(O

18 90! Diese Zettung erscheint am Abend jeden Wochentages. MO0L44 v. J0 C00„ 1 Inserate werden bis spätestens vorm. 11 Uhr erbeten.

de bh Abonnementspreis vierteljährlich pränumerande 1.25 Mark Mittwoch, 19. Mcarz. 1 Vreis der einspaltigen Vetitzeile für Stadt und Kreis Herford,

= 00 bei Postbestellung kommt das Bestellgeld hinzu. eretecchf 498 Weueg. Ozyuhansen und Amt Rehme:19 Pfg., sonst 15 Pfg.

1902

Amtliche# Anzeigen

für den Kreis

Herford.

Die Besitzer von Erbbegräbnisstellen auf dem städtischen Friedhofe werden hiermit aufgefordert, ihre Stellen bis 1. April er. ordnungsmäßg zu reinigen und in Stand setzen zu lassen.

Bei den durch die nach obigem Termine erfolgenden Re­isionen zu Tage tretenden Vernachlässigungen werden die in den Erbbegräbnisverträgen angedrohten Maßregeln angewandt werden. 552b

Herford, den 25. Februar 190..

Der Magistrat: Quentin.

Zwangsversteigerung.

Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in der Ge­markung Herford belegene, im Grundbuche von Herford Stift­berg Band 5 Blatt 14(Grundsteuermutterrolle Art. Nr. 2764, Gebäudesteuerrolle Nr. 3796) zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Handarbeiters Wilhelm Weitkamp, früher zu Falkendiek, jetzt zu Herford Stiftberg Nr. 170, eingetragene Grundstück Flur 24 Nr. 1483/405, am Langenberge, Hofraum mit Wohnhaus Nr. 170, 17 ar 45 qm groß, mit 150 Mk. Nutzungswert zur Gebäude­steuer veranlagt, an 14. Mai 1902, vormittags 9½ durch das unterzeichnete Gericht— an der Gerichtsstelle Zimmer Nr. 16 versteigert werden.

Der Versteigerungsvermerk ist am 24. Februar 1902 in das Grundbuch eingetragen.

Herford, 9. März 190.. 479e

Königliches Amtsgericht.

Verdingung.

Die Arbeiten zur Herstellung eines Loko­motivschuppens und eines Kohlenbansens auf dem Kleinbahrhofe Salzuflen sollen im Ganzen vergeben werden.

Verdingungsunterlagen sind bei der Bau­

leitung der Herforder Kleinbahnen in Herford, Bahnhofstraße 426 ##är je 0.50 Mk. erhältlich, woselbst auch Zeichnungen Weiktags # von 9—12 Uhr vormittags und 2—7 Uhr nachmittags zur Einsicht offen liegen. 483c

Angebote sind postfrei und versiegelt bis zum 26. März *. J. an die Bauleitung der Herforder Kleinbahnen einzusenden. Freie Auswahl unter den Bewerbern wird vorbehalten. Herford, den 18. März 1902.

Herforder Kleinbahnen Gesellschaft mit beschränkter Haftung.

Die Schlacht bei Tweeboschfontein.

Der Kriegsberichterstatter des Londoner„Standard“ sendet lblgende interessante Beschreibung der Schlacht bei Tweebosch­sontein:

„Methuen erblickte die Buren=Reiterei um 5 Uhr morgens #ier englische Meilen hinter seinem Nachtrab. Er erkannte sie sofort als Buren.(Von Khaki=Uniformen oder Verräterei er­Suont der Korrespondent kein Wort.) Drei Meilen entfernt I#sormierten sich die Buren in fünf Linien in offener Ordnung 8° galoppierten direkt auf den Nachtrab los. Auf 1400 Cleter eröffnete der Nachtrab Gewehr= und Granatenfeuer.

die Buren erwiderten mit heftigem Feuer und stürmten vor­

Zarts, Hurra rufend und ihre Gewehre schwingend. Ihr Hentrum kam direkt entgegen. Ihre Flügel schwangen sich um Eeide Flanken. Sie zeigten äußersten Mut und Entschlossen­so daß viele mitten in den Schutzgürtel der Kolonne zcneinritten. Als Methuen den Ernst der Lage erkannte, landte er eine Abteilung Reiterei zur Unterstützung der Nach­ab. Diese hielt den Ansturm der Buren nur vorüber­sehend auf. Die Buren, welche sich mit einer Tapferkeit be­kohmen, die man nicht zu rühmen unterlassen kann, kamen ### ermals heran, ohne auf das schwere Feuer zu achten. Um Lalb sieben Uhr wurde der Hauptangriff auf die sc•1 Techte Flanke und den Nachtrab entwickelt. Die e. Xa S2, der Linken postierten Geschütze der 38. Feldbatterie schleu­4##en ein verheerendes Feuer gegen den heranstürmenden ####0. Die Infanterie, welche zur Unterstützung der beiden

auf der Rechten abkommandiert war, focht mit der Ern.2ten Disziplin. Anders jedoch die Reiterei der Nachhut. . ervt durch den todesmutigen Ansturm der Buren rissen 459 5# Fradezu aus, in blinder Panik, nur die berittene Kap­Ki. 786, die fünfte Yeomanry und einige kleine Abteilungen ##izu;“ mutig stand; der Rest ging in Verwirrung, und Mos auf der eigenen Flanke davon. Sie ließen die Ge­

schütze unbedeckt, die Artilleristen fielen auf ihrem Posten. Es erfolgte dann der Rückzug in einen Kraal. Methuen übergab Major Paris das Kommando und ritt zu den Geschützen auf der Rechten, wo er verwundet wurde. Die Geschütze waren zum Schweigen gebracht, die Infanterie und der Rest der Reiterei langsam zum Rückzug in den Kraal gezwungen, der jetzt umzingelt und unhaltbar wurde. Nur ein Mittel blieb, nutzlose Verluste zu verhindern, die Uebergabe.“

Zur Tagesgeschichte.

Deutschland.

Die Rückkehr des Prinzen Heinrich.

Aus Cuxhaven, 18. März wird gemeldet: Das Panzer­schiff„Kaiser Wilhelm II.“ mit dem Kaiser an Bord ist heute vormittag hier eingetroffen. Um 3 Uhr 45 Minuten nach­mittags wurde von der Station Duhnen aus die„Deutsch­land“ mittelst drahtloser Telegraphie gemeldet.

Außer dem Panzerschiff„Kaiser Wilhelm II.“ und der „Hela“ liegt auf der hiesigen Rhede das Panzerschiff„Baden". Gegen 3 Uhr nahm die Ehrenkompagnie der 4. Matrosen­artillerie=Abteilung Aufstellung. Stadt und Hafenanlagen sind prächtig geschmückt, ebenso der Seesternpavillon, wo der Empfang des Prinzen Heinrich stattfindet.

Die„Deutschland“ kam um 5½ Uhr in Sicht. Der Kaiser begab sich mit seiner Begleitung an Land nach der Hafenmole, woselbst auch die beiden Hamburger Bürgermeister, sowie Herren von der Hamburg=Amerika=Linie und der preu­ßische Gesandte v. Tschirschky und Bögendorff Aufstellung ge­nommen hatten. Um 6½ Uhr lag die„Deutschland“ am Hafenkopf und der Kreuzer„Hela" feuerte 21 Salutschüsse ab. Als Prinz Heinrich das Schiff verlassen, schritt ihm der Kaiser entgegen, küßte ihn auf beide Wangen, schüttelte ihm die Hände und schritt mit ihm die Front der Ehrenkompagnie ab. Nachdem noch der Parademarsch abge­nommen war, bestiegen der Kaiser und Prinz Heinrich, vom Publikum mit jubelnden Hochrufen begrüßt, den Dampfer „Willkommen", welcher sie an Bord des„Kaiser Wilhelm II.“ brachte, der um 7¼ Uhr unter erneuten Salutschüssen nach Kiel abging.

Aus Kamerun.

Eine neue Trauerkunde kommt soeben aus Kame“ run: Wie die„Nat.=Ztg.“ hört, ist Oberleutnan# Nolte, ein verdienter und in kolonialen Kreisen geschätzter Offizier, der schon seit dem Auaust 1896 der Schutztruppe angehört, ein Opfer der Eingeborenen geworden. Nähere Mitteilungen über seinen Tod liegen noch nicht vor.

In Kamerun ist der Polizeimeister Engelhardt am Schwarzwasserfieber gestorben. Der bei den Arbeiten der Südkamerun=Grenzexpedition thätige Leutnant Schulz ist am 5. Dezember ebenfalls am Schwarzwasserfieber in Mabore gestorben.

Sendung für die Konzentrationslager.

Die erste nach der Vereinbarung mit der englischen Re­gierung bewirkte Sendung des deutschen Burenhilfsbundes für die Konzentrationslager in Südafrika wird am 20. März per Dampfer„Kaiser“ von Hamburg nach Port Elisabeth abgehen. Die Sendung besteht ausschließlich aus Waren, nämlich wollenen Decken, warmem Unterzeug, Kleiderstoffen, konden­sierter Milch, Kakao usw. Die zu Sekretären der Vorstände in den Konzentrationslagern ernannten Burengeistlichen werden gleichzeitig von dem Abgang der Sendungen verständigt.

Wie es um Englands„Verständnis für die Hoch­herzigkeit der Buren bestellt ist,

beweist folgende Auslassung der angesehenen und gouver­nementalen Londoner„Morning Post“ zum Falle Methuen:

„Es ist kein Versuch gemacht worden, die Schwere der Niederlage, welche Delarey den englischen Waffen versetzte, abzuschwächen, und deshalb ist es eine gewisse Entschädigung, zu sehen, daß der Feind nicht im stande oder jedenfalls nicht geneigt war, seinen Sieg vollkommen auszunutzen. Die Auslieferung eines so bedeutenden Gefangenen, der nach Lord Kitchener der nächstälteste General ist, ist ein Zeichen dafür, daß die Stärke der Buren den Anforderungen der regulären Kriegführung nicht mehr gewachsen ist, wie furchtbar die Buren auch in Bezug auf überraschende Angriffe sein mögen.“

Das war vorauszusehen. Bei dem ganzen englischen Ge­rede von Vergeltung des burischen Edelmuts handelte es sich eben nur um ein sporadisches Aufflackern einer edleren Regung im Ueberschwang des eigenen moralischen Katers, den ein

Vergleich der englischen Schandthaten und Kriegsjustizmord

mit dem edelmütigen, allzu edelmütigen Vorgehen der Buren doch auch in manchem verstockten Jingoherzen hervorgerufen hatte— d. h. für den Augenblick. Allzuviel Edelmut wird eben von einem Gegner, dem es selber an jeglichem hoch­herzigen Empfinden gebricht, ausgelegt als— Schwäche.

Herforder Kreis=Nachrichten.

Mitteilungen von allgemeinem Interesse sind uus stets willkommen und werden auf Wunsch honoriert.)

Herford, 19. März.

* Das Ostergeschäft hat in Handel und Gewerbe seinen Anfang genommen. Es ist, wenn nicht so umfangreich wie das Weihnachtsgeschäft, so doch vielgestaltig und bringt einer ganzen Reihe von Branchen im Handelsstande und nicht zuletzt den Handwerkern beachtenswerten Verdienst. Vor allem kommt da, weil es am meisten ins Geld geht, die Ausstattung füc diejenigen jungen Leute in Betracht, die zu Ostern die Schule verlassen. Immer mehr an Ausdehnung gewinnt die eigentliche Osterindustrie. Die Ostereier, Oster­hasen und sonst allerlei niedliche Dinge werden aus allen möglichen Stoffen und Materialien in jeder nur denkbaren Art fabriziert. Tausende von Arbeitern und Arbeiterinnen sind jetzt in dieser jungen Industrie thätig, die sich erst seit reichlich zehn Jahren so ausgedehnt und auch am hiesigen Platze eine ganz bedeutende Vertretung gefunden hat. Zu der gemütvollen Sage vom Osterhasen, der die Ostereier legt und allerlei schmucke Geschenke bringt, gehört auch eine verständnisinnige Auffassung, um die Blumen und Blüten der Sage in die entsprechende Form zu kleiden. Und so sind denn wirklich kleine Kunstwerke aus eifrigem Bemühen ent­standen, die um diese Zeit ihren Weg nach allen Richtungen der Windrose nehmen!

□ Abend=Kursus für Haushalts=Unterricht.

Unter der bewährten Leitung von Fräulein Matthias beginnt bekanntlich gleich nach Ostern wieder der Kursus, welcher jungen Mädchen für ein ganz billiges Geld(3 Mk.) und ohne, daß sie in ihren sonstigen Arbeiten gestört werden, Gelegen­heit bietet, in 24 Stunden eine beschränkte, aber genügende Anzahl guter und vor allem billiger Kochrezepte für den kleinen Haushalt zu lernen und sich damit in den Stand zu setzen, später mit gutem Erfolge dem Gatten und der Familie eine schmackhafte Kost zu bieten und damit viel zum häuslichen Glück beizutragen. Auch werden in der Schule die Nährwerte der Speisen erörtert, der beste und billigste Einkauf, zweckmäßige Aufbewahrung u. s. w. gelehrt. Mädchen, welche nicht glauben, in der Lage zu sein, das Kursgeld zu 3 Mk. zahlen zu können, steht der Besuch auch gern unentgeltlich frei. Wir legen allen jungen Mädchen, welche nicht sonst gute Gelegenheit haben, vor der Ehe ihr Können und Wissen auf diesem Gebiet zu üben, dringend ans Herz, schleunigst auf dem Rathause I sich ein­schreiben zu lassen.

*<space> I n b e z u g<space> a u f<space> d i e<space> l e t z t e<space> F e l d m ä r k e r v e r s a m m ­<space> lung erhielten wir von Herrn E. Schönfeld ein längeres Eingesandt, das wir in der nächsten Nummer zum Abdruck bringen werden.

Der Burenkrieg und seine Folgen für einen Krieg der Zukunft— so lautet das Thema zu einem Vortrage, den Herr Major a. D. Strosser am Donnerstag abend 8½ Uhr auf Veranlassung des kameradschaftlichen Vereins in Aeckers Turnhalle hält. Durch Inserat ladet der Vorstand dieses Vereins die übrigen hiesigen Militärvereine zum Besuch des Vortrags ein.

* Der Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke hält am Donnerstag abend in Görges Hotel eine Generalversammlung ab.

∆ Theater. Ibsens„Nora“, ein Schauspiel mit packendem Inhalt, hatte Frl. Weinberger zu ihrem ge­strigen Benefiz, das guten Besuch aufwies, gewählt. Es ist wohl das erste Mal, daß hier von der Bühne aus ein Ibsen­sches Stück geboten ward und dieses erste verrät gleich die ganze Eigenart des Dichters. Wie ein roter Faden webt

sich durch alle seine Schöpfungen die Theorie der Vererbung und der Einfluß der Gesellschaft auf die Handlungen des Menschen. Die Personifizierung der Ibsenschen Nora durch die Benefiziantin war in jeder Beziehung großartig. Frl. Weinberger hatte sich mit vollem Verständnis auch in diese

und brachte sie in natürlicher Plastik zur Anschauung; so war sie auf der einen Seite die zärtliche 4e, die in reizend natürlicher Weise mit den Kindern kollt, auf der andern Seite das zur Erkenntnis gereifte Weib, das mit todwundem Herzen Tarantella tanzt. Die Benefiziantin, welche reichen Beifall erntete, wurde auch durch Ueberreichung von Blumen= und Fruchtkörben sowie eines Lorbeerkranzes erfreut. Eine ausgezeichnete Leistung bot wie steis Iki. de