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Nr. 195(Zweites Blatt)

Herner Anzeiger

Mittwoch, den 22. August 1934

914

Helft weiter der NSV!

Wieviel Kohle hat das Ruhrgebiet?

Deutschlands Energiequellen.— Wir haben noch für 1600 Jahre Steinkohlen!— Trotzdem müssen wir

mit den Brennstoffvorräten sparsam umgehen.

In der Frühgeschichte der Menschheit war es die Energie der Naturkräfte—. Sonne, Wasser, Feuer,

Wind—, die sich der Mensch dienstbar machte. Mit leiner Entwicklung zum Kulturträger stieg auch die Fähigkeit, eine immer besser werdende Energieverwer­tung zu betreiben; der Mensch lernte durch die Technik, an Stelle der früheren systemlosen Ausnrtzung der Natur­kräfte eine planvolle Energiewirtschaft zu treiben, die schließlich zur wichtigsten Grundlage der ge­samten Volkswirtschaft wurde.

Deutschland besitzt Energiereserven aller Formen: Es hat Kohle, Erdöl, Erdgas, Holz, Torf und auch Wasser­

kräfte. Eine planvolle Gewinnung der Energieträger ist eine nicht mindere Aufgabe der Volkswirtschaft, wie ihre sinnvolle Verwertung in den Kraftmaschinen. Was hätte es heispielsweise für einen Zweck, die Kohlenförderung zu steigern, während veraltete Dampfmaschinen über Gebühr viel Kohlen verbrauchen? Hätten wir es nötig, uns mit dem Ersatz ausländischen Benzins durch ein­heimische Produkte zu befassen, wenn wir nicht gleich­zeitig in der Lage wären, unsere Motoren auf Ersatz­brennstoffe umzustellen? Zu einer zielbewußten Energie­wirtschaft gehört auch die rationelle Ausnutzung der Kraftmaschinen. Nun ist aber unsere gesamte Kultur, ja unser Leben schlechthin, von der aus den Energie­trägern gewonnenen Kraft, von Wärme und Licht ab­hängig,

und so ist die Frage nur zu berechtigt, wie lange

unsere Brennstossvorräte noch aushalten werden.

Ohne genaue Kenntnis des Umfanges und des Ver­brauchs der Vorräte ist eine Beantwortung der Frage nicht möglich. So sollen an Hand einiger Zahlen, die das Ergebnis neuester Forschungen sind, Aufschlüsse über un­jeren Reichtum an Energievorräten gegeben werden.

Leider ist es nicht möglich, die in der Erde lagernde Kohle zu wiegen oder zu messen, wie man etwa die Vor­säte einer Dampfmaschinenanlage feststellen kann. Trotz­dem können die durch Berechnungen und Mutmaßungen irmittelten Werte als recht sicher angesehen werden. Man hat also die, wenigstens für uns und unsere nächsten Nachkommen tröstliche Feststellung gemacht, daß die vor­handenen Steinkohlenvorräte noch etwa 1600 Jahre reichen werden. Wenn allerdings nur die Vorräte in Betracht gezogen werden, die bis zu 1000 Meter Tiefe liegen, wo ein Abbau gegenwärtig einigermaßen ertrags­würdig ist, so kommen die Berggelehrten nur auf 1270 Jahre. Das sind immerhin ganz nette Zeitspannen, aber der Kohlenbedarf während dieser Zeit ist uns auch nur garantiert, wenn der Verbrauch sich in den Grenzen hält, die wir augenblicklich kennen. Sollte uns die rast­lose Technik mit Maschinen beschenken, die zwar größere Leistungen, dafür aber auch einen sehr viel höheren Brennstoffverbrauch haben, so könnte die Rechnung mit den Energievorräten leicht ein Loch bekommen. Jede größere Kraftentfaltung in der Technik der Zukunft zehrt an unseren Kohlenvorräten, die nicht so schnell zuwachsen, wie sie der Mensch verbraucht. Ist es da verwunderlich, wenn sich weitschauende Techniker mit der Frage der Ausnützung der Naturkräfte befassen? Wenn man will, kann man dieses Bestreben mit der Devise„Zurück zur Natur“ kennzeichnen, denn tatsächlich könnten die Kräfte der Natur, die uns frei(soweit ihre industrielle Um­wandlung in gebrauchsfähige Formen nicht Kapital ver­schlingt) zur Verfügung stehen, eine willkommene Ergän­zung unserer Energievorräte darstellen.

Oderbezirk 440, Oberbayern 350. Niederhessen 150, Ober= hessen 66, Westerwald 90. Es ist der Technik gelungen. in den Maschinen der großen elektrischen Ueberlandzen­tralen Braunkohle zu verbrennen, wodurch die Stein­kohlenlager sehr geschont werden konnten. Die Anlage dieser Riesenzentralen in den Braunkohlengebieten hat zudem die Möglichkeit gegeben, die Kohlen da zu ver­brauchen, wo sie gefunden wurden, sodaß lange und teure Transportwege gespart werden konnten. Dadurch wurde Steinkohle für die Beschickung der Hochösen und zur Weiterverarbeitung des Eisens frei— die Vorräte wur­den gestreckt. Ein Beispiel für vernünftige Energiewirt­schaft, das sich den neuerdings besonders forcierten Ver­suchen, uns durch die Verwendung von Holz und ein­heimischen gasförmigen Brennstoffen in Automobilen und stationären Motoren von ausländischen Brennstoffen (Benzin) freizumachen, anschließt.

Unsere Torfvorräte liegen in Hannover, Schles­Braunkohle haben wir in Thüringen=Sachsen wig=Holstein, in Ostpreußen, Pommern, Brandenburg, 8120 Millionen Tonnen, Niederlausitz 4910, Niederrhein Mecklenburg, in der Provinz Sachsen und in Südbayern. 3290, Braunschweig=Mageburg 1510. Oberlausitz 1430, Deutsches Erdölgebiet ist besonders die Provinz Han­

Jeder spendete bisher 1.93 Mark bar

Gesamtleistung: 4,76 Mark pro Kopf der Bevölkerung.— Was schaffte das Hilfs werk„Mutter und Kind“?

Der ewige Kreislauf der Dinge

läßt auch hier die modernste Technik wieder an einen Ausgangspunkt zurückkehren, indem sie das Bestreben der Alten. die Sonnenwärme, und die Kraft des Wassers und des Windes sich dienstbar zu machen, wieder auf­greift. Nur bedürfen wir in unserer Zeit viel größerer Kraftmengen, als sie früher nötig waren, und so ist der Sonnen= und der Windmotor, der uns beglücken könnte, auch noch nicht verwendungsfähig, obschon es der Ver­suche genug gibt. Mit der Ausnutzung der Wasserkräfte in unserem Vaterlande ist es dagegen gut vorwärts gegangen.

Die Menge der bergbaulich zu verwertenden Kohle wird auf 235 Milliarden Tonnen Steinkohle und 22 Milliarden Tonnen Braunkohle geschätzt. Alljährlich ver­brauchen wir davon 142 Millionen Tonnen Steinkohle und 152 Millionen Tonnen Braunkohle. Die Zahlen be­ziehen sich auf die 1929=31 geförderten Mengen. Nach den Angaben der Preußischen Geologischen Landesanstalt verteilen sich die deutschen Steinkohlenvorräte bis 1000 Meter Tiefe auf die einzelnen Reviere wie folgt(in Millionen Tonnen):

Die Tat ist alles! Das gilt auch für das Winter­hilfswerk der NS=Volkswohlfahrt im Gau Westfalen­Süd, gilt für das Hilfswerk„Mutter und Kind“, gilt ebenso wie die Gemeinschaft„Kraft durch Freude". Hier zeigt sich der wahre Nationalsozialismus! Und es ist erfreulich, daß auch hier der Gau Westfalen­Süd mit an der Spitze steht. Wir konnten bereits mitteilen, daß das Ergebnis der Gesamtleistung des Winterhilfswerkes 12 365 665 Reichsmark beträgt. Wir geben eine Aufzählung der Sachleistungen, die den bedürftigen Volksgenossen in einem bisher nicht erreichten Umfange gewährt werden konnten. Als zu Beginn des Winterhilfswerkes die ersten Sammel­büchsen auf den Straßen und in den Geschäften klap­perten, hatte gewiß mancher Volksgenosse gedacht, daß mit den kleinen Beträgen, die da gesammelt wurden, kein durchschlagender Erfolg im Kampf gegen Hunger und Kälte zu erzielen sein werde.

Es zeigte sich aber, daß die NS=Volkswohlfahrt ihrer riesigen Aufgabe vollkommen gewachsen war und daß sie als einzige Organisation in der tätigen Fürsorge ein Mehrfaches von dem zu leisten imstande war, als die zahllosen Verbände, die in früheren Jahren nebeneinander gearbeitet hatten.

Die Leistungen in Westfalen-Süd

wären kaum möglich gewesen, wenn nicht die gesamte südwestfälische Bevölkerung ihre Opferbereitschaft be­wiesen hätte. Geldspenden für das Winterhilfswerk gingen insgesamt 5018 358,68 Reichsmark ein. Diese wurden wie folgt aufgebracht: WHW=Sammellisten WHW=Büchsensammlungen Lohn= und Gehaltsabzüge, laufende Monatsspenden Winterpfennig Eintopfspenden

Hitlerjugend=Schildernagelung Blumen= und Plakettenverkauf:

Spitzenrosetten 60 300,00 M.

Christrosen 107 500,00 M.

Märznarzissen 84 227,47 M.

Neujahrsplaketten 62000.00 M.

Glasplaketten 40 678,78 M.

Tag des Pferdes 1000,00 M.

Bertram=Vorträge 1 057,07 M.

Zuschuß der Reichsführung 620000,00 M.

Gesamtspenden: 5 018 358,68 M.

Auf den Kopf der Bevölkerung umgerechnet, ergibt dies den Durchschnittssatz von 1,93 Reichsmark an Barspenden, während die Gesamtleistung umgerechnet 4,76 Reichsmark beträgt.

Die Verwaltungskosten betragen nur 0,97 v. H. Wenn man berücksichtigt, daß bei diesen riesigen Geld­umsätzen ein Einschreiten bei irgendwelchen Verfeh­

259 244,05 M. 148 149,08 M.

2 068 911,62 M.

51 360,31 M. 1 505 791,57 M. 8 138,82 M.

lungen von kleinen Beträgen nur in ganz verschwin­dend seltenen Fällen nötig war, die an den Fingern aufzuzählen sind, kann jeder Volksgenosse freudig fest­stellen, daß die von ihm gebrachten Opfer nicht ver­geblich gewesen sind. Daß die NS=Volkswohlfahrt unseren notleidenden Volksgenossen in Westfalen=Süd wirklich geholfen hat, dürften die knapp zehn Monate segensreicher Tätigkeit, während derer die NSV ar­beitet, zur Genüge bewiesen haben. Aber das WHW war ja nur ein Teilgebiet der gewaltigen Liebes­arbeit, die von der NS=Volkswohlfahrt zu bewältigen ist. Welchen unermeßlichen Segen hat allein schon das Hilfswerk„Mutter und Kind“ gestiftet! Täglich rollen geschmückte Sonderzüge durch Deutschlands Gaue, die erholungsbedürftige Kinder zu ihren Pflegeeltern und bereits erholte wieder nach Hause bringen. Vom Gau Westfalen=Süd konnten bis zum 15. August 1934 13 476 erholungsbedürftige Kinder in den Gauen Magdeburg=Anhalt, Kurmark, Pommern, Hessen=Nassau, Mittelschlesien, Westfalen­Nord, Ostpreußen und in Holland untergebracht wer­den. Westfalen=Süd nahm selbst 3181 Kinder aus Holland, Berlin und anderen Gauen Deutschlands auf. Außer der Kinderlandverschickung sind in vielen Kreisen des Gaues

Kinder-Erholungsheime

eingerichtet worden, in denen bis jetzt fast 2500 Kinder ihre Gesundheit wieder auffrischen konnten. Weiter wurden in Verbindung mit der Hitler=Jugend große Zeltlager in Haltern, Kreuztal=Siegen, Esborn, Völ­linghausen(Möhnesee) und Bestwig errichtet, in de­nen über 12000 Hitler=Jungen bisher Erholung fan­den. Auch diese Pläne sind nur durch die tatkräftige Unterstützung der NS=Volkswohlfahrt Wirklichkeit ge­worden. Und genau so wertvoll ist die Verschickung der Mütter im Rahmen des Hilfswerks, die in freund­lichen Heimen beste Aufnahme finden. Wenn wir die Zahl nennen, so erscheint diese zwar niedrig, die aber jedem Volksgenossen eine Menge von Opfern und Arbeit zeigt.

Ueber 950 Mütter

konnten vom Gau Westfalen=Süd in schön gelegene Gegenden des Sauerlandes, Thüringer Landes usw. in ein Heim gesandt werden. Darüder hinaus wur­den örtlicherseits in den Kreisen und Ortsgruppen Müttererholungsstätten eingerichtet, wodurch über 2000 Müttern geholfen werden konnte. Neben den vielen anderen Aufgaben, die durch die NS=Volks­wohlfahrt durchgeführt,. werden, sei hier noch die Ar­beit in den Mütterberatungsstellen erwähnt, die mit vorbildlich geschulten Fürsorgerinnen und Aerzten im Gau Westfalen=Süd durchgeführt wird.

So wird mit begeisterter Hingabe dafür gesorgt, daß Deutschlands Volksgesundheit sich hebt und daß wir herauswachsen aus dem Elend der Kriegs= und Nachkriegsjahre.

nover. Torf und Erdöl wird unter der Regierung Hitlers in größerem Umfange als bisher zur Befeuerung unserer Kraftmaschinen gebraucht. Während wir zum Ersatz der Kohlenvorräte so gut wie nichts tun können, ist es uns möglich, die Holzvorräte immer wieder auszufüllen. Eine intensive Forstwirtschaft kann manchen Mangel beheben, dem wir auf dem Gebiete der Kohlenwirtschaft ausgesetzt werden können. Als Energieträger wird das Holz heute noch unterschätzt. Daß es als Brennstoff eine große Rolle spielen kann, beweisen die Länder, die es sich infolge ihres Holzreichtums leisten können, Holz zur Befeuerung von Dampfkesseln und Lokomotiven zu nehmen. Der jähr­liche deutsche Holzverbrauch stellt sich auf etwa 15 Mil­lionen Tonnen. Das ergibt hinsichtlich des Heizwertes rund die Hälfte der Menge Steinkohlen. Unerschöpflich sind gegenüber den festen Energieträgern die Wasserkräfte. Als direkte Antriebskraft für Maschinen spielen sie in unserem Zeitalter keine Rolle mehr; seitdem man aber lernte, Wasser zum Antrieb großer Turbinen auszu­nutzen, kommt den Wasserkräften eine von Jahr zu Jahr steigende Bedeutung in der Energiewirtschaft zu. Bereits jetzt wird in Deutschland über die Hälfte der vorhan­denen Wasserkraft zur Erzeugung von Elektrizität ver­wendet.

Diese kurze Uebersicht zeigt bereits den Reichtum Deutschlands an Energiewerten, die sinnvoll zu ver­brauchen, eine der Hauptaufgaben der Wirtschaft sein muß.

Die Rücksendung der Stimmscheine.

Eine Anordnung des Reichsinnenministers.

Der Reichsminister des Innern hat angeordnet, daß die Gemeindebehörden die am Abstimmungstag vor dem Wahlvorstand ordnungsmäßig abgegebenen Stimmscheine nicht der Gemeindebehörde des Ausstellungsortes direkt. sondern der Einfachheit halber auf dem Dienstwege an die Zentralbehörde(Innenministerium) des Landes zu senden haben, in dem auf Grund des Stimmscheines die Stimmabgabe erfolgt ist. Das gleiche gilt für Stimm­scheine, die von deutschen diplomatischen oder konsula­rischen Vertretungen im Auslande ausgestellt sind; auch diese sendet die Gemeindebehörde des Abstimmungsortes auf dem Dienstwege an ihre eigene zuständige Landes­zentralbehörde. Nicht benutzte Stimmscheine, die von Stimmberechtigten an die Gemeindebehörde des Aus­stellungsortes gesandt werden, sind von dieser bis auf weiteres aufzubewahren. Der Reichsminister des Innern gibt diese Anordnung hiermit sämtlichen Gemeinde­behörden amtlich mit dem Hinzufügen bekannt, daß eine besondere schriftliche Mitteilung nicht ergeht.

Hirtsiefer amnestiert.

Die Amnestie wirkt sich auch auf die Angeklagten der Hirtsiefer=Prozesses aus, der Ende Dezember 1933 vor der Strafkammer des Landgerichtes Bochum stattfand. in welchem es sich um den Bau des Wochenendhauses des Ministers in Essen=Heisingen handelt. In diesem Prozeß wurde Hirtsiefer wegen passiver Bestechung zu 6 Monaten Gefängnis und 900 Mark Geldstrafe verurteilt. Außerdem erkannte das Gericht auf Aberkennung des Rechts der Fähigkeit der Bekleidung eines öffentlichen Amtes auf die Dauer von 3 Jahren. Drei der Mitangeklagten hatten wegen Untreue aus dem§ 312 des H.G.B. bzw. Beihilfe hierzu Gefängnisstrafen bis zu 2 Monaten und Geld­strafen von 1000 bzw. 500 Mark erhalten. Die von den Angeklagten gegen dieses Urteil eingelegte Revision hatte das Reichsgericht verworfen. Sämtliche Angeklagte des Hirtsieferprozesses, darunter auch der frühere Wohlfahrts­minister Hirtsiefer, sind amnestiert worden. Die gegen Hirtsiefer ausgesprochene Strafe erreichte gerade die Amnestiehöchstgrenze.

Vergrat Dr. Hilger:

Der Geheime Rat Dr.=Ing. e. h. Ewald Hilger, der erst vor kurzem seinen 75. Geburtstag feiern

konnte, ist am Montag gestorben.

*

Hilger wurde in Essen=Ruhr als Sohn des Berg­werks= und Hüttenbesitzers Ewald Hilger geboren. Sein Vater war der Gründer der bekannten Zeche„Ewald“. Auch Hilger wandte sich dem Bergbau zu. Im Dienst der Preußischen Bergwerksverwaltung war er großten Teils im Saargebiet tätig, wo er zuletzt von 1900 bis 1905 Präsident der Königlichen Bergwerksdirektion Saarbrücken war. Er hat sich in dieser Stellung große Verdienste um die Entwicklung des Saarbergbaues er­worben. Im Jahre 1928 übernahm Hilger den Vor­sitz der Fachgruppe Bergbau im Reichsverband der deut­schen Industrie. Er gehörte zu den markantesten Per­sönlichkeiten des deutschen Bergbaues. Auch auf dem Gebiete der Sozialpolitik hat sich Hilger wirkungsvoll betätigt.

Vor einem Jahr:

Ruth Litzig

Heute ist ein Jahr verflossen, seitdem Ruth Litzig surch einen überaus tragischen Tod vom Gipfel des Ruhmes und aus der Blüte ihres 19jährigen Lebens n das Nichts fiel. Wenn wir den Gedenktag nicht ihne ein Erwähnen lassen wollen, so geschieht es nicht, im alte Wunden wieder aufzureißen oder Fragen ach Schuld und Sühne zu stellen. Es geschieht viel­nehr, weil Ruth Litzig sowohl durch die Tragik ihres Todes als auch durch ihre sportlichen Leistungen für Herne keine Alltagserscheinung war. Schon auf der Schule die beste Turnerin, ging ihr Streben dahin, Sportlehrerin zu werden. Dazu sollten ihr ihre schwimmsportlichen Leistungen den Weg bahnen hel­fen. Sie wurde Herner Stadtmeisterin im 100=Meter­Brustschwimmen und bald darauf auch Gaumeisterin von Westfalen. Ihr sehnlichster Wunsch war, einmal die deutschen Farben auf einer Olympiade vertreten zu dürfen. Als sie sich vom Kurzstrecken= auf das Langstrecken= und Dauerschwimmen legte, dachte sie zunächst noch nicht an Dauerschwimmrekorde. Erst als im Jahre 1932 Lu Koch aus Bochum 55 Stunden schwamm, erwachte in ihr der Ehrgeiz, diese Leistung zu überbieten. Sie hat es vollbracht und sogar mit 74 Stunden einen zuerst gar nicht beabsichtigten neuen Weltrekord aufgestellt. Jeder Herner weiß noch, was das ein Leben am Herner Stichkanal war, als Ruth Litzig damals diese Leistung vollbrachte. Und welch ein Triumphzug war es, als das Auto sie nachher nach Hause fuhr! Die Stadt Herne verlieh ihr die goldene Plakette, zum Dortmunder Sechstagerennen mußte sie den Startschuß abgeben und der West­deutsch Rundfunk ließ sie zu einem Ausfragegespräch nach Köln kommen. Damals schrieb sie in das Gol dene Buch des Westdeutschen Rundfunks:„Ich bin stolz darauf, daß ich zu meiner Vaterstadt Herne spre­chen durfte. Und der Sieg bleibt in Herne.“

Die Hoffnungen, die Ruth Litzig an ihre Gewalt­leistung, die gezeigt hatte, was systematisches Training und eiserner Wille vermögen, geknüpft hatte, erfüllten sich nicht. Sie hatte geglaubt— man las ja derartiges oft von amerikanischen Sporthelden— auf Grund hrer Rekordleistung schnell zu einer Verpflichtung als Schwimmlehrerin zu kommen, aber Deutschland ist nicht Amerika. Sie dachte dann daran, den Kanal dei Dover zu durchschwimmen, aber zur Durchführung dieses Vorhabens fehlten ihr die Mittel.

Im vorigen Jahre riet man ihr dann, das Rekord­Dauerschwimmen zu wiederholen. Man werde es schon so aufziehen, daß ein erheblicher Ueberschuß bleibe, mit dem sie dann ihren Zielen näher kommen könne. Das daraufhin im Baldeney=See durchgeführte große Schwimmen brachte wohl 100 000 Menschen auf die Beine. Es herrschte ein unbeschreiblicher Betrieb am See von Donnerstag morgen, wo sie ins Wasser stieg, bis Sonntag nachmittag, wo sie es verließ. Nie­mand hatte damit gerechnet, daß die Rekordleistung, die sie mit über 78 Stunden Dauerschwimmen auf­gestellt hatte, ein so furchtbares Nachspiel für sie ha­ben würde. Am Dienstag, dem 22. August, ist sie im Huyssenstift gestorben.

Wie es eigentlich geschehen konnte, daß ein Dauer­schwimmen, das beim ersten Mal ohne nachteilige Wirkung geblieben war, bei der Wiederholung den Tod zur Folge hatte, ist nie so recht klargestellt wor­den. Man sprach von Unterkühlung des Körpers mit nachfolgender Lungenentzündung. Von beteiligter Seite aber wird gesagt, daß sie noch in dem Augen­blick, wo sie ihren eigenen Rekord gebrochen hatte und die Zuschauer rasend Beifall klatschten, die Hand aus dem Wasser hob, winkte und dankte, daß sie auch mit ihrer Umgebung genaue Einzelheiten besprochen habe, was nachher geschehen solle, wenn sie aus dem Wasser steigen würde. Sie könne also damals, drei Stunden vor dem Abbruch ihres Schwimmens, sich keineswegs apathisch und halb bewußtlos mühsam im Wasser bewegt haben, wie man es später behauptet habe. Das tragische Ende sei vielmehr so gekommen uno zu erklären: Der Körper eines Schwimmers, der so lange im Wasser gewesen sei, sei wie Glas. Er dürfe nicht aufstoßen oder sonstwie einer Reaktion körperlicher oder seelischer Art ausgesetzt werden. Das ober sei mit Ruth Litzig in der 78. Stunde geschehen. Sie sei fern von der Zielstelle auf Grund gestoßen. Die Erkenntnis, daß hier nicht das Ziel sei, daß hier auch nichts zur Herausnahme aus dem Wasser vor­bereitet sei, habe eine solche Reaktion in ihr ausgelöst, daß die angespannten Willenskräfte in diesem Augen­blick zusammengebrochen seien. Sie habe dann noch ½ Stunde von einem Schwimmer im Wasser gehal­ten werden müssen, bis Sanitäter, Bahre und Auto dagewesen seien. In dieser Zeit, wo sie sich nicht durch Bewegung im Wasser habe warm halten kön­

nen, müsse sie den Rest bekommen haben. Im Huyssen­stift hätten sich Gehirnkrämpfe, ein Bluterguß im Gehirn und eine Lungenentzündung eingestellt.

Diese Erklärung klingt sehr plausibel. Wenn hin­terher heftige Urteile gefällt worden sind, so treffen sie Ruth Litzig selbst am wenigsten. Ihrer, die still auf dem Herner Kommunalfriedhof beigesetzt wurde, am heutigen Tage zu gedenken, ist Pflicht menschlichen Gefühls.

Störche

im Industriegebiet

Sie sollen hier wieder heimisch gemacht werden.

Unsere Leser werden sich noch der Versuche er­innern, die im vorigen Herbst von der Essener Vogelwarte in Verbindung mit der Vogelwarte Rossitten mit beringten Störchen unter­nommen worden sind. Wir haben damals in ver­schiedenen Artikeln darüber berichtet. Verschiedene Zeitungen wußten schon von einem Mißerfolg dieser Versuche zu berichten. In Wirklichkeit steht ihr Er­gebnis noch gar nicht fest, weil es endgültig erst in zwei Jahren festzustellen sein wird, nämlich dann, wenn die geschlechtsreif gewordenen Tiere die erste Rückreise nach Deutschland antreten. Es handelte sich bei dem Versuch um eben flügge gewordene Jung­störche.

Im Anschluß an dieses Experiment will nun die Essener Vogelwarte versuchen, den Storch wieder im Ruhrgebiet heimisch zu machen, wenigstens dort, wo die Industrie nicht gar zu stark auftritt und die Hofbesitzer sich verpflichten, den Storch zu schützen und etwas für ihn zu sorgen. Die Vogelwarte Rossitten hat Anfang Juli wiederum 65 ga.., junge ostpreußische Störche, die noch nicht flügge waren, nach Essen geschickt. Essen hatte vorher an Hofbesitzer in geeigneten Gegenden des Ruhrbezirks und des Niederrheins Anfragen gestellt, wer Störche haben wolle uno zudem Tierliebe genug besitze, um sich der Arbeit der Aufzucht zu unterziehen. Es gab so viele Bewerbungen, daß sie nur zu einem kleinen Teile be rücksichtigt werden konnten. An etwa 30 Stellen hat man darauf von Essen aus junge Störche geschickt, so z. B. nach Cleve, Jülich, Rheinhausen, Münster, ins Wuppertal und vor allen Dingen an die Ruhr. Sie wurden überall in künstlich auf den Dachfirsten und auf unbenutzten Kaminen auf Rädern und Holz­gestellen angebrachte Nester eingesetzt. Die Tiere

mußten zunächst von den Hausbewohnern gefüttert werden. Das erfordert allerhand Arbeit; denn der Pfleger, für den immer nur ein und derselbe Mann bestimmt werden sollte, mußte mehrmals am Tage aufs Dach klettern und die Jungstörche mit frisch­gefangenen Fröschen, Mäusen und Fischen füttern. Die Tiere haben stets großen Hunger. Auch muß das Nest dauernd in Ordnung gehalten und Unrat be­seitigt werden, Arbeiten, die sonst die alten Störche verrichten. Diese selbst hat man aus Ostpreußen natürlich nicht mit verpflanzen können. Uebrigens hat man niemals ein Elternpaar aller seiner Jungen beraubt, sondern aus einem stark besetzten Nest stets zwei Jungstörche genommen.

In Essens Nähe kann man ein solches Nest mit Jungstörchen am Baldeneysee auf der Wasser­burg„Haus Scheppen“ gegenüber Heisingen sehen. In nächster Nähe gibt ein Schutzgehölz für Wasser­vögel, das von der Vogelwarte Essen angelegt worden ist, den jungen Störchen Gelegenheit, ihre ersten Flug­versuche anzustellen. Vor kurzem sind die Storch­geschwister flügge geworden. Der Pfleger braucht jetzt nicht mehr vom Dachfenster aus auf die Leiter zu klettern, sondern kann die Tiere unten auf dem Hofe oder im Schutzgehölz füttern, wo sie flügel­schlagend und schreiend auf ihn zulaufen, sobald sie ihn erblicken; denn sie haben sich vollständig an ihn gewöhnt. Man hat mit Absicht stets die Paare aus einem Nest zusammengelassen. Mit der futterreichen Umgebung, den praktischen Nestern und der guten Pflege soll so die neue Heimat den Jungtieren an­genehm gemacht werden, damit sie später von Afrika aus dorthin zurückkehren. Allerdings kann das erst in drei Jahren geschehen, da Jungstörche erst dann wieder nach Deutschland zurückkehren, wenn sie fort­pflanzungsfähig sind. Dies dauert bei den Störchen drei Jahre. Inzwischen will man in den nächsten Jahren an anderen Stellen immer wieder neue Nester bauen und neue Jungstörche eingewöhnen, damit schließlich, trotz mancher Fehlschläge, der Klapperstorch der Kinderlieder wieder bei uns heimisch wird.

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