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Englands Dank.

Es ist eine alte Erfahrung, daß England jedes Entgegen­kommen und jede Gunstbezeugung des Auslandes nur als einen schuldigen Tribut an Englands Größe und Herrlichkeit betrachtet. Der englische Eigendünkel kann es sich gar nicht anders vorstellen, als, daß eine Abneigung gegen England Desimmer nur eine vorübergehende Erscheinung sein müsse und vor allem steht es noch heute auf dem Standpunkte, daß des deutschen Volkes Anteilnahme an dem Schicksal des wackeren Burenvolkes nur das Werk einiger englandfeindlicher(natürlich mit„Burengeldern“ bezahlter) Agitatoren und nicht eine tief­zehende, das ganze Volk in allen seinen Schichten durch­Elldringende Bewegung sei. So fehlte denn auch der englischen 19 Presse jedes Verständnis für die einmütige Ablehnung aller englischen Verbrüderungsanträge in Deutschland. Wie sich die einzelnen Londoner Blätter mit der Thatsache abfinden, daß England absolut gar keine Gegenliebe in Deutschland findet, dafür einige Beispiele:

„Daily Mail“ weist darauf hin, daß die Auszeichnung Lord Roberts so unsympathisch in Deutschland aufgenommen sei, daß man die Nachricht einfach nicht geglaubt habe. Die„Times“ fühlen sich sehr ungemütlich in der Rolle des verschmähten Liebhabers, und üben herbe Kritik an dem Gebahren der deutschen Presse, welche die Thaten ihres eigenen Kaisers verurteilt.(Während sie die Gründe der deutschen Angriffe nutzlos zu entkräften sucht, vergißt sie ganz, daß sie im Chorus der englischen Presse im Jahre 1896 heftig mitgeschrieen hat, gegen denselben Kaiser, dem sie jetzt Jubellieder singt.)

Soweit klingen ja diese Trauerweisen noch ganz elegisch. banz anders der Berliner Berichterstatter des Londoner Daily Telegraph“. Dieser würdige Herr wagt es nämlich, as deutsche Volk zu beschimpfen. Er schreibt seinem Blatte

„Dus Volk hier in Deutschland bringt nichts aus sich selbst zu Stande. Es herrscht ferner immer ein chronischer Zustand feindseliger Stimmung gegen England unter gewissen Bevölkerungsklassen in Deutsch­land, besonders unter den Preußen, die ein schwer kon­trolierbares Volk sind. Nötigenfalls wird es von der Krone und der Regierung gänzlich ignoriert, obwohl früher Staats­s# männer es benützt hätten, um Pläne, die sie im Sinne gehabt hätten, zu fördern.(!) Die Agrarier, die als Schutzöllner und Aristokraten posieren, haben keine Sym­pathie für ein Land, dessen Grundprinzip der Freihandel und dessen Regierungsprinzip demokratisch ist, während sie für Deutschland gerade das Entgegengesetzte erstreben. Die größten Kohlenbarone, Eisenindustrielle und Kapitalisten stehen England feindlich gegenüber, weil es ihr Konkurrent ist. Auf der anderen Seite haben Männer der Wissen­schaft und Litteratur immer mit ihren Kollegen in England auf gutem Fuße gestanden. Die hohe Finanz in Deutsch­land steht auf der Seite von England, weil die Londoner Börse und der Geldmarkt von ungeheurem Einfluß auf die Börsen auf dem Kontinent, Berlin, Hamburg und Frankfurt sind. Was das deutsche Volk anbetrifft, so darf nicht übersehen werden, daß die Feindschaft gegen England zuerst geschürt wurde von Politikern, die selbstsüchtige In­teressen hatten. Sie ist künstlichen Ursprunges und einmal ins Leben getreten, kann sie schwer zurückgedrängt werden. Diese von Agitatoren erzeugte Stimmung wird zweifellos verschwinden, sobald die Ursachen derselben vom Schau­platz verschwunden sind, und wenn gesunder Menschenver­stand und das eigene Interesse an die Stelle von Senti­mentalität bei der Bestimmung, was das Volk gern hat und nicht gern hat, getreten sein wird. Wenn nicht, dann haben sich beide Seiten eben mit den herrschenden Hü­ständen abzufinden. In der Zwischenzeit werden wohl die Diplomaten, wie bisher, durchaus unliebsame Tendenzen nachteiliger Natur aus dem Wege räumen.“

*. Es ist zwar hart für die Herren Engländer, daß unser

(Lolk nicht mehr gewillt ist, unbezahlte Vorspanndienste für a England zu thun, es ist aber bezeichnend, daß sich dieser #erger nur in wüsten Schimpfereien Luft machen kann. Von inem Verständnis für das Wiedererwachen des lationalen Selbstgefühls in Deutschland ist satürlich keine Spur bei dem Herrn Berichterstatter des Lon­

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Fener Blattes zu finden. „##rsicherungen hin auch nur das Geringste riskiert, der spielt S einer Lotterie, die nur aus Nieten besteht.

Zur Tagesgeschichte.

der Kaiserin Friedrich

Im Befinden der Kaiserin Friedrich sind schwere Schwan­[Irigen eingetreten, die aber nicht lehensgefährlich sind. Das [(Siserpaar wird bis zum März in Homburg bleiben.

Reisevorbereitungen für den Kronprinzen.

Aus Kiel wird gemeldet: Das Linienschiff„Kaiser Wilhelm II.“ erhielt, wie in Marinekreisen verlautet, den Befehl, Ende März bereit zu liegen für den Kronprinzen zu einer Reise nach Petersburg, Stockholm, England und evtl. auch nach Lissabon.

den Parlamenten.

Im Abgeordnetenhause wurde am Sonnabend die zweite Beratung der Etats des Ministeriums des Innern fortgesetzt. U. a. wandte sich Trimborn=Köln in witzigen Aus­führungen gegen die ministerielle Verfügung, daß das Wort Köln fortan nicht mit K, sondern mit C geschrieben werden soll. Er bat, man möge Köln das alte gute deutsche K wiedergeben. Der Minister trat für die historische Schreib­weise mit C ein.

Der Reichstag setzte am Sonnabend die zweite Be­ratung des Postetats fort. Das Haus war schwach besetzt.

Meineidsprozeß gegen

Ueber den Verlauf der Sitzung am Sonnabend wird ge­meldet: Heute ist die Aufregung eine ungeheuere. Nach Er­öffnung der Sitzung beantragt der Verteidiger Rechtsanwalt Sonnenfeld zunächst die Vernehmung des Detektivs Gustav Schiller. Verteidiger: Schiller ist gestern von Zeugen der Beeinflussung bezichtigt worden. Auf Befragen hat derselbe aber die Darstellung der Zeugin Pelenat für unrichtig erklärt. Zeuge Schiller, hierauf hereingerufen, erklärt: Ich bin seit April in Konitz wirksam gewesen. Präs.: In wessen Auftrag handelten Sie? Zeuge: Muß ich das angeben? Präs.: Ja. Zeuge: Ich bin Beauftragter eines bevollmächtigten Ver­bandes zur Abwehr des Antisemitismus. Präs.: Wie ist der Name? Zeuge:„Bambus". Präs.: Ist das ein Verband jüdischer Staatsangehöriger? Schiller: Jawohl. Ich kannte den Dr. Leipziger vom„Kleinen Journal“. Er glaubte An­haltspunkte zu haben, die zur Ermittelung des Thäters führen konnten. Präs.: Woher wußten Sie, daß Fräulein Käthe Pelenat vernommen war? Zeuge: Wenn in Konitz ein Zeuge vernomnen wird, so weiß es gleich die ganze Stadt. Prä­sident: Was sagten Sie zu Frl. Pelenat? Schiller: Ich traf das Fräulein auf der Treppe und sagte: Ei ei, Fräulein, Sie sind auch vernommen worden? Weiteres setzte ich nicht hinzu. Präs.: Zu welchem Zweck richteten Sie die Frage an die Zeugin? Schiller: Ich habe einen parteilosen Standpunkt eingenommen. Präs.: Sagte Ihnen nicht Ihr Taktgefühl, daß Sie diese Aeußernng lieber unterlassen mußten, da Sie als Beauftragter eines jüdischen Verbandes handelten? Der Zeuge bleibt hierauf die Antwort schult ig.— Nach einigen weiteren unerheblichen Zeugenaussagen wird die Beweisaufnahme ge­schlossen und ergreift sodann das Wort der Erste Staats­anwalt Dr. Schweigger zu seinem Plaidoyer. Er ersucht die Geschworenen, den Angeklagten in allen drei Fällen des wissentlichen Meineides schuldig zu sprechen, nicht weil er Jude ist, sondern weil er das deutsche Recht mit Füßen getreten und seinen eigenen Glauben verletzt hat. Nach einer weiteren Meldung wurde Moritz Levy wegen wissent­lichen Meineids zu 4 Jahren Zuchthaus und 4 Jahren Ehrverlust verurteilt.

Der Staatsanwalt knüpfte in seinem Plaidoyer an die Schillerschen Worte an:„Das eben ist der Fluch der bösen That, daß sie fortzeugend immer Böses muß gebären", da Levys Meineid eine Folgeerscheinung des entsetzlichen Ver­brechens sei, das an Ernst Winter begangen wurde. Ob die Mörder Winters jemals würden entdeckt werden, das wisse nur Gott. Eine Unterfrage wegen des Mordes, d. h. ob Levy der Strafermäßigungsgrund zu Gute komme, daß er sich, wenn er die Wahrheit sagte, eines Verbrechens selbst hätte bezichtigen müssen, stellte der Staatsanwalt nicht, da er keine Beweise dafür habe, daß Levy an der Ermordung Winters beteiligt sei.„Hätte ich Beweise dafür, daß Levy bei der Ermordung Winters beteiligt gewesen ist“, sagte der Staats­anwalt,„so würde ich noch heute die Anklage wegen Mordes gegen ihn erheben.“ Daß der Angeklagte Jude sei, sei ihm höchst gleichgiltig, er solle nicht verurteilt werden, weil er Jude sei, sondern weil er schuldig sei.— Der Verteidiger sprach von der Massensuggestion: Das Zeugenmaterial sei aus der tief erregten, gährenden Volsmenge herausgewachsen, und man sei der ganzen Situation nach berechtigt, anzunehmen, daß die Bevölkerung unter dem Eindrucke einer gewissen Suggestion gestanden habe. Die Wissenschaft kenne die Be­deutung der Suggestion, sowohl der Suggestion des ein­

zelnen, wie der Massen. Man möge die einzelnen Zeugen­gruppen betrachten: Entweder seien es junge Leute, Schüler,

Lehritnge, denen Setstzucht,„ Selbsprisang und, das volle

Bewußtsein ihrer schweren Verantwortlichkeit fehle, oder es

seien ungebildete Leute, deren Urteilsfähigkeit keineswegs auße Zweifel stehe. Weiter sprach der Verteidiger von der antise­mitischen Beeinflussung.

Die Wirren in China.

Ein düsteres Bild von der jetzigen Lage in China ent­wirft der Pekinger Korrespondent der„Morning=Post“. Sechs Monate, sagt er, seien verflossen, seit die belagerten Gesandt­schaften befreit wurden, und dennoch sei noch keine der Forderungen der ausländischen Regierungen erfullt. Geld und Zeit der Ausländer werde vergeudet, und nur teilweise sei ein Ersatz dafür zu erwarten. Das Prestige der ausländischen Regierungen sei gesunken, und die Sicherheit der Ausländer würde nie wieder dieselbe werden, die sie vorher war. Die chinesische Regierung, beeinflußt durch Berichte ihrer Vertreter im Auslande, glaube, daß die Re­gierungen jetzt nachgiebig werden würden, weil sie sich fürchten, den Folgen einer ernsten Politik entgegen zu sehen. Rußland allein sei stetig zur Sicherung einer guten Position vorgerückt und habe mit Chinas Zustimmung das Protektorat über die Mandschurei erhalten.— Eine Pekinger Depesche der„Mor­ning Post“ vom 14. Februar besagt: Die chinesischen Kom­missare werden verständigt, daß der Hof nur einwillige, Yuh­sien köpfen und den Prinzen Tschuang erdrosseln zu lassen. Die Deutschen und Franzosen begünstigen eine Expedition nach dem Westen, aber die Russen, Amerikaner und Japaner sind gegen derartige Maßnahmen. Die Haltung der Briten ist ungewiß.

Russische Sympathiekundgebung für Krüger.

Aus Kasan berichtet man: Präsident Krüger hal auch unter den Bauern des Gouvernements Wjatka glühende Verehrer. Eine große Anzahl Bauern aus mehreren Dörfern haben an ihn eine Adresse gerichtet, worin es unter anderem heißt: Wir sind auf's Aeußerste empört über die von Engländern an wehrlosen Frauen und Kindern verübten Grausamkeiten. Die einzige Schuld der Buren ist, daß sie ihre Heimat lieben und Blut und Leben für den Schutz der Heimat einsetzen. Ein Hoch den tapferen Buren! Es siege die Wahrheit! Schimpf und Schande den Engländern!

Zum Burenkrieg.

Nun hat sich Lord Kitchener in höchst eigener Person an die Verfolgung de Wets gemacht, ein handgreiflicher Be­weis dafür, wie sehr das Erscheinen dieses gefürchteten Buren­führers die Lage in der Kapkolonie verändert hat. General Kitchener meldet nämlich aus De Aar von Sonnabend früh:

De Wets Streitkräfte überschritten gestern vor Tages­anbruch die Eisenbahn bei Baartmanns Siding nördlich von De Aar; Oberst Plumer folgte dem Feinde auf den Fersen. Die von Oberst Crabbe geführten Panzerzüge suchten den Feind am Ueberschreiten der Eisenbahn zu verhindern, die Buren hatten jedoch die Schienen nördlich und südlich der Stelle, wo sie die Bahn passierten, aufgerissen. Die Eng­länder erbeuteten über 20 Wagen, viele davon mit Munition beladen, ein Maxim=Geschütz und über 100 Pferde; 20 Buren wurden gefangen genommen. Die britischen Truppen sind auf der Verfolgung der Buren begriffen.

Also die britischen Truppen sind auf der Verfolgung der Buren begriffen! Sie scheinen sich jedoch darauf noch immer nicht recht zu verstehen, trotzdem sie doch nun schon viele Monate hinter de Wet her sind. Erst ließen sie ihn aus dem Freistaat entwischen, wo sie ihn schon unzählige Male„thatsächlich umzingelt“ hatten, und nun gelingt es ihnen nicht einmal, trotzdem verschiedene Panzerzüge sich der Verfolgung anschließen, ihn am Ueberschreiten und Zerstören der Bahnlinie De Aar=Kimberley zu verhindern! Damit hat de Wet aber denjenigen Teil der Kapkolonie erreicht, der sich der Sache seiner Landsleute bisher am geneigtesten erwiesen hat. Er kann also hier auf thatkräftige Unterstützung der Kapholländer mit Sicherheit rechnen.

Kapstadt, 18. Febr. Die Eingeborenen stellen die Arbeit infolge des Auftretens der Pest ein. Eine Abordnung begab sich im Namen von 5000 Eingeborenen zur zuständigen Be­hörde und machte die Mitteilung, daß die Eingeborenen wegen der Pest nicht mehr arbeiten wollen und nach der

.. Die Arbeiten in den Docks ruhen.(Da die sche Armee namentlich im Transportdienst eine große Anzahl von Eingeborenen beschäftigt, kann dieser vielleicht ernste Folgen haben.)

Streit