Eine Zeitschrift zur Belehrung und Unterhaltung für Jedermann.

Erscheint jeden Sonntag und kostet bei den Fürstl. Thurn= und Taxi­schen Postämtern vierteljährlich 11 ¼/ Sgr., in den Expeditionen in Lemgo und Detmold 10 Sgr.

Ne 29.

Lemgo, 19. Juli 1857.

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Auf das Schützenfest zu Lemgo,

am 20. und 21. Juli.*)

Erschienen, Brüder, ist der Tag,

Deß wir uns alle freun.

Wer ist, der heut nicht jubeln mag,

Nicht mit uns fröhlich sein?

Mit deutschem Laube grün geschmückt Begrüßt uns jedes Haus,

Und Florens Kinder streu'n entzückt Uns tausend Blumen aus.

Die Trommel ruft! Nun tretet an, Verlaßt das düst're Haus,

Damit wir ziehen Mann für Mann Zum Schützenplatz hinaus!

Die Scheibe lacht am Hügel fern,

Lad't uns zum Schießen ein;

Wohl wäre jeder König gern,

Doch einer nur kann's sein.

Nur wer von uns am Besten schießt, Den Königs=Preis erhält,

Und Jedermann ihn froh begrüßt Als dieses Tages Held.—

Zur Seite Brüder das Gewehr!

In's luft'ge Zelt zum Tanz! Es bleib’ kein Herz von Freude leer Bei uns'res Festes Glanz!

Im vollen Becher perlt der Wein,

Auf, Brüder, trinkt ihn aus!

Am Abend dann beim Sternenschein Ziehn heiter wir nach Haus.

Indien.

(Fortsetzung.)

Von dem rauhen und kalten Gebirgsrücken Mittelasiens strecken sich zwei gewaltige Landspitzen nach dem Aequator aus, welche durch einen Fluß und durch einen Meerbusen von einander getrennt werden. Ganges und Burremputer strömen von diesen Gebirgen herab, vereinigen sich vor ihrer Mündung und fließen in den Meerbusen von Bengalen und

*) Das diesjährige Schützenfest wird allem Auscheine nach die früheren weit übertreffen; auch wird es durch die Herüber­kunft auswärtiger Schützen und Schützenfreunde verherrlicht werden. So hören wir besonders, daß aus Bielefeld einige Offiziere nebst dem Schützenkönige und anderen Schützen erscheinen werden.# ci##.d. Red.

in das indische Meer, indem sie Vorderindien von Hinterin­dien trennen. Denn diese beiden großen Landspitzen oder Halbinseln, von denen wir eben gesprochen, werden Indien genannt.

Vorder=Indien oder Hindustan wird nördlich durch das Himalaya=Gebirge begrenzt, westlich durch den Fluß Indus, östlich durch den Fluß Burremputer und südlich durch das Meer. Es enthält einen Flächenraum von mehr als 60,000 geographischen Quadratmeilen und gegen 150 Millionen Einwoher, also fast zehnmal so viel wie das Königreich Preußen. Der Reichthum und das tropische Klima dieses Landes sind hinreichend, um jeden, auch den kräftigsten Menschen­stamm, der dort seinen Wohnsitz aufschlägt, in kurzer Zeit zu verweichlichen und zu entnerven, so daß er die Beute jeder beliebigen Horde wird, die von den rauhen mittelasia­tischen Gebirgen herabdringt.

Aus diesem Grunde hat England die englische Koloni­sation Ostindiens verboten. Die wenigen Engländer, welche dort die Regierung in Händen haben und allein über Millio­nen herrschen, werden häufig gewechselt und durch frische Kräfte ergänzt, die in der rauhen Nebellust Englands und unter den strengern Sitten ihrer heimischen Inseln groß ge­worden sind und jene Energie des Geistes und des Körpers ungeschwächt besitzen, welche sie fähig macht, allein über Millionen Hindus zu herrschen.

So lange England diesem Systeme treu bleibt, wird es für seine Herrschaft in Ostindien wenig zu fürchten haben. Und treu kann es diesem System bleiben, so lange es die erste Seemacht der Erde ist. Mit dem Ruin der englischen Seemacht stürzt auch alles Uebrige und England selbst zu­sammen.

Im Besonderen hat das Klima Ostindiens jedoch ver­schiedene Abstufungen.

Vorder=Indien grenzt, wie schon gesagt, im Norden an das Himalaya=Gebirge, dessen Gipfel sich weit über 20,000 Fuß in die Wolken erstrecken und auf dem schon bei einer Höhe von 15= bis 16,000 Fuß die Grenze des ewigen Eises beginnt. In dieser Region des ewigen Eises entspringt der Ganges aus heißen Quellen, die unter dem Eise der vulka­nischen Berge hervorsprudeln oder, wie die Braminen sagen, aus dem weißen Haupthaar Mahadevahs des Göttlichen.

Die Halbinsel selbst ist bis zu ihrer äußersten Süd­spitze, dem Kap Komorin, von hohen Gebirgen, den Ghats, durchzogen, und wird so in zwei Hälften, in die Ostküste, Koromandel, und in die Westküste, Malabar, getheilt.

Die Luft ist fast überall gesund. Außer den unregel­mäßigen Winden, zu denen der furchtbare Typhon gehört, hat Vorder=Indien auch regelmäßige Winde, die halbjährigen Monsoons. Diese regelmäßigen Winde bestimmen die Jah­reszeit der Halbinsel. Die südwestlichen Monsoons wehen von Mai bis Oktober. Während dieser Zeit hat die West­küste Malabar Regen, die Ostküste Koromandel aber trockene Hitze. Die nordöstlichen Monsoons wehen vom Oktober bis Mai. Dann hat die Ostküste Regenwetter, die Westküste, aber trockenen Sommer, der jedoch, wegen ihrer geringeren Breite, nicht so brennend ist, als auf der Ostküste.

Die Hauptbevölkerung Vorder=Indiens besteht aus Hindus. Ihre Zahl beträgt nach Hamilton 114 Millionen. Außerdem finden sich daselbst 15 Millionen Mongolen und 1 Million Afghanen und Rohillas. Ferner 150,000 Par­