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Erscheint Dienstag, Donnerstag und Sonnabend mit einer Landwirtschaftlichen Beilage(14tägig). Bezugspreis in der Stadt Höxter vierteljährlich 1 Mark frei ins Haus, durch die Post bezogen 1.24 Mark mit Zustellungsgebühr. Verantwortlicher Redakteur: L. Flotho, Höxter. Druck und Verlag von C. D. Flotho, Höxter.
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für den Kreis Höxter.
Wochenblatt für die Kreise Höxter, Paderborn, Warburg, Büren.
32. Jahrgang.
Höxter, Donnerstag, den 26. Februar 1914
Sozialdemokratie und Landwirte.
Die Berliner große Landwirtschaftswoche hat den tiefen Haß, den die Sozialdemokratie den deutschen Landwirten entgegenbringt, wieder einmal in abstoßendster Form offenbart. Der„Vorwärts“ begrüßte den Bund der Landwirte mit einem Artikel, der an Niedrigkeit des Tones und der Gesinnung schwer zu überbieten ist; er sprach von der„durch und durch brutalen Sippe", die dem Banner der Landwirtsbündler folge, die Kunst, Kultur, Bildung und Wissenschaft als Mumpitz und den Mist als das einzig Wahre betrachte, und schloß mit den Worten:„Die auszuwuchernden und auszuhungernden Massen, unter dem roten Banner des Sozialismus, werden auch den Barbarenhorden entgegenzutreten, wissen, die unter der grünen Fahne des Agrarierbundes heranrücken, um, was es noch an Kultur und Freiheit gibt in Deutschland, mit ihren Mistgabeln zu zerfetzen und mit ihren Schmierstiefeln zu zertrampeln." An anderer Stelle sprach der„Vorwärts" vom Auftreten„dieser dicken Landleute", die„den Sekt am liebsten aus Weißbiergläsern saufen", vom„Schwall ihrer feisten politischen Reden", von ihren„roten dicken Gesichtern mit den kleinen Tümpelaugen". Und in der sozialdemokratischen Provinzpresse klingt der Ton nach, den das führende Organ der Partei angibt.
Wenn die Sozialdemokratie auf solche Anpöbelungen festgenagelt wird, pflegt sie sich mit Vorliebe hinter die Ausrede zurückzuziehen, alles das gelte nur den„Junkern", und bringt es womöglich sogar fertig, mit ihrem Dr. Südekum zu behaupten, sie habe den Bauern stets freundlich gegenübergestanden. Es ist an der Zeit, dem gegenüber wieder einmal an einige markante Aussprüche sozialdemokratischer Führer zu erinnern, die zeigen, wie die Umstürzler gerade auch über die kleineren Landwirte denken. Bebel hat auf einem Parteitäge unter Bezugnahme auf christliche Bauernvereine erklärt, es gäbe keine egoistischere, rücksichtslosere, brutalere, aber keine borniertere Klasse als unsere Agrarier; bei einer anderen Gelegenheit sagte er, die Rücksicht auf die Bauern und ähnlich rückständige Elemente dürfe die Sozialdemokratie nicht bestimmen:„Jhre(der Bauern) Vorurteile, ihre Unwissenheit, ihre Beschränktheit dürfen uns nicht veranlassen, von unsern Prinzipien etwas nachzulassen." Wohin diese Prinzipien zielen, hat ein nicht weniger bekannter Führer, Liebknecht der Aeltere, offenbar gemacht, der die Vernichtung des Bauernstandes durch eine unbehinderte amerikanische Konkurrenz als wünschenswert bezeichnete, denn das amerikanische Getreide enteigne den Bauern, es stoße ihn ins Proletariat hinab und wandle ihn aus einem Verteidiger zu einem Feind der gegenwärtigen Ordnung. Ein Gedanke, den ähnlich auch Kautsky und Fischer ausgedrückt haben, letzterer mit den Worten:„Die Sozialdemokratie kann den Bauer erst gewinnen, wenn er von seinem Eigentum losgelöst und bankeroit gemacht ist."
Solche Beispiele ließen sich mit leichter Mühe vervielfachen. Sie stimmen durchaus zu den eingangs erwähnten Rüpeleien des „Vorwärts", sie zeigen das wahre Gesicht der Sozialdemokratie
in Bezug auf die deutschen Landwirte, die kleinen ebensowohl wie die großen, sie offenbaren eine haßerfüllte Gegnerschaft, die von der sozialdemokratischen„Sächsischen Arbeiterzeitung" einmal kurz und bündig in die Worte gekleidet ist:„Wir erklären Krieg nicht nur den großen Höfen, sondern auch der letzten Bauernhütte!" Die deutsche Landbevölkerung wird wohl daran tun, sich dieser grundsätzlichen Todfeindschaft zu erinnern, wenn die Sendlinge der Umsturzpartei sie wieder einmal mit heuchlerischen Redensarten für sich einzufangen suchen.
Politische Rundschau.
Deutsches Reich.
Verlin, 24. Februar. Der Kaiser nahm gestern Abend an einem Diner bei dem Oberstkämmerer Fürsten Solms=Baruth teil. Vor dem Diner wurde ein Kapitel des Ordens„Zum weißen Hirsch" abgehalten.
Heute Vormittag besichtigte der Kaiser im Königl. Schlosse das Modell des Kircheninneren der deutschen evangelischen Kirche in Rom im Beisein des Professors Schwechten.— Zur Frühstückstafel waren geladen Prinz Karl Anton von Hohenzollern, Prinz Karl von Rumänien und der Erbprinz von Hohenzollern.
— Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am Montag die Etatsberatung für das Ministerium des Innern beim Kapitel „Medizinalwesen" fort. Die Regierungsvertreter hatten reiche Gelegenheit, sich über die verschiedensten Fragen des Gesundheitswesens zu äußern. Der Minister des Innern v. Dallwitz sprach über den Geburtenrückgang in Deutschland, wobei er für die allernächste Zeit eine amtliche Denkschrift ankündigte, und ferner über den Bau von Krankenhäusern. Geheimrat Dr. Abel beklagte den Mangel an Normen für den Handel mit Nahrungsmitteln, Ministerialdirektor Dr. Kirchner mahnte ernstlich zu einer allgemeinen sittlichen Hebung unseres Volkes, die u. a. auch dem Geburtenrückgang Einhalt tun werde. Ebenso trat er für eine energische Bekämpfung namentlich der Infektionskrankheiten ein. Die zweite Etatsberatung für das Ministerium des Innern wurde am Montag beendet und dann eine Anzahl kleinerer Etats erledigt.
— Die Militärstrafgesetznovelle wurde vom Reichstage nach eingehender Begründung durch den Kriegsminister v. Falkenhayn und nach den üblichen sozialdemokratischen Brand= und Hetzreden gegen Heeresdienst und Manneszucht einer besonderen Kommission überwiesen.
— Zu der Erklärung des Reichskanzlers in der Zabernkommission schreibt die„Nordd. Allgem. Ztg." folgendes: In konservativen Blättern wird die Erklärung, die der Reichskanzler in der„Zabernkommission" hat abgeben lassen, dahin gedeutet, daß die Regierung mit dem Reichstage über Fragen der Kommandogewalt zu diskutieren gedenke. Das ist ein tatsächlicher Irrtum. Die Frage, in welchen Fällen das Militär bei inneren Unruhen einzuschreiten hat, ist in den einzelnen Bundesstaaten durch Verfassung, Gesetz und allgemeine Rechtsgrundsätze geregelt. Auf der Basis dieser Rechtslage erläßt die Kommandogewalt ihre Instruktionen. Für eine reichsrechtliche Bestimmung der Grenzen
Nummer 25.
zwischen der Militär= und Polizeigewalt, die ein Teil des Reichstages wünscht, kann, wie in der Kommission erklärt worden ist, die Zustimmung des Bundesrats nicht in Aussicht gestellt werden. Inwiefern in der Bereitwilligkeit der Regierung, der Kommission über die bestehenden rechtlichen Zustände Auskunft zu erteilen, eine Bereitwilligkeit liegen soll, die Kommandogewalt zur Debatte zu stellen, ist hiernach nicht verständlich.
— Der größte Personendampfer Stettins,„Rügen", ist am Sonnabend Mittag auf den Stettiner Oderwerken glatt vom Stapel gelaufen.
— Von amtlicher Stelle in Berlin wird mitgeteilt, daß die aus Rio de Janeiro verbreitete Nachricht über den tragischen Tod des Marinestabsingenieurs Schädla vom Linienschiff „Kaiser" unzutreffend ist. Dagegen ist Marinestabsingenieur Stegemann vom gleichen Schiff infolge einer vor vier Tagen aus Fahrlässigkeit erhaltenen Schußwunde an Herzschwäche gestorben.
— Von zuständiger Stelle erhalten wir folgende Mitteilung: In der im hiesigen Zentralhotel abgehaltenen außerordentlichen Versammlung des Reichsverbandes Deutscher Aerzte ist die Auflösung des Verbandes beschlossen worden unter folgender Begründung: In Verfolg der jüngsten Einigungsverhandlungen im Reichsamt des Innern, an denen auch der Reichsverband Deutscher Aerzte auf Veranlassung des Staatssekretärs des Innern beteiligt gewesen ist, ist unter dem 23. Dezember 1913 ein Abkommen zwischen den Aerzten und Kassenverbänden beschlossen worden, wodurch die Programmforderungen des Reichsverbandes erfüllt und auf 10 Jahre festgelegt sind. Demzufolge hat der Reichsverband nunmehr seine Ziele erreicht und kann befriedigt die Waffen niederlegen.
— Vernichtete Reichskassenscheine. Nach den Beobachtungen der Reichsschuldenverwaltung mehren sich ständig die Fälle, in denen Ersatz für Reichskassenscheine erbeten wird, die aus Unachtsamkeit ganz oder teilweise vernichtet worden sind. Die Behörde ist sehr oft außerstande, diesem Ersuchen zu entsprechen, weil sie nach den gesetzlichen Bestimmungen nur dann Ersatz leisten darf, wenn entweder von einem echten Reichskassenscheine ein Rest vorgelegt wird, der mehr als die Hälfte eines solchen beträgt, oder wenn es auf Grund der beigebrachten Beweise als ausgeschlossen erachtet werden muß, daß die nicht vorgelegten, mehr als die Hälfte betragenden Teile noch wieder zum Vorschein kommen können. In der bei weitem überwiegenden Mehrzahl derartiger Fälle ist der Schaden in der Weise entstanden, daß in größeren Betrieben bei den Lohnzahlungen die Arbeiter verschlossene Lohntüten mit Hartgeld und Papiergeld erhalten, sodann die Lohntüte zerrissen, das Hartgeld ausgeschüttet und die zerrissene Lohntüte mit dem noch darin haftenden Papiergelde fortgeworfen haben. Wenn dann der Verlust entdeckt worden ist, so ist häufig die Lohntüte oder ein Teil davon nicht mehr aufzufinden gewesen. Es ergibt sich hieraus, daß offenbar weitere Kreise sich noch nicht genügend an den Gebrauch des Papiergeldes und an die Notwendigkeit, es sorgsam zu behandeln, gewöhnt haben. Ganz besonders scheint dies da der Fall zu sein, wo die Lohnzahlung durch Lohntüten
Die Erben Willmers=Gorlenko.
61 Roman von Nina Meyke. Nachdruck verboten
„Beide werden Dir auch schwer fallen!" entgegnete Willmers mit wieder aufsteigender Bitterkeit.„Oder willst Du ableugnen, daß zwischen meiner Frau und Dir ein Verhältnis bestand, von dem Du mir niemals ein Wort sagtest, auch dann nicht, als Du erfuhrst, daß ich um sie warb? Willst Du ableugnen, daß sie liebtest, daß sie diese Liebe erwiderte und Deine Braut war, bis Ihr aus weiß Gott welchen Gründen auseinandergingt?— Du kannst es nicht, ich sehe es Deinem Gesicht an, das seine Maske noch nicht mit genügender Meisterschaft tragen lernte, um auch in diesem Augenblick den Schein gekränkter Unschuld zu behalten! Geh! Ich will Deine Rechtfertigung nicht hören, sie hat für mich weder Sinn noch Wert und könnte mich höchstens noch tiefer beleidigen, als der Aufenthalt in Deinem Hause, in das ein unglücklicher Zufall mich führte! Der Boden brennt mir unter den Füßen! Ich muß fort, wenn ich nicht ersticken will!"
„Keinen Schritt machst Du über meine Schwelle, ehe Du mich nicht gehört und Deine eben ausgesprochenen Beleidigungen zurückgenommen haft!"
Mit ausgestreckter Rechten vertrat Wittgenstein ihm den Weg, und so viel Entschiedenheit lag nicht nur in dem Ton seiner Stimme, sondern auch in seinem Blick, in jeder Bewegung seiner hoch aufgerichteten Gestalt, daß Willmers gefügig wieder in den Erker zurücktrat.
„Vor allen Dingen werde ich Dich bitten, mir in mein Kabinett zu folgen," begann Wittgenstein nach einigen Augenblicken in ruhigerem Ton.„Hier sind wir nicht ungestört genug! Jeden Augenblick kann der Diener eintreten, um den Tisch zu decken. Das, was wir miteinander zu besprechen haben, ist
nichts für fremde Ohren. Darf ich Dich bitten, meinen Wunsch zu erfüllen?"
Ohne eine Antwort abzuwarten, verließ er das Zimmer, und Willmers folgte ihm widerstandslos, obgleich er von der Nutzlosigkeit dieser Unterredung überzeugt war. Ihn erlösen konnte nur ein einfaches Nein, das aber blieb unausgesprochen, weil Wittgenstein zu einer offenen Lüge nicht fähig war. Schweigend durchschritten sie eine Reihe von Gemächern und machten endlich vor einer Tür Halt, zu der Wittgenstein den Schlüssel bei sich trug, denn nach seiner Gewohnheit verschloß er nicht nur seinen Schreibtisch, sondern auch den Raum, der ihm zum Kabinett diente.
„Setze Dich!" sagte Wittgenstein kurz, als sie das große, helle, aber äußerst einfach möblierte Zimmer betreten hatten und deutete mit der Hand auf einen Stuhl, während er sich selbst in den Sessel vor dem Schreibtisch sinken ließ und die Augen mit der Hand beschattete, als suche er in seinen Gedanken Ordnung zu schaffen.
„Du hast eine harte Beschuldigung gegen mich erhoben, Genia!" begann er und ließ die Hand sinken, um den Blick in aller Freiheit auf den Kameraden zu heften.„Ich kann mich nicht ganz von ihr reinigen, denn vieles ist wahr, aber ich kann ein Wort zu meiner Verteidigung sagen, und dieses Wort—“
„Erlasse ich Dir," unterbrach ihn Willmers und erhob sich, um mit großen Schritten an das Fenster zu treten, durch dessen weitgeöffnete Flügel Sonnenschein und Blumenduft drangen.
„Dazu hast Du kein Recht!" klang Wittgensteins ruhige Stimme zu ihm herüber.„Dieses Wort ist gleich notwendig für Dich wie für mich geworden, denn wenn es mir zur Verteidigung dient, so wird es Dir vieles erklären und in einem anderen Lichte als bisher zeigen, also höre! Ich liebte Eljen Swift, wurde von ihr wiedergeliebt und nannte sie eine kurze glückliche Zeit lang meine Braut!"
„Ist damit nicht alles bestätigt!" fiel Willmers ihm leidenschaftlich in das Wort und kehrte sein Gesicht wieder dem Freunde zu.„Weshalb wilst Du Dich und mich mit Aufzählung unbedeutender Einzelheiten quälen, die nichts an der Tatsache ändern, und die, ich wiederhole nochmals, ich Dir erlasse!"
„Unterbrich mich nicht," entgegnete Wittgenstein unbeirrt. „Diese Einzelheiten sind notwendig, und deshalb wirst Du sie anhören, um so mehr, da sie nicht viel Zeit in Anspruch nehmen, denn ich werde mich kurz fassen. In diesem Hause, in demselben Zimmer, in das ich Dich zuerst führte, sah ich vor vielleicht drei Jahren zum erstenmal Eljen Swift, die englische Gesellschafterin und Vorleserin meiner damals bereits kranken Mutter. Mein Urlaub dauerte eigentlich nur zwei Monate, aber auf einer Jagd hatte ich das Unglück, mir den Fuß zu verrenken, mußte um Verlängerung der mir zuerkannten Erholungsfrist bitten und verliebte mich in die blonde Vorleserin meiner Mutter bis zum Vergessen aller Standesvorurteile, auf die bisher in unserer Familie so streng geachtet wurde, daß sie schier unübersteigliche Hindernisse boten. Mir allerdings schienen sie damals ein Kinderspiel, denn ich liebte Eljen aufrichtig. Es schien, als schlüge Eljens Herz gerade so ungeteilt und heiß für mich, wie das meine für sie. Als ich in einer unbelauschten Stunde mit meiner Werbung hervortrat, war ich der glücklichste Mensch unter der Sonne, denn das Mädchen, zu dem ich wie zu einer Heiligen aufsah, war meine Braut, wollte einmal mir ganz angehören. Vielleicht wäre wirklich mit der Zeit aus uns beiden ein Daar geworden, aber Eljen stellte eine Forderung, stellte sie so energisch, daß ich sie erfüllen mußte. Sie verlangte, daß ich meine Mutter von unserem Verlöbnis, das ich aus guten Gründen noch geheim zu halten wünschte, in Kenntnis setzen sollte, da es ihr widerstrebte, das Vertrauen einer Frau zu mißbrauchen, in deren Hause sie eine untergeordnete Stellung einnahm, und wie wenig Erfolg ich mir augenblicklich auch von diesem Schritt versprach, ich mußte ihr nicht nur Recht geben, sondern auch