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Alle Kreis= und Lokalpolizeilichen Verordnungen für den Kreis Hörde erlangen gemäß Bekanntmachung der Königl. Regierung durch Veröffentlichung in der„Schwerter Zeitung" rechts­verbindliche Kraft.

No. 16.

Schwerte, Dienstag 20. Januar 1903

[Abonnementspreis pro Quartal 1 Mark 65 Pfg. exe: 42 Pfg. Bestellgeld, wenn durch die Post bezogen. Erscheint a­jedem Wochentage. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreuns.

36 Jahrgang.

Deutscher Reichstag.

241. Sitzung vom 19. Januar.

Das Haus trat am Montag in die erste Etatsberat­

Staatssekretär v. Thielmann verwies zunächst auf die Zuschuß=Anleihe von 95 Mill. Mark und betonte die Notwendigkeit einer Reichsfinanzreform. Der Fehl­

betrag im laufenden Jahre werde wahrscheinlich 25½2 Mill. betragen. Abg. Schädler(Ztr.) tadelte die vielen Ueberschreitungen des Voranschlags, befürwortete größte Sparsamkeit und Abstriche. Die Pumpwirtschaft müsse endlich aufhören. Redner verlangt Auskunft über Vene­zuela und bespricht das Kaisertelegramm an den regenten von Bayern wegen Ablehnung künstlerischer For­derungen durch den Landtag in München. Er müsse gegen ein solches verfassungswidriges Eingreifen protestieren. Die Nähe der Wahlen lege wieder die Forderungen nahe: Sicherung des Wahlgeheimnisses und Diäten. Fur eine Schmälerung des Wahlrechts sei das Zentrum nicht zu

Reichskanzler Graf Bülow erklärte, bei dem Tele­gramm handelte es sich um eine persönliche Veinungs­äußerung des Kaisers, und diese müsse dem Monarchen doch zustehen. Die Depesche war gerichtet vom Freunde an den Freund. Von einer Trübung der Beziehungen zwischen beiden Fürsten könne keine Rede sein. Der regent wüßte sehr wohl, daß für den Kaiser nur das In­teresse an der Kunst maßgebend war; vor allem aber sei ihm, dem Regenten, bekannt, daß es dem Kaiser nicht ein­fallen könne, einem Bundesfürsten oder einem Bundes­staate zu nahe zu treten. Möge das auch die Auffassung anderer sein. Nach einigen Ausführungen des Abg. Gra­fen Stolberg(kons.) vertagte sich das Haus auf Dienstag.

dienen für das Ausharren auf gefährdeten Posten. Be­amte, die sich ihrer dortigen besonderen Aufgabe nicht be­wußt seien, müßten rücksichtslos beseitigt werden. Die Forderungen in der Nebenbahnvorlage würden diesmal für den Osten um 34 Mill. Mark verstärkt werden. Abg. Graf Limburg(kons.) billigte die Polen­politik. Auf die weiteren Ausführungen erwiderte Graf Bülow, die Regierung sei fest entschlossen, bei den Handels­vertragsverhandlungen die Interessen der Landwirtschaft gewissenhaft wahrzunehmen. Abg. Nölle(ntl.) verlangte Trennung der Eisenbahnen von den Staatsfinanzen. Die Forderungen für den Osten hieß er gut. Nächster Redner war Abg. Wiemer(frs.): Eine Reform der Personen­und Gütertarife sei dringend nötig. Daß es der Landwirt­schaft im allgemeinen nicht gut gehe, gebe er zu(Aha! rechts), aber man dürfe nicht übertreiben. Die Schulzu­stände in Trakehnen seien eines Kulturstaates unwürdig gewesen. Ueber das Ziel der Ostmarkenpolitik sei er mit der Regierung einig, jedoch könne man über die Mittel ver­schiedener Ansicht sein. Zum Beispiel sehe er die Zweck­

schiedener Ansicht sein. Zum Beispiel sehe er die Zweck­

mäßigkeit von Zulagen an Beamte nicht ein, durch die leicht Streberei gezüchtet werden könnte, und wenn schon Zulagen gewährt würden, dann müßten Beamte und Leh­rer gleich behandelt werden. Auch gegen den Plan eines Schlosses in Posen müsse man Bedenken haben. Abg. Ehlers(frs. Verg.) meint, der Finanzminister könne mit der bisher am Etat geübten Kritik im ganzen zufrieden sein. Den Ausgaben im allgemeinen stimmt Redner zu, hinsichtlich der Forderungen für die Polenpolitik aber hat

er Bedenken...9 948 M

Die Weiterberatung wurde auf Dienstag verragt.

Vorgehen gegen Venezuela.

Im Golfe von Maracaibo ist das deutsche Kanonen­C 5 boot„Panter“ wieder einmal in Tätigkeit getreten; da

Preußisches Abgeordnetenhaus. über den Vorgang im einzelnen Nachrichten fehlen, zumal „„ so lange eine amtliche Nachricht aussteht, läßt sich kein rech­

tes Bild davon gewinnen, zu welchem Zwecke der Panter seine Kanonen sprechen lassen mußte. Augenscheinliche Unrichtigkeiten enthält die über den Hergang aus Newyork gedrahtete Mitteilung, wonach das deutsche Kanonenboot den Eingang der Bai von Maracaibo zu erzwingen suchte und das Fort San Carlo ohne vorherige Ankündigung bombardierte. Vor dem Feuer der Festungsgeschütze habe sich der„Panter" zurückgezogen, nicht ohne erheblichen Schaden angerichtet zu haben. 4 Venezolaner wurden verwundet. Ohne Ankündigung ist das Bombardement seitens des„Panter“ sicherlich nicht eröffnet worden.

Eine englische Meldung macht aus dem Vorgange eine Niederlage des„Panter". Das die Einfahrt zu er­zwingen versuchende Kanonenboot eröffnete auf das den Einfahrtskanal deckende Fort San Carlo Feuer, das Fort

erwiderte das Feuer und nötigte den„Panter" nach ein­stündigem Gefecht, seine Absicht aufzugeben. Das Fort habe keine Beschädigung erhalten. Es ist unwahrschein­lich, daß sich ein deutsches Kanonenboot vor den Ge­schützen eines venezolanischen Forts zurückzieht. Man denke an den Sturm der Taku=Forts. Amtliche Nachrich­ten klären hoffentlich recht bald den Sachverhalt. In un­terrichteten Kreisen glaubt man einstweilen überhaupt an keinen Kampf, nimmt vielmehr an, daß der„Panter“ auf der vor der Lagune liegenden Barre nicht genug Wasser vorfand und deshalb die wahrscheinlich vorhandene Ab­sicht, den Transport kolumbischen Kaffees über die La­gune zu verhindern, aufgab.

Die„Tägl. Rdsch.“ meint: Es wäre höchstbedauerlich, wenn wegen der diplomatisch verfahrenen Venezuela=An­gelegenheit auch noch militärische Schlappen zu verzeich­nen wären. Nun das letztere ist hoffentlich nicht der Fall, die diplomatische Verfahrenheit der Angelegenheit muß man ja leider bis zu einem gewissen Grade zugeben.

Berliner

Ueber die Beweggründe zum jüngsten Pistolen­duell in Berlin meldet das dortige Tageblatt: Die Schwäche Dr. Ayes den Frauen gegenüber hat zu seinem Tode geführt. In Flensburg war im letzten Sommer die Schwester des Oberleutnants v. Grawert zu Besuch. Aye lernte die junge Dame kennen und lieben. Die Fol­gen dieses Liebesverhältnisses sind aber nicht ausgeblieben. Der Bruder der Dame ist nun für deren Ehre eingetreten. Aye hatte sich im Hinblick auf seine Frau und seine fünf Kinder lange geweigert, das Duell anzunehmen, er wurde aber gezwungen. Aye war ein geradezu glänzender Red­ner und Verteidiger. Allgemein bekannt war der Vers:

Sollst du gar ins Zuchthaus kommen, kann dir nur noch Aye frommen.“

3. Sitzung vom 19. Januar. Am Montag begann die erste Lesung des Etats. Abg. Fritzen(Ztr.) nannte es einen lichten Punkt, daß die Ausgaben für Kulturzwecke trotz ungünstiger Finanzlage nicht beschnitten worden seien, sprach aber gegen den Bau eines Residenzschlosses in Posen und ebenso gegen Stellen­zulagen für Beamte und Lehrer im Osten. Das sei nicht der richtige Weg zur Stärkung des Deutschtums. Ferner forderte Redner ein Schulunterstützungsgesetz und bessere Behandlung religiöser Orden.

Ministerpräsident Graf Bülow verteidigte die Po­lenpolitik. Die Regierung werde ohne Schroffheit, aber auch ohne Schwäche vorgehen. Die Organisation solle indes so geändert werden, daß für jede der beiden Ansied­lungsprovinzen eine besondere Kommission zu bilden sei. Die Zulagen für Lehrer und Reamte sollen als

Vriesträgers Wannchen.

Von Georg Paulsen.

(Nachdruck verboten.)

(18. Fortsetzung.)

„Aber, Mädele, ich erzähl’ ja doch nur einen Traum!“ besänftigte er sie.„Wart nur, es kommt ganz anders noch. Ich erzähle weiter: Ich zerbrach mir den Kopf, was ge­schehen sollt', und ich dachte dabei immer an Dich. Wo Du wohl wärst? Ich hatte Dich so lange nicht gesehen. Mit einem Male pochte es ans Fenster. Ich lauschte und meinte, es sei der Wind. Aber das Pochen folgte noch­mals und wiederum. Da sprang' ich auf, öffnete das Fenster und fragte, wer draußen sei. Erst kam gar keine Antwort. Dann von weit her, von ganz weit her, leise, ganz leise fragtest Du:„Hermann, hast Du mich noch nicht vergessen?“„Hannchen, liebes Hannchen!“ schluchzte ich. Mir waren die Tränen in die Augen gekommen.— „Möchtest Du armen, braven Leuten helfen?" fragte die Stimme weiter.—„So gern. Aber wo und was soll ich thun?“—„Leg Dich nieder und schlaf ein. Morgen früh wirst Du in meiner Nähe erwachen.“

„Halt, Hermann!“, sagte Hannchen ganz entschieden. „Das ist kein Traum, das hast' Dir aussimuliert, weil Du mir nachreisen willst. Nein, solche Ding träumt man nicht. Aber's nützt Dir nix, lieber Bursch'.“

„Hör nur weiter, Hannchen, dann wirst's schon mer­ken, daß ich mir's net aussimuliert hab'! Ich fühlte nach Deinen letzten Worten eine gewaltige Müdigkeit im Kör­per, und da schlief ich auch schon. Und als ich wieder zu erwachen meint', da befand ich mich in einem großen Raum, in dem viel Aechzen und Stöhnen erklang. Dann und wann ein Aufschrei dazwischen. Und Männer und Frauen in leinenen Kleidern eilten geschäftig hin und her, nicht selten war der weiße Stoff mit Blut bedeckt. An den Wänden standen eiserne Betten, auf denen jammernde

Uebersicht.

Deutschland.

Vom Kaiserhofe. Beide Majestäten machten Montag morgen einen Spaziergang. Später hörte der Kaiser Vorträge.

— Kronprinz Wilhelm, dessen Besuch in Petersburg programmgemäß verläuft, überreichte am Montag dem Zaren das Geschenk Kaiser Wilhelms: ein prächtiges Schiffsmodell, die neueste Ausführung unserer Panzer darstellend. Abends besuchte der Prinz das Regiment Wi­borg, dessen Chef sein kaiserlicher Vater ist. Für die Ent­wicklung der deutschen Vereine und Wohltätigkeitsanstal­ten in Petersburg zeigte der Kronprinz lebhaftes In­teresse.

Menschen lagen. Zuweilen war auch nur Stroh mit einer Decke darüber aufgeschüttet, worauf ein Kranker wim­merte. Bevor ich Zeit hatte mich zu besinnen, kam ein äl­terer Herr auf mich zu.„Willkommen im Feldlazarett, Herr Kollege!“ sprach er mich an,„Dank, daß Sie dem Rufe Ihrer Landsmännin gefolgt sind. Hilfe tut uns not, sehr not, die Schlacht hat schwere Opfer gefordert.“ Und ich schlug in die dargebotene Rechte ein.

„Das hast Du wirklich geträumt?“ fragte Hannchen wieder, nachdenkend den blonden Kopf schüttelnd.

„So wahr wir hier sind. Ich trat mit zu den Kran­kenbetten heran, als die Tür zu dem Saal sich wieder öff­nete. Aller Augen waren auf die Eintretenden gerichtet, die verwundeten Soldaten brachen in laute Zurufe aus. Die da kamen und von allen gegrüßt wurden, waren ein stattlicher Offizier mit dunklem Vollbart, die Uniform war ganz einfach, ich kenne sie nicht, aber der Mann sah aus, als sei er zum Befehlen geboren. Und neben ihm gingst Du, Hannchen, eine schöne, ach so schöne, vornehme Dame. Ich fragte:„Wer ist das?“ Und die Antwort lautete: „Unser Fürst und Fräulein Johanna....“ Da erklang ein lauter Schrei und— ich erwachte. Das war der Traum. Und den wollte ich Dir erzählen, weil ich daraus gesehen, daß Hannchen Hölder und Hermann Grau wohl nimmer im Leben dieselbe Straße gehen werden.“

„Ich glaubs nimmer net, daß das ein Traum war," sagte Hannchen. Aber sie war ziemlich still geworden. Gewiß, sie wurde sonst nicht leicht verlegen, aber diese Ge­schichte hatte es ihr doch etwas angetan. Hätte der Her­mann nicht so gute, treuherzige Augen gemacht, sie hätt' ihm wohl handgreiflich bewiesen, daß sie sich nicht foppen lasse, aber so? Nein, der spaßte nicht, es war ihm ernst.

Da schlug die Uhr auf dem Kirchturm, hastig sprang sie empor; Herrgott, wo war denn die Zeit geblieben? Das würde zu Hause von Vater und Mutter eine schöne Epistel geben. Und zwar mit Recht! Denn sie hatte doch hoch

und heilig versprochen, pünktlich zu Haus zu sein. Und nun war es schon über die angesetzte Zeit und der Nach­hauseweg erforderte auch noch eine starke Viertelstunde. Wie Feur überlief es sie, sie wurde dabei wieder ganz die Alte, die sich nicht so leicht ins Bockshorn jagen und erst recht nicht zum Staunen hinreißen ließ. Nach Haus!

Sie trat zu dem jungen Mann heran, streckte ihm beide Hände hin und sagte herzlich:„Also lieber Bursch', nun muß geschieden sein. Und wenn Du auch eine so groß­mächt'ge Geschichte geträumt hast, ich mein' doch, wir bei­den bleiben die Alten. Wünsch's Dir von Herzen, daß Du ein angesehener Mann wirst, würd’ mich freuen, wenn Du aus der alten, langweiligen Wirtschaft herauskönntst, aber ich will halt nimmer mit hohen Herren herumspazieren, sondern bleiben, was ich bin, Briefträgers Hannchen.“

„Ach, Hannchen, wenn's alles immer so ging, wie wir das wünschten. Ich merk's wohl, Du lachst heimlich über das, was ich Dir da erzählt. Ich hätt's, kannst mir's glauben, wahrhaftig nicht getan, wenn ich nicht alles so leibhaftig erschaut....“

„Laß sein, Hermann, setz' mir keine Wundergeschichten in meinen Krauskopf, Mutter sagte so schon, mit mir sei kein Auskommen mehr. Wir werden schon sehen, wer von uns es zu etwas bringt, und der andere wird sich darüber freuen. Das weiß ich und das sag ich. Und keiner wird dann auf den andern heruntersehen. Sieh mal,'s könnt doch sein, Hannchen Hölder ging später, wie heute, schlecht und recht mit dem Tragkorbe zum Markte, und Du führst an mir vorüber. Einsteigen will ich nicht, aussteigen brauchst Du nicht— aber“,— die helle Stimme bebte leise,„erleben möcht ich's doch nicht, wie Du dann den Kopf abwendetest, weil Du das armselige Briefträgers Hannchen nicht kennen möchtest!“

„Hannchen!" Er drückte sein heißes Gesicht in ihre festen, kühlen Hände.

(Fortsetzung folgt.)