Gratts-Beilage zum„Allgemeinen Anzeiger für Brakel“ und zur„Beverunger Zeitung“. Verlag von Emil Ruthe in Brakel. 2v. 2). (Nachdruck verboten.) Das geheimnisvolle Bild. Von H. Buttstaedt. (Fortsetzung.) Orin. „Bitten Sie Herrn Mosler, falls er zu Hause ist, sofort zu mir zu kommen,“ sagte er zu einem eintretenden Beamten. Nach einer Viertelstunde erschien ein mittelgroßer Mann im Zimmer, dessen behäbiges Vollmondsgesicht nicht gerade auf geistige Begabung schließen ließ. „Kommen Sie, Mosler, hier ist Graf Rebling, der Besitzer von Schloß Scharfeneck, dessen Sache Sie übernehmen sollen." Mosler machte eine tiefe Verbeugung, die der Graf mit einem leichten Kopfnicken erwiderte. „Nun also, lieber Mosler, Sie haben ja auch schon von den Ereignissen auf Scharfeneck vernommen?“ „Gewiß, Herr Rat, die ganze Stadt ist ja voll von den Spukgeschichten.“ Der Graf schnitt ein ärgerliches Gesicht und schlug mit der Faust auf die gepolsterte Lehne.„Die ganze Stadt scheint sich mit meinen Privatangelegenheiten zu beschäftigen.“ „Das ist in kleinen Städten nicht anders“ lachte Mosler,„man pflegt sich lieber mit fremden, als mit eigenen Angelegenheiten zu befassen.“ „Zur Sache, meine Herren,“ mahnte der Rat, dem Grafen eine von seinen Havannazigarren gebend „Wir wollen's so gemütlich wie möglich machen. Da, Mosler, nehmen Sie auch eine, Sie haben lange genug mit der Kiste geliebäugelt.“ Der Graf begann zu erzählen. Er holte weit aus und berichtete, daß schon zurzeit des Hauptmanns März hin und wieder von Poltergeistern gesprochen worden war. Der Hauptmann habe sich sogar etwas darauf eingebildet, weil er behauptete, daß nur in alten, historisch berühmten Gebäuden Spukereien vorkämen. Dann ging er zum Umtausch der Bilder über, beschrieb den Festabend genau und schloß mit der Erscheinung am Fenster. Der Graf war ein guter Erzähler und die beiden Herren lauschten mit Behagen. „Ausgezeichnet, Herr Graf. Ihr Vortrag war klar und übersichtlich, doch nun erlauben Sie, daß ich einige Fragen stelle, ich möchte mich über Ihr Personal ein wenig orientieren.“ „Selbstverständlich bin ich gern bereit, Ihnen Auskunft Aus der Ukraine. Die historische Krone des altukrainischen Fürsten und Danylo Romanowytsch, ein Geschenk des Papstes Innozentius IV. Mit dieser Krone ist Danylo im Jahre 1253 in Dorohitschyn(Podlachien) zum König von Kalitsch=Wladimir gekrönt worden. Die Krone war bis zum 2. Juni 1915 in der ukrainischen Kathedrale in Przemysl aufbewahrt und vor der Zurückeroberung dieser Festung durch deutsche Truppen haben die Russen diese Krone nach Petersburg verschleppt. zu erteilen. Ich fürchte nur, über meine Diener und sonstigen Hausgenossen wenig sagen zu können, alle sind schon lange in meinem Dienst und haben keine Veranlassung, in dieser Weise gegen mich vorzugehen.“ „Und wie ist es mit Scharfeneck, wohnt niemand im Schlößchen? Ein Kastellan oder dergleichen?" „Augenblicklich nicht, Herr Rat, ich habe den Diener, der darin wohnte, wieder nach der Villa zurücknehmen müssen, er wollte lieber den Dienst verlassen, als länger im Schlosse bleiben.“ „So kümmert sich jetzt also niemand um das neuerworbene Besitztum?“ fragte der Rat ziemlich verwundert. „O, doch, der alte Schöller, er wohnt im Torhäuschen an der Landstraße und ist verpflichtet, nach dem Rechten zu sehen." „Hat er die Schlüssel zum Schloß?“ „Nein, die sind in meiner Verwahrung.“ „Was ist der Mann?“ „Er war früher Schauspieler und wurde von meinem Vorgänger, dem Hauptmann März, als er infolge eines Theaterkrachs brotlos wurde, aus Mitleid im alten Torhäuschen aufgenommen.“ „Und sonst befindet sich niemand in der Umgebung des Schlosses?“ „Niemand, das nächste Haus außer meiner Villa ist die Bierwirtschaft zum Felsenkeller.“ „Gestatten Sie mir eine Frage,“ unterbrach der Detektiv das Gespräch.„Ich möchte etwas Näheres über diesen Schöller wissen. Wie kam es, daß er nach dem Tode des Hauptmanns bei Ihnen blieb? Waren seine Dienste so wertvoll?“ „Keineswegs,“ sagte der Graf mit wegwerfender Geste,„es wurde mir beim Kauf des Schlößchens die Bedingung gestellt, den Alten im Torhäuschen zu behalten; ich glaube, er ist dem Trunke ergeben, wenigstens habe ich meine Diener„ dergleichen munkeln hören. Außerdem scheint er sich auch mit Geistersehen zu beschäftigen.“ „Hat er Ihnen von Erscheinungen im Schloß berichtet?“ „Ja, aber nur auf mein Befragen,“ erwiderte der Graf. „Haben Sie das Schloß von dem alten oder jungen Herrn März gekauft?“ „Vom jungen Herrn.“ „Und dieser stellte die Bedingung?“ „Jawohl." „Wie ich hörte, hat Leutnant März ein großes Vermögen geerbt, hat er dem Alten nie angeboten, ihn in ein Stift einzukaufen oder ihm sonstwie eine Unterstützung zu gewähren?" 2 Amgang ganz nach ihrem Sinne, und es verging kaum ein Tag, an dem sie nicht mit den beiden zusammengetroffen wäre. Auch an jenem verhängnisvollen Abend war le mit Gräfin Gallia, deren Vater wieder in er Residenz weilte, im Konzert gewesen, hatte ann bei ihr soupiert und war deshalb so ußergewöhnlich spät nach Hause gekommen. Meta von Haupt hatte es abgeschlagen, die Bittor wures. der sich des berlafsenen Mädchens angenommen und später auch ein Arrangement der zerrütteten Finanzen ihres Bruders veranlaßt hatte. Die Generalin war weder eine weichherzige, noch eine freigebige Dame; sie hatte von dieser Verwandtschaft dritten Grades, die sie eigentlich nichts mehr anging, nichts wissen wollen und heute noch zürnte sie ein wenig dem Sohne, Bortser über woulle der junge Wann noih ein Stück Welt sehen und deshalb hatte er vor einigen Monaten eine Reise angetreten, nach deren Beendigung er einige Zeit bei seiner Mutter verbringen wollle. Die Generalin erwartete die Rückkunft ihres Sohnes mit Ungeduld. Sie hatte es sich in den Kopf gesetzt, daßdie schöne Gräfin Gallia eine passende Partie Madchen halte um toinen leis der Winhha. das Zugeständnis gemacht, daß es sich in dem Hause seiner Mutter tief unglücklich fühle. „Nein, nein," versetzte sie daher ängstlich abwehrend,„es ist nichts,„die Aufregungen der letzten Zeit, die dieser freche Raub verursacht hat." Sie verstummte plötzlich— eine glühende Röte schoß in ihre Wangen. Dia 3(Fortsetzung folgt. ( General von Bernhardi. (( „Das wohl,“ gab der Graf, etwas ungeduldig über das scharfe Verhör, zurück.„Schöller hat es aber, wie er mir selbst sagte, abgelehnt. Das Torhäuschen war ihm so lieb geworden, daß er sich nicht davon trennen mochte.“ „Nur noch eine Frage, Herr Graf, steht Schöller mit seinem Herrn noch in Verbindung?“ „Das weiß ich nicht, nehme aber an, daß es der Fall ist. Sie scheinen Verdacht auf den Alten zu haben, ich kann aber versichern, daß Sie damit auf dem Holzwege sind. Nur in einem Falle ist er schuldig, diesen möchte ich aber nicht in die Unterhaltung gezogen wissen.“ „Nun, Herr Graf,“ sagte der Rat fein,„eine solche Behauptung kann man niemals mit Gewißheit aufstellen, soweit mir die Verhältnisse bekannt sind, kennen Sie den Alten zu kurze Zeit, um sichere Schlüsse auf seinen Charakter ziehen zu können. Was hat er übrigens über das herabgestürzte Bild gesagt?“ „Gesagt,“ rief der Graf nachdenkend,„ja, zum Kuckuck, ich habe den alten Kerl seit jenem Abend nie wiedergesehen. Gleich nach der Katastrophe war er zum Gitter geeilt, um die Wagen der Gäste heraus zu lassen, an den folgenden Tagen hatte ich den Kopf so voll von anderen Sachen, daß ich seiner nicht mehr gedacht habe. Hm! Doch, das ist ja ohne jede Bedeutung.“ „Bitte, Herr Graf,“ sagte Mosler,„für uns ist nichts ohne Bedeutung, haben Sie sonst noch irgend welche Wahrnehmung gemacht?“ „Es mag nur eine Nachlässigkeit gewesen sein, als ich heute früh zum Schlosse ritt, kam ich durch Zufall auch am Torgebäude vorüber, ich gedachte einige Worte mit dem Alten zu sprechen, fand aber das Nest leer. Vielleicht hatte er einen Ausflug nach dem Felsenkeller gemacht. Sie können sich übrigens selbst davon überzeugen, daß der Alte mit den Spukereien nichts zu tun hat, ich werde ihn per Telephon herbeirufen.“ „Nein, nein, auf keinen Fall,“ rief der Rat,„ich empfehle Ihnen sogar dringend, nichts von Ihrem Besuch bei uns verlauten zu lassen, auch dem gnädigen Fräulein gegenüber, es ist durchaus notwendig, daß kein Mensch vom Eingreifen eine Ahnung hat.“ „Ich werde schweigen. Die Komtesse ist von meinem Schritt ohnehin nicht unterrichtet.“ „Das ist gut, denn Damen pflegen gern mit ihren Freundinnnen zu plaudern. Was meinen Sie, Mosler, wollen Sie heute abend schon mit den Operationen beginnen?" „Ich habe auch schon daran gedacht. Wir müssen eingreifen, ehe die Spitzbuben die Verfolger wittern.“ „Wollen Sie noch Hilfe haben, Mosler, es wird nötig sein, an einigen versteckten Punkten des Parks Beobachter aufzustellen.“ „Nichts dergleichen, Herr Rat, wenn ich bitten darf. Ich werde die Sache ganz allein machen, und denke damit fertig zu werden. Zur Ablösung morgen früh um acht Uhr werde ich meinen Kollegen Kamnitz bestellen. Wir werden abwechselnd die Wache auf Scharfeneck beziehen und es müßte doch mit dem Henker zugehen, wenn wir die Halunken nicht erwischten. Darf ich um die Schlüssel zum Schloß bitten?“ wendete er sich zum Grafen. Der Graf übergab sie ihm und empfahl, die hintere Tür des Schlosses zu benutzen. „Gewiß, Herr Graf.“ Mosler lächelte.„Ich hatte auch gar nicht die Absicht, durch das Hauptportal einzutreten.“ „Und nun,“ rief der Rat, aufstehend,„möchte ich nochmals um vollständige Geheimhaltung bitten. Am besten General Grünert. General von Eberhardt. General von Webern. Unsere siegreichen Heerführer im Westen. wäre es, Sie lüden heute abend noch ein paar Freunde ein, wenn die Fenster erleuchtet sind und die Gläser aneinanderklingen, gehen die Gauner am liebsten ihrem Handwerk nach.“ „Ihr Wunsch ist mir Befehl, ich werde schon einige Bekannte auftreiben, die mir diesen Abend die Ehre erweisen.“ Darauf empfahl er sich. 7. Kapitel. Kaum war der Graf zum Detektiv=Bureau abgefahren, als die Komtesse ans Fenster trat und das Gefährt mit den Augen verfolgte. Die Stirn an die Fensterscheiben gepreßt, stand sie lange Zeit in Nachdenken versunken. Ihr kleines Hündchen, das um sie herumtanzte, suchte vergeblich ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Endlich trat sie mit raschem Schritt, als ob sie einen Entschluß gefaßt habe, ins Zimmer zurück. Die auf ein Klingelzeichen erscheinende Zofe erhielt den Auftrag, ein Reitpferd vorführen zu lassen. Bald darauf ritt sie den zum Schlößchen führenden Weg hinab. Eine Zeitlang tummelte sie den Renner in den verschlungenen Pfaden des Parks, dann hielt sie am alten Torhaus an. Schöller stand- an der Tür, als ob er sie erwartet habe. Mit respektvoller Verbeugung half er ihr vom Pferde, dessen Zügel er an einem vor der Tür stehenden Pfahl befestigte Mit einladender Handbewegung forderte er die Angekommene zum Eintreten auf, folgte ihr aber nicht, sondern ließ sich außerhalb des Tores an einer grasbewachsenen Böschung nieder. Dann zog er eine kurze Pfeife aus der Tasche und begann, nachdem er sie mit großem Behagen gestopft und angezündet, lustig darauf los zu qualmen. Im Torhäuschen spielte sich unterdessen eine ganz andere Szene ab. Kaum, daß die Komtesse klopfenden Herzens das Zimmen betreten, fühlte sie sich von zwei kräftigen Armen umschlungen. Nach der Freude des ersten Wiedersehens machte sich die Komtesse aus den Armen des Geliebten frei und erklärte ihm, daß sie Ernstes mit ihm zu besprechen habe. „Ernstes,“ seufzte der Leutnant,„ich dachte mir wohl, daß mein Glück nicht von langer Dauer sei.“ „Was wir jetzt an Zeit opfern, wird uns später zugute kommen. Zuerst also das Wichtigste, wenn auch Unangenehmste: mein Vater ist mehr als entschlossen, sich meinen Wünschen entgegenzusetzen, ich habe heute früh eine Auseinandersetzung mit ihm gehabt, bei der er mir entschieden erklärte, auf keinen Fall nachgeben zu wollen.“ „Und Du?“ fragte Kurt in atemloser Spannung. „Ich," sagte das junge Mädchen,„ich erklärte ihm ebenso entschieden, daß ich Dir nun einmal mein Wort gegeben hätte und fest entschlossen sei, es auch zu halten.“ „Was erwiderte er hierauf?“ „Er drohte mit Enterbung, wie er immer tut, wenn er in Wut gerät, dann galoppierte er im Garten umher; sein alter Schimmel muß immer die Unarten seiner Tochter ausbaden.“ „Du bist also wirklich fest entschlossen, der Sache ein Ende zu machen?“ „Fest entschlossen. Aber, unsere Zeit ist knapp bemessen. Mein Vater ist nach der Stadt gefahren, wer weiß, wie lange er sich dort aufhält.“ „Möge er recht lange aufgehalten werden. Was ist es übrigens mit den lächerlichen Spukereien, von denen mir Schöller erzählte, meine Urgroßmutter soll dabei eine bedeutende Rolle gespielt haben?“ 9 diegetung die Rosten der Besolderung bis zur Verladestelle des Ortes, von dem die Kartoffeln mit der Bahn oder zu Wasser versandt werden, sowie die Kosten des Einladens daselbst ein. Münster i. W., den 4. Mai 1918. Provinzialkartoffelstelle für die Provinz Westfalen. I. B.: Graf von Merveldt. empfiehlt zu billigsten Preisen Anton Meyer, Brakel. Sauerkraut empfiehlt Paul Tilly, Brakel. wieder billigst am Lager. August Kleinschmidt, Brakel neu eingetroffen. Anton Meyer, Brakel. 11 C „Ach, die dummen Geschichten in Scharfeneck,“ lachte die Komtesse.„Mein Vater ist ganz außer sich und infolgedessen immer übler Laune. Obgleich ich ihm bewiesen habe daß alles ganz natürlich zugegangen ist, glaubt er doch in einem verborgenen Winkel seines Herzens noch immer an spukhafte Ereignisse und grämt sich über die Vernichtung seines Porträts. Er sieht eine üble Vorbedeutung darin.“ „Welche Einbildung,“ lachte Kurt, aber lassen wir den Spuk beiseite und beschäftigen wir uns mit unserm Glück. Ich habe viel, sehr viel darüber nachgedacht und mir manchen Plan zurechtgelegt. Bist Du entschlossen, mir zu vertrauen, und Du kannst es gewiß, so laß uns der Sache kurzerhand ein Ende bereiten. Du bist ja großjährig, so daß unserer Trauung nichts im Wege steht.“ Die Komtesse senkte ein wenig den Kopf und versuchte, ihre Fußspitze in eine Spalte der defekten Diele zu „Schöller,“ sagte Kurt, ihm die Hand reichend, auf meine Dankbarkeit rechnen, wenn bessere getreten sind.“ „Lieber, gnädiger Herr,“ sagte Schöller mit zerknirschter Miene,„glauben Sie mir wirklich dig zu sein?" „Du kannst Zeiten einernster, fast Dank schulzwangen. „Du denkst an Deinen Vater, Deine Verwandten und Freunde?“ „An die andern nicht, nur den Vater zu kränken, schmerzt mich tief, er hat mir meine Wünsche stets an den Augen abgesehen und nun vergelte ich ihm das alles auf solche Weise.“ Ich hoffe zuversichtlich, daß Dein Vater nicht unversöhnlich sein wird, wenn die Sache nicht mehr zu ändern ist, wenn er sieht, daß ich ein ganz anderer geworden bin....“ „Ein anderer, wirklich?“ sagte die Komtesse mit leuchtenden Augen. „Ganz gewiß,“ erwiderte Kurt, ihr beide Hände reichend,„Du sollst Dich überzeugen, daß ich mit Deiner Führung, und Du sollst mich führen, ganz so sein werde, wie Du mich haben willst und magst.“ „Ich glaub's ja auch, sonst würde ich das Abenteuer doch nicht wagen.“ „So wollen wir den morgigen Tag festsetzen längeres Zaudern? Ein anderes Mittel bleibt nicht übrig. Schöller meint, verbringen, damit ich von Zur Ginnahme von Passchendale. Zerstörte Straße in der flandrischen Stadt Passchendale. gefährliche Wozu uns doch ich solle die Nacht im Schlosse keinem Menschen gesehen werde Zur Ginnahme von Langemark. Die Trümmer einer zerschossenen Straße in Langemark. und nicht etwa den Verdacht Deines Vaters erwecke.“ „Im Schlosse?“ sagte die junge Gräfin erstaunt,„wie willst Du da hinein kommen? Es ist ja fest zugeschlossen und mein Vater verwahrt die Schlüssel.“ „Ich weiß es nicht. Schöller meint, er könne mich hineinschmuggeln.“ Schöller kam auf den Ruf des Leutnants. „Viel, sehr viel, mein guter Alter.“ „Dann kann die Rechnung gleich ausgeglichen werden, denn ich bin ein schlimmerer Schuldner, als Sie sich träumen lassen.“ „Aber Schöller, was redest Du da,“ lachte der Leutnant, ihm die Hand auf die Schulter legend. „Sie werden gleich anders von mir denken, Herr Leutnant.“ „Nun erzähle noch, daß Du ein Verbrecher bist, es hört sich gerade so an.“ „Gewissermaßen bin ich es auch, aber weniger an Ihnen, Herr Leutnant, als an dem gnädigen Fräulein und dem Herrn Grafen.“ „Jetzt rück endlich heraus.“ „Es ist am besten,“ begann Schöller, „ich schicke alles, was zu meinen Gunsten spricht, voraus und ende mit einem Geständnis: Damals, als Sie das Schloß verließen, um in die Fremde zu ziehen, hat es mich bis in das Innerste getroffen, daß Ihnen von Ihrem Erbe nichts übrig bleiben sollte, als die Erinnerung. Und als nun gar die große Erbschaft kam und mit ihr die Mittel, das alte Haus wieder in Stand zu setzen, saß ich tagelang und grübelte, auf welche Weise der Verkauf rückgängig zu machen sei. Daß es nicht auf legalem Wege geschehen konnte, sah ich bald genug ein Ich merkte, wie Sie sich um den Verlust grämten und kam auf den schlimmen Gedanken, dem Grafen das Schloß unleidlich zu machen.“ „Schöller,“ rief die junge Gräfin,„ist es wirklich wahr. Sie haben die Schurkereien im Schlosse verübt?“ „Leider, gnädiges Fräulein, ich sehe jetzt ein, daß mein Unterfangen ebenso unrecht wie zwecklos war.“ „Zwecklos vielleicht nicht, aber auch nicht ehrlich," sagte die Komteß.„Schöller, eine solche Hinterlist hätte ich Ihnen wirklich nicht zugetraut.“ Kurt war wie vom Donner gerührt und blickte verwirrt auf den alten Sünder. „Schöller, Schöller,“ zürnte er,„wie habe ich mich in Dir getäuscht, wie konntest Du mir solche Schande bereiten?“ Amgang ganz nach ihrem Sinne, und es verging taum ein Tag, an dem sie nicht mit den beiden zusammengetroffen wäre. Auch an jenem verhängnisvollen Abend war se mit Gräfin Gallia, deren Vater wieder in ser Residenz weilte, im Konzert gewesen, hatte ann bei ihr soupiert und war deshalb so ußergewöhnlich spät nach Hause gekommen. Meta von Haupt hatte es abgeschlagen, die Soin Biltor wares, der sich des berlassenen Mädchens angenommen und später auch ein Arrangement der zerrütteten Finanzen ihres Bruders veranlaßt hatte. Die Generalin war weder eine weichherzige, noch eine freigebige Dame; sie hatte von dieser Verwandtschaft dritten Grades, die sie eigentlich nichts mehr anging, nichts wissen wollen und heute noch zürnte sie ein wenig dem Sohne, Borher aber wollle der junge Mann noih ein Stück Welt sehen und deshalb hatte er vor einigen Monaten eine Reise angetreten, nach deren Beendigung er einige Zeit bei seiner Mutter verbringen wollte. Die Generalin erwartete die Rückkunft ihres Sohnes mit Ungeduld. Sie hatte es sich in den Kopf gesetzt, daß die schöne Gräfin Gallia eine passende Partie Müdchen Shate um keinen Wleis der Welt das Zugeständnis gemacht, daß es sich in dem Hause seiner Mutter tief unglücklich fühle. „Nein, nein," versetzte sie daher ängstlich abwehrend,„es ist nichts,„die Aufregungen der letzten Zeit, die dieser freche Raub verursacht hat.“ Sie verstummte plötzlich— eine glühende Röte schoß in ihre Wangen. Dia 3(Fortsetzung folgt. Da stand nun der arme, alte Kerl mit Tränen in den Augen. „Schöller, Sie sind wirklich ein genialer Mensch, ich würde Ihnen meine höchste Anerkennung nicht versagen, wenn Sie meinem Vater nicht so viel Aerger verursacht hätten, das aber kann ich Ihnen nicht so leicht verzeihen. Der Aermste ist ja wirklich schon mit dem Gedanken umgegangen, das Schloß zu verkaufen.“ „Wirklich?“ fragte Schöller, seinen Herrn mit leuchtenden Augen ansehend. „Ja, ja, Sie intriguanter Mensch sind zum Ziele gelangt und dabei beinahe über Leichen geschritten, das Bild hätte statt unser teures Porzellan auch einen Diener oder sonst jemand treffen können.“ „Nein, gnädiges Fräulein, ich habe mich wohl vorgesehen und die Zeit abgepaßt, als niemand bei der Kredenz stand.“ (Fortsetzung folgt.) Ueberglücklicht (Zum Fronleichnamstage.) (Nachdruck verboten.) das ist das für ein Leben in unseren katholischen Gotteshäusern! Himmel und Erde sind da nahe zusammengerückt, hier an dem Punkte, wo der eucharistische Gott, unser Heiland Jesus Christus, seine demütige Residenz aufgeschlagen, die Welt geheimnisvoll erobernd und erneuernd. Hier ist wirklich der Mittelpunkt unseres katholischen Lebens. Kaum wird, vor Sonnenaufgang noch, die Kirchentüre geöffnet, so sind auch die ersten Beter schon da: Das heilige Opfer des Neuen Bundes, die immerwährende, unblutige Erneuerung des Kreuzesopfers, beginnt. So geht es den Vormittag hindurch, und die Gläubigen lösen sich dabei ab, denn einen gnadenbringenderen Akt als das hl. Opfer gibt es nicht. Und bei jedem hl. Opfer nehmen Gläubige an dem hl. Mahle teil, zu ihrem eigenen größten Glücke, denn eine innigere Verbindung als zwischen der Speise und dem Genießenden gibt es nicht. Dann zieht des Heilands Gnade den ganzen Tag über Seelen in seine Nähe, Fromme voll heiliger Liebe, Bedrängte voll Nöten und Sorgen, Leidende voll Gebrechen und Schmerzen: alle suchen und finden bei ihm Hilfe, Trost und Erquickung. Feierliche Audienzstunden sind dann jene Augenblicke, wo das Sanktissimum ausgesetzt ist in strahlender Monstranz, umgeben von Weihrauchduft und brennenden Lichtern, anbetenden Engeln und gläubigen Menschenkindern, umjubelt von Orgeljauchzen und Psalmenliedern. Wie viel Segen mag in solchen Stunden von diesem Punkte des geheimnisvollen Wohnens Jesu über die Gemeinde der Gläubigen sich ergießen! Dann kommt der Abend. Manch Müdegearbeiteter tritt noch eben ein in die an seinem Heimweg gelegene Kirche, sich den Segen des Gottmenschen zu holen. Und begeben die Menschen sich zur Ruhe, ist das Gotteshaus geschlossen, dann beginnen unsere Orden ihre nächtliche Anbetung, bis der Morgen wieder graut und das Schauspiel des Vortages von neuem sich abspielt. So hat der Herr wahr gemacht, was er verheißen: „Siehe, die Wohnung Gottes bei den Menschen! Er will bei ihnen wohnen, sie werden sein Volk und er, Gott selbst mit ihnen, will ihr Gott sein.“ Wahrlich: Die Erd' ist zum Himmel geworden, Und wollt ihr's verstehn, So lüftet der Hostie den Schleier: Ihr werdet es sehin.... Denn was den Himmel macht schön, Hat auch die Erde erhalten. „Das katholische Dogma von der persönlichen Gegenwart Christi im heiligen Abendmahl muß schon deswegen wahr sein, weil Gott sonst weniger Liebe und Herablassung hätte, als Menschengedanken sich gedacht haben, folglich Gott, der nach dem biblischen Ausdruck die Liebe ist, kleiner wäre, als das Gebilde unserer Phantasie.“ So Alban Stolz. Und wirklich, was wäre unser Christenleben ohne dieses heilige Sakrament? Das Christentum ist Glauben, Lieben und Tugend üben. Gewiß, der Glaube bliebe uns auch ohne Altarsakrament, aber was wollte uns da Leuchte sein? Auch ohne das Allerheiligste würde unsere Liebe zum Heiland groß sein; aber was wollte ihr Feuer bringen und Glut, wenn sie im Alltagsleben erkaltet? Gottes Wille müßte uns genügen, nur das Gute zu tun; aber woher Kraft schöpfen zu dem schweren, oft lebenslang dauernden Ringen zwischen dem Natürlichen und dem Uebernatürlichen in uns, wenn nicht Gott der Herr selber zu Hilfe eilt mit dem„Brote der Starken“? Nein, ohne Altarsakrament wäre unser Leben hienieden ein schweres, fast aussichtsloses Ringen um den Himmel; und im Jenseits?„Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht essen und sein Blut nicht trinken werdet, werdet ihr in das Leben nicht eingehen.“ Wer will es uns deshalb verargen, wenn wir am Fronleichnamstage aufjubeln in diesem Glück? Wenn das Gotteshaus uns zu enge wird und wir im Triumph das Sanktissimum hinaustragen, damit alle Welt es sehe, wie glücklich uns diese Tatsachen machen: Jesus ist in unserer Mitte— jahrein, jahraus— bei Tag und bei Nacht— zu ihm eilen können— ihn empfangen dürfen, so oft das Herz es begehrt! O, freue dich, Christenheit, freue dich heute! Jubele, denn du bist glücklich! Laßt, Christen, hoch den Jubel schallen.... S. Rösselsprung. Rettenrätsel. Berg, Weg, Wand, Rand, Schmuck, Tür, Hof, Schatf, Herr, Schrank, Stein, Heim, Schloß, Mann, Holz. Aus obigen 15 einsilbigen Worten sollen 15 zweisilbige gebildet werden, sodaß die Schlußsilbe jeden Wortes die Anfangssilbe des nächsten bildet. Die ersten zwei schenkt uns ein Tier, Wie Zucker süß sie schmecken Dir. Die dritte kannst des Nachts Du sehn, Wenn's heiter ist, am Himmel stehn. Das Ganze nennt Dir eine Zeit Im Leben, voller Süßigkeit. Rätsel. In 1, 2(auf lateinisch) ich Beim Schreiben mich befinde, 2, 3 im schönen Süden liegt, Umweht von mildem Winde. 3, 4 und 5 der Maler sucht Als Grund zu einem Bilde. Das Ganze uns nach 2, 3 bringt In südliche Gefilde. Auflösung der Rätsel in nächster Nummer. Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer: Silbenrätsel: Hoangho, Assiago, Nitrat, Dieb, Erkner, Lupine, Sodom, Ukraine, Berlin.— Handels=U=Boot Bremen. Scherzaufgabe: Stör— Storch. Verierbild: Bild auf den Kopf stellen, dann am unteren Rande der Felstrümmer. Nachdruck aus dem Inhalte dieses Blattes verboten.— Redigiert unter Verantwortlichkeit des Herausgebers. Herausgeber und Drucker: Chr. Münstermann in Gelsenkirchen. 9 Die Hochstpreise gelten sur den Berlauf durch den Erzeuger, sie schließen, vorbehaltlich anderweiter Regelung die Kosten der Beförderung bis zur Verladestelle des Ortes, von dem die Kartoffeln mit der Bahn oder zu Wasser versandt werden, sowie die Kosten des Einladens daselbst ein. Münster i. W., den 4. Mai 1918. Provinzialkartoffelstelle für die Provinz Westfalen. J. V.: Graf von Merveldt. in allen empfiehlt zu billigsten Preisen Anton Meyer, Brakel. empfiehlt Paul Tilly, Brakel. Vertreter in Brakel Kr. Höxter: Generalagent Anton Bordfeld. Waffeleisen wieder billigst am Lager. August Kleinschmidt, Brakel. Eggenzinken neu eingetroffen. Anton Meyer, Brakel.