damit erwiesen. Besonders nicht, wenn er am Schluß so kurz vor der Wahl von einer„treuen Liebe bis zum Grabe“ spricht.

Wir wollen allerdings bestrebt sein, dem Mischmasch ein Grab zu bereiten und darauf einen Denkstein setzen mit der In­schrift:„Hier ruhen die Konserpativen, die Nationalliberalen und die Freisinnigen. Sie sind gestorben an ihren Sünden“. (Stürm. Beifall.) In dieser Zeit müssen alle Kräfte angestrengt werden. Kein Zittern und Zagen, sondern mit Mut und Kraft in den Kampf hinein, dann muß der Sieg auf unserer Seite sein.

Drum auf, Kameraden, die Rappen gezäumt,

Die Brust zum Gefechte gelüftet.

Die Jugend brauset, das Leben schäumet,

Frisch auf, eh' der Geist noch verdüftet,

Setzet ihr selber das Leben nicht ein,

Wie kann euch das Leben gewonnen sein.

Brausender Beifall wurde Genossen Severing für seine Aus­führungen gespendet. Eine Diskussion wurde nicht gewünscht. Genosse Heitland schloß um 10 Uhr die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie, in das die Anwesenden begeistert einstimmten. k.

Wahlkreis Herford=Halle. Wer ist Wallbaum, der christlich=soziale Kandidat? Diese Frage wird jetzt oft aufge­worfen. Bald heißt es, er sei Metallarbeiter, bald, er sei Seidenweber. In den Flugblättern wird er der Arbeiter Wil­helm Wallbaum genannt. Das„Minden=Lübbecker Kreisblatt“ dagegen stellt in seiner Nummer vom 7. Januar fest, daß der christlich=soziale Kandidat im Wahlkreis Herford=Halle Wilhelm Wallbaum Hausvater auf Bethel bei Bielefeld ist. Zu dieser untergeordneten Stellung paßt auch seine öde, geistlose Agi­tation, seine Art, jeden zu verleumden, der ihm widerspricht. Interessant aber ist es, daß Pastor v. Bodelschwingh es also war, welcher der hiesigen christlichen Bewegung den„Führer" gegeben hat, und was für einen! Pastor v. Bodelschwingh hilft bekanntlich den Arbeitern nur, wenn sie mit tränenden Augen, den Hut in der Hand, vor ihm stehen. Deshalb ist er auch der Protektor der christlichen Gewerkschaften und der christlich­sozialen Partei und hat ihr nun auch einen Reichstagskandidaten seiner Couleur beschert.

Wahlkreis Warburg=Hörter. Am Mittwoch fand in Brakel eine Wählerversammlung des Zentrums statt. Der Referent, Reichstagskandidat Landgerichtsrat Schmidt, erging sich in lan­gen Ausführungen über die Stellung des Zentrums zum Kolo­nialetat, streifte die Sozialgesetzgebung und tat sich ganz be­sonders etwas darauf zugute, daß es mit Hilfe des Zentrums gelungen sei, den Zolltarif durchzudrücken, wofür die Wähler dem Zentrum ganz besonders zum Dank verpflichtet wären. Der Mann rechnet auf die Indifferenz der hiesigen Arbeiter, Hand­werker und kleinen Geschäftsleute. Aber er irrt sich. Auch in unserem Wahlkreise empfinden die kleinen Leute in ihrem Geld­beutel die Wirkungen des Zolltarifs durchaus nicht als einen Segen, darüber helfen alle schönen Redensarten und alle Phrasen nicht hinweg. Wenn das Zentrum auf der einen Seite die kleinen Leute mit Wassersuppen abspeist und auf der an­deren ihnen zugunsten weniger Großgrundbesitzer durch Ver­teuerung der Lebensmittel das Vielfache aus der Tasche zieht, so fangen auch hier die Arbeiter und alle übrigen kleinen Leute an, die Zentrumspolitik nicht mehr als der Weisheit letzten Schluß zu betrachten. Sie haben alle die Folgen des Zolltarifs zu spüren bekommen. Und dafür sollen sie dem Zentrum auch noch dankbar sein. Ist das nicht der reine Hohn?! Die kleinen Leute können hieraus ersehen, wie geistig minderwertig sie vom Zentrum eingeschätzt werden. Zeigt demselben am 25. Januar, daß ihr durchaus nicht mehr gewillt seid, zugunsten der besitzen­den Klassen aus eurer Haut Riemen schneiden zu lassen und gebt eure Stimme dem Kandidaten der Sozialdemokratie, Stadt­verordneten Carl Schäsermeier, Bielefeld. Auf zur Wahl! Wählt rot! Das ist der beste Protest gegen die Lebensmittel­verteurer!

der Stadt und

* Bielefeld, 21. Januar.

d.— Gewerbegericht(Land.) Vergleichsverhand­lung vom 19. Januar unter dem Vorsitz des Herrn Land­gerichtsdirektors Löher. Es klagt der Arbeiter T. gegen den Plüschfabrikanten Meier in Sieker auf Ausstellung eines Zeugnisses und auf Zahlung einer Entschädigung von 4 Mk. pro Tag für 6¼ Arbeitstage, insgesamt 25 Mk. Für diese For­derung macht der Kläger geltend, daß er andere Arbeit ange­nommen habe, dieselbe aber vor Beibringung eines Zeugnisses nicht antreten könne. Der Beklagte führt demgegenüber aus, daß der Kläger plötzlich die Arbeit eingestellt habe, trotzdem achttägige Kündigung bestand. Nach einigen Tagen habe Kläger dann das verweigerte Zeugnis verlangt. Er beanspruche vom Kläger wegen Kontraktbruches die limitierte Entschädigung von 15 Mk. Der Vorsitzende macht einen Vergleichsvorschlag, da von beiden Parteien Fehler gemacht seien. Der Kläger hätte die Kündigungsfrist einhalten müssen, während der Beklagte zur Ausstellung des verlangten Zeugnisses verpflichtet war. Der Vergleich kommt auf folgender Basis zustande: Der Beklagte stellt noch heute das verlangte Zeugnis aus und zahlt außerdem an den Kläger 5 Mk., damit sind alle beiderseitigen Ansprüche beglichen.— Der Schuhmacher S. klagt gegen den Schuhmacher­meister Elbracht in Sieker wegen kündigungsloser Ent­lassung auf Zahlung der limitierten Entschädigung von 15 Mark. Der Kläger war zu einem Wochenlohn von 6,50 Mark und freie Station beim Beklagten beschäftigt. Vom 27. Dezember bis 14. Januar war er krank und wurde ihm beim Wiederantritt der Arbeit vom Beklagten das Logis verweigert. Der Beklagte führt zu seiner Entschuldigung an, daß er während der Krank­heit des Klägers einen andern Gehilfen eingestellt habe und deshalb dem Kläger wohl Arbeit, aber kein Logis hätte geben können. Demgegenüber macht der Vorsitzende darauf aufmerk­sam, daß die dem Kläger gewährte freie Station ein Teil des Arbeitsvertrages war und der Beklagte mit dem Ersatzmann hätte andere Vereinbarungen treffen müssen. Der Vorsitzende macht auch in diesem Falle den gesetzlich vorgeschriebenen Ver­gleichsversuch. Unglaublicherweise ging der Kläger auch einen Vergleich ein, wonach ihm die Hälfte des geforderten Betrags gezahlt wird.

"— Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben:

Heute, Montag,„Hasemanns Töchter“ mit dem Kgl. Hofschau­spieler Herrn August Junkermann als Hasemann. Friedrich Hebbels hochbedeutendes dramatisches Werk„Maria Magdalena“ kommt am Dienstag zur Aufführung. Nachdem des Dichters Nibelungen und Judith hier großen Erfolg hatten, wird man der ergreifenden Dichtung Maria Magdalena gewiß das größte Interesse entgegenbringen. Die Junkermann=Gastspiele bringen am Mittwoch eine Wiederholung des„Onkel Bräsig“ am Donnerstag als letztes Gastspiel„Hanne Nüte“. Freitag geht zum siebenten Male„Husarenfieber“, das sich immer mehr in der Gunst des Publikums befestigt, in Szeue.

* Detmold, 20. Januar. Einbruch. Ein äußerst frecher Einbruch wurde in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag in das Geschäftshaus des Kaufhauses H. Moses ausgeführt. Der Dieb hatte eine Scheibe in dem Kontorraum mit gelber Seife eingeschmiert und dann das Glas zertrümmert. Er gelangte nun in den Raum für Schuhwaren, wo er zunächst einige Paar Schnürschuhe anprobiertee Sodann holte er einen großen Koffer und packte diesen voll von Schuhwaren. Nachdem er dann noch die Kasse erbrochen hatte, wobei ihm nur einige 20 Mk. in die Hände fielen, da die Firma jeden Abend den Betrag bis auf das zum Wechseln nötige Geld in den Geldschrank verschließt, schloß er die Ladentür auf und brachte den Koffer nach dem Bahnhofe, hier gab er den Koffer nach Altenbeken auf. Auf sofort aufgenommene Nachforschungen wurde ermittelt, daß in Altenbeken der Koffer abgeholt ist. Die bestohlene Firma schätzt den Verlust auf annähernd tausend Mark.

* Dortmund, 19. Januar. Vergangene Nacht versuchten Einbrecher bei einem Metzger in der Hochstraße einzudringen. Einer der Diebe stand draußen Schmiere, während der andere das Hoftor überklettert hatte. Polizeibeamte, welche die Einbrecher längere Zeit unauffällig beobachtet hatten, konnten den im Hofe befindlichen Einbrecher festnehmen, während der Begleiter flüchtete.

* Recklinghausen, 20. Januar. Mehrere Kinder erkrankten an Genickstarre. Die Behörde hat umfassende Vorsichtsmaßregeln gegen eine weitere Ausbreitung der Krankheit ergriffen.

* Elberfeld, 20. Januar. Verurteilter Kinderschütze. Zu welchem Unglück es führen kann, wenn Kinder mit Schieß­gewehren umgehen, beweist folgender Vorfall. In diesem Sommer fanden einige Knaben in den Nutzenberger Waldungen ein Zwanzig­markstück. Anstatt das Fundobjekt abzuliefern, kauften sie dafür eine Flobertbüchse und unternahmen damit im Walde Schieß­versuche. Der Schüler Hugo Chr. von hier hantierte dabei so un­vorsichtig mit dem Schießprügel, daß die Kugel einem seiner Kollegen in die Stirn fuhr und zur Folge hatte, daß dieser bereits andern Tages starb. Nach dem Unglück stob die Knabenschar er­schreckt auseinander. Der unvorsichtige Schütze wurde wegen fahr­lässiger Tötung zu einer Woche Gefängnis verurteilt, während sein mitangeklagter Kamerad freigesprochen wurde.

Gerichtliches.

** Bielefeld, 19. Januar. Strafkammer. Ein ganz entschiedenes Pech scheint der Fabrikant Louis Wernscheid von hier mit der Anstellung seiner Reisenden und Agenten schon seit Jahren zu haben. Es sind in den letzten Jahren wiederholt der­artige Angestellte seines Geschäfts wegen Unterschlagung bezw. Untreue von den Strafgerichten bestraft worden und ist in den meisten Fällen von den Angeklagten der Vorwurf gegen Wern­scheid erhoben worden, daß seine Buchführung nicht zuverlässig sei. Heute nun handelte es sich wiederum um einen Angestellten dieser Firma, den Agenten und Provisionsreisenden Heinrich Lübking von Rodenbeck, einen bisher unbescholtenen Mann, der beschuldigt wurde, in den Jahren 1900 bis 1902 dem Wernscheid 104,92 Mk. unterschlagen bezw. veruntreut zu haben. Vor Jahresfrist stand schon einmal Termin in dieser Sache an, es wurde aber dem Angeklagten damals aufgegeben, durch Zivil­prozeß festzustellen, ob und wie viel Wernscheid noch zustehe. Dieser Prozeß ist dann auch in der Vorinstanz entschieden und hat denn das Gericht den Angeklagten verurteilt, an den Wern­scheid die Summe von 75,20 Mk. zu zahlen, und zwar auf den dem Wernscheid zugeschobenen Eid hin. Dieser Prozeß schwebt aber noch in der Berufungsinstanz. Der Angeklagte behauptete, daß er dem Wernscheid einmal noch 100 Mk. persönlich über­reicht habe, die aber zu buchen vergessen worden seien. Eine früher Buchhalterin von W., als Zeugin vernommen, sucht die Unredlichkeiten der jungen Leute auf den geringen Lohn, der denselben gezahlt würde, zurückzuführen. Wernscheid sucht heute an der Hand seiner Bücher die Schuld des Angeklagten festzu­stellen. Der Gerichtshof nahm an, daß wohl Differenzen vor­gekommen sind, hielt aber trotz der Beweisaufnahme die Sache füre nicht aufgeklärt und sprach den Angeklagten frei.— Gegen den 26 Jahre alten Bilohauer Johannes Haring von Wieden­brück, welcher sich wegen Majestätsbeleidigung, Widerstandes gegen die Staatsgewalt usw. zu verantworten hatte, wurden während der Verhandlung Bedenken an seiner Zurechnungs­fähigkeit laut. Es wurde beschlossen, die Sache zu vertagen und den Angeklagten auf seinen Geisteszustand hin untersuchen zu lassen.(Schluß folgt.)

Glücklich abgelaufen. Antwerpen, 20. Januar. Der gestern mit dem Dampfer„Naworth Castle“ zusammengestoßene Dampfer„Vaderland“ ist in den Hafen von Vlissingen mit 560 Passagieren an Bord eingelaufen. Seine Beschädigungen sind nicht so umfangreich, wie zuerst angenommen wurde.

Schiffszusammenstoß. London, 20. Jan. Der Dampfer „City of Dresden“, nach Hamburg unterwegs, ist auf der Höhe von Dunegeneß mit dem Dampfer„Eshcolbrook" zusammen­gestoßen. Die„City of Dresden“ sank sofort, die Mannschaft wurde gerettet. Grund des Zusammenstoßes ist dichter Nebel.

Folgen des Nebels. London, 20. Januar. Im Aermel­kanal herrscht dichter Nebel. Die Postdampfer zwischen Dover und Calais haben die Fahrten einstellen müssen.

Schreckliche Szenen in China. Dem Bureau„Reuter“ ging ein vom 16. datierter Spezialbericht aus Schanghai über die Lage in dem chinesischen Hungersnotgebiete zu. Hauptmann Kirton, der Vertreter des ausländischen Unterstützungskomitees, berichtet, daß der Ausbruch von schwarzen Pocken dazu zwang, das Hungersnotlager bei Tsingkiangpu aufzubrechen. 300000 mittellose Leute wurden erbarmungslos daraus gejagt. Es spielten sich auf der ganzen Straße herzzerreißende Szenen ab. Die meisten der Hungernden zeigten allerdings stoische Resig­nation. Der englische Korrespondent ist davon überzeugt, daß aus diesem Lager allein etwa eine Viertel Million Menschen um­kommen würden. Bei Antung würden wohl 400000 Menschen ihr Leben einbüßen. Die von der Regierung getroffenen Maß­nahmen seien kindisch und vollständig wertlos. Der Hauptfehler sei der, daß man keine Verbindungsmittel habe. Die reichen Chinesen erklärten, sie möchten ihr Geld nicht zu öffentlichen Arbeiten hergeben, weil in jedem Augenblick ein neuer Re­gierungsbeamter auftauchen und das auf diese Weise verwendete Kapital sich aneignen könnte. Die sämtlichen Dämme sind ver­fallen und neue Ueberschwemmungen sind unvermeidlich, wenn sie nicht ausgebessert werden. In der Umgegend von Antung besuchte die Unterstützungskommission kein einziges Haus, ohne Tote und Sterbende zu finden. Das einzige noch vorhandene Getreide ist etwa ein Drittel des notwendigen Aussaatkornes. Der mandschurische Zweigverein des Roten Kreuzes gab einen Ueberschuß von 44 500 Taels zu dem Hungersnotfonds, der in Schanghai dadurch die Höhe von 150 Taels erreichte. Das aus­wärtige Komitee versucht, durch Bieten von Arbeitsgelegenheit in Suchien und Hsuchoufa Hilfe zu bringen.

Erdbeben auf Jamaika. London, 20. Januar. Aus King­ston wird telegraphiert: Ein Lotse erklärte, daß ein Teil von Port Royal am Hafeneingang und die frühere Flottenstation jetzt 25 Fuß unter Wasser liegen. Viele Hausfundamente ver­sanken sechs Fuß tief. Die Sondierungen ergeben, daß der Boden des Hafens und seiner Einfahrten sehrt verändert ist. Das Leuchtschiff auf Plum Point und der alte Kirchhof sind ver­schwunden. Zwei neue, 92zöllige Geschütze im Augusta­Fort an der gegenüberliegenden Seite versanken in die Erde. Anderen Berichten zufolge versank nur die Hälfte von Port Royal, der Rest liegt in Trümmern. Bei der Apostel=Batterie sank das Land acht Fuß.

London, 20, Januar. Ein Telegramm berichtet, daß der Dampfer„Prinz Eitel Friedrich“ mit 160 Passagieren nach New=York weitergegangen ist. Es war behauptet worden, daß der Dampfer bei Kingston gestrandet sei.

Kingston, 20. Januar. Für heute und morgen sind vier Dampfer mit Lebensmitteln, Aerzten, Krankenpflegern und Me­dikamenten avisiert. Es mangelt immer noch an Lebensmitteln, die Not ist groß. Die Bevölkerung verhält sich aber ruhig und zeigt großen Mut.

Parteigenossen! Parteigenossinnen!

Denkt an den Wahlfonds! Wahlkampf kostet Geld! Geld! Geld!

Letzte Nachrichten.

(Depeschenbureau Hirsch.)

München, 21. Januar. Aufsehen erregt hier folgende Ver­öffentlichung der„Münchener Post“:

Eine Anfrage an den Kolonialdirektor Dernburg in seiner Eigenschaft als finanzkundiges Mitglied der Berliner Regierung.

Aus Großindustriellenkreisen geht uns folgende Zuschrift zu:

„Geehrte Redaktion! Für den Fall, daß der Kolonial= direktor Herr Bernhard Dernburg wirklich nach München kommt, um dort seine Werbung in kaufmännischen und indu­striellen Kreisen fortzusetzen, bitten wir Sie, ihm auch folgende Fragen vorlegen zu wollen:

1. Ist es Herrn Dernburg aus seiner früheren finanziellen und jetzigen amtlichen Tätigkeit bekannt, daß ein Kollege von ihm im preußischen Ministerium, nicht ohne Mühe, die Ver­bände der Eisenbahn=Waggon=Vereinigung und die Radsatz=Ver­einigung(für Eisenbahnräder) veranlaßt hat,

1400000 Mark

an ein dem Verkrachen nahes Danziger Stahlwerk à fonde perdu zu zahlen?

2. Weiß Herr Dernburg, daß das Ergebnis dieses Ader­lasses ein fünfzehnjähriger Lieferungsvertrag des preußischen Staates oder der preußischen Eisenbahnver­waltung war mit Lieferungsbedingungen, bei, denen die 1 400 000

der bekannte Hut des Bürgermeisters und noch„ein Rock“ dazu, in der Rechnung aufgehen konnten?

Zur Erläuterung: Den Vertretern der Verbände ist gesagt worden, der Kaiser persönlich interessiere sich für das Danziger Werk, dessen Entstehung seiner eigenen Auregung zu verdanken sei und dessen Zusammenbruch unter allen Umständen verhindet werden müßte.

Die angegebene Summe ist dann eines bestimmten Tages dringend eingefordert worden mit dem Vermerk, daß bei Ver­zögerung das zu sauierende Werk sonst seine Zahlungen einstellen müsse.

Durch diese auch außerhalb der Radsatz=Vereinigung bekannt gewordenen Vorgänge ist eine nicht geringe Bennruhigung in verschiedenen Gruppen der Großindustrie eingetreten. Man hegt nach diesen und anderen in Erfahrung gebrachten Affären dort die Meinung, es sei besser, Herr Dernburg bemühe sich, zunächst im Heimatlande zu sanieren, ehe er die Industrie ver­anlasse, sich in gewagte Kolonialunternehmungen einzulassen, deren Kosten schließlich die Industrie selbst zahlen müßte, wenn eines Tages die Parlamente müde wären, die Ueberwälzung solcher unvermuteter Geschäftsspesen auf die Steuerzahler zu ratifizieren.

So weit Anfrage und Zuschrift. Wir bezweifeln nicht, daß Herr Dernburg entweder selbst oder durch den beteiligten Kol­legen im preußischen Ministerium rasche und klare An vort den Reichstagswählern verschaffen wird. Die„Norddeutsche Allgem. Zeitung“ hat ja weißes Papier genug.

***

Hamburg, 21. Januar. Die Hamburger Bark„Herkules“ kollidierte im englischen Kanal mit der Bremer„Adelaide". Die „Herkules“ wurde fast bis zur Wasserlinie aufgeschnitten und mußte nach Plymouth gebracht werden.„Adelaide“ ist nur leicht beschädigt.

Oldenburg, 21. Jan. In der Nähe von Mariensiel wurde im Kanal der Obermaschinist Hart ermordet und beraubt aufgefun­den. Sein Hals war durchschnitten, Kopf und Unterleib ver­stümmelt. Dem Ermordeten der völlig bekleidet war, sind die Uhr und die gesamte Barschaft geraubt worden. Der Mörder, der sein Opfer nach begangenem Verbrechen in den Kanal ge­worfen hat, wurde bisher nicht ermittelt.

Berlin, 21. Jan. Die erste Petition an den neuen Reichstag wird vom allgemeinen deutschen Musikerverband ausgehen. Unter Hinweis auf die vom Kaiser genehmigten neuen Bestim­mungen über das Anpreisen und Auftreten von Militärkapellen soll nicht weniger als das vollständige Verbot des gewerblichen Musizierens von Militär= und Beamtenmusikern verlangt werden.

Kuxhaven, 21. Jan. Infolge Nebels stockte die Schiffahrt auf der Unterelbe vorgestern abend und gestern nachmittag. Die regelmäßigen Wochendampfer auf englische Häfen erlitten zwölf­stündige Verspätung. Auf der Unterelbe sind fünf Dampfer angerannt.

Hanau, 21. Jan. Auf dem Hünfeld=Bahnhof wurde gestern der Schaffner Arnold von einem Zuge erfaßt und getötet.

London, 21. Januar. Ueber die augenblicklichen Zustände in Kingston wird berichtet: 25 bei dem Erdbeben Verwundete sind gestern gestorben. 20000 Menschen sind ohne Mittel und Obdach. 30 hervorragende Kaufleute werden noch vermißt und sind vermutlich tot. Der Dampfer Prinz Waldemar ist ein vollständiges Wrack, Passagiere und Mannschaften sind jedoch gerettet. Unter anderen wurden bei den Aufräumungsarbeiten viele Juwelen aufgefunden.

Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Willy Floerke, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld.