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1902
Antliche Anzeigen
#r den Kreis Herfors.
Handels=Register des Königlichen Amtsgerichts zu Herford.(351
In das Handelsregister, Abteilung A, ist bei der Firma „G. A. Landwermann u. Co.“ in Herford(Nr. 94 des Registers) am 30. September 1902 folgendes eingetragen worden:
Dem Kaufmann Hermann Wegener zu Herford ist Prokura erteilt.
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in der Gemarkung Herford belegene, im Grundbuch von Bauerschaft Berg Band III Blatt 38 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Wirts Wilhelm Büscher zu Herford eingetragene Grundstück Flur 24 Nr. 1238/131
am 22. November 1902, vormittags 11½ Uhr durch das unterzeichnete Gericht— an der Gerichtsstelle— Zimmer Nr. 16— verfteigert werden.
Das Grundstück— vorm Lübberthor gelegen— ist 5 ar 90 gm groß, hat a) Wohnhaus(Stiftberg Nr. 81) mit Hofraum, b) Hintergebäude und Stallung, c) Selterwasserbude; zu a) mit 750 Mk., zu b) mit 18 Mk., zu c) mit 12 Mk. jährlichem Nutzungswert zur Gebäudesteuer veranlagt(Nr. 3679 und 3756), Artikel 804 der Grundsteuermutterrolle.
Der Versteigerungsvermerk ist am 4. September 1902 in das Grundbuch eingetragen.
Herford, den 27. September 1902. 381
Königliches Amtsgericht.
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in der Gemarkung Hiddenhausen belegene, im Grundbuche von Eilshausen Band 5 Blatt 39 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Zigarrenarbeiters Hermann Vieregge zu Hiddenhausen eingetragene Grundstück Flur 2 Nr. 1348/475, an der Rüterstraße, 5 ar 31 qm groß; Wohnhaus Nr. 142 mit Hofraum; Artikel 184 der Grundsteuermutterrolle Nr. 145 der Gebäudesteuerrolle, mit 75 Mk. Nutzungswert zur Gebäudesteuer veranlagt,
am 22. November 1902, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht— an der Gerichtsstelle— Zimmer Nr. 16— versteigert werden.
Der Versteigerungsvermerk ist am 18. September 1902 in das Grundbuch eingetragen.
Herford, den 25. Sepztember 1902. 391
Königliches Amtsgericht.
Der Empfang der Burengenerale durch den Kaiser.
Die Burengenerale kommen am 1. Oktober nach Berlin.
Londoner Privatmeldungen zufolge verständigte die englische Regierung die deutsche, daß England es gar nicht ungern sehe, wenn die Burengenerale vom Deutschen Kaiser empfangen würden. Man verspricht von einer solchen Audienz gute Folgen für die späiere Haltung der Generale England gegenüber und ist davon überzeugt, daß der Deutsche Kaiser mehr denn jeder andere Monarch in versöhnlichem Sinne wirken könne und werde.
London, 1. Okt. Der geplante Empfang der Burengenerale durch den deutschen Kaiser wird in den heutigen Morgenblättern viel ruhiger besprochen als gestern. Nicht allein erklärt es der liberale„Daily Chronicle“ für lächerliche Dreistigkeit, Kaiser Wilhelm Vorschriften machen zu wollen, sondern auch die konservative„Morningpost“ betont nachdrücklich, daß die Haltung der deutschen Regierung in dieser Frage vollkommen einwandsfrei sei. Die beiden hiesigen, dem Auswärtigen Amte
nayestehenden größeren Blätter„Daily Graphie" und„Daily
Telegraph“ finden es ganz natürlich, daß ein so begeisterter Soldat wie Kaiser Wilhelm den Wunsch habe, die Bekanntschaft so ausgezeichneter Heerführer zu machen. Sie sprechen sich zudem übereinstimmend dahin aus, daß unter der Voraussetzung der Einführung durch den englischen Botschafter, England keine Veranlassung habe, sich durch die Audienz beschwert zu fühlen. Andererseits wird vielfach der Besorgnis Ausdruck gegeben, daß der Eupfang in den England unfreundlich gefinnten Kreisen falsch aufgefaßt werden würde und erneut England feindliche Kundgebungen hervorrnfen
Zur Tagesgeschichte.
Zum Ableben Goßler's.
Der Kaiser hat folgendes Telegramm an die Tochter des Oberpräsidenten v. Goßler, Frau v. Glasenap, gerichtet: Rominten, 20. September. So hat denn nach Gottes Ratschluß alle Pflege ärztlicher Kunst das schwere Geschick, das wir nach den Wendungen der letzten Tage befürchten mußten, nicht abwenden können. Die Kaiserin und ich sprechen Ihnen und den Ihrigen unsere wärmste Anteilnahme an dem herben Verlust Ihres verewigten Vaters aus. Treu den Traditionen des altpreußischen Beamteniums, hat er seine ganze Persönlichkeit bis zum letzten Atemzuge zum Wohle der seiner Obhut anvertrauten Provinz eingesetzt. Seine erfolgreiche Thätigkeit auf den verschiedensten Gebieten der staatlichen Verwaltung sichert Ihrem entschlafenen Vater einen Ehrenplatz in den Annalen der preußischen Geschichte. Wilhelm, Rex.
Des Weiteren hat Se. Majestät dem Kriegsminister Generalleutnant v. Goßler aus Anlaß des Hinscheidens seines Bruders, des Oberpräsidenten v. Goßler, ein Beileidstelegramm und zwar folgenden Inhalts zugehen lassen:
Sr. Exzellenz dem Kriegsminister v. Goßler, Berlin. Seien Sie und Ihre Familie bei dem durch Gottes Fügung Ihnen auferlegten Verlust Ihres Bruders Meiner herzlichen Teilnahme versichert. Ich verliere in dem Verewigten einen langjährigen bewährten Ratgeber, welcher— in jungen Jahren bereits zu hervorragenden Stellungen berufen— durch rastlosen Fleiß, eiserne Energie und weiten staatsmännischen Blick als Minister wie als Oberpräsident einen unvergänglichen Namen in der Geschichte der inneren Entwickelung unseres Vaterlandes sich gemacht hat. Ich werde des dahingeschiedenen Staatsministers und Oberpräsidenten v. Goßler stets in Dankbarkeit Mich erinnern. Wilhelm R.
Vom Kronprinzen.
Aus München, 1. Okt. wird gemeldet: Der Kronprinz ist heute vormittag von Thale hier eingetrossen und am Bahnhofe von dem Legationsrat Graf Bernstorff als Vertreter des preußischen Gesandten Grafen Monts und dem Polizeidirektor Halder begrüßt worden. Der Kronprinz setzte alsbald die Reise nach Tegernsee und Kreuth fort, wo er acht bis zeyn Tage als Gast des Herzogs Karl Theodor weilen wird.
Wie man noch aus Bonn meldet, wird der Kronprinz sich nach Beendigung seines Jagdaufenthaltes in Oberbayern direkt nach Potsdam zurückbegeben und von dort mit seinem Bruder, dem Prinzen Eitel Friedrich, nach Bonn reisen. Der Ankunft dort wird am 25. oder 26. d. Mts. entgegengesehen. Ob der Kaiser auch nach Bonn kommen wird, steht noch nicht fest, es wird indessen für wahrscheinlich gehalten. Andernfalls dürfte die Einführung des Prinzen Eitel Friedrich an der Bonner Universität durch den Kronprinzen erfolgen.
Debatte über die Mindestsätze für Getreide.
Bei Beratung des Zolltarifgesetzes in der Kommission beantragt bei§ 1, enthaltend die Mindestsätze für Roggen, Weizen, Gerste, Hafer, Abg. Müller=Sagan folgende Mindestsätze: Roggen, Weizen 3.50 Mk., Gerste 2 Mk., Hafer 2.80 Mk. Abg. Hahn beantragt für alle 7.50 Mk.
Graf Posadowsky erwidert dem Grafen Schwerin, welcher einen Doppeltarif nach der Art Frankreichs forderte, der Doppeltarif könne ein ausgezeichnetes Instrument sein, wenn erstens die Minimalsätze nicht zu hoch, zweitens der Regierung Freiheit gewährt wird hinsichtlich der Anwendung der Minimalsätze. Es sei aber sehr fraglich, ov ein Doppeltarif nicht noch mehr Widerstand in der Kommission finden würde. Bei den Verhandlungen auf Grund des alten Tarifs, falls der jetzige falle, wären Verwickelungen unvermeidlich.
Abg. Hahn erklärt, die Grundbedingung für ein Zustandekommen guter Handelsverträge sei, daß Deutschland wirtschaftliche Kämpfe nicht scheue und sich vom Auslande nicht alles gefallen lasse. Graf Posadowsky erwidert, die Rede Hahns erinnere an den Zuschauer beim Kartenspiel, der die kühnsten Vorschläge gebe, da er nichts verliert und wagt Wenn Abg. Hahn in allem so informiert wäre, wie die Regierung, würde er wissen, daß zu den Handelsverträgen große Geschicklichkeit, politische Klugheit gehöre. Abg. Bindewald tritt für Parität zwischen Industrie und Landwirtschaft ein. Das Fleischwuchergeschrei sei übertrieben. Graf Kanitz bedauert, daß nicht ein Doppeltaris vorgelegt sei, sondern nur der Torso eines solchen. Der wirtschaftliche Ausschuß habe einen ausgearbeitet. Die Hauptgegner des Doppeltarifs seien im industriellen Lager. Frankreich sei ein viel reichtres Land als Deutschland. Es sei aber der Ansicht, daß selbst sein hoher Weizenzoll von 7 Franks nicht ausreiche, um die LandHierzu Unterhaltungsbeilage.
wirtschaft zu schützen. Redner bittet, alles aufzubieten, daß ein Zolltarif zu stande komme. Je mehr die Notwendigkeit der Handelsverträge betont werde, desto mehr erschwere man deren Abschluß im Auslande. Die Weiterberatung wurde alsdann vertagt.
Tabakbau und Tabakernte.
Das 3. Vierteljahrsheft zur Statistik des Deutschen Reichs Jahrgang 1902, bringt einen Nachweis über den Tabakbau und die Tabakernte des deutschen Zollgebiets im Jahre 1901, wonach 120 490 Pflanzer eine Gesamtfläche von 16963 ha mit Tabak bepflanzt(1900: 114656 Pflanzer, 14751 ha) und 40 013 t Tabak in dachreifem, trockenem Zustande, also durchschnittlich 2359 kg auf 1 ha geerntet haben(1900: 34790 t, 2359 kg auf 1 ha).
Der Durchschnittspreis für 1 dz dieser Ernte betrug 85,43 Mk.(1900: 89,13 Mk.) einschließlich der Steuer, sodaß der Gesamtwert der Tabakernte sich auf 34,2 Millionen Mark(1900: 31,0 Millionen Mark) berechnet.
Konkursstatistik.
Nach der vorläufigen Mitteilung des Kaiserlichen Statistischen Amts zur Konkursstatistik gelangten im II. Vierteljahr 1902 im Deutschen Reich 2478 neue Konkurse zur Zählung, gegen 2583 im II. Vierteljahr 1901.
Die russischen Kaisermanöver.
Die Kosten der Kaisermanöver bei Kursk, die auf 4 Millionen Rubel veranschlagt waren, haben 16 Millionen Rubel verschlungen.
Herforder Kreisnachrichten.
(Mitteilungen von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden auf Wunsch honoriert.)
Herford, 2. Oktober 1902. ## Die Mitglieder beider städtischen Kollegien
sind vom Herrn Ober=Bürgermeister anläßlich seiner Ernennung für Sonnabend nachmittag zu einer geselligen Zusammenkunft nach dem„Waldfrieden“ geladen.
** Der Heilstättenverein für den Regierungsbezirk Minden hält am Dienstag, den 14. d. Mts. im Weinklubsaale hier wieder eine Generalversammlung ab. Näheres hierzu ist aus dem Inseratenteil der vorliegenden Nummer u. Bl. zu ersehen.
— Familienabend des Evangelischen Bundes. Ueber Pfarrer André Bourrter, den bekannten Vorkämpfer der„Los von Rom“ Bewegung in Frankreich, der am Sonntag, den 5. Oktober, auf dem hiesigen Schützenhofe sprechen wird, erhalten wir folgende Notizen: Im Jahre 1852 am 1. Sept. in Marseille geboren, wurde er schon als siebenjähriger Knabe der klösterlichen Erziehung übergeben und lebte so fern von der„Welt“ ohne Zusammenhang mit Allem, was sein Volk in den stürmischen Jahren vor dem deutsch=französischen Kriege bewegte, seinem Priesterberuf entgegen, dem er 1875 übergeben wurde, auf Grund eines besonderen Altersdispenses. Sein erstes Amt war ein Vikariat in dem Hafenort La Ciotat bei Marseille, woselbst die Werften der Dampfergesellschaft „Messageries Maritimes“ sich befinden. Dort kam er mit dem Volke, den Arbeitern zusammen und lernte ihre Anschauungen kennen. In religiösen Vereinen suchte er auf sie zu wirken und galt allgemein als beliebter und bedeutender Kanzelredner, so daß er bald an die Kathedrale seiner Vaterstad Marseille berufen wurde. Einen Namen machte er sich dort durch Bekämpfung des Anarchisten Sebastien Faure, der öffentlich gegen den Clerus in Marseille auftrat. Im Jahre 1885 erwachten in ihm die ersten Zweifel am katholischen Glauben und es begann ein zehnjähriger Kampf, mit zeitweiliger Rückkehr zu der so geliebten Mutterkirche, und einem ernsten Suchen nach der Wahrheit gepaart, bis er im Jahre. 1895, als erster Vikar an der Prokathedrale in Marseille, Alles, sein Amt, seine Familie, seine Freunde verließ, um seiner Ueberzeugung zu folgen. Er studierte dann, der 43jährige, in Paris evangelische Theologie und wurde am 24. Oktober 1897 in der Kirche des berühmten Kanzelredners Bersier in Paris (L Etoile) ordiniert. Im selben Jahre gründete er seine Zeitung„Le Chrétien français“ und eröffnete in dem durch die Porzellanfabrik bekannten Séores ver Paris, woselbst er für die evangelische Gemeinde Bellevue=Sévres=Medon=Ville d'Avray als Pfarrer angestellt lebt, ein Maison de refuge
(Asyl) für ausgetretene katholische Priester.
Wonischer Schulverein zur Erhaltung des im Auslande. Gestern fand im Weinklub die Vornandssitzung des Deutschen Schulvereins zur Erhaltung des Deutschiums im Auslande statt. Der