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Maeige

Amtliches Organ für Valbert und Umgegend mit der Gratisbeilage: Mluftriertes Unterhaltungs-Blatt.

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Redaktion, Druck nnd Verlag: Walther Kämper Meinerzhagen i. Westf.

Sernsprecher Nr. 54.

Insertionspreis: die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jede Rabattbewilligung wird bei gerichtlicher Beitreibung hinfällig. Größere □ Inserate frühzeitig erbeten. Beilagegebühr nach Vereinbarung.□

Nr. 24

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Samstag, den 11. Nooember

Meyers Hochschule.

Wenn irgendein Erzeugnis des großen deutschen Büchermarktes verdient, ganz allgemein unterstützt, gekauft und benutzt zu werden, dann ist es die neue, sechste Auflage von„Meyers Großem Konversations­Lexikon“ in 20 Bänden. Die viel, und zumeist ganz unsinnig gebrauchte Redensart: es sollte in keinem Hause fehlen, möchten wir nicht als Empfehlung voranstellen. Aber— fehlen sollte es wirklich nicht im Hause eines Gebildeten, im Hause eines mit gebildeten Menschen Verkehrenden, im Bücherschrank eines nach Vervollkommnung seiner Bildung Stre­benden. Die beste kurze Chhrakterisierung des Werkes, die uns irgendwo vor Augen gekommen ist, lautete: „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ ist die Universität des Nicht-Akademikers. Und tatsächlich ist es vergleichbar einer Hochschule, in der über Wissen und Können der gesamten Menschheit unterrichtet wird, und zwar in einer Weise, die jedem, der nur über natürlichen Verstand verfügt, verständlich ist. Ein jeder der zahlreichen Lehrer(namentlich genannt sind über 160 Mitarbeiter, zu denen noch eine große Reihe ungenannter kommt) beherrscht seine Spezial­wissenschaft oder den betreffenden Teil derselben so, daß er ihn für jede Art Leser genießbar darzustellen vermochte. Deshalb ist„Meyers Konversations­Lexikon“ ein„populäres Werk“ in des Wortes bester Bedeutung.

Wenn das nun anch glücklicherweise bereits vielfach anerkannt ist, so würde doch dem Werke eine bei weitem größere Verbreitung zuteil werden, wenn die„lesende“ Menschheit zu der Einsicht gelan­gen wollte, daß sie für Geist, Herz und Gemüt so unendlich viel gewinnen könnte für die eigene Person wie für die Umgebung— durch einen täglichen Besuch in Meyers Hochschule. Orgendein Kapitelchen aus der Geschichte, der Architektur, der Bildhauerkunst, der Geographie oder der Tierkunde, ein kurzer Gang in die Entwickelung von Musik, Theater, Kunstge­werbe, bei höhern Ansprüchen auch in Philosophie und Kulturgeschichten nutzen weit mehr als das tägliche stundenlange Verweilen bei den Tagesneuigkeiten und— Romanen, deren Inhalt, gedankenlos wie er meist aufgenommen, in kürzester Zeit vergessen wird, weil er nicht genügend fessellt. Den halbwegs ernsten, bildungsbedürftigen Menschen muß der„Meyer“ täglich anziehen und stets auch fesseln, an welcher Seite immer er eintritt in dessen so außerordentliche vielseitige Lesehalle.

Man spricht heute in herabsetzendem Sinne von einer„Konversations=Lexikon-Bildung“. Dabei wird leider übersehen, daß diese Redensart nur dazu bei­tragen kann, die allgemeine Beurteilung des Werkes zu beeinträchtigen und es auch von solchen Leuten geringschätzig betrachten zu lassen, deren Bildung durch seine eifrige Benutzung um ein Vielfaches erhöht werden könnte. Natürlich eine„Fachbildung“ in irgend einem Sinne kann ein Konversations-Lexikon nicht bieten und will es auch nicht. Gibt es deun aber einen einzigen Menschen, der in seinem Hirn all das Wissen dauernd aufgespeichert hätte, daß in diesem Werke vereinigt ist? Also es will dem Ge­dächtnis auch der Fachgelehrtesten nachhelfen. Dabei kann es unersprießlichem Meinungsstreit vorbeugen üderall da, wo es zur Hand ist.

Ein Beispiel für hunderte. In einer häuslichen Gesellschaft behauptete jemand, Spanien sei um ein

Beträchtliches größer als das Deutsche Reich. Beweis dafür scheint ihm, daß er vor kurzem ein 2000­Kilometerheft beinahe abgefahren hat von Nord nach Süd und umgekehrt durch das ganze Land. An der Hand von„Meyers Großem Konversations=Lexikon“ wird der erstaunlich gläubigen Gesellschaft nachge­wiesen, daß das Deutsche Reich mit einem Land­flächeninhalt von 540,742 gkm) wozu noch 7017 gkm Wasserfläche kommen) denjenigen Spaniens mit 492,267 gkm um 48,475 gkm überragt, eine Fläche, die, dann später vergleichsweise festgestellt wurde, genügt, um zwei Königreiche von der Größe der der Niederlande und Sachsens in sich aufzunehmen.

Wie anders hätte im Augenblick der Irrtum jenes Spanien-Reisenden beseitigt und wieder einmal die Größe unsers(vom eignen Volke so viel ver­kannten) Vaterlandes in das rechte Licht gerückt werden können, wenn nicht der„Große Meyer“ zur Hand gewesen wäre? Freilich zur Hand muß er sein, wenn er den vom Herausgeber erstrebten Nutzen stiften soll, den er täglich und stündlich bringen könnte, wo Menschen zusammen kommen, die nicht an der Oder­fläche der Dinge haften mögen.

Sehen wir uns nun einmal die neue, Jechste von„Meyers Großem Konversations-Lexikon“ etwas näher an und lassen wir Zahlen reden! Die fünfte Auflage umfaßte von A—3 17 Bände. Die sechste Auflage ist auf 20 Bände angelegt. Jeder Band hat mehr als 900 Seiten Inhalt, bei einigen Bänden zählten wir sogar mehr als 1000 Seiten! Die Summe der Einzelartikel beträgt mehr als 150000, denen etwa 16,800 Abbildungen beigegeben sind, wovon 1522 aus ganzen Bildertafeln und Kartenbeilagen bestehen. Letztere bilden innerlich des Werkes einen vollständigen geographischen Atlas mit allein 343 Karten zur politischen und physikalischen Geographie, Geologie, Geschichte der Staaten. Von ganz be­sonderm Werte im Verkehrsinteresse sind die 100 Stadtpläne und Umgebungskarten, darunter alle Hauptstädte der Welt und alle größern Städte Deutschlands. Die übrigen Bildertafeln beziehen sich auf alle Wissenschaften der Künste: Völkerkunde und Kulturgeschichte, Anatomie und Physiologie, Zoologie, Botanik und Mineralogie, Physik und Astronomie, Landwirtschaft, Obst= und Gartenbau, Kriegs= und Seewesen, Kunstgeschichte und Kunstgewerbe, Berg­bau und Hüttenwesen, Bau- und Ingenieurwesen, Technologie und Elektrotechnik, Schriftwesen, Flaggen, Wappen, Orden und Münzen, schließlich als ganz neu in dieser Auflage 30 Tafeln mit Bildnissen be­rühmter Männer Ob nun diese zahlreichen Illu­strationen in einfachem Steindruck oder im kompli­zierten Farbendruck, ob in Holzschnitt oder Kupferstich ausgeführt sind, sie sind sämtlich hervorragend schön und das Auge erfreuend, sämtlich von außerordent­licher Klarheit und ihren Zweck voll erfüllend.

Jedem Bande, der schön in Halbleder gebunden nur je 10 Mark kostet, ist am Schluß ein Verzeichnis der in ihm enthaltenen Tafeln und Karten sowie der Abbildungen im Text beigegeben. Das erleichtert die Benutzung des ausgedehnten Materials ganz wesentlich. Im übrigen ist ja das ganze Werk ein gewaltiges Abc.

Wie es zustande gekommen ist? Vielleicht läßt die Verlagsbuchhondlung durch genauere Auseinander­setzungen des Werdeganges einmal hinker die Kulissen schauen. Denn die Einteilung der Arbeit, die Heran­holung der Einzelartikel, die endgültige Zusammen­

1911

stellung des Ganzen ist doch allein die Arbeit des Herausgebers und seiner redaktionellen Hilfskräfte. Und diese Arbeit und die für sie nötige Umsicht ist so riesenhaft, daß kein Lob zu groß für sie sein kann.

Als das beste Lob, als die größte Anerkennung wird dem Verlag die Notwendigkeit weiterer Erhöhung der Auflage gelten. Diese herbeizuführen ist Pflicht des deutschen Volkes, in dessen Interesse die grandiose Arbeit geleistet wurde.

Weltfalen-Rheinland.

Kierspe, 9. Non. Nach der dies­jährigen Personenstandsaufnahme beträgt die Seelenzahl der Gemeinde Kierspe 5049 gegen 4917 im Vorjahre.

Hagen, 9. Nov. Mit einem Revolver­schuß empfangen wurde ein Schutzmann, als er am Remberg in ein Haus eindrang, um dort einer von ihrem Ehemann miß­handelten Frau beizustehen. Der Revolver­held wurde mit Hilfe eines zweiten Beamten vorläufig in Haft genommen.

Hagen, 9. Nov. Ein Bewohner eines Hauses in der Eilperstraße wollte vorgestern abend aus sittlichen Gründen die Beteiligung seiner erwachsenen Tochter an einem der üblichen, ausgelassenen Italienerkränzchen nicht dulden. Der neunzehnjähriger Sohn, der es mit der Moral weniger genau nimmt, trat seinem Vater entgegen und brachte ihm mit einem Schlagring und einer Kohlen­schaufel schwere Verletzungen am Kopfe bei. Der Geschlagene mußte sofort in ärztliche Behandlung genommen werden. Sein linkes Auge ist anscheinend zerstört. Der Sohn wurde von der Polizei vorläufig in Sicher­

heit gebracht.

Altena, 9. Nov. Der frühere Bäcker­meister und spätere Fabrikant C. W. in Dönebrett in der Rahmede ist gestern morgen aus dem Rheine gezogen worden. Schon seit längerer Zeit litt er an Schwermut, welche ihn wohl zu der Tat veranlaßt hat. Mit seiner Frau ist er vorgestern morgen von hier abgefahren. Von derselben hat man bis jetzt nichts gehört, so daß man hier annimmt, daß sie, durch ihrem Mann ver­anlaßt, denselben unglücklichen Schritt ge­tan hat.

Blankenstein, 10 Nov. Gestern nach­mittag wurde auf der Eisenbahnstrecke von Steele-Nord nach Hagen(Westf.) zwischen den Stationen Blankenstein(Ruhr) und Herbede von dem um 1,48 Uhr hier ein­treffenden Personenzug 800 Hagen=Steele eine männliche Person überfahren und sofort

getötet. Nach den bei der Leiche vorge­fundenen Ausweisen handelt es sich um den Arbeiter Esser aus Langendreer. Der bedauernswerte Mann hat unzweifelhaft den Tod freiwillig gesucht, denn er warf sich plötzlich vor den in voller Fahrt befindlichen Personenzug.

Hamm, 9. Nov. Gestern stellte sich der hiesigen Polizei der Arbeiter Wollner unter der Selbstbeschuldigung, am Dienstag abend in der Nähe von Oelde einen ita­lienischen Arbeiter im Streit erschlagen zu haben. Er gab an, er wolle sich selbst stellen, um der steckbrieflichen Verfolgung zu entgehen. Da die Polizei in Oelde auf eine telephonische Anfrage mitteilte, daß gegen W. nichts Belastendes vorliege, wurde W. wieder freigelassen! Es handelt sich hier zweifellos um den Täter, der am Diens­tag abend bei der unter den an der Strecke Brackwede-Isselhorst beschäftigten Arbeitern entstandenen schweren Schlägerei den Arbeiter August Wolfskuhle niedergeschlagen hat. Man verständigte die Polizei in Gütersloh von der Schlägerei, während die Oelder Polizei anscheinend nichts gewußt hat. Nur so ist es erklärlich, daß W. wieder auf freien Juß gesetzt wurde.

Essen, 9. Nov. Ein Automobilunfall ereignete sich in der Nacht zum 18. Juli vor dem Bahnübergang des Bahnhofs Buer=Süd. In der Nacht fuhr der Chauffeur Heinr. Maag aus Recklinghausen mit seinem Automobil, in dem sich mehrere Insassen befanden, von Düsseldorf kommend über Essen nach Buer-Recklinghausen. An dem Bahnübergang des Bahnhofs Buer=Süd fuhr der Angeklagte durch die geschlossene Wegeschranke und kam mit seinem Kraft­wagen auf das Gleise zu stehen, auf welches im selben Augenblick ein Güterzug hätte einlaufen müssen. Nur der Geistesgegenwart des Schrankenwärters Naporski, der dem einfahrenden Zuge entgegenlief und denselben zum Stillstand bringen konnte, ist es zu danken, daß ein größeres Unglück verhütet wurde. Das Gericht hielt Maag der fahr­lässigen Eisenbahntransportgefährdung für überführt und erkannte gegen ihn auf 75 Mark Geldstrafe.

Bochum, 9. Nov. Auf Schacht 6/7 der Gewerkschaft„Ver. Konstantin der Große“ entzündete sich bei Sprengarbeiten in der Grube zur Unzeit ein Schuß. Ein Verg­mann wurde getötet, ein anderer schwer verletzt.

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