Ausgabe B
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Volkszeitung für Ennepe und Ruhr
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Nr. 289
Freitag, den 10. Dezember(Kath. Melchior, Evg. Judith)
1937
Japanisches Ultimatum an Nanking!
Entweder Uebergabe oder Sturm!
Forksetzung der Operationen auch nach dem Fall— Tschiangkaischek sammelt seine
Streilkräfte im Süden
DRB Schanghai, 9. Dez.(Ostasiendienst des DRB) Nach hier vorliegenden japanischen Meldungen schließt sich der Ring um Ranking immer fester. Eine japanische Abteilung erreichte den Militärflugplatz Tatschiatschiao südöstlich von Ranking.
Die Japaner haben
die Mächte aufgefordert, ihre staatlichen und privaten Schiffe und Landfahrzeuge von chinesischen Truppenzusammenziehungen und militärischen Anlagen möglichst weit fernzuhalten oder sie aus der Kampfzone überhaupt zurückzuziehen.
Die japanischen Streitkräfte könnten andernfalls keine Verantwortung für die Sicherheit solcher Fahrzeuge übernehmen.
Wie die Agentur Domei berichtet, wurde in einer Ministerkonferenz die Uebereinstimmung der Ansichten dahingehend erzielt, daß
die militärischen Operationen in China auch nach dem Fall von Ranking fortgesetzt werden sollen,
sofern nicht die Regierung in Ranking ihre bisherige Haltung Japan gegenüber aufgebe und Verhandlungen mit Japan wünsche.
Der, japanische Oberkommandierende, General Matsui, hat durch einen Flieger über Nanking
einen Vrief abwerfen lassen, in dem der chinesische Stadtkommandant General Tangschenschi
aufgefordert wird, die Hauptstadt
bis zum 10. Dezember mittags freiwillig zu übergeben
und einen Bevollmächtigten zu Verhandlungen zu entsenden.
General Matsui hat damit den Chinesen eine Gnadenfrist gegeben. Er will so verhindern, daß alte Kulturstätten durch Kämpfe in Mitleidenschaft gezogen werden. Vor allem aber will der japanische Oberkommandierende eine Schonung der Zivilbevölkerung ermöglichen.
Kommt der chinesische Stadtkommandant der Aufforderung nicht nach,
wird ohne Verzug das Signal zum
Sturm auf die Hauptstadt gegeben werden.
*
Meldungen aus gewöhnlich gutunterrichteter Quelle zufolge soll Marschall Tschiangkaischek nunmehr
das Gros der chinesischen Armee und die Luft
flotte im Gebiete Rantschang=Kiukiang zusammenziehen.
Nach einer Meldung aus Hankau wird zur Zeit eine starke Schiffssperre auf dem Yangtse in der Rähe von Kiukiang fertiggestellt.
Durchbruch durch die Flußsperre
DMB Hankau, 9. Dez.(Ostasiendienst des DMB) Mehreren japanischen Torpedobooten ist es gelungen, nach fast zwei Wochen langer Räumungsarbeit bei der großen Sperre bei Kiangyin sich eine schmale Durchfahrt zu bahnen und die Fahrt den Yangtse aufwärts fortzusetzen. Sie beabsichtigen, Ranking auch von der Flußseite her abzuriegeln, woran sie nur noch durch eine Rotsperre in der Rähe von Chinkiang gehindert werden.
Wuhu von Japanern besetzt
DMB London, 9. Dez.(Drahtb.) Wie Reuter meldet, haben die japanischen Truppen heute morgen um 5 Uhr Wuhu besetzt. Damit soll den in Nanking befindlichen Truppen der Rückzug abgeschnitten sein Diese könnten nunmehr nur noch durch den Uebergang über den Dangtse einen Rückzug bewerkstelligen.
Zum letzten Male in diesem Jahre:
Sitzung des Reichskabinetts
Verabschiedung einer Reihe von Gesetzesvorlagen
DNB Berlin, 9. Dez.(Drahtb.) Das Reichskabinett trat am Donnerstag vormittag zu seiner letzten Sitzung in diesem Jahre zusammen, um eine Reihe von Gesetzesvorlagen zu beraten.
Zunächst wurde der Entwurf eines Gesetzes über die Verfassung und Verwaltung der Hansestadt Hamburg angenommen, durch das nach Bildung der Einheitsgemeinde Hamburg die Abgrenzung zwischen der staatlichen Verwaltung(bezw. dem Reich) und der Gemeindeverwaltung vorgenommen wird.
Ein Gesetz zur Verlängerung der Vorschriften über die Reichsfluchtsteuer schließt einige Lücken auf diesem Gebiete und verlängert die Geltungsdauer des Gesetzes um ein weiteres Jahr.
Ein Gesetz über die 31. Aenderung des Besoldungsgesetzes, durch das gewisse Aenderungen bei der Abgrenzung zwischen einigen Besoldungsgruppen herbeigeführt werden, trägt einigen im Laufe der Zeit entstandenen Bedürfnissen verschiedener Reichsverwaltungen Rechnung.
Durch das Gesetz zur Aenderung des Gesetzes über Spar= und Girokassen, kommunale Kreditinstitute und Giroverbände sowie Girozentralen vom 13. Dezember 1934 wird die Geltungsdauer dieses Gesetzes bis zum 31. Dezember 1939 verlängert.
Das Reichskabinett gab schließlich einem Gesetz über die Gewährung von Entschädigungen bei der Einziehung oder dem Uebergang von Vermögen seine Zustimmung, durch das Entschädigungen für solche Personen festgesetzt werden, die durch die Einziehung staatsfeindlichen Vermögens oder durch den Uebergang von Vermögen der früheren Arbeitgeber= oder Arbeitnehmerverbände auf die Deutsche Arbeitsfront einen mittelbaren Vermögensnachteil erlitten haben. Insbesondere handelt es sich um Entschädigungen von Gläubigern dieser aufgelösten Verbände. Die Entschädigungen werden in einem besonderen Feststellungsverfahren festgesetzt.
Alsdann wandte sich das Reichskabinett der Weiterberatung des Entwurfes eines Deutschen
Strafgesetzbuches zu, die sich bis in die Nachmittagsstunden hinzog.
Förderung der Frühehe bei den Junglehrern
Berlin, 9. Dez.(Drahtber.) Die bevölkerungspolitischen Ziele des nationalsozialistischen Staates erfordern Maßnahmen auf dem Gebiete des Besoldungsrechtes, die geeignet sind, die Frühehe und damit eine Vorbedingung der kinderreichen Familien innerhalb der Beamten= und Lehrerschaft zu fördern. Um iungen Lehrern/den Entschluß zu früher Eheschließung zu erleichtern, hat das Preu
ßische Staatsministerium vor kurzem in Anlehnung an eine bestehende reichsrechtliche Regelung ein Gesetz über die Erhöhung der Dienstbezüge der verheirateten Schulamtsbewerber beschlossen. Durch dieses Gesetz, das rückwirkend vom 1. April 1937 in Kraft tritt, wird die Besoldung für die verheirateten Anwärter im Volksschuldienst und im Berufsschuldienst geregelt werden. In dieser Dienstaltersstufe verbleiben sie fünf Jahre. Nach Ablauf dieser Zeit rücken sie in gleicher Weise auf, wie wenn sie planmäßig angestellt wären.
Die Verhandlungen über Einführung einer ähnlichen Regelung in den anderen Ländern sind noch nicht abaeschlossen.
Der Große Kat des Faschismus einberufen
Auf Sonnabend 22 Uhr.
DNB Rom, 9. Dez.(Drahtb.) Der Große Rat des Faschismus ist, wie amtlich mitgeteilt wird, auf Sonnabend 22 Uhr in den Palazzo Venezia einberufen worden.
Kein Geheimbund und keine Waffenlager!
General Duseigneur im
Der„Einigungsausschuß“ war ein polizeilich eingetragener Verein!
DRB Paris, 9. Dez.(Drahtb.) Am Mittwoch begann das Verhör des im Zusammenhang mit der Aufdeckung sogenannter Geheimbünde verhafteten ehemaligen Fliegergenerals Duseigneur. Der General erklärte, daß der von ihm gegründete„Einigungsausschuß für Abwehrtätigkeit“
keine Geheimorganisation, sondern eine bei der Poliezipräfektur rechtmäßig eingetragene Vereinigung sei.
Sein Kampf habe allein dem Kommunismus gegolten, und die Satzungen des Bundes hätten die Hilfeleistung für Armee und Polizei im Falle eines kommunistischen Putsches vorgesehen.— Er selbst gehöre ebenfalls keinem Geheimbunde an. Der General
verwahrte sich weiter dagegen, von Waffenlagern seiner Organisation Kenntnis gehabt zu haben.
Sie habe niemals Kriegsmaterial in ihrem Besitze gehabt und ebensowenig seien Mittel für den Erwerb von Waffen vorhanden.
Nach diesen Erklärungen des Generals Duseigneur stellte dessen Rechtsanwalt den Antrag auf seine vorläufige Freilassung.
Sechs Maschinengewehre „verschwunden“
bei einem Pariser Regiment.
DNB Paris, 8. Dez.(Drahtb.) Die„Liberte“ veröffentlicht unter Vorbehalt das Gerücht, daß vor zwei Tagen bei dem in Paris liegenden 46. Infanterie=Regiment sechs Maschinengewehre verschwunden seien.
Im Auerschnitt des Tages
Eine Wahlfarce
Der Chef der sowjetrussischen Fliegerwaffe, General Alksnis, ist verhaftet worden. Die GPU. hat angeblich im Stabe der Fliegertruppe eine große Spionageaffäre aufgedeckt. Eine Reihe von Offizieren wurde zum Tode verurteilt und erschossen. General Alksnis verwandte sich bei Stalin persönlich für einen von ihnen, den er für unschuldig hielt. Diese Fürsprache ist ihm schlecht bekommen. Der mißtrauische sowjetrussische Diktator vermutete sofort, daß auch Alksnis in die Spionageaffäre verwickelt sei, und ließ ihn kurzerhand ebenfalls festnehmen. Ueber sein Schicksal kann kaum ein Zweifel bestehen. Er wird das selbst am besten wissen, denn er saß noch vor kurzem in dem Gericht, das den Marschall Tuchatschewski und sieben andere Offiziere wegen des gleichen Delikts, wegen dessen man jetzt dem Fliegerstab den Prozeß gemacht hat, zum Tode verurteilte.
Es lohnte sich eigentlich kaum, über diese Dinge zu berichten, denn sie sind im Sowjetparadies Stalins alltäglich. Die Affäre Alksnis ist aber deshalb vielleicht besonders bemerkenswert, weil der General an hervorragender Stelle auf den Kandidatenlisten der ersten„Sowjetwahl" stand, die am Sonntag stattfinden soll. Durch ganz Sowjetrußland geht zur Zeit, parallel mit der Wahlagitation, wieder einmal eine große Verfolgungswelle. Ihr Zweck ist ganz eindeutig. Sowohl aus der Wählerschaft wie aus der Reihe der Kandidaten sollen alle diejenigen ausgemerzt werden, die Stalin und seinen Kreaturen nicht gefallen, weil man von ihnen, ob mit Recht oder Unrecht, kann dahingestellt bleiben, unter Umständen eine Meinung befürchtet, die nicht die des Despoten im Kreml ist. Stalin selber hat für die Wahl die Parole ausgegeben, daß sie eine„Peitsche gegen die schlecht arbeitenden Organe" und ein„vernichtender Schlag gegen den Antibolschewismus in der Sowjetunion" werden solle. Damit wird ganz offenbar, was für alle Einsichtigen allerdings schon längst klar war, daß diese sogenannte„Wahl“, mit der Stalin den sowjetrussischen Zuchthausstaat in den Augen der ihm befreundeten westeuropäischen Demokratien rehabilitieren will, nicht weiter ist, als eine üble Farce. Das Polizei= und Spitzelsystem in der Sowjetunion hat ohnedies tausend Mittel, um ein Wahlergebnis herauszubringen, wie man es braucht und haben will. Aber Mißtrauen war noch immer das bessere Teil despotischer Klugheit. Es ist so viel Unzufriedenheit und so viel Erbitterung in dem unter der bolschewistischen Knute seufzenden russischen Volke angesammelt, daß Ueberraschungen nicht unmöglich sind. Und wenn sie auch nur kleine Schönheitsfehler an dem stalinmäßigen Wahlresultat ergeben könnten, so will man sie doch von vornherein ausmerzen. Deshalb hat man schleunigst von dem Wahltag wieder einmal eine große Säuberungsaktion vorgenommen. In Stockholm sollen sich zahlreiche Leute aufhalten, die noch rechtzeitig über die scharf bewachten sowjetrussischen Grenzen entweichen konnten und die überzeugt davon sind, daß die GPU. ihnen an den Kragen wollte. Aus Weißrußland werden Todesurteile gegen Wahlfunktionäre wegen Wahlsabotage, aus dem Kaukasus gegen Bauern wegen Störung von Wahlversammlungen gemeldet. Eine Viehseuche im Gebiet von Swerdlowsk hat Veranlassung zur Erschießung zahlreicher Bauern gegeben, denn selbstverständlich haben sie das Vieh infiziert, um schlechte Wahlstimmung zu machen. Und Stalin darf sicher sein, daß am Sonntag nur Wahlzettel in die Urnen gelegt werden, die ihm wohlgefallen. Aber das tut nichts. In den sogenannten„demokratischen Staaten" fühlt man sich erleichtert. Sowjetrußland wählt, und wo gewählt wird, ist Demokratie. Was für eine, danach fragt man nicht.
*
Ein Vorbild für die Tschechoslowakei
Jeder Besucher der Schweiz weiß aus eigener Erfahrung, daß im Land der Eidgenossenschaft die deutsche, die französische und die italienische Sprache gleichberechtigt nebeneinander bestehen. Sie gelten alle drei als Landessprachen. Von ihnen ist die Amtssprache verschieden, die sich jeweils nach den Sprachstämmen der einzelnen Kantone richtet. Nun ist das Rätoromanische als vierte Landessprache für die Schweiz zugelassen worden. Der Ton liegt auf„Landessprache", nicht als Amtssprache, denn nur rund 50000 Schweizer bekennen sich zu Rätoromanisch als Muttersprache. Diese Zahl entspricht nur 1,1 v. H. der gesamten Schweizer Bevölkerung überhaupt. Es lag also für den Nationalrat keine Veranlassung vor, die Sprache eines so geringen Hundertsatzes zur Amtssprache anzunehmen, um so mehr, als das Rätoromanische fast ausschließlich im Kanton Graubünden gesprochen wird. Wer also nicht gerade ins Graubündener Land als Tourist oder Kurgast kommt, wird kaum Gelegen