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Amtliches Publikations=Organ für den Stadtkreis Herne. Amtlich beglaubigte Abonnentenzahl.

Druck u. Verlag: Ingmanns& Koethers. Herne. Bebelstr. 8. u. d. Postamt

täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Bezugspreis wöchentlich 55 Pfa. frei ins Haus gebracht. Postscheckkonto: Dortmund 1907

Zugleich Anzeiger für das Amt Sodingen(Amtsblatt) u. Gerther Anzeiger

Geschäftsleitung und für den Anzeigen- und Reklameteil verantwortlich: Jos. Röttsches, für den redaktionellen Teil verantwortlich: Heinr. Ingmanns, beide in Herne.

Der aus die Inserate eingeräumte Nachlaß wird bei Konkursen und gerichtlicher Klage binfällig.

Ueder Abonnent ist gemäß den Bedingungen mit Mark 250.—, bei der Rürnberger Lebensversicherungs=Bank in Nüraberg versichert, wenn durch einen Untall der Tod oder Ganzinvalld!

Bürgermeister Or.

Diese Trauerkunde durcheilte gestern in den frühen Nachmittagsstunden unsere Stadt. Ueberall, wohin sie gelangte, erregte sie grenzenlose Anteilnahme, ja geradezu Bestürzung. Man konnte und wollte es nicht glauben, daß dieser im besten Mannesalter stehende, kaum 42jäh­rige, anscheinend so gesunde und immer arbeitsfreudige prächtige Mensch eine so vorzeitige und schnelle Beute des Todes geworden sein sollte. Und doch war es leider so. Noch vor etwa drei Wochen versah Bürgermeister Dr. Sudkamp in völliger Gesundheit sein schwieriges Amt. Mitten in den Etatsberatungen stehend, ruhte gerade in dieser Zeit, in der es galt, den neuen Herner Haushalts plan rechtzeitig zu verabschieden, auf seinen Schultern eine Fülle von Arbeit. Wir sehen ihn im Geiste noch vor uns, wie er in einer der letzten Sitzungen der Finanzkommis sion darauf hinwies, daß es ihm wahrscheinlich gelingen werde, den neuen Haushaltplan bereits in der März­Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vorlegen zu können. Die Vorsehung hat es anders gewollt. Mit­ten in dieser Arbeit ist der Tod über Dr. Sudkamp ge kommen, er hat ihm die Feder aus der fleißigen Hand ge­nommen und unter seine Arbeit vorzeitig einen Schluß­strich gesetzt. Wie kaum ein zweiter hing Bürgermeister Dr. Sudkamp an dem ihm so lieb gewordenen Beruf. Was er schon lange erstrebt und sich gewünscht hatte, in der Herner Stadtverwaltung das Dezernat der Finanz­und Steuerverwaltung in seine Hand zu bekommen und dadurch seine Fähigkeiten als Finanz= und Steuerfach­mann voll entfalten zu können, war ihm in den letzten Jahren zuteil geworden. Er ging völlig auf in dieser Arbeit und widmete sich ihr mit dem ganzen Pflichteifer und der großen Arbeitsfreudigkeit, die ihm in so hohem Maße zu eigen waren. Die städtischen Kollegien, Magistrat sowohl wie Stadtverordnetenversammlung, lernten ihn nach die­er Richtung hin besonders schätzen. Und es ist bezeich­nend, daß sie bei so mancher schwerwiegenden Entschei­dung ihre Zustimmung von dem Urteil des Finanzdezer­nenten abhängig machten. Als solcher war Bürgermeister Dr. Sudkamp auch Mitglied der Finanzdezernenten-Ver­einigung rheinisch=westfälischer Städte und erfreute sich dort allgemeiner Wertschätzung. Auch im Arbeitgeber­verband der rheinisch=westfälischen Städtevereinigung, der er als Dezernent der städtischen gewerblichen Betriebe angehörte, nahm er eine hervorragende Stelle ein. Mit ganz besonderer Liebe pflegte Bürgermeister Dr. Sud­kamp das Kunstdezernat innerhalb der städtischen Berwaltung. Seit Jahren bemühte er sich an der Spitze der Musik= und Theaterkommission um die Veranstaltung erstklassischer städtischer Darbietungen auf dem Gebiete der Musik und des Theaters, wobei er besonders bei un­serem musik= und kunstverständigen Oberbürgermeister eine kräftige, verständnisvolle Stütze sand. Besonders er­freulich war die innige kollegiale Zusam­

menarbeit zwischen Dr. Sudkamp und seinem Ober­bürgermeister, der, wie wir gus eigener Erfahrung wissen in seinem zweiten Bürgermeister seine treueste Stütze, sei­nen besten Helfer sand.

Eine besonders schlimme Zeit war für den Entschla­fenen das Jahr der Ruhrbesetzung durch die Fran­zosen, die ihm besonders übel mitgespielt haben. Lange, lange und bange Wochen brachte er in französischer Haft in Recklinghausen zu, bis das französische Kriegsgericht ihn zu 6 Monaten Gefängnis verurteilte, die er in stren­ger Haft abbüßen mußte. Unter den Nachwirkungen die ser seelischen und körperlichen Leiden hat er lange zu tragen gehabt, und es ist nicht ausgeschlossen, daß diese lange Haft den Keim zu seinem Leiden gelegt hat, dem er jetzt in der Blüte seiner Jahre erlegen ist.

Wie mit den übrigen Fraktionen unterhielt Bürger­meister Dr. Sudkamp auch mit der Zentrumsfrak­tion des Stadtverordnetenkollegiums die besten Beziehungen. Ja, wir sagen nicht zu viel, wenn wir behaupten, daß besonders zwschen ihm und der Zen: trumsfraktion ein direkt freundschaftliches Verhältnis bestand, das bei mancher Gelegenheit auch nach außen bin in die Erscheinung trat.

Als kluger und weitschauender Kommunalpolitiker un­terhielt Bürgermeister Dr. Sudkamp die besten Be­ziehungen zur Presse und nahm auch selbst die Feder zur Hand, um für die Belange seiner Vaterstadt in der Oef­fentlichkeit einzutreten. Auch im Herner Anzeiger, mit dem er stets auf bestem Fuße stand, ist mancher Ar­likel aus seiner Feder erschienen. Unsere heutige Ge­denknummer gewinnt dadurch noch eine besondere Bedeutung, daß Dr. Sudkamp in ihr seinen letzten Artikel veröffentlichen konnte, der ihm zu schreiben vom Schicksal vergönnt war. Daran hat er sicherlich und haben auch wir wahrhaftig nicht gedacht, als er uns seinen Beitrag für die heutige Gedenknummer überreichte, daß wir in derselben Ausgabe ihm seinen eigenen Nachruf widmen mußten.

Vom Rathausturme wehen die Fahnen halbmast. Bürgermeister Dr. Sudkamp ist nicht mehr. Was er in den langen Jahren seiner Tätigkeit im Magistrat leiner Vaterstadt geleistet, wird ihm unvergellen bleiden. Ganz besondere Teilnahme wendet sich der schwergeprüf ten Familie des Toten zu. An seiner Bahre trauern neben der ganzen Stadt vor allem seine Frau, drei un mündige Kinder und sein alter Vater. Mögen sie Trost finden in ihrem Leid an dem Mitgefühl der ganzen Stadt und in dem Gedanken, daß es im Jenseits einst ein Wie­dersehen gidt. In diesem Sinne sprechen wir auch un­sererseits der Familie des Toten unsere herzlichste Anteilnahme aus. Möge Bürgermeister Dr. Sudkamp ruhen in Gottes hl. Frieden! H. J.

*

Dr. Subkamps Lebenslauf.

Bürgermeister Dr. Heinrich Sudkamp war am 19. Februar 1886 in Herne geboren. Nach Ab­solvierung der höheren Schule widmete er sich dem Stu­dium der Rechtswissenschaften und der Volkswirtschaft. Sein Referendar=Examen bestand er im Juni 1910. Im Jahre 1912 promovierte er zum Dr. jur et rer. pol.(magna cum laude). Das Assessorexamen bestand er mit dem Prädikat„gut“. Seit Januar 1915 war er in der Kom­munalverwaltung tätig, er wurde am 21. Januar 1916 in seiner Vatersladt zum Magistratsassessor, am 26. März 1918 zum besoldeten Beigeordneten und am 29. Juli 1919 zum zweiten Bürgermeister der Stadt Herne gewählt. Als solcher war er bis jetzt hier tätig. Er war feder­führender Geschäftsführer der Westf. Landesbühne, Mit­glied des Vorstandes des Arbeitgeberverbandes rhein.= westsäl. Städte und Mitglied der Finanzdezernenten­Vereinigung rhein.=westfäl. Gemeinden.

Die ersten Nachrufe

widmete seinem verstorbenen Kollegen unser Oberbürger­meister Täger in der gestrigen Sitzung des Magistrats und der Finanzkommission, deren Mitglieder bewegten Herzens und sichtlich erschüttert die Nachricht von dem Ableben unseres zweiten Bürgermeisters entgegennahmen. Die Finanzkommission brach ihre Sitzung ab und vertagte sich.

Trauersitzung im Rathause.

Die feierliche Beisetzung findet am Montag nachmittag statt. Um ½3 Uhr veranstalten Magistrat und Stadtverordneten=Versammlung im gro­ßen Sitzungssaale des Rathauses eine Trauerseier. Im Anschluß daran erfolgt vom Rathause aus die feier­liche Beisetzung zum kommunalen Friedhof an der Wischerstraße.

Totenklage!

Wie ein rasender Reiter sagt der Tod Ueber Meere und Länder fort:

Sein Gefolge heißt Trauer und Not,

Seine Arbeit grausiger Mord.—

Er reißt aus den Armen der Mutter das Kind, Aus ruhmvoller Bahn den Mann,

Ihm sind die Menschen wie Blätter im Wind, Und keiner ihn halten kann.———

Am düstern Sarge heut“ klagen wir In tiesem, bitterem Schmerz:

Der, dessen Hülle ruhet hier.

Das war ein treues Herz!!!—

Und über diese Bahre hier Soll die Erinnerung geh’n,

Soll in der edlen Menschen Ein lieber Name steh'n.