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Nr. 226.
Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Sonntag, den 27. September 1931.
13. Jahrgang.
Du heiliges Licht, edler Hort,
Laß uns leuchten des Lebens Wort und lehr uns Gott recht erkennen,
Von Herzen Vater ihn nennen.
O Herr, behüt vor fremder Lehr,
Daß wir nicht Meister suchen mehr,
Denn Jesum Christ mit rechtem Glauben Und ihm aus ganzer Macht vertrauen. Halleluja!
wirkliche Christus.
Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater. Und niemand kennet den Sohn denn nur der Vater; und niemand kennt den Vater denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren. Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Matth. 11, 27 u. 38.
Es ist klar, in dem Wirbel der gegenwärtigen Lage hilft kein Gedankenchristentum, kein gemalter Christus mehr. Jetzt handelt es sich darum: Kennen wir den wirklichen Christus? Wie ein Gerichtswort klingen heute die Worte von Stanley Jones, daß der Welt eine sanfte Abart des Christentums eingeimpft sei; so daß sie jetzt gegen das wirkliche Christentum nachgerade immun geworden sei. Aber diese Worte sind geschrieben in einer Zeit, wo man sich noch mit diesem Scheinchristentum begnügen, ja, sich darin gesichert vorkommen konnte. Diese Zeit ist für den, der Augen hat zu sehen, vorbei. Schon fängt die Spreu des Namenchristentums an, vor den ersten Wirbeln des nahenden Sturmes sich zu erheben. Sie wird fortgewirbelt werden, wenn der Sturm kommt. Andererseits aber wanken auch die uralten Götzen der Menschheit, es wankt die Macht des Mammons. Bis weit über die Kreise der Christenheit hinaus tönt der Schrei, der Mensch und nicht tote Dinge sind das wichtigste auf der Erde.
Dieser Schrei aber ist eine Frage nach dem wirklichen Christus. Denn der wirkliche Christus steht ganz dicht und ganz tief bei dem Menschen. Und bei dem Menschen und für den Menschen steht er da als der, den nur der Vater ganz kennt und dem alle Dinge vom Vater übergeben sind. Ja, um dessentwillen Gott die Welt erhält, damit diese geschändete Schöpfung noch etwas wird zur Ehre seines Namens. Jetzt wird's ernst mit dem wirklichen Christus! Jetzt werden den Sehenden, Hungernden die Schleier von den Augen weggenommen. Jetzt schenkt er sich ihnen zu erkennen als der, der eine wirkliche Liebe und damit auch eine wirkliche Hilfe vom Vater her zu geben hat.
Jetzt ist aber auch die Zeit, wo wir, die wir in einer engen Frömmigkeit gelebt haben, uns mit Ernst zu fragen haben, ob wir den Menschen in der Welt die Brücke zum Wirklichen Christus gebaut oder verbaut haben. Denn verbaut haben wir ihnen den Weg dann, wenn wir zufrieden damit waren, selber an ihn gläubig geworden zu sein. Eine Zufriedenheit aber,— schauerlich zu denken, daß so etwas möglich war— die gerade, indem sie sich nicht des Christus, sondern ihres Glaubenserlebnisses rühmte, sich von den Menschen in der Welt abschloß. So wurde statt der Brücke ein Abgrund aufgerissen. Die Suchenden standen wie fassungslos vor einem Erlebnis, zu dem ihnen der Zugang fehlte.
Sind wir nun selbst von aller selbsterwählten und oft erquälten Frömmigkeit weg bei dem wirklichen Christus angelangt, so können wir nicht anders als Brücken bauen zu den Menschen in der Welt. Mit ihnen stehen wir in der Tiefe, nehmen nicht teil an ihren Sünden, aber trennen uns auch nicht der Sünde wegen von ihnen, denn wir sind ja selbst Sünder, die eben um ihrer Sünde wilten an dem wirklichen Christus hangen. Ja, in der Liebe zu den Menschen, die wir um des Christus willen nicht mehr lassen können und nicht lassen dürfen, wird die Brücke gebaut. Und auch die Zagenden können nun Mut bekommen, diese Brücke zu beschreiten.
Heben wir unsere Häupter auf gerade jetzt! Ein neuer Tag des wirklichen Christus bricht an!—m.
Was
Wenn man die weltpolitischen Ereignisse überschaut, die zur Zeit das Interesse aller Politiker, Wirtschaftler und Finanzleute bewegt, könnte man als Deutscher zu der Auffassung kommen, jetzt sei ruhiges Abwarten das Gebot der Stunde. Tatsächlich sieht es so aus, als vollziehe sich ein Schicksal an der Welt, das von manchen Politikern als Folge der in Versailles angebahnten neuen Politik der„Völkerversöhnung“ schon gleich im Jahre 1919 vorausgesagt wurde. Der„Friedensvertrag“ hat sich nicht bewährt. Jedenfalls wird niemand behaupten können, daß seit seiner Inkraftsetzung der Konfliktsursachen zwischen den Staaten und Völkern weniger geworden wären. An die Stelle des deutschen Militarismus, der aus geschickter Berechnung als Friedensstörer der Welt hingestellt wurde, sind nun Mächte getreten, die für den Frieden der Welt viel gefährlicher sind. Es mag ja sein, daß die Vorgänge finanzpolitischer Art, die gegenwärtig die ganze Kulturwelt in Unruhe und Erregung setzen, nicht zu kriegerischen Auseinandersetzungen führen von der Art, wie wir sie durch den letzten Krieg erlebten. Ob aber die letzten Folgen dieses Kampfes um rein materielle Dinge weniger entsetzlich und gefährlich sind als die eines Kampfes mit den Waffen, bei dem es sich doch immer noch um Volks= und Mannesehre handelt, das mag jetzt noch umstritten bleiben. Hätten sich bei uns in Deutschland durch eine unglückliche Wirtschafts= und Staatspolitik die innenpolitischen Verhältnisse nicht so zugespitzt, wie das tatsächlich der Fall ist, würde Deutschland jetzt nichts Besseres tun können, als die Weiterentwicklung der Dinge auf der Bühne der Weltpolitik, wie sie sich durch die Ereignisse auf den Börsenmärkten der einzelnen Staaten vollziehen, mit großer Ruhe abzuwarten. Wie es aber nun einmal steht, hat jeder, der sich sorgt um sein und seines Volkes Schicksal, und der noch an eine Zukunft Deutschlands glaubt, die Aufgabe, seine Kraft und seinen Einfluß für eine Gestaltung deutscher Verhältnisse einzusetzen, wie sie dem deutschen Volke ein lebenswertes Dasein gewährleisten können.
Auf einer Konferenz der preußischen Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten hat der Innenminister Severing in seiner Rede zwei Fragen in den Vordergrund gestellt:
„Wie können wir die wachsende Verhetzung durch die radikalen Parteien eindämmen? Wie setzen wir Gemeinden und Staat in den Stand, ihre Aufgaben angesichts der schwierigen finanziellen Lage zu meistern?“
Wollte man diese Fragen beantworten nach den Gesichtspunkten, nach denen die sozialistische Führung ihre Agitation für einen besseren Zukunftsstaat trieb, daß nämlich die materielle, die wirtschaftliche Lage des Einzelnen seine Staatsgesinnung bestimme, würde man sagen, daß die Lösung der zweiten Frage auch die Lösung der ersten bedeuten müsse. Für den Staat und für die Gemeinden hängt doch alles nur davon ab, daß sie wieder die Möglichkeit gewinnen, alle die eigenen und die privaten Wirtschaftsbetriebe, die früher den Gemeindegliedern Arbeit und Brot gaben und den Gemeindesäckel mit Steuern füllten, wieder in Gang zu bringen. Mögen bei einzelnen Richtungen der von Severing genannten und gefürchteten radikalen Parteien die Gründe ihrer Unzufriedenheit mit den deutschen politischen Verhältnissen auch noch anderer als rein wirtschaftlicher Natur sein, so ist doch anzunehmen, daß für den Staat und die Regierung der größte Gefahrenherd beseitigt ist, sobald aus den Erwerbslosen, den Fürsorge= und Wohlfahrtsempfängern wieder erwerbstätige Menschen geworden sind.
Für die Regierungsvertreter ist es jetzt eine schwere Sache, Maßnahmen rechtfertigen zu müssen, die auf jeden Fall dem Staatsbürger eine immer größere Belastung bringen. In Herrn Severing sehen wir einen Staatsmann und Politiker, der mit größter Energie und Zähigkeit seine politischen Ziele verfolgt. Sollte aus der Entwicklung, in der unser deutscher Staat steht, ein sozialistischer Staat hervorgehen, der alle die einigermaßen befriedigt, die jetzt noch auf ihn hoffen und sich für ihn einsetzen, dann wird Herrn Severing ein großer Teil dieses Erfolges zuzuschreiben sein. Aber wenn es auch so weit nicht reichen wird, gebührt ihm doch der Ruhm, den Staat und seine Verwaltung so stark mit seinen Ideen beeinflußt zu haben, daß er die Behauptung wagen kann, ein offener Putsch würde durch die Machtmittel des Staates sofort niedergeschlagen werden.
„Wir müssen mit allen Kräften beweisen, daß die Staatsgewalt unversehrt vorhanden und bereit ist. Wir müssen auch nachdrücklich dem übertriebenen Pessimismus entgegentreten, daß der kommende Winter das deutsche Volk in eine Katastrophe führen wird. Ein 60=Millio
nenvolk kann nicht zugrundegehen, kann nicht verhungern, muß in Ordnung verwaltet und regiert werden.“
Wenn solche Töne geredet werden, möchte man nicht gerne dagegen opponieren. Aber wer die Dinge sieht, wie sie sind, kann schon der Meinung sein, daß es der Regierung nicht gelungen ist, Voraussetzungen zu schaffen, die noch einigen Optimismus rechtfertigen. Im Augenblick weiß man noch nicht, in welcher Richtung sich die Notverordnungen auswirken werden. Tragen sie dazu bei, daß eine Katastrophe vermieden wird, daß das Volk nicht verhungert und in Ordnung verwaltet und regiert werden kann, wird sich dessen jeder rechtschaffene Staatsbürger freuen. Wenn aber zur Zeit die Regierung Sor gen hat der radikalen Elemente wegen, dann soll man nicht sagen, daß daran die radikalen Elemente schuld sind. Es läßt sich nicht bestreiten, daß die gegenwärtige Lage Deutschlands den größten Tiefstand zeigt nach dem Kriege. Ueber Höhen und Tiefen ist es weggegangen. Beherrscht wurde die Politik von dem Gedanken der Reparationserfüllung in dem Sinne, daß man annahm, die weltwirtschaftliche Lage werde eine ordnungsmäßige Erfüllung ermöglichen oder bei den Gläubigern werde die Erkenntnis einkehren, daß die Lasten für Deutschland untragbar seien. Bis jetzt hat sich keine von beiden Hoffnungen erfüllt. Bei den radikalen Elementen und nicht nur bei diesen, hat sich aber inzwischen die Ueberzeugung herausgebildet, daß auch die jetzige Regierung noch nicht vorhabe, jenen Kurs zu ändern. Der zunehmenden Masse von Menschen, denen die Mittel zum Leben immer knapper werden, kann es keine Regierung verwehren, wenn sie nach Wegen sucht, aus dem Elend herauszukommen, zumal wo sie weiß, daß die Lebensgüter in ausreichendem Maße für alle vorhanden sind. Schließlich werden auch die Machtmittel des Staates, mit denen er Putsche verhindern zu können glaubt, unwirksam, und das um so eher und um so sicherer, je fühlbarer auch diesen Organen des Staates die Unsicherheit, Ohnmacht und Knechtschaft ihres Staates wird. Alles wird davon abhängen, ob es Severing und anderen Führern gelingt, wenigstens den Volksteil, der bisher zu ihm hielt, durch eine wirksame Tat zu überzeugen, daß er nicht zugrunde geht und verhungert. Schlagfertige und witzige Reden werden auf die Dauer nicht ausreichen.
Die Ereignisse der letzten Tage auf dem Gebiete der Parteipolitik haben durchaus nicht den Eindruck erweckt, als seien wir auf dem Wege zu einer innerpolitischen Verständigung, durch die dann auch zu einer wirksameren Außenpolitik zu kommen sei. Auf dem deutschnationalen Reichsparteitage hat Geheimrat Hugenberg wieder seine sehr deutlichen programmatischen Reden gehalten. Weil in der Linkspresse und in der Zentrumspresse in letzter Zeit falsche Nachrichten über das Verhalten Hugenbergs der Regierung gegenüber verbreitet worden waren, hat sich Hugenberg veranlaßt gesehen, darüber ein deutliches Wort zu sagen. Er betont:
„Seitens des Zentrums oder irgend einer anderen Stelle ist während der Zeit meines Vorsitzes der DR BP. niemals
irgend ein Angebot zu irgendwelcher„positiven Mitarbeit“ gemacht worden. Nur wir haben— wegen des Ernstes der Lage, aber auch zur Verhütung erfolgreicher Geschichtsfälschung— unsererseits vor der Reichstagsauflösung 1930 dem Reichskanzler Brüning den offiziellen Vorschlag einer Zusammenarbeit gemacht. Trotz allem: wir stoßen in dieser kritischen Stunde keine Hand zurück, die sich uns zu wirklich ehrlicher Zusammenarbeit anbietet. Wir kennen in der Politik keine grundsätzliche Feindschaften.“
Aus diesen Sätzen könnte man schließen, daß die Deutschnationalen auch jetzt noch bereit wären, das Kabinett Brüning zu unterstützen, wenn es sich entschließt, den Kampf gegen den Marxismus aufzunehmen, so, wie Dr. Hugenberg es wünscht. Der weitere Inhalt der Rede Hugenbergs ist aber doch eine scharfe Absage an die Politik des Zentrums. Um den Lesern ein klares Bild von der Ansicht Hugenbergs zu geben, drucken wir hier die beiden Schlußabsätze seiner Rede ab, wie sie in der„Ger mania“ wiedergegeben waren:
„Mit Notverordnungen macht man Deutschland nicht wieder gesund. Den drängenden Problemen eines gefahrvollen Winters steht die Regierung hilflos gegenüber. Herr Brüning weicht jeder entscheidenden Maßnahme aus, weil seine brüchige Koalition sonst ins Wanken gerät. Diese Minderheitsregierung will sich trotz der wachsenden Widerstände am Ruder halten. Um die sichere Niederlage bei der preußischen Landtagswahl zu vermeiden, erörtert man von Preußen aus Verfassungsänderungen, die ein Weiterregieren auch in Preuzen gewährleisten sollen. Der Sinn der Reform der jetzigen preußischen Machthaber ist die Aufrechterhaltung der Herrschaft der Linken. Zu dem Zwecke soll Preußen zerstört werden. Und das alles soll verfassungswidrig durch Notverordnungen mit der Unterschrift Hindenburgs gemacht werden. Aber wir die wir die Mehrheit des deutschen Volkes bilden, wir berufen uns heute auf Verfassung und Parlament und