Ausgabe 
57 (22.7.1938) 197
Seite
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Verlag: Gebr. Lensing, Verlagsanstalt K.=G., Zweigniederlassung Ahaus

51. Jahrgang.

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Nummer 197

Freitag, den 22. Juli 1938

Jahrgang 1938

Dr. Goebbels in der Ostmark

Das üble Spiel, das ausländische Lügenfabrikanten mit dem deutschen Volke treiben, und die Wirklichkeit in Oesterreich.

Jubelstürme in Kärnten.

DNB Klagenfurt, 21. Juli.

Mittwoch mittag traf Reichsminister Dr. Goebbels über die Großglockner=Hochalpenstraße kommend in Kärn­ten ein, wo er am Hochtor vom stellv. Gauleiter von Kärnten, Kutschera, willkommen geheißen wurde. Auf der Fahrt durch das Kärntner Land begleiteten ihn die Jubelstürme, die ihn bereits auf der Großglocknerstraße begrüßt hatten. Dr. Goebbels mußte zu wiederholten Malen anhalten, um den Volksgenossen für die entgegen­gebrachte Liebe zu danken. Auf der ganzen Strecke um­säumten Tausende von Volksgenossen die Straßen. In Klagenfurt wiederholte sich der stürmische Empfang, ins Vielfache gesteigert.

Im großen Wappensaal ließ sich Dr. Goebbels die Ver­treter der Partei und ihrer Gliederungen, der Behörden und der Wehrmacht vorstellen. Der stellv. Gauleiter, Küt­schera, hieß in herzlichen Worten den Reichsminister im Kärntner Gau willkommen. Darauf ergriff der Reichs­minister selbst das Wort.

Die nationalsozialistische Bewegung, so führte Dr. Goebbels aus, hat gerade in diesem Gau des Reiches besonders schwere Opfer bringen müssen. Wir alle, ob wir in Oesterreich wohnten und lebten oder im Altreich, haben um dieses Land schwere Stunden erlebt. Das Schicksal jedes Einzelnen von Ihnen und Ihrer Kameraden hat uns tief berührt und ist unser Schicksal gewesen. Es wurde manchmal an der Zukunft unserer Bewegung gezweifelt. Nun erst bei der härtesten Probe entscheidet sich der histo­rische Wert einer Weltanschauung, und so geschah dies auch bei den Belastungsproben, die die nationalsozialisti­sche Bewegung zu bestehen hatte. Nietzsche hat einmal den Satz geprägt:„Was mich nicht umbringt, macht mich stark“. Die Richtigkeit dieses Satzes hat sich an der natio­nalsozialistischen Bewegung in Oesterreich und besonders in Kärnten bewahrheitet.

Der Goebbels führte weiter aus, daß die verlorene Schlacht des Jahres 1934 die Bewegung nicht gebrochen habe, denn sie sei nur stärker dennie aus dieser Nie­derlage hervorgegangen. Es sei kein Zufall, daß der Nati­onalsozialismus doch gesiegt habe, denn der Sieg hänge nicht von politischen Thesen ab, sondern so ein Sieg sei ein ewig geschichtliches Gesetz: Das Stärkere, Edlere und Lebensfähigere überwindet das Schwächere und Lebens­schwache.

Der Reichsminister gab seiner Freude Ausdruck, dieses schöne Fleckchen Erde unseres großen Vaterlandes mit

zu können. Für die vielen Beweise der Anhänglichkeit und Treue, die ihm entgegengebracht wurden, sprach er seinen Dank aus. Diese Beweise wolle er aber nicht für sich an­nehmen, sondern für den Führer, für unsere Bewegung und unser großes deutsches Vaterland. Wenn Schuschnigg einmal das Wort geprägt habe, man müsse Kärnten mit einem Drahtverhau umgeben und das Konzentrations­lager wäre fertig, so habe er damit selbst sein politi­sches Todesurteil gesprochen.

„Wir nehmen dieses Kärnten für unser Land ganz fest und treu an unser deutsches Herz, und mit dem Her­zen unseres deutschen Landes und Volkes wird Kärnten immerdar verbunden blei­ben.“

Ergriffen, aus tiefstem Herzen, erklang das tausend­fache Siegheil auf den Führer, mit dem Reichsminister Dr. Goebbels seine Worte beschloß.— Reichsminister Dr. Goebbels verließ Donnerstag Klagenfurt mit dem Flug­zeug, um sich nach Graz zu begeben. Von der Gauhaupt­stadt der Steiermark wird der Reichsminister ebenfalls mit dem Flugzeug seine Weiterreise nach Linz antreten.

der Minister an die führenden Männer und alten Kämpfer der Ostmark.

X Graz, 21. Juli.

Reichsminister Dr. Goebbels traf am Donnerstag um 12,14 Uhr, aus Klagenfurt kommend, auf dem Grazer Flugplatz Thalerhof ein. Zu seiner Begrüßung hatten sich Gauleiter Dr. Uiberreither, Gaupropagandaleiter Gustav Fischer und Bürgermeister Dr. Kaspar eingefun­den. Auf dem Wege zur Stadt passierte der Minister immer wieder dichte Spaliere begeisterter Volksge­nossen, die ihn mit Heilrufen und Blumengaben be­grüßten. Den Höhepunkt erreichte der Jubel in den von Zehntausenden freudig gestimmter Menschen gefüllten Straßen von Graz.

Im Landeshaus hatten sich inzwischen die Spitzen der Partei, der Wehrmacht und des Staates sowie die alten Kampfer der Bewegung eingefunden. BdM begrüßte Dr. Goebbels mit einem Steiererlied, worauf Gauleiter Dr. Uiberreither den Minister mit herzlichen Worten willkommen hieß.

Hierauf nahm Reichsminister Dr. Goebbels, stür­misch umjubelt, das Wort und führte aus:

„Ich habe vor einigen Wochen in der Auslandspresse

gelesen, daß in der nationalsozialistischen Bewegung in erreich eine sehr schwere Krise ausgebrochen sei. Es hatten sich in dieser Bewegung eine Reihe von Gruppen gebildet, die sich auf das erbittertste befehden, und es set die Einfügung Oesterreichs in das Reich auf das ernsteste in Frage gestellt. Ich bin nun hierher gekom­

men, um mich von der Wahrheit dieser Behauptungen zu überzeugen.(Stürmisches Gelächter.)

„Ich wollte einmal durch eigenen Augenschein feststellen, wie weit die Wahrheitsfanatiker in Lon­don und Paris ihr übles Spiel mit dem deutschen Volk im speziellen und mit dem europäischen Frieden zu treiben sich unter­stehen.

Ich bin zum ersten Mal in diesem Landstrich und ich muß feststellen, daß der Empfang, der mir hier von Land und Volk bereitet wird, ein so überaus herzlicher ist, daß er mich auf das tiefste rührt. Es ist für jeden Volksgenossen aus dem Altreich, wie Sie sich vorstellen können, in diesen Wochen und Monaten ein besonderes Erlebnis, nach Oesterreich zu kommen. Es hat vor dem 13. März Zeiten gegeben, in denen auch wir schwer um dieses Land gerungen und gelitten haben. Vor einem Jahr sind die Oesterreicher auf dem Nürnberger Parteitag zahlreich in Erscheinung getreten, und als der Parteitag zuende war und ich ge­rade im Begriff war, nach Berlin zurückzufliegen, trat ein junger Parteigenosse im Hotel auf mich zu und bat mich, in den Kulturvereinssaal zu kommen, weil dort

Oesterreicher versammelt seien. Ich wollte schon ab­lehnen, aber dieser Parteigenosse ließ nicht ab und be­wegte mich schließlich doch dazu, seiner Bitte Gehör zu schenken. Ich habe nun dort eines der ergrei­fendsten Erlebnisse meines ganzen Le­bens mitgemacht. Ein paar hundert Parteigenossen waren versammelt. Und es entlud sich in diesen weni­gen Minuten ein derartiger Fanatismus, eine derartige nationale Besessenheit und Glaubensfähigkeit, daß ich von diesem Augenblick an davon überzeugt war, daß die Stunde der Entscheidung für Oester­reich in absehbarer Nähe stand. Die weitere Entwicklung ist dann so vor sich gegangen, wie Sie sie alle kennen. Es ist immer so bei großen politischen Er­eignissen, daß sie sich nicht so vollziehen, wie wir es uns mit klügelndem Menschenverstand ausdenken.

Im allgemeinen pflegt die Geschichte ihre eigenen Wege zu gehen und fordert eben deshalb manches sehr schwere Opfer von den Völkern und auch von den einzel­nen Menschen. Diese Opfer aber werden unerträg­lich. wenn sie umsonst gebracht worden sind.

(Fortsetzung auf der 2. Seite.)

Sollen sudetendeutsche Arbeiter brotlos werden?

Die 5p zum Verkauf der Petschek­Aktien an den Zivno=Konzern.

DNB Prag, 21. Juli.

Das Presseamt der Sudetendeutschen Partei teilt mit: Der politische Ausschuß der Sudetendeutschen Partei be­faßte sich in seiner gestrigen Sitzung auf Grund eines Referates des Leiters für Industrie= und Wirtschafts­organisation, Abgeordneten Ingenieur Richter, auch mit der durch den Verkauf der Petschek=Aktien an den Zivno=Konzern geschaffenen Lage im nordwest­böhmischen Kohlengebiet und gibt folgendes bekannt: In einer Zeit, in der das durch die SOP ver­tretene Sudetendeutschtum mit der Regierung über die Neuregelung der nationalen Verhältnisse und damit über die Sicherung des deutschen Arbeits­platzes und Besitzstandes offiziell Gespräche führt, erwirbt das tschechische Finanzkupital nach umfassenden Vorbereitungen und sichtlicher Förde­rung durch offizielle Stellen einen gewaltigen Ein­fluß auf den deutschen Arbeitsmarkt und diedeutsche Wirtschaft Nordwest=Böhmens. Die Expansionsgelüste des tschechischen Finanzkapitals haben, wie das Beispiel der Aussiger chemischen Werke beweist, nicht nur allein wirtschaftlichen Charakter. Das Vordringen des tschechischen Kapitals war vielmehr stets mit der Tschechisierungbisheriger deutscher

Arbeitsplätze verbunden. Diese Befürchtungen können auch durch die Erklärung des neuen Zivno=Syndikats, mit den bisherigen Kräften weiter arbeiten zu wollen, auf Grund eigener Erfahrungen nicht als beseitigt gelten. Im übrigen wird in den Stellungnahmen fast der ge­samten tschechischen Presse die nationalpolitische Bedeu­tung dieser Transaktion zugegeben.

Die Sudetendeutsche Partei wird daher schon im Hinblick darauf, daß an dem neuen Syndikat eine auf das deutsche Geschäft angewiesene Bank beteiligt ist, eine praktisch wirksame Sicherung des bisherigen Standes an Arbeitsplätzen und Lieferungsverträgen fordern. So­lange in dieser Hinsicht nicht verbindliche Verpflich­tungen von dem neuen Syndikat übernommen werden, ist die Uebernahme eines Mandates der Verwal­tungsräte der Syndikatsgesellschaften unvereinbar mit der Mitgliedschaft bei der Sudetendeutschen Partei oder auch nur mit der Zugehörigkeit zum völkischen Sudetendeutschtum.

Zur Sicherung der nationalen, sozialen und wirt­schaftlichen Belange des Sudetendeutschtums fordert die Sudetendeutsche Partei alle deutschbewußten Aktienbe­sitzer der dem neuen Syndikat angehörenden Brüxer Kohlenbergbau A.=G. und der Nordwest=Böhmischen Kohlenberggesellschaft auf, ihre Aktien zur Vertretung bei den Niederlassungen der Kreditanstalt der deutschen Industrie, der Deutschen Agrar= und Industriebank, in kürzester Zeit anzumelden.

Der Reichssportführer eröffnete die„Erste Deutsche Sportausstellung“.

Am Mittwoch eröffnete der Reichssportführer von Tschammer und Östen im Marmorsaal der Breslauer Jahr­hunderthalle die„Erste Deutsche Sportausstellung“, die den Besuchern ein anschauliches Bild der Bedeutung und Aufgabe der Leibeserziehung im nationalsozialistischen Deutschland vermittelt und zugleich den Rah­men abzeichnet, in dem die Leibesübungen das neue deutsche Kunstschaffen bestimmen. Unser Bild zeigt den Reichssportführer mit den Ehrengästen beim ersten Rundgang durch die Deutsche Sportausstellung

nach der Eröffnungsfeier.(Scherl)

Die Bolschewisierung der

Die Ausbreitung der kommunistischen Agitation in den Vereinigten Staaten hat in den letzten Jahren einen beachtlichen Umfang angenommen. Insbesondere seit dem VII. Weltkongreß der Komintern(Sommer 1935) ist ein ständiges Anwachsen der kommunistischen Aktivität zu ver­zeichnen, das in der Hauptsache, ähnlich wie in Frankreich und anderen parlamentarisch regierten Ländern, auf die „demokratisch“ abgestimmte„Volksfront“=Politik der Kom­munistischen Internationale zurückzuführen ist.

In einem in der„Prawda“ erschienenen Bericht über die letzte Tagung der Kommunistischen Partei der

Dank und Anerkennung für hervor­ragende Dienste.

Handschreiben des Führers und Reichskanzlers und

des preußischen Ministerpräsidenten an den Oberpräsidenten Freiherrn von Lüninck.

DNB Berlin, 21. Juli.

Der Führer und Reichskanzler hat den Oberpräsi­denten Freiherrn von Lüninck auf seinen Antrag in den Wartestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß folgendes Handschreiben zugehen lassen:

„Sehr verehrter Herr Oberpräsident! Aus Anlaß Ihres Uebertritts in den Wartestand spreche ich Ihnen für Ihre hervorragenden Dienste, die Sie dem deutschen Volke in den langen Jahren Ihrer Tätigkeit im Bereich der Provinz Westfalen geleistet haben, meinen Dank und meine Anerkennung aus. Ich verbinde damit meine besten Wünsche für Ihr ferneres Wohlergeben. Mit deutschem Gruß(gez.) Adolf Hitler.“

Der preußische Ministerpräsident Generalfeldmarschall Göring hat an Oberpräsident Freiherrn von Lüninck nachstehendes Handschreiben gerichtet:

„Sehr verehrter Herr Oberpräsident! Nachdem der Führer und Reichskanzler Sie auf Ihren Antrag durch Urbunde vom 6. 7. 1938 in den Wartestand versetzt hat, spreche ich Ihnen für die dem preußischen Staat geleiste­ten Dienste meinen besonderen Dank aus.

Seit Ihrer Berufung als Oberpräsident der Provinz Westfalen im Februar 1933 haben Sie sich in vorbildlicher Pflichterfüllung und mit bestem Erfolg für die Geschicke der Ihnen anvertrauten Provinz eingesetzt.

Ich freue mich, daß mir auch nach dem Ausscheiden aus Ihrem Amte durch Ihre Zugehörigkeit zum Preußi­schen Staatsrat die Möglichkeit gegeben ist, Ihre hervor­ragenden Kenntnisse in Wirtschaft und Verwaltung weiterhin zum Wohle des preußischen Staates nutzbar zu machen. Meine besten Wünsche begleiten Sie in die Zukunft.(gez.) Hermann Göring.“

USA wurde von dem Generalsekretär des Zentralkomi­tees, Earl Browder, auf die großen Fortschritte der kom­munistischen Bewegung hingewiesen. Die Kommunistische Partei der USA, die ihre Mitgliederzahl seit 1929 nahezu verzehnfacht hat, sei zu einem ernsten politischen Faktor geworden. Große bürgerliche Zeitungen hätten dieser Tatsache Rechnung getragen, in­dem sie ausführliche Berichte über den kommunistischen Parteitag veröffentlichten. Mit besonderer Befriedigung wird ferner vermerkt, daß große Rundfunkgesellschaften wie die Columbia= und die Nationale Rundfunk=Korpo­ration besondere Sendungen über die Tagung in ihr Programm aufgenommen hätten.

Ausgehend von den Erfolgen der kommunistischen „Volksfront“=Taktik wurde auf dem erwähnten Partei­kongreß erneut der„Zusammenschluß aller demokratischen Kräfte gegen den Faschismus“ als Hauptaufgabe der Kommunistischen Partei herausgestellt. Vor allem inner­halb der Arbeiterschaft müsse die„Aktionseinheit“ schleu­nigst verwirklicht werden. Die unter kommunistischem Einfluß stehende CIO=Gewerkschaft sol. durch die allmäh­liche Aufsaugung der anderen Gewerkschaftsverbände zu einer„einheitlichen Arbeiter=Konföderation“ ausgebaut werden. Das zu diesem Zweck ausgearbeitete kommu­nistische Aktionsprogramm enthält die­selben Forderungen, deren teilweise Er­füllung das französische Wirtschafts­leben aufs schwerste erschüttert haben, nämlich: die Aufstellung solcher Forderungen in einem Zeitpunkt ständiger Verschärfung der Wirtschaftskrise und anwachsender Arbeitslosigkeit beweist, daß die Kommu­nistische Partei keineswegs das Wohl der Ar­beiterschaft im Auge hat, sondern im Gegen­teil auf eine Zuspitzung der wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten, d. h. in der Komintern=Terminologie ausgedrückt: auf die Herbeiführung der„revolutio­naren Situation“, hinarbeitet. Diesen Absichten wird im übrigen auch in den„Neuen Statuten“ der Kom­munistischen Partei der USA, die auf dem letzten Partei­kongreß bekanntgegeben wurden, Ausdruck verliehen. Diese Statuten sind aufgebaut auf den Beschlüssen des VII. Weltkongresses der Komintern und enthalten ein