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„Haus, Hof und Garten“,„Beitere Blatter,„ Am heimischen Herd.„Sonntagsblatt und„Ravensberger Blalltr“.

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Die heutige Nummer um­fasst 12 Seiten.

Eine amtliche Mahnung.

w. Berlin, 28. März. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt in ihrem Rückblick vom Sonnabend: Obwohl mehr als einmal totgesagt, erweist sich die Nachlaßsteuer jetzt nach dem offenkundigen Fiasko der konkurrierenden Vorschläge lebendiger als je. Die Kundgebungen weitester nationalgesinnter Kreise, die das Zustandekommen der Reichs­finanzreform als eine Lebensfrage für Reich und Staat betrachten und in der Nachlaß­steuer den einzig gangbaren Weg für eine praktische und rationelle Lösung dieses Problems erblicken, haben an Zahl, Be­deutung und Entschiedenheit fortgesetzt zu­genommen.

Bisher handelt es sich indessen nur um Beschlüsse erster Lesung, und es besteht noch immer begründete Hoffnung, daß diejenigen Beschlüsse, welche einer befriedigenden Lö­sung der Frage der Reichsfinanzreform ent­gegenstehen, in den weiteren Stadien der Verhandlung wieder beseitigt werden. Aller­dings ist es nun aber höchste Zeit, daß etwas zustande kommt. Wir stehen kurz vor den Österferien, und noch ist so gut wie nichts geschaffen. Mit allem Nachdruck muß deshalb die Forderung auf's neue betont werden, daß die Fi­nanz=Reform nicht weiter ver­schleppt werden darf, sondern unter allen Umständen vor den Sommerferien zustande gebracht werden muß.

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Die„Kreuzzeitung“ gegen den Block.

* Berlin, 27. März.

Das Hauptorgan der Konser­bativen, die„Kreuzztg.“, schreibt:

„Die Konservativen weisen den Vor­wurf, daß sie den Block sprengen wollten, entschieden zurück. Die Sprengung des Blocks, die nunmehr fast un­vermeidlich erscheint, ergibt sich aus der ganzen Lage, aus seiner Unfähigkeit zu Auf­gaben, wie die Finanzreform, und vor allem aus der Eigen­art seiner Führung durch die Regierung.“

Das gleicht auf ein Haar einer end­gültigen Absage an die Liberalen und den Fürsten Bülow.

Der Arbeitsplan des Reichstags.

w. Berlin, 28. März. Der Seniorenkonvent des Reichs­tages trat gestern während der Plenar­sitzung zusammen und beschloß, auf die Tagesordnung für Montag und Dienstag den Etat des Reichskanzlers zu setzen. Die Beratung soll in zwei Teile zerlegt werden, und zwar Montag die äußere, Dienstag die innere Politik. Montag wird die Sitzung um 11 Uhr be­ginnen. Am Mittwoch sollen die übrigen noch ausstehenden Etats erledigt werden. Am Donnerstag findet die dritte Lesung des Etats statt. Die Vertreter aller Parteien

begegneten sich in dem Wunsche, den Etat rechtzeitig fertigzustellen, eventuell wird aber der Freitag und Sonnabend noch dazu genommen werden. Die erste Beratung nach den Ferien wird am 20. April statt­finden. Auf die erste Tagesordnung sollen Petitionen gesetzt werden, unter anderem auch die Petition der Auf­hebung des§ 13 des Zollgesetzes (Aufhebung des städtischen Oktrois).

Eine großzügige Balkanpclitik.

w. Wien, 28. März.

Das Herrenhaus nahm in seiner gestrigen Sitzung eine Reihe der vom Abgeordneten­hause gestern erledigten Gesetze an, darunter das handelspolitische Ermächtigungsgesetz Im Laufe der Debatte betonte Dr. von Bärn­reiter die Notwendigkeit einer großzügi­gen Handelspolitik auf dem Bal­kan und wünschte, daß Oesterreich=Ungarn bei Ordnung seiner Angelegenheiten daselbst von der durch den Berliner Vertrag ihm eingeräum­ten handelspolitischen Basis bezüglich der Ver­bindung mit dem Meere und bezüglich seiner Rechte in Antivari und Albanien nichts einbüße. Niemand könne heute etwas anderes wünschen. als daß der Friede erhalten bleibe allerdings nur dann, wenn man auf diesem Wege zur endlichen Ordnung der An­gelegenheiten Oesterreich=Ungarns in den dor­tigen Gegenden komme. Deswegen sei er mit der gestrigen Erklärung des Ministerpräsidenten (er sei, allerdings in gewissen Grenzen für eine Politik der Geduld und Langmut). ganz einverstanden.(L bhafte Justimmung). Es sei notwendig und nützlich, daß auch im Herren­hause auf diese Erklärung hin eine zustimmende Aeußerung laut werde.(Lebhafter Beifall.) Dem Auslande müsse zum Bewußtsein gebracht werden, daß es sich für Oesterreich=Ungarn auf dem Balkan nur um die Ordnung der wirtschaftlichen Arbeit handle. Diese Ordnung dürse nicht bloß eine notdürftige Ver­kleisterung der jetzigen Schwierigkeiten sein(Leb­haste Zustimmung), sondern müsse so beschaffen sein, daß Oesterreich=Ungarn damit wirklich in der Zukunft Ruhehabe. (Lebhafter Beifall.) Er hoffe, Europa werde einsehen, daß Oesterreich=Ungarn die Mission habe, die Balkanländer zu einem Gliede der modernen Welt zu machen.(Lebhaf er Beifall und Händeklatschen.) Das handelspolitische Ermächtigungsgesetz wurde sodann in zweiter und dritter Lesung an­genommen.

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Beginnende Abrüstung.

w. Belgrad, 27. März.(Meldung des Wiener K. K. Telegr. Korr.=Bureaus.) Wie verlautet, wird der Kriegsminister mor­gen eine Verordnung erlassen, wonach sämtliche über den normalen Friedensstand in den Kaser­nen sich befindenden Reservisten beur­laubt werden. Diese Maßnahme kommt einer beginnenden Abrüstung gleich. „

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Der endgültige Verzicht des Kronprinzen.

w. Belgrad, 27. März.(Meldung des Wiener K. K. Telegr.=Korr.=Bureaus.) Heute nachmittag sand unter dem Vorsitz des Königs ein Kronrat statt, an dem sämtliche Minister, die Präsidenten des Staatsrates, des Kassa­tions= und Appellationshofes und der Haupt­rechnungskontrolle teilnahmen. Kronprinz Georg gab vor dem Kronrat die Erklä­rung über seine Verzichtleistung auf die Thronfolgerrechte ab und unterzeichnete das hierauf sich beziehende Protokoll. Nachdem dieses auch von sämtlichen anwesenden Min st ru un e fer igt worden war und der Kronprinz auf die mündliche Frage, ob er auf dieser seiner Abdankung beharre; beiahend geantwortet hatte. wurde be­schlossen diesen Staatsakt der Skupschtina zur Kenntnis zu bringen. Sobald dieses geschehen sein wird. wird Prinz Alexander als Kronnrinz von Serbien prokla­miert werden.

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h. Belgrad, 27. März. Hier gehen fort­gesetzt die widersprechendsten Ge­

rüchte um, so daß es schwer ist, sich ein klares Bild von der Situation zu verschaffen. Die jungradikalen Abg ordneten erklären, die fried­liche Politik Milowanowitschs unterstützen zu wollen. Die übrigen Abgeordnelen aber unter der Führung von Paschitsch gehen mit der Kriegspa te'. Es finden fortgesetzt De­monstrationen für den Kronprin­

zen und gegen den Frieden statt. Der Knegsminister hat von allen Seiten und aus allen Teilen des Landes Briefe erhalten, in denen ihm mitgeteilt wird, das serbische Volk werde im Falle einer Abrüstung den Konflikt auf eigene Hand lösen. — Na, na!

Bewaffnung der französischen In­fanterie mit Handgranaten.

ipc. Paris, 27. März.

Die Truppenteile der französischen Infan­terie sollen Unterricht in der Verwendung von Handgranaten erhalten. Zu diesem Zwecke wer­den jeder Kompagnie sechs blinde Handgranaten samt Zünder usw. zugeteilt. Gegenwärtig ver­anstaltet das Kriegsministerium Versuche mit einem neuen Modell, das ungeladen 1 Kilo­gramm, geladen 1,200 Kilogramm wiegt. Seine Handhabung ist die gleiche, wie bei den schon im Gebrauch befindlichen. Die Genietruppen werden nicht nur im Werfen von Handgranaten verschiedenster Art, sondern auch in Herstellung solcher aus vorgefundenen Materialien ausge­bildet.

Politische Tageschronik.

Deutsches Reich.

1Berlin, 27. März. Daß der Kaiser im Anschluß an die Kieler Woche eine Nordlandsreise zu machen be­absichtigt, gilt als sicher. Im großen und ganzen dürfte diese Nordlandsreise sich im Rahmen der früheren bewegen. Die Kaiserin wird sich wahr­scheinlich mit der Prinzessin=Tochter während dieser Zeit nach Cadinen begeben.

Ein dem Landtage zugegangener Gesetz­entwurf ermächtigt die Regierung zu ver­wenden: zur Herstellung von Eisenbahnen und dadurch bedingten Vergrößerung des Fahrparks 79836000 Mark, zur Herstellung eines zweiten Gleises 40 540000 Mark, zu be­sonderen Bauausführungen 9947·000 Mark, zur Einrichtung der elektrischen Zugförde­rung auf der Strecke Dessau—Bitterfild 2000000 Mark. zur Beschaffung von Fahr­zeugen für die bestehenden Staats­bahnen 92000000 Mark.

X Wiesbaden, 27. März. Im Erb­folgestreit des Grafen Merenberg gegen das Haus Nassau verkündete das Landgericht heute das Urteil. Die Klage des Grafen wurde kosten­pflichtig abgewiesen auf Grund der hausgesetz­lichen Bestimmungen vom Jahre 1822. Frankreich.

h. Paris, 27. März. Ueber die Spio­nageaffäre in Verdun wird nocch nach­träglich berichtet, daß dieselbe eine ernstere Wendung zu nehmen scheint. Zwei neue Verhaftungen sind vorgenommen worden, es handelt sich um zwei Soldaten, welche mit den zwei übrigen Zivilpersonen ins Gefängnis ab­geführt wurden. Einer der Verhafteten ist In­haber einer Kantine, in der oft Personen zu­sammenkamen, die sich mit Spionage beschäf­tioten. SAmme:

Schweden.

w. Stockholm, 27. März. Die beiden Kammern des Reichstags bewilligten in ge­meinsamer Abstimmung mit 230 gegen 131 Stimmen drei Millionen Kronen zur Anschaffung neuen Feldartillerie=Materials.

h. Stockholm, 27. März,„Die Regierung

verlangt einen Kredit von 23 Millionen Kronen für einen Kanal von Wenersee nach dem Kattegatt.

Rußland.

h Petevsburg, 27. März. Nach Ostern werden die Könige von Dänemark und Norwegen am Petersburger Hofe eintreffen. Der Besuch wird einen rein verwandtschaftlichen Charakter tragen.

Rumänien.

h. Berlin, 27. März. Wie aus Buka­rest telegraphiert wird, trifft Kronprinz Wilhelm dort am 20. April zur Feier des 70jährigen Geburtstages König Ka­rols ein, um dem König die Glückwünsche des Deutschen Kaisers zu überbringen.

Massendemonstration gegen die Tabaksteuer­vorlage in Minden=Ravensberg.

+ Herford, 28. März.

Auf dem Schützenberge in Herford versam­melten sich heute nachmittag auf Einladung des Vereins Waldeck Minden=Ravensberg ohne Unterschied des Standes und der Partei die Konservativen ausgenommen—, um ein­mütig gewaltigen Protest zu erheben gegen die Tabaksteuervorlage, die, wenn sie Gesetzeskraft erlangen sollte, die Vernichtung Tausender Eristenzen im Gefolge haben würde. Es war eine Frage, die den Lebensnerv der Bevöl­kerung von Minden=Ravensebrg trifft, davon zeugten die in hellen Scharen mit Sonderzügen unl zu Fuß herankommenden Männer und Frauen, die bald beide Säle des großen Eta­blissements bis auf den letzten Platz füllten und in dichtgedrängter Weise auch noch im Freien das zur Verfügung stehende Tercain anfüllten. Die Besucherzahl wurde auf 18000 festgestellt. In jedem Saale und im Freien waren Referen­ten zur Behandlung der in Frage stehenden Steuervorlage bestimmt, so referierte im alten Saale Reichstagsabgeordneter Dr. Contze; Fabrikant Schöningh=Blotho(natlib.), Gewerlschaftsseketär Schmidt(Soz.), Klei­mann=Spradow(christl. sozial), im neuen Saale: Justizrat Brand=Herford(freis.), Reichstagsabg. Severing=Bielefeld(soz.) Geweischaftssekretär Wallbaum=Bielefeld (christl. soz.), im Freien: Handelskammer=Syn­dikus Hindenberg=Minden(natlib), Re­dakteur Hoffmann=Bielefeld(soz.),„Ge­

werkschaftssekretär Röhs(christl. soz.). Sämtliche Redner schilderten die große Gefahr, die unserer engeren Heimat bevorsteht, wenn der Tabak aufs neue belastet werden soll. Da die Wieder­gabe jedes einzelnen Referats zu weit führen würde, wollen wir nur kurz die Ausführungen des Reichstagsabgeordneten Dr. Contze strei­fen. Mit durchd ingendem Organ führte Red­ner aus: Die jetzige Frage der Neubelastung des Tabaks bietet betrübende Aussichten für die Jukunft. Der Kampf gegen die Mehr­belastung des Tabaks sei jetzt um so schwieriger, weil gegen den Widerspruch der westfälischen und niederrheinischen Fabrikanten der Ausschuß des deutschen Tabakvereins der Regierung ent­gegenkommende Vorschläge auf Belastung der Gewichtssteuer gemacht habe. In Minden=Ra­vensberg bildet die Tabakindustrie die Grund­lage des gesamten Wirtschaftslebens, indem hier 6000 Betriebe mit 25 000 Personen im Tabak­gewerbe beschäftigt seien, d. i. ein Sechstel der Gesamteinwohner. 60% der Gemeindesteuern würden durch die Arbeiter und die Unternehmer der Figarrenindustrie aufgebracht. Die neue Belastung würde eine Wendung zum Schlimmen nehmen. Auf seine diesbezüglichen Ausführun­gen sei ihm in der Finanzkommission der Zu­ruf„Wahlrede" geworden. Wer jedoch nur oberflächlich die Verhältnisse in unserer engeren Heimat kenne, muß zugeben, daß es sich um keine Geldfrage, sondern um Fragen von wirt­schaftlicher und sozialer Bedeutung handele. Der Hinweis auf andere Länder sei ungerecht­sertigt. Hier soll keine Mittelstandspolitik getrieben werden, da es sich um die Lebensfrage vieler kleinerer und mittlerer Betriebe handele. Das Jahr 1879 sei mit seinen schrecklichen Fol­gen noch iin schrecklicher Erinnerung; im nörd­lichen Westfalen seien nach authentischen Be­richten damals die Löhne um 20% herunter­gegangen und 28% der Arbeiterschaft mußte entlassen werden und auswandern. Auch die jetzige Belastung würde einen Konsumrückgang und Arbeiterentlassungen im Gefolge haben. Es handele sich um seßhafte Arbeiter, die dann gezwungen würden, ihr mühsam erspartes Eigentum zu billigen Preisen zu verkaufen und auszuwandern. Jede Belastung ganz gleich. in welcher Form, bilde eine Reichsprämie auf billige Löhne. Die Parteien sollten deshalb einmütig zusammenhalten und jede Steuerbe­