaischek

Taipoh(Formosa).(dpa) Der national­chinesische Generalissimus Tschiang­kaischek fiel bei der Präsidentschafts­wahl im nationalchinesischen Parlament

Tokio.(Reuter) Ein amerikanisches Me­dikament traf gestern auf dem Luftwege zur Behandlung der 23 japanischen Fischer in Tokio ein, die Verbrennungen durch radioaktive Strahlen erlitten. Die Wirkung des Medikamentes„Vera-Cal“ soll dem Körper ermöglichen, radioaktive Stoffe auszuscheiden. Die behandelnden Ärzte befürchten, daß zwei der Fischer an Hautkrebs erkranken werden. Die

auf

um

Der Sport in Rürze

Marlene Biedermann(Gladbeck) und Heins Laufer(Schwenningen) erhielten bei den Deutschen Hallenmeisterschaften der Leichtatlethen in Frankfurt(Main) die Ehrenpreise für die besten Leistun­gen.

Walter Kruschinski(Gladbeck) schwamm bei den Westdeutschen Hallenmeister­schaften in Wanne-Elckel deutschen Re­kord über 100 Meter Brust mit 1:12,9 Min.

In der 1. Fußball-Liga West stehen Köln und Schalke punktegleich, da die Schalker auf eigenem Plats von Fortuna Düsseldorf 1:3 geschlagen wurden. Mit einem Punkt weniger folgt Rotweiß Essen.

Die deutsche Handballmannschaft er­zwang in der Westfalenhalle in der Re­vanche für die Weltmeisterschaft gegen Schweden ein 5:5.

Fortuna schlug Schalke

Die Überraschung in der 1. Fußball­Liga West war die Schalker 1:3-Nieder­lage gegen Düsseldorf. Im Bild: For­tunas Torwart Turek rettet vor dem Schalker Stürmer Laszig.

(Bild: Kurt Müller)

radioaktiven Stoffe hätten zu lange die Haut der Patienten eingewirkt.

Die USA haben das Sperrgebiet Eniwetok und Bikini im Pazifik erwei­tert. nachdem japanische Fischer bei dem Wasserstotfbombenversuch auf dem Bikini-Atoll am 1. März in 130 Kilometer Entfernung vom Explosionsherd starke radioaktive Verbrennungen erlitten hat­ten. Zur Gefahrenzone wurde jetzt ein ungefähr kreisförmiges Gebiet mit einem Durchmesser von etwa 1 400 Kilometer er­klärt. Bei der Festlegung der Gefahren­zone wurden auch die Windströmungen berücksichtigt, die an bestimmten Stellen radioaktive Partikel konzentrieren können

Wie wird das Wetter?

Leicht unbeständig

Westdeutschland liegt im Bereich einer Hoch­druckbrücke, an deren Nordflanke schwache Störungen über die südliche Nordsee nach Östen ziehen.

Vorhersage für Mon­tag: Anfangs aufrei­Bende Bewölkung. dann im Laufe des Nach­mittags stärkere Be­wölkung und nachfolgend etwas Re­gen. Weiterhin mild, mit Tageshöchst­temperaturen um 12 bis 15 Grad. Schwache bis mäßige südwestliche Winde.

Weitere Aussichten: Leicht unbestän­dig, zeitweilig etwas Regen, immer

noch mild.