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Schwerter Volksblatt

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General-Anzeiger für

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Die“schwerter Zeitung“ erscheint täglich, ausser Feiertags. Bezugspreis: Mk. 1.6s vierteljährlich, bei der Post für Bestellgeld 42 Pfg. mehr. Wöchentliche Gratis-Beilagen: o“Illustrierter Familienfreund" und Unterhaltungs-Blatt. o Anzeigenpreis: Die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pf., Anzeigen von auswärts 1S Pf., Reklamezeile 40 Pf

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Erstes und ältestes Tagesorgan des kreises S Haupt-Annoncenblatt

Aite kreis= und fonalponzeliichen Herelünungen für aen Rreis Hörde erlangen gemäss Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der“Schwerter Zeitung rechts­o o o o o o verbindliche Kraft o oc c o Druck und Uerlag von Carl Braus, Schwerte-(Ruhr). Fernsprecher Nr. 62 Celegr.-Adresse: Braus, Schwerte-Ruhr

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Nr. 184

Montag den 9. August 1909

41. Jahrg.

Erst

Blatt

Neueste Nachrichten.

Die

Die diesjährige Kaiserparade. Stuttgart, 9. Aug. Die diesjährige Kaiserparade über das

13. Armeekorps findet am 7. September bei Cannstadt, über das

14. Armeekorps am 14. September bei Forchheim in der Nähe von Karlsruhe statt. Zwischen beiden Paraden wird Kaiser Wilhelm den österreichischen Manövern beiwohnen.

Kündigung des deutsch=amerikanischen Handelabkommens. Washington, 9. Juli. Bezüglich des Ablaufs der Handels­abkommen mit auswärtigen Staaten hat das Staatsdeparte= ment beschlossen, die längste Kündigungsfrist anzuwenden; das bedeutet für Deutschland sechs Monate von heute ab gerechnet Besuchsreise König Manuels.

London, 9. Aug.„Daily Mail“ meldet aus Lissabon, daß der König von Portugal beabsichtige, demnächst verschiedenen europäischen Häfen einen Besuch abzustatten. Zunächst begebe er sich nach England, dann nach Deutschland, von da nach Frank­

reich und schließlich nach Spanien.

Arbeiterbewegung in Berlin.

Berlin, 9. Aug. Die Generalaussperrung der Schlosser Groß=Berlins ist Sonnabend abend in Kraft getreten. Bis vormittags war dem Vorstand des Schutzverbandes der Schlosse­reien keine Antwort des Metallarbeiterverbandes zugegangen.

Die Arbeitgeberorganisation hat ihre Mitglieder aufgefordert, dem letzten Versammlungsbeschluß entsprechend, sämtliche im Stundenlohn beschäftigten Schlosser auszusperren, neue Akkorde nicht mehr zu geben, und nach Fertigstellung der laufenden Akkordarbeiten auch die im Akkord arbeitenden Schlosser zu entlassen. Für die Aussperrung kommen etwa 700 Betriebe in Frage, die rund 5000 Schlosser beschäftigen.

Ein spanisch=marokanischer Zwischenfall in Tetnau.

* Paris, 9. Aug.„Petit Parisien“ meldet aus Tanger: Aus Tetuan wird ein Zwischenfall gemeldet, der von dem spanischen Konsul verursacht worden ist und ernst zu werden droht. Das spanische Konsulat, in das einige Beamten des Roghis geflüchtet waren, die der Maghzen festnehren lgiser wollte, wurde van den Wächtern und Soldaten d#s###nng umzingelt. Diese hatten den Befehl erhalten, die Beschuldigten zu verhaften, sobald sie sich sehen ließen. Aegerlich über die Belagerung, feuerte der Konsul nachts Revolverschüsse auf die Wächter ab, ohne jedoch jemand zu treffen. Das Feuer wurde nicht erwidert. Der Konsul hat sich an seiner Regie­rung gewandt und die Ausstellung von Schutzbriefen für die Eingebornen gefordert.

Von der Luftschiffahrt.

Vorführung des„Z. 3“ vor dem Kaiser.

Köln, 9. Aug. Zeppelin wird den neuen Luftkreuzer „Z. 3“ dem Kaiser in Berlin am 28. August vorführen.

Zeppelin erkrankt.

Stuttgart, 9. Aug. Graf Zeppelin hat sich nach seiner Rückkehr aus Köln wegen eines Abszesses am Halse zur ärzt­lichen Behandlung in das städtische Krankenhaus zu Konstanz begeben.

Konstanz, 9. Aug. Graf Zeppelin hat sich im Krankenhaus einer kleinen Operation unterziehen müssen, die bereits glüc lich überstanden ist.

Der Parseval“,„.n g

Frankfurt, 9. Aug. Der„Parseval"=Bauon hur Sonn­abend nachmittag einen Aufstieg unternommen. Er überflog die Stadt in nordöstlicher Richtung und ist von uen zurg stieg, der befriedigend verlief, nach etwa 90 Minuten zurück­gekehrt. Bei der Landung wurde Major Parseval von der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen und der Erbprinzessin von Sachsen=Meiningen begrüßt.

2. eltrekord der Aviatik.

Mourmelon(Dep. Marne), 9. Aug. Der Aviatiker Sommer hat Sonnabend früh den Weltrekord durch einen Flug von 2 Stunden 27 Minuten 15 Sekunden geschlagen. Sommer flog um 3 Uhr 14 Minuten auf und landete, von den Zuschauern lebhaft begrüßt, um 5 Uhr 41¼ Min. Japasische Luftschifferkommission in Deutschland. Berlin, 9. August. Demnächst trifft eine japanische Luftschiffer=Kommi sion in Deutschland ein. Sie ist aus Ofsi­zieren der japanischen Armee und Marine zusammengesetzt und soll die Fortschritte auf dem Gebiete der Luftschiffstechrik in den enropäischen Staaten, und besonders in Deutschlund, studieren.

Der Generalstreik in Schweden.

Am Mittwoch, den 4. August setzte in Schweden ein erbitterter sozialer Kampf ein, der zwischen der organisierten Arbeiterschaft u. den wohlgerüsteten Arbeitgeberorganisationen schon lange auszubrechen drohte. Bereits im Sommer 1908 war es zu heftigen Arbeitskämpfen gekommen.

Schweden wurde erst in den letzten Jahrzehnten zu einer industrietreibenden Nation. Im wald= und erzreichen Norden wuchs die Industrie rasch herauf, zumal, als man sich durch die Nutzbarmachung der überaus reichen Wasserkräfte von der eng­lischen Kohle zu emanzipieren begann. Mittel= und Südschwe­den sind vornehmlich die ackerbautreibenden Gebiete. Im Jahre 1904 betrug die Gesamtbevölkerung 5,3 Millionen Menschen, so daß zur Gesamtfläche des Landes, die 411 011,93 Quadratkilo= meter umfaßt, auf 1 Quadratkilometer— nach dem Status von

1901— 12.5 Einwohner kommen, während in Deutschland auf

die gleiche Fläche 104 kommen. Jedoch ist die schwedische Bevöl­kerungsziffer seit 1850/60 in einem rascheren Tempo gewachsen

Mit der wachsenden Industrie nahm die Arbeiterschaft zu; die größten Industriezweige Schwedens sind die Holz=, dann die Stein=, Nahrungs= und Genußmittel= und die Textilindustrie;

die Gesamtzahl der in der Industrie, Handel und Verkehr be­schäftigten Arbeiter wird schätzungsweise auf etwas über 500000 angegeben; demgegenüber stellt sich die Zahl der in der Land­wirtschaft tätigen männlichen und weiblichen Arbeitskräfte auf etwa 850000. Nach den angeführten Industrien sind noch zu nennen: die Leder=, Papier=, Metall u. Maschinenbauindustrie. Als schwedische Industriezentren kommen Stockholm, Malmö, Goeteborg und Norrköping in Betracht.

Es gibt drei Arbeitgeber=Organisationen. 1. den schwedi­schen Arbeitgeberverein, 2. den Zentral=Arbeitgeberverein und 3. den Werkstättenrerein. Diese drei Arbeitgeberorganisatio­nn umfassen insgesamt 3160 Arbeitgeber mit 195000 Arbeitern. Da die„Deutsche Arbeitgeberzeitung“ die schwedischen Arbeitge­berorganisationen als außerordentlich tüchtig und geradezu vor­bildlich lobt, so wirds wohl seine Richtigkeit damit haben.

Nach deutschen Vorbildern haben sich die schwedischen Ar­beiter gewerkschaftlich organisiert, indem sie ihrer national Eigenart Rechnung trugen. 28 Fachverbände bieten den in den verschiedensten Erwerbszweigen tätigen Arbeitern die Mög­lichkeit zur Organisation. Auch die Landarbeiter sind in die Organisation einbezogen. Sämtliche Fachverbände schlossen sich zu der„Landesorganisation“ der Arbeiterschaft zusammen, so daß die„Landesorganisation etwa der deutschen„Generalkom= mission entspricht; dabei zählt die„Landesorganisation“ rund

190000 Mitglieder. Also: organisierte Arbeiterschaft und orga­

nisiertes Unternehmertum sind zahlenmäßig von gleicher Stärke.

Es ist erfteulich, daß die christliche Gewerkschaften, die sich drüben zu regen beginnen, bereits bemerkenswerte Ansätze ge­

Der Konslit zwischen der Arbeiterschaft und den Arbeit­gebern, der schließlich zum Generalstreik führte, zog sich eine gerarme Zeit hin. Von staatlicher Seite wurde zuerst eine Vermittlung versucht; am 25. Juli(Sonntag) lehnten sowohl die Arbeiter als auch die Arbeitgeber die Vermittlungsvorschlä­ge ab. Darauf erfolgte am 26. Juli(Montag) die angedrohte Aussperrung von Arbeitern der Holzschleifereien, Textilindu­strie und Sägewerke. So wurden 52000 Arbeiter beschärt gungslos. Am 2. August wurde die Aussperrung auf die Ei­senarbeiter ausgedehnt, so wurden insgesamt 82000 Arbeiter beschäftigungslos. Die Antwort war: die Landesorganisation kündigte für den Fall, daß die Ausgesperrten nicht wieder in die Betribe eingestellt würden, für den 4. August den.#ctul­streik an. Der erste Konflikt entstand durch die Forverung ei­ner Lohnerhöhung infolge steigender Wohnungsmieten und Lebensmittelpreise; demgegenüber bestanden die rauf, daß nach den letztjährigen Lohnerhöhungen, zumal da Lohn und geringe Arbeitsleistungen in keinem gerechten Verhält zueinander stünden, die Löhne ausreichend seien. Den Konflikt verschärften die Aussperrungen. Und die Aussperrungen in ihrer verbitterden Wirkung führten schließlich auch zum Gene­

Der 4. August kam und der Generalstreik trat in Kraft. So hatte die schwedische Arbeiterschaft den Kampf ausgenommen. Was diesem Ringen aber sein besonderes Siegel ausdrückt, ist, daß durch einen unglücklichen Ausgang des Generalstreiks die Gewerkschaftsarbeit vergangener Jahre vernichtet wird.

unterliegt die Landesorganisation, so ist die schwedische Gewrek­schaftsarbeit auseinandergerissen und jener Auflösung nahe. Noch läßt sich der Ausgang des Ringens nicht absehen. Aver den Arbeitgebern stehen größere Geldmittel zur Verfügung den organisierten Arbeitern. Und durch die geringsten Aus­schreitungen— und es wurden bereits die ersten blutigen Zu­sammenstöße zwischen bewaffneter Macht u. Streikend det— ist jede Popularität des Kampfes vernichtet; denn zwi­schen sich die revolutionär=politischen Wellen mit dem rein of­zialen Ringen gegen die Streikenden. Die Anzahl der Strei­kenden ist bis Freitag, den 6. August auf 300000 angewachsen,

die Geldmittel werden bald den Arbeitern fehlen, der Hunger droht, und bereits fürchtet man infolge fehlender Milchzufuhr eine rapide Zunahme der Kindersterblichkeit. Der Reisever­kehr ist unterbunden, die Eisenbahnarbeiter wollen in den all­gemeinen Streik eintreten, ebenso die Telegraphenarbeiter, die an den Wasser= und Beleuchtungswerken, kurz: die gesamte Wirtschaftstätigkeit ist bereits jetzt schon lahm gelegt; Kirchyofs­ruhe ist im Lande eingekehrt. Und hüben und drüben lauer die Verbitterung und Haß, um den Willen zum Frieden, soweit er nicht vorhanden ist, zu erwürgen. Soziale Not— furchtbare Not. Der Eneeralstreik in Schweden ist wieder einmal ein Bei­spiel für die eigennütz und selbstsüchtig dahinlebenden Menschen ein Beispie lvon quälendem Hunger und verzehrendem Haß da­für, daß nur christliche Gerechtigkeit ein Volk zu versöhnen mag.

Stockholm, 7. Aug. Für den Generalausstand sind folgende Vorfälle bezeichnend: Hunderte von Einjährigen aus Wester­noverland, der am meisten sozialistischen Provinz, zogen in Rei­hen auf dem Lagerplatz Solleftea umher,„Söhne der Arbeit“ und die„Marseillaise“ singend, bis die Offiziere eingriffen. Die Anstifter wurden verhaftet und werden vors Kriegsgericht ge­stellt. Die Straßenbahnarbeiter in Gothenburg haben heute morgen die Arbeit niedergelegt. Auf allen nach Trelleborg füh­renden Privatbahnen ist heute eine fast völlige Stockung des Güterverkehrs eingetreten. Ein deutscher Dampfer, der 500 Tons Kohlen gebracht hat, die für die Zuckerfabriken Südschwe­dens bestimmt waren, liegt im Hafen von Trelleborg, ohne löschen zu können. Die wirtschaftlichen Wirkungen des Streiks beginnen sich schon stark fühlbar zu machen. Von einem Ver­treter einer Arbeitgeber=Vereinigung wurde heute angegeben, daß man den Ausfall an Arbeitslöhnen auf täglich etwa Mill. Kronn berechnen dürfe, und daß der täglich weniger pro­duzierte Warenwert sich auf 3—4 Millionen belaufen dürfte. Wie das„Svenska Telegrambyrau“ erfährt, hat der ausschuß des schwedischen Typographenverbandes beschlossen, seine Mit­glieder zur Arbeitsniederlegung in sämtlichen schwedischen Druckereien einschließlich der sozialdemokratischen Blätter aufzu­fordern. Die Eisenbahndirektion teilt mit, daß der Zugverkehr von Montag ab auf 15 Züge täglch beschränkt wird. Wie„Aften­bladet meldet, feuerte ein Unbekannter heute nachmittag mit einem Revolver gegen die Lokomotive eines Lokalzuges, offen­bar in der Absicht, den Lokomotivführer zu töten, traf aber nur die Lokomotive. Der Täter enttam. Ein neues Veispiel, der

Anarchie der Soldaten wird vom Regiment Dalurne in berichtet. 200 Mann dispuiterten abends, im Bett liegend, über den Ausstand, ganz ohne Rücksicht auf das und gaben ihrer Sympathie für die Ausständigen Ausdruck. Sie begannen die Internationale und die Marseillaise zu singen. Sie haben jetzt Arrest ,und keiner darf die Baracken verlassen, bevor das Kriegsgericht seinen Spruch gefällt hat.

Die Krisis in Spanien.

Nach einer sicheren Meldung aus der Stadt Barcelo­na sind 17 Personen, die auf dem Montjuich in Haft waren, in Freiheit gesetzt worden. Bisher sind 5 Verurteilungen zu le­benslänglicher Zwangsarbeit erfolgt. Auf Montjuich sind auch 14 Geistliche in Haft. Die in den Krankenhäusern befindlichen Personen werden als Gefangene nach dem Monjuich überge­führt, sobald sie geheilt sind.

Der gestrige Tag verlief in Melilla ruhig. Der Verpfle­gungsdienst für die Truppen konnte ohne Störung vor sich ge­hen. Aus Alhucemas wird gemeldet, daß die Mauren Schiffe in der Bai von Alhucemas anzugreifen versuchten, doch von der sranischen Artillerie in Schach gehalten wurden. Die Angriffe der Mauren auf die Eisenbahn waren August besonders heftig, die Bahn wurde auf eine Länge von