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Amtlicher Areisblatt

Abonnements=Preis pro Quartal 1 Mk. 50 Pfg.

Erscheint Montags, Mittwochs, Freitags und Samstags. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“

Verantwortlicher Redakteur: Friedrich Keim, Schwerte.

Schwerte, Mittwoch, 9. Februar 1898.

füir den Kreis Gorde.

Insertionsgebühr für die 6spaltige Zeile oder deren Raum 10 Pfg., außerhalb des Leserkreises 15 Pfg. Reklame 30 Pfg.

Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte.

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31. Jahrgang.

Amtliche Bekanntmachungen.

Bekanntmachung.

Anschlusse an meine Bekanntmachung vom 2. d. M. bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß mit dem heutigen Tage auch die die betreffenden Gemeinden berührenden Abschnitte des seitens des Herrn Regierungs=Präsidenten zu Arnsberg unterm 14. Januar d. J. genehmigten Planes ortsüblich 14 Tage offen gelegt sind. Hörde, 7. Februar 1898.

Der Königliche Landrat: Spring.

Kör=Liste

des Kör=Bezirks Langendreer, Regierungs­bezirk Arnsberg.

Namen und Stand des Pferde=Eigentümers:

Sartnugg Behringhausen, Kreis belmund. Des Pferdes Farbe und Abzeichen: braun mit kleinem Stern, Abstammung: angekorter Belgier=Hengst von Hülsmann aus Belgier=Stute, schwerer Wagenschlag, Größe: 1,72 cm, 4 Jahre alt, Aufstellungsort: Behringhausen, Deckpreis: 15 Mk.

Bahnhof Rauxel, 11. Januar 1898.

Die Kör=Kommission: von Saldern, Gestüts­Direktor. Schulze=Pelkum. Fr. Dieckerhoff. Altfeld, Kreistierarzt.

Tages=Ereignisse.

Deutsches Reich.

Preußisches Abgeordnetenhaus.

15. Sitzung am 7. Februar.

Das preußische Abgeordnetenhaus verwies heute die Disziplinarvorlage für Privatdozenten an eine Kommission. Kultusminister Bosse be­gründete den Entwurf, der einen geordneten, ein­heitlichen Rechtsboden schaffen solle. Von einem Angriff auf die Lehrfreiheit der Dozenten könne keine Rede sein. Die konservativen und freikonservativen Redner stimmten der Vorlage unbedingt zu, wo­gegen die Nationalliberalen und das Zentrum in der Kommission noch die bessernde Hand an­legen wollen. Die Freisinnigen zogen gegen den Entwurf scharf zu Felde, der die Freiheit der Wissenschaft beseitige. Dienstag: Interpellation betr. Geistlichen=Gehälter.

16. Sitzung von 8. Februar.

Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte

heute zunächst die freikonservative Interpellation wegen der Neuregelung und Verbesserung des Diensteinkommens der Geistlichen beider Kon­fessionen. Kultusminister Bosse teilte mit, daß die Unterhandlungen mit der evangelischen Kirche zu einem positiven Erfolg geführt haben und die Vorlage in der nächsten Zeit dem Hause zugehen wird. Mit den Bischöfen schweben dagegen die Verhandlungen noch. Hierauf wurde eine Beratung des Justizetats zu Ende geführt, wobei Justiz­minister Schönstedt erklärte, daß ein Straf vollzugsgesetz in der Ausarbeitung begriffen sei. Nachdem das Haus noch den Bauetat teilweise genehmigt, vertagte es sich. Mittwoch: Vorlage betr. Hochwasserschäden.

Deutscher Reichstag.

34. Sitzung vom 7. Februar.

Der Reichstag nahm heute zunächst den Gesetzentwurf über die Aufhebung der Amts­kautionen der Reichsbeamten in dritter Lesung endgültig an und setzte alsdann die Beratung des Postetats fort. Zum Titel„Postvorsteher" liegt ein Antrag Kopsch(fr. Vg.) vor, die sogen. Militär=Postämter, d. h. solche, deren Vorsteher ein ehemaliger Offizier ist, zu beseitigen. Da Staatssekretär v. Podbielsky selbst Offizier

war, ehe er die Verwaltung übernahm, so trug Unterstaatssekretär Fritzsch die Gründe vor, die den Antrag als unbegründet erscheinen ließen.

Gegen die Stimmen der freisinnigen Volkspartei, süddeutschen Volkspartei und der Sozialdemokraten wurde der Antrag abgelehnt. Ohne erhebliche Debatte passierten alsdann die Titel Post= und Telegraphenamts=Kassierer, Obersekretäre und Sekretäre, sowie Fernsprechgehülfinnen, für welche von der Linken Besserstellung verlangt wurde. Beim Titel Unterbeamte und Landbriefträger ver­langt eine Resolution der Kommission eine Gehalts­aufbesserung auf dem Wege eines Nachtragsetats. Singer(soz.) verlangt diese Gehalserhöhung soll sofort in den Etat eingestellt werden, wozu der Reichstag das Recht habe. Diese Behauptung wird von allen Parteien als inkonstitutionell zu­rückgewiesen, der Antrag Singer abgelehnt, dagegen die Kommissions=Resolution angenommen. Das Ordinarium wird bewilligt, ebenso ein Teil der einmaligen Ausgaben. Dienstag 2 Uhr: Fort­setzung und Etat des Auswärtigen Amts.

35. Sitzung vom 8. Februar.

Der Reichstag erledigte heute zunächst den Rest des Extraordinariums des Postetats, den Etat der Reichsdruckerei und in dritter Lesung den Handelsvertrag mit dem Oranje=Freistaat und trat darauf in die Beratung des Etats des Auswärtigen Amtes ein. Abg. Richter(fr. Vg.) erklärt, daß seine Partei die Erwerbungen in Ost­asien freundlicher ansehe und sich mehr von ihnen verspreche, als von denen in Afrika. Staats­ekretär v. Bülow gab darauf eine eingehende Darstellung über unsere auswärtigen Angelegen­heiten, besonders Kiaotschau und Kreta. Die Er­werbung Kiaotschaus war lange vorbereitet. Wir brauchten dort einen territorialen Schutzpunkt, um nicht zu einer Macht zweiten Ranges herabzusinken. Mit den europäischen Mächten und mit Japan haben wir trotz der chinesischen Erwerbung das friedlichste Verhältnis erhalten. Der Wortlaut des Vertrages mit China ist noch nicht eingetroffen. China hat über das deutsche Gebiet kein Hoheits­recht auszuüben, Eisenbahnen zu bauen, ist einer deutsch=chinesischen Gesellschaft concessioniert worden. Wir wollen in China besonnen vorgehen, wie ruhige Kaufleute und Risiko und Gewinn in das richtige Verhältnis setzen. An der chinesischen Anleihe beteiligen wir uns nicht. Sollte es wegen Kreta zu einer Dissonanz im europäischen Concert kommen, so werden wir aus demselben ausscheiden. An der Debatte beteiligten sich die Abgg. Bebel, v. Radorff, Lieber, Beckh und Hasse. Mittwoch 2 Uhr Fortsetzung der Be­ratung. Schluß ¼7 Uhr.

preußische Landesökonomie=Kollegium, das, wie schon erwähnt, vor einigen Tagen in Berlin eine Sitzung abhielt, hat sich prinzipiell gegen größere Kanalbauten aus­gesprochen, was weithin Aufsehen und ein gewisses Befremden erregt. Man weiß, wie sehr der Kaiser von der Notwendigkeit größerer Kanalbauten überzeugt ist, der Monarch hatte sein besonderes Interesse an dem Gegenstande auch dadurch zum Aus­druck gebracht, daß er persönlich der Sitzung des Oekonomie=Kollegiums beiwohnte, in welcher die Kanalfrage zur Erörterung stand. Vor der Beschlußfassung noch, die nach dem Gange der Verhandlung nicht mehr zweifel­haft sein konnte, verließ der Kaiser die Ver­sammlung. Während die liberalen Blätter den Beschluß des Kollegiums als lediglich im agrarischen Interesse liegend bekämpften, giebt z. B. die„Deutsche Tagesztg“", das Organ des Bundes der Landwirte, ihrer ganz besonderen Genugthuung über den Be­schluß Ausdruck, zu dessen Begründung sie

u. a. bemerkt: Gewiß habe der Verkehr sein Gutes und seine Berechtigung, aber es geht ihm, wie allen menschlichen Einrichtun­gen. Entwickelt er sich über eine gewisse Grenze hinaus, dann werde er bedenklich. Dieser Grenze aber seien wir, was den Fern­verkehr anlangt, bedenklich nahe gekommen. Mindestens sei kein Segen des Verkehrs darin zu erblicken, daß er Erzeugnisse aus anderen Ländern herbeischleppe, die in der Heimat gewonnen werden können, und daß er andererseits deswegen Waren in die Ferne befördern muß, die im Inlande ver­braucht werden können.— Zum Schluß seiner Sitzung beschäftigte sich das Landes­ökonomie=Kollegium mit Fragen der Forst­wirtschaft, der Viehsperre, des Acker=, sowie Wein=, Obst= und Gemüsebaues.

In der Budgetkommission des Reichs­tags wurde die Beratung des Kolonialetats

zu Ende geführt, wobei es gelegentlich der Beratung über Süd=West=Afrika noch zu sehr erregten Debatten kam, wozu die mit eng­lischen Gesellschaften abgeschlossenen Verträge den Anlaß gaben. Am Schluß der Ver­handlungen sprach Landeshauptmann Leut­wein der Kommission und dem Reichstage seinen Dank dafür aus, daß man stets für die berechtigten Forderungen der Kolonie das richtige Verständnis besessen habe. Die Kolonien würden, so hoffe er, dem Mutter­lande später Vorteil bringen. Darauf wandte sich die Budgetkommission zur Be­ratung der Einnahmen aus den Zöllen und Verbrauchssteuern, die am Dienstag fortge­setzt wurde.

Ueber die Vorlage, betreffend die Neu­regelung und Verbesserung des Dienstein­kommens der Geistlichen beider Konfessionen, werden die Freikonservativen die preußische Regierung im Abgeordnetehause interpellieren. Sie werden anfragen, ob die in der Thron­rede verheißene Vorlage in der nächsten Zeit zu erwarten sei, gegebenenfalls aus welchem Grunde die Einbringung sich verzögere.

Mit der Beschränkung der Obsteinfuhr aus Amerika ist ein großer Teil der deut­schen Presse wenig einverstanden, um so we­niger, nachdem ein Gutachten des Direktors des Entomologischen Vereins in Stettin dar­gelegt hatte, daß die St. José=Laus, um deren willen die Beschränkung der Obstaus­fuhr angeordnet wurde, identisch sei mit der bei uns vielfach vorkommenden Blutlaus, die zwar den Apfelbäumen gefährlich, aber immerhin ziemlich leicht zu bekämpfen sei. Dem gegenüber veröffentlicht nunmehr die ministerielle„Berl. Corr.“ ein Gutachten des Direktors der königlichen Lehranstalt für Garten=, Obst= und Weinbau in Geisenheim, dem zufolge zwischen den beiden Läusen und ihrer Gefährlichkeit für die Obstkultur ein ganz gewaltiger Unterschied besteht. Die Blutlaus sieht ganz wie eine Blattlaus aus, kann ihre Füße gebrauchen und ist mit weißem Flaum bedeckt, während die St. José=Schild=

laus von einem Schilde bedeckt wird und, einmal festgesangt, ihre Beweglichkeit und später auch ihre Füße verliert. Die Schäd­lichkeit der Blutlaus für den Obstbau wird durch die für diese geradezu vernichtende Wir­kung der St. José=Schildlaus unendlich über­troffen.

Frankreich.

In Paris hat der Prozeß gegen den Schriftsteller Zola am Montag seinen An­fang genommen. Am Justizpalast herrschte schon morgens sehr großer Andrang. Es sind sehr strenge Maßnahmen zur Aufrecht­erhaltung der Ordnung getroffen. Die Ge­richtssitzung wurde um 10 Uhr eröffnet. Der Präsident gab bekannt, er werde den Saal räumen lassen, sobald irgend welche Kund­gebung stattfinden würde. Hierauf wurden die Geschworenen ausgelost. Als der Chauvinist Rochefort vor dem Justizpalast eintraf, wurde er von der dort angesam­melten Menge mit Hochrufen empfangen, während einige Personen riefen:„Nieder mit Rochefort!" Dieser näherte sich den Rufern mit den Worten:„Ihr seid wirklich vier Mann, jeder zu 5 Frcs., das macht 20 Frcs. Das Syndikat hat Euch nicht ruiniert.“ Hierauf betrat Rochefort den Justizpalast. In der Umgebung desselben sind zwei Brigaden Polizeiagenten zusammen­gezogen, im Innern steht eine Kompapnie der republikanischen Garde zur Verfügung des Präsidenten. Als die Zeugen eintrafen, nahm die Bewegung zu. Zola, der in einem Landauer in Begleitung seines Freundes Clemenceau und des Verteidigers eintraf, wurde von der Menge beschimpft. Um 1 Uhr erhob sich der Staatsanwalt und erklärte, die Verhandlung müßte strikte auf die in der Anlage benannten Punkte beschränkt bleiben. Die Angeklagten hätten den Plan, auf illegalem Wege hier eine Revision des Dreyfus=Prozesses zu verfolgen. Der einzige Punkt, auf den sie sich zur Erweiterung ihrer Beweisführung stützen könnten, wäre die Un­teilbarkeit der einzelnen Punkte. Diese existiere aber nicht. Der Verteidiger Labori bekämpfte diese Ausführungen.— Bedeutsam ist eine Auslassung über den Prozeß, die die „Nordd. Allg. Ztg. an leitender Stelle bringt. Es heißt da:„Die Angelegenheit des unglücklichen, aber auch wenig sympa­thischen Kapitäns, den sie nach der Teufels­insel geschickt haben, hat für Europa die außerordentliche Bedeutung und das un­gewöhnliche Interesse gewonnen, insofern sie durch den Verlauf, den sie genommen, als das Ergebnis einer gespannten politischen Situation erscheint, als willkommenes Agi­tationsmittel für lärmende Umsturzparteien und als ein Vorwand, an den sich ver­schiedene, noch im Finstern schleichende politische Pläne klammern. Kein geringerer, als der französische Ministerpräsident Meline hat die Agitation, an deren Spitze die beiden Minister der Verhetzung und der lästernden

Erzählung aus dem Anfang des 9. Jahrhunderts. Von F. Stockhausen.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Und ich,“ fiel Friedebert hastig ein,„weil's mich hinaustrieb aus der dumpfen Kirchen­nacht, hinaus in den frischen Morgen! Weil ich einmal atmen wollte aus tiefer Brust. Und es ist einer im Himmel, der lenkte unser beider Schritte zur gleichen Stunde an den gleichen Ort! O Irmengart, sag, ob’s nicht wunderbar ist, daß wir uns hier begegnen?“

Irmengart neigte wie zustimmend das

„und glaubst du nicht auch,“ fuhr Friede­bert in leidenschaftlicher Erregung fort, zwei Seelen denselben Gedanken hegen müssen, unbewußt? Daß sie sich begegnen müssen auf ein höher Gebot? Wie ein Stern den andern zieht, wenn er dahinfliegt durch den weiten Himmelsraum? Irmengart, sprich, an diese geheimnisvolle Macht? Glaubst du, daß es Gottes Wille war, daß wir uns hier finden mußten?“

„Ja, Friedebert,“ sprach sie sanft,„ich glaube, daß Gottes Auge über unserer Freund­schaft wacht, daß er unsere Wege leitet. Und setzt freut es mich so sehr,“ setzte sie wie er­leichtert hinzu, daß du es bist und kein fremder Mann, der mich hier überrascht. Doch jetzt, fahre wohl, ich muß eilen.“

„Bleib', Irmengart," bat er dringend, „nur eine Weile noch verzieh! Dir muß ich's klagen, was mich die ganze heilige Östemnacht unter den Sang der Vigilien verfolgt hat. Ich schaute dich, aber immer an eures Burggastes, des jungen Herzogs, Seite. Könnte ich ringen mit ihm im Zweikampf mit diesem meinem starken Arm, meiner einzigen Waffe!" und er reckte den Arm kraftvoll empor.„Doch er ver­lacht mich, er höhnet mein!“

Beschwichtigend legte die Jungfrau ihre Hand dem Erregten auf die Schulter.

„Irmengart, zeige mir einen Ausweg! Könnt' ich dem Stift entflieh'n! In eines Herzogs Dienst würd' ich treten, denn Kraft fühl' ich in meinen Gliedern! Auch ich kann den Speer werfen und das Schwert schwingen und darf mich messen mit jedem Recken im Streit!“ Sein Auge glühte, seine Wange brannte. Irmengart erschrack. Wenn sie an Herzog Bruno dachte und seine höhnenden Worte, die Friedebert gegolten hatten, so wurde es ihr klar, diese beiden mußten hart an ein­ander geraten, träfen sie zusammen.

„Wohl weiß ich's, Friedebert,“ sagte Irmengart und hob ihr klares Auge vertrauend zu ihm auf,„daß du im Schwerthieb und Speerwurf dem Kriegsmann nicht nachstehst. Doch Gott verhüt', daß du je im Zorn die Waffe brauchst. Was that dir der Herzog?“

„Er ist ein Neidling. In der Halle tra mich sein feindlicher Blick. Er sinnt mir

„Nun, Friedebert, bald wird er Heimfahrt

halten. Auch hege ich den Wunsch, daß er die Burg verläßt,“ fügte sie leise hinzu.

Ein frohes Aufleuchten ging über Friede­berts eben noch verdüstertes Antlitz.

„Schau,“ sprach die Jungfrau, höher steigt die Sonne. Ich darf Walburg nicht warten lassen, auch daheim wird man mich vermissen. Fahre wohl, Friedebert!“

„Irmengart, gedenke dieser Stunde,“ rief er der Davoneilenden nach, während er die Richtung nach dem väterlichen Gehöft einschlug.

Zehntes Kapitel.

Friedeberts Gedanken wogten hin und her, wie Feuer und Wasser, in wirbelndem Wider­streit. In dieser Nacht, und noch mehr seit dieser unvermuteten Begegnung mit Irmengart, war es ihm wie eine Nebelbinde von den Augen gefallen, er stand vor einem Abgrund. Schau­dernd blickte er in die dunkelgähnende Tiefe, dahin er springen mußte, wollte er ein Mönch werden. Aber er wollte niht. Keine unüber­steigliche Schranke sollte ihn von Irmengart trennen. Mit dem Schwerte wollte er sich gürten lassen, in den Heerbann treten, Helden­lieder in der Halle singen. Sie sollten ihn be­wundern, auf ihn deuten und rufen: Heil dem Königssänger und Kriegsmann, Heil ihm! Aber der höchste Preis würde ihn von einer nur beglücken. Nur aus ihrem Auge wollte er den Strahl der Begeisterung leuchten sehen, die seine Worte in ihrem sinnigen Gemüte erweckten, seine Gedanken über ihr holdes Antlitz schweben sehen wie lebendige Wesen, die nun erst ihn grüßten, vertraut und bekannt. Ihr Lächeln

würde den ganzen Frühling aufwecken, der bisher in seiner Brust noch geschlummert, einen ganzen Liederfrühling, der hinter Kloster­mauern verkümmern mußte, aber jetzt mächtig hinausdrängte ans Licht, ans helle Osterlicht. Hin zu seinem Vater wollte er— seine Kniee umfaffen, ihn bitten: Löse mir den Zwang, Vater, gieb mich frei!

Noch hatte er den Freihof nicht erreicht, als er vom Eichenkamp her seinen Namen rufen hörte. Dort hinter die Wallhecke sah er die hohe, kräftige Gestalt seines Vaters wandeln zwischen den knorrigen, alten Eichen, die noch im dürren, braunen Laubbehang unlenzlich standen. Der Sohn eilte ihm entgegen. Des Vaters Gruß drückte Verwunderung aus. Mit Befremden schaute er in Friedeberts bleiche, von Erregung zuckenden Zuge.„Was ist es, das zu solch früher Stunde dich heraus zu uns führt, mein Sohn?“

„Vater, die Mauern des Stifts sind mir zu eng geworden. Der Gedanke an jene eines Klosters beängstigt mich noch mehr, nein, er macht mich elend, Vater! Klar ist's mir ge­worden in der hellen Ostersonne, daß ich kein Mönch werden kann, und hier bin ich, dich zu bitten, dich anzuflehen, ehe es zu spät ist: Gieb mich frei!“

Der Sattelmeier stand da, wie einer, der nicht recht gehört zu haben meint.„Was forderst du von mir, Friedebert? fragte er, jedes Wort schwer betonend.

„Freiheit, Vater, mein altsächsisches Erb­teil, das Vermächtnis meiner Ahnen. Stark

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