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Bochumer Volkszeitung

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63. Jahrgang

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1935

Die gegenwärtige Lage im Memelgebiet unmöglich!"

So erklärte der konservative Abgeordnete Cazalet im englischen Unterhaus

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eb 2 10 Uhr

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12KLAGGES

„Wir müssen einsehen, das———"

„Ein Fehler der Alliierten und des Völkerbundes, im Jahre 1924 dem litauischen Staalsstreich nachzugeben“

die Auflösung des Unterhauses amtlich bekanntgegeben

W London, 26. Okt.(Drabth.) Die große aausdehatte wurde durch verschiedene Alwe­t. die sich teils zur Arbeitslosen­ige, in der Hauptsache aber zur inter=

onalen Lage äußerten, fortgesetzt. Jahrend einer Rede des konservativen rdneten Raikes ereignete sich ein Zwischenfall auf der Inschauertribüne.

unger Mann warf zum zweiten Mal kom­ustiice Fiuablatter in den Saal und

Dejenigen, die für den Frieden sprechen,

sren sich für den Krieg vor!“ Der Demon­wurde durch Unterhausbeamte entfernt. onservative Abgeordnete Cazalet er­

de deutsche Wiederaufrüstung nicht gegen England gerichtet sei.

oft. daß der Völkerbund eine Organi­rienigen sei, die sich irgendeiner Erwei­r deutschen Rechte oder Forderungen

m zu zeigen, daß der Völkerbund eher it ist. die Probleme der besiegten Staa­den, als den Status ano der Sieger­frecht zu erhalten. Eines dieser Probleme

die Memelfrage.

im Memelgebie: ein vollkommen bes Regime vorbanden.

Dir mussen einsehen, daß es ein Fehler in den Friedenavertragen war, die 110 009 Ein gwöhner des Memelgebietes, die 5an Jahre unter deutscher Herrschaft waren, unter die

Souveranitat eines ausländischen Staates

zu stellen. Ich glaube ferner, daß eo ein

rehler der Alliierten und des Völker= hundes im Jahre 1921 war, dem litauischen Staatsstreich nachzugeben und ein rein

kunstliches Regime zu errichten“ ser Aleordnete fuhr fort, es erscheine ihm ds Memelproblems eine internatio­Kontrolle auf eine Reibe von Jahren für eine neue Erwägung des ems und möglicherweise eine Volks­neidung vorgenommen werden múßten.

leine

unterrichtete Persönlichkeit getroffen.

eie nicht die gegenwartige Lage in Memel als unmöglich betrachte.

wies dann auf die Notwendigkeit der snderung der Friedensvertrage und von Maß n wirtschaftlicher Expansion hin. Er schlagt

Feurschland sehr beträchtliche wirtschaftliche FHugestandnisse somohl in Europa als auch außerhalb Europas zu machen,

eebi daß es in den Völterbund zurück

und: ne solche Regelung im Rahmen eines De DenUngsplanes stehen würde. onie wurde durch den Innenminister

Simon abgeschlossen. Er teilte mit. auf Ersuchen des Außenministers nuch eine Erklarung zum italienisch abessi nischen Konflikt

en da es sich darum bandele, ein saktandnis zu beseitigen. Am Don­orgen sei eine sehr erstaunliche Behaup­aentlicht worden, die nämlich, daß die sencalerung über Nacht ihre Politik einer Zammenarwit mit dem Völker­

1 weiter des. Diese Veröffentlichung be

dat die Regierung bereits hinter dem en eineterbundes mit Frankreich und ileselung des italienisch-abessinischen nen sndeln und der Völkerbund und dann aufgefordert werden sollten, diese

Regelung anzunehmen. Damit habe man also nach allen Erklärungen im Unterbaus Donnerstagfrüh glatt bebauptet, daß eine Intrige zwischen London, Rom und Paris im Gange sei. den Völ­

kerbund vor vollendete Tatsachen zu stellen, die den Interessen einer Partei schaden und den Grundsatzen des Völkerbundes selbst widersprechen würden.

Sir John Simon fuhr dann wörtlich fort: „Ich spreche mit der Autorität der ganzen Regierung, wenn ich erklare, daß diese wilde Beschuldigung überhaupt nicht wahr ist. Von Anfang dieses Konfliktes an war die Politik der englischen Regierung vor allen Dingen darauf gerichtet, falls möglich eine Regelung zu fordern, die nicht nur im Nahmen der Volkerbundssatzung steht, son­dern auch für die beiden streitbaren Par= teien annehmbar sein würde.

Ich nehme an, daß wir vollkommen im Recht sind, wenn wir uns als Freunde des Friedens bemühen die internationale Freundschaft zu fördern. Die englisch=franzo ischen Vorschlage z. B die im vergangenen Angust in Paris unterbreitet wurden, hatten auf diesem Grundsatz berubt und ebenso der Plan des Genier Fünferausschussee.

tun weder etwas hinter dem Rücken des Völkerbundes. nech haben wir auch nur einen Augenblick daran gedacht, dies zu tun.(Beifall auf der Ministerbank.)

Wir haben ferner nicht die Absicht, als Mit.

glied eines kollektiven Systems in der Wirk­ammachung unserer Verpflichtungen unter der Völkerbundssatzung zu schwanken Wir

Die Italiener melden:

Für eilige Leser

Der Führer und Reichskanzler empfing gestern den zum Botschafter seines Landes in Paris ernann= ten bisherigen königlich belaischen Gesandten in Berlin, Graf de Kerckove de Denterghem, ebenso den scheidenden lettischen Gesandten, Herrn Kreewinsch, um ihre Abberufungsschreiben ent­gegenzunehmen und sich persönlich von ihnen zu ver­abschieden.

*

Die Londoner Blätter sind der Ansicht, daß die Nachrichten über italienische Friedensfüb­ler zutreffen, daß aber die Besprechungen vor­läufig noch zu keinem festen Plan geführt haben.

*

Bei einem Essen, das der franzosische Botschafter in London zu Ehren des dort anweienden Mar= schalls Petain gab, hatte dieser eine lange Un­terredung mit dem Chef des britischen Reichsgeneral= stabes, Feldmarschall Sir A. Montgomery=Massing­berd.

Kandische Trapper sollen berreste eines zertrümmerten

mUrwald die Flugzeuges gefun=

den haben. Es ist die Vermutung aufgetaucht, daß es sich um den Apparat der Franzosen Nungesser und Coli handeln könnte, die 1927 zu einem Ozean­flug von Frankreich aus gestartet waren und von deren Schicksal man nie wieder etwas gehört hat. *

Der Versuch der englischen Regierung, den Lohn­streit im Kohlenbergbau gütlich beizulegen. merfolglos geblieben. Am 11., 12. und 13. No­vember wollen die Bergleute darüber abstimmen, ob ein allgemeiner Bergarbeiterstreik in England erklärt werden soll.

*

Einer der hervorragendsten Flieger der öster­reichischen Armee, Hauptmann a. D. Rudolf Stan­ger, ist am Donnerstag in Wien gestorben.

*

Der Schaden, den die Waldbrände in Süd­kalifornien angerichtet haben, wird jetzt auf Millionen Dollar geschatzt. Ferner droht Ueber= schwemmungsgefahr, weil der des Unterbolzes be­raubte Baden den Winterregen nicht aufhalten kann.

haffen, daß eine schnelle und befriedigende Losung zustande kommt, aber sie muß im Nahmen des Volkerbundes liegen und von den drei betroffenen Parteien, nämlich Italien, Abessinien und dem Völkerbund, angenommen werden.“(Beifall.)

Sir John Simon bebandelte hierauf noch einige innenpolitische Fragen, worauf die große Aussprache des Unterhan es abgeschlossen wurde. Eine Abstimmung wurde nicht mehr vorgenom­men.

Die Auslösung des Unterhaules riurde am Freitag abend formal durch eine Ver­cifentlichung in der amtlichen„London Ga­sette“ vollzogen, nachdem der König auf einer Sondersitung deg Thronrates wenige Stunden vor­her die Auflösungsproklamation geneh= miat hatte.

Weiterer Vormarsch

am Webi Schebeli

Keine Stimmung in Abessinien für Friedensfühler

DNB Rom. 26. Okt.(Drahtb.) Als amtliche Verlautbarung Nr. 28 wird Freitag mittag in Rom der neueste Heeresbericht herausgegeben. der interessante Angaben über die militärischen eignisse an der Somalifront enthält. Der Heeresbericht hat folgenden Wortlaut:

„An der Somalifront wird das militärische Vorgehen in der Gegend von Schebeli fortgesetzt. Nach der Einnahme des befestigten Ortes Dag­nerei wurde

der Vormarich am Fluß entlang fortgeletzt,

wobet zahlreiche am Ufer liegende Dörfer besetzt wurden. Erne Abteilung unter dem Besehl des Leutnante Morco hat das Dorf Kalaffo. den Hauptort des Besirks Delie Schiavelli. ge­nommen. Zahlreiche Stammeshauptlinge haben sich unterworten und ihre Walien den Italienern über= geben Hierdurch kamen 500 Gewehre in italieni­schen Besitz.

Der Sultan von Schiapelli, der in den Italienern übergegangen war.

hat mit seinen Bewafineten die Flanke der ita­lienischen Truppen gedeckt und dadurch einen sieg­reichen Zusammenstoß mit feindlichen Truppen in der Nahe des Dorses Gheledi erfolgreich unter­stünt. Das Dorf wurde genommen.

Die Luftwaise führte im Gebiet von Oaaden Aufklarungs lüge aus, wobei sie bis Salsabane. Ginba und Maaallo vordrana und erfolgreiche Bombenabwürse auf

silitärische Punkte vornahm.

Die italienische Fliegertätigkeit an der Südfront wurde am Freitag. entgegen den Erwar­tungen der Abessinier, wieder aufgenommen

Zahlreiche Ortschalten am Webi Schebeli­Fluß und vor allem der Hauptstützpunkt der abessinischen Truppen wurden mit Bomben belegt.

Am Freitag abend traf in Addis Abeba eine amerikanische Missionarin ein. die. nur von ihren Dienern begleitet, aus dem inneren Sudan nach der abessinischen Hauptstadt gereist war. Sie berichtete, daß sie während ihrer 14 tägigen Reise großen abessinischen Truppenabteilungen begeanet sei, die sich auf dem Wege in die Kampigebiete be­sanden Sie habe aber trot dieler starken Truppen­bewegungen ihre Reile vollkommen unbelästigt durchführen können. Ueberall auch im Innern des Landes, habe völlige Rube geherricht.

Eine hobe abessinische Persönlich­keit hat dem Reuter=Vertreter in Addis Abeba zu den„oriedensfühlern“ in Rom erklärt. das

nicht die geringste Aussicht auf Frieden be= stehe, solange die Italiener auch nur einen Fuhbreit Gebiet der Provinz Tiare besent hielten. Wenn der Kaiser einwillige die Pro­vinz Tiare an die Jtaliener abzutreten, würde er innerhalb 24 Stunden seinen Thron ner­lieren, seibst wenn man eine finanzielle Ent­schadigung oder einen Ausgang nach dem Meere hin alo Gegenleistung anbiete.

Im Luerschnitt des Tages

Italienische Zurückhaltung in Abessinien

Wenn nach der starken Zuspitzung der außen­politischen Lage, wie sie sich in den letzten Wochen herausgebildet hatte, jetzt der Eindruck einer Ent­spannung vorhanden ist, so darf man daraus sicherlich nicht auf eine Liquidierung des abessinischen Feldzuges durch Italien schließen. Möglich, daß es eine taktische Aenderung in der Art seines Vorgehens vornimmt. Ob wirklich die„roße Schlacht in Ogaden“, von der eine Londoner Meldung wissen will, zur Zeit stattfindet, ist sehr ungewiß. Bis jetzt scheinen nur Einzelaktionen vorzuliegen. Dagegen ist es unverkennbar, daß die italienische Kriegführung sich eine gewisse Zurückhaltung auferlegt. Vielleicht mit Rücksicht auf die in Gang befindlichen Ver­handlungen in Europa, vielleicht weil sie über­haupt eine große Gewaltentscheidung im Augen­blick aus militärisch strategischen Gründen für un­tunlich hält. In Nordabessinien richtet man sich vorläufig offenbar vielmehr darauf ein, das be­setzte Land politisch zu organisieren, um wenigstens hier eine vollendete Tatsache zu schaffen. Wie weit sie als Ergebnis der bisherigen Kriegsbandlung und des inzwischen in Gang gekommenen diploma­tischen Gesprächs zwischen den westeuropäischen Kabinetten reichen wird, ist natürlich noch nicht abzusehen. Von der Forderung des Alles oder Nichts ist wohl aber auch Mussolini inzwischen ab­gekommen.

Italienische Zugeständnisse an England

Die tatsächliche Entspannung liegt in den Beziehungen zwischen Italien und England. Laval hat vor den vereinig­ten außenpolitischen Ausschüssen der Kammer und des Senats offiziell davon Mitteilung gemacht, daß die italienische Regierung beschlossen habe, eine der drei an der livysch=ägyptischen Grenze aufgestellten Divisionen zurückzuziehen, und eine Agenturmel­dung besagt, die englische Regierung habe Musso­lini benachrichtigt, daß vier englische Kriegsschiffe die Rückreise aus dem Mittelmeer antreten wur­den. Damit wird von beiden Seiten der militä­rische Druck, der hinter die Politik gesetzt wurde, etwas gemildert. Daß man trotzdem in London sich hütet, wegen der weiteren Entwicklung einen verfrühten Optimismus zur Schau zu tragen, mag mit dem Wahlkampf, der bereits begonnen hat, und mit den von Baldwin jetzt offenbekannten Auf­rüstungsabsichten der Regierung zusammenhängen. Wenn der Frieden schon ganz aus der Gefahren­zone heraus wäre, würde es schwieriger sein, sie zu begründen.

Reform des Völkerbundes?

Für die gesamtenropäische Lage, die durch die Mirtelmeerspannung ja schließlich sehr stark in Mitleidenschaft gezogen war, ergeben sich recht interessante Aussichten, wenn man den grund­sätzlichen Kern der Hoareschen Rede vor dem Unterhause neben die Ausführungen setzt, die der Premierminister Baldwin am Tage darauf an der gleichen Stelle machte. Hoare erklärte, der Volkerbund sei die Brücke zwischen England und