P Bezugspreis: wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und ellgebühr beim eigenen Bostamt bestellt.— Fürs — ifhand 1 06(inkl. Postgeld). Brei635 Ausland unter Streisband.a5(aul. Ausland unter Streifband.9(inkl. Postgeld). Preis de Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67377. Preis der Tageblatt mit den Beilagen„Für Herz und Haus“ 0 „Kindergabe“ und„Anser Ziel.“ Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklame 30 Pfg. Beilagen unter W g je tausend 15 Ml. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67877. Nr. 226. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Sonntag, den 27. September 1931. 13. Jahrgang. Du heiliges Licht, edler Hort, Laß uns leuchten des Lebens Wort und lehr uns Gott recht erkennen, Von Herzen Vater ihn nennen. O Herr, behüt vor fremder Lehr, Daß wir nicht Meister suchen mehr, Denn Jesum Christ mit rechtem Glauben Und ihm aus ganzer Macht vertrauen. Halleluja! wirkliche Christus. Alle Dinge sind mir übergeben von meinem Vater. Und niemand kennet den Sohn denn nur der Vater; und niemand kennt den Vater denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren. Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Matth. 11, 27 u. 38. Es ist klar, in dem Wirbel der gegenwärtigen Lage hilft kein Gedankenchristentum, kein gemalter Christus mehr. Jetzt handelt es sich darum: Kennen wir den wirklichen Christus? Wie ein Gerichtswort klingen heute die Worte von Stanley Jones, daß der Welt eine sanfte Abart des Christentums eingeimpft sei; so daß sie jetzt gegen das wirkliche Christentum nachgerade immun geworden sei. Aber diese Worte sind geschrieben in einer Zeit, wo man sich noch mit diesem Scheinchristentum begnügen, ja, sich darin gesichert vorkommen konnte. Diese Zeit ist für den, der Augen hat zu sehen, vorbei. Schon fängt die Spreu des Namenchristentums an, vor den ersten Wirbeln des nahenden Sturmes sich zu erheben. Sie wird fortgewirbelt werden, wenn der Sturm kommt. Andererseits aber wanken auch die uralten Götzen der Menschheit, es wankt die Macht des Mammons. Bis weit über die Kreise der Christenheit hinaus tönt der Schrei, der Mensch und nicht tote Dinge sind das wichtigste auf der Erde. Dieser Schrei aber ist eine Frage nach dem wirklichen Christus. Denn der wirkliche Christus steht ganz dicht und ganz tief bei dem Menschen. Und bei dem Menschen und für den Menschen steht er da als der, den nur der Vater ganz kennt und dem alle Dinge vom Vater übergeben sind. Ja, um dessentwillen Gott die Welt erhält, damit diese geschändete Schöpfung noch etwas wird zur Ehre seines Namens. Jetzt wird's ernst mit dem wirklichen Christus! Jetzt werden den Sehenden, Hungernden die Schleier von den Augen weggenommen. Jetzt schenkt er sich ihnen zu erkennen als der, der eine wirkliche Liebe und damit auch eine wirkliche Hilfe vom Vater her zu geben hat. Jetzt ist aber auch die Zeit, wo wir, die wir in einer engen Frömmigkeit gelebt haben, uns mit Ernst zu fragen haben, ob wir den Menschen in der Welt die Brücke zum Wirklichen Christus gebaut oder verbaut haben. Denn verbaut haben wir ihnen den Weg dann, wenn wir zufrieden damit waren, selber an ihn gläubig geworden zu sein. Eine Zufriedenheit aber,— schauerlich zu denken, daß so etwas möglich war— die gerade, indem sie sich nicht des Christus, sondern ihres Glaubenserlebnisses rühmte, sich von den Menschen in der Welt abschloß. So wurde statt der Brücke ein Abgrund aufgerissen. Die Suchenden standen wie fassungslos vor einem Erlebnis, zu dem ihnen der Zugang fehlte. Sind wir nun selbst von aller selbsterwählten und oft erquälten Frömmigkeit weg bei dem wirklichen Christus angelangt, so können wir nicht anders als Brücken bauen zu den Menschen in der Welt. Mit ihnen stehen wir in der Tiefe, nehmen nicht teil an ihren Sünden, aber trennen uns auch nicht der Sünde wegen von ihnen, denn wir sind ja selbst Sünder, die eben um ihrer Sünde wilten an dem wirklichen Christus hangen. Ja, in der Liebe zu den Menschen, die wir um des Christus willen nicht mehr lassen können und nicht lassen dürfen, wird die Brücke gebaut. Und auch die Zagenden können nun Mut bekommen, diese Brücke zu beschreiten. Heben wir unsere Häupter auf gerade jetzt! Ein neuer Tag des wirklichen Christus bricht an!—m. Was Wenn man die weltpolitischen Ereignisse überschaut, die zur Zeit das Interesse aller Politiker, Wirtschaftler und Finanzleute bewegt, könnte man als Deutscher zu der Auffassung kommen, jetzt sei ruhiges Abwarten das Gebot der Stunde. Tatsächlich sieht es so aus, als vollziehe sich ein Schicksal an der Welt, das von manchen Politikern als Folge der in Versailles angebahnten neuen Politik der„Völkerversöhnung“ schon gleich im Jahre 1919 vorausgesagt wurde. Der„Friedensvertrag“ hat sich nicht bewährt. Jedenfalls wird niemand behaupten können, daß seit seiner Inkraftsetzung der Konfliktsursachen zwischen den Staaten und Völkern weniger geworden wären. An die Stelle des deutschen Militarismus, der aus geschickter Berechnung als Friedensstörer der Welt hingestellt wurde, sind nun Mächte getreten, die für den Frieden der Welt viel gefährlicher sind. Es mag ja sein, daß die Vorgänge finanzpolitischer Art, die gegenwärtig die ganze Kulturwelt in Unruhe und Erregung setzen, nicht zu kriegerischen Auseinandersetzungen führen von der Art, wie wir sie durch den letzten Krieg erlebten. Ob aber die letzten Folgen dieses Kampfes um rein materielle Dinge weniger entsetzlich und gefährlich sind als die eines Kampfes mit den Waffen, bei dem es sich doch immer noch um Volks= und Mannesehre handelt, das mag jetzt noch umstritten bleiben. Hätten sich bei uns in Deutschland durch eine unglückliche Wirtschafts= und Staatspolitik die innenpolitischen Verhältnisse nicht so zugespitzt, wie das tatsächlich der Fall ist, würde Deutschland jetzt nichts Besseres tun können, als die Weiterentwicklung der Dinge auf der Bühne der Weltpolitik, wie sie sich durch die Ereignisse auf den Börsenmärkten der einzelnen Staaten vollziehen, mit großer Ruhe abzuwarten. Wie es aber nun einmal steht, hat jeder, der sich sorgt um sein und seines Volkes Schicksal, und der noch an eine Zukunft Deutschlands glaubt, die Aufgabe, seine Kraft und seinen Einfluß für eine Gestaltung deutscher Verhältnisse einzusetzen, wie sie dem deutschen Volke ein lebenswertes Dasein gewährleisten können. Auf einer Konferenz der preußischen Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten hat der Innenminister Severing in seiner Rede zwei Fragen in den Vordergrund gestellt: „Wie können wir die wachsende Verhetzung durch die radikalen Parteien eindämmen? Wie setzen wir Gemeinden und Staat in den Stand, ihre Aufgaben angesichts der schwierigen finanziellen Lage zu meistern?“ Wollte man diese Fragen beantworten nach den Gesichtspunkten, nach denen die sozialistische Führung ihre Agitation für einen besseren Zukunftsstaat trieb, daß nämlich die materielle, die wirtschaftliche Lage des Einzelnen seine Staatsgesinnung bestimme, würde man sagen, daß die Lösung der zweiten Frage auch die Lösung der ersten bedeuten müsse. Für den Staat und für die Gemeinden hängt doch alles nur davon ab, daß sie wieder die Möglichkeit gewinnen, alle die eigenen und die privaten Wirtschaftsbetriebe, die früher den Gemeindegliedern Arbeit und Brot gaben und den Gemeindesäckel mit Steuern füllten, wieder in Gang zu bringen. Mögen bei einzelnen Richtungen der von Severing genannten und gefürchteten radikalen Parteien die Gründe ihrer Unzufriedenheit mit den deutschen politischen Verhältnissen auch noch anderer als rein wirtschaftlicher Natur sein, so ist doch anzunehmen, daß für den Staat und die Regierung der größte Gefahrenherd beseitigt ist, sobald aus den Erwerbslosen, den Fürsorge= und Wohlfahrtsempfängern wieder erwerbstätige Menschen geworden sind. Für die Regierungsvertreter ist es jetzt eine schwere Sache, Maßnahmen rechtfertigen zu müssen, die auf jeden Fall dem Staatsbürger eine immer größere Belastung bringen. In Herrn Severing sehen wir einen Staatsmann und Politiker, der mit größter Energie und Zähigkeit seine politischen Ziele verfolgt. Sollte aus der Entwicklung, in der unser deutscher Staat steht, ein sozialistischer Staat hervorgehen, der alle die einigermaßen befriedigt, die jetzt noch auf ihn hoffen und sich für ihn einsetzen, dann wird Herrn Severing ein großer Teil dieses Erfolges zuzuschreiben sein. Aber wenn es auch so weit nicht reichen wird, gebührt ihm doch der Ruhm, den Staat und seine Verwaltung so stark mit seinen Ideen beeinflußt zu haben, daß er die Behauptung wagen kann, ein offener Putsch würde durch die Machtmittel des Staates sofort niedergeschlagen werden. „Wir müssen mit allen Kräften beweisen, daß die Staatsgewalt unversehrt vorhanden und bereit ist. Wir müssen auch nachdrücklich dem übertriebenen Pessimismus entgegentreten, daß der kommende Winter das deutsche Volk in eine Katastrophe führen wird. Ein 60=Millionenvolk kann nicht zugrundegehen, kann nicht verhungern, muß in Ordnung verwaltet und regiert werden.“ Wenn solche Töne geredet werden, möchte man nicht gerne dagegen opponieren. Aber wer die Dinge sieht, wie sie sind, kann schon der Meinung sein, daß es der Regierung nicht gelungen ist, Voraussetzungen zu schaffen, die noch einigen Optimismus rechtfertigen. Im Augenblick weiß man noch nicht, in welcher Richtung sich die Notverordnungen auswirken werden. Tragen sie dazu bei, daß eine Katastrophe vermieden wird, daß das Volk nicht verhungert und in Ordnung verwaltet und regiert werden kann, wird sich dessen jeder rechtschaffene Staatsbürger freuen. Wenn aber zur Zeit die Regierung Sor gen hat der radikalen Elemente wegen, dann soll man nicht sagen, daß daran die radikalen Elemente schuld sind. Es läßt sich nicht bestreiten, daß die gegenwärtige Lage Deutschlands den größten Tiefstand zeigt nach dem Kriege. Ueber Höhen und Tiefen ist es weggegangen. Beherrscht wurde die Politik von dem Gedanken der Reparationserfüllung in dem Sinne, daß man annahm, die weltwirtschaftliche Lage werde eine ordnungsmäßige Erfüllung ermöglichen oder bei den Gläubigern werde die Erkenntnis einkehren, daß die Lasten für Deutschland untragbar seien. Bis jetzt hat sich keine von beiden Hoffnungen erfüllt. Bei den radikalen Elementen und nicht nur bei diesen, hat sich aber inzwischen die Ueberzeugung herausgebildet, daß auch die jetzige Regierung noch nicht vorhabe, jenen Kurs zu ändern. Der zunehmenden Masse von Menschen, denen die Mittel zum Leben immer knapper werden, kann es keine Regierung verwehren, wenn sie nach Wegen sucht, aus dem Elend herauszukommen, zumal wo sie weiß, daß die Lebensgüter in ausreichendem Maße für alle vorhanden sind. Schließlich werden auch die Machtmittel des Staates, mit denen er Putsche verhindern zu können glaubt, unwirksam, und das um so eher und um so sicherer, je fühlbarer auch diesen Organen des Staates die Unsicherheit, Ohnmacht und Knechtschaft ihres Staates wird. Alles wird davon abhängen, ob es Severing und anderen Führern gelingt, wenigstens den Volksteil, der bisher zu ihm hielt, durch eine wirksame Tat zu überzeugen, daß er nicht zugrunde geht und verhungert. Schlagfertige und witzige Reden werden auf die Dauer nicht ausreichen. Die Ereignisse der letzten Tage auf dem Gebiete der Parteipolitik haben durchaus nicht den Eindruck erweckt, als seien wir auf dem Wege zu einer innerpolitischen Verständigung, durch die dann auch zu einer wirksameren Außenpolitik zu kommen sei. Auf dem deutschnationalen Reichsparteitage hat Geheimrat Hugenberg wieder seine sehr deutlichen programmatischen Reden gehalten. Weil in der Linkspresse und in der Zentrumspresse in letzter Zeit falsche Nachrichten über das Verhalten Hugenbergs der Regierung gegenüber verbreitet worden waren, hat sich Hugenberg veranlaßt gesehen, darüber ein deutliches Wort zu sagen. Er betont: „Seitens des Zentrums oder irgend einer anderen Stelle ist während der Zeit meines Vorsitzes der DR BP. niemals irgend ein Angebot zu irgendwelcher„positiven Mitarbeit“ gemacht worden. Nur wir haben— wegen des Ernstes der Lage, aber auch zur Verhütung erfolgreicher Geschichtsfälschung— unsererseits vor der Reichstagsauflösung 1930 dem Reichskanzler Brüning den offiziellen Vorschlag einer Zusammenarbeit gemacht. Trotz allem: wir stoßen in dieser kritischen Stunde keine Hand zurück, die sich uns zu wirklich ehrlicher Zusammenarbeit anbietet. Wir kennen in der Politik keine grundsätzliche Feindschaften.“ Aus diesen Sätzen könnte man schließen, daß die Deutschnationalen auch jetzt noch bereit wären, das Kabinett Brüning zu unterstützen, wenn es sich entschließt, den Kampf gegen den Marxismus aufzunehmen, so, wie Dr. Hugenberg es wünscht. Der weitere Inhalt der Rede Hugenbergs ist aber doch eine scharfe Absage an die Politik des Zentrums. Um den Lesern ein klares Bild von der Ansicht Hugenbergs zu geben, drucken wir hier die beiden Schlußabsätze seiner Rede ab, wie sie in der„Ger mania“ wiedergegeben waren: „Mit Notverordnungen macht man Deutschland nicht wieder gesund. Den drängenden Problemen eines gefahrvollen Winters steht die Regierung hilflos gegenüber. Herr Brüning weicht jeder entscheidenden Maßnahme aus, weil seine brüchige Koalition sonst ins Wanken gerät. Diese Minderheitsregierung will sich trotz der wachsenden Widerstände am Ruder halten. Um die sichere Niederlage bei der preußischen Landtagswahl zu vermeiden, erörtert man von Preußen aus Verfassungsänderungen, die ein Weiterregieren auch in Preuzen gewährleisten sollen. Der Sinn der Reform der jetzigen preußischen Machthaber ist die Aufrechterhaltung der Herrschaft der Linken. Zu dem Zwecke soll Preußen zerstört werden. Und das alles soll verfassungswidrig durch Notverordnungen mit der Unterschrift Hindenburgs gemacht werden. Aber wir die wir die Mehrheit des deutschen Volkes bilden, wir berufen uns heute auf Verfassung und Parlament und halten den Herrn Reichspräsidenten an dem Schwure fest, den er geleistet hat! Wir wollen seinen geschichtlichen Namen Rolle als Vorkämpfer des nationalen Deutschlands rein und klar erhalten. Wir legen feierlich Verwahrung gegen das ein, zvas die Regierungen aus den Notverordnungen des Reichspräsidenten hinter seinem Rücken gemacht Wären wir nicht strafwürdige Narren, wenn wir dies Kabinett nicht bekämpften oder uns gar irgendwie an seiner Arbeit beteiligten? Nur ein nationales Deutschland ist heute noch fähig, den Bolschewismus niederzuringen und ein Regiment der Ordnung aufzurichten! Es kann nur eine Antwort geben: Diese Art von Regiment ist durch das von uns gewünschte zu ersetzen! Das ist nicht„Parteistandpunkt“, sondern es ist die Voraussetzung deutscher Gesundung. Wenn wir in diesem Herbst nicht zum Reichstag und Landtag wählen, so stehen die Signale auf SOS. Wir befinden uns schon mitten im Bürgerkrieg. Nicht wir legen den Brand an, sondern die Kommunisten. Die nationale Opposition ist schon jetzt eine Mehrheit des Volkes. Die Grundlage des Kabinetts wird schmaler und schmaler. Jede Wahl bringt den Ausschlag zu unseren Gunsten. Wir sind bereit, mitzuarbeiten, aber nicht als Diener einer Richtung, die erwiesenermaßen falsch ist. Wer aus den Reihen der nationalen Opposition oder ihrer Anhängsel in Zeiten, da die gegenwärtige Regierung Hilfe suchen wird, Minister werden oder ihr selbst beistehen sollte, der ist abtrünnig und Feind. Wenn höchste Not und Krisis kommen und der Bolschewismus auflodert— wohlgemerkt: wir wollen die Katastrophe nicht, wir sind nicht schuld daran. Keine Hand soll sich zum Schutze dieser Regierung und dieses marxistischen Systems erheben! Es wäre Verblendung, wenn die Regierung wieder— wie Ebert 1919— auf die Opfer der nationalen Jugend rechnete, auf Freiwillige, die man vorschickt, um sie dann in den Kerker zu werfen. Es darf nicht nochmals vorkommen, daß dieses System durch nationale Kräfte gerettet wird, die man sonst mit Füßen tritt. Personen und Eigentum derjenigen, die sich zu uns bekannt haben, das ist der einzige Wert, den es dann zu schützen gilt bis zu dem Augenblick, in dem die Macht in die Hand der nationalen Opposition übergeht.“ Das sind sehr ernste Worte, gerade auch deshalb, weil das Vorhandensein einer starken, nationalen Opposition eine Tatsache ist, die niemand wird bestreiten können. Dadurch wird die Gefahr des Bürgerkriegs so akut, wenn es nicht zu einer Umbildung der Regierung kommt oder wenn dem Volke nicht Gelegenheit gegeben wird, durch Neuwahlen seine Meinung zum Ausdruck zu bringen. Es ist nun einmal ein unglückseliges Verhängnis, daß über Deutschland neben allen andern außen= und innenpolitischen Nöten und Gefahren auch noch das Uebel konfessioneller Gegensätze in einem Maße steht, wie das in keinem anderen Staate der Welt der Fall ist. Der eine Teil hat berechtigte Gründe genug zu der Annahme, daß in der Politik des anderen Teiles Gesichtspunkte maßgebend sind, die sich nicht vertragen mit der überlieferten Politik, mit der das deutsche Reich in einer lebensfähigen Gestalt geschaffen wurde. Und weil nun das Zentrum glaubt, diese seine Sonderinteressen durch eine Regierungskoalinon, wie sie sich nach der Beseitigung der evangelischen Hohenzollernmonarchie bildete, besser wahren zu können, deshalb kommt es zu keiner Mehreitsbildung, die durch politische Macht und Einfluß Wirtschafts= und Staatspolitik so bestimmen könnte, daß bolchewistische, marxistische oder sozialistische Bestrebungen, soweit sie nicht fortschrittlich sind, unwirksam gemacht würden. Mit einer Politik, die nur im Auge hat, die Personen und das Eigentum derjenigen zu schützen, die sich zu ihr bekannt haben, ist es aber auch nicht allein getan. Es muß eine Politik sein, auf der das Auge Gottes mit Wohlgefallen ruhen kann. Kr. Unterredung mit Hugenberg. Hamburg, 24. Sept. Ein Mitarbeiter der„Hamburger Nachrichten“ hatte eine Unterredung mit Dr. Aus meinem Wanderbuch. Gedanken und Bilder. Von Georg Meyer(Wurzen). 1. Das Kirchlein„Domine, quo vadis" bei Rom. Draußen vor den Toren der Stadt, unweit der Kallistkatakomben, liegt in der melancholisch=ernsten Einöde der Campagna mit den gigantischen Trümmern der Vergangenheit das kleine Gotteshaus„Domine, quo vadis". Selten wird ein Romwanderer, der von einem Besuch der unterirdischen Grabanlage des christlichen Altertums nach Rom zurückkehrt, es unterlassen, in dieses einsame Kirchlein einzutreten. Es hat seinen Namen von der Legende, der zufolge Petrus, den Märtyrertod fliehend, hier Christus, mit dem Kreuz auf der Schulter, begegnete. Auf die Frage des Jüngers:„Domine, quo vadis?“(Herr, wo gehst du hin?) gab der Heiland die Antwort:„Venio iterum crucifigi“(ich bin auf dem Wege, mich noch einmal für dich kreuzigen zu lassen). Beschämt kehrte hierauf der Flüchtling nach Rom zurück und erduldete den Tod. In der Nähe der Eingangstür des Gotteshauses wird noch in der Gegenwart auf eine Fußspur aufmerksam gemacht, die von jener heiligen Begegnung im Marmor hinterblieben sein soll. Man sieht in der Tat eine Art von Fußspur— einen Umriß von scharfem Griffel gezogen, geschwärzt von der Zeit.— Es gibt noch heutigen Tages Fußspuren Jesu, aber nur das Auge des Glaubens kann sie schauen.„Fußspuren des lebendigen Gottes auf meinem Lebensweg, überschreibt der teure Otto Funke seine beiden weitbekannten Bücher. Vermag nicht jeder, der ernstlich im Glauben wandelt, Fußspuren des Höchsten in seinem Leben zu erblicken? Wunderbare Lenkungen, Eingriffe in das Schicksal gaben deutlich=bestimmt die Empfindung: Das ist der Herr! Solche Heilandsspuren sind von Ewigkeitslicht umsäumt und uns eine Mahnung zur Treue im Herrn. 2. Ein Abendgottesdienst in Schottland. Schottlands Spezialität ist das Regenwetter.„Is it always raining in Scotland?“ fragte ein Fremder einen Eingeborenen.„O no“ gibt dieser ruhig zur Antwort, „sometimes it snows.“ Ich weiß aber als Augenzeuge auch von duftig zarten, blaugoldenen Septembertagen zu Hugenberg, der folgende Fragen und Antworten entnommen seien: Frage:„Warum hat das Zentrum wohl auf Ihr offenes Angebot zur Mitarbeit so erbittert reagiert?“ Antwort:„Zunächst möchte ich feststellen, daß uns das Zentrum niemals um Mitarbeit ersucht hat, sondern nur stets verlangte, daß sich die Deutschnationalen seinen politischen Bedingungen unterwerfen sollten. Die Erbitterung der Zentrumspresse ist darauf zurückzuführen, daß wir das ablehnen. Man steht sich mit dem Zentrum am besten, wenn es über unseren klaren Willen nicht im Zweifel ist.“ Frage:„Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit der nationalen Opposition beim Wiederzusammentritt des Reichstages?“ Antwort:„Wir haben Ende August mit den Nationalsozialisten vereinbart, daß wir gemeinsam wieder im Reichstage erscheinen werden, natürlich unter dem Vorbehalt, ihn wieder zu verlassen, wenn es uns richtig erscheint. Uns ist an einer Einzelveränderung im Kabinett nichts gelegen, da wir das ganze Kabinett für rücktrittsreif halten. Gegenüber Bedenken, ob nicht Spannungen in der nationalen Opposition zu erwarten seien, habe ich die Auffassung, daß ein einheitliches Vorgehen der nationalen Opposition gegen die Regierung gewährleistet ist.“ Frage:„Worin liegen Ihrer Meinung nach die Irrtümer der jetzigen Politik?“ Antwort: Viele Deutsche waren, als Brüning die Regierung übernahm, der Meinung, er sei der Anfang einer neuen politischen Entwicklung. Brüning war aber nicht der Anfang einer neuen, sondern das Ende der alten Entwicklung, der Schlußpunkt jener Linie nämlich, die immer wieder die Verständigung mit Frankreich suchte und im Innern nicht den Mut fand, einen Trennungsstrich zum Marxismus zu ziehen. Erfüllungspolitik und Zusammenarbeiten mit dem Marxismus sind auch für die Aera Brünig das entscheidende Moment. Ich bin der Ueberzeugung, daß die Zukunft anderen Ideen gehören wird.“ Frage:„Was halten Sie von dem Gedanken der Zollunion?“ Antwort:„Ich erkläre heute noch, daß eine Zollunion zwischen Deutschland und Oesterreich eine alte deutschnationale Forderung ist, die wir begrüßen, auch wenn sie von unseren innerpolitischen Gegnern aufgegriffen wird. Ich bin der Meinung, daß sich der große völkerverschlingende Schlund in Genf nicht verschlossen hätte, wenn Herr Curtius allein in den Abgrund gesprungen wäre. Ich bin vielmehr der Ansicht, daß Herr Curtius nur der Exponent eines Systemes war, und daß das ganze System versagt hat. Mit anderen Worten: das ganze Kabinett. Brüning hätte mitspringen müssen; möglicherweise hätte dann die Welt aufgehorcht, denn Herr Brüning hat immer wieder betont, daß er sich ganz persönlich dem Gedanken der Zollunion verpflichtet fühle. Frage:„Was halten Sie von einer autarkischen Politik für Deutschland?“ Antwort:„Ich möchte diese Frage zunächst einmal mit Bezug auf die Landwirtschaft beantworten. Deutschland kann seinen Osten und weite Teile seines Westens nicht veröden lassen. Die übrige Welt muß darauf verzichten, mit ihrer Ausfuhr landwirtschaftlicher Produkte die deutsche Landwirtschaft zu beherrschen. Es liegt im Interesse der Welt, daß Deutschland auf dem Gebiete der Landwirtschaft eine autarkische Politik führt. Ich halte sie zudem für vollkommen möglich und durchführbar.“ berichten, wo das schottische Hochland im Schmuck der blühenden Heide prangt und die Seen silbrig blitzen und funkeln. Nach einem solchen Tage war's, als ich in Oban ganz zufällig einem Abendgottesdienst beiwohnte, den irgendeiner religiösen Gemeinschaft Zugehörige mit einfachsten Mitteln am Meeresufer improvisierten. Ein paar Männer trugen ein Harmonium, ein kleines Pult und mehrere Bänke heran, und alsbald erscholl ein frommer Sang, der die am Meeresstrand Lustwandelnden herbeilockte und sammelte. Sie haben nicht die Wucht der deutschen Choräle, diese englischen Gemeinschaftslieder, aber sie besitzen einen weichen rhythmischen Wohllaut und prägen sich leicht dem Ohre ein. Nach dem Gesang trat ein Mann, wie es schien, aus dem besseren Arbeiterstande, auf und sprach schlicht, ohne jegliches Pathos, über das selige Bewußtsein der in Christo erworbenen Gotteskindschaft. Wie seine Augen dabei leuchteten! So anspruchslos dieser kleine Gottesdienst war, den ich als Fremdling hier genoß, inmitten der feierlichen Abendstimmung vermochte er einen tiefen Eindruck zu erwirken. Die Dämmerung war allmählich in nächtliche Schatten hinübergeglitten. Hoch am Himmel stieg die Mondsichel. Leise schlug das Meer ans Ufer. Die Sterne traten einer nach dem anderen sacht heraus— die Lichter der oberen Heimat, von welcher der Sprecher am Pult uns kündete. Fremdlinge sind wir Menschenkinder ja allesamt auf Erden. Droben ist uns ein Vaterhaus bereitet. Sorgen wir nur, daß uns im Treiben der Welt das ewige Heimatrecht nicht verloren geht. 3. Paderborn. Ein Ausflug in das anmutige Wesergelände, nach den Externsteinen und dem Hermannsdenkmal ließ mich vor Jahren auch Paderborn berühren. Die Stadt glänzte im Festschmuck des Fronleichnamstages. So sah ich Paderborn in einem farbenfreudigen Gewand, sah den Bischof und seine Geistlichkeit an der Spitze eines mächtigen Zuges getreuer Glaubensgenossen. Des öfteren schon hatten sich solche mit höchstem Prunk ausgestatteten Prozessionen meinem Auge auf Reisen dargeboten. Etwas anderes in der altehrwürdigen Stadt zog mein besonderes Interesse an. Es war der Dom, genauer ausgedrückt: Der symbolisch wirkende Untergrund des Domes. Dem Hügel, auf welchem der stattliche romanische Bau errichtet Frage:„Was halten Sie von den Aussichten für eine Abrüstung?“ Antwort:„Wir haben auf Grund des Versailler Frie, densvertrages einen unleugbaren Anspruch auf Abrüstung auch der Siegerstaaten. Deutschland hat die Verpflich, tungen aus den Verträgen 100prozentig erfüllt. Aber wir warten noch immer vergeblich auf die Erfüllung deg Vertrages von der anderen Seite. Dieses gestörte Gleich, gewicht läßt Europa und die Welt nicht zur Ruhe kommen. Infolgedessen können wir uns auch nicht denken, daß Deutschland in den Unterhandlungen mit den französischen Ministern in Berlin im Augenblick unserer außenpolitischen Niederlage etwas erreichen wird.“ Echo der Hugenbergreden. Die der Deutschen Volkspartei nahestehende„Kölnische Zeitung“ äußert sich in einem Artikel über die Bedeutung des Deutschnationalen Parteitages in Stettin und die Reden des Parteiführers Dr. Hugenberg u. a. wie folgt: „Die Regierung Brüning hat aus Stettin einen nicht überhörbaren Warnruf bekommen, aus dem sie nur eine Lehre ziehen darf: rasch zu arbeiten und ganze Arbeit zu machen, ehe es für sie und uns alle zu spät ist. Denn der Deutschnationale Parteitag hat mit einer überaus scharfen Kampfansage geschlossen: an die Regierung und die hinter ihr stehenden Parteien im allgemeinen; im besonderen noch an diejenigen Kräfte innerhalb der Rechtsopposition, die vielleicht„abtrünnig“ werden und es sich einfallen lassen könnten, der Reichsregierung beizuspringen. Kurzsichtig wäre es, die politischen Auswirkungen der Stettiner Beschlüsse zu verharmlosen, sie etwa mit einer spöttischen Geste abzutun. Es besteht gar kein Zweifel, daß der Appell Hugenbergs im Lande draußen Beifall gefunden hat und psychologisch gut angelegt war. Heute kann man nur nüchtern feststellen, daß die entscheidende Stunde da ist und ihren Meister verlangt. Wenn es Brüning nicht ist, die Opposition steht jedenfalls dazu bereit, die Führung an sich zu reißen.“ Wilamowitz=Möllendorf F. Der Restor der klassischen Philologie, der Wirkliche Geheime Regierungsral Exzellenz Professor Dr. Alrich von Wilamowitz-Möuendorf ist im 83. Lebensjahr in seiner Billa in Charlolienburg sanft entschlafen. Professor von Wilamowitz=Möllendorf war Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften, der Zentraldirektion des Archäologischen Instituts und der meisten deutschen und außerdeutschen Akademien, außerdem Ritter des Eisernen Kreuzes Zweiter Klasse von 1870/71 und erhielt ferner das Eiserne Kreuz am weiß=schwarzen Bande, den Pour le Mérite für Kunst und Wissenschaft, den bayerischen Maximiliansorden und viele weitere ausländische Ehrenzeichen für seine Verdienste um die Wissenschaft. Der Verstorbene war der Sohn des Arnold Freiherrn von Wilamowitz=Möllendorf, Besitzer des Gutes Markowitz in Posen. An den Universitäten Bonn und Berlin studierte er alte Philologie. Kurz vor Ausbruch des Krieges 1870/71 promovierte er zum Dr. phil. und Dr. jur., den Krieg machte er als Freiwilliger mit. 1878 heiratete Ulrich von Wilamowitz die Tochter Marie des berühmten Historikers Mommsen: der Ehe entsprossen vier Kinder. Der Gelehrte ist der Verfasser einer großen Zahl von Werken, die starke Verbreitung gefunden haben. ist, entspringen Hunderte von Quellen, nach verschiedenen Seiten. Es ist eine einzigartige Sehenswürdigkeit, ein lieblicher Anblick; unmittelbar unter dem Gotteshaus quillt und rieselt es überall hervor, das frische, klare, lebendige Wasser. Hurtig und behende enteilen die Strömungen, vereinigen sich und treiben nach kurzer Zeit schon eine einige hundert Schritt weit entfernte Mühle. So stark ist die Wasserkraft. Spricht dieses Gesamtbild als ein vor aller Augen stehendes Gleichnis nicht deutlich zu eines jeden Herz und Sinn? Der Dom gelte uns als die eine heilige, christliche Kirche, die wir im dritten Artikel bekennen, die una saneta! Hier ist das Quellenlager der christlichen Barmherzigkeit mit ihrem hundertgestaltigen Segenswirken für alle Völker und Menschen. Hier sind die Quellen der Kraft. Hier sind die Wasser des Lebens! Der zeitgemäße Die alte Wahrheit, daß man aus Schriften längstverklungener Zeiten einen Sittenspiegel für die Gegenwart zusammenstellen könnte, wie man ihn sich„aktueller“ nicht wünschen kann(welche Fülle zeitgemäßer Sätze ließe sich allein aus Luthers allgemeinen Aeußerungen zusammenstellen!), hat sich mir jüngst denn doch etwas unerwartet beim— Kirchenvater Augustin bestätigt. Und es ist vielleicht gerade deshalb nicht uninteressant, diese Stellen*) wieder einmal auszugraben, weil sie mehr sind als ein Zetermordiogeschrei eines entrüsteten Moralisten. (An die Bürger des römischen Weltreiches:)„O ihr Unsinnigen! Es ist kein ungeheurer Irrwahn, es ist vielmehr ein wütender Wahnsinn, daß ihr mitten in eurem Untergang, den selbst die entlegensten Länder beklagen, nur von Schaustellungen und Theatern etwas wissen wollt, zu ihnen euch drängt, sie vollfüllt und Schlimmeres treibt als je vorher! Diese Seuche und Pest der Seelen, diese Verwüstung aller Tüchtigkeit und jeglichen Anstands!“ „Die Schauspiele werden mit solch einer ausgelassenen und zuchtlosen Gemeinheit gegeben, daß jedermann erkennt, welch eine dämonische Gottheit es sei, die nur *) Nach der Uebersetzung A. v. Harnacko. Dei kancf. Ral. Die Note Japans an den Völkerbund. — Genf, 26. September. Auf den Appell des Völkerbundsrates an Japan ist soeben eine Note der japanischen Regierung eingegangen. Die japanischen Truppen, so führt die japanische Regierung darin aus, hätten sich bei ihrem Vorgehen in den Grenzen gehalten, die durch die eigene Sicherheit der Truppen, den Schutz der Eisenbahnen und die Sicherheit der japanischen Staatsangehörigen bedingt waren. Die japanische Regierung habe entschlossen das Ziel verfolgt, eine Ausdehnung des Zwischenfalles und eine Verschärfung der Situation zu vermeiden. Es sei ihre größte Sorge, die Angelegenheit auf friedlichem Wege und so schnell wie möglich zu regeln und zwar durch direkte Verhandlungen zwischen den beiden Ländern. Weiter erklärt die japanische Regierung, daß sie den größten Teil ihrer Streitkräfte in die Eisenbahnzone zurückgezogen und dort konzentriert habe. Außerhalb dieser Zone seien vorsichtshalber lediglich wenige Truppen stationiert geblieben, nämlich in der Stadt Mukden und in der Stadt Kirin. Eine kleine Anzahl von Soldaten sei auf einigen Punkten belassen worden. Diese Maßnahmen trügen aber keineswegs den Charakter einer militärischen Okkupation. Die Zuruckziehung der Truppen gehe in dem größtmöglichen, mit der Sicherheit der Truppen, dem Schutz der Eisenbahnen und dem Schutz der japanischen Einwohner erträglichem Maße vor sich. Indem die japanische Regierung, heißt es zum Schluß der Note, sich fest vornimmt, ihre Truppen in der Eisenbahnzone vollständig zurückzuziehen, in dem Maße, in dem sich die Situation bessert, glaubt sie, daß der Rat in dieser Angelegenheit der Aufrichtigkeit ihrer Haltung Vertrauen schenken kann. Der Völkerbundsrat nahm von der japanischen Note Kenntnis, ebenso von einem neuen Gesuch der chinesischen Regierung, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, daß die japanischen Truppen in ihre Standorte zurückkehren. An den amerikanischen Staatssekretär Stimson wurde ein Telegramm gesandt, in dem der Rat betont, er werde seine Bemühungen um die friedliche Beilegung des Konflikts fortsetzen,„und zwar in der Form, die die Umstände erfordern können.“ Die Völkerbundsberatungen über den japanisch=chinesischen Konflikt ergebnislos abgebrochen. — Genf. 25. September. In der öffentlichen Sitzung des Völkerbundsrates kam es Freitag zu einer Aussprache über den japanisch=chinesischen Konflikt. Der Vertreter der japanischen Regierung erklärte, daß er auf das heftigste gegen die ungeheuerliche Verdächtigung der japanischen Truppen protestiere. Japan sei in den internationalen Verträge die Eisenbahnzone zugesprochen worden, in der Japan nach dem Vertrage berechtigt sei, 15000 Mann zum Schutze des Lebens und Eigentums der Japaner zu halten. Der gesamte Zwischenfall sei durch die Zerstörung der Eisenbahn durch chinesische Truppen entstanden. Der Rat würde einen Akt der Klugheit begehen, wenn er jeden vorzeitigen Eingriff vermeiden würde, der nur zu einer Verschlechterung der bereits in Besserung befindlichen Lage führen könnte. Der chinesische Regierungsvertreter verlangte sodann mit großer Energie vom Rat eine sofortige Zurückziehung der japanischen Truppen bis zu der Linie herbeizuso versöhnt werden kann— nicht durch Vögel, Tiere. noch durch Menschenblut, sondern viel verruchter durch das Opfer der menschlichen Scham.. „Die wollüstige Grausamkeit, bezw. die grausame Wollust geht soweit, daß sie sich Sterilisierungsgifte verschafft und, wenn sie ihr Ziel nicht erreicht, die empfangene Frucht durch Manipulationen im Leibe vernichtet und entfernt— sie soll, bevor sie noch lebt, zugrunde gehen, oder wenn sie schon Leben im Leibe der Mutter empfangen hat, vor der Geburt gemordet werden. Wenn beide Eheleute dieses Sinnes sind, sind sie überhaupt keine Gatten, und wenn sie von Anfang an so waren, so haben sie sich nicht durch die Ehe, sondern vielmehr durch die Unzucht vereinigt. Sind sie aber nicht beide so, so wage ich zu behaupten: die Frau ist in solchem Falle die Hure des Mannes und der Mann Ehebrecher an seiner eigenen Frau.. „Warum ist... die Göttin Geld so ins Dunkel gestellt, da doch auf der ganzen Welt die Geldsucht die Menschen mehr anlockt als die Wissenschaft und da man doch selbst unter Gelehrten und Künstlern selten einen findet, dem nicht seine Wissenschaft um Geld feil wäre?“ „Wo die wahre Gerechtigkeit fehlt, da gibt es keinen Staat, auch kein Volk, sondern nur eine wie immer auch beschäffene„Menge“, die des Namens„Volk“ unwürdig ist...“ „Man ist lieber mit seinem Hunde zusammen, als mit einem Menschen, dessen Sprache man nicht versteht. Aber der Weltstaat bemüht sich mit Erfolg, den unterworfenen Nationen nicht nur sein Joch, sondern auch seine Sprache in friedlicher Vergesellschaftung aufzuerlegen, und an Dolmetschern ist kein Mangel. Doch— durch wieviele und wie schwere Kriege, mit welch großen Menschenopfern ist es erkauft worden? Zwar gehört dies der Vergangenhei an, aber das Elend dieser Uebel ist noch nicht zu Ende. Gegen feindliche auswärtige Völker muß noch immer Krieg geführt werden, und darüber hinaus hat eben die weite Ausdehnung des Reiches Kriege noch weit schlimmerer Art erzeugt: Klassenkämpfe und Bürgerkriege, burch welche das Menschengeschlecht noch sämmerlicher geguclt und zerrüttet wird... 8. 98.— führen, die die japanischen Truppen am 18. September besetzt hielten, ferner eine sofortige Wiederherstellung des bisherigen Status und sofortige Entsendung eines neutralen Untersuchungsausschusses des Völkerbundes. Der Rat sei in seinen Maßnahmen nicht frei, sondern an die Bestimmungen des Artikels 15 gebunden. Die stundenlangen Debatten des Völkerbundsrates wurden sodann abends ergebnislos abgebrochen und zunächst auf unbestimmte Frist vertagt. Der Ratspräsident erklärte, daß der Rat von der Zurückziehung der japanischen Truppen und von der Verpflichtung der chinesischen Regierung, den Schutz des Lebens und Eigentums der Japaner in der Konfliktszone zu übernehmen, Kenntnis nehme und sich seine weitere Stellungnahme vorbehalten vite. Die Angst um den Goldstandard. Laval fährt Mitte Oktober nach Washingion.— Aussprache über den Besuch in Beilin. — Paris, 26. September. Unter dem Vorsitz des französischen Staatspräsidenten hielt die Regierung Laval einen Ministerrat ab. lich der Einladung des französischen Ministerpräsidenten Laval zu einem Besuch in Washingkon war der Ministerrat, wie das über die Sitzung ausgegebene Communiqué besagt, einer Meinung in der Beurteilung der großen Bedeutung dieser Einladung, auf die der Ministerpräsident eine günstige Antwort erteilen wird. Im Anschluß daran referierten Laval und Briand über ihre bevorstehende Berliner Reise und die verschiedenen Fragen, die bei den dortigen Besprechungen angeschnitten werden könnten. Außenminister Briand informierte den Ministerrat über die Entwicklung des chinesisch=japanischen Konflikts, worauf Finanzminister Flandin und Handelsminister Rollin über die Völkerbundsarbeiten berichteten. Als Termin für die Reise nach Washingkon wird in Paris der 16. Oktober genannt. Die linksstehende Zeitung„Oeuvre“ gibt ein Interview mit dem deutschvolksparteilichen Führer Dr. Dingeldey wieder. Danach soll Dr. Dingeldey die deutsch=französische Verständigung als notwendig bezeichnet haben, unter der Voraussetzung der Beteiligung der Rechtselemente. Erst wenn der Stahlhelm und die französischen nationalen Parteien sich verständigt hätten, werde die Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich endgültig sein. Dazu bedürfe es eines deutsch-französischen Bündnisvertrages auf der Basis der vollen Gleichberechtigung. Frankreich und Deutschland würden genügen, um den Frieden in Europa zu sichern. Ein Personenwechsel im Auswärtigen Amt würde für diese Richtung der Außenpolitik ohne Einfluß sein. Besuch Brünings in Washington? — Washington, 25. September. Hier waren Gerüchte verbreitet, daß Hoover Reichskanzler Brüning nach Washington eingeladen habe. Unterstaatssekretär Castle erklärte auf eine Anfrage, daß diese Gerüchte lediglich eine Kombination darstellten. Er hob jedoch hervor, daß ein Besuch Brünings in Washington äußerst willkommen sein werde. In Washingtoner politischen Kreisen wird hierzu erklärt, daß trotz dieses Dementis ein Besuch Brünings durchaus im Bereiche der Möglichkeiten liege, selbst wenn bisher, soweit amtlich bekannt, keine Schritte zur Herbeiführung des Besuches unternommen worden seien. Kommunale Entschuldung. Vom Reichskabinekt in Aussicht genommen.— Schwierigkeiten bei der Pensionskürzung. — Berlin, 26. September. Das Reichskabinett versammelte sich am Freitag zu einer neuen Sitzung, um die Arbeiten an der Verabschiedung des Notprogramms fortzusetzen. Vor der Kabinettssitzung waren die einzelnen Ressorts bemüht, die Fragen weiter zu klären, in denen bisher noch Schwierigkeiten bestanden. Das wichtigste Ergebnis der bisherigen Beratungen dürfte in einer Verständigung über die Entschuldung der Gemeinden zu suchen sein. Der hierfür gefundenen Lösung kommt insofern auch eine gewisse grundsatzliche Bedeutung zu, als die Entschuldungsaktion nicht von den Ländern, sondern vom Reich durchgeführt werden wird. Mit den meisten der anderen Fragen ist das Kabinett am Vortage noch nicht fertig geworden. So mußte z. B. auch das Projekt der Kleinsiedlung noch weiter beraten werden, ebenso die umstrittenste der zur Behandlung stehenden Fragen, die Senkung der Hauszinssteuer. Auch die Senkung und Herabsetzung der großen Pensionen scheint jetzt doch wieder stärkeren verfassungsrechtlichen Bedenken zu begegnen, so daß noch keineswegs feststeht, ob das Kabinett sie beschließen wird. Schließlich scheinen sich die Nachrichten zu bestätigen, daß eine Zusammenlegung von Krisen- und Wohlfahrtsfürsorge im Augenblick noch nicht zu erwarten ist. Der Schwerpunkt der Arbeitslosenfürsorge liegt zur Zeit in der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung, in deren Vorstand seit gestern eingehende Verhandlungen darüber stattfinden, welche Maßnahmen einem zu erwartenden Defizit entgegengestellt werden können. In Erwartung Aussprache des Kanzlers mit Curtius.— Ausbau des deutsch-französischen Wirtschaftsausschusses. Reichsaußenminister Dr. Curtius hatte in der Reichskanzlei eine längere Aussprache mit Dr. Brüning. Irgendwelche für die Oeffentlichkeit bestimmte Ergebnisse wurden von dieser Unterredung jedoch nicht erwartet, vielmehr rechnete man gleich damit, daß eine Entscheidung erst nach der Kabinettssitzung am Dienstag fallen wird. Im Augenblick konzentriert sich das außenpolitische Interesse auf den französischen Besuch, für den die Vorbereitungen nun in vollem Gange sind. Sie dürften sich auch bereits auf die Bildung der deutsch-französischen Wirtschaftskommission erstrecken, die an sich ministeriellen Charakter haben, aber durch die Zuziehung führender Wirtschaftler ergänzt worden sind. In unterrichteten Kreisen glaubt man, daß dieser Ausschuß, der das sichtbare Ergebnis des Berliner Besuches bilden wird, sich für die praktische Arbeit auch noch in Unterkommissionen zergliedern dürfte. In ihnen werden Spezialsachverständige die Einzelfragen der verschiedenen Gebiete behandeln, so die industriellen, die finanziellen und die Bankprobleme, die Verkehrsfragen usw. Der Sinn des Besuches ist eben, daß die deutsch-französische Annäherung jetzt von der wirtschaftlichen Seite gefördert werden soll. Dagegen werden die politischen Iragen, für die nach allgemeiner Ansicht schon rein stimmungsmäßig im Augenblick keine Lösungsmöglichkeiten zu sehen sind, in den Berliner Unterredungen zurücktreten. Die Reichsleitung der Nationalsozialisten verbietet jede Teilnahme an Kundgebungen. Die Reichsleitung der Nationalsozialistischen Partei hat allen Parteigenossen die Teilnahme an irgendwelchen etwaigen Kundgebungen gegen die französischen Ministec während deren Anwesenheit in Berlin verboten. Von der Anwesenheit der französischen Minister sollen die Nationaisozialisten keinerlei Notiz nehmen. Nationalsozialisten, die dagegen verstießen, schlössen sich von selbst wegen parteischädigenden Verhaltens aus der NSDAP. aus. Dingeldey in Hamburg. Er ruft Brüning zu entschlossenem Handeln auf. — Hamburg, 26. September. Am Freitag abend sprach der Führer der Deutschen Volkspartei, Dingeldey, in einer großen Wahlversammlung im Conventgarten und führte u. a. aus: Das deutsche Wirtschaftsleben stehe unter dreifacher Gefahr. Die erste sei die außenpolitische Lage und das Tributsystem. Die zweite ungeheure Gefahr sei das Ansteigen der öffentlichen Lasten. Wenn wir jetzt nicht die Kraft fänden, diese Dinge in Ordnung zu bringen, dann werde die Not des Winters zu einem Zusammenbruch führen in einer Form, von der es zweifelhaft sei, ob es dann noch einen Wiederaufbau gebe. Die dritte Gefahr erblicke er in der jetzigen Entwicklung Englands, die dem Wettbewerb Deutschlands außerordentlich gefährlich werde. „Wenn jemals“, so fuhr Dingeldey sort,„der augenblick gekommen ist, wo es gilt, alle Prestigefragen beiseite zu stellen, so ist das heute der Fall. Die Regierung, die das Volk in diesem Winter führen soll, muß einsehen, daß der Zeitpunkt des energischen Handelns gekommen ist. Die Politik kann nicht zum Ziele führen, die parteipolitische Ziele hat. Wenn man mir jetzt andichten will, daß persönlicher Ehrgeiz mich treibt, Mitglied des Reichskabinetts zu werden, so kann ich dazu nur sagen, Ausgangspunkt für die Politik der Deutschen Volkspartei wird sein, was die Regierung sachlich zu tun entschlossen ist, die ich unterstützen soll. Ich bin bereit, eine sachlich entschlossene Politik mit jedem Bundesgenossen, der sich dazu stellt, zu machen. Oesterreichs Antrag einstimmig gebilligt Der Völkerbundsrat hat den Bericht des Finanzkomitees über das österreichische Hilfsersuchen einstimmig gebilligt. Als Vertreter Deutsch=Oesterreichs betonte Baron Pflügl den unerschütterlichen Willen seiner Regierung, das Gleichgewicht im Staatshaushalt aufrecht zu erhalten. Der Vorsitzende des Finanzkomitees erklärte, der Sanierungsplan müsse als ein unteilbares Ganzes durchgeführt werden. Hinweise. Zwei Minuten Hauswirtschaft! Großreinemachen— welcher Mann verwünschte das Schreckenswort nicht! Aber so schrecklich wie früher ist die Sache doch nicht mehr. Und Sie wissen ja: Die Männer sehen nur die Schattenseiten. Auch hier heißt es: Alles will verstanden sein. Wer sich in Wasch= und Reinigungsmitteln auskennt, der sieht der Schlacht mit Lächeln entgegen. Persil— iMli— Ata, das sind die Helfer, auf die Sie vertrauen können! Mit ihnen den Kampf gegen die Schlange Schmutz aufzunehmen, ist eine Kleinigkeit! Bienenhonig, das gesunde Volksnahrungsmittel von köstlichem Geschmack, ist eines der herrlichsten Geschenke, das die uns Menschenkindern bescheert hat. Nicht ohne Grund bezeichnen daher schon die ältesten Schriften der Welt ein fruchtbares Land als ein solches, wo Milch und Honig fließt. Bei allen Völkern und in jedem Alter wurde Honig geschätzt, nicht nur allein wegen seines Wohlgeschmacks, sondern weil kaum ein anderes Nahrungsmittel soviel gesundheitliche Vorzüge aufweist wie echter Honig. 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