12. Jahrgang.
12.
Teleph. Anschl,
Gerford Enger Gad Ode
„n 8
Teleph. Anschl.
Diese Zettung erscheint um Abend jeden Wochentages.
Abonnementspreis vierteljährlich pränumerande 1,25 Mark, bei Postbestellung kommt das Bestellgeld hinzu.
Mittwoch, 16. April.
Inserate werden bis spätestens vorm. 11 Uhr erbeten.
Preis der einspaltigen Vetitzeile für Stadt und Kreis Herford, Oeynhausen und Amt Rehme 10 Pfg., sonst 15 Pfg.
1902
Amtliche#### Anzeigen
für den Breis
ie Lockhauserstraße in der Altstädter Feldmark ist in den Stationen 5, 6, 7 von Freitag, den 18. April ab für Fuhrwerk bis auf Weiteres gesperrt.
Herford, den 14. April 1902.
Die Polizei=Verwaltung. I. V.: Busse.
Die englischen Finanzen.
Während der gestrigen Sitzung des englischen Unterhauses führte der Schatzsekretär Hicks Beach in seiner Budgetrede u. a. aus: An Extraausgaben sind während des gegenwärtigen Jahres zu decken die Kosten eines Teils der südafrikanischen Polizeitruppe, die Kosten der Unterstützung der zuckerproduzierenden Kolonien in Westindien für die Zeit der Abschaffung der Zuckerprämien und die Zinsen der neuen Schuld. Diese Erfordernisse sind auf insgesamt etwa 18 500000 Pfund Sterling zu schätzen. Von ihnen abgesehen, belaufen sich die Staatsausgaben auf 174600.000 Pfund Sterling, während die Einnahmen auf der Grundlage der bestehenden Besteuerung auf 147 785000 Pfund zu veranschlagen sind, so daß das zu deckende Gesamtdefizit 45 500000 Pfund Sterling(über 900 Mill. Mt.) beträgt. Man könnte mich fragen, was geschehen soll, falls in einigen Wochen Friede eintreten sollte. Ichmöchte dem Hause bemerken, daß, wenn es auch eine kostspielige Sache ist, Krieg zu führen, es gleichfalls kostspielig ist, ihn zu Ende zu bringen. Wir werden für Belohnungen und Ehrengeschenke für das Heer zu sorgen haben und eine beträchtliche Truppenmacht in Südafrika halten müssen. Wir werden auch für die Unterstützung unserer dortigen Kolonien Vorsorge zu treffen haben, sowie für den Wiederaufbau und die Wiederausstattung der Farmen nicht nur von denen, die unsere Freunde gewesen sind, sondern auch von denen, die kühn und ehrenhaft unsere Feinde gewesen sind und die wir zu unseren Freunden zu machen hoffen.(Beifall.) Wenn der Friede unter befriedigenden, Dauer und Sicherheit verbürgenden Bedingungen zu Stande kommt, wird das Haus zweifellos in diesen Dingen generös sein.
Die Ausgaben während der drei Jahre des südafrikanischen Krieges belaufen sich auf 160 Millionen Pfund, die des chinesischen Feldzuges auf 5 Millionen, aber die von China zu zahlende Entschädigung beträgt 6 Millionen und ist ein wertvolles Aktivum. Der Schatzkanzler unterbreitet dann die Vorschläge zur Deckung des Defizits und bemerkt dazu: Die Suspendierung der Schuldentilgung macht 4500000 Pfund frei; die Erhöhung der Einkommensteuer erbringt 2 Millionen, die der Stempelabgaben ½ Million und die Kornund Mehlzölle dürften 2 600 000 Pfund ergeben. Der Kornzoll ist kein Schutzzoll; hat doch ein ähnlicher Zoll lange nach der Aufhebung der Korngesetze bestanden. Ich glaube auch nicht, daß dieser Zoll den Brodpreis beeinflussen wird. Die Form, in der die Anleihe von 32 Millionen Pfund auf
genommen werden soll, wird später bekannt gegeben werden.
an denkt vielleicht, was ich gefordert habe, wird niemals erforderlich werden, aber es ist immer das Beste, die unangenehmste Aufgabe zu wählen.
Nach der Rede des Schatzkanzlers bemerkt Harcourk, der Vorschlag bezüglich des Kornzolls sei der bedeutsamste; ein
solcher Zoll würde die allerärmsten Klassen belasten.
*
London, 15. April. Das Unterhaus nahm nach längerer Debatte, in der die liberalen Redner gegen den Kornzoll, die konservativen sich dafür aussprachen, mit 254 gegen 135 Stimmen den Vorschlag des Budgets, betreffend den Kornund Mehlzoll, an.
Während der Schatzkanzler sprach, wurde Chamberlain ein Telegramm überbracht, das, wie man Grund anzunehmen hat, sich auf die Friedensverhandlungen
Zur Tagesgeschichte.
Deutschland.
Bom Kaiserpaar.
Das Kaiserpaar wollte gestern beim österreichischen Botchafter in Berlin speisen. Wegen Unwohlsein des Kaisers, ganz unbedenklich ist, wurde das Diner auf nächsten Dienstag verschoben.
Zum Ableben Dr. Lieber's.
Die„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt: Aus Wiesbaden und Frankfurt a. M. wird in der Presse verbreitet, daß nach Erledigung des ersten Flottengesetzes vom Kaiser dem Abgeordneten Lieber ein höheres Reichsamt oder ein Oberpräsidium angeboten worden sei. Wir sind zu der Erklärung ermächtig., daß ein derartiges Angebot niemals erfolgt ist.
Bewilligung von Mitteln für Veteranen.
Der Reichstag dürfte schon in naher Zeit Gelegenheit erhalten, sich mit einem Nachtragsetat für 1902 zu beschäftigen. In demselben wird eine Erhöhung der für die Veteranen ausgebrachten Mittel verlangt werden. Schon vor Ostern ist ein Nachtragsetat vom Bundesrat und Reichstag genehmigt worden, der sich auf die Veteranenbeihilfe bezog. Durch die in demselben bewilligten Mittel war es ermöglicht worden, daß alle auf der Liste der Anwärter verzeichneten Veteranen die Beihilfe auch wirklich erhielten. Um aber jeden anerkannten Veteranen mit 120 Mark im Jahre zu bedenken und auch für diejenigen Veteranen, welche im Laufe des Rechnungsjahres 1902 voraussichtlich werden anerkannt werden, eine entsprechende Summe zur Verfügung zu haben, ist eine Erhöhung der im Etat für 1902 bereits zu dem Zwecke vorgesehenen Summe nötig. Man nimmt an, daß es sich infolge der Nachbewilligung ermöglichen lassen werde, die Zahl der jetzt mit 120 Mark jährlich unterstützten Veteranen auf das 1½ fache zu bringen. Statt wie bisher 40000 dürften dann etwa 60000 Veteranen die Unterstützung erhalten.
Aus den Parlamenten.
Nicht gerade in verheißungsvoller Weise hat gestern das Plenum des Reichstages seine Arbeiten wieder aufgenommen. Die Debatte über einen einzigen Paragraphen der Seemannsordnung füllte die ganze Sitzung aus.
Das Abgeordnetenhaus erledigte gestern das Ordinarium des Eisenbahnetats.
Eine russische Stimme über die preußische Polen
politik.
Die Petersburger„Wjedomosti" veröffentlichte am 3. März einen Artikel über die„Polenverfolgungen" in Deutschland, dem wir folgendes entnehmen:
„Seit dem Kindermorde des Herodes sind 20 Jahrhunderte hingegangen. Die Zivilisation hat sich zum Zenith erhoben, auf die barbarischen Rasseneigenschaften der Germanen hat sie aber so wenig gewirkt, daß ihre Gewaltthaten noch weit ärger sind als die des Herodes. Durch ihre drakonischen Gesetze, welche die polnische Sprache aus Schule, Familie, Presse und Gesellschaft verdrängen, bringt die deutsche Regierung nicht nur 2—3000 Kinder um, sondern sie tötet die Seele der heranwachsenden Generation, entfremdet die Kinder den Müttern, sucht sie zu sittlichen Cretins zu machen, sie werden unpersönliche und gefühllose Wesen, denen jeder Boden des Seelenlebens geraubt ist, die alles Deutsche hassen und ihre polnische Muttersprache nicht kennen. Ihrer Kultur nach stehen die Türken heute ja niedriger als die Deutschen. Aber selbst die Türken erröten vor Scham, wenn man sie an ihre Janitschaarenregimenter erinnert, die aus gewaltsam geraubten Christenkindern gebildet wurden. Wodurch unterscheiden sich die Deutschen von den türkischen Henkern... u. s. w. Der einzige Trost Polens sei die entrüstete Stimme Rußlands, wie sie in der russischen Presse laut werde. Denn das Gewissen des russischen Mannes empört sich gegen solche Gewalt, die seinem Geist, seinem Glauben, seinen Traditionen und den Aufgaben der Geschichte widerspricht. Der Protest der russischen Presse ist eine laute Verurteilung des von Deutschland aufgegriffenen, unmenschlichen und unnatürlichen Systems, die Völker zu assimilieren u. s. w.“
Die„Wjedomosti“ sind Eigentum des Fürsten Uchtomski, des Intimus des Zaren.
Der russische Minister des Innern ermordet.
Aus Petersburg, 15. April, wird gemeldet:
Um 1 Uhr nachmittags wurde auf den Minister des Innern Ssipjagin in der Vorhalle des Reichsratsgebäudes ein Attentat verübt. Der Minister verschied um 2 Uhr.
Dimitrij Sergejewitsch Ssipjagin stand im Alter von 43 Jahren. Aus seiner Laufbahn sind folgende Daten erwähnenswert. 1886— 88 war er Vizegouverneur in Charkow, dann drei Jahre lang Gouverneur von Mitau; von 1891 ab bekleidete er denselben Posten in Moskau, bis er zwei Jahre später Gehilfe des Ministers der Reichsdomänen wurde. 1895 vertauschte er dieses Amt mit dem eines Gehilfen des Ministers des Innern. 1899, nach der Entlassung des liberaler
Anwandlungen verdächtigen Gorempkin, rückte er, an dessen
Stelle auf.
Ssipjagin ist— darüber braucht weiter kein Wort verloren zu werden— als Opfer derselben revolutionären Bewegung gefallen, die vor etwa Jahresfrist hinter dem Mörder des Unterrichtsministers Bogolepow stand. Die Sturmzeichen mehren sich im russischer Reiche.
Von der Königin Wilhelmina.
Das Haager„Vaderland" veröffentlicht folgendes Bülletin: Abends fand eine Beratung des Leibarztes der Königin mit dem Gynäkologen Aalbersberg statt. Die Festlichkeiten, die zu Ehren des Geburtstages des Prinzen Heinrich der Niederlande am kommenden Sonnabend stattfinden sollten, sind abgesagt worden.
Nach Meldungen aus Schloß Het Loo leidet die Königin Wilhelmina an einer katarrhalischen Affektion mit zeitweilig erhöhter Temperatur. Die Behandlung liegt in den Händen des Dr. Rössingh aus dem Haag und des Dr. Pot aus Apeldoorn.
Zum Burenkrieg.
Die Londoner Abendblätter melden, dem Ministerium sei gestern die Antwort der Buren zugegangen, über die heute beraten werde. Die Lage bezüglich der Friedensaussichten se ermutigend.
Vom Generalstreik in Belgien.
Hierzu sind heute u. a. folgende Meldungen eingegangen: Lüttich, 15. April. Heute früh betrug die Zahl der Ausständigen hier und in der Umgegend, sowie in den Steinbrüchen des Amblevethales 3000; in der Umgegend von La Louvière befinden sich etwa 25,000 Mann im Ausstand.— In Houdeng wurde ein Soldat, welcher aufrührerische Rufe ausgestoßen hatte, zu 7 Monaten Militärgefängnis verurteilt.
Antwerpen, 15. April. Sämtliche Zigarrenarbeiter und 1600 Metallarbeiter feiern jetzt hier.
Charleroi, 15. April. In den Kohlengruben des Bassins von Charleroi, in den Glasfabriken und in anderen Industriezweigen ist mit wenigen Ausnahmen der Ausstand allgemein. Die Zahl der feiernden Arbeiter beträgt 50000.
Herstal, 15. April. 1500 Arbeiter der hiesigen staatlichen Waffenfabrik haben sich dem Ausstande angeschlossen.
Herforder Kreis=Nachrichten.
Herford, 16. April.
* Die Bemühungen der Verkehrsgruppe
um die Hebung des Fremdenverkehrs sind schon des Oefteren von uns gern anerkannt worden; daß man auch diese im Interesse unserer Stadt liegenden Bestrebungen in der Bürgerschaft zu würdigen weiß, bedarf wohl keiner Frage. Mit Freuden ist es nun zu begrüßen, daß auch stadtseitig etwas für derartige Bemühungen geschieht; so war ja in der letzten Stadtverordneten=Sitzung einem aus der Mitte des Kollegs gestellten Antrag auf Gewährung eines Beitrags zu den baren Auslagen, ohne welche es auch bei der Verkehrsgruppe eben nicht geht, wenigstens teilweise entsprochen worden. Hoffentlich bleibt man in der Stadtverordneten=Versammlung auf dem eben beschrittenen Wege nicht stehen, sondern unterstützt in derselben auch weiterhin das nach Möglichkeit, was für Herforo zur Hebung des Fremdenverkehrs erforderlich ist.
Zu einer Frage, welche unsere Stadt und deren Umgebung in hohem Maße interessiert, hat jetzt ebenfalls die Verkehrsgruppe durch eins ihrer rührigen Mitglieder erneut Stellung genommen; es handelt sich um die schon oftmals erörterte Bahnfrage Herford=Münster. Unter Berücksichtigung des für uns erfreulichen Umstandes, daß die Linie ab Münster nach Herford die rentabelste sein würde, weil sie mehr Ortschaften und Städte als bei den anderen noch bestehenden Projekten berührt, wird zugleich durch sorgfältige Berechnung der einzelnen in Betracht kommenden Bezirke nachgewiesen, daß die Strecke MünsterHerford auch die kürzeste ist. Die diesbezügliche Entfernungsberechnung ist wie folgt:
Von Münster über Bünde=Minden=Berlin 423 Klm.; über Bünde=Löhne=Hameln=Berlin 456 Klm.; über BielefeldHerford=Berlin ca. 427 Klm.; über Bielefeld=Lage=HamelnBerlin 455 Klm.(mit viel Sekundärbahnbetrieb). Dagegen von Münster=Halle=Herford=Minden=Hannover=Berlin nur etwa 415 Klm.(also bei größerer Rentabilität ca. 12 Klm. weniger); Münster=Herford=Löhne=Hildesheim=Braunschweig