Eine Zeitschrift zur Belehrung und Unterhaltung für Jedermann. Erscheint jeden Sonntag und kostet bei den Fürstl. Thurn= und Taxischen Postämtern vierteljährlich 11 ¼/ Sgr., in den Expeditionen in Lemgo und Detmold 10 Sgr. Ne 29. Lemgo, 19. Juli 1857. Anzeigen werden berechnet: unter 5 Zeilen mit 2 Sgr. 6 Pf. von—10 Zeilen 5 Sgr. über 10 Zeilen jede Zeile 6 Pf. Auf das Schützenfest zu Lemgo, am 20. und 21. Juli.*) Erschienen, Brüder, ist der Tag, Deß wir uns alle freun. Wer ist, der heut nicht jubeln mag, Nicht mit uns fröhlich sein? Mit deutschem Laube grün geschmückt Begrüßt uns jedes Haus, Und Florens Kinder streu'n entzückt Uns tausend Blumen aus. Die Trommel ruft! Nun tretet an, Verlaßt das düst're Haus, Damit wir ziehen Mann für Mann Zum Schützenplatz hinaus! Die Scheibe lacht am Hügel fern, Lad't uns zum Schießen ein; Wohl wäre jeder König gern, Doch einer nur kann's sein. Nur wer von uns am Besten schießt, Den Königs=Preis erhält, Und Jedermann ihn froh begrüßt Als dieses Tages Held.— Zur Seite Brüder das Gewehr! In's luft'ge Zelt zum Tanz! Es bleib’ kein Herz von Freude leer Bei uns'res Festes Glanz! Im vollen Becher perlt der Wein, Auf, Brüder, trinkt ihn aus! Am Abend dann beim Sternenschein Ziehn heiter wir nach Haus. Indien. (Fortsetzung.) Von dem rauhen und kalten Gebirgsrücken Mittelasiens strecken sich zwei gewaltige Landspitzen nach dem Aequator aus, welche durch einen Fluß und durch einen Meerbusen von einander getrennt werden. Ganges und Burremputer strömen von diesen Gebirgen herab, vereinigen sich vor ihrer Mündung und fließen in den Meerbusen von Bengalen und *) Das diesjährige Schützenfest wird allem Auscheine nach die früheren weit übertreffen; auch wird es durch die Herüberkunft auswärtiger Schützen und Schützenfreunde verherrlicht werden. So hören wir besonders, daß aus Bielefeld einige Offiziere nebst dem Schützenkönige und anderen Schützen erscheinen werden.# ci##.d. Red. in das indische Meer, indem sie Vorderindien von Hinterindien trennen. Denn diese beiden großen Landspitzen oder Halbinseln, von denen wir eben gesprochen, werden Indien genannt. Vorder=Indien oder Hindustan wird nördlich durch das Himalaya=Gebirge begrenzt, westlich durch den Fluß Indus, östlich durch den Fluß Burremputer und südlich durch das Meer. Es enthält einen Flächenraum von mehr als 60,000 geographischen Quadratmeilen und gegen 150 Millionen Einwoher, also fast zehnmal so viel wie das Königreich Preußen. Der Reichthum und das tropische Klima dieses Landes sind hinreichend, um jeden, auch den kräftigsten Menschenstamm, der dort seinen Wohnsitz aufschlägt, in kurzer Zeit zu verweichlichen und zu entnerven, so daß er die Beute jeder beliebigen Horde wird, die von den rauhen mittelasiatischen Gebirgen herabdringt. Aus diesem Grunde hat England die englische Kolonisation Ostindiens verboten. Die wenigen Engländer, welche dort die Regierung in Händen haben und allein über Millionen herrschen, werden häufig gewechselt und durch frische Kräfte ergänzt, die in der rauhen Nebellust Englands und unter den strengern Sitten ihrer heimischen Inseln groß geworden sind und jene Energie des Geistes und des Körpers ungeschwächt besitzen, welche sie fähig macht, allein über Millionen Hindus zu herrschen. So lange England diesem Systeme treu bleibt, wird es für seine Herrschaft in Ostindien wenig zu fürchten haben. Und treu kann es diesem System bleiben, so lange es die erste Seemacht der Erde ist. Mit dem Ruin der englischen Seemacht stürzt auch alles Uebrige und England selbst zusammen. Im Besonderen hat das Klima Ostindiens jedoch verschiedene Abstufungen. Vorder=Indien grenzt, wie schon gesagt, im Norden an das Himalaya=Gebirge, dessen Gipfel sich weit über 20,000 Fuß in die Wolken erstrecken und auf dem schon bei einer Höhe von 15= bis 16,000 Fuß die Grenze des ewigen Eises beginnt. In dieser Region des ewigen Eises entspringt der Ganges aus heißen Quellen, die unter dem Eise der vulkanischen Berge hervorsprudeln oder, wie die Braminen sagen, aus dem weißen Haupthaar Mahadevahs des Göttlichen. Die Halbinsel selbst ist bis zu ihrer äußersten Südspitze, dem Kap Komorin, von hohen Gebirgen, den Ghats, durchzogen, und wird so in zwei Hälften, in die Ostküste, Koromandel, und in die Westküste, Malabar, getheilt. Die Luft ist fast überall gesund. Außer den unregelmäßigen Winden, zu denen der furchtbare Typhon gehört, hat Vorder=Indien auch regelmäßige Winde, die halbjährigen Monsoons. Diese regelmäßigen Winde bestimmen die Jahreszeit der Halbinsel. Die südwestlichen Monsoons wehen von Mai bis Oktober. Während dieser Zeit hat die Westküste Malabar Regen, die Ostküste Koromandel aber trockene Hitze. Die nordöstlichen Monsoons wehen vom Oktober bis Mai. Dann hat die Ostküste Regenwetter, die Westküste, aber trockenen Sommer, der jedoch, wegen ihrer geringeren Breite, nicht so brennend ist, als auf der Ostküste. Die Hauptbevölkerung Vorder=Indiens besteht aus Hindus. Ihre Zahl beträgt nach Hamilton 114 Millionen. Außerdem finden sich daselbst 15 Millionen Mongolen und 1 Million Afghanen und Rohillas. Ferner 150,000 Par 114 sen, 150,000 Araber, 50,000 Armenier, 100,000 Juden, 50,000 Todschiks, 20,000 Abessinier,(Afrikaner.) Die Zahl der europäischen Bevölkerung ist wechselnd, doch haben die Engländer im Laufe der Zeit 760,000 Bastarde, Cheechees genannt, die Portugiesen 500,000, Topassis genannt, und Dänen, Niederländer und Franzosen eine ähnliche Anzahl daselbst zurückgelassen. Auf den Küsten Malabar und Koromandel finden sich auch zahlreiche arabisch=indische Bastarde, welche Moplais oder Chaliaten genannt werden. Außer verschiedenen anderen Asiaten, als Türken, Tibetanern und Chinesen trifft man ferner noch Stämme nomadisirender Zigeuner. Die Hindus bekennen sich zur Brama=Religion, die Mongolen mit den Afghanen und Rohillas dagegen sind Muhamedaner. Der Bekenner des Brama giebt es über 100 Millionen, der Muhamedaner über 16 Millionen, der Seiks über 4 Millionen. Die Zahl der Budhisten ist dagegen in Vorderindien eben so gering, als die der Christen in Palästina, obgleich die budhistische, die verbreitetste Religion des Erdbodens, gerade Vorder=Indien, und zwar der heiligen Hindustadt Benares am Ganges, ihren Ursprung verdankt; denn ihr Gründer Budh oder Gaudama soll ein Königssohn aus Benares gewesen sein. Eben so gering ist die Zahl der Sabäer, der Episcopalen und Presbyterianer, der Lutheraner, der Katholiken, der Thomas=Christen, der Jacobiten, der Armenier, der Parsen und Guebern, der Juden. Die Zahl der bekehrten Christen beträgt gleichfalls nur eine halbe Million; sie werden überdies von ihren europäischen Brüdern eben so verachtet, wie von Hindus und Muhamedanern. Unter den Juden befinden sich auch Schwarze, oder zum Judenthum bekehrte äthiopische Sklaven. Die Hindus machen also, sowohl der Religion als dem Völkerstamme nach, die Hauptbevölkerung Vorderindiens aus. Das Bemerkenswertheste an diesem Volke ist seine sorgfältige Eintheilung in Farben, Stände oder Kasten. Man zählt 4 Hauptkasten und gegen 100 untergeordnete Rangordnungen. Die erste Kaste ist die Braminen=Kaste. Das sind Priester, Gelehrte, Richter, Staatsbeamte, Kaufleute, Zahlmeister, Lehns=Fürsten. Die zweite Kaste sind die Rajahputs 2c. Das sind Fürsten, Lehnträger, Soldaten. Auch die kriegerischen Stämme der Rafbutten und Maratten und verschiedene Kunstarbeiter werden zu dieser Kaste gezählt. Die dritte Kaste sind die Chatty 2c. Das sind Kaufleute. Die vierte Kaste sind die Tschudrie 2c. Das sind Künstler, Handwerker und Ackerbauer.— Diese vier Kasten sind die Hauptkasten und begreifen den edleren Theil der Bevölkerung in sich. Unter ihnen stehen die Risha oder Dschandala, das heißt die Unreinen und Verächtlichen. Das sind Fischer, Wasserträger, Abdecker, Barbiere, Aerzte, Bettelmönche(Fakirs), Töpfer, Sklaven. Die verachtetsten sind die Pariahs, die nicht einmal unter den anderen wohnen dürfen. Sie sind vielleicht der Ueberrest der von den Hindus unterjochten Urbewohner Vorderasiens. Für jede Kaste sind eine Menge bestimmter Gebräuche in Beziehung auf gesellschaftliche und häusliche Lebensordnung festgesetzt. Die Verletzung dieser Vorschriften kann mit Ausstoßung und mit dem Tode bestraft werden. Selbst der Unterschied des Genusses der Nahrungsmittel ist genau vorgeschrieben und auch in Bezug auf die Tageszeit sind Personen der ersten Kasten im Essen beschränkt. Doch sind die Bramanen nicht ausschließlich an gewisse Gewerbe gebunden. Handel und Landwirthschaft sind allgemein verstattet. Diejenigen, welche aus einer Vermischung der Kasten abstammen, werden zu den Tschudries 2c. gerechnet und können sich als Dienstboten zu jedem Gewerbe hingeben. Jeder, der in seiner Kaste seinen Lebensunterhalt nicht finden kann, darf ihn in einer niedrigeren suchen. Außer den Braminen haben auch die Bajaderen eine Art von Priesterdienst. Die Bajaderen sind in der Regel die jüngeren Töchter der vierten Kaste. Sie wohnen in den Vorhöfen der Tempel(Pagoden), und dürfen nicht heirathen, ohne indeß gezwungen zu sein, ein Gelübde ewiger Keuschheit abzulegen. Die Wissenschaft und Kunst der Hindus beschränken sich auf die Braminen=Kaste. Die Wissenschaft umfaßt besonders Theologie, Astronomie, Astrologie, Geschichte, Geographie, Botanik, Medicin, Mathematik, Rechtswissenschafts, Schifffahrtskunde, morgenländische Philosophie. Von indischer Dichtkunst hat man sehr geschätzte Werke. Vorderindien hat 4 Universitäten, darunter zwei braminische für die heilige Sanskrit=Literatur auf Malabar und in Benares. Der Unterricht dauert 12 bis 20 Jahre, theilt sich in den esoterischen in Tempeln und in Theologie für Braminen der zweiten Weihe, und in den exoterischen in den Umgebungen der Tempel, als Grammatik, Poesie, Geschichte, Rechtswissenschaft, Medicin, Astronomie, Mythologie, gemeine Religionslehre und Philosophie. Das Collegium in Kalkutta, nach Art englischer Universitäten eingerichtet, dient zur Ausbildung von Verwaltungsbeamten für die englisch=ostindische Kompagnie. Studiengegenstände sind asiatische Literatur und Sprachen, Sanskrit, Pakrit, Hindustanisch, Bengalisch, Telingisch, Marattisch, Tamulisch, Canarisch, Arabisch, Persisch, Griechisch, Lateinisch, Englisch; ferner Geschichte, Geographie, Mathematik, Naturgeschichte, Botanik, Chemie, Astronomie, Gesetzkunde mit Rücksicht auf englische, muhamedanische und hindustanische Gesetzgebung, politische Oekonomie mit Rücksicht auf die Handelsinteressen der ostindischen Kompagnie. Außer diesen Hochschulen giebt es viele Schulen für den gewöhnlichen Unterricht. Auch die Muhamedaner haben mehrere Lehranstalten; aber ganz fehlen sie den Maratten. Man hat Bibliotheken und Zeitungen, welche schon lange vor Einführung der Buchdruckerei in geschriebenen Exemplaren verbreitet wurden. In Musik, Bildhauerei und Malerei stehen die Hindus weit hinter uns zurück; dagegen haben sie großartige Denkmäler der Baukunst, wie z. B. die Paläste und Prachttempel von Karnate. Seit der englischen Herrschaft werden die Länder in 3 Präsidentschaften eingetheilt: Kalkutta, Madras und Bombay. Der General=Gouverneur hat seinen Sitz in Kalkutta.(Fortsetzung folgt.) Correspondenzen. Wahmbeckerheide, 16. Juli. Unsere stille friedliche Gegend war am 13. d. M. bei Gelegenheit des Jubiläums unsers Lehrers Niebäcker der Schauplatz eines Principien= kampfes. Eine Partei, mit der Majorität des Schulvorstandes an der Spitze, wünschte das Fest mehr in der Form einer Bibelstunde zu feiern*), eine andere dagegen glaubte bei der althergebrachten Sitte eines Festessens mit nachfolgendem Tanz beharren zu müssen. So versammelten sich denn die Anhänger dieser Partei recht zahlreich in dem Storkschen Zelte. Die Mehrzahl derselben bestand natürlich aus jüngeren und älteren Schülern des Jubilars, die ehrbar an der Seite ihrer Gattinnen und Kinder an den festlich gedeckten langen Tischen Platz nahmen. Wie groß der Eifer für das Fest war, ersah man unter *) Die eigentlich amtliche Feier fand Morgens von 10½ bis 12 Uhr im Schullocale statt, woselbst sich außer den Kindern mehrere Mitglieder der Schulgemeinde, einige(etwa 18) Lehrer und außer dem Pastor Rohdewald noch drei Prediger(Schmidt, Hovedissen und Gödecke) versammelt hatten. Gleich von vorn herein that sich die Mißstimmung, welche sich in der Gemeinde über die Feier des Jubiläums gebildet hatte, in einem mißklingenden Istimmigen Chorale: „Bis hierher hat mich Gott gebracht“, den der Hülfslehrer mit den Kindern sang, kund, und die Gegenwart von verhältnißmäßig so wenigen Theilnehmern am Feste(von Detmold war nur Einer da) machte einen so entschieden schlechten Eindruck, daß von eigentlicher Festfreude kaum die Rede sein konnte, obschon die gehaltenen Reden und Gebete, sowie die„unverfälschten" Lieder, welche von Zeit zu Zeit gesungen wurden, die Herzen mancher Anwesenden ansprechen mochten. Dem Jubilar wand dann die Verdienst=Medaille überreicht und das vom Hochfürstl. Consistorium ausgestellte Belobungsschreiben vorgelesen, worauf derselbe tief gerührt über sein eigenes Leben und seine Schicksale den Anwesenden einen angemessenen Vortrag hielt, womit die Morgenfeier beendigt war. Nachmittags ist dann noch auf dem Hofe des Col. Heitmeier eine Bibelstunde gehalten worden, wozu sich indeß nicht Viele eingefunden haben sollen; einige derselben kamen später nach Stork's Zelte und waren fröhlich mit den Fröhlichen. Nach mündlichen Mittheilungen.— D. R. 115 Anderm daraus, daß 3 Ziegelmeister aus weiter Ferne eigens zum Ehrentage ihres alten Lehrers hergereist waren. Leider hatte sich der Lehrerstand durch die laut gewordenen Zwistigkeiten von der Theilnahme abschrecken lassen, doch fehlte es nicht an jungen, älteren und einigen gleichalterigen Collegen, die zugleich mit dem Jubilar das Seminar besucht hatten, und von denen einer mit Einschluß von 5 Pensionsjahren auch gerade heute sein Jubiläum feierte. Letztere werden es gewiß am meisten bedauert haben, daß der Jubilar trotz wiederholter Einladungen in diesem seinetwegen gebildeten Freundeskreise nicht einmal auf kurze Zeit erschien. Wäre der wohlwollende und dankbare Charakter des Jubilars nicht allseitig bekannt, so würde ihm gewiß Mancher darüber gezürnt haben. Aber Alle, die man darüber sprechen hörte, suchten in dem Ausbleiben den mächtigen, vielleicht gewaltsamen Einfluß der Gegenpartei. Daher legte sich auch bald die Mißstimmung über das Jubiläum ohne Jubilar um so mehr, als die getroffenen Festeinrichtungen sich in jeder Weise sehr befriedigend zeigten. Der Wirth stärkte die Anwesenden bestens mit Speise und Trank und zeichnete sich besonders durch rasche Bedienung und Reichlichkeit der Speisen aus, welche letztere um so mehr überraschen mußte, da mancher Magen durch die ungewohnte späte Mittagsstunde in eine schiefe Stellung gekommen und nur schwer aus ihr wieder herauszubringen sein mochte. Nachdem das Essen unter den Klängen einer fröhlichen Musik beendigt und während desselben auch des abwesenden Jubilars und mehrerer Anwesenden mit Trinksprüchen gedacht war, zerstreute sich die Gesellschaft auf kurze Zeit, um eine natürliche Pause des Festes eintreten zu lassen. Aber schon bald rief die Tanzmusik die Zerstreuten wieder zusammen. Manche Frauen, die vor 40 bis 50 Jahren den Unterricht des heute Gefeierten genossen hatten, versuchten noch einmal ihre Gelenkigkeit. Weniger Vertrauen zu letzterer zeigten die älteren Männer; doch sah man auch von ihnen einige sich im wirbelnden Tanze drehen, die bereits vor einem halben Jahrhundert ihre Studien angefangen haben mochten. Die Heiterkeit steigerte sich unter Alt und Jung, wie zu erwarten war, in gleichem Verhältnisse mit der abnehmenden Hitze des Tages. Aber bei aller Fröhlichkeit zeigte sich nicht die geringste Disharmonie, keine Spur von Rohheit oder Zank, kein Toben oder Schreien, nicht einmal das bekannte Juchen, ohne welches ein lippisches Volksfest sonst kaum denkbar schien. Die von manchen Seiten so sehr gefürchteten Wirkungen der Getränke äußerten sich bei Keinem der Anwesenden. Es schien, als wenn der Wein mit seinen weniger noblen Vettern, Schnapps und Bier genannt, am heutigen Tage nur seine guten, herzerfreuenden Eigenschaften zeigen wollte. Und so zog sich denn unter allgemeiner Freude das Fest bis tief in die Nacht hinein, und beim Scheiden von demselben hat gewiß ziemlich ein Jeder den Vorsatz gefaßt, das nächste Jubiläum auf der Wahmbeckerheide wieder in ähnlicher Weise zu feiern. Von der lipp.=hannov. Grenze Mitte Juli. Am 6. d. M. hat bekanntlich ein Gewitter, begleitet von heftigem Sturm und Hagelwetter, sich über Frankreich, Belgien, Holland und Norddeutschland bis an die Ostsee hinaus verbreitet und an verschiedenen Stellen, wie namentlich in Frankreich und Holland, theils durch den Hagel, theils durch die Blitzentzündungen großen Schaden angrrichtet. Auch unfer Land ist nicht ganz hiervon verschont geblieben. In dem Kirchdorfe Bega zündete der Blitz und ein Haus(dasselbe, in welchem*) vor einigen Jahren die große Feuersbrunst begann) brannte nieder. Glücklicher Weise hatte der Eigenthümer gegen Feuersgefahr versichert. In der Nähe von Barntrup begann unter obligatem Sturmwinde ein heftiges Hagelwetter, welches jedoch, Gott sei es gedankt, nur wenige Minuten währte; dasselbe hat indeß nicht unbeträchtlichen Schaden angerichtet. Vorzüglich ist das Dorf Sonneborn härt betroffen worden. Leider hat von den Betheiligten keiner versichert und werden sie nun den Schaden allein tragen müssen. Verschiedene Bewohner Barntrups dagegen haben ihre Früchte in der lipp. Hagelversicherungskasse versichert. Diese bekommen jetzt den angerichteten Schaden völlig vergütet. Wiederum ein Fingerzeig für die Säumigen und Ueberklugen, die Groschen behalten und Thaler wegwerfen, und stets sich überreden:„Hier hagelts nicht.“ Es hat aber doch und zwar sehr stark gehagelt. Es kann also auch mal wieder hier hageln. Das nächste Jahr werden sie nun wohl versichern; denn durch Schaden wird man klug.— Das Gewitter hat da, wo das Hannoversche unterhalb d. R. Sonneborn anfängt, plötzlich seine ursprüngliche Richtung von Südwest nach Nordost verlassen, sich dem Osten zugewendet und, in Verfolgung des Höhenzuges zwischen dem Fürstenthum Pyrmont und dem Königreiche Hannover von Augenblick zu Augenblick immer heftiger werdend, entsetzlichen Schaden angerichtet. Die Ortschaften Asen, Tünnern, Emmern u. s. w. sollen furchtbar mitgenommen sein. den 17. Juli. Der gestrige Jerxermarkt mit der Pferdeverloosung und Industrieausstellung verdient in den Annalen als ein großes Ereigniß aufgezeichnet zu werden. Die große Menschenmenge, welche die Jerxerheide füllte, hat wohl nic ihres Gleichen hier gehabt, und doch wurde Alles auf das Beste unterhalten und es herrschte eine bewundernswürdige Ordnung und Sicherheit. Der landwirthschaftliche Verein hatte auf das Beste für Alles gesorgt und es war in keiner Hinsicht Mangel, wie manche Auswärtige gefürchtet hatten. Se. Durchlaucht der Fürst beehrten den Markt fast den ganzen Tag mit Ihrer Hohen Gegenwart und nahmen regen Antheil an der Ausstellung. Unter den Industrieerzeugnissen waren mehrere ausgezeichnete und wurden viele derselben mit Prämien bedacht, worüber der Verein nächstens einen ins Einzelne gehenden Bericht veröffentlichen wird. Das Wetter war im Ganzen sehr günstig; denn, hatte man zu große Hitze gefürchtet, so milderte der eingetretene Regen dieselbe sehr, und doch war dieser nicht so heftig und andäuernd, daß dadurch die Festlichkeit beeinttächtigt werden konnte. Bis tief in die Nacht hinein war fröhliches Regen und Treiben, und Viele kehrten fröhlich und befriedigt heim. Weltbegebenheiten. Aus England erfahren wir, daß die Judenbill (betr. deren Gleichberechtigung im Staate) im Oberhause mit 173 gegen 139 Stimmen durchgefallen ist.— In der Nähe von Shrewsbury sind 54 Menschen unter einer Schiffbrücke, über welche sich eine große Menge eilig drängte, versunken und umgekommen.— Die Zahl der in Bengalen desertirten Sepoys beläuft sich auf 30000; dieselben sind fortgelaufen, wie so viel Hasen in den Wald, ohne Führer, ohne Uebereinstimmung, ohne Waffen, ohne Kriegsbedarf. Die Mißstimmung muß demnach als weitverbreitet angesehn werden. Der Generalgouverneur und die Behörden in Kalkutta sprechen jedoch mit Zuversicht über den Ausgang der Emeute, zumal sich sonst die Eingebornen nicht feindselig zeigen. England muß aber den Aufstand mit starker Hand niederschlagen und die Wiederkehr solcher Scenen verhüten. Es ist ein neuer Oberbefehlshaber der ostindischen Armee an der Stelle des an der Cholera verstorbenen General Anson, nämlich Sir Collin Campbell ernannt worden. der sich sowohl in den indischen Kriegen als auch auf der Krimm viele Erfahrungen erworben hat; er ist sofort über Suez abgereist, und ein Heer von 14000 Mann folgt ihm zu Schiffe nach.— Aus China verlautet, daß Lord Elliot einen Angriff auf Canton vorbereite.— In Edinburg ist kürzlich ein interessanter Vergiftungsprozeß verhandelt worden. Die Angeklagte, Miß Madeleine Smith, ein 21jähriges Mädchen, war beschuldigt, ihren Geliebten, einen Franzosen Emile'Angelier, vergiftet zu haben. Sie wurde jedoch, da man es nicht beweisen konnte und erwiesenermaßen der Franzose Gift bei sich zu führen pflegte, freigesprochen. In Neapel hat der Aufständ noch eine Weile forkgespielt; der König hat sogar die Lazzaronis bewaffnen lassen, und die Aufständischen sind fast sämmtlich niedergemacht worden, unter ihnen der Herzog von San Giovanni, Carlo Pisacane, dessen Leben recht romantisch war und der schon aus der Revolution von 1848 als tapfrer Held bekannt ist. Mazzini, der den ganzen Aufstand angezettelt, hat sich in der Nachk vom 2. auf den 3. Juli auf einem Schiffe unter amerikanischer Flagge aus dem Staube gemacht und nach England begeben. Der Großherzog von Baden hat bei Gelegenheit der Geburt eines Sohnes den Verbrechern aus den Jahren 1848 und 1849 Amnestie gewährt, unter der Voraussetzung jedoch, daß sie, nachdem sie unter Erklärung ihrer Reue um Begnadigung nachgesucht haben, sich fortan wohlverhalten. Eine Ortsbehörde in Böhmen, welche mit Bezugnahme auf ein Decret aus dem Jahre 1817 den Juden das *) Soll wohl heißen:„in dessen Vorgänger“? 116 Halten christlicher Dienstboten verboten hatte, hat wegen Unterstützung confessioneller Zwistigkeiten eine Zurechtweisung erhalten. In Tunis hat sich einmal wieder die Glaubenswuth der Muhamedaner in heftiger Weise kund gethau. Ein jüdischer Kärrner war von einem jungen Muselmanne, der befürchtet hatte, vom Rade des Karrens berührt zu werden, mit Schimpfreden überschüttet worden und erwiderte dieselben mit einigen heftigen Worten. Sogleich schrie der fanatische Muselmann, daß der Jude Gotteslästerungen ausgestoßen habe, und da sich gleich 80 Zeugen es eidlich zu erhärten bereit erklärten, verurtheilte das Gericht den schon fürchterlich Mißhandelten ohne weitere Untersuchung zum Tode. Alle Bemühungen der Consuln, alle Bitten von Angehörigen und Freunden blieben erfolglos. Er wurde auf die ruchloseste Weise unter allerlei Mißhandlungen enthauptet und selbst an dem Leichnam noch ließ der Pöbel seine Wuth aus. Der Streit Spaniens mit Mexico, der einen friedlichen Ausgang nehmen zu wollen schien, ist jetzt weiter als je von jener Lösung entfernt. Präsident Comonfort will in keinem Punkte nachgeben; es sind bereits von Kuba Schiffe gegen Veracruz abgezogen, und es ist zu befürchten, daß es zu einem Kriege kommt. Ein solcher könnte, auf Mexico und Spanien beschränkt, nicht lange währen und wenig Bedeutung beanspruchen. Allein es ist zu besorgen, daß die Vereinigten Staaten die Hand im Spiele haben und die Gelegenheit zu einem Bruche mit Spanien suchen. Wegen Kuba's werden deßhalb England und Frankreich Vorsichtsmaßregeln treffen und ihre Schiffe in den dortigen Gewässern verdoppeln. Aus der Uckermark wird über die Gesangbuchswühlerei im evangel. Deutschland und den Religionsunterricht in den Schulen berichtet: Schreiber dieses hörte nach einer Religionsstunde einen achtjährigen Knaben seinen Eltern Fragen folgender Art zur eigenen Vergewisserung vorlegen: Ist es wahr, daß die Naturforscher Heiden sind? Daß wir nach dem Tode nicht gleich zum lieben Gott kommen? und daß, wer nicht an die Hölle und an den Teufel glaubt, den schon der Teufel in seinen Krallen hat?“ Man wird zugeben müssen, daß bei einem solchen Religionsunterricht die Eltern für ihre Kinder größere Gefahr laufen, als jener hannoversche Bauer(aus Vörden), der herumreiste, um einen Prediger zu finden, welcher sein Kind ohne die Exorcismus(Teufelaustreibungs=) Formel taufen wollte und solchen zuletzt in Osnabrück fand. Für die Redaktion: Ph. Kotzenberg. (n diesen Tagen ist mir ein Spitzhund zugelaufen. Der 0 Eigenthümer kann denselben gegen Erstattung der Kosten zurück erhalten. Barntrup, den 15. Juli 1857. Bornemeyer, Lehrer. Leungo. An den beiden Schützenfesttagen lasse ich zu jeder Zeit warme Speisen verabreichen. W. Krüger. Probsteier Saat=Roggen und Auch für dieses Jahr übernehme ich die Besorgung des wegen seiner vortrefflichen reinen Qualität und seiner Ergiebigkeit für jede Bodeuart sich eignenden weit und breit anerkannten Probsteier Saat=Roggens, sowie auch des Probsteier Saat=Weizens und ersuche die Herren Landwirthe das von ihnen gewünschte Quantum bei mir einschreiben zu lassen und garantire ich die zeitige Beschaffung des Saatkorns. Lemgo im Juli 1857. M. Lenzberg Wwe. Gesucht wird ein Lehrling für ein Colonial= und Material=WaarenGeschäft. Das Nähere bei der Expedition dieses Blattes. Frucht=Preise. Weizen,.7 Thlr. bis 2 Thlr. 224 Sgr. Roggen 1 Thlr. 224 Sgr. bis 2 Thlr. Gerste 1 Thlr. 25 Sgr. Hafer 14 Thlr. Rauhfutster 2 Thlr. 5 Sar Erbsen 2 Thlr. bis 2 Thlr. 5 Sgr. Linsen 2 Thlr. 10 Sgr. Stand der Louisd'or à 5 Thlr. 154 Sar Einladung. Wie große Theilnahme und der Beifall, dessen sich unser vorjähriges Freischießen erfreute, hat den unterzeichneten Vorstand veranlaßt, in diesem Jahre ein gleiches Fest zu veranstalten. Dasselbe beginnt am 20sten d. Mts., Morgens 8 Uhr, mit einem vom Marktplatze ausgehenden Festzuge des Bataillons durch die Stadt nach dem Schützenplatze. Nachmittags: Schießen nach der Königsscheibe und Abends 9 Uhr Rückmarsch in die Stadt. Am folgenden Morgen 6 Uhr: Versammlung des Bataillons auf dem Marktplatze, Abmarsch nach dem Schützenplatze und Fortsetzung des Königsschießens. Nach Beendigung desselben: Proclamation und Huldigung des neuen Königs und Vertheilung der Prämien an die besten Schützen. An beiden Nachmittagen: Tanz in geräumigen Zelten. Am zweiten Tage, Mittags 12 Uhr, Festessen im Zelte des Herrn Gastwirth Wülker und Abends Illumination des Schützenplatzes und Feuerwerk. Für Festgenossen werden Nebenscheiben mit Büchsen und Pistolen aufgestellt. Einheimische und auswärtige Freunde geselliger Vergnügungen werden zur Theilnahme ergebenst eingeladen. Auswärtige Schützenbrüder haben freien Zutritt zum Feste, wenn sie in Uniform erscheinen und von Seiten ihres Vorstandes vorher angemeldet werden. Lemgo, den 7. Juli 1857. Der Vorstand der Freischießen=Gesellschaft. Ziejenigen Herren, welche an den am Dienstage den 21. d. Mts. Mittags 12 Uhr in meinem Zelte stattfindenden Fest=Essen Theil zu nehmen wünschen, ersuche ich, sich gefälligst bis zum 19. d. Mts. bei mir anzumelden. Außerdem kann bei mir nach der Karte gespeist werden. A. Wülker. Druck und Expedition von F. L. Wagener in Lemgo.