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genehmigung der Saisonarbeiter früher als bisher Wenn tatsächlich das Bedürfnis des Landes an Ar­erfolgen, auch im Interene der Beruhigung der beitskräften so groß und die Erwerbslosigkeit in den ländlichen Arbeitgeber. Industriestädten so dauerhaft ist, wird man baldigst

Diese Entschließung zeigt, daß man sich der Wege finden müssen, diesen horrenden Widerspruch Frage des Rückflusses von der Stadt auf das Land aus dem Gebiete der Arbeitsvermittlung zu lösen.

" mit ganz besonderer Energie wird annehmen müssen.]—

Aus und für Herne

Die kommunale Reorganisation im Industriegebiet.

Verzögerung der Zustellung des Probegesetzentwurss.

Wie wir erfahren, durfte der Probeentwur für das Umgemeindungsgesetz in diesem Monai nicht mehr den Kommunalbehörden im Amgemein­dungsgebiet zur Meinungsäußerung vorgelegt wer­den. Der Minister des Innern, Grzesinski, trifft erst am 29. Oktober von seiner Amerikareise wider ein Soweit wir informiert sind, wird der Probegesetzent­wurf vor seiner Zustellung an die Kommunalbehörde im Umgemeindungsgebiet erst dem Innenmiai­ster vorgelegt werden. Dies dürfte kaum vor An­fang November geschehen.

Der Innenminister hat wissen lassen, das, er nach dem Eingang der Meinungsaußerung der Kommunal verbände und vor Einbringung des neuen Gesetzent­wurfs an den Landtag eine Informatious. reise im rheinisch=westfälischen Umgemeindungsgebiet unternehmen wird. Wie wir von wohlinformierten Berliner Stellen hören, lehnt sich die in dem Probe­gesetzentwurf vorgesehene Lösung der kommunalen Reorganisationsfrage im westfälischen Industriegebiet an die in dem Gutachten des Regierungs­präsidenten in Arnsberg vorgeschlagenen Regelungen an.

Leider sei in dem ungeheuren Wirtschaftskampf, den das Ruhrgebiet augenblicklich zu bestehen habe, weder von Preußen noch vom Reich die Unterstützung zu er­warten, die das Ruhrgebiet verdiene; heute sei es doch so, daß über 50 Prozent des Ertrages des Ruhr­gebietes anderswo verbraucht werde.

Zur Saarkundgebung am kommenden Samstag.

Uns wird geschrieben: Unsere vertriebene Märtyrer wurden zum Stoßtrupp, zu Rufern im Streit um Be­freiung von fremdem Joch, um Aufklärung und Siche­rung uneres Rechtes. Sie gugen hinaus, schuldlos verbonnt; doch ungebeugt trieb sie das glühende Herz zur Tat. In schwerster Zeit wurde der Bund der Saarvereine ins Leben gerufen, um den Bedrängten und Ausgewiesenen zur Seite zu stehen und die Brü­der und Schwestern an der Saar in ihrem schweren Abwehrkampf zu stärken. Begeisterung für ein idea­les Ziel schuf das schöne Werk. Viele Tausende in mehr als 100 Ortsgruppen vom Norden bis zum Sü­den des deutschen Reiches sind ihm zugetan, werden um Anteilnohme und propagieren den Gedanken un­serer baldigen Befreiung.

Der Kampf ist noch nicht zu Ende, trotzdem das

Maß voll kst. Die heutige Parole heißt: Zurück zum Reich! In Anbetracht der großen Aufgaben ist es Pflicht des nichtbesetzten Deutschlands, in die Bresche zu springen und der Kampffront an der Saar die alte Schlagkraft zu sichern. Der Ruf„Hände weg vom Saargebiel“ muß immer wieder durch alle deutschen Gauen und auch durch das Ausland gehen. Unser wird der Sieg. Ein Volk, ein Wille, ein Vaterland.

Deutsch die Saar. immerdar!

Was jeder Deutsche vom Saargebiet wissen muß, erfährt er deshalb in der großen Saarkundgebung am Samstag. dem 27. Oklober, abends 8 Uhr, im Fran­ziskaner. Der Saarverein Herne erwartet wohl­wollende Unterstützung aus allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung. Der eigentlichen Kundgebung geht eine Vertreiterversammlung des Rheinisch-Westfälischen Industriegebietes sämtlicher Saarvereine vorauf. Sie beginnt um 5 Uhr an den obenerwähnten Räumen. „

Das Kölner Hänneschen=Theater in Herne.

Nun ist Dr. Nießen vom Theaterwissenschaftlichen Institut Köln mut seinem Kölner Hänneschen=Theater auch in Herne eingekehrt. Das Jahrmarktshänneschen als theatersaalfähig vorzustellen, ist ihm zum großen Teil gelungen. Spielerschwerend wirkte für die kleinen Puppen der für diesen Zweck rielleicht zu große Saal des Gesellenhauses, das aber durch die Bühnenbeleuch­tung in etwa wieder wettgemacht wurde. Ferner be­wahrte die zum Mitspiel aufgeforderte vielhundert­köpfige Schar der Kinder, ungewohnt der neuen Er­oberung, die sie gemacht hatte, nicht immer die Ruhe, während den Spielern, die im Tage mehrere Vor­stellungen geben müssen, nicht zugemutet werden kann, daß sie noch lauter sprechen sollen. Die gesamte halbe Höhe der Buhne sahen wir eine dunkelrote Leinwand verdecken. Vom oberen Teile zeigten die Seitendrittel Kolner Bürgerhäuser, und das mittlere Drittel stellte die Bühne. Die Miniaturkulissen bildeten einen farben­frohen, märchenhaften Hintergrund.

Die Deutsche Volkspartei der Mittelstädte zu den Eingemeindungsfragen.

Einigkeit macht stark.

Wie die Zentrums=, die sozialdemokratische und die demokratische Partei bereits viel früher getan haben, so veranstaltete am Dienstagabend auch die D.V.P. der Mittelstädte in Wanne=Eickel eine Versammlung, die zu den Eingemeindungsfragen Stellung nahm. Es waren Vertreter aus Herne, Witten. Langendreer, Wattenscheld und Wanne=Eickel erschienen. Baurat Lehnemann hielt ein ausführliches Referat, in dem er die in den letzten Monaten schon oft vorgebrachten Er­wägungen für die Erhaltung der Mittel­städte und gegen die Bildung von Rie­senstädten darlegte. In der Aussprache verlangte (nach der W.=E. Ztg.) Dr. Franz=Langendreer engen Zusammenschluß der lebensfähigen Mittelstädte, regelmäßige Zusammenkünfte u. gemeinsame Schritte. Auch müsse man auf dem Posten sein, sonst werde man schließlich vor vollendete Tatsachen gestellt. Vor allem gelte es, mit den Abgeordneten des Landtages und Staatsrates Fühlung zu nehmen. Bemerken waren einige Ausführungen des Reichstagsabgeord­neten Winnefeld, der gesetzgeberisch nichts mit der Umgemeindung zu tun hat und demgemäß nur als Wattenscheider Bürger sprach. Zunächst hob er her­vor, daß wegen der verschiedenen Belastung der indu­striellen Werke im Ruhrgebiete das Streben nach ein­heitlichen Steuern verständlich sei. Nachrichten über den Stand der Eingemeindungsfrage könne man vom Ministerium nicht erhalten. In weitesten Kreisen von Landtag und Regierung werde die Meinung vertre­ten, daß die Schaffung von Mittelstädten ein Feh­ler gewesen sei; doch werde man die Mittel­städte nicht umnoßen; weniger werde man wohl an die Schaffung neuer Mittelstädte denken; das schließe allerdings nicht aus, das die Städte, die Mit­telstädte werden wollen, mit aller Kraft danach stre­ben. Selbstverständliche Voraussetzung für die Erhal­tung einer Mittelstadt sei ihre wirtschaftliche Leistungs­fähigkeit; es sei daher sparsamstes Wirtschaf­ten den Mittelstädten zu empfehlen.

Destische Kleinbahnen und Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen verbünden sich gegen die Stadt Herne

Zweimal haben wir schon im„Herner An­zeiger“ auf die Benachteiligung der Stadt Herne nbetreff der Straßenbahn Herne=Recklinghausen hin­gewiesen, insbesondere, daß in Herne die Bahn an der Vinckestraße, also dem„Anfange“ der Stadt, en­digt und ein Hinausfahren über diesen Punkt mit be­sonders hohen Kosten verbunden ist, so mn Nr. 231 des „Herner Anzeigers“, dann noch in Nr. 246. wobei wir der Vermutung Ausdruck gaben, es wäre nicht Alleinschuld der Bochum=Gelsenkirchener Stra­ßenbahnen, sondern vielmehr die Direktion der Stra­ßenbahn Herne=Recklinghausen selbst, d. h. die Vesti­chen Kleinbahnen in Herten, die Kraft eines Vertrages die Bahn seit einigen Jahren mitverwalten. Die Direktion der Vestischen Bahnen hat begreiflicher­weise es nicht gewagt, diese Vermutung zu entkräfti­gen, sodaß wir sie nunmehr als Tatsache hinstellen können. Was Herne übrigens von dieser Verwaltung

hat, braucht nicht weiter erwähnt zu werden, da jeder­mann in Herne hierüber zur Genüge„Bescheid weiß". Es soll nur darauf hingewiesen, werden, welch zwei­deutige Rolle diese Direktion hinsichtlich des Durch gangsbetriedes Recklinghausen=Herne=Bochum gespielt hat, bis sich endlich der Verwaltungsausschuß näher mit dem Plane befassen mußte.

In Nr. 246 wurde auch betont, daß beispielsweise in Wanne=Eickel infolge des Uebergangtarifes von allen Linien eine„neutrale Zone" besteht, die stets 1 Teilstrecke auf der Nachbarbahn umfaßt, auch trifft das gleiche für Herne bei sämtlichen Bahnen zu, auch für den Uebergang der Bochum=Gelsenkirchener zur Herne=Recklinghäuser Bahn, nur einzig und allein nicht umgekehrt. Inzwischen hat nun der Verwal­tungsausschuß der Herne=Recklinghäuser Bahn unsere Anregungen verwirklicht und die Anzahl der Teilstrecken vermindert, wodurch der große Preisunterschied wenigstens etwas gemindert ist, er

betragt„nur noch 0.50 M. Auch hier gilt wieder die Einschränkung, daß diese Verbilligung nur für den gewöhnlichen Uebergangsverkehr gin, nicht be­traffen werden naturlich Fahrscheinhefte, Monats­und sonstige Ermäßigungskarten. Für diese ist immer noch bei einem Weiterfahren der hohe Anfangspreis von 20 Pfg. zu entrichten. In dieser Beziehung ist alle Preisverbilligung der Herne=Recklinghäuser Bahn nußlos. Wir ersuchen daher den Verwaltungsaus­schuß, selbst mit folgendem Vorschlag bei der Direk tion der Bochum=Gelsenkirchener Bahnen vorstellig zu werden:

Die Teilstrecke Strünkede— Binckestraße der Herne=Recklinghäuser Bahn wird bis zur Kurfür­stenstraße ausgedehnt. Damit nun die Bochumer Bahnen keinen Schaden erleiden, erklärt sich der Verwaltungsausschuß mit einer Verlängerung der Teilstrecke Kurfürstenstraße— Herne Bahnhof bis zum Schloß Strünkede einverstanden. Schwierigkei­ten könnten sich nur ergeben, welcher Bahn die Ein­nahmen auf diesem Abschnitt bei Jahrten inner­halb der genannten Zone Kurfürstenstraße— Strün­kede zufließen sollen. Die hierfür gegebene Lösung ist, daß beide am Gemeinschaftsverkehr beteiligten Bahnen in ihrem Wagen den eignen Tarif anwen­den. Verharrt jedoch die Bochum-Gelsenkirchener Bahn weiter auf ihrem ablehnenden Standpunkt, so muß die Herne=Recklinghäuser Bahn sich selbst hel­fen und bei Jahrten Recklinghausen— Herne Kur­fürstenstraße stets eine Teilstrecke weniger berech­nen. J. B. Recklinghausen Hbf.— Herne Behrens­straße sind sieben Teilstrecken, es werden jedoch nur sechs berechnet, was dem Preise bis zur Binckestraße gleichkommt, umgekehrt wird beim Uebergang von der Bochum-Gelsenkirchener Bahn auch auf Reck­linghäuser Gebiet ein Teilstrecke weniger berechne!

Unser Wetterbericht.

Das Tiefdruckgebiet über Großbritannien besteht fort, hat aber an Tiefe abgenommen, während sich das Hochdruckgebiet über Südosteuropa verstärkt. In Deutschland war es gestern früh meist wolkig, aber nur vereinzelt regnerisch. Die gestrigen Morgentem­peraturen lagen im allgemeinen zwischen 7 bis 13 Gr., nur in Bayern niedriger.

Wetteraussichten bis Samstag: Wech­selnde Bewölkung ohne erhebliche Regenfälle und ziem­lich mild.

Das Spiel. Die Komik der Puppen bannt auch die Erwachsenen. Die Flintheit der Bewegung wurde von den Spielern mit verblüssender Sicherheit demon­striert. Manche Szenen waren von geschmackvoller Gruppenstellung. Der Tanz der Puppen erinnerte an lebendige Shimmyhopser. Die Faxen und Rüpelszenen sind Höhepunkte der Urwüchsigkeit, die von einem Lachorkan der Zuschauer begleitet werden. Die Spie­ler verhalsen stimmlich im Kölner Dialekt der kom schen Situation zum Erfolg. Die Handlung ließ alle altbekannten Personen, wie die Marienzellbell, den Schääl, den Mählwurmspitter und den prachtvollen Tünnes um das gemütliche Hänneschen aufmarschie­ren, deren Kostüme nicht minder putzig waren.

Das Spiel stand auf einem hohen Volksnweau und ließ die Anwesenden die Zeit der Not vergessen. Man wurde an die eigene Jugendzeit erinnert. Den Er­wachsenen wird diese Kölner Hänneschen=Bühne eben­soviel sagen, wie den Kindern.

Heute finden Vorstellungen im Stadtteil Sooin­gen im Lokale Borgmann statt, und zwar um 11. 3 und 5 Uhr für Kinder und abends 8 Uhr für Erwach­sene. Möge der Besuch recht zahlreich sein, man wird seine helle Freude haben.

„„„*

* Die neuen Straßenreinigungsgebühren

werden heute vom Magistrat in einer Bekannimachung veröffentlicht. Die Unterlagen liegen in der Zeit vom 26. 10. bis einschl. 23. 11. im Rathaus. Zimmer 79, auf

*<space> K i r c h e n c h o r<space> S t.<space> B o n i s a t i u s<space> H e r n e.<space>

Am nächsten Sonntag, dem 28. Oktober, halt der Kirchenchor on St. Bonifatius im kleinen Soale des Gesellenhauses seine diesjährige Familienfeier av. Mit Rücksicht auf das reichhaltige Programm ist der An­fang auf 7 Uhr abends festgesetzt. Zu dieser Jeier werden die Ehrenmitglieder des Vereins mit ihren Familienangehörigen ganz besonders eingeladen. Da: Programm für den Abend ist so reichhaltig, daß jeder bestimmt auf seine Kosten kommt.

* Das städtische Konzert am Mittwoch.

das erste Vormietekonzert, eröffnete mit einer sehr glücklichen Vorbedeutung die Winterzeit. Der Saal war gegen alle Erwartung sehr gut besetzt. Die Dar­bietungen, besonders des Streichquartetts. wurden mit großem Beifall ausgenommen. Den ausführlichen Be­richt bringen wir morgen.

* Kindertransport.

Die seit dem 17. September im stadt. Erholungs­heim Hullern befindlichen Kinder haben die Kur am Freitag, dem 26. Oktober, beendet und treffen um 13 Uhr auf dem hiesigen Bahnhof ein

* Zur Anzeige

kam gestern abend ein Fuhrmann, der die Bahnhof­straße ohne Licht mit seinem Wagen befuhr

St.-Josephs-Arbeiterverein St. Bonisatius.

Sonntag früh gem. hl. Kommunion. Nachmittags, beginnend 5 Uhr, Feier des 35jährigen Stiftungsfestes im großen Saale des Kath. Gesellenhauses.(Näheres siehe heutige Anzeige.)

#ei duten. Relerkeit., Katarch

Politische Freiheit in der Herner Vergangenheit.

Recht interessante Einzelheiten weiß Fritz Hölkes­kamp in der„#erner Volkszeitung“ über die Zeiten zu berichten, wo der Sozialdemokrat noch als Staats­verbrecher galt. Anlaß zu diesem geschichtlichen Rück­bick bot die 50jährige Wiederkehr des Verkündigungs­tages des Sozialistengesetzes, des„weietzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemo­kratie". Wir entnehmen dem Artikel einige allge­mein=politisch, historisch und örtlich interesiante Stellen.

Einer der tatkräftigsten und eifrigsten Verfechter der sozialdemokratischen Idee war in dem damals erst aus dem Ackerdorf herauswachsenden Herne der Bergmann Theo Menke, der heute noch als Partei­veteran sich großen Ansehens erfreut. 1889 war der erste große Bergarbeiterstreik. Damals ereignete sich folgende für die frühere Säbelpolizei charakteristische Begebenheit: Die streikenden Bergarbeiter machten einen Ausflug nach dem Grullbad in Recklinghausen­Süd. Kaum hatten sie sich im Grünen gelagert, da erschien der Polizeikommissar Brockmeyer, das Oberhaupt der Herner Polizei zu jener Zeit, hoch zu Roß mit einer Schar von Polizeibeamten. Sie stürz­ten mit gezogenem Säbel in die Masse der sich fried­lich lagernden Arbeiter und trieben sie auseinander. Ein besonderes Vergnügen fand Brockmeyer Larin, die flüchtenden Arbeiter in die Emscher hineinzujagen. Diese polizeilichen Drangsalierungen und Schikanen sind in der Folgezeit noch oft vorgekommen. Im Jahre 1890 fiel das Sozialistengesetz. Damit begann auch die Agitation und das parteiliche Leben in der Sozialdemokratie stärker zu werden.

So fand im Jahre 1890 bei der damaligen Reichs­tagswahl auch in Herne in der Lobeckschen Wirtschaft zum ersten Male eine sozialdemokratische Wahlver­sammlung statt. Dort sollte der damalige Kandidat Redakteur Lehmann sprechen. Bei dieser Reichs­tagswahl hatte die Sozialdemokratie im hiesigen Wahlkreis einen gewaltigen Stimmenzu­wachs zu verzeichnen. Während bei der Reichs­tagswahl im Jahre 1887 im Wahlkreis Bochum=Herne für die Sozialdemokratie nur 1160 abgegeben wurden. stimmten bei der Reichstagswahl im Jahre 1890 8388 Wahler für diese Partei. Diese enorme Stimmenzu­nahme hatte zur Folge, das eine ganze Anzahl von Bergarbeitern, die führende Mitglieder im„Alten Verbande“ der Bergarbeiter waren und in dem Ver­dacht standen. Sozialdemokrat zu sein, au den Zechen gemaßregelt wurden und nirgends Arbeit be kamen. Dieses Los traf auch Theo Menke, dem am 1 Mai 1891 auf Zeche Julia gekündigt wurde. Er vlieb aber weiter der Parteiarbeit treu. Ein Jahr lang eilte er täglich von Haus zu Haus und brachte in die

Wohnungen der Arbeiter die damals in Gelsenkirchen erscheinende sozialdemokratische Zeitung„Die Volks­stimme“. Aber das kärgliche Einkommen zwang ihn schließlich, den Herner Staub von seinen Schuhen zu schütteln und sein Heil, wie so viele andere Leidens­genossen, im Auslande zu suchen. Er ging nach Schottkand, wo er mit August Siegel zusammen ar­beitete, einem der letzten noch lebenden Alten, die die ganzen Verfolgungen der Sturm= und Drangzeit der deutschen Arbeiterbewegung muitgemacht haben

Auch der damalige Wirt Adam Bomm war fort­während den polizeilichen Verfolgungen und Schi­kanen des Polizeikommissars Brockmeyer ausgesetzt weil er diese„gemeingefährlichen Leute“, in seinen Räumen tagen ließ. Kaum hatten sich die Arbeiter zu einer Versammlung oder Feier in seinen Räumen nie­dergelassen, da erschien Brockmeyer mit einem Polizei­beamten und verhängte über die Wirtschaft die Schank­sperre. Adam Bomm ließ sich jedoch nicht einschüchtern und stellte den Vereinen und Verbänden seine Räume weiter zur Verfügung. Ueber das Vorgehen des Po­lizcikommissars Brockmeyer schreibt der Arbeiter=Ge­sangverein in seiner Festschrift zur Feier des 30jäh­rigen Bestehens:„Im Jahre 1894 fand sich eine An­zahl freier Gewerkschaftler zur Gründung eines Ar­beiter=Gesangvereins zusammen. Diese ging denn auch ohne Hindernisse vonstatten. Im Herbst des Jahres 1894 feierte der Verein sein Grundungsfest. Aber jetzt kam die Sache anders. Ein Arbeiter=Gesangverein in Herne, welcher sich das freie Lied zu eigen machte, war doch zu schrecklich, deshalb versuchte man, den Verein unschädlich zu machen und seine ersten Lebens­keime zu ersticken. Am Abend des Festtages erschie­nen Polizeibeamte und Gendarmen unter Führung des Polizeikommissars Brockmeyer, welcher als erster das Brunsche(jetzt Dieße) Lokal betrat, wo der Ver­ein seine Feste feierte, und Feierabend bot. Die An­wesenden machten sich bereit, den Saal zu verlassen, da ertonte schon wieder die Stimme des Kommissars: „Feierabend zum ersten, zweiten und dritten Male!“ Jetzt begann die Attacke; wie auf ein Kommando hat­ten alle Gendarmen und Polizisten ihre Säbel gezogen auf Männer und Frauen. Ein jeder rettete sich, so gut es ging: man sah Frauen, die durchs Fenster sprangen. Draußen wurde die Attacke fortge­setzt. Revolverschüsse durchhallten die Nacht. Ein Fest­teilnehmer, namens Pahler, erhielt einen Schuß ins Bein und mußte sich ins Krankenhaus begeben. Nach der Heilung wurde er noch mit 9 Monaten Gefängnis bestraft. Der Inralide Stein bekam 6 Monate, Schnei­dergeselle Kranich 3 Monate. Besonders hervorzuheben sind die Polizeibeamten Brockmeyer, Münter, Buschel und Viet, welche sich an jenem Abend hervorgetan haben

Diese brutale Gewaltanwendung des damaligen Herner Polizeikommissars gegen die Anhänger der Sozialdemokratie ho; dann im nächsten Jahre zu einem fürchterlichen Drama geführt, dem„Essener Meineids=

Prozeß gegen Schröder und Genossen". Der Verlau war nach den Ausführungen Fritz Hölkeskamps in der H. Volksztg. folgerder: Am 2. Febr. fand im Saale des Wirts Sichtermann in Baukau eine von dem Führer des„Christlichen Gewerkvereins der Bergarbeiter", August Brust, einberufene Bergarbeiterversammlung statt. Da die Christen freie Diskussion zugesichert hat­ten, ging der damalige Führer des„Alten Verban­des“, der Bergarbeiter Schröder, mit einigen seiner Bekannten in die Versammlung. Auffallend war das große Polizeiaufgebot vor dem Versammlungs­lokal. Als Schröder das Wort zur Geschäftsordnung verlangte, wurde er von Brust aus dem Saal gewie­sen und der Gendarm Munter von diesem mit der Aueführung seiner Anordnung beauftragt. Schröder ging hinaus, wurde aber an der Saaltür von Min­ter mehrmals zu Boden gestoßen. Dieses Gebaren des Gendarmen Münter wurde in dem Organ des Berg­arbeiter=Verbandes gebührend kritisiert. Der verani­wortliche Redakteur Margrai wurde darauf verklagt. In diesem Prozeß. der vor der Essener Strafkammer sich abspielte, beschworen Schröder, Meyer, Graff. Wilking, Becmann, Imberg und Thiel, daß Munter den Schröder zu Boden gestoßen habe. Doch der ge­genteilige Ed des Gendarmen Münter wurde vom Gericht anerkannt. Der Redakteur wurde bestraft und die anderen wegen Meineids verhaftet und verurteilt. Schröder erhielt 2 Jahre und die anderen sogar über 3 Jahre Zuchthaus. Als im Jahre 1911 das Wieder­aufnahmeverfahren erfolgte, da wurden die so schwer Bestraften von dem Meineid freigesprochen Die Sozialdemokraten schlossen sich damals in Herne zu einer losen Parteiorganisation zusammen, denn das damalige Vereinsgesetz verbot jede politische Vereins­bildung. Erst, als im Jahre 1898 dieser§ 8 des Ver­einsgesetzes fiel, da schrit man zu der Gründung des „Sozialdemokratischen Vereins von Herne und Um­gegend“. Diese Gründung erfolgte im Mai des Jah­res 1898. 18 Mitglieder traten dem neugegründeten

Verein bei. Erner der Unerschrockenen, der damals diesen ersten Verein gründen half, war der jetzige un­besoldete Beigeordnete Julius Benz. Ihm war als Schriftführer des neugegründeten Vereine die Aufgabe zutell geworden, den Verein bei der zustän­deigen Polizei anzumelden. Das damalige Vereins­gesetz schrieb nun vor, daß bei der Anmeldung auch die Mitgliederliste einzureichen sei. Das war nicht geschehen, man hatte nur die Namen des Vorstandes übermittelt. Benz und die beiden übrigen Vorstands­mitglieder erhielten von dem Polizeikommissar Brock meyer, der damals auch der Amtsanwalt von Herne war. eine Geldstrafe von 15 Mark, die sie dann bei Wasser und Brot en den dunstigen Gesängnismauern absitzen mußten. Die Polizei hatte nun nichts eili­geres zu tun, als der Zechenverwaltung Konstantin, wo Benz arbeitete, Mitteilung von diesem„gemein­gejährlichen Sozialdemokraten“ zu machen. Das führte kurz nach seiner Haftentlassung zur Maßregelung

Seitdem wurde ihm auf einer Zeche nach der anderen gekünsdigt, so daß er aus weit mehr als 30 Arbeits­stellen tätig gewesen ist. Die vielen Maßregelungen und polizeilichen Drangsalierungen eines Kommissars Brockmeyer ließ dieses zarte Vereinspflänzchen nich: recht zur Entwicklung kommen. Der„Sozialdemokrati­sche Verein“ schlief wieder ein, bis man dann im Juni 1904 wieder zur Neugründung schritt.

Ein wichtiges Ereignis in dieser Zwischenzeit soll nicht unerwähnt bleiven, wenn wir auch dem Ver­jasser Fritz Hölkeskamp die Verantwortung für die Richtigkeit der Darstellung überlassen müssen. Im Jahre 1899 war u##gen der gewaltigen Erhöhung der Knappschaftsbeiträge für die Schlepper aus den hie­sigen Zechen ein sogenannter„Schlepperstreik“ ausgebrochen. Viele Bergleute hatten sich eines Nach­mittags auf der Bahnhofstraße angesammelt, um de­monstrativ ihren Unwillen darüber kundzutun. Brock­meyer hatte alle seine Polizeibeamten auf die Beine gebracht und zur Verstärkung Polizei und Gendar­merie aus dem Landkreise Dortmund und Bochum herangezogen. Die Polizei, aus dem Steinweg und der Marienstraße kommend, trieb die streikerden Arbeiter. aus diesem kurzen Stück der Bahnhofstraße so in die Euge, daß Mann an Mann stand und keiner sich 34 rühren in der Lage war. Die Menge wurde nun von der Polizei aufgefordert, auseinanderzugehen, was natürlich vollständig unmöglich war Darauf erteilte Polizeikommissar Brockmeyer der Schutzmannschoft den Befehl, zu schießen. 8 Tote gav es nd 22 Verletzte. Die Herner Stadtbehörde, an der Spitze der frühere Oberbürgermeister Schaefe:. zollte dem tatkräftigen Vorgehen des Polizeikommis­ars Brockmeyer und seiner Schutzmannschaft be###n­deren Dank. Zur Belohnung dafur wurde Oberbürger­meinter Schaefer, dem damals die Polizeigewalt von Herne oblag, von der Regierung mut dem Ro­ten Adlerorden 3. Klasse, und Polizeikom­missar Brockmeyer mit dem Roten Adlerorden 1. Klasse ausgezeichnet. Außerdem bekam Brock­meyer noch für sein Totschießen 100 Mark und jeder beteiligte Polizeibeamte 75 Mark als Belohnung aus­gehändigt. Man sieht hieraus, wie ganz anders die staatliche, behördliche und gesellschaftliche Denkart ge­genüber der Sozialdemokratie war, als heute

Dieses vereinte Vorgehen von Behörde und Polizei brachte die Arbeiterschaft erst recht auf. Die Sozial­demokratische Partei nahm darum in den nächsten Jahren einen gewaltigen Aufschwung, so daß bei der Reichstagswahl im Juni 1903 der damalige Reichs­tagskand'dat Otto Hue hier in Herne 2756 Stimmen' erhielt, wayrend der nationalliberale Kandldat nur 2156 Stimmen bekam. Das war ein gewaltiger Er­folg für die Sozialdemokratische Partei in Herne, wenn man bedenkt, daß damals Herne unge ahr 8459 Berg­baubeschäftigte und 800 Fobrikarbeiter hatte.

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