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NE 150 Wderniger Ahsisch hane Peris Prleguegerie 1.25 Neu, Montag, 30. Juni.

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ätestens vorm. 11 Uhr erbeten. eile für Stadt und Kreis ehme 10 Pfg., sonst 15 Pfg

1902

h Wer bezahlt die Krönungssitze?

Die Londoner Rechtsanwälte haben alle Berechtigung, in Aufregung zu sein, denn es wird immer klarer, daß der Aufschub der Krönungsfestlichkeiten zu einer Menge ganz ein­träglicher Prozesse führen wird. Es stellt sich heraus, daß eine ganze Anzahl der Tribünen=Erbauer nicht daran denkt, den Käufern der Plätze ihr Geld zurückzugeben. Die Leute sehen wahrscheinlich nicht ein, weshalb gerade sie unter der Erkrankung des Königs leiden sollen. Ueber die Rechtsfragen cäußerte sich ein Rechtsgelehrter einem Interviewer gegenüber folgendermaßen:„In solchen Fällen, wo ausgemacht wurde, daß im Falle einer Vertagung der Krönung ein Teil des Geldes zurückerstattet sei, liegen keine Schwierigkeiten vor. Die Majorität der Tribünenbesitzer wird sich aber auf den Rechtsgrundsatz stützen, daß sie im Falle der Unmöglichkeit nicht zu Leistungen verpflichtet sind. Interessant ist die Rechtsfrage in den Fällen, wo der Bühnenerbauer Sitze ver­mietete„zur Besichtigung des Krönungszuges". Es fragt sich hier, ob man ihn dafür verantwortlich machen kann, daß ohne sein Zuthun der Krönungszug unterblieb. Sir William Anson erklärt, daß im Falle unvorhergesehener Ereignisse, die keiner Partei zur Last gelegt werden können, der Kontrakt als un­gültig anzusehen sei. Frühere Fälle scheinen diese Ansicht zu bestätigen, und danach dürften die Tribünenerbauer ihren Prozeß gewinnen.... Wo die Billets so lauten, daß die Inhaber lediglich das Recht haben, am 26. oder 27. Juni einen Sitz zu beanspruchen, werden die Käufer den Schaden zu tragen haben. Wenn aber dem Datum hinzugefügt ist: „Zur Besichtigung des Krönungszuges“, dann ist die Sache rechtlich so schwierig zu entscheiden, daß die Gerichtshöfe wahrscheinlich erklären würden, daß die beiden Parteien sich in den Schaden zu teilen haben.

Zur Tagesgeschichte.

Deutschland.

Prinz Heinrich von Preußen ist Sonnabend vormittag von der Viktoriastation in London mittels königliches Sonderzuges abgereist.

Die Erneuerung des Dreibundes.

Das Vertragsinstrument über die Verlängerung des Bündnisses mit Oesterreich=Ungarn und Italien wurde am Sonn­abend vormittag von dem Reichskanzler Grafen v. Bülow und den Botschaftern v. Szögyeny=Marich und Lanza unterzeichnet. Der Dreibund ist in unveränderter Form erneuert worden.

Eine Erklärung des Reichstagspräsidenten Graf Ballestrem

über die polnische Sprachenfrage wurde wie der„Kur. Pozn.“ mitteilt, in der am Dienstag zu Beuthen abgehaltenen Versammlung der Wahlmänner des Zentrums verlesen. Sie lautet in der Uebersetzung im wesentlichen wie folgt:„So oft ich von der Angelegenheit der polnischen Sprache öffentlich gesprochen habe, bin ich immer nicht nur dafür eingetreten, daß der Religionsunterricht in allen Abteilungen der Schule in polnischer Sprache erteilt werde, sondern auch dafür, daß in den Volksschulen auch polnischer Sprachunterricht erteilt werde(als Unterrichtsgegenstand), und das aus zwei Gründen: Einmal deshalb, damit die Kinder, nachdem sie die polnische Sprache erlernt, auch den Religionsunterricht in polnischer Sprache erhalten könnten, und dann deshalb, weil ich die Ueberzeugung habe, daß jeder Mensch ein angeborenes Recht auf seine Muttersprache hat, und daß die Regierung, wenn sie die Kinder zwingt, die Regierungsschulen zu besuchen, auch den angeborenen Rechten in dem Schulplan genüge zu leisten hat. Ich meine, daß ebenso für das Wohl des Volkes wie für das Wohl der Regierenden es sich sehr empfiehlt, daß die Beamten, welche unmittelbar mit dem Volke zu thun haben, und die Richter die Sprache des Volkes wenigstens einiger­maßen kennen, und daß sie es nicht nötig haben, sich durch Dolmetscher(die zum Teil sehr schlecht sind) mit dem Volke zu verständigen.“— Graf Ballestrem hängt in seinem Wahl­kreise von polnischen Stimmen ab.

Zur Abreise des polnischen Malers Kossal aus

Berlin.

Aus Pest wird gemeldet: Ein Mitarbeiter des„Pesti Naplo“, welcher dem polnischen Maler Adalbert Kossek vor dessen Abreise von Berlin einen Besuch abgestattet hat, erzählt hierüber in seinem Blatt:„Ich muß von hier fort“, sagte der Künstler;„die polnische Sache fordert es. Sie haben sicher von der Posener Affaire gehört. Nun denn, meine Nation ist der Meinung, daß keiner ihrer Söhne im Deut­

neue Empfangsgebäude am Staatsbahnhof in Herford.

Das alte Stationsgebäude, welches seit anfangs der 70er gesetzt. An seine Stelle tritt das neue Gebäude; vorstehend Jahre in Betrieb ist, wird nun mit morgen außer Benutzung bieten wir hiervon unseren Lesern nochmals eine Abbildung

Versäume

niemand, sein Post=Abonnement auf die „Herforder Zeitung für Stadt und Land“ sofort zu erneuern, damit keine Unter­brechung in der Zustellung unseres Blattes eintritt. Redaktion und Verlag.

schen Reiche arbeiten könne, wenn die Verhältnisse Preußens mit den patriotischen Bestrebungen der Polen nicht in Har­monie stehen. Aus diesem Grunde halte ich es für meine Pflicht, demnächst der Gastfreundschaft des Kaisers zu ent­sagen. Ich habe über die Sache mit dem Kaiser selbst ge­sprochen und er entließ mich mit den Worten:„Lieber Freund! Ich würdige Ihre Situation und bedauere aufrichtig Ihre Abreise. Seien Sie überzeugt, daß ich Sie allzeit gerne wiedersehen werde!“

Zum Untergang des Torpedobootes S 42.

Eine Belohnung von 300 Mark hat der Vater des er­trunkenen Kommandanten vom Torpedoboot S 42, Rosenstock von Rhoneck, für die Auffindung der Leiche seines Sohnes ausgesetzt. Auch die Kommandatur in Cuxhaven hat nunmehr Belohnungen ausgeschrieben, und zwar wird jeder, der eine zu der Besatzung des Bootes gehörende Leiche außerhalb des Wracks auffinder und birgt, dafür eine Vergütung von 100 Mk. erhalten.

Die Taucherarbeiten bei dem Torpedoboot„S 42“ sind eingestellt worden, weil die Leichen sich an einer nicht zugäng­lichen Stelle befinden. Zur Erlangung der Leichen wird eine Hebung des Torpedoboots notwendig.

Die Krankheit des Königs von England.

Das Befinden des Königs macht fortgesetzt befriedigende Fortschritte. Die einzige Gefahr liegt noch in der Möglichkeit einer neuen Eiteransammlung in der Wunde, doch ist eine solche bisher nicht bemerkbar. Man hofft so zuver­sichtlich auf Genesung des Königs, daß Anstalten getroffen sind, ihn nach Cowes zu bringen, wo er sich in kräftiger Seeluft gänzlich erholen soll.

Von anderer Seite wird berichtet, daß das Befinden des Königs ernst gevlieben ist. Am Montag wird die kritische Phase der Krankheit erwartet, die die Entscheidung bringen wird.

Mehrere Pariser Witzblätter hatten anläßlich des ange­kündigten Londoner Krönungsfestes Spezialnummern vorbereitet, welche sehr grobkörnige Karikaturen des Königs Eduard ent­hielten. Trotz der Erkrankung des Königs wurden diese Num­mern veröffentlicht. Die englische Botschaft in Paris ist hier­über entrüstet und ersuchte die zuständige Stelle, diese Witz­blätter aus den Zeitungskiosken entfernen zu lassen. Die Polizei beschlagnahmte unverzüglich die beanstandeten Nummern.

Herforder Kreisnachrichten.

(Mitteilungen von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden auf Wunsch honoriert.)

Herford, 30. Juni 1902.

9—6 Westfälischer Turnlehrertag. Gelegentlich der gestern mittag auf dem Schützenhofe stattgehabten beraten­den Versammlung erfolgte auch die offizielle Begrüßung der Gäste seitens der Stadt und zwar durch Herrn 1. Bürger­meister Quentin. Derselbe hielt eine Ansprache etwa folgen­den Inhalts:

Verehrte Herren!

Der Magistrat und die Stadtverordneten unserer Stadt haben wir den ehrenvollen und angenehmen Auftrag erteilt, den westfälischen Turnlehrertag in Herfard herzlich willkommen zu heißen. Die Behörden wollen Ihnen mit dieser Begrüßung ihre offene und kräftige Sympathie, die rückhaltslose Aner­kennung Ihrer Ziele und Bestrebungen ausdrücken. Meine Herren, unser Friedrichs=Gymnasium ist schon seit Jahrhun­derten, seit Luthers Tagen, eine städtische Einrichtung, aller­dings mußte vor etwa 50 Jahren wegen dieser altehrwürdigen Einrichtung die Stadt mit dem Staate eine Geld= oder besser Vernunfts=Heirat eingehen und nun besteht seit dieser Zeit ein Kompatronat zwischen Staat und Stadt; unsere städtische Höhere Mädchenschule ist im Jahre 1890 nach heftigem langem Streit aus 2 Privat=Töchterschulen hervorgegangen und die Landwirtschafts= und Realschule hierselbst ist eine gemeinsame Einrichtung des Kreises und der Stadt Hersord. Unser Volks­schulwesen, welches auch seit den Zeiten der Reformation Sache der einzelnen Kirchengemeinden war, ist nach jahre­langen fast leidenschaftlichen inneren Ringen und Kämpfen seit dem Jahre 1885 zu einer gemeinsamen Einrichtung der Ge­samtstadtgemeinde geworden. So ist, meine Herren, wie Sie sehen, die Stadt Herford mit dem gesamten höheren und nie­deren Schulwesen historisch auf das innigste verknüpft. Die Stadt hat sich freiwillig schwere Pflichten auferlegt, aber sie hat sie auch— es ist dies wiederholt von den Staatsbehörden gern anerkanat— nach ihren allerdings nur schwachen Kräften getreulich zu erfüllen versucht— insbesondere hat sie der Ent­wickelung des Volksschulwesens seit der Zeit der Uebernahme die allerwärmste Förderung und Fürsorge zu Teil werden lassen, ja, man kann es ohne Uebertreibung sagen, diese Ent­wickelung hat sogar den Schwer= und Mittelpunkt der ge­samten städtischen Aufgaben und Sorgen gebildet. Bei dieser Entwickelung haben wir es auch für unsere Pflicht gehalten, eine gesunde körperliche Erziehung der Jugend möglichst zu fördern. Die Stadt Herford hat Turnhallen für höhere und niedere Schulen erbaut, große Spielplätze geschaffen, den Turnunterricht erweitert, den Betrieb guter Volks- und Jugend­spiele in den Volksschulen, auch in der Fortbildungsschule ge­fördert— gewiß meine Herren, das muß ich bekennen, unsere Aufgaben auf diesen Gebieten sind noch nicht erfüllt, hoffen wir auch von dieser Tagung eine Stärkung unserer Vorsätze auf diesem Gebiete— denn, meine Herren, wer möchte sich heute der Erkenntnis von der hervorragenden Bedeutung dieses Teils unserer Jugend-Erziehung nicht nur für die Charakter­bildung des einzelnen, sondern auch für die gesamte vater­ländische Entwickelung unseres Landes entziehen. Soll aber die Turnerei, diese selbstbewußte Zucht am eigenen Körper