Eine Zeitschrift zur Belehrung und Unterhaltung für Jedermann.

Erscheint jeden Sonntag

und kostet bei den Fürstl. Thurn= und Taxi­chen Postämtern vierteljährlich 11 ¼/ Sgr., in den Expeditionen in Lemgo und Detmold 10 Sgr.

Me 6.

Lemgo, 8. Februar 1857.

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Die=Heimath.

(Nach Florian).

Sei mir gegrüßt, du Heimathsflur, Von der ich schied mit stillen Zähren! Laß froh zu dir mich wiederkehren,

Zu meiner Kindheit seel'ger Spur.

Als einst das Schicksal mich von hier Mit harter Hand hinweg getrieben,

Irrt ich umher; dir blieb mein Lieben Und meine Hoffnung blieb bei dir.

Ob anderswo ich auch erblickt Gestade, Matten, grüne Wälder,

Es haben Wellen, Blumen, Felder,

Mein Auge nirgends so entzückt.

Nein, auf der lieben Heimathsflur,

Da singt der Bach die schönsten Lieder, Da senkt auf weichen Rasen nieder Der Baum die kühlsten Schatten nur.

O glücklich, wer, wo ihm der Tag Erschien, verträumt des Daseins Stunden; Mit einer Freundin hold verbunden Nicht wechselt Liebe und nicht Dach!

ist die Industrie?

Industrie ist im strengen Sinne der neueren Zeit di Kunst, ein werthloses Produkt durch geschickte Verwendun werthvoll zu machen.

Wenn der Goldschmied einen goldenen Schmuck, einer silbernen Löffel macht, so hat er eigentlich sehr wenig gelei stet; denn meisthin ist das Material, das Gold und das Silber, daran mehr werth als die Arbeit. Wenn dageger eine Fabrik aus einem Pfund Eisen Stahlfedern macht, so hat sie sehr viel geschaffen, denn das Produkt ist hundert mal mehr werth als das Material. Und das ist die recht Industrie. 56 4 5%

Wenn Gold und Silber als Material einen hohen Werth haben, so rührt dies daher, weil diese Metalle selten zu finden, weil sie sehr mühsam ans Tageslicht geschafft werden und weil sie die edle Eigenschaft besitzen, weder von der Luft noch von gewöhnlichen Säuern angegriffen und rostig gemacht zu werden. Ihre Gewinnung ist theuer und darum ist ihre Verarbeitung nicht von hohem Werth.— Wenn dagegen die neuere Wissenschaft nachgewiesen, daß unsere gewöhnliche Thon=Erde ein Metall„Aluminium“ ent­das man in fester Masse herstellen, das man zu vielen Dingen verarbeiten kann und das ebenfalls in seinen Eigen­

schaften den edlen Metallen gleichkommt; wenn hierauf die Industrie sich in der jüngsten Zeit die Aufgabe gestellt hat, dieses Metall im Großen und in billiger Weise herzustellen; wenn es sich bestätigen sollte, was neuerdings berichtet wurde, daß in Frankreich das Pfund Aluminium für etwa einen Thaler wird geliefert werden können, so wird dies ein neuer, ein echter Industrie=Zweig werden; denn man wird aus einem Produkt, das sich allenthalben in großen Massen fin­det und das gegenwärtig ganz werthlos ist, ein Metall schaf­fen, das zu unzähligen Dingen nutzbar und in tausend Fäl­len werthvoll sein wird.

In neuerer Zeit hat man den Chaussee=Staub zu ganz vortrefflichen festen Steinen verarbeitet. Man hat aus einem werthlosen Ding ein werthvolles geschaffen. Das ist echte Industrie.— In neuester Zeit befreundet man sich immer mehr mit dem Gedanken, daß man das unreine Was­ser unserer Gossen, das in den Fluß fließt und denselben verunreinigt, einmal so behandeln wird, daß man aus die­sem den kostbarsten Düngstoff wird gewinnen können! Das ist ein großer Plan, ein recht industrieller Gedanke von der bedeutsamsten volkswirthschaftlichen Wichtigkeit. Wird er verwirklicht, so wird man aus Nichts sehr Viel schaffen.

In solcher Thätigkeit greift der Menschengeist kräftig in die Werkstatt der Natur ein. Er regelt ihren Haushalt und ordnet ihn zu seinem Dienste; er erfüllt seine Bestim­mung, die ja schon in alter, sehr alter Zeit dahin ausge­sprochen wurde, daß er die Erde füllen und sie bezwingen solle.—

Ein echter Zweig der Industrie ist es aber auch, aus verbrauchten abgenutzten Dingen wieder neue Produkte brauchbarer Art zu schaffen.

Wenn die Chemie aus alten werthlosen Knochen Leim, Phosphor, Knochenmehl und andere wichtige Produkte macht, ist es ein Gewinn aus abgenutzten Dingen. Wenn man Horn=Abfälle jetzt so zu behandeln versteht, daß sie wiederum gut verwendet werden können, so ist das ein echter Indu­strie=Zweig. Aus alten Lederstückchen, die Sattler, Schuh­macher u. s. w. sonst in den Kehricht warfen, fabrizirt man jetzt künstliches Leder. Das ist ein werthvolles Produkt aus werthlosen und abgebrauchten Stücken. Die Chemie hat nachgewiesen, wie man aus Sägespähnen Spiritus und Essig bereiten kann, ja wie sogar die Aussicht vorhanden ist, einen brauchbaren Zucker daraus zu gewinnen. Das ist Stoff für echte Industrie.

Wie man aus der sonst ganz mißachtet gewesenen Braun­kohle jetzt werthvolle Stoffe mannigfacher Art gewinnt, ist eine bekannte Thatsache. Paraphin, Photogen sind schon wichtige Handelsartikel geworden. Die Ausbeute wird noch viel weiter getrieben werden, wenn erst der richtige Geist der Industrie sich der Ergebnisse der Wissenschaft bemächtigen wird, denn in dieser, der Wissenschaft, liegt ein mächtiges Mittel der Verwerthung werthloser und verbrauchter Mate­rialien, und wir dürfen die Hoffnung hegen, daß an der Hand des geistigen Fortschrittes auf diesem Gebiete der ma­terielle Fortschritt sich sehr emporschwingen wird.

Und das ist es, was wir Industrie, die wahre Industrie nennen.