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wit Ausnahme der Sonn= und gesetzl. Feiertage. Abonnementspreis
# ins Haus, mit der täglichen Unterhaltungsbeilage und dem Sseitigen„Illustriertem Sonntagsblatt 55 Pfg.
Rotationsdruck und Verlag, sowie für die Inscrate verantwortlich: Viktor Schanzer, Dortmund.
mit dem
Lokak-Anzeiger für
Dortmund u. Hörde
und der täglichen Unterhaltungsbeilage sowie der Illustrierten Sonntagsbeilage.
Erpedition: Dortmund, Prinzenstraße 9—11.— wermprem=Anschluß Nr. 3299.
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Für die Redaktion verantwortlich:
Mar Sonnemann, Dortmund.
Nr. 150.
Dortmund, Donnerstag, den 30. Juni 1910.
27. Jahrg.
Erstes Blatt.
Einladung
zum Abonnement auf das
„Dortmunder Tageblatt“.
Wir gehen in Deutschland einer ereignisreichen Zeit entgegen. Kaum ist die große Reichsfinanzreform unter Dach und Fach gebracht, erhebt sich schon wieder das drohende Gespenst einer weiteren Belastung des Volkes durch neue Steuern; weil der Ertrag der jüngst geschaffenen Steuern nicht ausreicht, um die Bedürfnisse, die auf den verschiedensten Gebieten sich geltend machen, zu decken. Eine neue Militärvorlage ist in Sicht und mit ihr natürlich auch eine neue Steuer, als die die Regierung eine Wehrsteuer sich gedacht hat. Heiße Kämpfe werden sich im Reichstag entspinnen und auszufechten sein, bis die Regierung den Weg zur Sparsamkeit gefunden hat. In Preußen hat die Wahlrechtsreform der Regierung Dank den Bemühungen des konservativ=klerikalen Blocks schmählich Schiffbruch gelitten. Aber es heißt:„Die Mahlrechtsreform ist tot, eslebe die Wahlrechtsreform!“ Um ein gerechtes Wahlrecht wird nach wie vor in der heftigsten Weise gestritten werden. Wer über all diese und ändere Vorgänge auf dem inner
politischen Gebiete sich in freimütiger, volkstümlicher Weise unterrichten lassen will, der lese
das„Vortmunder Tageblatt".
Ebenso wie auf dem Gebiete der inneren Politik
perden auch auf dem der äußeren die Ereignisse mit unerksamkeit verfolgt, registriert und besprochen, so
us die Leser über alles aufs Beste auf dem Lau#enden erhalten werden. Nicht minder werden die unvlitischen Vorkommnisse, sofern sie allgemeines Insteresse beanspruchen, berücksichtigt werden. Im Feulleton und in der täglichen Unterhaltungsbeilage sowie im Illustrierten Sonntagsblatt finden die Leser einen mit Sorgfalt ausgewählten Unterhaltungsstoff für die Familie. Ueber alle einigermaßen wichtigen lokalen und provinziellen Ereignisse bird prompt berichtet werden. In telegraphischen Deseichen wird das Neueste vom Neuen geboten. Kurz
das„Dortmunder Tageblatt“
dietet sich so als eine Zeitung dar, die allen billigen Ansprüchen gerecht wird und bemüht ist, ihren Inhalt #imer interessanter zu gestalten und in jeder Beziehzu vervollkommnen.
Der Abonnementspreis beträgt frei ins Haus mit täglichen Unterhaltungsbeilage und dem Sseitigen strierten Sonntagsblatt 55 Pfg. pro Monat, durch
die Post bezogen für drei Monate 1.50 Mark,
Verlag und Redaktion
des„Dortmunder Tageblatts“.
Soziale Fürsorge für Eisenbahnarbeiter.
S. R.— Der vom Minister der öffentlichen Arbeiten erstattete Bericht über die Betriebsergebnisse der vereinigten preußischen und hessischen Staatseisenbahnen berücksichtigt in einem besonderen Kapital auf die sozialen Fürsorgeeinrichtungen für die Arbeiter und minderbesoldeten Beamten.
Im Vordergrund stehen die Maßnahmen zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse. Aus den bislang hierfür in Preußen bereitgestellten Mitteln, die sich seit 1895 auf insgesamt 120 Millionen Mark beziffern werden fortgesetzt Wohnungen erstellt, für alle die Arbeiter und Beamten, die in der Nähe der Betriebsstätten wohnen müssen, dort aber nur unter ungünstigen Bedingungen Wohnungen fiuden ürden. Rund 50000 Wohnungen wurden in dieser Weise im letzten Berichtsjahr 1908 von der Verwaltung zur Verfügung gestellt. Daneben wurden durch Gewährung von Darlehen aus den staatlichen Fonds wie aus den Mitteln der Arbeiterpensionskasse in umfangreichen Maße solchen gemeinnützigen Baugenossenschaften unterstützt, denen Staatsbedienstete in größerer Zahl angehören. Endlich werden aus den Mitteln der Wohnungsfürsorgegesetze an einzelne Eisenbahnbedienstete Darlehen für Bauzwecke bewilligt.
Ein besonderes Augenmerk richtet die Verwaltung auf die ärztliche Fürsorge für die Bediensteten. Der Betriebsdienst stellt bekanntlich recht hohe Ansprüche an die Leistungen der Beamten. Die Betriebssicherheit fordert, daß dort nur Personen beschäftigt erden, die sich im Vollbesitz ihrer körperlichen und geistigen Gesundheit und Rüstigkeit befinden. Die Verwaltung bestellt daher vertragsmäßige Bahnärzte, denen die ärztliche Fürsorge für die mittleren und unteren Beamten und ihre Familienangehörigen ooliegt. Von der ihnen wie ihren Angehörigen gebotenen freien Arzthilfe machen die Bediensteten ausgiebigen Gebrauch. So hatten im Berichtsjahr weit über 160000 Beamte mit ihren Angehörigen Anspruch auf freie ärztliche Behandlung. Amtlicherseits wird betont, daiß das Vertrauensverhältnis zwischen Beamten und Aerzteschaft als recht befriedigend zu bezeichnen ist.
Zur Pflege und Hebung des Gesundheitszustandes ihrer Bediensteten nimmt die Verwaltung dauernd Bedacht auf Ausbau und Neueinrichtung von Badeanstalten. Außer bei den Werkstätten befinden sich Badeeinrichtungen vorzugsweise auf größeren Bahnhöfen mit zahlreichem Zug= und Lokomotivpersonal. Die unentgeltliche Benutzung der Badeeinrichtungen steht allen im Betriebsdienst, bei der Bahnunterhaltung auf den Güterböden und in den Werkstätten beschäftigten Beamten, Hilfsbeamten, und Arbeitern zu. Den übrigen Bediensteten, sogar den Bahnhofswirten, ist im Falle ärztlicher Verordnung ebenfalls der unentgeltliche Gebrauch der Bäder gestattet,
ohne eine solche haben sie eine minimale Vergütung zu entrichten. Dasselbe gilt für alle Angehörige.
Der Bericht zählt im ganzen 963 Badeanstalten mit 1758 Brause=, 1875 Wannen= und 53 Dampfund anderen Bädern.
Was die auf Grund der Arbeiterversicherungsgesetzgebung der Verwaltung obliegenden Verpflichtungen anlangt, so sind für jeden der 21 bestehenden Eisenbahndirektionbezirke besondere Betriebskrankenkassen errichtet. Sie gehen sämtlich, teils in der Dauer, teils in der Höhs ihrer Leistungen, über die gesetzlichen Mindestleistungen hinaus, insbesondere auch darin, daß den Angehörigen der Kassenmitglieder freie ärztliche Behandlung, freie Arzneien und Heilmittel sowie keilweise unentgeltliche Krankenhauspflege geboten wird. Ferner erhalten die Mitglieder auch beim Ableben von Angehörigen Sterbezeld. Innerhalb der Unfallversicherung sind die Eisenbahndirektionen angewiesen, die Unfallrentner, um sie frühzeitig wieder an eine ihren Fähigkeiten entsprechende Arbeit zu gewöhnen, sobald ihr Zustand es gestattet, wieder zu beschäftigen, und ihnen dabei eine Entschädigung in Höhe des vollen Lohnes zu zahlen, auch wenn sie die volle Erwerbstätigkeit noch nicht wieder erlangt haben.
Zu den bestehenden gesetzlichen Einrichtungen treten besondere Pensionskassen für die Beamten und Arbeiter. Die Arbeiterpensionskasse hat eigene Lungenheilstätten und Invalidenheime. Neben ihnen werden zur Behandlung der Lungentuberkulose noch andere Erholungsheime Seehospize, usw. in Anspruch genommen. Für die sonstige Bekämpfung der Lungenschwindsucht stehen Mittel bereit zur Verbesserung der Ernährung und der Wohnungsverhältnisse(Wohnungsdesinfektion). Die Kranken werden abgesondert eigene Betten, eigenes Eß= und Trinkgeschirr, Speiflaschen und dergl. beschafft. Vielfach wird besondere Krankenpfleze und Aushilfe in der Wirtschaftsführung zur Verfügung gestellt.
In allen Dienstzweigen wird der Bekämpfung des Alkoholgenusses besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Während des Dienstes ist der Genuß alkoholischer Getränke überhaupt verboten. Der Bericht betont wie diese Maßregel erfreulicherweise dazu geführt hat, daß das Personal nicht nur frischer zum Dienst erscheint, sondern ihn zum Vorteil der Betriebssicherheit auch mit mehr Ruhe, Ueberlegung und Willigkeit versicht. Die Zahl der auf Alkoholmißbrauch beruhenden Erkrankungsfälle ist zurückgegangen. Anstelle der verbotenen alkoholischen Getränke wird vielfach unentgeltlich Kaffee und Mineralwasser verabfolgt.
Eine ausgediehnte Wohlfahrtspflege entwickelt die Eisenbahnverwaltung auf dem Gebiete der Familien= fürsorge. An allen Orten, wo es an allgemeinen Einrichtungen für Erkrankte, die einer Pflege in der Familie nicht teilhaftig werden können, mangelt(Heilanstalten, Krankenhäuser, Hauspflege usw.), unter
Im
Roman von Benno Zehden.. 8
sebrigens verkennen Sie mich, begannsie von neuem, lasse mich von niemand beeinflussen; was ich für halte und vor mir selber verantworten kann, das auch, ob es den andern gefällt oder nicht.“ nickte er ihr zu. Dann trennten sie sich.
***
Abend, als er noch spät auf den Balkon hinausot sich ihm ein nie gesehenes Bild.
Die Berge brannten.
dürre Kraut und Gestrüpp da oben hatte durch eiwas Feuer gefangen, ein frischer Wind war dagekommen, und nun fraß die lodernde Flamme kapider Schnelligkeit um sich. Schon stand der nächste i heller Lohe, und schon sprangen die leckenden hinüber zu den Hügeln der Rochetta=Gruppe.
Bar war ein herrliches Bild, diese feuer leuchtenelesen in den dunklen Nachthimmel hineinragen zu bezaubert war Paul von dem seltenen An
er hinunter, um noch einen besseren und zu haben.
ner den Zypressen traf er Veronika. Sie saß und einend hinauf nach dem Feuer. Als sie ihn komösrte, stand sie auf.
dutzend trat er näher.
ist das nicht herrlich anzusehen?“ fragte sie. kte.„Prächtig! Nie habe ich etwas so schaurig gesehen.“
#### werden Sie den Anblick nicht mehrlange ha„ind bereits Männer hinauf, den Brand zu er
ichte man es bedauern.“ wahr. Aber die Bauern sind hier praktische Holz da oben können sie im Winter besser wären sie wohl auch nicht so schnell hin
er und blickte unausgesetzt in die Glut. *:„Kommen Sie mit hinüber zu den OliSie noch einen besseren Blick.“
Erstaunt fragte er:„Ja dürfen Sie denn noch so spät mit mir allein herum spazieren?" Lächelnd sah er sie an.
Und lächelnd erwiderte sie:„Die Mutter ist ein wenig erkältet, sie schläft bereits; aber ich wäre auch gegangen, wenn Mutter noch wach wäre; ich habe Ihnen ja gesagt, daß ich über mich allein verfüge.“
Schweigend gingen sie hinüber nach den Oliven.
Dann beganner wieder:„Uebrigens können wir gleich morgen früh mit dem Bilde beginnen.“
„Schon morgen?“ Fast war sie erschrocken.
„Wieso? Haben Sie morgen nicht Zeit?“
„Das schon aber ich möchte doch die Mutter erst ein wenig vorbereiten, damit sie nicht zu sehr erschrickt.“
„Also gut, sagen Sie es ihr morgen früh. Sie habel! ja Zeit. Vor acht Uhr beginnen wir ja doch nicht.“
Sie schwieg.
„Oder möchten Sie noch warten? Das wäre schade um jeden verlorenen Tag. Wer weiß, ob das gute Wetter sich halten wird. Und ich will Sie nur im Freien malen.“
Da sagte sie kurz entschlossen:„Nun gut, beginnen wir also morgen.“
Dankend küßte er ihr die Hand.„Und ziehen Sie ein weißes Kleid an, bitte.“
Stumm nickte sie nur.
Als sie unter den Oliven waren, begann man auf den Bergen bereits den Herd des Feuers von allen Seiten anzugreifen.
Veronika deutete hinauf.„Sehen Sie, ich sagte es ja, die Freude würde nicht lange dauern.“
„So wird man sich eben darein finden müssen,“ antwortete er resigniert und lustig.
„Da hätten wir gar nicht erst hier herüber zu gehen brauchen,“ meinte sie.
„O, weshalb denn nicht? Der herrliche Abend ist ja wie geschaffen zu einem Spaziergang.“
Sie schwieg und sah empor in die schon verglimmenden Gluten.
„Oder haben Sie etwas besseres vor, versäumen Sie gar etwas?“ fragte er.
„Aber nein, nicht das geringste.“
„Nun also, dann bleiben wir hier noch ein Weilchen zusammen und freuen uns der herrlichen Stille. Sehen
Sie, da ist auch schon eine Bank. Ganz wie für uns geschaffen.“
Sie setzten sich und sahen hinunter in das herrliche Sarkatal, das im silberschimmernden Nebelglanz dalag. Alle die kleinen Dörfer und Höfeschlummerten schon, tief in Dunkel gehüllt, nur von Arco her leuchteten noch die elektrischen Lichter der Promenaden.
„In was für ein schönes Stückchen Welt bin ich doch hier geraten,“ sagte er still,„nie hätte ich hier so viel Schönheit vermutet.“
Freudig sah sie ihn an.„Gefällt es Ihnen denn wirklich so gut?“
Stumm und sinnend nickte er nur.
„Sehen Sie, und wir, die wir hier immer leben, nehmen alles das wie etwas Selbstverständliches hin: da kann man wieder sehen, daß die Gewohnheit sogar gegen Schönheit abstumpft. So ist das Leben.“
In ihrem Ton lag ein so eigenartiger Klang, daß er unwillkürlich aufsah.
Da sie schwieg, sagte er leise und zart:„Sie sind nicht glücklich, Fräulein!“
„Wie kommen Sie darauf?“ fragte sie schnell.
„Vom ersten Tage an, als Sie zu mir sprachen, fühlte ich es.“
Sie schwieg und sah still betrübt vor sich hin.
Da bat er zart:„Nicht doch, nicht so traurig sein.“
Und langsam kamen ihr die Tränen.
Leise nahm er ihre Hand.„Fräulein Veronika," bat er.„nicht weinen, nicht verzagen, es wird ja alles wieder gut werden.“
„Nein nein,“ rief sie in wehem Schmerz schluchzend, „nie mehr wird es gut, nie mehr.“
Ganz leise und zart legte er seinen Arm um sie und zog sie an sich, ohne ein Wort zu sagen.
Und still duldete sie es, ruhte an seiner Brust und schluchzte leise in sich hinein.
Zärtlich streichelte er ihr Haar und nannte leise bittend und flehend ihren Namen.
Da richtete sie den Kopf auf und sah ihn mit großen, fragenden Augen an.
„Veronika!" Lieb und bittend und doch so voll Glückseligkeit erklang es von seinen Lippen.
Und da umfaßte sie ihn in stiller heißer Liebe, und
stützt die Verwaltung durch Zuschüsse alle solche Ver, anstaltungen, die auf Förderung der Krankenfürsorge gerichtet sind. Insbesondere werden auch die Frauenvereine subventioniert, die den von Krankheit heim. gesuchten Familien Wartung und Pflege, Unterstützung im Haushalt, Versorgung mit Wäsche u. a. zuteil werden lassen. In gleicher Weise werden die für die Kleinkinderfürsorge getroffenen Einrichtungen (Kleinkinder=, Spiel= und Waldschulen) durch finanzielle Beihilfen gefördert. Wo die Eisenbahnerund Beamtenvereine für ihre Mitglieder Erholungsund Genesungs=Heime errichtet haben, gewährt die Eisenbahnverwaltung häufig hohe einmalige Zuschüsse (im letzten Jahr insgesamt 100000 Mr.), die wa der zurückzuzahlen noch zu verzinsen sind.
Für die schulentlassene Jugend wird ebenfalls in umfangreichen Maße gesorgt.. Die Lehrlinge erhalten Turnunterricht teilweis sogar während der Arbeitszeit. Außerdem werden vielfosch Fußballspiel gepflegt und gemeinsame Ausflüge veranstaltet.. Auch die Eisenbahnervereine erleichtern durch gänzliche oder anteilige Uebernahme der Kosten den Töchtern von Arbeitern und unteren Beamten den Besuch von Haushaltungs= und Kochschulen.
Deutsches Reich.
Drei Francophile.
Der Pariser„Matin“ schreibt gestern unter dem Titel:„Drei Francophile an der Spitze der deutschen auswärtigen Poliitk“ und nachdem es über den Rücktritt des Fürsten Radolin sein Bedauern ausgedrückt hat: Man darf sagen, daß man mit der Ankunft des Herrn von Schoen in der Wilhelmstraße in den Beziehungen zwischen Frankreicn und Deutschland eine merklich bessere Wendung verspürte. Aus natürlicher Zuneigung und auf Grund einer gerechten Auffassung der Interessen seines Landes hat Herr v. Schoen die starke Manier, welche seine Vorgänger uns gegenüber anwenden wollten, aufgegeben und versucht, im Einvernehmen mit seinem Monarchen die Politik der Versöhnung und des Einvernehmens zur Anwendung zu bringen. Und er ist weiter damit gekommen, als seine Vorgänger, Es ist daher mit großer Genugtuung seine Ernennung zum Nachfolger des Fürsten Radolin zu begrüßen, und wir verkennen nicht das große Entgegenkommen, das die deutsche Regierung und an ihrer Spitze der deutsche Kaiser der französischen Republik durch die Ernennung des Herrn von Schoen zum Botschafter in Paris der französischen Republik entgegenbringen. Sein Nachfolger von Kiderlen=Wächter steht in dem Rufe eines energischen und klugen Mannes. Unser Botschafter Cambon hat wiederholt die glückliche Art begrüßt, welche von Kiderlen=Wächter dem französischen Volke gegenüber an den Tag gelegt worden ist. Der deutsche Kaiser hat mit glücklicher Hand als Leiter der Politil drei Francophile drei echte Männer Bethmann Hollweg, v. Schoen und v. Kiderlen=Wächter gewählt, die durch ihr Temperament und die erhabene Auffassung ihrer Pflicht, sowie durch ihre Haltung in der Vergangenheit die sichere Gewähr dafür bieten, daß die
preßte ihren Mund an den seinen, in übergroßer Glückseligkeit.
So fanden sie sich.
*
*
Am andern Morgen schien vom wolkenlos blauen Himmel die helle Sonne. Ein prachtvoller Tag brach an.
Früh schon war Veronika draußen und sang. Und man hörte es ihrer Stimme an, daß ihr das Lied vom Herzen kam.
Mutter Albana fühlte sich besser, auch sie war schon früh auf den Beinen.
Ein wenig erstaunt sah sie ihre Tochter an.
„Du bist ja heute so lustig, Kind?“ fragte sie, mit verhaltenem Mißtrauen.
„Und Veronika antwortete fröhlich:„Warum sollte ich es nicht sein, Mutter? Der Tag ist ja so herrlich, daß aller Kummer heute schwinden muß.“
Die Alte schwieg, aber ihr Mißtrauen schwand nicht, eher wurde es stärker.
Als sie ihrem Mieter das Frühstück brachte, empfing auch der sie in heiterster Laune.
„Nun, Mamachen, geht es heute besser? Ich hörte, Sie waren gestern ein wenig erkältet.“
„Danke, es geht ganz gut,“ sagte sie freundlich, aber mit Zurückhaltung und empfahl sich sofort wieder.
Als sie nach unten kam, erstaunte sie von neuem, denn Veronika hatte das neue weiße Kleidangezogen.
„Was hast Du denn vor, Veronika, daß Du Dich so putzest?“
Die Tochter lächelte geheimnisvoll.„Ganz etwas Besonderes Mami!“—
„Willst Du ausgehen?“
„Nein, ich bleibe still daheim.“
„Oder erwartest Du Besuch? Vielleicht kommt Cosimo, mich zu überraschen?"
„Nein, es kommt kein Besuch, Mami.“ Immer mehr erstaunte die Alte.„Aber weshalb denn dies alles? Wir haben doch heute keinen Feiertag?“
„Doch, für mich ist heute Festtag.“ Lächelnd beendete sie ihre Toilette.
„Also was soll das? Drücke Dich doch klar aus,“ rief da die Mutter ungeduldig.
Ruhig und heiter erwiderte Veronika:„Heute beginnen wir das Bild."E Fw 181,18