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den 2. Juni 1923

1.

er vom

Kahlen Asenberg

Monatsbeilage zur Sauerländer Zeitung

Druck und Verlag von Hans Albrecht, Brilon.

Glockentracht.

Es steht manches Kirchlein im Lande, von dem es schwer zu sagen wäre, wie es an seinen Heiligen gelangt ist. Um Rummershude, einen Weiler im Walde, dagegen ist es ein Leichtes, die Kapelle mit Sankt Christophorus darin auf seinen Tag zurückzuführen, wenn auf die Chronika einiger­maßen Verlaß ist. Darin steht gleich anfangs von einer großen Wasserflut berichtet, die zur Zeit der Schneeschmelze von den Bergen in die Täler geschossen kam. Den ehrsamen Rummershudern spülte sie die Treppensteine vor ihren Häu­sern gründlich blank, obschon solches gerade nicht sehr nötig gewesen wäre; denn es war an einem Sonntag, und die Frauensleute hatten sich am Abend vorher die gleiche Arbeit gemacht. Ueber die Treppen hinweg reichte das Wasser bald bis durch die Türen und von dort in die Stuben und Ställe, dann aber war ihm dieser Weg zu ausgetreten: es stieg kurzerhand durch die Fenster. Nun hätte es lustig sein können, wenn es micht toternst gewesen wäre; denn es wim­merte das Kind in der schwimmenden Wiege, und es brüllte

das Vieh und riß an den Ketten. Immer höher stieg das

Wasser und wäre den Rummershudern schlecht zu schmecken gekommen, wenn nicht einer von ihnen, da er über die Flut hinspähte, plötzlich an Sankt Christopherus gedacht hätte. Er ging also den großen Wassermann um seine Hilfe an und gelobte ihm eine Kapelle mit seinem Standbild darin für die Befreiung aus dieser Gefahr. In der Tat schien auch bald darauf das Wasser zu stehn, und da bedachte

sich denn der fromme Mann, daß er doch nicht eigentlich allein den Bau auf sich nehmen könne. Er suchte darum von

seinem Fenster aus, so gut es bei dem Wellengang gelingen wollte, den Nachbarn zur Teilnahme an dem Gelöbnis zu

gewinnen. Der gab es gleichfalls weiter, der dritte tat mit lufen und Winken dasselbe. So verständigten sich die be­drängten Rummershuder an diesem Morgen und verpflichteten lich durch ein feierliches Gelübde für die Kapelle des heiligen Christophorus. Bald darauf sank das Wasser zusehends, um dann in der Nacht wie ein geschlagenes Heer in seine alten Stellungen zurückzuweichen.

Die Rummershuder aber fingen den Bau des Kirchleins an, wie sie versprochen hatten; nach kurzer Frist schon stand es vollends da, nicht eben sonderlich kunstvoll, aber recht und schlecht nach ihrer Art. Einem wandernden Bildhauer, der sich im Walde verirrt hatte, übertrugen sie es, ihren hei­lige­ etter in Stein zu hauen und am Pfeiler recht mitten im Kirchlein aufzustellen. Bald war es geschehen, und nun stand er dort groß und gewaltig und über alles Menschen­werk hinausgewachsen mit vorgebeugten Schultern, als müsse er das ganze Dachwerk tragen, wie er zu Lebzeiten das Christkind getragen hatte. Indessen zu ruhiger Rast schien der himmlische Riese, entgegen den Gepflogenheiten sonstiger Kirchenheiligen, nicht an seinem Pfeiler verweilen zu wollen, wenn solches aus seinem Gewand zu schließen war, das er gerafft hielt, als müsse er gleich wieder stehenden Fußes durch ein mannestiefes Wasser waten oder weite Wege wandern.

In der Tat erwies es sich auch bald schon als begründet, wvon seiner steinernen Ruhe auf dem Postament nicht zuviel zu erhoffen In der ersten Frühlingszeit nämlich, da die Bäche rauschend zu Tale drängten und die wanderweite Welt durch die eisengegitterten Fenster lockte, kam ihn die alte Sehnsucht nach dem Laufen und Traben seiner einstigen Erden­

Die Rummershuder sahen in diesen Tagen zu ihrem Erstaunen, wie er ab und zu die Füße hob, als wolle er versuchen, ob sie nicht steif geworden, sondern noch tauglich zu einem guten Marsche waren. Ob dieses sonderlichen Ge­barens hatten sie ein Auge auf ihn, trotzdem sahen sie sich eines Morgens in der Karwoche überlistet; denn der Heilige war von seinem Pfeiler verschwunden, und es war leer in der Kirche, wie in dem Nest, das der Vogel verlassen hat.

Wenngleich sie auch an seinen Füßen längst gemerkt hatten, daß ihm das Reisefieber darin saß, so hätten sie doch nicht geglaubt, daß er sich auf diese Art empfehlen und sie im Zweifel über sein Verbleiben lassen würde. Nun war ein Rohlenbrenner zu später Nacht aus dem Walde heimgekom­men, der vermeinte gesehen zu haben, wie einer im ge­waltigen Ausschreiten an ihm vorbeigeeilt sei in der Richtung der Mittagssonne zu. Leicht hätte es der Heilige sein mögen, da er von mächtigem Körperwuchs gewesen sei. Es habe ihm

aber geschienen, als schleppe er etwas auf seinen Schultern,

a hr zu onter. Keitem de Melkerinnen sommer­

die Eimer. Nun waren gerade die Tage wo die

Glocken nach Rom müssen, um sich vom Papst der Ehristenheit für das neue Jahr segnen zu lassen, daß sie mit ihren Schwin­gen die bösen Geister der Luft fern halten von den Menschen. Darum und weil ihn der Kohlenbrenner also beladen gesehen haben wollte, kamen die Rummershuder auf den Gedanken, ob nicht etwa Sankt Christoffer die Glocken nach Rom trüge. Wenn es richtig darum war, würde er nach seiner Zeit zurück­kommen. Sie warteten also die Kartage, und es war auch nichts von seiner Rückkehr zu verspüren. In der Östernacht aber, da es schon gegen Morgen anging, wurden sie in ihren Kammern wach von einem sonderbaren Klingen, das über die Felder hergetragen schien und immer näher kam. Wer schnell ans Fenster sprang, sah noch, wie der heilige Wanders­mann tatsächlich mit seiner Glockenlast dahereilte, aber nur mit einem Blick sah er ihn, dann war er schon wieder in der

Kapelle verschwunden. Gleich hernach erllang du de elaute und lud zur Östermesse ein wie alle Feiertage. Darinnen aber an seinem Pfeiler stand der große Heilige in steinerner Sühe, als sei er keinen Herzschlag von dort verschwunden gewesen.

sich ds ganze lange Jahr stand er so und regte und rührte lag nicht. Als es indessen wiederum Frühling wurde, überkam cyn abermals die Unrast. Ehe sie es sich versahen, war er wieder verschwunden und kam auch richtig erst in der Oster­nacht mit den Glocken heim. Da es auch das dritte Jahr also ging, wußten sie, was es mit ihm war. Er konnte die alte Wandersucht seiner heidnischen Zeit nicht unterdrücken; nun er aber der große heilige Christ geworden, stellte er sie und seine breiten Schultern in den frommen Dienst und trug alle Jahre die Glocken nach Rom.

Dagegen hätten nun gewißlich die ehrsamen Rummers­

e ae e en gen gern die fromme Fahrt. Indessen bald schon regte n ihnen das Mitleid, wie sie dachten, daß er in dem igen Gewande aus seiner Wasserzeit die weite Reise Alpenkälte und Bergfrische zu machen hatte. Sie be­zllossen daher, daß sie dem Heiligen für seine Wanderung rechtschaffenen Kittel, wie sie ihn selber trugen, zur Serfügung stellen wollten. Es ergaben sich jedoch Schwierig­

Obige Erzählung entnehmen wir mit Erlaubnis des Ferlags Josef Kösel u. Friedrich Pustet, K. G., München, Perlagsabteilung, Kempten, dem reizenden Legendenbuch un­tes westfälischen Landmannes Heinrich Luhmann, Die in Holzschuhen.

keiten, weil der Meister Schneider, dem er in Arbeit gegeben werden sollte, sich nicht daran wagte, da er bislang noch keinen Heiligen in seiner Kundschaft gehabt hatte. Da jedoch über allem bereits der letzte Abend vor seiner gewohnten Ausfahrt gekommen und kein Zögern mehr statthaft war, legten sie dem Heiligen kurz entschlossen die sieben Ellen des rohen Leinens vor die Füße in der festen Zuversicht, daß schon ein Kittel daraus entstehen würde. Der Küster, der in der Nacht durch die Türspalte lugte, wollte gesehen haben, wie die heilige Jungfrau Barbara und die fromme Anna, deren Bildnisse an der Wand hängen, aus ihrem Rahmen gestiegen und mit Nadel und Zwirn an der Arbeit gewesen seien Jedenfalls steckte Sankt Christophorus diesmal wärm­lich in einem blauleinenen Kittel, als er gegen Morgen seinen Lauf begann.

Bei seiner Rückkehr aber geschah etwas, was eigentlich nicht im Plane der Rummershuder gestanden hatte. Bis zum Dorfeingang nämlich trug er seinen Kittel, dann aber streifte er ihn ab, warf ihn der ärmsten Dorfwittfrau über den Gartenzaun zu und bedeutete ihr, sie möge ihn für ihre Kinder verwenden, er reiche für viere. Auf solche Wohltätig­keitsäußerungen waren sie in Rummershude nicht gefaßt ge­wesen, vielmehr hatten sie gedacht, sein Kittel möge manches Jahr ausreichen. Es blieb ihnen also nichts übrig, als ihm für die nächste Frühjahrsreise einen neuen zu verschaffen, mit dem er aber nach seiner Heimkehr gleich verfuhr. Da sahen sie denn ein, daß er aus dem Schenken ein Gewerbe machen wollte; weil es indessen um die Dorfehre ging, sparten sie nicht, sondern legten ihm nach wie vor die sieben Ellen hin, die er treulich auf seinen Wegen umhing, dann aber ebenso treulich der ärmsten Armen zur weiteren Nutznießung zu­kommen ließ.

Bei diesem Handel blieb es manches gute Jahr; als aber das alte Geschlecht verstorben und ein neues herangewachsen war, das von Wassernöten noch nichts erfahren hatte, glaubte man, der Gemeindesäckel würde durch die Ausgaben für den ewigen Kittel zu sehr in Mitleidenschaft gezogen werden. Es wurde daher beraten, wie man sich der Verpflichtung am besten entziehen könnte. Nun hatte gerade damals in Rum­mershude der löbliche Stand der Junggesellen besonders zahl­reiche Mitglieder. Auf diese verfielen die hohen Gemeinde­väter nach langem Sinnen. Sie bestimmten nämlich, daß allemal der älteste von ihnen als eine Art Buße für sein Wohlleben dem heiligen Christophorus die sieben Ellen Leinen zu liefern habe. So lange müsse er diese Steuer entrichten, bis er sich zur Ehe bequemen würde. Also wurde es denn auch gehandhabt. Dem Heiligen schien es gleich zu sein, daß seine Lieferanten gewechselt hatten; er enthielt sich jeder Aeußerung und schaute in immer gleichmäßiger Güte auf alle hernieder, ob sie nun ledig gingen oder das Joch der Ehe trugen.

Die ersten Jahre nahmen die von der Genossenschaft der Unbeweibten die Sache von der lustigen Seite und opfer­ten bereitwilligst ihre sieben Ellen; allgemach aber wendete sich das Blättchen. In jener Gegend war nämlich die Be­schaffung eines guten Stückes Linnen, wie es sich für den Heiligen geziemte, nicht gerade leicht, da auf dem steinigen Berggrund der Flachs nicht gedieh. Wer daher eine Zeit dem heiligen Christoffer verpflichtet gewesen war, sah bald ein, daß es immerhin eine angenehmere Sache sein müsse, einem blonden Mädchenzopf nachzulaufen als einem blau­leinenen Kittel. Das aber war schon das Ende; denn der Mädchenzopf führte die meisten geradewegs ins Land der Ehe, und da gab es andere Dinge, als für den steinernen Mann am Kirchenpfeiler zu sorgen.

Während also auf dieser Art keiner lange in der Kund­schaft des Heiligen verblieb, fügte es sich doch einmal, daß er einen Dauerlieferanten gefunden zu haben schien, und zwar in Gestalt des Kaspars Kord, zubenannt der Unterste. Damit hatte es dieses Bewandnis: Der Kaspar Kord betrieb in der hellen Aar eine Wassermühle, und außerdem trieb er einen Esel, der ihm das Korn beisammenholte. Es war indessen nicht weit her, und eine gute Zeit im Jahre gingen Rad und Esel umsonst. Da ihr Herr da nichts Besseres zu tun hatte, lehnte er sich auf die Halbtür und besah sich die Welt von dort aus. Nun hatte er von seinem Vater außer der Mühle und dem Grauen noch einen ansehnlichen Rücken­höcker geerbt, der durch die löbliche Beschäftigung über der Tür nicht gerade dünner wurde. Alles andere seines Körpers war leidlich geraten, insonderheit die vordere Front wies keinerlei nennenswerte Mängel auf. Nun hatte der Mühlen­kaspar ein Weib ins Haus nötig; da er indessen keine ein­seitige Politik treiben wollte, sondern auch mit seiner Rücken­ansicht rechnete, bildete er sich mit der Zeit ein, er dürfe es niemals wagen; denn wer sollte solch krummbuckliges Häuflein Elend, wie er es doch nach seiner eigenen Erkenntnis war, zum Manne begehren? Auf solche Art wuchs sein Höcken in seinen Gedanken zum Kirchturm aus, und er war es auch schuld, daß sein Träger Jahr um Jahr treu im Dienste des heiligen Christophorus blieb und die beste Aussicht hatte, bis an sein Lebensende darin zu verharren.

Indessen, es kam doch anders. Als nämlich der Kaspar 5ie„ Dereits seine neun Jahre pünktlich und ohne Murren sebunhen. Elle.. geliefert hatte und gerade in der schönsten insofern. lging bei ihm eine große Veränderung vor sich

e M a. eme Ansichten über seine Tauglichleit zur Ehe

eine Wandlung erfuhren. Um diese Zeit war gerade eine Muhme, di. iym bislang sein bescheidenes Haus geführt hatte,

z Sir mühle seinen Brei alleine rühren. Dazu

ande, im dae dieler Fri der Flachs ausnehmend shlecht imn von eloedes e ies, das Linnen im Preise, daß er es 2 von se g Maylgelde erschwingen konnte. Diese äube­so daß er den Senaten das Kasperlein mehr als sein Höcker,

er de darunter mehr und mehr zu vergessen shsen. Und jetzt dachte er sich über seine Türe aus, daß es vielleicht doch noch angangig wäre, auf natürliche Weise von der Kundenliste des Heiligen gestrichen und dafür auf die der Ehestandsanwärter gesetzt zu werden. Freilich, so vermessen war er auch jetzt noch nicht, daß er auch nur in Gedanken wagte, auf ein junges, fehlerloses Mädchen zu hoffen. Viel­mehr glaubte er, daß es nur eine sein könnte, die entweder gleichfalls mit einem Höcker ging oder etwa an einem Holz­bein schleppte oder mit Blattern geschlagen war. Nur von einem solchen Muster von Schönheit versprach sich der Kaspar Kord etwas, und danach hielt er denn auch fleißig Umschau.

Wie es nun aber das Schicksal wollte, waren gerade in jener Zeit die Mädchen von Rummershude und Umgegend alle wohlgebildet am Leibe und schön von Angesicht. Nur zmei von ihnen kamen den Anforderungen des sonderlichen Freiers in etwa nach, und davon war die eine noch Wittfrau, von der es als erwiesen galt, daß sie ihren Mann in ein frühes Grab gebracht hatte. Außerdem hielt man davon. daß sie Haare auf den Zähnen habe; die auf ihrem Haupte waren jedenfalls von einer lieblichen Röte. Als zweite kam für den Kaspar Kord eine Weißnäherin in engere Wahl, die zwar von den gewünschten Häßlichkeiten keine, dafür aber ein lebendiges Angebinde menschlicher Schwachheir in die Ehe

gebracht hätte, das alles Fehlende ersetzte. Schon wollte der Müller straas in sein Verderben hinein heiraten, als plötzlich

und gerade rechtzeitig ein anderer Wind wehte.

Den hatten nun eigentlich auch hier zwei Mädchenzöpfe hergetrieben, und das ging so zu: Durch seine Beziehungen zu dem Rummershuder Pfeilermann war der Kaspar Kord in Freundschaft mit dem Kirchenküster gekommen. Dieser be­trieb als Hauptgeschäft den ehrsamen Beruf eines Korb­flechters, bei welcher Arbeit er es aber ebensowenig zu Reichtum brachte wie der Müller bei der seinen, zumal er noch ein Weib und fünf Kinder zu versorgen gehabt hatte. Nun legte sich eines Tages die Küstersfrau hin und drohte allen Ernstes, nicht wieder aufzustehen. Der Meister Körber ging zwar mit aller Kraft dagegen an, und auch der Untersten Kaspar legte sich ins Mittel, indem er herbeischleppte, was er in seinem verwahrlosten Hausstande nur auftreiben konnte: ein Päckchen Mehl, ein verlorenes Ei, eine Schürze Wintererbsen. Die beiden brachten aber das kranke Weibslein nicht wieder auf die Beine, und daher rie fder Vater Küster seine Aelteste, die Eve, die bereits anderweitig in Diensten stand, nach Hause. Die war es nun eben gerade, die das Mühlenkasparlein von seinem Unglückssprung, zu dem er schon die Knie gebeugt hatte, zurückhielt. Sie war nämlich in der Fremde ein aus­nehmend schönes Menschenkind geworden und hatte auch das Herz auf dem rechten Fleck sitzen, wie es sich noch erweisen sollte.

Das erste nun, was sich für den Untersten Kaspar hieraus ergab, war die Einsicht, daß er wohl besser täte, die Witt­frau und die Näherin andern zu überlassen. Zum Zweiten entstand in seinem Herzen eine große Liebe zu der Eve. Und zum Dritten wuchs in seinen Gedanken der zusammenge­schrupfte Höcker auf seinen Schultern kräftig weiter und war bald über die Kirchturmhöhe hinaus. Ganz im Gegenteil dazu wurde sein Mut kleiner und kleiner, und damit verschwand wieder alle Aussicht, vom Heiligen Christophorus las= und an ein Weib zu kommen; denn ehe er es der Eve gesagt hätte, eher wurde sein Rücken über Nacht gerade wie ein Wachslicht,

Ueber all diesem war es wieder österlich geworden, und der Müller mußte sich um seine sieben Ellen bemühen. Nun hatte ihn die Liebe nicht gerade eifriger im Dienste des Heiligen gemacht, und zudem waren gerade dieses Jahr die Silbertaler für das Linnen bei ihm spärlicher als je vorhanden. Schon das letzte Mal hatte es nicht für die alte Güte gereicht, und er mußte ein schlechteres erhandeln. Als er sich aber jetzt ans Zählen gab, erwies es sich, daß es auch für das dünnste Leinengespinst nicht reichte, es mußte schon ein Nesselstoff sein. Darüber bekam der Kaspar Kord keine sonderlichen Ge­wissensbisse, denn er sagte sich, es biete sich ihm jetzt vielleicht die Möglichkeit, auf natürliche Weise von der Lieferung befreit zu werden, indem er durch schlechte Bedienung bewirke, daß der steinerne Mann seiner überdrüssig wurde und selbst für Ablösung sorgte. Er erstand also den durchsichtigsten Nessel, obschon es für einen besseren gelangt hätte, und brachte ihn dem Heiligen. Begierlich, was werden möge, drückte er sich am Östermorgen hinter den Pfeiler auf die Kniebank und sah mit Herzklopfen zu dem Gewaltigen auf. Der aber stand in feierlicher Würde dort; es war ihm nichts anzumerken, und seine Augen schauten in der alten Fröhlichkeit hernieder auf Gerechte und Sünder. Von diesem Ausgang war nun der Kaspar Kord zunächst wenig befriedigt; dann aber folgerte er daraus, er müsse wohl oder übel das nächste Jahr deutlicher werden.

Vorläufig aber setzte er seine Besuche in dem Küsterhause fort und schleppte alles, was der Kranken nur halbwegs zu­träglich und von ihm ohne Rauben und Plündern zu erreichen war, herbei. Diese Beschäftigung und die Nähe der schönen Eve waren nun nicht gerade geeigner, seine Liebe zu ertöten Im Gegenteil, sie wurde von Tag zu Tag größer! Mit ihr wuchs aber auch der unglückselige Höcker, und gerade als die Küstersfrau wieder zurecht und außer Gefahr war, hatte der Höcker die Höhe des Babylonischen Turmes erreicht, die Liebe aber ging noch darüber hinaus. Da faßte sich der Kaspar Kord ein Herz, und von der Stunde an— mied er das Haus seines Glückes und Schmerzes wie der Dieb den Galgen.

Es zeigte sich aber bald, daß diese gänzlich unerwartet­Wendung der Dinge nicht bloß auf den Meister Körber und sein Weib, sondern auch auf die Eve von Einfluß war, und gerade auf sie. Zunächst befiel sie eine große Einsamkeit unter den Alten, dann kam ihr die Erkenntnis, daß der Kaspar Kord eigentlich der beste Kerl der Welt sei; darauf erging sie sich in Betrachtungen über Einäugige, Stelzbeine und bucklige Mannsbilder; endlich stellte sie fest, daß solcherlei Gebrestige ein gutes Weib nötig hätten, ja gerabe vom lieben Gott zugewiesen verdienten. Damit befand sie sich im geraden Gegensatze zu den ehelichen Ansichten des Untersten Kaspars, und auch sonst war dieser Weg gefährlich; denn als sie sich richtig bedachte, wußte sie denn, daß sie den Kaspar Kord gründlich liebte.

Diese Einsicht schreckte sie indessen durchaus nicht, viel­mehr erkannte sie, wenn es schon so sei, daß dann auch etwas in der Sache geschehen müsse, zumal ihr auch mittlerweile klar geworden war, warum der Müller sich nicht mehr blicken ließ. Es war aber keineswegs leicht, in den Gang der Dinge einzugreifen, insonderheit nicht, weil der Hauptbeteiligte sich völlig abseits hielt und sich hinter seinem Höcker versteckte. Obschon sie es an Klugheit nicht fehlen ließ, sah sie doch bald ein, daß sie ihm mit ihren menschlichen Kräften nicht bei­kommen konnte. Nun hatte sie als Nachbarkind von Jugend an ein gutes Verhältnis zu dem heiligen Pfeilermann gehabt: auf ihn nun, der gleichfalls durch ein längeres Verweilen des Kasparleins in der Zunft der Junggesellen arg beschädigt würde, setzte sie ihre letzte Hoffnung. Sie hatte manche Abend­stunde vor seinem Bilde zu tun, und von diesen heiligen Verhandlungen kehrte sie allemal heim mit einem heimlichen Schalk in den Augen.

Auch dem Kasparlein war bei allem der Schalk noch nicht völlig abhanden gekommen. Abhanden gekommen war ihm vorerst nur sein Esel. Er hatte ihn nämlich verkaufen müssen, weil seine unglückliche Liebe ihn immer länger auf der Türe verharren ließ. Unter diesen Umständen war sein Geldsäckel nicht gerade straffer geworden, daher erwies es sich dieses Jahr als gänzlich ausgeschlossen, dem Heiligen am Pfeiler den Pflichtkittel zu liefern; selbst für das allerschlechteste aus Nesselfasern hätte es diesmal nicht gereicht. Darüber verspürt­der Untersten Kaspar abermals keinerlei Gewissensbisse Im Gegenteil, nun schien es ihm an der Zeit, zu seiner Erlösung das Letzte zu wagen. zu seiner endgültigen

Es war dies aber nichts anderes als ahan alter leinener Müllerkittel, der einmal won Nat egeigene wesen, durch die Jahre dann grün. letthin nam a 9

meiß gemorden mar und 2 letzthin vom

deln vor dis Fiber. unchte gute Reise und empfahl sick: Abschiedege benfmune Sankt Christophorus ihm nun

seine Raifanindessen noch jemand anders an diesem Abenog seine Reisewünsche zu überbringen, und das war die Eve. Ell der Mummershuder Chronik steht es leider nicht be­