Gratts-Beilage zum„Allgemeinen Anzeiger für Brakel“ und zur„Beverunger Zeitung“.
Verlag von Emil Ruthe in Brakel.
2v. 2).
(Nachdruck verboten.)
Das geheimnisvolle Bild.
Von H. Buttstaedt.
(Fortsetzung.)
Orin.
„Bitten Sie Herrn Mosler, falls er zu Hause ist, sofort zu mir zu kommen,“ sagte er zu einem eintretenden Beamten.
Nach einer Viertelstunde erschien ein mittelgroßer Mann im Zimmer, dessen behäbiges Vollmondsgesicht nicht gerade auf geistige Begabung schließen ließ.
„Kommen Sie, Mosler, hier ist Graf Rebling, der Besitzer von Schloß Scharfeneck, dessen Sache Sie übernehmen sollen."
Mosler machte eine tiefe Ver
beugung, die der Graf mit einem leichten Kopfnicken erwiderte.
„Nun also, lieber Mosler, Sie haben ja auch schon von den Ereignissen auf Scharfeneck vernommen?“
„Gewiß, Herr Rat, die ganze Stadt ist ja voll von den Spukgeschichten.“
Der Graf schnitt ein ärgerliches Gesicht und schlug mit der Faust auf die gepolsterte Lehne.„Die ganze Stadt scheint sich mit meinen Privatangelegenheiten zu beschäftigen.“
„Das ist in kleinen Städten nicht anders“ lachte Mosler,„man pflegt sich lieber mit fremden, als mit eigenen Angelegenheiten zu befassen.“
„Zur Sache, meine Herren,“ mahnte der Rat, dem Grafen eine von seinen Havannazigarren gebend „Wir wollen's so gemütlich wie möglich machen. Da, Mosler, nehmen Sie auch eine, Sie haben lange genug mit der Kiste geliebäugelt.“
Der Graf begann zu erzählen. Er holte weit aus und berichtete, daß schon zurzeit des Hauptmanns März hin und wieder von Poltergeistern gesprochen worden war. Der Hauptmann habe sich sogar etwas darauf eingebildet, weil er behauptete, daß nur in alten, historisch berühmten Gebäuden Spukereien vorkämen.
Dann ging er zum Umtausch der Bilder über, beschrieb den Festabend genau und schloß mit der Erscheinung am Fenster. Der Graf war ein guter Erzähler und die beiden Herren lauschten mit Behagen.
„Ausgezeichnet, Herr Graf. Ihr Vortrag war klar und übersichtlich, doch nun erlauben Sie, daß ich einige Fragen stelle, ich möchte mich über Ihr Personal ein wenig orientieren.“
„Selbstverständlich bin ich gern bereit, Ihnen Auskunft
Aus der Ukraine.
Die historische Krone des altukrainischen Fürsten und Danylo Romanowytsch, ein Geschenk des Papstes Innozentius IV. Mit dieser Krone ist Danylo im Jahre 1253 in Dorohitschyn(Podlachien) zum König von Kalitsch=Wladimir gekrönt worden. Die Krone war bis zum 2. Juni 1915 in der ukrainischen Kathedrale in Przemysl aufbewahrt und vor der Zurückeroberung dieser Festung durch deutsche Truppen haben die Russen diese Krone nach Petersburg verschleppt.
zu erteilen. Ich fürchte nur, über meine Diener und sonstigen Hausgenossen wenig sagen zu können, alle sind schon lange in meinem Dienst und haben keine Veranlassung, in dieser Weise gegen mich vorzugehen.“
„Und wie ist es mit Scharfeneck, wohnt niemand im Schlößchen? Ein Kastellan oder dergleichen?"
„Augenblicklich nicht, Herr Rat, ich habe den Diener, der darin wohnte, wieder nach der Villa zurücknehmen müssen, er wollte lieber den Dienst verlassen, als länger im Schlosse bleiben.“
„So kümmert sich jetzt also niemand um das neuerworbene Besitztum?“ fragte der Rat ziemlich verwundert.
„O, doch, der alte Schöller, er wohnt im Torhäuschen an der Landstraße und ist verpflichtet, nach dem Rechten zu sehen."
„Hat er die Schlüssel zum Schloß?“ „Nein, die sind in meiner Verwahrung.“
„Was ist der Mann?“
„Er war früher Schauspieler und wurde von meinem Vorgänger, dem Hauptmann März, als er infolge eines Theaterkrachs brotlos wurde, aus Mitleid im alten Torhäuschen aufgenommen.“
„Und sonst befindet sich niemand in der Umgebung des Schlosses?“ „Niemand, das nächste Haus außer meiner Villa ist die Bierwirtschaft zum Felsenkeller.“
„Gestatten Sie mir eine Frage,“ unterbrach der Detektiv das Gespräch.„Ich möchte etwas Näheres über diesen Schöller wissen. Wie kam es, daß er nach dem Tode des Hauptmanns bei Ihnen blieb? Waren seine Dienste so wertvoll?“
„Keineswegs,“ sagte der Graf mit wegwerfender Geste,„es wurde mir beim Kauf des Schlößchens die Bedingung gestellt, den Alten im Torhäuschen zu behalten; ich glaube, er ist dem Trunke ergeben, wenigstens habe ich meine Diener„ dergleichen munkeln hören. Außerdem scheint er sich auch mit Geistersehen zu beschäftigen.“
„Hat er Ihnen von Erscheinungen im Schloß berichtet?“
„Ja, aber nur auf mein Befragen,“ erwiderte der Graf.
„Haben Sie das Schloß von dem alten oder jungen Herrn März gekauft?“
„Vom jungen Herrn.“
„Und dieser stellte die Bedingung?“
„Jawohl."
„Wie ich hörte, hat Leutnant März ein großes Vermögen geerbt, hat er dem Alten nie angeboten, ihn in ein Stift einzukaufen oder ihm sonstwie eine Unterstützung zu gewähren?"
2
Amgang ganz nach ihrem Sinne, und es verging kaum ein Tag, an dem sie nicht mit den beiden zusammengetroffen wäre.
Auch an jenem verhängnisvollen Abend war le mit Gräfin Gallia, deren Vater wieder in er Residenz weilte, im Konzert gewesen, hatte ann bei ihr soupiert und war deshalb so ußergewöhnlich spät nach Hause gekommen. Meta von Haupt hatte es abgeschlagen, die
Bittor wures. der sich des berlafsenen
Mädchens angenommen und später auch ein Arrangement der zerrütteten Finanzen ihres Bruders veranlaßt hatte.
Die Generalin war weder eine weichherzige, noch eine freigebige Dame; sie hatte von dieser Verwandtschaft dritten Grades, die sie eigentlich nichts mehr anging, nichts wissen wollen und heute noch zürnte sie ein wenig dem Sohne,
Bortser über woulle der junge Wann noih
ein Stück Welt sehen und deshalb hatte er vor einigen Monaten eine Reise angetreten, nach deren Beendigung er einige Zeit bei seiner Mutter verbringen wollle.
Die Generalin erwartete die Rückkunft ihres Sohnes mit Ungeduld.
Sie hatte es sich in den Kopf gesetzt, daßdie schöne Gräfin Gallia eine passende Partie
Madchen halte um toinen leis der Winhha.
das Zugeständnis gemacht, daß es sich in dem Hause seiner Mutter tief unglücklich fühle.
„Nein, nein," versetzte sie daher ängstlich abwehrend,„es ist nichts,„die Aufregungen der letzten Zeit, die dieser freche Raub verursacht hat." Sie verstummte plötzlich— eine glühende Röte schoß in ihre Wangen.
Dia 3(Fortsetzung folgt.