eneral Maeige Amtliches Organ für Valbert und Umgegend mit der Gratisbeilage: Mluftriertes Unterhaltungs-Blatt. Bestellungen nehmen jederzeit alle PPostämter und Briefträger sowie unsere Boten und die Geschäftsstelle entgegen. □□ Erscheint Dienstags, Donnerstags und Samstags. □ □ Der Abonnementspreis beträgt durch unsere Boten frei ins Haus gebracht monatlich 40 Pfg., durch die Post bezogen vierteljährlich DU D □ D 1.20 Mk., mit Bestellgeld 1.44 Mk. DULUL Redaktion, Druck nnd Verlag: Walther Kämper Meinerzhagen i. Westf. Sernsprecher Nr. 54. Insertionspreis: die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg., Reklamezeile 40 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Jede Rabattbewilligung wird bei gerichtlicher Beitreibung hinfällig. Größere □ Inserate frühzeitig erbeten. Beilagegebühr nach Vereinbarung.□ Nr. 24 . Samstag, den 11. Nooember Meyers Hochschule. Wenn irgendein Erzeugnis des großen deutschen Büchermarktes verdient, ganz allgemein unterstützt, gekauft und benutzt zu werden, dann ist es die neue, sechste Auflage von„Meyers Großem KonversationsLexikon“ in 20 Bänden. Die viel, und zumeist ganz unsinnig gebrauchte Redensart: es sollte in keinem Hause fehlen, möchten wir nicht als Empfehlung voranstellen. Aber— fehlen sollte es wirklich nicht im Hause eines Gebildeten, im Hause eines mit gebildeten Menschen Verkehrenden, im Bücherschrank eines nach Vervollkommnung seiner Bildung Strebenden. Die beste kurze Chhrakterisierung des Werkes, die uns irgendwo vor Augen gekommen ist, lautete: „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ ist die Universität des Nicht-Akademikers. Und tatsächlich ist es vergleichbar einer Hochschule, in der über Wissen und Können der gesamten Menschheit unterrichtet wird, und zwar in einer Weise, die jedem, der nur über natürlichen Verstand verfügt, verständlich ist. Ein jeder der zahlreichen Lehrer(namentlich genannt sind über 160 Mitarbeiter, zu denen noch eine große Reihe ungenannter kommt) beherrscht seine Spezialwissenschaft oder den betreffenden Teil derselben so, daß er ihn für jede Art Leser genießbar darzustellen vermochte. Deshalb ist„Meyers KonversationsLexikon“ ein„populäres Werk“ in des Wortes bester Bedeutung. Wenn das nun anch glücklicherweise bereits vielfach anerkannt ist, so würde doch dem Werke eine bei weitem größere Verbreitung zuteil werden, wenn die„lesende“ Menschheit zu der Einsicht gelangen wollte, daß sie für Geist, Herz und Gemüt so unendlich viel gewinnen könnte für die eigene Person wie für die Umgebung— durch einen täglichen Besuch in Meyers Hochschule. Orgendein Kapitelchen aus der Geschichte, der Architektur, der Bildhauerkunst, der Geographie oder der Tierkunde, ein kurzer Gang in die Entwickelung von Musik, Theater, Kunstgewerbe, bei höhern Ansprüchen auch in Philosophie und Kulturgeschichten nutzen weit mehr als das tägliche stundenlange Verweilen bei den Tagesneuigkeiten und— Romanen, deren Inhalt, gedankenlos wie er meist aufgenommen, in kürzester Zeit vergessen wird, weil er nicht genügend fessellt. Den halbwegs ernsten, bildungsbedürftigen Menschen muß der„Meyer“ täglich anziehen und stets auch fesseln, an welcher Seite immer er eintritt in dessen so außerordentliche vielseitige Lesehalle. Man spricht heute in herabsetzendem Sinne von einer„Konversations=Lexikon-Bildung“. Dabei wird leider übersehen, daß diese Redensart nur dazu beitragen kann, die allgemeine Beurteilung des Werkes zu beeinträchtigen und es auch von solchen Leuten geringschätzig betrachten zu lassen, deren Bildung durch seine eifrige Benutzung um ein Vielfaches erhöht werden könnte. Natürlich eine„Fachbildung“ in irgend einem Sinne kann ein Konversations-Lexikon nicht bieten und will es auch nicht. Gibt es deun aber einen einzigen Menschen, der in seinem Hirn all das Wissen dauernd aufgespeichert hätte, daß in diesem Werke vereinigt ist? Also es will dem Gedächtnis auch der Fachgelehrtesten nachhelfen. Dabei kann es unersprießlichem Meinungsstreit vorbeugen üderall da, wo es zur Hand ist. Ein Beispiel für hunderte. In einer häuslichen Gesellschaft behauptete jemand, Spanien sei um ein Beträchtliches größer als das Deutsche Reich. Beweis dafür scheint ihm, daß er vor kurzem ein 2000Kilometerheft beinahe abgefahren hat von Nord nach Süd und umgekehrt durch das ganze Land. An der Hand von„Meyers Großem Konversations=Lexikon“ wird der erstaunlich gläubigen Gesellschaft nachgewiesen, daß das Deutsche Reich mit einem Landflächeninhalt von 540,742 gkm) wozu noch 7017 gkm Wasserfläche kommen) denjenigen Spaniens mit 492,267 gkm um 48,475 gkm überragt, eine Fläche, die, dann später vergleichsweise festgestellt wurde, genügt, um zwei Königreiche von der Größe der der Niederlande und Sachsens in sich aufzunehmen. Wie anders hätte im Augenblick der Irrtum jenes Spanien-Reisenden beseitigt und wieder einmal die Größe unsers(vom eignen Volke so viel verkannten) Vaterlandes in das rechte Licht gerückt werden können, wenn nicht der„Große Meyer“ zur Hand gewesen wäre? Freilich zur Hand muß er sein, wenn er den vom Herausgeber erstrebten Nutzen stiften soll, den er täglich und stündlich bringen könnte, wo Menschen zusammen kommen, die nicht an der Oderfläche der Dinge haften mögen. Sehen wir uns nun einmal die neue, Jechste von„Meyers Großem Konversations-Lexikon“ etwas näher an und lassen wir Zahlen reden! Die fünfte Auflage umfaßte von A—3 17 Bände. Die sechste Auflage ist auf 20 Bände angelegt. Jeder Band hat mehr als 900 Seiten Inhalt, bei einigen Bänden zählten wir sogar mehr als 1000 Seiten! Die Summe der Einzelartikel beträgt mehr als 150000, denen etwa 16,800 Abbildungen beigegeben sind, wovon 1522 aus ganzen Bildertafeln und Kartenbeilagen bestehen. Letztere bilden innerlich des Werkes einen vollständigen geographischen Atlas mit allein 343 Karten zur politischen und physikalischen Geographie, Geologie, Geschichte der Staaten. Von ganz besonderm Werte im Verkehrsinteresse sind die 100 Stadtpläne und Umgebungskarten, darunter alle Hauptstädte der Welt und alle größern Städte Deutschlands. Die übrigen Bildertafeln beziehen sich auf alle Wissenschaften der Künste: Völkerkunde und Kulturgeschichte, Anatomie und Physiologie, Zoologie, Botanik und Mineralogie, Physik und Astronomie, Landwirtschaft, Obst= und Gartenbau, Kriegs= und Seewesen, Kunstgeschichte und Kunstgewerbe, Bergbau und Hüttenwesen, Bau- und Ingenieurwesen, Technologie und Elektrotechnik, Schriftwesen, Flaggen, Wappen, Orden und Münzen, schließlich als ganz neu in dieser Auflage 30 Tafeln mit Bildnissen berühmter Männer Ob nun diese zahlreichen Illustrationen in einfachem Steindruck oder im komplizierten Farbendruck, ob in Holzschnitt oder Kupferstich ausgeführt sind, sie sind sämtlich hervorragend schön und das Auge erfreuend, sämtlich von außerordentlicher Klarheit und ihren Zweck voll erfüllend. Jedem Bande, der schön in Halbleder gebunden nur je 10 Mark kostet, ist am Schluß ein Verzeichnis der in ihm enthaltenen Tafeln und Karten sowie der Abbildungen im Text beigegeben. Das erleichtert die Benutzung des ausgedehnten Materials ganz wesentlich. Im übrigen ist ja das ganze Werk ein gewaltiges Abc. Wie es zustande gekommen ist? Vielleicht läßt die Verlagsbuchhondlung durch genauere Auseinandersetzungen des Werdeganges einmal hinker die Kulissen schauen. Denn die Einteilung der Arbeit, die Heranholung der Einzelartikel, die endgültige Zusammen1911 stellung des Ganzen ist doch allein die Arbeit des Herausgebers und seiner redaktionellen Hilfskräfte. Und diese Arbeit und die für sie nötige Umsicht ist so riesenhaft, daß kein Lob zu groß für sie sein kann. Als das beste Lob, als die größte Anerkennung wird dem Verlag die Notwendigkeit weiterer Erhöhung der Auflage gelten. Diese herbeizuführen ist Pflicht des deutschen Volkes, in dessen Interesse die grandiose Arbeit geleistet wurde. Weltfalen-Rheinland. Kierspe, 9. Non. Nach der diesjährigen Personenstandsaufnahme beträgt die Seelenzahl der Gemeinde Kierspe 5049 gegen 4917 im Vorjahre. Hagen, 9. Nov. Mit einem Revolverschuß empfangen wurde ein Schutzmann, als er am Remberg in ein Haus eindrang, um dort einer von ihrem Ehemann mißhandelten Frau beizustehen. Der Revolverheld wurde mit Hilfe eines zweiten Beamten vorläufig in Haft genommen. Hagen, 9. Nov. Ein Bewohner eines Hauses in der Eilperstraße wollte vorgestern abend aus sittlichen Gründen die Beteiligung seiner erwachsenen Tochter an einem der üblichen, ausgelassenen Italienerkränzchen nicht dulden. Der neunzehnjähriger Sohn, der es mit der Moral weniger genau nimmt, trat seinem Vater entgegen und brachte ihm mit einem Schlagring und einer Kohlenschaufel schwere Verletzungen am Kopfe bei. Der Geschlagene mußte sofort in ärztliche Behandlung genommen werden. Sein linkes Auge ist anscheinend zerstört. Der Sohn wurde von der Polizei vorläufig in Sicherheit gebracht. Altena, 9. Nov. Der frühere Bäckermeister und spätere Fabrikant C. W. in Dönebrett in der Rahmede ist gestern morgen aus dem Rheine gezogen worden. Schon seit längerer Zeit litt er an Schwermut, welche ihn wohl zu der Tat veranlaßt hat. Mit seiner Frau ist er vorgestern morgen von hier abgefahren. Von derselben hat man bis jetzt nichts gehört, so daß man hier annimmt, daß sie, durch ihrem Mann veranlaßt, denselben unglücklichen Schritt getan hat. Blankenstein, 10 Nov. Gestern nachmittag wurde auf der Eisenbahnstrecke von Steele-Nord nach Hagen(Westf.) zwischen den Stationen Blankenstein(Ruhr) und Herbede von dem um 1,48 Uhr hier eintreffenden Personenzug 800 Hagen=Steele eine männliche Person überfahren und sofort getötet. Nach den bei der Leiche vorgefundenen Ausweisen handelt es sich um den Arbeiter Esser aus Langendreer. Der bedauernswerte Mann hat unzweifelhaft den Tod freiwillig gesucht, denn er warf sich plötzlich vor den in voller Fahrt befindlichen Personenzug. Hamm, 9. Nov. Gestern stellte sich der hiesigen Polizei der Arbeiter Wollner unter der Selbstbeschuldigung, am Dienstag abend in der Nähe von Oelde einen italienischen Arbeiter im Streit erschlagen zu haben. Er gab an, er wolle sich selbst stellen, um der steckbrieflichen Verfolgung zu entgehen. Da die Polizei in Oelde auf eine telephonische Anfrage mitteilte, daß gegen W. nichts Belastendes vorliege, wurde W. wieder freigelassen! Es handelt sich hier zweifellos um den Täter, der am Dienstag abend bei der unter den an der Strecke Brackwede-Isselhorst beschäftigten Arbeitern entstandenen schweren Schlägerei den Arbeiter August Wolfskuhle niedergeschlagen hat. Man verständigte die Polizei in Gütersloh von der Schlägerei, während die Oelder Polizei anscheinend nichts gewußt hat. Nur so ist es erklärlich, daß W. wieder auf freien Juß gesetzt wurde. Essen, 9. Nov. Ein Automobilunfall ereignete sich in der Nacht zum 18. Juli vor dem Bahnübergang des Bahnhofs Buer=Süd. In der Nacht fuhr der Chauffeur Heinr. Maag aus Recklinghausen mit seinem Automobil, in dem sich mehrere Insassen befanden, von Düsseldorf kommend über Essen nach Buer-Recklinghausen. An dem Bahnübergang des Bahnhofs Buer=Süd fuhr der Angeklagte durch die geschlossene Wegeschranke und kam mit seinem Kraftwagen auf das Gleise zu stehen, auf welches im selben Augenblick ein Güterzug hätte einlaufen müssen. Nur der Geistesgegenwart des Schrankenwärters Naporski, der dem einfahrenden Zuge entgegenlief und denselben zum Stillstand bringen konnte, ist es zu danken, daß ein größeres Unglück verhütet wurde. Das Gericht hielt Maag der fahrlässigen Eisenbahntransportgefährdung für überführt und erkannte gegen ihn auf 75 Mark Geldstrafe. Bochum, 9. Nov. Auf Schacht 6/7 der Gewerkschaft„Ver. Konstantin der Große“ entzündete sich bei Sprengarbeiten in der Grube zur Unzeit ein Schuß. Ein Vergmann wurde getötet, ein anderer schwer verletzt. August Müller Meinerzhagen Mein grosses Lager in Hüten, Mützen, Stöcke, Schirme, Wäsche, Krawatten HosenträgerHandschuhe u. S. W. bietet stefs besondere Vorfeile durch reiche Auswahl. Ausverkauf sämtlicher Kinder-Anzüge zu bedeufend herabgesetzen Preisen so lange der Vorrat reicht. Seinste Gütersloher Blockwurst à Pfd 1,20 Mk. empfiehlt Ernst Kaufmann. Drucksachen ferfigt schnell und sauber an Walther Kämper, Heinerzhagen. Ing. Max Proeschold besorat reei und sachgemäss Anmeldung und Verwertung von Schußrechten aller Art im In- und Auslands Auskunff u. Broschüre„Pafent-wissenschaft“ kostenlos. Eigene Verfretung in Berlin Hagen, Elberfelderstrasse 32 Telefon 1412 und 1493 Empfehle eine neue Auswahl moderner Stickereien Günstiger Einkauf stellt mich in die Lage, auf selbige 10 und 15 Rabatt zu geben. Ein Posten Schürzen gebe zu bedeutend herabgesetzten Preisen ab. Wilhelm Deubert Meinerzhagen. Waschmaschinen leicht gehend und tadellos rein waschend empfiehlt W. Brinkmann, Meinerzhagen. Denkschrift über das Marokko-Abkommen. Dem Reichstag ist eine Denkschrift über das Marokko=Abkommen zugegangen, in der es u. a. heißt: Das von uns an Frankreich überlassene Zwischenstromland(zwischen Logone und Schari) hat eine Fläche von 12 000 Quadratkilometern. Wir erhalten 275 000 Quadratkilometer, d. h. Kamerun wird um die Hälfte seiner jetzigen Fläche(498000 Quadratkilometer) vergrößert und kommt mit einem Flächeninhalt von 761 000 Quadratkilometern beinahe dem südwestafrikanischen Schutzgebiet gleich. Die reine Vergrößerung beträgt das Dreifache unsres Schutzgebietes Togo. Das ist keine Grenzberichtigung, das ist ein beträchtlicher Für ein Volk, das sich entschlossen hat, zu kolonisieren, ist jeder Zuwachs von kolonialem Gebiet mit Freuden zu begrüßen, selbst wenn man zunächst die Frage nach dem wirtschaftlichen Wert dieses Zuwachses zurücktreten lassen müßte. Wer die Kolonialpolitik bejaht, muß rundsätzlich für jeden Zuwachs kolonialen Geietes, für jedes Stück kolonialen Neulandes sein, und eine Gebietsmasse von 750 000 Quadratkilometern bedeutet zweifellos einen Vorteil gegenüber einer Gebietsmasse von nur 500 000 Quadratkilometern. Für den wirtschaftlichen Wert des Zuwachses mag zunächst weniger der gegenwärtige Zustand maßgebend sein, als zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten. Es ist dabei zu berücksichtigen, daß Französisch-Aquatorialafrika bisher von Frankreich als Stiefkind behandelt worden ist, während das Hauptinteresse Französisch=Westafrika in Anspruch nahm und nimmt. Geht nun ein Teil dieser Gebiete in deutschen Besitz über, so werden einerseits ihre Naturprodukte dem deutschen Markt, hier vor allem dem deutschen Kautschukmarkt, dessen Stellung dem Ausland gegenüber durch eine weitere Zufuhr aus deutschen Schutzgebieten nur günstig beeinflußt werden kann, zugute kommen; anderseits wird, da sich in den deutschen Schutzgebieten trotz des Grundsatzes der offenen Tür der deutsche Kaufmann dem ausländischen, besonders dem französischen gegenüber in der Regel überlegen gezeigt hat, dem deutschen Ausfuhrhandel ein neues Absatzgebiet von beträchtlichem Umfang eröffnet. Die in Kamerun tätigen Firmen werden mit Freuden die Gelegenheit ergreifen, dieses neue Gebiet dem deutschen Handel als Absatzgebiet zu erobern. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß jedes neuerworbene Land die Möglichkeit in sich schließt, Mineralschätze zu enthalten; bis jetzt ist z. B. das Vorkommen von Kupfer am oberen Sanga, das in das abzutretene Gebiet fällt, bekannt geworden. Wir treten das Land zwischen Logone und Schari (den Entenschnabel im Nordosten Kameruns) an die Franzosen ab. Der Scharizipfel ist allerdings durch seinen selbst für afrikanische Steppengebiete außerordentlichen Reichtum an jeder Art von Wild ausgezeichnet, und es wäre wünschenswert, wenn die Franzosen nach der Abtretung veranlaßt werden könnten, gerade dieses Gebiet gemäß den Beschlüssen der Londoner Wildschutzkonferenz als Schongebiet zu erklären. Für das abgetretene Gebiet wäre das Gebiet als Entschädigung anzusehen, das, unmittelbar südwestlich davon liegend, von der bisherigen Kameruner Ostgrenze eingeschlossen ist. Der Verlust an Ansehen, der bei der mohammedanischen Bevölkerung des Sudans durch die Verkleinerung des Gebietes des Longone=Sultans von manchem vorausgesetzt wird, würde hierdurch mehr als ausgeglichen. Der übrige an die Öst= und Südostgrenze Kameruns anstoßende Teil des Zuwachses ist teils offenes Steppenland, teils Urwaldgebiet mit reichen Beständen an Kautschuk. Den gleichen Charakter trägt das an die Südgrenze von Kamerun und an die Ostgrenze von Spanisch=Muni anstoßende spitze Dreieck. Der an Deutschland gefallene Streifen Küstenlandes hat für den Fall ganz außerordentlichen Wert, daß wir das spanische Munigebiet erhalten, da er uns den vollen Besitz des Hafens von RioMuni gibt, der bei guter Betonnung und Befeuerung dem Hafen von Duala an Güte mindestens gleichzustellen ist. Es ist richtig, daß in Französisch-Mittelafrika ebenso wie im belgischen Kongostaat die Schlafkrankheit große Verbreitung gefunden hat. Dies wäre wahrscheinlich nicht in dem Umfange geschehen, wenn die Franzosen rechtzeitig die nötigen Maßnahmen gegen sie ergriffen hätten, wie wir es in Kamerun getan haben, sobald die Krankheit dort festgestellt wurde. Wenn erst eine systematische Bekämpfung einsetzt, ist auf Grund der verhältnismäßig guten Erfolge, die wir in Ostafrika und vor allem in Togo erzielt haben, anzunehmen, daß die Gefahr überwunden wird. Erleichtert wird uns dies dadurch, daß wir den Herd der Schlafkrankheit am Sanga direkt angreifen können. Die Bekämpfung der Schlafkrankheit im bisherigen Gebiet von Kamerun dürfte hierdurch wesentlich vereinfacht werden. Angesichts der weitgehenden Entwicklungsmöglichkeiten wird man sich auch mit der Tatsache abfinden können, daß die weitere rationelle Erschließung der erworbenen Gebiete nicht ohne erhebliche Kosten möglich sein wird. Diese Kosten müssen wir auf uns nehmen, wie wir sie willig und hoffnungsfreudig für unsre bisherigen Schutzgebiete auf uns genommen haben.— Hinsichtlich der Einräumung einer Etappenstraße an Frankreich, die durch den Norden Kameruns führt, sagt die Denkschrift: Der ganze Sinn des MarokkoAbkommens ist doch der, daß es eine neue Zeit der Verständigung mit Frankreich auf kolonialem Gebiet einleiten soll. Von diesem Geist ist auch der Artikel 13 diktiert, der den ungehinderten Durchzug französischer Truppen durch bestimmte deutsche Gebiete und deutscher Truppen durch bestimmte französische Gebiete vorsieht. Wenn wirden Franzosen die für sie so wertvolle kurze Etappenstraße, die wir ihnen übrigens für einen eiligen Truppentransport mit Rücksicht auf die gefährliche Lage, in der sie sich im vorigen Jahre in Wadai befanden, schon einmal zugestanden haben, dauernd öffnen, so leisten wir ihnen damit einen großen Dienst, den sie dauernd anerkennen müssen und werden. Die guten Beziehungen zwischen den beiden Mächten werden hierdurch gefördert werden. Für uns ergeben sich aber aus der Einräumung der französischen Etappenstraße auch direkte Vorteile: Politische: Das Gefühl der Zusammengehörigkeit der Weißen gegenüber den Eingeborenen, das bei schlechten Beziehungen zwischen den europäischen Nationen leicht leidet, wird gestärkt. Wirtschaftliche Vorteile: In Wadai stehen allein zwölf französische Kompanien, worunter zwei Kompanien Kamelreiter und ein ArtillerieDetachement, mit einer Gesamtstärke von 2400 Schwarzen, dazu das weiße Personal an Offizieren und Unteroffizieren, die mit ihrer Verpflegung fast ausschließlich auf die Nachschübe von Europa angewiesen sind. Wenn die deutschen Kaufleute wollen, wird also der Handel im Hinterlande einen ungeheuren Aufschwung nehmen. Kurz, soweit sich die Dinge überblicken lassen, werden wir in wirtschaftlicher Beziehung das Abkommen niemals bedauern brauchen. Politische Rundschau. Deutschland. *Kaiser Wilhelm hat auf ein Huldigungstelegramm der nationalen Arbeiterverbände in sehr herzlichen Worten geantwortet. * Das in der Presse verbreitete Gerücht, der Bundesrat habe sich mit der Frage einer kriegerischen Lösung der jetzt beigelegten marokkanischen Streitpunkte und mit der Bereitschaft Deutschlands für einen solchen Krieg beschäftigt, ist nach halbamtlichen Mitteilungen nicht begründet. Damit entfallen auch die weiter hinzugefügten Angaben über Erklärungen, die vonfachmännischer Seite bei diesem Anlaß im Bundesrat gemacht worden sein sollen. Kindesliebe. 22] Roman von Rolf Cormans. Fortsetzung.) Der Mann mit dem grauen Sträflingsanzug sprach kein Wort, und seine Gesichtszüge blieben still wie seine Lippen. Nichts als der tiefe, feierliche Ernst und die gespannte Aufmerksamkeit des seiner schweren Verantwortlichkeit bewußten Arztes waren in ihnen zu lesen. Er hatte während der wenigen Minuten, die seit seinem Eintritt verstrichen waren, die geeigneten Instrumente ausgewählt und geräuschlos seine Vorbereitungen getroffen. Nun bedeutete er seinem Kollegen, dessen unverkennbare Aufregung in auffälligem Gegensatz zu seiner eigenen Gelassenheit stand, durch einen stummen Wink, den Kopf der Patientin zu halten. Aus einem kleinen Gasröhrchen träufelte er einige Tropfen Kokain in Elses geöffnete Augen, und dann— ehe noch eine einzige der anwesenden Personen wahrgenommen hatte, wie das Instrument in seine Hand gekommen war, senkte er das winzige, nadelspitze Messerchen in einen der holden, schimmernden Sterne, die jetzt dem Verlöschen so nahe waren. Frau Holthoff wollte einen Schrei ausstoßen, aber ihr Gatte, der ihr Schwanken und Erbleichen gesehen hatte, verschloß ihr noch zur rechten Zeit durch einen gebieterischen, fast drohenden Blick, die Lippen. Ein paar Sekunden lang blieb es totenstill, dann fiel Gernsdorffs Lanzette mit leisem Klingen auf die Marmorplatte des Nachttischchens, und er legte sanft die bereitgehaltenen Wattebäuschchen auf Elses Augen. Doktor Krüdener wollte sprechen, doch mußte er erst ein wenig würgen, um seine Kehle frei zu machen, in der etwas wie ein erstickender Fremdkörper gesessen zu haben schien und auch dann noch klang seine Stimme merkwürdig verändert, als er sagte: „Freue dich, mein Liebling, meine süße kleine Else— es ist überstanden.“ Um ihre Lippen aber spielte wieder das seltsame, kindliche, hingebend vertrauensvolle Lächeln, und leise wie ein Hauch kam ihre flüsternde Antwort: „Ja— und ich fühle kaum noch einen Schmerz. Mir ist, als wäre ich im Himmel.“ Walter Gernsdorff schwieg auch jetzt. Mit sanften, geschickten Fingern, deren Berührung das junge Mädchen weich wie einen schmeichelnden Lufthauch empfand, hatte er den leichten Verband angelegt und befestigt. Dann tauschte er abermals einen Blick mit Krüdener und trat lautlos zurück. Er hatte sein Versprechen mannhaft gehalten, und nach der Überzeugung aller Anwesenden war es völlig ausgeschlossen, daß Else ihn erkannt hatte. Jeder von den dreien aber hatte in diesem Moment die unausgesprochene Empfindung, daß die ruhigen sicheren Hände des stummen Helfers soeben bei aller scheinbaren Kunstlosigkeit eine bewunderungswürdige Leistung vollbracht hatten— und ob er auch noch immer nur ein Ausgestoßener, ein Mensch in dem grauen Anzug und dem kurzgeschorenen Haar des Zuchthaussträflings war, gab es doch setzt nur Dankbarkeit und Verehrung für ihn in ihren Herzen. „Ich bin hier jetzt nicht mehr notwendig," raunte er an der Tür dem zu ihm herantretenden *Innerhalb der Fraktionen des Reichstags hegt man den lebhaften Wunsch, die Arbeiten des Reichstags möglichst zu beschleunigen, damit der Reichstag spätestens in zweieinhalb Wochen seine Arbeiten beenden kann. Der Reichstag hat nach Erledigung der MarokkoDebatten nur noch den Wunsch, das Privatbeamtenpensionsgesetz zu verabschieden, sodaß die Regierung mit ihrem Bestreben, auch das Schiffahrtsabgabengesetz= noch unter Dach zu bringen, Schwierigkeiten begegnen wird. Es macht sich bei der Linken des Reichstags der Wunsch immer mehr geltend, das Schiffahrtsabgabengesetz fallen zu lassen. Von kleineren Gesetzen sollen noch das Hausarbeitsgesetz und das Gesetz zur Errichtung eines obersten Kolonialgerichtshofes erledigt werden, daneben selbstverständlich die handelspolitischen Vorlagen. Es wird deshalb schon jetzt der Vorschlag gemacht, nach Erledigung der Marokko=Debatten solange eine Pause eintreten zu lassen, bis die 16. Kommission ihre Arbeiten am Privatbeamtengesetz erledigt hat. *Bei der Reichstagsstichwahl im 7. Ratibor=Wahlkreise erhielten Grundbesitzer Sapletta in Ratibor(Zentr.) 10 050 und Pfarrer Banas=Lubowitz(Pole) 5600 Stimmen. — Im ersten Wahlgange hatten von 18351 gültigen Stimmen Sapletta(Zentr.) 8682, Banas(Pole) 4399, Lüdke(freikons.) 3467 und Schwoob(soz.) 1800 Stimmen erhalten. Der jetzige Stimmenzuwachs des Zentrums, das sein Mandat wieder behauptet hat, ist offenbar aus dem Lager der deutschen bürgerlichen Parteien gekommen. England. * Der Premierminister kündigte die Einbringung eines Gesetzentwurfes an, der jedem erwachsenen Einwohner(ohne Vorbehalte und Einschränkungen) das Wachlrecht verleiht; die Verleihung des Stimmrechts an die Frauen soll dem Unterhaus freistehen. Spanien. * Die spanische Regierung hat die französische Mitteilung betr. den deutsch-französischen Marokko=Vertraa mit einer Empfangsbestätigung und der Erklärung beantwortet, daß sie sich die Zustimmung bis zum Abschluß eines neuen Abkommens über Spanien durch den Vertrag von 1904 zuerkannten Rechte vorbehalte. Portugal. *Der deutsche Gesandte hat dem Präsidenten der Republik sein Beglaubigungsschreiben übergeben. Dabei übermittelte er die herzlichen Wünsche Kaiser Wilhelms für die Wohlfahrt Portugals und drückte den Wunsch nach steten freundschaftlichen Beziehungen beider Länder aus. Der Präsident sprach seinen herzlichen Dank aus und versicherte, daß das Streben der Regierung dieses Ziel immer im Auge haben werde. Balkanstaaten. * Wie aus Konstantinopel gemeldet wird, droht die Frage des Heeresdienstes der Christen sich zu einem ernsten Konflikt zu gestalten, falls die Regierung den von den nichtmohammedanischen Religionsgemeinschaften erhobenen Forderungen nicht Rechnung tragen sollte. Die wichtigste dieser Forderungen geht dahin, daß die Christen zum Heeresdienste in gleichem numerischen Ausmaße herangezogen werden, wie die Muselmanen. Die Christen in der Türkei seien Türken und müssen daher, wie betont wird, auch in diesem Punkte ebenso behandelt werden, wie die mohammedanischen Türken. Solange dieser Standpunkt von der Regierung nicht anerkannt wird, könne es zwischen ihr und den christlichen Religionsgemeinschaften zu keinem Einvernehmen kommen, und es sei zu besorgen, daß dieser Zustand zu einem schweren Konflikt führen werde. Asien. *Vor den Revolutionärenin China kapituliert jetzt, nachdem die Regierung eingesehen hat, daß aller Widerstand vergeblich ist, eine chinesische Stadt nach der andern. Am wichtigsten ist die Übergabe der Stadt Nanking. Die Aufständischen griffen die Station Wongtungtong der chinesischen Sektion der KantonKaulun-Bahn an und beschlagnahmten dort Holthoff zu.„Lassen Sie mich-in meine Zelle zurückführen, Herr Direktor!“ Der Beamte erfaßte seinen Arm und zog ihn mit sich hinaus. Seine breite Brust arbeitete ungestüm, und in seinen Augen war ein verdächtiges feuchtes Glänzen. „Sie glauben, daß die Operation gelungen ist?" „Die Operation gewiß! Ob sie den erhofften Erfolg hat, wird sich noch zeigen müssen. Aber ich glaube es, Herr Direktor— ich glaube es zuversichtlich!" „Dann werde ich Ihr Schuldner bleiben, bis an das Ende meines Lebens! Ah, welche Grausamkeit des Schicksals, daß ich jetzt nichts tun kann, Ihnen zu danken— nichts, gar nichts!" Da richtete sich der Gefangene auf und sagte im ruhigsten Tone, doch mit einer schlichten Größe, die das Herz des andern vor Beschämung erzittern ließ: „Ich habe meinen Dank vorweg! Und wenn ich auch sehr wohl weiß, daß Sie sich nur nach schwerem Kampfe entschlossen haben, mich zu holen, einer unerbittlichen Notwendigkeit gehorchend, so darf ich Ihr Gewissen doch von jeder lästigen Empfindung einer Dankesschuld befreien, indem ich Ihnen versichere, daß ich felbst es war, dem hier die bei weitem größte Wohltat zuteil wurde. Erlassen Sie es mir, Ihnen das des nähern auseinanderzusetzen— und geben Sie mich nur getrost meinem Sträflingsdasein zurück. Die letzte Stunde hat mich mit neuen Kräften ausgerüstet, es zu ertragen.“ Direktor Holthoff fühlte ein unwiderstehliches lagernde Vorräte von Waffen und Munition. Ebenso wurden drei weitere Stationen auf dem Wege nach Peking angegriffen. Die von Inanschikai in Hankau erlassene Proklamation ist eindruckslos geblieben. Die Bereitschaft der Kaiserlichen zum Kampf gegen die Aufständischen ist infolge mangelhafter ungerechter Proviantversorgung und des Tadels wegen Inbrandschießung von Hankau stark im Schwinden begriffen. Indessen werden die Vergleichsverhandlungen fortgesetzt, von denen man sich immer noch einen Erfolg verspricht. Der italienisch-türkische Krieg. Der italienische Oberkommandierende in Tripolis, General Caneva, hat nunmehr die Einverleibung von Tripolis und der Cyrenaika in das Königreich Italien sowie die volle und ganze Souveränität Italiens über die neuerworbenen Länder feierlich in Gegenwart von ungefähr hundert Araberhäuptlingen verkündet. Unter Beifallskundgebungen hörten diese die Verkündigung, die ihnen ein Dolmetscher übersetzte, an. Mit der Nationalhymne schloß die Feier.—„Corriere della Sera' bespricht die Haltung der Mächte zu der Note der italienischen Regierung, die die Einverleibung ankündigt: „Man wisse nicht, ob sie allen Mächten gelegen gekommen sei, aber man könne überzeugt sein, daß niemand daran zweifle, Italjen habe hiermit einen Abschluß des ersten Teiles des Krieges geschaffen und damit den Mächten ein klares und bestimmtes Vorgehen in Konstantinopel ermöglicht. Es kann sich niemand dem Glauben hingeben, daß Italien in seiner Tätigkeit nachlassen könne. Italien hat jetzt zum letzten Male gesprochen und den Frieden angeboten. Hiernach werde es die Türkei fühlbarer zu treffen wissen in andern Landesteilen, ohne seine Tätigkeit in Tripolis zu vernachlässigen."— Wie verlautet, hat Italien bereits in aller Stille einige Inseln im Agäischen Meere besetzt. Natürlich wird die Türkei Gegenmaßregeln ergreifen. Keinen Frieden! Das ist in Konstantinopel die Parole. In Tadjurah haben die Türken einige arabische Häuptlinge gehängt, die die Unterwerfung unter die Italiener gepredigt hatten. Auch die Kundschafter der Italiener, die ergriffen werden, werden gehängt. Die Leichname bleiben zur Schau hängen, nachdem man ihnen das Erkennungszeichen, das die Kundschafter vom italienischen Kommandanten erhalten und das ihnen ungehinderten Durchgang durch die italienischen Linien gewährt, am Arm befestigt hat. Gegen die von Italien verkündete Angliederung von Tripolis erhebt die Türkei in einer Note Einspruch, die folgenden Wortlaut hat:„Die kaiserlich türkische Regierung erfährt, daß die italienische Regierung aus eigenem Antrieb ein Dekret veröffentlicht, das die Angliederung der türkischen Provinzen von Tripolis und Benghasi ausspricht, und in diesem Augenblick dies den Mächten mitgeteilt hat. Die Hohe Pforte erhebt in energischster Weise gegen diese Verkündigung Einspruch, die sie rechtlich und tatsächlich als null und nichtig betrachtet. Ein solcher Akt ist in der Tat nichtig, weil er den elementarsten Grundsetzen des Völkerrechts widerspricht. Er ist es anch darum, weil die Türkei und Italien sich noch in vollem Kriege befinden, den die türkische Regierung fortzusetzen beabsichtigt, um mit den Waffen ihre unverjährbaren und unveräußerlichen Hoheitsrechte über diese beiden Provinzen zu verteidigen. Anderseits bildet diese Verkündung und ihre Mitteilung an die Mächte eine doppelte und formelle Verletzung der feierlich eingegangenen Verpflichtungen auf Grund der Verträge, besonders derjenigen von Paris und Berlin, sowohl von Italien gegenüber den Großmächten wie auch von diesen gegenüber der Kaiserlich türkischen Regierung hinsichtlich der Unverletzlichkeit des Kaiserreiches. Unter diesen Umständen bleibt die durch die italienische Regierung proklamierte Annexion juristisch ungültig, um so mehr, als sie in der Tat nicht vorhanden ist.“ Verlangen, all das Gute und Trostreiche auszusprechen, davon ihm das Herz bis zum Zerspringen voll war. Aber er konnte das rechte Wort nicht finden, denn in der bei aller Bescheidenheit so stolzen und selbstbewußten Ruhe dieses geächteten Sträflings war eine imponierende Überlegenheit, vor der er sich in einem niederdrückenden Gefühl der eigenen Kleinheit beugen mußte. „So lassen Sie uns denn gehen," sagte er, unwillig über sich selbst, daß er nichts Besseres zu erwidern wußte. Und durch die nächtliche Dunkelheit schritten sie abermals unter dem hohen Torbogen hindurch, deren eiserne Flügel sich willig vor ihnen öffneten, über die düsteren Höfe, die steilen Treppen und die unheimlich widerhallenden Gänge, bis sich dumpf und dröhnend die Zellentür aufs neue hinter dem einsamen namenlosen Gefangenen„Nummer 113“ geschlossen. 13. Es war fünf Tage später, als Doktor Krüdener um die Vormittagszeit in das Bureau des Zuchthausdirektors trat. Holthoff stand sogleich auf und ging ihm ein paar Schritte entgegen. „Nun, Doktor, wie steht's drüben? Ich will doch nicht hoffen— Ihr Gesicht sieht nicht aus, als ob Sie gute Neuigkeiten für mich hätten." „Mein Gesicht ist so, wie Sie es erwarten dürfen," erwiderte der Alte verdrießlich.„Ich kann die eigensinnigen Leute nun einmal nicht ausstehen, und die undankbaren sind mir nun gar bis in den Tod zuwider.“ Heer und Flotte. — Die Meldung verschiedener Blätter von umfassenden Truppenverschiebungen nach der Weilgrenze trifft nach halbamtlichen Meldungen nichl zu. — Das Offizierkorps der Kaiserlichen Marine ist in den letzten Jahren soweit verjüngt worden, daß aktive See=Offiziere, die schon als in der preußischen Marine gedient haben, überhaupt nicht mehr vorhanden sind. Der einzige See=Offizier, der noch als Kadett und zugleich der einzige, der vor Ausbruch des deusch- französischen Krieges die OffiziersEpauletten trug, ist der Staatssekretär des R.=M.=A., Großadmiral v. Tirpitz. Er trat 1865 in die Marine ein. Aus der norddeutschen Bundesmarine übernahm die deutsche Marine 1871 eine große Anzahl von OffiziersAspiranten, von denen heute nur noch zwei in der Marine Dienst tun, und zwar der Chef der Marinestation der Nordsee, Admiral v. Baudissin, und der Chef der Hochseeflotte, Admiral von Holtzendorff. Graf Baudissin ist 1867 eingetreten, während v. Holtzendorff 1869 eintrat. — Der Kreuzer„Berlin“, der bislang im Hafen von Agadir stationiert war, bleibt in Westafrika und in den nächsten Tagen wird seine neue Station bekannt gegeben werden. Von Nah und Fern. Die Sturmverheerungen auf Helgoland. Der Nordstrand Helgolands ist noch mit Schutt und Steinen bedeckt. Es wurde sogar das starke Bollwerk zerbrochen und ein großer Streifen Landes in das Meer gespült. Desgleichen hat die Düne stark gelitten. Geradezu verheerend hat der Sturm beim Reichskriegshafen gewirkt. Das große eiserne Gerüst, das zum Bau der Schützmauern errichtet ist, ist vollständig vernichtet. Hier beträgt der Schaden allein etwa 200 000 Mk. Die Mannschaft der im Hafen liegenden Schiffe konnte nur mit größter Mühe gerettet werden. Ein Schiff, das den Hafen aufgesucht hatte, wurde gegen die Östmauer des Hafens geschleudert und zerschellte. x Sistiertes Examen. Für nichtig erklärt wurde die diesjährige Hauptprüfung der badischen Gewerbelehrer=Kandidaten, die vierzehn Tage dauerte und der sich 26 Kandidaten unterzogen hatten. Der Grund zu dieser aufsehenerregenden Maßnahme ist in der Benutzung von unlanteren Mitteln seitens einiger Kandidaten zu suchen. Sämtliche Kandidaten, denen das Ergebnis der ersten Prüfung bereits eröffnet worden war, wurden zu einer zweiten Prüfung zugelassen. Eine oberbayrische Dorfschlacht. In Ascholding in Oberbayern ist durch herumziehende Hausierer, die in einer Wirtschaft Streit bekamen, ein förmlicher Straßenkampf entstanden. Zuerst begann alles in der Wirtschaft zu raufen. Die Wirtschaft wurde vollständig zerstört, sogar die Fensterflügel wurden von den Wütenden herausgerissen, die dann auf der Straße weiterkämpften, wobei längere Zeit scharf geschossen wurde. Der Bürgermeister ließ Sturm läuten, und die telephonisch gerufene Gendarmerie und Arzte, kamen in Automobilen herbei. Von den Anstiftern konnten nur drei auf der Flucht ergriffen werden. Der Wirt, der Ruhe stiften wollte, wurde am schwersten verletzt. Ein Kohlenlager bei Karlsbad. Bei den Grundausgrabungen für die zukünftige städtische Markthalle am sogenannten Steinberg in Karlsbad stieß man auf ein ausgiebiges Braunkohlenlager von so großem Umfange, daß sich an dieser Stelle ein vollkommen abbaufähiges Braunkohlenwerk errichten ließe. PR 400 Zentner„R“=Pulver in das Meer versenkt. Im Hafen von Brest ist mit der Vernichtung des alten„B“=Pulvers begonnen worden. 400 Zentner davon kommen in erster Linie in Betracht. 200 Zentner hiervon lagern bereits auf einem Bagger zur Versenkung bereit. Der Bagger wird unter der strengen Bewachung durch einen Dampfer der Hafenverwaltung ins offene Meer gezogen werden, um dort unter Wasser gesetzt zu werden. „Da Sie mir das sagen, muß ich wohl annehmen, es solle sich auf mich beziehen.“ „Wer sich getroffen fühlt, wird wohl Ursache dazu haben. Mit Ihrer Erlaubnis wollen wir jetzt von unsern dienstlichen Angelegenheiten reden.“ Aber Holthoff legte ihm die Hand auf die Schulter und drückte ihn auf das Ledersofa nieder, um sich dann an seine Seite zu setzen. „Nein, Döktor, mit Ihrer Erlaubnis, das wollen wir nicht! Was habe ich Ihnen denn eigentlich getan, daß Sie mich so schlecht behandeln und mir nichts als ausgesuchte Grobheiten zu kosten geben? Nur heraus mit der Sprache! Wodurch habe ich's mit meinem lieben alten Freunde verdorben?“ „Der T..... ist Ihr lieber, alter Freund! Wahrhaftig, wenn's nicht wegen des Kindes wäre, das ich keinen Tag lang entbehren kann, ich würde Sie ersuchen, sich gefälligst nach einem andern Hausarzt umzusehen.“ „Es ist also Ernst, Doktor?“ „Natürlich ist's Ernst, blutiger Ernst ist es.“ „Vielleicht werden Sie jetzt auch die Güte haben, mir zu sagen, was Sie gegen mich aufbringt, denn ich ahne es wahrhaftig nur ganz dunkel.“ „Ihre dunkle Ahnung sagt Ihnen aber jedensalls das Rechte. Ich sollte meinen, daß ich mich vorgestern einigermaßen deutlich ausgesprochen hätte!" „Also sind wir wirklich noch immer auf demselben Punkt? Sie verlangen, daß ich dem Doktor Gernsdorff gleichsam in aller Die Versenkungsstelle wird sich abseits der Fahrstraße der großen Dampfer befinden. PR Absturz eines Kirchenchors. In dem belgischen Orte Marche zelebrierte der Priester gerade die Messe, als in der Kirche ein mächtiges Krachen anhub. Die Kirchgänger flohen entsetzt dem Ausgang zu. In diesem Augenblick senkte sich der Chor der Kirche und brach mit lautem Krach nieder. Im Kirchenschiff befand sich glücklicherweise kein Mensch mehr, doch blieben von den Chorbesuchern einige zwanzig mit erheblichen Verletzungen liegen. Als Ursache des Einsturzes wird angegeben, daß der Chor überlastet war. PR Durch einen Mühlenflügel erschlagen. In der Nähe des belgischen Ortes Gerichtshalle. §§ Berlin. Das Oberverwaltungsgericht hatte sich mit einer Angelegenheit zu beschäftigen, die für Arzte und und Beamtenkreise von größtem Interesse sein dürfte. Als dem Regierungssekretär G. vom Regierungspräsidenten nahegelegt wurde, in den Ruhestand zu treten, erklärte G., er sei dienstfähig und weigerte sich, seinen Dienst aufzugeben. Als aber der Kreisarzt Dr. K. in einem Gutachten ausführte, G. sei infolge von Arterienverkalkung und Nierenerkrankung dauernd dienstunfähig, strengte G. gegen den Kreisarzt einen Prozeß auf Schadenersatz an, da er keineswegs dienstunfähig sei; andre Arzte hätten erklärt, er sei gesund und rüstig. Ehe es zu einer gerichtlichen Entscheidung kam, erhob die Königliche Regierung den Konflikt, da der Kreisarzt seine Amtsbefugnisse nicht überschritten habe. Ein Am 12. November, dem dritten Jahrestage der furchtbaren Bergwerkskatastrophe, der 348 Bergleute von Radbod zum Opfer gefallen sind, wird auf dem Zechenfriedhof der Bergwerksgesellschaft Trier bei Hamm in Westfalen ein monumentales Denkmal enthüllt werden. Auf jedem der beiden Massengräber, in denen die verunglückten Arbeiter ruhen, wird ein plastisches Kunstwerk enthüllt. Das eine dieser Denkmäler stellt einen knienden Bergmann dar, das andre eine Gruppe von trauernden Hinterbliebenen. Rechts und links von den Statuen trägt ein architektonischer Umbau die Namen der unglücklichen Opfer, die hier begraben liegen. Die Kosten für diese Ehrung der in Erfüllung ihrer Pflicht gestorbenen Bergleute hat die Bergwerksgesellschaft Trier getragen. Hasselt hat sich ein sehr seltener Unglücksfall zugetragen. Dort spielten zwei 11 jährige Knaben, von denen einer einem Flügel einer durch den Sturm scharf angetriebenen Mühle zu nahe kam. Der Flügel zerschmetterte dem Knaben den Kopf, nahm dann den leblosen Körper mit in die Höhe und warf ihn in weitem Bogen 40 Meter entfernt zur Erde. Dort fand man die völlig unkenntliche Leiche des Kindes. Grubenkatastrophe in Transvaal. Ein verhängnisvolles Grubenunglück hat sich in Johannesburg ereignet. In der PrimroseMine sind 106 eingeborene Arbeiter durch den Einsturz eines Ganges lebendig eingeschlossen. Das Rettungswerk ist wegen der nachstürzenden Trümmer äußerst schwierig und gefährlich. Gutachten des Medizinalkollegiums war für den Kreisarzt nicht besonders günstig, gelangte aber doch zu dem Ergebnis, daß nicht erwiesen sei, daß der Kreisarzt vom ärztlichen Standpunkt aus nicht die gebotene Gewissenhaftigkeit bei der Erstattung eines Gutachtens außer acht gelassen habe. Ein Gutachten der wissenschaftlichen Deputation für das Medizinalwesen war für den Kreisarzt noch erheblich günstiger und kam zu dem Schluß, daß der Kreisarzt das fragliche Gutachten mit der für einen Arzt gebotenen Gewissenhaftigkeit erstattet habe. Das Oberverwaltungsgericht erklärte im Hinblick auf das Konfliktsgesetz und§ 11 des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetz den Konflikt für begründet und stellte das gerichtliche Verfahren ein, indem u. a. ausgeführt wurde, ein Konflikt sei dann begründet und das gerichtliche Verfahren einzustellen, wenn feststehe, daß Beamte sich einer Überschreitung oder Unterlassung einer ihnen obliegenden Amtshandlung nicht schuldig gemacht haben. Dies sei vorliegend nach dem Gutachten der Deputation für das Medizinalwesen anzunehmen, wenn das Medizinalkollegium auch zum Teil andrer Ansicht sei. Mit Rücksicht auf die Art der Erkrankung des Regierungssekretärs erscheine aber auch ein Irrtum des Arztes entschuldbar. Der Kampf gegen Grubenunglücke in Amerika. tt Die Zahl der alljährlich durch Grubenkatastrophen getöteten Bergleute ist in Amerika so groß, daß sie die Verluste eines etwaigen Krieges weit übersteigt. In den letzten fünf Jahren wurden allein in Pennsylvanien mehr als ein Regiment lebenskräftiger Männer vom Tode unter Tag ereilt. Die Regierung der Ver. Staaten hat deshalb den Kampf gegen die Grubenunglücke mit Eifer aufgenommen und sucht vor allem die Bergleute über die sie umgebenden Gefahren aufzuklären. Zu diesem Zweck sind mehrere Institute gegründet worden, über deren Einrichtung Fr. Bock einen interessanten Aufsatz in„Über Land und Meer“ veröffentlicht. Bei den Demonstrationen wird z. B. eine künstlich hervorgerufene Grubenexplosion gezeigt. In einem etwa 30 Meter langen Zylinder wird Kohlenstaub zum Explodieren gebracht, wobei 16 eiserne Klappen in die Höhe fliegen, die den ganzen Apparat vor der Zerstörung schützen. In einem 18 Meter von dem Zylinder entfernten Beobachtungshaus können die Grubenleute die Vorgänge genau beobachten und erhalten dadurch erst eine Vorstellung von der hohen Explosionsfähigkeit des Kohlenstaubes. Der Apparat demonstriert auch die Wirkung verschiedener Explosivkörper, die absichtlich zum Sprengen benutzt werden. Ladungen von Dynamit, schwarzem Pulver und andern sogen. Sicherheitssprengstoffen werden in den mit Kohlenstaub gefüllten Zylinder abgefeuert, um durch Vergleich ihre Wirkung praktisch festzustellen, sowie die Menge der Ladung zu bestimmen, die ohne Gefahr benutzt werden kann. Den Bergleuten wird auch durch Anschauung bewiesen, daß manche der ungefährlichsten Sprengstoffe gleichzeitig in ihrer Wirkung am stärksten sind. In einem zwei Meter langen und drei Meter weiten Versuchszylinder wird vorgeführt, wie es möglich ist, daß ein Grubenschacht in einem Bergwerk durch von schadhaftem elektrischen Leitungsdraht ausgehende Funken in die Luft gesprengt werden kann. Das in diesen Zylinder gepumpte Gas und der Kohlenstaub werden durch einen gewöhnlichen Funken, wie er zwischen zwei Leitungsdrähten aufsprüht, zur Explosion gebracht. Außerdem erhalten die Bergleute praktische Kurse in einer improvisierten Grube, bei denen gründliche Anleitung zu erfolgreichen Maßnahmen bei Unglücksfällen gegeben wird. Ein großer, luftdichter, von Glaswänden eingeschlossener Raum, der wie in einer Grube verschiedene Gänge enthält und auch verschiedene in zerstörten Gruben typische Hindernisse vorsieht, dient dem Unterricht. Der luftdichte Raum wird mit Schwefeldunst angefüllt, so daß die Übungen mit Sauerstoffhelmen stattfinden müssen; Strohmänner im Gewicht von 75 bis 100 Kilogramm stellen verunglückte Bergleute dar. Neben den Rettungsinstituten für Bergleute unterhält die amerikanische Regierung noch eine Anzahl Wanderschulen, die in Eisenbahnwaggons untergebracht sind. Diese mit allen erdenklichen Rettungsapparaten ausgerüsteten Wagen suchen den Bergmann an seinem Arbeitsort auf; ein Bergingenieur und ein Arzt, dem ehemalige Bergleute als Samariter beigegeben sind, leiten den Unterricht. Jeder dieser sechs Unterrichtswagen hat seinen bestimmten Bezirk und bleibt so lange an einem Ort, bis die Bergleute über alles Wissenswerte unterrichtet sind. Gemeinnütziges. Ein billiges Mittel, um die Zimmerluft zu verbessern, stellt man sich her, indem man in ein Gefäß, mit kochendem Wasser gefüllt, einen Löffel voll Terpentinöl langsam in das kochende Wasser gießt. Man wird dann den schönsten Tannengeruch im Zimmer haben. Tomatensaft übt auf Leberkranke eine gute Wirkungau. dasrion e. oavee n. aetve, Form die weitere Behandlung meiner Tochter übertrage?“ „Ich verlange, daß Sie sich wie ein verständiger Mensch und wie ein dankbarer Vater gegen ihn benehmen— weiter nichts! Und nicht seinetwegen— Ihretwegen sollten Sie es tun, damit Sie nicht eines Tages sehr fatale Gewissensbisse spüren. Der Mann hat Ihrem Kinde das Augenlicht gerettet, er hat in einem Moment, wo Sie mit all Ihrem Machtbewußtsein und all Ihrer makellosen Ehrenhaftigkeit nur eine verzweifelte, hilflose und armselige Menschenkreatur waren, in Ihr Leben eingegriffen, wie ein Engel vom Himmel— mit denselben Händen, die auf Ihr Geheiß die gemeinsten Arbeiten verrichten müssen, hat er— aber was hilft es denn, das alles einem Menschen auseinanderzusetzen, der nicht Herz genug hat, es selbst zu fühlen!" Er wollte aufspringen, doch Holthoff, der jetzt wieder sehr ernst geworden war, zog ihn auf den Sitz zurück. „Und wer sagt Ihnen, daß ich dies alles nicht ebenso lebhaft, oder noch lebhafter empfinde, wie Sie? Aber ich habe Pflichten; erst wo der Beamte es gestattet, darf der Mensch bei mir in seine Rechte treten. Ich kann das bedauern, doch ich kann nichts dabei ändern, und ich habe Gernsdorff von vornherein nicht darüber im Zweifel gelassen, daß er sich von seinem freiwillig geleisteten Dienst keine Vorteile versprechen dürfe." „Eine ausgezeichnete Entschuldigung, die Sie sich da zurecht gemacht haben. Schade nur, daß Sie damit keinen andern überzeugen werden. Denn es hat immer einen sauren Beigeschmack, wenn jemand, der seine Pflichten vergessen konnte, als er in Not war, sich plötzlich auf diese Pflicht besinnt, sobald es gilt, eine unbequeme Dankesschuld abzutragen!“ „Sie irren, Doktor, meine Dankesschuld ist mir nicht unbequem, und ich werde sie tilgen, wenn die Verhältnisse mir die Möglichkeit dazu gewähren. Daß dies nicht früher der Fall sein wird, als nach Ablauf von Gernsdorffs Strafzeit, ist traurig, aber unabänderlich.“ „So? Diesen entfernten Zeitpunkt haben Sie sich als Termin gesetzt? Und was— wenn es erlaubt ist, danach zu fragen— was gedenken Sie alsdann für Gernsdorff zu tun?“ „Darauf kann ich natürlich heute noch keine bestimmte Antwort geben, denn es wird ganz von den obwaltenden Umständen und von Gernsdorffs eigenen Wünschen abhängig sein. Jedensalls werde ich alles tun, was in meinen Kräften steht, um ihm den Wiedereintritt in die menschliche Gesellschaft zu erleichtern und ihm wenigstens einige jener Schwierigkeiten aus dem Wege räumen, die sich einem entlassenen Sträfling leider stets entgegenstellen." „Das ist ein sehr menschenfreundlicher Vorsatz— man muß ihn loben. Und Sie dürfen sich um so beruhigter in dem erhebenden Bewußtsein Ihrer Vorurteilslosigkeit sonnen, als sie schwerlich auf eine ernste Probe gestellt werden wird. Dieser Doktor Gernsdorff ist nicht der Mann, irgend jemandes Beistand zu erbitten oder anzunehmen. Er wird Ihnen am Tage seiner Entlassung ohne Zweifel sehr höflich für Ihre freundliche Absicht danken und er wird Sie bitten, einen andern statt seiner mit einer Güte zu beglücken, für die er selbst zu seinem Bedauern keine Verwendung hat.“ „Sind Sie dessen ganz gewiß, Doktor? Kennen Sie den Mann so genau?“ „Ja, ich kenne ihn, und es bedarf dazu wahrlich keines außergewöhnlichen Scharfsinns. Wenn Sie gehört hätten, was er zu mir sprach, ehe er sich anschickte, die Operation vorzunehmen, so würden Sie kaum noch daran denken, ihn auf solche Art zu entschädigen. Ob er ein Verbrechen begangen hat oder nicht, einer von denen, die mit dem Maße der Alltagsmenschen gemessen werden dürfen, ist er in keinem Fall.“ Es war der nachdenklichen Miene des Zuchthausdirektors anzusehen, daß des Doktors Worte nur bestätigten, was er sich längst selbst gesagt hatte, und so meinte er unsicher: „Wenn man ihm aber nicht danken kann, wie man einem andern danken würde, was bleibt mir dann noch übrig, als der Zukunft und dem Zufall zu überlassen, wie sie mich von meiner Dankesschuld befreien wollen?“ „Nun, ich dächte doch, es gäbe auch noch einen andern Weg. Und ich rate Ihnen allen Ernstes, ihn einzuschlagen. Haben Sie an jenem Abend vergessen können, daß der Mann, der Ihnen den Trost und die Freude Ihres Alters gerettet hat, ein Sträfling war, was hindert Sie denn, es noch einmal zu vergessen und ihn für eine kurze Spanne Zeit ganz so zu behandeln, wie Sie einen freien und unbescholtenen Mann an seiner Stelle behandeln würden?“ Ki 22 (Fortsetzung folgt.) Vom 10. Noubr. bis 17. Noubr. Beginn: Freitag früh 9 Uhr. Ende: Donnerstag abend 8 Uhr Pfg. Woche Alljährlich nur einmal bringe ich während meiner 95 Pfg. Woche große Posten Bedarfs- und Geschenk-Arfikel für den außergewöhnlich billigen Einheitspreis von 95 Pig. zum Verkauf. Eines besonderen Hinweises auf die wirklich grotzen Vorteile bedarf es nicht mehr, da meine werte Kundschaff sich in den Vorjahren davon genügend überzeugt haf. Jeder Artikel hat einen weit höheren Verkaufswert, Posten Während der 95 Pfg. 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