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Zweites Blatt Nr. 205

Sodinger Zeitung Herner Zeitung Geriher Zeitung

Montag, den 2. September 1935

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Der Abschied von den Opfern des Berliner Einsturzunglücks

für die im Berliner Lustgarten eine eindrucksvolle Trauerfeier veranstaltet wurde.(Presse-Illustra­tionen Heinrich Hoffmann, M.)

Der Bericht der Flottmann AG.

Das Inlandgeschäft befriedigend- Der Export konnte gehalten werden

Die Aussichlen günstig beurteilt

(!) Herne. 2. September.

Die Flottmann=AG in Herne berichtet über eine gleichmäßig steigende Beschäftigung in 1934.

Namentlich bei den gut beschäftigten Bauunternehmun­gen und der Steinindustrie sanden die Fabrikate der Gesellschaft günstigen Absatz, während im Bergbau, der zur Hauptkundschaft zählt, keine nennenswerte Belebung zu verzeichnen war. Im ganzen war das Inlandgeschäft befriedigend: der Export konnte wertmäßig auf der Höbe der Vorjahre gehalten werden. Das finanzielle Ergebnis gestattet noch nicht die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung: bei einem auf 2.72(2.03) Millionen Mark erhöhten Fabrikationsüberschuß wird nach Ab­schreibungen von 0.36(0.19) Millionen Mark ein Rein­gewinn von nur 0.05(0.12) Millionen Mark ausgewie­

sen, aus dem noch rund 41000 Mark Verlustvortrag zu decken sind, so daß ein kleiner Rest von rund 12 600 Mark zum Vortrag auf neue Rechnung verbleibt. Löhne und Gehälter erhöhten sich auf 1.47(1.19) Millionen Mark. Beim Vergleich der Ertragsrechnung mit dem Vorjahr ist zu berücksichtigen, daß außerordentliche Er­träge nur noch in Höhe von rund 100000 Mark(370 000 Mark) vereinnahmt werden konnten. Die Bilanz zeigt

— Aktienkapital 2.5 Millionen, Reserve 0.25 Millionen

— eine Steigerung der Verbindlichkeiten auf insgesamt 2.00(1.68) Millionen Mark, wobei sich u. a. die Bank­schulden von 1.06 auf 1.22 Millionen Mark erhöhten, die Warenkreditoren von 0.29 auf 0.51 Millionen Mark. Andererseits stiegen die Vorräte von 1.31 auf 1.68 Mil­lionen Mark, Forderungen von 1.05 auf 1.33 Millionen Mark, während die flüssigen Mitel 0.04 Millionen Mark (unverändert) betragen.

Die Aussichten für das neue Geschäftsjahr werden günstig beurteilt.

Ein neuer Wohnblock in der Bödestraße

Der gemeinnützige Wohn- und Sparverein Herne baut 14 Wohnungen Volkswohnungen- aber mit Komfort

Baubeginn: Januar-Februar

—. Herne, 2. September.

Gestern morgen um 10 Uhr hielt der Gemeinnützige Bau= und Sparverein Herne in der Wirtschaft Brink­mann eine Sitzung ab. Der Hauptpunkt der Tages­ordnung war die Genehmigung des Bauprogramms im Jahre 1936. Darnach sollen in der Vödestraße 14 Woh­nungen errichtet werden. Es sollen zwar Volkswoh­nungen sein, doch wird aber ein bescheidener Komfort nicht vermißt. Die Wohnungen sind selbstverständlich abgeschlossen, besitzen eine Diele, Speisekammer, Spül nische, Klosett. Unter den Wohnungen befinden sich

zwei Dopvelhäuser. Die Wohnungen teilen sich in neun 2½=Zimmer=Wohnungen und fünf 3½=Zimmer­Wohnungen. Mit dem Bau hofft man im Januar­Februar beginnen zu können. Die Bauausführung liegt in den Händen von Architekt August Hesse, Herne. Im einzelnen staffeln sich die Wohnungen wie folgt:

1 Wohnung mit Küche und zwei Zimmern 41,30 am,

2 Wohnungen mit Küche und zwei Zimmern 44,80 am,

1 Wohnung mit Küche und zwei Zimmern 42,10 am,

4 Wohnungen mit Küche und ein Zimmer 34,05 am,

2 Wohnungen mit Küche und ein Zimmer 34.40 am,

2 Wohnungen mit Küche und ein Zimmer 27,30 am.

Hinsichtlich eines eventuellen Reichszuschusses wurden

nach keinerlei Beschlüsse gefaßt.

Das geht Hernes ambulantes Gewerbe an

Bestimmung über das ambulante Gewerbe am Wohnort

Die Erleilung der Erlaubnis

(!) Herne, 2. September.

Das Amtsblatt der Regierung in Arnsberg bringt in seiner neuesten Ausgabe eine sehr wichtige Bestimmung über das ambulante Gewerbe am Wohnort, die auch für das Herner ambulante Gewerbe von größter Wichtigkeit ist. Wir entnehmen dem amtlichen Text das Folgende:

„Auf Grund des§ 42b der Reichsgewerbeordnung (R6O) in der Fassung des Gesetzes zum Schutze des Einzelhandels vom 12. Mai 1933 Artikel II Ziffer 2 (RGBI. I S. 262) und des Gesetzes zur Aenderung der Gewerbeordnung vom 3. Juli 1934(RGBl. I S. 566) wird nach Anhörung der Gemeindebehörden und der zuständigen gesetzlichen Berufsvertretungen für die Stadtkreise: Bochum, Castrov=Rauxel, Dortmund, Hagen, Hamm, Herne, Iserlohn, Lüdenscheid, Lünen, Eiegen, Wanne=Eickel, Wattenscheid, Witten: für die Städte Altena, Arnsberg, Gevelsberg, Hattingen, Hohenlimburg, Kamen, Lippstadt, Menden, Neheim, Schwelm, Schwerte, Soest, Unna, und für die Land­gemeinden: Werdohl, Milsve, Hemer, Weidenau, Herringen, das Folgende bestimmt:

Erlaubnis.

(1) Wer: a) in einem Gemeindebezirk einen Wohn­sitz oder eine gewerbliche Niederlassung hat und b) in­nerhalb dieses Gemeindebezirks aa) auf öffentlichen Wegen, Straßen, Plätzen oder an anderen öffentlichen Orten oder bb) ohne vorgängige Bestellung von Haus zu Haus 1. Waren feilhalten oder 2. Waren aa) bei anderen Personen als bei Kaufleuten oder solchen Per­sonen, welche die Waren herstellen, oder bb) an anderen Orten als in offenen Verkaufsstellen zum Wiederver­kauf ankaufen oder 3. Warenbestellungen bei Personen, in deren Gewerbebetriebe Waren der angebotenen Art keine Verwendung finden, aufsuchen, oder 4. aa) ge­werbliche Leistungen, hinsichtlich deren dies nicht La­densgebrauch ist, anbieten oder bb) Bestellungen auf solche aufsuchen will, bedarf der Erlaubnis.

Die Erteilung der Erlaubnis ist abhängig von dem Nachweise eines Bedürfnisses. Die Erlaubnis ist nicht erforderlich:

1. zum Feilhalten von Erzeugnissen der Land= und Fortstwirtschaft, des Garten= und Obstbaues, der Geflügel= und Bienenzucht, der Jagd und Fischerei, auch wenn sie nicht selbst gewonnen oder verfer­tigt sind:

2. zum Feilhalten von Gegenständen, die zum Wo chenmarkt zugelassen sind oder die der Regierungs präsident außerdem auf Grund§ 66 Absatz 2 RGO bestimmt, auch wenn sie nicht selbst gewonnen oder selbst verfertigt sind:

8. zum Feilhalten von Druckschriften, anderen Schrif ten und Bildwerken, auch wenn sie nicht selbst ver fertigt sind, wenn der Gewerbebetrieb nur von Haus zu Haus stattfindet:

4. zum Anbieten von gewerblichen Leistungen, bin­sichtlich deren dies Landesgebrauch ist;

5. für Fabrikanten und Großhändler mit Gold= und Silberwaren, Taschenuhren Bijouterie= und Schild­vlattwaren:

6. für Großhändler mit Edelsteinen, Perlen, Kameen und Korallen:

7. für Weinhändler:

8. für Händler mit Erzeugnissen der Leinen= und Wä­scheberstellung:

9. für Händler mit Nähmaschinen:

10. für Handlungsagenten.

Die Erlaubnis wird durch die Aushändigung eines Erlaubnisscheines erteilt. Dieser ist mit sich zu führen und auf Verlangen den zuständigen Behörden oder Beamten vorzuweisen. Der Erlaubnisschein wird für ein Kalenderjahr ausgestellt. Die Gebühr für die ge gesamte Zeit der Ausstellung beträgt 3 bis 50 RM. An träge sind der Ortsvolizeibehörde(in Gemeinden mit staatlicher Polizei der staatlichen Polizeibehörde) ein­zureichen.

Achlung! Kraftfahrer!

Erweiterung der Berutskenntnisse

Die Abteilung für Arbeitsführung und Berufserzie­hung in der DAF, Gau Westfalen=Süd, hat die zusätz liche Weiterbildung aller Männer im Verkehrsberufe aufgenommen. Die Gaubetriebsgemeinschaft 10.„Ver kehr und öffentliche Betriebe“, wird in bereitswilligster Zusammenarbeit mit uns stehen.

Unsere Schulung trägt nicht allein einen rein theore­tischen Charakter, sondern sie baut sich auch auf prak tische Erfahrungen und fachmännisches Können auf. sie wird eine kameradschaftliche Arbeitsgemeinschaft, die für jedermann von Nutzen ist, sein. Und noch mehr! Kameraden, habt Ihr schon einmal darüber nachgedacht, daß es nicht damit abgetan ist. Euer Fahrzeug zu fah­ren? Ueberall regt sich in unserem Vaterlande neues schaffendes Leben.—

Der Führer baut die gewaltigsten Autostraßen der Welt.

Ein gesundes Wirtschaftsliben kann sich nur bei einer fortschrittlichen Verkehrsentwicklung gestalten. Ja noch mehr!

Der Verkehr und die Verkehrsträger müssen der Mo dernisierung von Industrie, Handel und Gewerbe vor­auseilen.

Alle Kraftfahrer haben den gegenwärtigen Verkehrs­und Verordnungszustand zu beherrschen. Als Männer des Fortschritts und der Praxis müssen Sie mit allen Einzelheiten vertraut sein.

Diese Möglichkeit der Erweiterung der Berufskennt­nisse, das Immer=auf=dem=Laufenden=sein, das Vor­wärtsschauen, gibt Euch die DAF, die Organisation aller Schaffenden.

Zu diesem Zwecke werden in sämtlichen Ortswaltun­gen von uns Kraftfahrer=Kurse eingerichtet. Wenden Sie sich vertrauensvoll an die„Abt. für Arbeits­führung und Berufserziebung“ in der DAF. Sie werden hier über alle Zweifelsfragen die nötige Aufklärung erhalten. Wir hoffen, daß Sie unserer Ein­ladung Folge leisten werden. Die Leistungsgemeinschaft, die Berufspflicht, das Streben nach Leistung ist Dienst am Vaterlande.

Große Erfolge eines Herner Schriftstellers

(!) Das heitere Sviel„Meine kleine bescheidene Frau“ des in Hamburg lebenden Schriftstellers Wil­helm Ernst Asbeck, der einer Herner Familie entstammt, erzielte bei der Uraufführung in der Schil­ler=Over in Hamburg einen starken Erfolg. Am 6. Ok­tober gelangt sein Volksstück„Käpp'n Smidt“ an der Hamburger Schaubühne zur Uraufführung. Asbeck ist in Norddeutschland als Heimatschriftsteller im besten Sinne des Wortes bekannt. Von ihm erschienen seit Oktober vorigen Jahres der große Hamburg=Roman „Käv'n Smidt“, fünf volkstümliche Skalden=Bücher un ter dem Gesamttitel„Die Geschichten um Knut Eriks son“ und in diesem Monat kommen vier weitere Hefte: „Nordstrands Untergang",„Tortuga, die Pirateninsel",

Der Führer bei den Flottenübungen

Nach dem Abschluß der großen Schießübungen der Flotte, denen der Führer an Bord verschiedener Kriegsschiffe beiwohnte, lief der Aviso„Grille“ mit dem Führer und seinem Stab sowie den höchsten militärischen Befehlshabern in die Kieler Förde ein. Die Aufnahme zeigt(von links) den Ober befehlshaber der Reichsluftwaffe, General der Flieger Göring, den Führer, den Reichskriegsminister Generaloberst von Blomberg, den Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Admiral Dr. d. c. Raeder und gans rechts, im Profil) Vizeadmiral Albrecht. den Kommandierenden Admiral der Marinestation der Ostsee.(Urbabns, M.)

„Bruder gegen Bruder" und„Das Elefantenschiff" heraus. Gleichzeitig bringt der Drei=Türme=Verlag, Berlin, seinen großen Hallig=Roman„Die letzten Keiths auf Balumoog" und im Danner=Verlag erschienen die Bühnenwerke„Meer, Sturm und Mensch“, ein Chor­werk und„Eine Stenotyvistin stellt sich vor“ ein Spiel aus dem Alltag. Endlich hat der Bertelsmann=Verlag in Gütersloh für die Serie„Spannende Geschichten“ seine beiden Heimaterzählungen„Die Insel der Geäch­teten" und„Der Falke vom Falkenberg" erworben. Die „Herner Zeitung" veröffentlichte aus seiner Feder einige Kurzgeschichten.

Ueberhand nehmende Diebstähle

(!) In ganz erheblichem Maße mehren sich seit eini­ger Zeit die Felddiebstähle. Auch Stalleinbrüche sind nicht selten. So wurde vor kurzer Zeit einem Er­werbslosen aus dem Garten ungefähr ein Zentner Mohrrüben und etwa 20 Pfund Zwiebeln gestoblen. In der vorletzten Nacht stahl man einem andern Mitbür­ger ungefähr einen Zentner Kartoffeln. Dieses alles ge­schah in Horsthausen in der Nähe der Emscher und des Landwehrbachs. Vielleicht könnten hier Feldhüterstreifen eingesetzt werden, wie schon im vorigen Jahr.

Versammlung der evangelischen Meister­und Gesellenbruderschaft Herne

(!) Gestern morgen hatte die evangel. Meister= und Gesellenbruderschaft Herne im evangelischen Vereins­haus eine Monatsversammlung, in der der Bruder­schaftsführer, nach Erledigung der üblichen Tagesord­nung, eingehend auf das Aufgabengebiet der Gesamt­bewegung einging und dabei betonte, daß schon die Be­zeichnung„Evang. Bruderschaften“ eine Betätigung auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete ausschließe. Die Bruderschaften würden sich nur auf kirchlichem. kultu­rellem und karitativem Gebiete betätigen. Sie arbei­ten als kirchliche Bewegung ohne weiteres am Aufbau des Vaterlandes und am Ausbau der Volksgemeinschaft mit. Das 40jährige Bestehen der Bruderschaft soll voraussichtlich im Oktober im kleinen Rahmen im Ev. Vereinshaus begangen werden. Die Ausgestaltung der Feier wurde in großen Linien festgelegt. Die nächste Versammlung soll sich eingehend damit beschäftigen. Außerdem wird beabsichtigt, am 15. d. M. einen Aus­flug in die nähere Umgebung zu machen.

Schwerer Verkehrsunfall in der Mont=Cenis=Straße

(!) Als gestern abend ein Fußgänger in der Nähe des Hauses Mont=Cenis=Straße 14 die Straße über­queren wollte, wurde er von einem daberkommenden Motorradfahrer erfaßt und auf die Straße geschleudert. Dabei erlitt der Passant eine Gehirnerschütterung und mußte in das Katholische Kankenhaus eingeliefert wer­den. Lebensgefahr besteht keine. Allem Anschein nach soll der Fußgänger selbst die Schuld tragen, da er ohne nähere Vorsichtsmaßnahmen den Fahrdamm überschrit­ten hatte.

Vom Motorrad angefahren

(1Als am Samstagnachmittag ein Radfabrer von der Bahnhof= in die Behrensstraße einbiegen wollte, wurde er von einem Motorradfahrer erfaßt und auf die Straße geworfen. Neben erheblichen Fußverletzungen wurde ihm seine Jacke vollkommen zerrissen. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde er einem Arzt zugeführt. Die Schuldfrage konnte noch nicht geklärt werden. 60

Schwerer Betriebsunfall

(!) Dem Bergmann G. aus der Goethestraße drang in der Morgenschicht der vorigen Woche auf einer hie­sigen Schachtanlage bei Ausübung seiner Tätigkeit ein Schalholz in den Leib. Die Verletzungen waren so schwer, daß der Leib ausschwoll und der Bedauerns werte sofort in das Krankenhaus gebracht werden mußte.

Verkehrsunfall

(!) Am 30. August, gegen 18.15 Uhr, stießen auf der Bahnhofstraße, in Höhe der evangelischen Kirche, ein Motorradfahrer und ein Radfahrer zusammen. Der Radfahrer erlitt dabei einen Schädelbruch und fand im Evangelischen Krankenhaus Aufnahme.

Von der Trevoe gefallen

(!) Die Ehefrau L. C. von der Goetbestraße siel am Samstag nachmittag von der Treppe ihres Hauses und sog sich einen Unterschenkelbruch zu. Sie mußte in das Evangelische Krankenbaus gebracht werden.

Die HZ gratuliert:

Feier der silbernen Hochzeit

(1) Heute feiern die Eheleute Adolf Kausche und Frau Wilhelmine, geb. Ebbinghaus, Franz=Seldte= Straße 63, das Fest der silbernen Hochzeit. Auch un­hererseits die berzlichsten Gluckwünsche!