12. Jahrgang

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u. Motho&s Kre.

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Donnerstag, 2. Januar.

Pratg Spieretz, werden bis spätestenz vorm. 11 Uhr erbeten. bcets der einspaltigen Vetitzeile für Stadt und Kreis Hersord Oeynhausen und Amt Rehme 10 Pfg., sonst 15

1902

∆

Amtliche Anzeigen

für den Kreis

erford.

Gesellenprüfungs-Ordnungen.

Nachdem zum 1. April d. J. der§ 131 der Gewerbeordnung in der Fassung der Novelle vom 26. Juli 897 in Kraft getreten ist, wonach allen Lehrlingen Gelegenheit gegeben werden muß, sich nach Ablauf ihrer Lehrzeit einer Gesellenprüfung zu unterzie­hen, habe ich im Einvernehmen mit der Handwerkskammer zu Bielefeld auf Grund des§ 131 b der Gewerbeordnung für

das Buchdrucker=, Steindrucker= und das Lithographen=Hand­werk und das Mechaniker=, Optiker= und Instrumenten­macher=Handwerk

im Bezirke der Handwerkskammer in Bielefeld Gesellenprüfungs­ordnungen erlassen.

Je ein Exemplar dieser Prüfungsordnungen ist den Landräten des Regierungsbezirks und den Magistraten in Bielefeld, Minden, Herford und Paderborn übersandt worden und liegt dort zu Je­dermanns Einsicht offen.

Ebenso ist dem Vorsitzenden eines jeden Prüfungsausschusses ein Druckexemplar der für seine Thätigkeit maßgebenden Prüfungs­ordnung zugegangen, auch sind solche Exemplare bei der Hand­werkskammer in Bielefeld käuflich zu haben.

Nähere Auskunft über den Sitz und den Bezirk der Prüfungs­ausschüsse erteilt die Handwerkskammer zu Bielefeld.

Minden, den 20. August 1901.

Der Regierungspräsident. I. V. gez. v. Lüpke.

Vorstehende Bekanntmachung wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebrach“.

Herford, den 21. Dezember 1901.

Der Magistrat: Quentin.

Allle im Jahre 1882 im hiesigen Stadtbezirk geborenen, serner die zwar auswärts geborenen, aber hier wohnenden oder sich aufhaltenden männlichen Personen werden auf Grund des§ 57 der Deutschen Wehr=Ordnung vom 22. November 1888 hier­durch aufgefordert, sich in der Zeit vom

15. Jannar bis zum 1. Februar d. Is., während der Vormittags=Dienststunden behufs Aufnahme in die Rekrutierungs=Stammrolle auf dem Haupt­büreau(Elisabeihstraße Nr. 9, Zimmer Nr. 5) anzumelden.

Die gleiche Aufforderung ergeht an alle sich hier aufhaltenden oder hier ortsangehörigen Personen der früheren Jahrgänge, welche ihrer Miliärpflicht noch nicht genügt oder noch keine endgültine Entscheidung über ihr Militär=Verhältnis erhalten haben, gleichviel ob dieselben hier oder auswärts geboren sind.

Die auswärts geborenen Personen des Jahrganges 1882 ha­ben ihren Geburtsschein, ausgestellt von dem zuständigen Standes­amt, alle früher geborenen idren Losungsschein oder ihren Gestel­lungsbefehl vorzulegen.

Sind Militärpflichtige zur Zeit abwesend oder durch Krank­heit u. s. w. am persönlichen Erscheinen verhindert, so haben ihre Eltern, Vormünder, Brod=, Lehr= oder Fabrikherren die Ver­pflichtung, sie zur Stammrolle anzumelden.

Wer die vorgeschriebenen Meldungen zur Stammrolle unter­läßt, wird mit Geldstrafe bis zu 30 Mark oder Haft bis zu 3 Tagen bestraft.

Gleichzeitig wird darauf aufmerksam gemacht, daß diejenigen Militärpflichtigen, deren Eltern auf Grund häuslicher Verhältnisse reklamieren zu können glauben, dies bei der Meldung gleich anzu­zeigen haben.

Die Reklamationen werden demnach in einem besonderen dem Beteiligten noch näher bekannt zu machenden Termin amtlich und unentgeltlich auf dem Hauptdureau ausgenommen. Zu diesem Zweck haben sich die Eltern schon jetzt mit iyren und den Geburts­scheinen sämtlicher Kloder mit Ausnahme des Mililtärpflichtigen zu versehen, damit sie dieselben als Beweisstücke bei Aufnahme der Reklamation sofort vorlegen können. Ebenso sind sonstige Zeugnisse usw., welche zur Begründung der Reklamation dienen könneo, als Beweisstücke mit zu Stelle zur bringen.

Familienglieder, auf deren Erwerbsunfähigkeit es bei der Beurteilung der Reklamation ankommt, müssen in dem Musterungs­Termine mit erscheinen und sich daselbst erforderlichenfalls einer milttärärztlichen, Untersuchung unterziehen. Herford, den 30. Dezember 1901.

Der Magistrat. Busse.

Die Einheitskirche.

Als vor wenigen Tagen in Gotha das Gedächtnis des Herzogs Ernst, der in der Geschichte als der„Fromme“ fort­lebt, in würdiger Weise gefeiert wurde, da hat der Verweser des Herzogtums, der Erbprinz von Hohenlohe, eine Rede ge­halten, in der er eine Vereinigung aller Evangelischen nach dem Beispiel des großen Ahnen als ein heiß zu erstrebendes Ziel hinstellte. Ernst der Fromme, so führte er aus, sei in religiösen Fragen viel weitherziger gewesen, als die weisten seiner Zeitgenossen. Während diese vielfach in gehässigem Gezänk um einzelne Dogmen der Gemeinschaft widerstrebten, sei sein heller Blick auf einen Bund aller evangelischen Kirchen gerichtet gewesen, der sie nach Außen hin zu einer starken Einheit gestalten sollte, während im Innern hinsichtlich der Lehre und der kirchlichen Gebräuche und Einrichtungen jedem einzelnen Gliede volle Freiheit gewahrt bleiben sollte. Diese Bestrebungen seien allerdings gescheitert, aber was der edle Herzog vergebens erstrebte, dürfe doch nicht für alle Zeiten als unmöglich gelten. Sei doch die politische Zerrissenheit

der politischen Einheit gewichen, und so wie diese Einheit der

Stammeseigentümlichkeit aller Teile volle Bewegungsfreiheit läßt, wie den einzelnen Staaten die volle Souveränität blieb, so werde es für die Freiheit der einzelnen Glieder des deut­schen Protestantismus nicht eine Gefahr, sondern eine Sicher­ung und Kräftigung bedeuten, wenn sie sich zusammenschlössen, nicht zu Angriff und Kampf, sondern zu friedlichem, gemein­samen Wirken. Kaiser Wilhelm hat in seiner Antwort ver­sichert, daß ihn die von dem Prinzregenten gebotene Anregung schon lange bewegt habe. Er sei jedoch hiermit nicht hervor­getreten, weil er davon fern sei, auch nur in Wünschen und Hoffnungen der Selbständigkeit Anderer entgegenzutreten. Daß aber ein hohes Ziel seines Lebens eine Einigung der evan­gelischen Kirchen Deutschlands sei, brauche er nicht erst zu betonen. Wie der Heiland gesagt habe:„Ich bin der Wein­stock und ihr seid die Reben“, so können wir uns einzeln als selbständige Reben an dem Weinstock entwickeln und gemeinsam Frucht bringen.

Der Gedanke, dem die beiden erlauchten Männer in Rede und Gegenrede zu Gotha Ausdruck verliehen, hat nun mittlerweile, wie wir schon mitteilten, deutsche evangelische Geistliche zur Bildung eines Komitees veranlaßt, das diesen Zusammenschluß fördern will. Das Bedürfnis nach einer derartigen Organisation ist übrigens bereits in den Tagen Friedrich Wilhelms IV. und seines Freundes Josias v. Bunsen mit voller Kraft empfunden und der Versuch gemacht worden, durch eine Verständigung mit der englischen Kirche die Macht­entwickelung des Protestantismus zu heben. Friedrich Wil­helm wollte für die evangelische Kirche Bischöfe einsetzen, die nach gltchristlichem Brauche sich unmittelbar an der Seelsorge beteiligten und er wollte für Preußen etwa 350 Bistümer schaffen, etwa so groß, wie die bestehenden Sprengel der Superintendenten. Die Bischöfe sollten durch Handauflegung eine ganz unanfechtbare apostolische Weihe erhalten, unter ihnen sollten Presbyterien von Laien und Geistlichen bestehen, daneben altardienende, armenpflegende Diakonen, zu unterst die Gemeinden der Gläubigen. Ueber den Bischöfen wieder­um sollte es etwa dreizehn Metropolitane in den althistorischen Bischofssitzen geben mit Kapiteln, denen die Befugnisse der bisherigen Konsistorien übertragen werden sollten. Die oberste Spitze endlich sollte der Fürst Erzbischof von Magdeburg, der Primas Germaniens bilden, mit einem Primatialkapitel, das an die Stelle des Kultusministeriums treten sollte. Dem Monarchen verbliebe dann nur noch die äußere Schirmherr­schaft und das Recht der Bestätigung gegenüber den Beschlüssen der großen Landessynode. Dieser Plan blieb jedoch ebenso ohne Erfüllung, wie seine nach England gerichteten Bestre­bungen.

Das Idealbild der deutschen evangelischen Nationalkirche ist seitdem niemals völlig verschwunden. Aber wir fürchten, meinen die L. N. N., daß trotz der Anregungen von Gotha die Zeit der Erfüllung noch immer nicht näher gerückt ist. Denn wie die Jahrhunderte der nationalen Zerrissenheit den politischen Particularismus stärkten und schärften bis zum particularistischen Eigensinn, so daß selbst der Kitt von Blut und Eisen nicht die letzten Lücken zu stopfen vermochte, so hat auch der kirchliche Particularismus so feste und starre Formen angenommen, daß nur eine ausdauernde Arbeit von Jahrhunderten einen Verschmelzungsprozeß zu Stande bringen könnte, wenn nicht das Ganze Schaden nehmen soll. Das hat auch Kaiser Wilhelm richtig empfunden und klar betont.

Fürst Bismarck, der doch sicherlich ein entschlossener Gegner alles ungesunden Partikularismus war, ist es ge­wesen, der nach der Vereinigung von Hannover, Hessen und Schleswig=Holstein mit Preußen es ablehnte, die Landeskirchen dieser Provinzen unter den preußischen Oberkirchenrat zu stellen, um nirgends das Gefühl der Religionsbedrückung zu erwecken und so die Entwickelung des nationalen Empfindens zu stören. Fürst Bismarck hat es auch abgelehnt, in die Ver­fassung des Deutschen Reiches irgend eine Bestimmung über kirchliche Angelegenheiten, auch nur in der Form von Grund­rechten, aufzunehmen. Und hat sich seit jenen dreißig Jahren Etwas geändert? Das Bedürfnis nach einer Einigung ist vielleicht stärker geworden, aber die Hindernisse sind geblieben.

Es bleibt abzuwarten, welche Wendung nun diese kirch­liche Angelegenheit nehmen wird, nachdem die dazu fördernde Bewegung von der evangelischen Geistlichkeit aufgenommen ist.

Zur Tagesgeschichte.

Deutschland.

Geleitworte für das neue Jahr.

Der„Berl. Lok. Anz.“ hat sich an eine Reihe hervor­ragender Männer mit dem Ersuchen gewandt, dem neuen Jahre ein Geleitwort mit auf den Weg zu geben. General­superintendent D. Faber wünscht vom neuen Jahre die Wieder­

vermählung des deutschen mit dem christlichen Geist und die Bethätigung des Christentums. Der Berliner Oberbürger­meister Kirschner konzentriert seine Wünsche auf das Erwerbs­leben, für dessen Gestaltung im neuen Jahre er nicht ohne Besorgnis ist. Ein baldiger Aufschwung der wirtschaftlichen Lage ist nach seiner Auffassung kaum zu erwarten. Hoffnungs­freudiger sieht der Präsident der Reichsbank Dr. Koch die wirtschaftliche Lage des neuen Jahres an. Aus den ihm von den verschiedensten Seiten zugegangenen Berichten ersehe er, daß eine Besserung in unserem Wirtschafts­leben einzusetzen beginne. Anscheinend sei das schlimmste überstanden.— Hoffen wir, daß Koch Recht hat.

Zum Eisenbahnunglück bei Altenbeken.

Unter der Ueberschrift Eisenbahnverwaltung und Eisen­bahnunfälle bringt die„Tägliche Rundschau“ eine von einem Verwandten eines der bei Altenbeken Verunglückten. Wir entnehmen dem Schreiben folgende Stellen:

„Mein bei dem Altenbeker Unglück ums Leben gekom­mener, erst 31 Jahre alter Bruder stand mit seinem Schwieger­vater, der bei dem Zusammenstoß etwas verletzt wurde, im Gange des D=Wagens, als das Krachen die drohende Gefahr anzeigte. Mit dem Ruf:„Ein Zusammenstoß!" stürzte er nach der Ausgangsthür,— aber zu spät. Er wurde von der Maschine gefaßt und zu Tode gedrückt. Wären diese Unglückswagen mit Notthüren versehen gewesen, so wäre ohne Zweifel mein Bruder durch die Thüre entkommen. Aber auch alle jene bedauernswerten Menschen, die in den verschiedenen Abteilen die Fensterplätze inne hatten, hätten sich in Sicherheit bringen können. Wie werden nuu alle die Opfer die Ge­fängnisse von Wagen verwünscht haben. Auch wenn der Zug im Nu auf den D=Zug auflief, so viel Zeit hätten sehr viele der unglücklichen Opfer gefunden, um durch die Notthüren zu entkommen.“ Der Einsender spricht sich dann noch in scharfer Weise über das Sparsystem Herrn v. Thielens aus und meint zum Schluß, er könne nun begreifen, wie man„als loyaler Unterthan ins gegnerische Lager geraten“ könne.

Reichstagsstichwahl.

Bei der Stichwahl, im Reichstagswahlkreise Schweinitz­Wittenberg wurde Dr. Barth(freis. Vereinigung) mit 9463 Stimmen gegen von Leipziger(kons.), der 8862 Stimmen er­hielt, gewählt.

Die China=Denkmünze.

Nach einer von der General=Ordens=Kommission erteilten Auskunft trägt die Vorderseite der China=Denkmünze einen Adler, der einen Drachen unter seinen Fängen hält.

Schulzeugnisse der Rekruten.

Aus Bayern kommt die Meldung, daß dort das Ver­igen der Lehrerschaft nach größerer Würdigung der Schul­tlassungszeugnisse beim Militär berücksichtigt werden soll. n bayerischen Landtage stellte der Abgeordnete Gerstenberger den Kriegsminister das Ersuchen, allgemein anzuordnen, ß von den einrückenden Rekruten die Schulentlassungszeug­se eingefordert werden. Der Kriegsminister versprach, der iregung Folge zu geben; er hält die Vorlegung des Schul­klassungsscheines namentlich dann für vorteilhaft, wenn er ßer den Angaben über die Leistungen auch Bemerkungen

Neue Mordthaten in China.

Eine Shanghaier Depesche des Londoner„Daily Expreß“ meldet, ein Missionar und eine Anzahl chinesischer Christen seien in Ninghiafu(Kansu), wo Tuan und Tungfusiang an­sässig sind, ermordet worden. Die chinesische Presse sage, daß diese Persönlichkeiten verantwortlich seien für die Morde, die von Tungfosiangs Truppen verübt wurden, und dringe in die Regierung, beide köpfen zu lassen. Es wird jedoch gefürchtet­daß die Reichstruppen, die abgeschickt werden, um die Mörder zu züchtigen, geschlagen werden würden.

Tweefontein, ein zweites Majuba.

Wer sich daran erinnert, welche Rolle zu Beginn des süd­afrikanischen Krieges das Schlachtgeschrei der Jingos„Rache für Majuba!“ spielte, dem muß es als besondere Tragikomikerscheinen, daß jetzt im dritten Jahre des Krieges ein Veteran von Majuba, nämlich De Wet, fast eine genaue Wiederholung jenes für die britische Politik in Südafrika so verhängnisvoll gewordenen Gefechts geliefert hat. Seit Beginn des Krieges haben die Buren selten mit so kühner Offensive einen so erfolgreichen Schlag geführt, wie De Wet am Weihnachtstage bei Twee­fontein.

Ueber die Schlacht selbst liegen verschiedene interessante Einzelheiten vor, aus denen vor allen Dingen zu ersehen ist,