Te 4 Amtliches Publikations=Organ für den Stadtkreis Herne. Amtlich beglaubigte Abonnentenzahl. Druck u. Verlag: Ingmanns& Koethers. Herne. Bebelstr. 8. u. d. Postamt täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Bezugspreis wöchentlich 55 Pfa. frei ins Haus gebracht. Postscheckkonto: Dortmund 1907 Zugleich Anzeiger für das Amt Sodingen(Amtsblatt) u. Gerther Anzeiger Geschäftsleitung und für den Anzeigen- und Reklameteil verantwortlich: Jos. Röttsches, für den redaktionellen Teil verantwortlich: Heinr. Ingmanns, beide in Herne. Der aus die Inserate eingeräumte Nachlaß wird bei Konkursen und gerichtlicher Klage binfällig. Ueder Abonnent ist gemäß den Bedingungen mit Mark 250.—, bei der Rürnberger Lebensversicherungs=Bank in Nüraberg versichert, wenn durch einen Untall der Tod oder Ganzinvalld! Bürgermeister Or. Diese Trauerkunde durcheilte gestern in den frühen Nachmittagsstunden unsere Stadt. Ueberall, wohin sie gelangte, erregte sie grenzenlose Anteilnahme, ja geradezu Bestürzung. Man konnte und wollte es nicht glauben, daß dieser im besten Mannesalter stehende, kaum 42jährige, anscheinend so gesunde und immer arbeitsfreudige prächtige Mensch eine so vorzeitige und schnelle Beute des Todes geworden sein sollte. Und doch war es leider so. Noch vor etwa drei Wochen versah Bürgermeister Dr. Sudkamp in völliger Gesundheit sein schwieriges Amt. Mitten in den Etatsberatungen stehend, ruhte gerade in dieser Zeit, in der es galt, den neuen Herner Haushalts plan rechtzeitig zu verabschieden, auf seinen Schultern eine Fülle von Arbeit. Wir sehen ihn im Geiste noch vor uns, wie er in einer der letzten Sitzungen der Finanzkommis sion darauf hinwies, daß es ihm wahrscheinlich gelingen werde, den neuen Haushaltplan bereits in der MärzSitzung der Stadtverordnetenversammlung vorlegen zu können. Die Vorsehung hat es anders gewollt. Mitten in dieser Arbeit ist der Tod über Dr. Sudkamp ge kommen, er hat ihm die Feder aus der fleißigen Hand genommen und unter seine Arbeit vorzeitig einen Schlußstrich gesetzt. Wie kaum ein zweiter hing Bürgermeister Dr. Sudkamp an dem ihm so lieb gewordenen Beruf. Was er schon lange erstrebt und sich gewünscht hatte, in der Herner Stadtverwaltung das Dezernat der Finanzund Steuerverwaltung in seine Hand zu bekommen und dadurch seine Fähigkeiten als Finanz= und Steuerfachmann voll entfalten zu können, war ihm in den letzten Jahren zuteil geworden. Er ging völlig auf in dieser Arbeit und widmete sich ihr mit dem ganzen Pflichteifer und der großen Arbeitsfreudigkeit, die ihm in so hohem Maße zu eigen waren. Die städtischen Kollegien, Magistrat sowohl wie Stadtverordnetenversammlung, lernten ihn nach dieer Richtung hin besonders schätzen. Und es ist bezeichnend, daß sie bei so mancher schwerwiegenden Entscheidung ihre Zustimmung von dem Urteil des Finanzdezernenten abhängig machten. Als solcher war Bürgermeister Dr. Sudkamp auch Mitglied der Finanzdezernenten-Vereinigung rheinisch=westfälischer Städte und erfreute sich dort allgemeiner Wertschätzung. Auch im Arbeitgeberverband der rheinisch=westfälischen Städtevereinigung, der er als Dezernent der städtischen gewerblichen Betriebe angehörte, nahm er eine hervorragende Stelle ein. Mit ganz besonderer Liebe pflegte Bürgermeister Dr. Sudkamp das Kunstdezernat innerhalb der städtischen Berwaltung. Seit Jahren bemühte er sich an der Spitze der Musik= und Theaterkommission um die Veranstaltung erstklassischer städtischer Darbietungen auf dem Gebiete der Musik und des Theaters, wobei er besonders bei unserem musik= und kunstverständigen Oberbürgermeister eine kräftige, verständnisvolle Stütze sand. Besonders erfreulich war die innige kollegiale Zusammenarbeit zwischen Dr. Sudkamp und seinem Oberbürgermeister, der, wie wir gus eigener Erfahrung wissen in seinem zweiten Bürgermeister seine treueste Stütze, seinen besten Helfer sand. Eine besonders schlimme Zeit war für den Entschlafenen das Jahr der Ruhrbesetzung durch die Franzosen, die ihm besonders übel mitgespielt haben. Lange, lange und bange Wochen brachte er in französischer Haft in Recklinghausen zu, bis das französische Kriegsgericht ihn zu 6 Monaten Gefängnis verurteilte, die er in strenger Haft abbüßen mußte. Unter den Nachwirkungen die ser seelischen und körperlichen Leiden hat er lange zu tragen gehabt, und es ist nicht ausgeschlossen, daß diese lange Haft den Keim zu seinem Leiden gelegt hat, dem er jetzt in der Blüte seiner Jahre erlegen ist. Wie mit den übrigen Fraktionen unterhielt Bürgermeister Dr. Sudkamp auch mit der Zentrumsfraktion des Stadtverordnetenkollegiums die besten Beziehungen. Ja, wir sagen nicht zu viel, wenn wir behaupten, daß besonders zwschen ihm und der Zen: trumsfraktion ein direkt freundschaftliches Verhältnis bestand, das bei mancher Gelegenheit auch nach außen bin in die Erscheinung trat. Als kluger und weitschauender Kommunalpolitiker unterhielt Bürgermeister Dr. Sudkamp die besten Beziehungen zur Presse und nahm auch selbst die Feder zur Hand, um für die Belange seiner Vaterstadt in der Oeffentlichkeit einzutreten. Auch im Herner Anzeiger, mit dem er stets auf bestem Fuße stand, ist mancher Arlikel aus seiner Feder erschienen. Unsere heutige Gedenknummer gewinnt dadurch noch eine besondere Bedeutung, daß Dr. Sudkamp in ihr seinen letzten Artikel veröffentlichen konnte, der ihm zu schreiben vom Schicksal vergönnt war. Daran hat er sicherlich und haben auch wir wahrhaftig nicht gedacht, als er uns seinen Beitrag für die heutige Gedenknummer überreichte, daß wir in derselben Ausgabe ihm seinen eigenen Nachruf widmen mußten. Vom Rathausturme wehen die Fahnen halbmast. Bürgermeister Dr. Sudkamp ist nicht mehr. Was er in den langen Jahren seiner Tätigkeit im Magistrat leiner Vaterstadt geleistet, wird ihm unvergellen bleiden. Ganz besondere Teilnahme wendet sich der schwergeprüf ten Familie des Toten zu. An seiner Bahre trauern neben der ganzen Stadt vor allem seine Frau, drei un mündige Kinder und sein alter Vater. Mögen sie Trost finden in ihrem Leid an dem Mitgefühl der ganzen Stadt und in dem Gedanken, daß es im Jenseits einst ein Wiedersehen gidt. In diesem Sinne sprechen wir auch unsererseits der Familie des Toten unsere herzlichste Anteilnahme aus. Möge Bürgermeister Dr. Sudkamp ruhen in Gottes hl. Frieden! H. J. * Dr. Subkamps Lebenslauf. Bürgermeister Dr. Heinrich Sudkamp war am 19. Februar 1886 in Herne geboren. Nach Absolvierung der höheren Schule widmete er sich dem Studium der Rechtswissenschaften und der Volkswirtschaft. Sein Referendar=Examen bestand er im Juni 1910. Im Jahre 1912 promovierte er zum Dr. jur et rer. pol.(magna cum laude). Das Assessorexamen bestand er mit dem Prädikat„gut“. Seit Januar 1915 war er in der Kommunalverwaltung tätig, er wurde am 21. Januar 1916 in seiner Vatersladt zum Magistratsassessor, am 26. März 1918 zum besoldeten Beigeordneten und am 29. Juli 1919 zum zweiten Bürgermeister der Stadt Herne gewählt. Als solcher war er bis jetzt hier tätig. Er war federführender Geschäftsführer der Westf. Landesbühne, Mitglied des Vorstandes des Arbeitgeberverbandes rhein.= westsäl. Städte und Mitglied der FinanzdezernentenVereinigung rhein.=westfäl. Gemeinden. Die ersten Nachrufe widmete seinem verstorbenen Kollegen unser Oberbürgermeister Täger in der gestrigen Sitzung des Magistrats und der Finanzkommission, deren Mitglieder bewegten Herzens und sichtlich erschüttert die Nachricht von dem Ableben unseres zweiten Bürgermeisters entgegennahmen. Die Finanzkommission brach ihre Sitzung ab und vertagte sich. Trauersitzung im Rathause. Die feierliche Beisetzung findet am Montag nachmittag statt. Um ½3 Uhr veranstalten Magistrat und Stadtverordneten=Versammlung im großen Sitzungssaale des Rathauses eine Trauerseier. Im Anschluß daran erfolgt vom Rathause aus die feierliche Beisetzung zum kommunalen Friedhof an der Wischerstraße. Totenklage! Wie ein rasender Reiter sagt der Tod Ueber Meere und Länder fort: Sein Gefolge heißt Trauer und Not, Seine Arbeit grausiger Mord.— Er reißt aus den Armen der Mutter das Kind, Aus ruhmvoller Bahn den Mann, Ihm sind die Menschen wie Blätter im Wind, Und keiner ihn halten kann.——— Am düstern Sarge heut“ klagen wir In tiesem, bitterem Schmerz: Der, dessen Hülle ruhet hier. Das war ein treues Herz!!!— Und über diese Bahre hier Soll die Erinnerung geh’n, Soll in der edlen Menschen Ein lieber Name steh'n. AIE C Te amamnin MHMRG aus unserer Guswahl trägt Silligkeit enmöglicht das auch Sie ihn tragen! Angesete! 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Berres- un Daursbediesung. Wummer 70 Samstag, den 12. März 1927 Erstes Blatt Die Stadt Herne gehört zu denjenigen Städten des westfälischen Industriegebietes, in denen im verflossenen Jahre eine recht rege Bautätigkeit herrschte. Ja, es wird behauptet, daß Herne diejenige Stadt sei, die nach dieser Richtung hin an der Svitze marschiere. Und in der Tat, ein Rundgang durch unsere Stadt gund ein Vergleich mit unseren Nachbarstädten scheint diese Behauptung zu bestätigen. Inbezug auf behördliche Rauten brauchen wir ja nur an den Neubau des Finanzamtes und des Oberkyzeums zu erinnern, die beide vor kurzem erst in Betrieb genommen wurden, und die heute mit zu den monumentalsten öffentlichen Gebäuden unserer Stadt zählen. Der Bau von weiteren behördlichen größeren Bauwerken steht unmittelbar bevor. Wir nennen nur den beschlossenen Neubau des Polizeibezirksamtes und des Versorgungshauses, die projektierte Badeanstalt, den Schlachthof usw. Aber von öffentlichen Bauten soll hier nicht die Rede sein. Das eingangs gefällte Urteil bezieht sich vor allem auf die private Bautätigkeit in unserer Stadt, und diese war in der Tat im verflossenen Jahre überraschend groß. Nicht nur von Seiten der Bauunternehmer. Ganz besonders ist es die Herner Geschäftswelt gewesen, die mit gesundem Optimismus und im Vertrauen auf die Kräftigung und Belebung unserer Wirtschaft hier eine Initiative entfaltet hat, die an Großzügigkeit und frischem Wagemut sich kaum überdieten läßt. Ein Gang durch unsere Hauptgeschäftsstraßen bestätigt das. Und die Entwicklung unserer Gesamtwirtschaft hat diesen frischen Wagemut unserer Herner Geschäftswelt belohnt. Wenn es wahr ist, daß das A und O unseres Wiederaufbaues in erster Linie von der Belebung des Baumarktes abhängt, dann kann Adie Herner Geschäftswelt für sick in Anspruch nehmen, zu ihrem Teil in ganz hervorragender Weise am deutschen Wiederaufbau mitgewirkt zu haben. Ganz besonders erfreulich ist die Tatsache, daß auch das neue Jahre 1927 gegenüber dem Vorjahre noch eine ganz erheblich vermehrte Bautätigkeit zu bringen scheint. Wenn wir recht unterrichtet sind, ist damit zu rech nen, daß in dieser Bauperiode mindestens 400. wenn nicht 500 Wohnungen erstellt werden, teils durch das städtische Wohnhausbauprogramm, teils durch Genossenschaften, teils wieder durch Prirate. Für das heimische Handwerk, aber auch allgemein für unsere ganze Wirtschaft, recht erfreuliche Aussichten Unter den privaten Monumental=Neubauten, die im Laufe des Jahres in Herne entstanden sind, verdient neben dem Großbau der Firma Gebr. Kaufmann(der seinerzeit, eingehend gewürdigt wurde) der Neubau des Herner Anzeigers, *" Verlag Ingmanns& Koethers, in erster Linie genannt zu werden, der als würdiges Gegenstück zum Finanzamt eine Zierde der Stadt Herne genannt wird. Die glückliche und in kürzester Frist erfolgte Vollendung dieses Zeitungsneubaues und seine nunmehr abgeschlossene innere, großzügige Ausstattung bedeutet für den Herner Anzeiger einen Markstein in seiner Weiterentwicklung und technischen Vervollkommnung. Man wird es darum auch wohl verstehen, wenn wir dieses für die Entwicklung unseres heimischer Pressewesens überhaupt bedeut same Ereignis zum Anlaß nehmen, um an Hand der vorliegenden(Ledenknummer, die wir heute der Oeffentlichkeit übergeben, einmal einen Einblick zu geben in das, was wir hier mit frischem Wagemut geschaffen haben. Zeitungsleute pflegen ja im allgemeinen nicht viel von sich selbst und ihrem Tun zu reden oder gar zu schreiben. Vielleich: zu Unrecht, denn sonst würde der Zeitungsleser morgens sein Leibblatt jedenfalls mit ganz anderen Augen ansehen, als es heute vielfach geschieht. Es dürfte darum nützlich und für unsere Leser zugleich interessant sein, einmal einen Einb ick zu tun in die innere, weitverzweigte und rielgestaltige Organisation, die zu einem modernen Zeitungsbetrieb gehört, und all die Kräfte und Einrichtungen kennen zu lernen, die hier ununterbrochen tätig sind, um die tdealen Aufgaven au erfüllen, die die Presse sich selbst gestellt hät, und den riefigen Anforderungen der Jeßztzeit nach jeder Richtung hin gerecht zu werden. In einem solchen Zeitungsbetriebe wird nämlich mit ganz besonderem Hochdruck gearbeitet, nicht nur bei Tage, sondern besonders auch bei Nacht. Eine Schicht löst die andere ab, Kopf= und Handarbeiter, kaufmännisches, technisches und Redaktionspersonal... alles arbeitet mit Bienenfleiß Hand in Hand, jeder auf dem Posten, auf den er gesteilt ist. Das Feld des Zeitungsmannes ist im wahrsten Sinne des Wortes die weite Welt, mit der ihn tausend geheimnisvolle Fäden verbinden. Die neuesten Errungenschaften der Technik hat er sich dienstbar gemacht. Rundfunk, Telegraph und Telefon sind seine unentbehrlichsten Nachrichtenvermittler; das Dröhnen und Donnern der Rotationsmaschine, über deren blitzende und stählerne Zylinder das endlose weiße Papierband rast, das Klappern und Surren der Setzmaschinen sind seine liebste Musik, und der Geruch der Druckerschwärze dünkt ihm lieblicher, als der Duft von tausend Rosen aus Schiras. Wenn das kaufmannische und Redaktionspersonal seine Arbeit beendet, der Maschinensetzer die letzte Zeile getippt und der Sat umbrochen ist, dann regt es sich in der Gießerei und Druckerei. Wie flinke Kobolde hantieren die Stereotypeure(Gießer) mit ihren Hilfsarbeitern vor der Gießmaschine, und wie flüssiges Silber ergießt sich der heiße Bleistrom in die Gießpfannen, in denen die Matrizen eingespannt sind. Und Rundplatte auf Rundplatte wandert hinaus zum Maschinensaal auf die Rotationsmaschine, die— unter Aussicht erfahrener Maschinenmeiner— bald unaufhörlich tausende von fertigen Zeitungen ausspeit in die geöffneten Arme der harrenden Zeitungsboten, die diese neuesten und schnellebigsten aller Erzeugnisse, die Tageszeitung, dann straßauf, straßab. den modernen Zeitungsbetrieb durchpulst, es gilt in der Hauptsache dem Allgemeinwohl. Und wenn je das Wort, das Schiller seinem Tell in den Mund gelegt, am Platze gewesen ist, dann ist das bei den Zeitungsleuten der Fall. Der Zeitungsmann denkt wirklich an sich selbst zuletzt Heute aber wollen wir, wie schon eingangs gesagt und begründet, aus Anlaß der Eröffnung unseres Neubaues auch einmal von uns selbst erzählen und der breiten Oeffentlichkeit einen Einblick geben in das, was hier in wirtschaftlich schwerer Zeit geschaffen wurde. Entstehungsgeschichte des Neubaues des Herner Anzeigers. Von Architekt Franz Josef Kraus. B. D. A., Herne. Der Geschäftsbetrieb des Herner Anzeigers hatte in 20 Jahren angestrengter Arbeit einen Umfang angenommen, der gebieterisch die Schaffung neuer Arbeitsräume erforderte, da die Arbeitsstätten an der Bahnhofstraße in keiner Beziehung mehr auch nur bescheidenen Ansprüchen genügten und ein Funktionieren des vielverzweigten Betriebes unmöglich machten. Da war der erste Gedanke, die Besitzung Neustraße 5 niederzulegen und an Stelle des vorhandenen alten Hauses einen Neubau zu errichten. Das Vorhaben scheiterte an den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen über die Wohnungs=Zwangswirtschaft. Da eine Aufhebung der Zwangswirtschaft wegen der Bild 1: Geschäftshaus des Herner Anzeigers mit dahinterliegendem Druckereigebäude. treppauf, treppab, bis in die kleinste Hüte, den größten Palast tragen. Und alle Ereignisse, die auf dem weiten Erdenrund passieren, alles Bemerkenswerte aus der engeren Heimat oder draußen aus der Welt, auf allen Gebieten des Lebens, der Politik und Wirtschaft, der Wissenschaft, Kunst und Technik, alles, was das Schicksal an Katastrophen über die Menschheit ausschüttet, innerhalb weniger Stunden hat es die Tagespresse ihrem Leserkreise vermittelt. Daneben erfüllt die Presse eine hohe soziale und kulturelle Aufgabe. Als wirksamster Helfer im Streite der Meinungen und in den Kämpfen des Lebens tritt sie stets hilfsbereit für den gerechten sotialen Ausgleich ein, hilft sie den Schwachen und Bedrängten, hält sie der Gelbstsucht und Ausbeutung schonungsles den Spiegel vor. Nur an sich selbst denkt sie wenig oder gar nicht, denn all das Hasten, Jagen und Ringen, das unhaltbaren Zustände in den vorhandenen Arbeitsund Betriebsstätten nicht abgewartet werden konnte, entschloß sich die Firma Ingmanns& Koethers zum Erwerb des städtischen Grundstücks Bebelstraße 8, das auch wegen seiner Größenverhältnisse sich bedeutend besser zur Errichtung der erforderlichen Gebäulichkeiten eignete. Im Juli 1925 wurde mit den ersten Stizzen beonnen. Am 1. Oktober 1925 war der Vorentwurf argestellt, sodaß die Ausarbeitung des Projektes in Angriff genommen werden konnte. Der 1. Oktober 1926 war als Fertigstellungstermin der gesamten Auage in Aussicht genommen. Die Vorarbeiten gediehen wahrend der Wintermonate soweit, daß am 1. Fedruar 1926 der erste Spatenflich gemacht werden kennte. Infolge der sehr ungünstigen Witterungsverhältnisse und der schwierigen Bodenverhältnisse nahmen die Erdarbeiten erhebliche Zeit in Anspruch Am 22. März fand durch kirchliche Weihe die Grundsteinlegung statt. Und dann gings in raschem Tempo vorwarts, dank der verständigen und harmonischen Zusammenarbeit der beteiligten Firmen, so daß Ende Mai das Richtfest gefeiert werden konnte. Die Installationsarbeiten und der innere Ausbau nahmen naturgemäß viel Zeit in Anspruch, und nur infolge der Zuverlässigkeit und des Interesses aller Beteiligten war es möglich, daß der Hauptumzug am 25. September beginnen konnte. Vom 1. Oktober ab war der gesamte Geschästs- und Druckereibetrieb der Firma Ingmanns& Koethers im Neubau untergebracht. Die Anlage besteht aus dem vorderen Geschaftshaus und dem mit diesem durch einen kleinen Zwischenbau verbundenen Druckereigebäude. In diesem sind im Erdgeschoß der große, helle Maschinensaal und die Gießerei(Stereotypie), der Raum für die Zeitungsausgabe, sowie Ankleideräume und Toiletten untergebracht. Das Obergeschoß enthält die Setzerei, den Setzmaschinenraum, die Buchbinderei, sowie Umkleide= und Waschräume, für Männer und Frauen getrennt, und Toiletten für beide Geschlechter. Elektrisch betriebene Aufzüge verbinden Erd= und Obergeschoß außer einer bequemen, massiven Treppenanlage. An die Druckerei, die wegen der Anlage großer und schwerer Maschinen nicht unterkellert ist, schließt sich im Zwischenbau ein geräumiger Papierkeller an, von dem die Rollen durch elektrisch betriebenen Aufzug zum Maschinensaal geschafft werden. Im Vorderhaus sind im Erdgeschoß in einem großen licht= und luftdurchfluteten Raum die verschiedenen Abteilungen des Geschäftsbetriebes der Firma Ingmanns& Koethers unergebracht, nebst einem von dieem Raum getrennten Teil für as Publikum. Ein eingeschossiger Anbau enthält die Büros der GBeschäftsinhaber. Außerdem befinden sich noch im Erdgeschoß das Büro für die Sport= und Nachtcedaktion, sowie Wasch= und Toietteanlagen. Die ursprüngliche Absicht, zwei kleine Ladenlokale zu vermieten, konnte wegen des schon während der Bauzeit weiter genachsenen Geschäftsumfanges nur eilweise verwirklicht werden. Vom Erdgeschoß führt eine Wendelreppe zu dem geräumigen Aktenkeller, der durch eine euersichere Tür mit dem Papierkeller und durch diesen mit der Druckerei verbunden ist. Die Gechäftsräume sind geschmackvoll in einfacher, solider Weise ausgestatet. Eine ausgedehnte Telesoninlage für drei Rufnummern mit zwölf Apparaten, sowie eine Rohrpostanlage der Deutschen Rohrpostwerke Carl Henrich, Elberfeld, vermitteln in schneller und rationeller Weise den Verkehr zwischen den einzelnen Betriebsabteilungen. Eine Warmwasser- Schwerkraftheizung, ausgeführt von der Firma Louis Opländer in Dortmund, versorgt die Betriebs= und Geschäftsräume, sowie zwei Wohngeschosse des Vorderhauses mit den erforderlichen Temperaturen. Für eine tadellose Entlüftung ist ebenfalls gesorgt. In drei Obergeschossen sind je drei Wohnungen von fünf bzw. vier Zimmern mit Diele, Bad, Toilette, sowie Speise= und Besenkammer untergebracht. Das Dachgeschoß ist ganz ausgebaut und enthält eine Fünfzimmerwohnung mit allem notwendigen Zubehör, sowie die ersorderlichen Mädchenkammern und die Waschlüche. Ein geräumiger Trockenooden ist ebenfalls geschaffen. Das Kellergeschoß enthält außer dem Aktenkeller die Heizungsanlage, bestehend aus drei Kesseln, die durch einen Transportwagen bequem beschickt werden, der den Koks vom anschließenden, im 6 untergebrachten Kotsteller herbeischafft. befinden sich im Kellergeschoß für jede Kohlenkeller, der an der Einfahrt unte# und ein Wirtschaftskeller, der an der liegt Die Gebäude sind nach der vor dem Kr Praxis in durchaus solider Weise erri# Lurus ist vermieden: sa, für die Fußb Betriebs= und Geschäftsräumen hätte die gern Hartholzböden verwandt, mußte ab sicht auf die verrugbaren Mittel daraufr Bei der Gestaltung des Aeußeren v# Gedanken ausgegangen, die Bedeu Presse und den Fortschritt: Außer Jamilie gebracht Hof dem ein ist, ont hen in neuen Heim! Amtliches Publikations=Organ für den Stadtkreis Herne. Amtlich beglaubigte Abonnentenzahl. Druck u. Verlag: Ingmanns& Koethers. Herne. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage wöchentlich 55 Pfa. frei ins Haus gebracht. Potischeckkonto: Dortmund 1907 Bebelstr. 8. u. d. Posiam: Zugleich Anzeiger für das Amt Sodingen(Amtsblatt) u. Gerther Anzeiger Aummssnmse: 1 mm Raumhöbe lo.gl 7 Pia feiertage. Bezugspreis Seschaftpietung und für den Anzeigen und Reslamsteil verantwortlich: Hos. Röttsches. für und Wohnungsmarkt 5 Pfg. 1 mm Raumnobe, im Reklameteil 40 Asa. den redaktionellen Teil verantwortlich: Heinr. Ingmanns, beide in Herne. Der aus die Inserate eingeräumte Nachlaß wird bei Konkursen und gerichtlicher Klage binsällig. Fernsprecher Nr. 12 13, 14 Telegramm Adresse: Anzeiger Herne. Jeder Abonnent ist gemäß den Bedingungen mit Mark 250.—, bei der Nürnberger Lebensversicherungs=Bank in Nürnberg versichert, wenn durch einen Unfall der Tod oder Ganzinvalld ist, überlasse ich dem Urteil der Mit= und Nachwelt. — Der Entwurf des Druckereigebäudes stammt von der Spezialfirma Franz Schnell= Nachs. in Leipzig. wayrend die Projektierung des Vorderhauses und seine Bauleitung in Händen des Architekten D. A. Franz Josef Kraus in Herne lag. Die Ausführung der einzelnen Arbeiten ist— abgesehen von verschiedenen Spezialarbeiten— ausschließlich von Herner Handwerkern erfolgt, die mit Stolz und Genugtuung auf das in kurzer Zeit Geschaffene zurückblicken können. Die Firma Ingmanns& Koethers hat in kritischer Zeit mit frischem Wagemut Großes angefangen und glücklich zu Ende gefuhrt. Sie hat sich ein Heim geschaffen, das mit allen modernen technischen Errungenschaften ausgestaltet ist, in dem sich alle Mitarbeiter von den Chefs bis zum Lehrling wohlfühlen können. Sie wird weiter in ernster, konsequenter Arbeit am Ausbau des Werkes schaffen, das nicht in letzter Linie Dienst an der Allgemeinheik und am Valerlande bedeutet. Presse und Kommunalpolitik. (Von Stadtv.=Vorsteher Dr. Holschen.) Ein Ereignis, das für die Entwicklung der Herner Lokalpresse einen sichtbaren Markstein bedeutet, gibt auch Veranlassung, vom allgemeinen Standpunkt aus die Bedeutung der Presse für die Kommunalpolitik und ihre Wechselbezlehungen einer Betrachtung zu unterziehen. Die beispiellose Vertiefung und Erweiterung der Einflußsphäre unserer heutigen Presse liegt vor aller Augen, aber es ist kein Zufall, daß gerade die Intensivierung und Verbreiterung des politischen Interesses, worin man fraalos ein wesentliches Merkmal unseres demokratischen Zeitalters erdlicken muß, mit einer qualitativ und quantitativ gesteigerten Pressegeltung zusammen fällt. Wenn schon auf allen Lebensgebieten die Stärkung und Verbreiterung des öffentlichen Interesses ihr Spiegelbild in der Presse findet und umgekehrt der Einfluß der Presse auf die Gestaltung des menschlichen Daseins, auf die Struktur des Denkens und Wollens des derDie Anlage und technische Ausgestaltung des Druckereigebäudes. Hierzu schreibt uns die bauleitende Spezialfirma für Bauten des graphischen Gewerbes, Franz Schnelle Nachf., Ingenieur- u. Architekturbüro, Leipzig, u. a.: Die Zeitungs= und Akzidenzdruckerei befindet sich in dem aus dem Hintergelände stehenden zweistöckigen Gebäude. Im Erdgeschoß sind der Rotationsmaschinenund Schnellpressensaal, der Raum für die Zeitungsausgabe, die Stereotypie und die sog. Wohlfahrtsräume untergebracht. Das Papierlager für den Zeitungsbetrieb befindet sich im Keller des Verbindungsbaues zwischen Vorderhaus und Druckereigebäude. Von hier aus werden die Papierrollen, welche durch eine schiefe Ebene oder Aufzug in die Lagerräume gelangt sind, mittelst eines Aufzuges in den Rotationsmaschinensaal gebracht. Der Zeitungsausgaberaum liegt in nächster Nähe der Rotationsmaschine, so daß die Zeitung auf kürzestem Wege von der Produktionsstätte nach dem Versand gelangt, wodurch wertvolle Zeit zwischen der kurz bemessenen Frist zur Herstellung des Blattes und dem Versand desselben gewonnen worden ist. Die Anschaffung einer bedeutend größeren Rotationsmaschine hat die Leistungsfähigkeit wesentlich gesteigert, so daß der Verlag in der Lage ist, auch größten Anforderungen gerecht zu werden. Weiter hat der Verlag auch im neuen Gebäude seine Akzidenzdruckerei modernisiert und wesentlich ausgebaut, so daß er auch auf diesem Gebiete allen Wünschen in bezug auf Umfang und Ausstattung des zu Schaffenden und schnelle Erledigung der Aufträge nachzukommen in der Lage ist. Auch die Stereotypie, in der zur Zeit der Herstellung der Zeitung fieberhafte Tätigkeit herrscht, hat neue Apparate und Maschinen erhalten. Im ersten Stockwerk befinden sich die Hand= und Maschinensetzerei und der Buchbindersaal. Weiter sind in diesem Geschoß noch Wohlfahrts= und Klosetträume untergebracht. Hand= und Maschinensetzerei liegen nebeneinander, sind jedoch zur Begrenzung der Geräusche der Setzmaschinen von einander durch eine Holzwand getrennt, welche des noch besseren Lichtes wegen im oberen Teil Sprossenfenster besitzt. Die Buchbinderei liegt auf der dem Wohnhaus zugekehrten Seite des Geschosses. Auch diese ist im Umfang des Betriebes auf das Modernste und Praktischste eingerichtet, so daß auch sie in dieser Beziehung das Beste zu leisten vermag. Bei der Erstellung des Druckereinenbaues war uns die Aufgabe gestellt, nicht nur auf technischem Gebiet das Vollkommenste zu schaffen, sondern auch im Interesse der Arbeiterwohlfahrt alles das zu tun, was von einem auf humaner Basis arbeitenden Betrieb gewünscht werden kann. Es wurde eine Warmwasser=Schwerkraft=Heizungsanlage eingebaut, obwohl durch diese erhöhte Kosten entstanden, weil ein solche Anlage von den Sachverständigen als diejenige Heizungsanlage bezeichnet wurde, welche die mildeste Wärme abgiebt und dadurch die Nasen= und Rachenschleimhäute der im Betrieb tätigen Mitarbeiter eschont werden. Zur Entlüftung des Maschinensaales, der Buchbinderei und des Setzersaales wurden besondere Abluftkanäle angelegt, die nach Wunsch geöffnet oder geschlossen werden können. Die Stereotypie und der Setzmaschinenraum haben eine besondere Entlüftungsanlage erhalten, welche je nach Bedarf die beim Schmelzen des Bleies entstehenden Bleioxydgase absaugt und frische Luft den Räumen zuführt. Die große Rotationsdruckmaschine ist nach dem heutigen Stande der Isolierungstechnik mit Kork auf das Vollkommenste isoliert, so daß eine Fortpflanzung des Maschinengeräusches außerhalb des Druckersaales nicht möglich ist. Das Fundament der Rotationsmaschine ist von dem umgebenden Erdreich durch eine Luftschicht isoliert, damit die von der Maschine auf das Fundament übertragenen Schwingungen des Maschinengeräusches durch das Erdreich sich nicht auf die Umfassungswände des Gebäudes fortpflanzen. Damit nun unsere verehrlichen Leser nach diesen Erläuterungen der beiden Architekten unseres Neubaues auch im Bilde seine innere Einrichtung und den gesamten Arbeitsgang in einem großzügig schaffenden Zeitungsbetrieb kennen lernen, haben wir eine Reihe photographischer Aufnahmen anfertigen lassen. Die nach diesen auszuführenden Druckklischees wurden nach einem Spezialverfahren von einem der leistungsfähigsten Berliner Institute hergestellt. Die verschiedenen Abbildungen sind von 1—14 numeriert. An Hand der Zahlen hat der Leser Gelegenheit, dem Arbeitsgange vom Einlaufen des Manuskriptes bis zur fertigen Tageszeitung zu folgen. Es zeigt: Nr. 1: Geschäfts= und Druckereigebäude des Herner Anzeigers Nr. 2: Geschäftsstelle Nr. 3: Rohrpost Nr. 415: Setzerei Nr. 6: Setzmaschinen Nr. 7: Prägepresse Nr. 8: Stereotypie(Gießerei) Nr. 9: Hochleistungs=Fräsmaschine Nr. 10: Rotationsdruckmaschine Nr. 11: Eine Ladung Papierrollen Nr. 12: Maschinensaal Nr. 13: Buchbinderei Nr. 14: Schnellschneidemaschine. Die entsprechenden Erläuterungen sind jedem Bilde beigegeben. sicherlich nicht an letzter Stelle in der von dort eifrig gepflegten Pressepropaganda zu suchen sind. Aber selbst die engsten Beziehungen zu den städtischen Verwaltungen enthehen die Presse nicht der Pflicht, vor allem das verantwortliche Sprachorgan der öffentlichen Meinung gegenüber allen Verwaltungs= und Regierungsinstanzen zu bleiben. In dem Wellenspiel der verschieden sich kreuzenden Interessen, wie es heute jede größere Gemeinde bietet, muß das für die Presse ein rocher de bronce sein, ohne den sie zum schwankenden Rohr wird. Je einflußreicher die Presse im öffentlichen Leben geworden ist, um so stärker wird sie natürlich von allen Seiten umworben, um so mehr suchen begreiflicherweise alle Komponenten, die zum Zusammenspiel im kommunalen Leben berufen sind oder sich derufen glauben(wozu heute besonders die wirtschaftlichen und Standesorganisationen gehören), ihren Einfluß geltend zu machen. Hier liegt für die Presse ohne Frage die Gefahr einseitiger Ortentierung gegeben, der sie nur durch entschiedene Wahrung des eigenen Urteils und kritische Stellungnahme nach allen Seiten entgehen kann. Der Reichskanzler an den Herner Anzeiger. Der Reichskanzler. Berlin, den 23. Dezember 1926. Der so unerläßlichen Aussöhnung der durch den Krieg tiefgehend verschärften politischen und sozialen Gegensätze, der Zusammenfassung aller Schichten unseres Volkes ohne Ansehen von Stand und Beruf zur tätigen Mitarbeit an der Wiederaufrichtung unseres schwer geprüften Vaterlandes— diesem hohen Ideal hat in der Vergangenheit das Sinnen und Streben der deutschen Zentrumspartei gegolten und so soll und wird es auch in alle Zukunft bleiben! Marx. usw. ist die Polizeibehörde die Stelle, welche der Presse die zuverlässigsten und objektivsten Angaben machen kann. Sensationen oder Falschmeldungen können auch den polizeilichen Ermittlungen außerordentlich schädlich und hinderlich sein. Es kann vor: kommen, daß ein amtlicher Bericht aus dienstlichen Gründen nicht so schnell herausgegeben werden kann, wie es vielleicht für die Presse erwünscht ist. Wenn dieses geschieht, so stehen dem wichtige Gründe entgegen, denn auch der Polizei ist eine schnelle Berichtersta tung erwünscht. Außer den täglichen Polizeiberichten übermittelt die Polizei der Presse ron Zeit zu Zeit solche Artikel, die warnend oder belehrend auf das Publikum einwirken sollen. Es sei hier nur auf das sehr wichtige Kapitel„Verkehrsfragers hingewiesen. Gerade auf diesem Gebiete kann die Presse der Polizei wertvolle Dienste leisten. Durch ihre Veröffentlichungen will die Polizei das Publikum auch zur tatkräftigen Mitarbeit heranziehen. Es braucht nicht betont zu werden, daß auch des Polizei eine sehr eifrige Zeitungsleserin ist, um sich über alle Tagesfragen informieren zu können. Der Vertiefung des Vertrauensverhältnisses zwischen Polizei und Presse dienen die regelmäßig#nederkehrenden Pressebesprechungen, bei denen e##### persönliche Aussprache und Fühlungnahme mit den Vertretern der Presse stattfindet. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß gerade in unser bewegten Zeit an Polizei und Presse außergewöhnlihe Anforderungen gestellt werden. Deshalb ist ein verständnisvolles Zusammenarbeiten im Interesse der Allgemeinheit als Dienst am Volk erwünscht und notwendig. zeitigen bewegt, Menschentypus' in aufsteigender Linie sich ewegt, so gilt das in erster Linie vom politischen Leben, und da andererseits die Intensivierung des Politischen seit 1918 infolge des geänderten Wahlrechts nicht an letzter Stelle die Kommunalpolitik betroffen hat, so ergibt sich daraus notwendigerweise auch eine wesentlich erhöhte Bedeutung der Presse für die Gestaltung des kommunalen Lebens Die Wählermassen von heute stehen in einem viel lebendigeren Verhältnis zu ihrer Gemeinde, seitdem sie durch gleichwertige Stimmabgabe zur gleichmäßigen Einwirkung auf die Gemeindepolitik berufen sind. Das zunächst gegebene Mittel zur Befriedigung dieses gesteigerten Interesses ist aber die Lokalpresse. Sie hat darum viel mehr als früher die Aufgabe übernehmen müssen, von den grundlegenden Entwicklungstendenzen wie von den wichtigen Einzeltatsachen des Gemeindelebens ein lebendiges und möglichst objektives Bild zu vermitteln. Es ist ihr zur Aufgabe gestellt, das vorhandene Interesse wachzuhalten und die Bürgerschaft zu dauernder und lebensvoller Teilnahme am politischen Leben der Gemeinde zu erziehen. Mit Berichten über kommunale Wahlen und Stadtverordnetensitzungen ist diese Aufgabe nicht gelöst, es gilt besonders auch die kommunalen Fragen von allgemeiner Bedeutung, wie Finanzpolitik, Lastenausgleich zwischen Reich, Ländern und Gemeinden, Gestaltung der Wohlfahrtspflege u. a., dem breiten Publikum näher zu bringen. Nur dadurch kann die richtige Grundeinstellung zur Gemeindepolitik in die Wählerschaft getragen werden, daß nämlich dieselben Probleme für alle Gemeinden im Vordergrunde stehen und daß sie darum alle in gewissem Umfange schicksalverbunden sind. Dadurch muß einer schädlichen Eigenbrödelei das Wasser abgegraben werden, ohne daß deshalb einer gesunden Eigenentwicklung Abbruch getan werden müßte. Es gilt eben, das wichtigste Ziel stets vor Augen zu haben: das Verantwortungsgefühl des einzelnen Wählers für seine Gemeinde zu stärken. Diese Erziehungsaufgabe zu fördern, muß heute für die Presse obenan stehen, da nach der Demokratisierung des Gemeindewahlrechts eine gesunde Komniunalpolitik ohne gesteigertes Verantwortungsbewußtsein des einzelnen Wählers nicht denkbar ist, wie überhaupt Demokratie ohne diese Fundamentierung zum Uebel führen muß, und zwar in der Gemeindepolitik umso schneller und sicherer, da hier die Stimmen noch mehr„wiegen“ als bei den allgemeinen Wahlen. In der parteimäßigen Ausprägung der Kommunalpolitik braucht man kein Hindernis für diese Aufgabe zu erblicken, im Gegenteil wird eine kluge Lokalpresse diese Entwicklung mit Bewußtsein fördern, aber sie wird als notwendiges Gegengewicht das Bewußtsein zu wecken haben, daß sich die Gemeindepolitik nicht im Parteimäßigen erschöpft, daß besonders in Fragen der Finanzen und Steuern, überhaupt in allen Wirtschafts= und Verkehrsfragen nicht das Interesse etwa des größeren Teiles der Parteiwähler, sondern das wohlverstandene und ausgeglichene Interesse der Gesamtbürgerschaft zur Richtschnur genommen werden muß. Nun beschränkt sich indessen die Bedeutung der Presse für die Kommunalpolitik keineswegs auf diese Interessierung und Erziehung zu kommunalem Denken, sie hat auch in umgekehrter Richtung Einfluß zu suchen auf die staatlichen und kommunalen Verwaltungen. So wird sie zur Vertreterin der öffentlichen Meinung gegenüber Regierung, Stadtverwaltung und den für die Gestaltung des kommunalen Rechtes maßgebenden gesetzgebenden Instanzen(Landtag), andererseits bietet sie den Verwaltungsorganen das beste und wirkungsvollste Mittel zur Propagierung und Verteidigung der von ihnen gewollten Politik. Auf die Dauer kann keine größere Stadtverwaltung heute ohne gebend=nehmende Beziehungen zur lokalen resse erfolgreich arbeiten, und weitschauende Verwaltungen haben sich schon längst zur Förderung ihrer Pläne dieses Mittels bedient, in vorbildlicher Weise z. V. Essen, dessen große kommunalpolitische Erfolge Je mehr der kommunalen Presse das gelingt, umso stärker wird ihr kommunalpolitischer Eigenwert sein, umso entschiedener wird sie selbst auf den Gang des Gemeindelebens Einfluß zu üben imstande sein. Dazu gehört aber eben eigene Urteilsfähigkeit und das Bewußtsein eigener Verantwortung gegenüber allen Vorgängen und Entwicklungen des kommunalen Lebens der Stadt. Nur so kann die Presse zur Gestaltung der Kommunalpolitik selbst das Ihre beitragen, wenn sie, zugänglich zwar für alle die verschieden gerichteten Interessen, doch auf eigenem Urteil und unbehinderter Meinungsäußerung beharrt, allen dienend, doch niemandem dienstbar, als dem Wohle der Allgemeinheit, zu dessen Hut sie mit an erster Stelle berufen ist. Polizei und Presse. (Von Polizeipräsident Stieler, M. d. R.) Das Verhältnis der Presse zur Polizei und umgekehrt hat sich gegen früher grundlegend und erfreulich geändert. Während man jahrzehntelang von Seiten der Behörden, besonders der Polizeibehörden, der Presse nicht die nötige Beachtung schenkte, wird heute in jeder Behördenorganisation die hohe Bedeutung der Presse als Werkzeug und Sprachrohr der öffentlichen Meinung allgemein anerkannt. Als Beispiel für die jetzige Einstellung der staatlichen Polizeibehörden zur Presse möchte ich die Worte des ehemaligen Innenministers Severing anführen, welche dieser beim diesjährigen Presseempfang gelegentlich der großen Polizeiausstellung in Berlin äußerte. Minister Severing erinnerte an die Worte eines Polizeipräsidenten der Vorkriegszeit:„Ich warne Neugierige", während er den Pressevertretern zurufe:„Bitte, treten Sie näher!“ Polizei und Presse sind in vieler Hinsicht auf einander angewiesen und können bei einem guten Einvernehmen für die Allgemeinheit segensreich wirken. Polizei und Presse haben eine große Verantwortungsaufgabe gegenüber Staat und Volk zu erfüllen. Die Presse ist in der Lage, wie kaum jemand anders, auf die große Masse Einfluß zu gewinnen und ihr die Fragen des öffentlichen Lebens wirklich näher zu bringen.„Sie wird zum Organ der öffentlichen Meinung, wenn sie von den Massen ausgehende Ideenströmungen aufnimmt, ihnen Richtung und Gestalt gibt und auf ihrem Grunde Forderungen an die Staatsgewalt formuliert.“(Karl Bücher.) Aber sie übt auch Einfluß auf die öffentliche Meinung aus, indem sie das Urteil einzelner oder ganzer Gruppen suggeriert. Die moderne Polizei als Organ des Staates zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung soll in erster Linie Beschützer, Berater und Freund des Volkes sein. Hier besteht für die Presse die dankbare Aufgabe, der Polizei bei der Durchführung ihrer hohen, verantwortlichen Aufgabe als treuer Helfer zur Seite zu stehen. Es liegt ein verständnisvolles Zusammenarbeiten und Handinhandgehen zwischen Polizei und Presse unbedingt im Interesse der Allgemeinheit. Fast bei jeder größeren Polizeiverwaltung besteht heute eine Pressestelle, die die ständige Fühlung und Verbindung mit der Presse herzustellen und zu pflegen hat. Ihre Aufgabe besteht weiterhin darin, die gesamte Presse des Polizeibezirks mit den im Interesse des Publikums und der Behörde notwendigen Nachrichten und Bekanntmachungen zu versehen, inebesondere täglich den sogenannten„Polizeibericht" an alle Tageszeitungen des Bezirks herauszugeben. Es ist Aufgabe des Redakteurs, das oft recht trockene und spröde Material des amtlichen Berichtes, der sich meistens auf die Angabe nackter Tatsachen beschränken muß, in eine für das lesende Publikum gefällige Form zu bringen, ohne daß darunter die Genuuigkeit des Berichtes leidet. Bei plötzlich in der Stadt oder im Bezirk auftauchenden Gerüchten über Verbrechen, Unglücksfälle Sozialer Fortschritt und finanzielle Hemmungen. Von Abgeordneter Andre(Stuttgart). Der Vorstand der sozialdemokratischen Partei Deutschlands hat sich vor kurzem in einem Aufruf an die Partegenossen dahin ausgesprochen, daß die sozialdemokratische Partei die Vertreterin des arbeitenden Volkes sei. Mit Recht hat Stegerwald in seiner viel dbeachteren Reichstagsrede darauf hingewiesen, daß fünf bis sechs Millionen Wähler und Wählerinnen des schaffenden werktätigen Vorkes nicht sozialdemokratisch wählen. Blickt man auf das Werden und Wachsen der sozialen Gesetzgebung in Deutschland zurück, so muß festgestellt werden, daß die bürgerlichen Parteien, allen voran das Zentrum, die eigentlichen Träger der gesetzlichen Sozialreform waren. Die meisten sozialen Gesetze der Vorkriegszeit sind mit den Stimmen der bürgerlichen Parttien und oft gegen die sozialdemokratischen Stimmen zustandegekommen. Die Sozialdemokratie kann sich nur darauf berufen, jeweils noch mehr gefordert zu haben! Wenn nicht alle Anzeichen trügen, leben die Verhältnisse der Vorkriegszeit wieder auf. Auch unter der neuen Regierungskoalition muß soziale Aufbauarbeit geleistet werden Hierbei werden Sozialdemokraten und Kommunisten sich in der Rolle der„Mehrsordernden" dem deutschen Volke vor: stellen. Wir vom Zentrum werden dagegen zu prüfen haben, wie weit wir unter Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit der Wirtschaft und der die Beiträge leistenden Arbeitnehmerund Arbeitgeberkreise im Einzelfall gehen können. Seit mehr als 25 Jahren stehe ich in der Arbeiterbemgung. Deshalb weiß ich auch, daß es ganz selbswerständlich ist, daß derjenige, der in Arbeiterversammlungen nur Forderungen an Forderungen reiht, Beifall findet. Sieht man aber die derzeitige soziale Belastung der Arbeitnehmerkreise an, so ist nicht zu verkennen, daß diese ganz er###lich ins Gewicht fällt. Die Abzüge für die Kranken=, Invaliden= oder Angestelltenversicherung und für die Erwerbslosenfürsorge betragen jetzt schon durchschnittlich 10 Prozent des verdienten Lohnes oder Gehalts; hinzu kommt noch der Steuerabzug. Es ist nicht zu viel behauptet, wenn ich feststelle, daß durchschnittlich der sechste Teil des Verdienstes nicht an die gegen Lohn oder Gehalt beschäftigten Personenkreise ausbezahlt wird. Gegenüber den stabilen Verhältnissen der Vorkriegszeit haben sich die sozialen Abgaben der Arbeitnehmer zum mindesten verdoppelt, wenn nicht verdreisacht! Damit sind auch schon“ gewisse Grenzen für die Gegenwart und Zukun gezogen. Werden Klagen über die soziale Belaftung laut, so kommen sie regelmäßig aus dem Arbeitgeberlager. Hierbei wird allzu gerne übersehen, daß auch die Arbeitnehmerschaft so ziemlich die gleiche soziale Last mitzutragen hat, wie das Unternehmertum. Die beiderseitige Belastung hat ihre Grenzen einerseits in der Leistungsfähigkeit der Wirtschaft und andererseits in den täglichen Lebensnotwendigkeiten des arbeitenden Volkes selbst. Auf Konserenzen von Arbeitervertretern ist mir schon wiederholt die Mahnung mit auf den Weg gegeben worden: Jawohl, Sozialpolitik, aber uns Arbeitern und Angestellten dürft ihr vom Reichstag aus keine weiteren Lasten mehr auferlegen. Ich halte es für angezeigt, auch.nmal auf diese Stimmen aufmerksam zu machen. Zu den brennendsten sozialen Problemen gehört die Unsicherheit der Existenz der breitesten Arbeiter= und Angestelltenschichten, und die mangelhafte Alters= und Erwerbeunfähigkeit=Versorgung. Durch die zu schaffende Arbeitslosenversicherung soll der Unsicherheitsfaktor für die gesunde Arbeiterschaft weitgehend beseitigt werden. Der vorliegende Gesetzentwurf ist ins einem organischen Aufbau allerdings anders zu gestalten und in nen Leistungen zu verbessern. Ob die letztere Aufgabe sich ohne eine weitere Erhöbung der bis jetzt bezahlten Beiträge zur Erwerbslosenfürsorge(1½ Proz. für den Arbeitgeben und 1½ Proz. des Lohnes für den Arbeitnehmer) lösen läßt, bedarf besonders eingehender Prüfung. Aehnlich liegen die Verhältnisse auf dem Gebiet der Invalidenversicherung, deren derzeitige Renten weitgehend aus ungenügend empfunden werden. Gleichzeitig wird die Heraosetzung der Altersgrenze vom 65. auf das 60. Lebensjahr und die Einführung der Berufsinvalidität gefordert. Alle diese Verbesserungen sind an und für sich erwünscht und auch notwendig. Auf der anderen Seite erhedt sich die Frage: Woher nehmen wir die Mittel zur Durchführung dieser Forderungen? Mit diesen Ausführungen sollen nur die Schwierigkeiten angedeutet werden, denen der Gesetzgeber gegenüberste“. 6 genugt even nicht, nur an und für sich populäre Forderunge zu erheben und entsprechende für die Agitation nutzlich erschnende Anträge zu stellen, vielmehr kommt es darauf an, sei zustellen, wie die Mittel aufgebracht werden können. Hieran ergibt sich aber auch, daß alles Sprunghafte auf somem(' biet vermieden werden muß und daß nur in ruhi#### or nischem Wachsen ein wirklich sozialer Fortschritt, der Bestan hat, sich erzielen läßt. In dieser Erkenntnis werden wir un auch in der Zukunft der sozialen Arbeit widmen: wir werde### sachliche Potitik treiben und auf die finanzielle Leistung fähigkeit des schaffenden Volkes, wie jene der Gesamiw schaft angemessene Rücksicht nehmen. Die Entwicklung der Arbeitszeitverhältnisse zeigt, wie alles künstlich Geschaffene keinen Bestand hat. Feute arbeiten weite Kreise unseres Volkes länger als in der Vork###bzeit:. dabei haben wir rund zwei Millionen Erwerbelose! Dieser Zustand ist unhaltbar! Auf diesem Gebiet muß alsbald Ordnung geschaffen werden. Reichsregierung und Reichstag müssen sich hierin zu einer vernünftigen Losung zusammenfinden Damit sind die alruellsten Fragen der Sozialvolu#, wie auch die finanziellen Schwierigkeiten, die einer großzügigen Lösung tgegenstehen, kurz angedeutet. Nur ein son den zeiigt Erfolus von Bestand! Herner Anzeiger/ Anzeiger für das Amt Sodingen 7 Gerther Anzeiger Zweites Blatt Samstag, den 12. März 1927 Nummer 70 ausgedehntes Vereinsleben aber auch zu einem Hemmnis werden, kann sogar unerwünschte Gegensätze schaffen. Wenn ohne Zwang und Härte hier eine gewisse Konzentrationsbewegung einsetzen könnte, so ware das sicher wünschenswert. Es darf nicht vergessen werden, daß Herne heute eine Stadt von 70 000 Einwohnern mit verhältnismäßig gese Bebauung ist, und daß manches, was früher Das geistige Gesicht der Stadt Herne. Von Bürgermeister Dr. Sudkamp, Herne. Darf man von einem solchen bei unserer guten Stadt Herne, darf man davon allgemein bei unsern Verchigung, date, heaute überhol.“. Ee mahz in wirtschaftlicher Hinsicht stellt Herne möglich werden, als Träger musikalischer DarHerm, ein Kraftezentrum dar, das sich nicht nur bietungen einen großen gemischten Chor, einen großen außerlich von ven anderen städtischen Macht= und Männerchor von unbedingter Leistungsfähigkeit aufWirtschaft Jentren abhebt, sondern auch in der Art zubringen. Ich wiederhole hier: Man pflege das seines Aufbaues eine ganz charakteristische Prägung eine ooer andere Sondergebiet im kleineren Kreise; man vermeide aber das Steckenbleiben im kleinen wenigstens insoweit, daß dadurch die große Leistung, die Wirkung im ganzen und für das Ganze nicht gefährdet wird. „. die Entwicklung der letzten Jahre hat in diesen enindustrie aufgetan und sich im Lause Fragen günstigere Vorbedingungen geschaffen. Die entscheidende Mitwirkung breiterer Volksschichten am kommunalen Leben wird und muß die Anteilnahme an diesen Dingen wachsen lassen, und ich hoffe auf die Zeit, wo es möglich ist, künstlerische und andere Veranstaltungen der Bevölkerung zu bieten, die zu erhebenden Volksseiern sich auswirken. Aufgabe der an der Erreichung dieses Zieles ar000 Einwohnern mit verhältnismäßig geschlossener beitenden Stellen wird es zunächst sein, durch Ermanches, was früher in sied= stellung eines geeigneten Raumes den äu äußeren würzelnen anschauen. Wir haben Wandgemälde und Taselgemälde vor uns; doch besteht die größere Jahl der Kunstwerke in Wandgemälden. Beide Arten sind Oelgemälde von technisch feinster und reinster Ausührung. Allein vier der Wandgemälde schmücken das hohe Chor. Dadurch wird der heiligste Ort des Gotteshauses dem übrigen Teil stark bevorzugt; mit Recht; denn die Nähe Gottes verlangt es, den Vorhof der Gnadenstätte besonders schön auszustatten. Gleich neben dem Altare rechts und links befinden sich unterhalb der Fenster die Vorbilder des Kreuzesopfers von Golgatha und des Opfers des neuen Bundes, des hl. Meßopfers. Vorn im Chore über den Chorstühlen siehst du an der Epistelseite eine Szene aus dem Leben des hl. s Sportes mit unter die Dinge fällt, die das Franz von Assisi, des Patrons der Riemker Kirche; an der Erangelienseite die Verleihung des hl. Rosen digen Rahmen für solche Veranstaltungen zu schaffen. Erst dann wird es möglich sein, auf dem Gebiet von Musik und Theater den jetzigen unzulänglichen Verhältnissen ein Ende zu bereiten. Weiterer Ausbau der städtischen Bücherei, Angliederung eines öffentlichen Leseraumes, zählt ebenfalls zu den Vorbedingungen fruchtbaren geistigen Lebens. Auch die Pflege des Vortragswesens wird von der Stadtverwaltung wieder aufzunehmen sein. Daß auch das Gebiet geistige lich. Tätiger Bürgersinn wird sich letzten Endes an jeder kommunalen Einrichtung erproben und entwickeln können: Liebe und Begeisterung zur Sache sind die Faktoren, die uns zum Ziele führen müssen. Paderborn, den 27. November 1926. „Katholischer Bischof und katholische Presse gehören zusammen.“ n voller Würdigung dieses in unserer sturm- und wildbewegten Zeit doppelt □# beachtenswerten Wortes verfchle ich nicht, dem Heiner Anzeiger aus Anlaß der Eröffnung seines neuen Heims noch nachträglich meine besten Segenswünsche zu über nitteln. Die trotz der Angunst der Zeitverhältnisse wunschgemäß erfolgte Fertigstellung des Baues fasse ich nicht so sehr als einen geschäftlichen Erfolg, als vielmehr als einen Sieg der den Herner Anzeiger leitenden und beherrschenden Idee auf. Diese Idce gipfelt in den Worten:„Deo et Patriae!“„Für Gott und das Vaterland!“. Der Herner Anzeiger gehört zu jenen katholischen Blättern der Diözese Paderborn, die stets unter den größten Opfern mit wahrem Bekennermut für die Rechte unserer hl. Kirche und für das wahre Wohl unseres Vaterlandes eingetreten sind. Unbekümmert um Menschenfurcht hat er der Wahrheit und nur der Wahrheit gedient und Aufklärung verbreitet, so oft auf religiösem, sozialem, wirtschaftlichem und politischem Gebiete tiefgreisende Fragen zur Verhandlung standen. Für diese treu geleistete Arbeit im Dienste des Apostolates der Presse spreche ich meinen wärmsten oberhirtlichen Dank aus. Hand in Hand mit der Erkenntnis der Bedeutung einer grundsatzfesten latholischen Presse muß seitens des Volkes eine verständnisvolle Förderung derselben gehen. Ich benutze als Bischof gern diese Gelegenheit, um die katholische Bevölkerung von Herne und Amgegend auf ihre Pflichten gegenüber der katholischen Presse erneut mit allem Nachdruck aufmerksam zu machen. Jeder von uns weiß, daß eine gut redigierte katholische Tageszeitung eine Gehilfin des christlichen Apostolates im wahren Sinne des Wortes ist, ein hervorragendes Agitationsmittel zur Verbreitung der katholischen Grundsätze, ein unbedingt notwendiges Kampfesmittel in der schweren Geisterschlacht unserer Tage. Nicht mit Anrecht wird die Zahl der Abonnenten auf katholische Tageszeitungen als ein sicherer Gradmesser für die Entwicklung und Betätigung des katholischen Lebens in einer Gemeinde bezeichnet. Mit der Zu= oder Abnahme der Abonnenten steigt oder fällt, wie die Erfahrung beweist, das kraftvolle männliche Eintreten für die Prinzipien unserer heiligen Religion, das innere und äußere Wachstum unserer Vereine, die Befestigung und Veredelung des christlichen Familiensinnes, die Aussicht auf Erfolg bei den mannigfachen Wahlen im öffentlichen Leben. Genug, die katholische Presse ist eine Waffe, auf die wir ohne eine empfindliche Schädigung der Interessen unserer hl. Kirche und ihrer hohen, volkserzieherischen Mission und ohne ernstliche Bedrohung wichtiger christlicher Volksgüter in Familie und Staat nicht verzichten können. Darum ist die Treue zur katholischen Presse in unserer vielbewegten, an Entscheidungen reichen Zeit eine der höchsten und wichtigsten Pflichten eines jeden katholischen Christen. Möge das neue Heim, in dessen Räumen fortan der Druck des Herner Anzeigers und mancher Schriften und Bücher erfolgen wird, recht viele Jahre eine Stätte der Pflege sief religiöser und echt vaterländischer Gesinnung sein und bleiben! * Caspar, Bischof von Paderborn. An den Verlag des Herner Anzeigers, Herne. seines Aufbaues eine ganz charakteristische Prägung aufweist. Herne hat vor den meisten andern Mittelstädten des engeren Industriebezirks den Vorteil, daß seine Ttschaft sich nicht eireitig auf die Kohlenindustr####ründet. Daß als Hilfsindustrien des Kohlenbergbaues sich hier schon vor Jahrzehnten auch Werke der Elsenindustrie aufgetan und sich im Laufe der Zeit zu deutenden Anlagen entwickelt haben, darf man##### einen besonders glücklichen Zufall bezeichnen. Die allgemeine städtische Entwicklung Hernes, sein kaum einzuholender Vorsprung vor anderen Städten— man mißt ja nicht nur noch Einwohnerzahl— ist nicht zum geringsten dadurch veranlaßt worden. Hirne hat alle Veranlassung, diese Vielgestaltigkeit leiner Wirtschaft mit Aufmerksamkeit zu pflegen. Dazu gehört, daß fur die Industrie die Entwicklungsmöglichkeiten offengehalten werden, daß durch vernünftige Flächenaufteilungspläne die für die industeielle Siedlung, Wohnsiedlung usw. geeigneten Flächen zeitig festgelegt werden, daß die Frage der Bahn= und Kanalanschlüsse vorausschauend behandelt wird, nicht zuletzt, daß wir uns in steuerlicher Hinsicht von den Auswüchsen sernhalten, die wir auf dem Gediete der Lohnsummensteuer in den reinen Kohlenstädten z. v. des Vestes Recklinghausen vorfinden. Herne muß, wenn es seinen gemischtwirtschaftlichen Charakter wahren will, in seiner Steuerpolitik sich nach Möglichkeit in die Reihe der Städte zu stellen suchen, die neben der Kohlenindustrie ebenfalls weiterverarbeitende Industrie aufweisen. Nur auf die Weise, wenn Herne diese Voraussicht wahrt, wird es auch in Zukunft die kommunale Ausdehnungspolitik treiben können, die durch die Natur der Dinge vorgeschrieben scheint. Die industrielle Entwicklung am Rhein=Hernebzw. Dortmund=Ems=Kanal bietet für Herne noch manche Zukunftsmöglichkeit. Angedeutet seien nur die Entwicklungsmöglichkeiten auf unserm Baukauer Industriegelände in Verbindung mit den Anlagen der Hafenbetriebsgesellschaft, die demnächstigen KlöcknerAnlagen zwischen Herne und Rauxel am Kanal, die neue chemische Industrie(Mont=Cenis=Verfahren) in Sodingen zwischen Herne und Castrop. Auf die Weise werden die Siedlungslücken zwischen den genannten Städten ausgefüllt, die dadurch eng zusammenwachsen. P### sollte hier seine Vormachtstellung, seine zentrale Lage durch rechtzeitige Entwicklung der Verkehrsverbindungen, insbesondere der Ausfallstraßen, nach Kräften ausnutzen, und es werden ihm vielleicht eines Tages ungeahnte Früchte in den Schoß fallen Der kommenden Entwicklung wird vorgearbeitet durch die zusehe### sich vollziehende Vollendung des äußeren Stad es, insbesondere des Behördenviertels um des Rathaus. Tesches Bild bietet demgegenüber Herne als Stadt in geistiger Hinsicht? Von einer besonders charakteristischen Prägung im Vergleich zu andern Städten des Industriebezirks kann hier kaum die Rede sein. Herne zeigt auf dem Gebiete alle die Nachteile des schnellen am##kanischen Wachstums. Tradition fehlt, oder ist, richtiger gesagt, unter dem vielen Neuen verlorengegangen. Dem größten Teil der hier angesiedelten Menschen mußte Herne erst eine neue Heimat werden. Nich. wenige sind von vornherein mit dem Gedanken ## zer gekommen, hier nur eine vorübergehende Gastr.Ke zu geben. Hinzu kommt, daß das Herner Stadtgebiet zwar früher einmal zusammengehörig, dann aber kommunal zwischenzeitlich auseinandergerissen wurde, um erst später wieder zusammengefügt zu werden. Daß bei einer solchen Entwicklung und Bevölkerung soziale und politische Gegensätze sich stärker als anderswo entwickeln mußten, versteht sich von selbst, ebenso, daß in einer solchen Stadt es ungeheuer chwer fällt, die Bevölkerung zu einem bewußten Miterteben der kommunalen Entwicklung zu erziehen, zu einem Bürgersinn und Zusammengehörigkeitsgefühl, die der Kommune auch ein wirklich geistiges Eigenleben vermitteln. Es wird nicht ernstlich bestritten werden können, daß die Entwicklung einer solchen besonderen geistigen Prägung auch zu den Daseinsnotwendigkeiten einer Kommune gehört. Zur Sozialpolitik im wetteren Sinne gehört auch der Versuch, im Interesse des Ganzen den Menschen Bodenständigkeit zu geben, sie geistig zu binden an eine fest umrissene menschliche Gemeinschaft, auch an ein räumlich umgrenztes Gebiet, dessen Entwicklung sie übersehen und für die sie sich interessieren können. Eine solche Aufgabe kann in einer S.Adt wie Herne nicht ganz privater Initiative oder dem Zufall überlassen werden, sondern bedarf der Bearbeitung durch eine amtliche zentrale Stelle. Die zu leistende Arbeit ist allerdings nicht einfach, und wer nach baldigen Erfolgen geizt, müßte bald den Mur verlieren. Es würde schon einen Erfolg be=—.„. deuten, wenn man allseitig wenigstens zu der Er„ Sie verdienen es wirklich, diese geschtigen von ihnen entlehnt hätte. Der Gebhardische. srgrisch, eeirnum irn— kenntnis käme, daß hier wirklich ein Aufgabengebiet Kunstwerke in der Remker Pfarrkirche, daß„aan ist er auch nicht fremd. Man möchte ihn zwischen der noch nennen werden, zug vorhanden ist. An dieser Erkenntnis fehlt es aber post ihnen spricht und weitere Kreise auf ihren Schule der Nazarener und der Gebhardtschen Richtung lewinen Hohenpriester. S Die Wandgemälde in der Riemker Kirche. Von Johannes Rechmann, Bikar, Riemke. mentliche lich keiner bestimmten Schule. Mit den Nazarenern — diese Richtung erst spottweise so benannt wegen ihrer Vorliebe für religiose Kunst, später ihr Ehren=[Wie in Gott verzückt, ste name— hat Waller das tief religiose Empfinden gemeinsam; auch in der Darstellung entdeckt man maliche aft die kranzes an den hl. Dominikus. Alle diese Chorgemälde zeigen einen ganz eigen artigen Reiz der Darstellung, lichtvolle Abtönung der Farben, starke Einheit in der Komposition, zarte Weichheit der Linien und Konturen, anatomisch richtige Darstellung der Personen. 1. Geradezu wuchtig in der Aufsassung ist die Opferung Isaaks durch Abraham an der Erangelienseite, neben dem Altare, in der unteren Fortsetzung der Fensterfläche. Der Künstler hat zur Dar stellung den Augenblick gewählt, wo Abraham da Opfermesser zum Opfer seines Sohnes ergriffen hat und der Engel ihn im letzten Augenblick davon abhält Im Vordergrunde kniet Isaak, die gefesselten Hände zum Himmel hebend, auf dem gerade aufgeschichteten Steinaltar, der in der Mitte eine Vertiefung hat: die mit Holz gefüllte Feuerung: ein über Steine und Holz gebreitetes weißes Tuch erweckt leichter den Vegriff des Opferaltars. Isaak, die Hauptperson dieses Gemäldes, zieht die direkte Aufmerksamkeit des Beschauers auf sich. Der Künftler schuf in ihm den belebenden Mittelpunkt des Bildes; die Lenden mit einem Tuch bekleidet, sonst von allem entblößt, kniet der Jüngling da, ganz ergeben. Noch vorher hatte er den Vater gefragt:„Siehe, hier ist Feuer und Holz, wo aber ist das Schlachtopfer zum Brandopfer?" Nun kennt er das Schlachtopfer: er ist es selbst. Er fühlt das harte Holz unter seinen Knieen, sieht neben seinem Vater Abraham das Gefäß mu den brennenden Kohlen— seine Augen, die in sich hineinschauen, sein halb geschlossener Mund, seine ganze Gestalt scheint zu beten: „Herr, nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“— Abraham, links neben dem Altare stehend, eine ehrwürdige, erhabene Gestalt, die den ganzen unbeugsamen Willen ausdrückt, Gottes Gebot zu erfüllen. wenn es auch noch so schwer und bitter sei, hält den Blick nach oben gerichtet Von daher erwartet er die Erfüllung der Gottesverheißung von der Riesenzahl seiner Nachkommen, wenn er auch nun seinen einzigen Sohn opfern soll; sein weißer Bart wallt über seine Brust hernieder, scheint sich leicht zu bewegen mit dem Willensausdruck seines Hauptes; seine Rechte hält das Opfermesser. Noch einmal ein inneres, schweres, starkes, sieghaftes Ringen:„Nur wie Gott will“— da erscheint der rettende Engel! Ein zartes Leuchten geht von oben rechts aus: der Engel des Herrn ist den Lichtweg geeilt vom Himmel hernieder; Licht geht von ihm aus. Schützend hält er seine Hand über Isaak zugleich auf das von Gott geschickte Opfer, auf den Widder neben dem Altare im Dorngestrüpp hinweisend, mit der anderen Hand weist er nach oben, woher die Erfüllung kommt.— Der Meister hat hier eine gewaltige Sprache gesprochen. Wer so malen kann, der hat es innerlich erlebt und begriffen, in Allem und Schwerstem nur Gottes Willen zu tun. Um das Typische und Vorbildliche in jenem Vorgang hervorzuheben— und dadurch allein ist Gottes Forderung nach dem Opfer Isaaks ganz zu verstehen— hat der Künstler oben in einer nach unten strahlenden Sonne das Kreuz angedeutet mit der daraufliegenden Hand des Erlösers: das Opfer Isaaks ist Vorbild des Kreuzesopfers.— Die Gegend der Handlung ist nach frommer Ueberlieferung der Kalrarienberg; der Maler gibt diesem Berge auf seinem Gemälde das Gepräge eines deutschen Gebirgskegels. Im Vordergrund blüht die Feldlilie als Zeichen der Unschuld und Reinheit des Opfers. — Die Gedankentiese, die das Bild darstellt, reizt zum Betrachten, zum Beten, zum Beschauen. Der Künstler spricht hier zu dem Beschauenden wie ein Prophet Gottes. 2. Nicht weniger anziehend ist das Gemälde gegenüber auf der Epistelseite unter dem Fenster: Das Opferdes Melmiienem.— Wieder befindet sich in der Mitte des Vordergrundes der aus rauhem Ge stein gebaute Altar, diesmal oben geglättet, also ohne Vertiefung, da es kein Brandopferaltar ist. Auf weißem Leintuch steht der Kelch mit Wein, daneben lieg das Brot— Opfertrank und Opferspeise. Mit salter reichen, kostbaren Gewändern bekleidet, schickt sich der Priesterkönig Meschisedech an, das Opfer darzubringen, das Dankopfer für den errungenen Sieg. Einer Eingebung Gottes folgend, wählt er nicht irgend ein Tiel opfer, nimmt er vielmehr eine Opfergabe, die später der Gesetzgeber Israels als Friedopfer in die alttestaLiturgie aufnehmen wird: Brot und Wein. eht Verwand schaft mit ihnen, ohne daß er je Gedanken er da: in den Wolken de: Himmels erscheint ihm der Kelch des neuen Bunde mit der darüber schwebenden Hostie— Melchisedech hat wohl eine Offenbarung erhalten, daß sein Opfer von ihnen entlehnt hätte. Der Gebhardtschen Schule typisch, vorbildlich sei, daß ihn späteste Jahrtausende mt dem Gottkönig und ringt er sein Opfer dar über Abraham. Der kniet deentblößten Hauptes— sein Füßen— in sich versunken. des Vorganges durch ein tlcht. unzlanglichterten in einzernen un Inieresse Migungm n Wacht stals kein dert(ausbruck seiner Poriruts und in der ausstaftung des gottliches richt ttar ger der Pflege des Gemeinschaftsgeistes die Darbietungen Pfarrgemeinde mit Recht stolz sein darf.. Handlungsortes der Darstellung. So erreicht der Züge leuchten ror innerer Andacht und geben das besucht, die geeignet sind, das geistige Leben, die Die Neubemalung der Kirche ist zus dem Grußh: Künstler durch Gestaltungsschönheit und Ausdrucks Schauen iner Seele wieder. Hinter ihm, der# kultureue Entwicklung in Herne weiterzubringen. Die##13, r auz, Letgg gigrhugt und einen##### schönheit die formelle Schonheit der geschaffenen Bil ger, scheint weniger ergriffen; der hat sein Haupt mit Verwannn# ei bei ihren einschlägigen Bestrebungen Pracht der Gemalde sich beioroner und einen verr= der, also die eigentliche Kunstschönheit, die das Wohl=ldem Helm bedeckt gelassen und stützt sich auf## und Vera P#tungen dauernd das Ritgehen, die An-slichen Rahmen abgibt zu diesen hohen Kunstwerten. gefallen des Beschauers erzwingt. In diesen Bildern. Lanze; zwar kann man seine Haltung nicht una#### teilnahme, die Dankbarkeit ihrer Bevölkerung ent.###########sr Klesch von vornherein Die Ge: Wallers, die, ganz originell, der Seele des Künstlers tig oder gar unehrerbietig neunen— er wohnt eben, „„ frbenwdig scheinende Barftiaung in der nese Atizug.“ 3. Sin mon mes 531 bar: Ihr Schöpfer ist der bekannte Düsseldorfer Kunst= den der betrachtende Geist hier an Wallers G mälden hohem Kunstwert und starkem Ausdruck des Gesaien maler Anton Waller, dessen tief religiöser Sinn wahrnehmlich empfinden kain.— Nach diesen ein= kens, so neh nen die beiden großen Gemälde rechts und be= ihn schon früh der Darstellung religiöser Werte zu leitenden Gekanken, die zum besseren Verständnis not- lnks über den Chorstühlen ohne weiteres Auge und 1 g u m e s u n d a u s g e d e h e# e s V e r e i n s l e b e n t r a b a r ein. Sind## an sich doch auch Keimzese nenschlichen Gemeinschaftsgefühls. In einem be= sion schon frug vnr Tutst uun—n.e.....#. venferen Verständuis not= Unks über den Chorftühlen ohne weiteres Auge timmten Stadium kommunaler Entwicklung kann!führte. Er entstammt in seiner Kunstrichtung eigent= wendig schienen, wollen wir uns die Gemälde im ein Herz gesangen. Das Blld auf der rechten Seite „* h 1e des“, ist von ungemein zarte Lieblichkeit und packender Innig keit: ein paradiesischer Hauch lieg über dem ganzen Kunstwerk. DeMeister hat es verstanden, diesem Gemälde das zu geben, was es unbedingt haben mußte: das Franziskanische, das Seraphische. Und so hat er ein Stück Paradies auf die Wandfläche gezaubert, einen Rest aus dem Garten Eden, wo noch kein Widerstreit in der Natur herrschte, wo alle Geschöpfe mit dem Menschen in tiefstem Frieden lebten. Die verschiedenen Legenden, die von dem Verkehr des hl. Franz mit der Tierwelt berichten, faßt der Künstler in einer Handlung zusammen. Der Ort ist die Höhe des Alvernerberges, die hier einen echt deutschen Charakter trägt; das erweisen die Konturen der Berge im Hintergrunde und die Art des Felsgesteins; das zeigt die deutsche Kiefer am Bergesabhang links im Hintergrund, der Fichtenwald, die Eichen, die Birke vorn rechts, die Blumen und Farrenkräuter; auch die Tierwelt ist die aus dem deutschen Walde. Der Mittelpunkt des Bildes ist der hl. Franz von Assisi. Er sitzt auf einem kleinen, moosbewachsenen Hügel, ganz weltvergessen; er hat gebetet, man sieht es ihm an; noch ist seine Seele ganz in Gott verloren. Ein Hauch geht von ihm aus, wie das Atmen des Paradieses. Das empfinden sie alle in der nahen und weiten Umgebung, die dem hl. Seraph Bruder und Schwester sind, die Tiere des Waldes, groß und klein; und alle eilen zum Heiligen hin. Das Eichhörnchen hat sich schon ganz nahe herangemacht und sitzt neben Franz auf dem Hügel; Hase und Waldkaninchen heben ihre Pfoten und strecken sie dem hl. Vater hin; der Fuchs sieht ihn so listig und scheu an, als verstände er ihn am besten. Altklug steht Gevatter Storch links vor dem Heiligen und scheint bedächtig mit dem Schnabel zu winken. Rotwild und Rehe eilen von hinten links noch herbei, um nur nichts zu versäumen; und der wilde Eber stürmt heran, als könne er nicht schnell genug Sanftmut lernen. Links auf einem Felsababhang macht die Gemse einen Freudensprung, daß sie den Heiligen gefunden hat. Der Rabe hockt vorn neben der Otter und Natter, und friedlich kriechen Eidechse, Käfer und Schnecke dem Hügel zu, von wo der hl. Franz zu ihnen allen spricht. Vögelein fliegen eilends herbei, und die Eule äugt halbverträumt zum Heiligen hinüber, ob sie nicht einen Tadel erhält, weil sie am Tage schlafen möchte. Wie ist das alles so lieb, so herzergreifend, so schön, so wie auf der neuen Erde der Apokalypse. Das fühlen auch die beiden Brüder, die rechts aus dem Walde treten und voll Erstaunens sind über das, was sie erblicken; ihr Schritt ist gebannt; ihre Augen hängen an ihrem seraphischen Vater; ihre Lippen lobpreisen in heiligem Stillgebet den Herrn der Schöpfung. Lilien und wilde Rosen blühen vorn bei Franz als Symvole der Reinheit und Liebe, jener Blumen des paradiesischen Lebens mit Gott.— Man wird nie müde, dieses herrliche Bild Wallers zu betrachten; es ist wohl sein Bestes in der Riemker Kirche. Straff einheitlich in der Komposition siehst du überall Leben, und bei all dem Vielen und Mannigfachen die strenge Durchführung der Zentralisierung der Idee im hl. Franz. Es war ein glücklicher Gedanke, in diesem Kunstwerk den Kirchenpatron zu verherrlichen, den hl. Franz von Assisi. Man darf es verlangen, daß der Kirchenpatron bei der Ausmalung der Kirche Berücksichtigung findet; und es würde nicht gut verständlich sein, wenn das nicht geschähe. Waller hat dieser berechtigten Forderung nicht nur Rechnung getragen, sondern gerade hier sein Meisterwerk der Riemker Kirche geschaffen. 4. Dem letzten Gemälde im Chor, dem vorgenannten gegenüber, der Verehrung des hl. Dominikus zu weihen, lag nahe, weil der hl. Franz so innig mit dem h. Dominikus hefreundet war. Es stellt dar die Ueber seinem Haupte leuchtete ein Stern, als äußeres Zeichen der inneren Heiligkeit des hl. Dominikus, zugleich um darzutun, daß er ein leuchtender Stern am Himmel der hl. Kirche ist. Hini## ihm wacht ein Hund mit einer brennenden Fackel im Maul. Ehe Dominikus geboren wurde, hatte seine Mutter ein Gesicht; sie erblickte ein Hündlein, das aus ihrem Hause forteilte mit einem Feuerbrand im Mait. und im Nu stand der ganze Erdkreis in Flammen. Dominikus entfachte später durch seine und seiner Brüder Predigt allenthalben ein großes Feuer neu Orennenden Eifers. So ist der Heilige hier vom Künstler dargestellt als der für Verbreitung des hl. RosenLesondere s ählung erhöchBilb 2: Empfangsraum, Geschäftsstelle mit dahinterliegenden Räumen für die Privatkontore und die Redaktion. sich frei und ungezwungen abwickeln. Die breite, etwa acht Die ganze Meter lange Theke ist mit einem übersichtlich ausgestatteten echten Künstler erleihun g des hl hl. Dominikus. Wallers Eigenart ist das Landschaftliche in seinen religiösen und allegorischen Gemälden. So verlegt er den hl. Augenblick, wo Deminikus den Rosenkranz erhält mit dem Auftrage, ihn der Welt zu lehren, in eine Landschaft hinein; und wieder ist es die deutsche Landschaft. Ein blauer Himmel, wie bei uns im Frühling, wölbt sich über der Gegend, hie und da mit Lämmerwölkchen durchsegt. Links reicht ein Fichtenwald bis an die Lichtung, rechts ein Eichenwald mit Birken durchsetzt; lustig springt dazwischen ein Bächlein von Stein zu Stein, gerade so, wie in einem deutschen Walde. Mitten in der Lichtung thront im Goldesglanz der Sonne die Königin des heiligen Rosenkranzes, die Königin des Himmels, gekrönt mit der Krone, die ihr göttlicher Sohn ihr aufs Haupt gesetzt; auf ihren Armen ihren und des ewigen Gottes ewigen Sohn. Wie wunderbar hat der Künstler es verstanden, in dem Antlitz der Gottesmutter die Erhabenheit der Himmelskönigin mit der Güte der Gnadenmutter zu vereinigen; hier wird der Beschauer zur Verehrung und kindlichen Liebe zugleich bewegt. Mit welch hoher, liebreicher Milde fällt ihr Auge auf die vor ihr knieende Gruppe, ja es ist, als schaue dieses Auge der Mutter und Königin dir bis in deine Seele hinein, Liebe heischend, nicht für sich, sondern für ihren Sohn. Drum leuchtet ihr Antlit! Ihrer Fürbitte gemäß erhalten die Menschen den Resenkranz, damit durch ihn die Menschen zur Nachfolge Jesu eingeladen und gerettet werden. Der Verleiher der Rosenkranzgnaden, besser gesagt der Verdiener, ist Jesus. Darum läßt der Künstler den Rosenkranz auch nicht von Maria sondern von Jesus selbst überreichen. Als Kind thront der Heiland auf seiner Mutter Schoß, aber die Krone aus seinem Haupie und die mit dem Kreuze geschmuckte Erdkugel in der Hand erweisen ihn als Herrscher und gnadenspendender Erlöser. Das Antlitz dieses Kindes! Sein göttlich leuchtendes Auge! Das größte auf diesem Gebiet hat ja Rafael geleistet bei seiner„Sixtinischen Madonna"“: das Auge des Kindes— Gottes Auge! Waller hat es hier auch gut herausgeholt, dem...... Antlitz des Kindes das Göttliche aufzuprägen und das macte die Anlage einer Rohrpost zur unbedingten NotwenAuge in ewigem Lichte leuchten zu lassen. Und so digkeit. Die Rohrpost verdindet Geschäft##stelle und ihre liebreich dabei! Mit unendlichem göttlichen Erbarmen sämtlichen Abteilungen mit den verschiedenen Betriebostätten reicht der Hei and den Rosenkranz dem hl. Dominikus. im Druckereigebäude. Eine sehr einsache, praktische VorDer kniet in Gott verzückt, erfüllt von der ihm anver= richtung ermöglicht die Umschaltung fur den Verkohr mnt der trauten heiligen Aufgabe, der Menschhoit die Rosen= Nachtredaktion.. Die Maschinenstation für die Rohrpost ist in kranzandacht zu predigen und damit das Erbarmen einem besonderen Ruum unteegebracht. Die sogen. Fahr—. t o h t e h a b e n e i n e l i c h t e W e t t e v o n 6 5 M i l l i m e t e r u n d n e h l. Rosenkranzesan den Auf die geräumige, praktische Anlage von Empfangsraum und Geschäftsstelle wurde besonders großer Wert geiegt. Der gesamte Geschäftsbetrieb ist zusammenhängend, um ein leichtes Hand=in=Handarbeiten des Personals zu ermöglichen. Damit zeitraubendes Hin= und Herlaufen innerhalb des weiten Raumes vermieden wird, sind Rufanschlüsse durch Telefon und Signale reichlich vorhanden. Ein großer Lesetisch und ein bequemer, mit vier undurchsichtigen Schutzwänden versehener Schreibtisch bieten der Kundschaft Gelegenheit zu angenehmem Aufenthalt. Von einem Schalterabschluß zwischen Kunden und Personal wurde abgesehen; der Verkehr soll Glasaussatz versehen, in dem stets ein Teil der von uns hergestellten Drucksachen gezeigt wird. Außerdem enthält die Auslage weitere Verkaufsartikel z. B. elegante Briefkassetten, Glückwunschkarten, Beileidskarten usw., alles von der einfachsten bis zur feinsten Ausführung. Auf der Vitrine steht die Broncefigur von Johannes Gutenberg, dem Erfinder der Buchdruckerkunst, nach dem Entwurf von Professor Lehnert. Der Rohrbogen an der hinteren Wand ist die Ausgangs- und Empfangsstation der Rohrpost. Bild 3: Rohrpost. Zeit ist Geld! Dieses Wort hat wohl nirgends mehr Bedeutung als in einem Zeitungs= und Druckereibetriebe. Die riesige Zunahme auch unseres inneren Geschäftsverkehrs zu predigen Gottes zu verkündigen, links zu den Füßen der Him melskönigin im Gewande der armen Predigerbrüder Adschickens einer men ihren Weg durch Kellerräume und Erdreich(hier mittels Tonrohre geschutzt) bis zum Druckereigebäude. Die Manuskripte, Korrekrurbogen, Abzüge usw. werden in eine Büchse gesteckt. Ein kurzer Druck auf den elektrischen Knopf setzt auf der Maschinenstation den Motor in Bewegung, der mittels Saugluft die Büchse innerhalb wenige: Sekunden zur Setzerei befördert. Der Weg ruckwarte gehr mittels Druckluft. Am Kopfteil sind die Büchsen mit einet luftdicht schheßenden Manichette versehen. Fardige Eignallampen geden an. ob eine Büchse angekommen ist oder sich auf der Jahrt defindet. Unsere Abdildung#####— mnnrdiie Bichse. kranzes durch Gottes gnadenwirkende Aus befähigte Apostel des sten.— Ihm gegenüber kniet als Vertreter der Kirche ein Papst; die Tiara, die päpst## Krone hat er Maria, der Königin, zu Füßen gelegt. Der Künstler will also andeuten, daß der Rosenkranz nicht nur die Billigung der Kirche gefunden, sondern daß der Papst hier zugleich als Schutzflehender kniet, der durch den hl. Rosenkranz Hilfe für die ihm anvertraute Christenheit erwartet. Papst Pius V., der Heilige— dieser ist hier auf dem Bilde dargestellt— hatte in dem furchtbaren Angriff der Türken unter Sultan Selim II. im Jahre 1571 seine ganze Hoffnung auf die Rosenkranzkönigin gesetzt, und eunter ihrem starken Schutz hatte die christliche Flotte die bedeutend größere türkische am 7. Oktober desselben Jahres vernichtend geschlagen. Er war war wohl von den Päpsten der eifrigste Beter und Verbreiter des Rosenkranzes. In feinem Verständnis brachte ihn der Meister hier auf das Rosenkranzbild.— Komposition des Gemäldes verrät den stler. Die Farben sind leuchtend. Rosen blühen allüberall in der Landschaft.— So sind die vier Chorbilder in ihrer künstlertschen Feinheit und ihrer reichen Pracht köstliche Zierden des Allerheiligsten. 5. In den beiden Querschiffen über den Spitzbogen der beiden Nischen der Seitenaltäre schuf der tief schürfende Meister gedankenschwere Allegorien. Allegorische Darstellungen sind nicht leicht ästhetisch; es gehört eine feine Künstlerseele dazu, die das darzustellende Abstraktum in sich selbst als etwas Konkrates en leben muß. Kunstmaler Waller hat hier eine wirkungsvolle Idee und eine glückliche Hand gehabt. Im linken Querschiff stellte er dar das Wort des Herrn bei Matthäus 7, 14, das der Maler links zu Füßen des Bildes in ein aufgeschlagenes Buch, das Buch des Lebens, aufgezeichnet hat:„Enge ist die Pforte und schmal der Weg, der zi Leben führr.— Hoch oben rechts thront die Stadt Gottes. das himmlische Jerusalem mit leuchtenden Zinen und Türmen, gotischen Streben, romanischen Bögen, gewaltigen Renaissancekuppeln. Unübersteigbar sind die Mauern; nur ein einziges Tor bietet Einlaß. Nach rechts hin fallen die Felswände steil ab; ein breiter Graben macht schon das Annähern an das Gemäuer der Gottesstadt ganz unmöglich; nach einer kleinen felsigen Erhöhung, die das Wasserbecken hält, fällt der Abhang wieder steil. Die Wolken, die das ewige Sion umgeben, rücken es in geheimnisvolle Fernen.„Aus dem Tore der Gottesstadt strömen Engel mit Siegeszeichen, zumeist in Ministrantenkleidung, die sie###s dienende Geister weist! voran ein Engel in wallendem Engelgewand, der den ankommenden Erdenpilgern die Krone entgegenreicht. Kein Erdenbürger braucht sich zu beklagen, Gott verlange zu viel von ihm. Denn das Schwerste verlangte er von seinem eingeborenen Sohn. Der hat die Höhe des steilen Weges erreicht: das schwere Kreuz auf seinen Schultern, ist er den engen Pfad gewandelt und nun als erster auf dem Kamm des Gebirges in der Höhe der Stadt Gottes. In seinem direkten Gefolge seine Mutter und sein Lieblingsjünger, um darzutun, daß Gottes Lieblinge dem Kreuz am nächsten sind. Und nun sieh dir den steilen und engen Weg an: wirklich ganz steil geht er nach oben, verengt sich vor der Gebirgshöhe zu einer Schlucht, die kaum Durchgang läßt. Welche Menschen können die Höhe ersteigen? Vielmehr wer ist's, der diesen rauhen, steinigen Pfad wandelt? Der Meister bleibt in der allegorischen Darstellung: die vier Kardinaltugenden ersteigen den Weg ohne Schwierigkeit. Als erster tritt oben durch die enge Festspalte ein Papst, zu erkennen an Tiara und Hirtenstab: die Klugheit. Hinter ihm wandelt ernst abwägend ein Mann: die Gerechtigkeit. Eine arme dürftige Gestalt folgt: die Mäßigkeit. Ein Jüngling in weißem Gewande schließt die Reihe; Lilien blühen in seiner Hand, Rosen auf seinem Haupt; er eilt beflügelten Schrittes voran in der freudigen Leichtigkeit und dem Vergeistigtsein der Unschuld: der Starkmut!— Als Vertreter der Menschheit schaut ein Mann der steilen Weg empor. Ob er ihn gehen, ob er die Kardinaltugenden üben kann? Sein Blick nach oben zeigt sein Vertrauen auf Gottes Hilfe; der Rosen kranz in seiner Hand erklärt uns den Grund seines Vertrauens: er betet.— So ist diese Allegorie eine zum Gemälde gewordene ernste, aber auch ermutigende Betrachtung. 6. Ernster noch wirkt das Bild in dem anderen Querschiff. Die Allegorie über das Jesuswort bei Mathäus 7, 13:„Breit ist das Tor und wei! der Weg, der zum Verderben führt.“— Damit gar kein Irrtum möglich ist, bai der Maler dieses Wort wieder unten rechts auf weißer Tasei hingeschrieben. Auf diesem Bilde sieht man wieder oben die Stadt Gottes, links in der Ecke, wieder mit strahlenden Türmen und kunstgeschmückten Zinnen Von rechts her nahen sich die Menschen. Sie könnten so leicht die ewige Himmelsheimat erreichen; sie brauch ten nur den engen Weg zu gehen; nur die schmale Brücke zu überschreiten, die über den Gebirgsbach sich wölbt. Zwar fallen steil die Felsen ab. Aber der# Seele liegt das Ewig=Glücklichsein zu natürlich, als run es zu schwer sein könnte, dahin zu gelangen. Aber o wehe! Da sitzt oben hinter dem Tore auf der Eingangsmauer zum Höllentor der Teufel. Man rke I#n an seinen Pferdefüßen. Die sehen abe: die znnschen nicht; sie erblicken nur sein lästige Narrengewand, hören die verführerischen Töne, die er seiner Flöte entlockt und— sie lassen sich betören Welche Töne spielt der Menschenhasser? Die Mélodien der sieben Hauptsunden läßt er wie Sirenensang in Herner Anzeiger/ Anzeiger für das Amt Sodingen7 Gerther Anzeiger Drutes Blg.. Samstag. den 12. März 1927... Nummer 70 Diese Abteilung gehörte seinerzeit bei Aufstellung des Betriebsplanes mit zu denjenigen, die die Hauptsorge beanspruchten. Hier sind praktische Anordnung und rationelles Arbeiten mit entscheidend für eine geordnete Betriebsführung. Fünf große Fenster sorgen neben den oberen Glasfüllungen in den Wänden für sehr gutes Licht. In den vielen ReBild a und 5: In der Setzerei. galen und Setzkästen befinden sich die zahilosen Schriften, Einfassungen, Klischees, Linien usw., sowie das Material aus Blei, Messing, Zink, Kupfer, Eisen, Aluminium, Holz usw., wie es eben der umfangreiche und vielseitige Verwendungszweck erfordert. In der Setzerei werden Anzeigen gesetzt, Tabellen, Formulare, ein= und mehrfarbige Drucksachen, überhaupt alle Arbeiten, die nicht maschinell gesetzt werden können. In der Mitte des Raumes steht die Presse zum Abziehen der Korrekturspalten. Sind die Korrekturen gelesen und die Satzsehier verbessert worden, so wird der Satz auf den erwa neun Meter langen Umbrechtischen zu vollen Seiten formiert.(An der alten Arbeitsstätte mußten sich die Setzer mit einem nur 2½ Meter langen Tisch behelsen.) Damit der Satz leicht bewegt werden kann, sind die massiven Tische mit 5 mm dickem, gewalztem Stahlblech belegt. Massive, eiserne Rahmen nehmen die formierten(fachmännisch: umbrochenen) Seiten auf und diese kommen dann in die Prägepresse. Zuvor besuchen wir die Setzmaschinen. Von der #esellschaftlichen Eingliederung des Arbeiterstandes. (Von Arb.=Sekr. Paul Schamer=Hamm.) Einsichtige Menschen werden es zugeben: Es fehlt noch sehr an der inneren Ausgeglichenheit in unserem Volke. Wir leben vielfach unter Spannungen, die in mangelnder gegenseitiger Achtung und Würdigung ihren Grund haben. Trotz engsten Zusammenwohnens weiß man aft wenig oder garnichts von dem Leben and Streben des anderen. In den Beziehungen zwischen den Ständen kann man das Gleiche feststellen Es mangelt am Verstehen. Wie kam das? In unserem Volke sind starke Umschichtungen vorgegangen. Der erste Anstoß dazu liegt wen zurück. Die freiheitlichen Ideen bahnten ein neues Verhältnis der Menschen####inander an, ein neues Verhältnis in Wirtschaft And Staat und noch darüber hinaus. Dazu unsere industrielle Entwicklung. Sie war nur durch große Binnenwanderung möglich. Und nur wenige, die auf diese Weise zum Wandern und Wechseln gekommen sind, fanden das wieder, was sie verloren hatten, nämlich Heimat, Gemeinschaft, Achtung, innere Befriedigung. Und dieses fehlt heute noch weiten Kreisen unserer werktätigen Bevölkerung. Sie macht heute rund 70% unseres Volkes aus. Diese große Gruppe einzugliedern, ihr Heimat, Gemeinschaft, Achtung und innere Befriedigung zu geben, ist das 9 Problein unserer Tage. Die Arbeiterschaft fühlt sich „ vereinsamt und ausgeschlossen von der Gesellschaft, die “ in der Welt gilt. Gewiß fehlt es in der Arbeiterschaft oft auch an Selbstachtung. Aber diese hat ihren Grund mit in dieser Vereinsamung, denn sie führt zur Selbstaufgabe oder zur Feindschaft gegen die Gesellschaft. Es ist traurig, das feststellen zu müssen, aber so braucht es nicht zu sein und so darf es nicht bleiben. Unser Zeitalter sucht alle Fragen weithin auf dem Wege der Macht zu lösen, d. h. Wohlfahrt auf Kosten “ d e s a n d e r e n w o l l e n. D i e s f ü h r t z u k e i n e r G e s u n d u n g, denn Wohlfahrt liegt nicht in der Feindschaft. Es kann mir nicht dauernd gut gehen, wenn es dem Anderen schlecht geht. So ist auch das Problem der Eingliederung der Arbeiterschaft in die Gesellschaft eine Frage der inneren Gesundung und des guten Willens. Die Menschen gestalten die Verhältnisse und sind dabei Vollzieher von Ideen, die Einfluß auf ihr Denken und Handeln ausüben. Am stärksten hat die Ideenwelt des Christentums zum kulturellen Aufstieg des Menschengeschlechts beigetragen. Daher gibt es für das Aufwärtsstreben des Arbeiterstandes keine bessere Basis, als die des Christentums. Der christlichen Arbeiterbewegung ist das Christentum daher nich Schall und Rauch oder Firmenschild, sondern bewußte und gewollte Plattform für den Aufstieg. Dem verpflichtenden Ruf des Christentums will sich die christliche Arbeiterschaft nicht entziehen. Darum hat sie auch ein Recht, Brudergesinnung in der Wirtschaft, in Staat und Gesellschaft zu fordern. In der Idee der Gotteskindschaft aller Menschen, in der Gleichheit in Sünde und Erlösung, in der Gleichheit im ewigen Ziel liegt für die christliche Arbeiterschaft die durchschlagendste Begründung ihrer Forderung nach gesellschaftlicher Einordnung und Gleichachtung. Unsere Kirche bringt das zum Ausdruck. Sie will auf friedliche Art eine geistige Entspannung, eine Harmonisierung sonst sich befehdender Gesellschaftsklassen be= endetem Druck darin wieber freguttee#nge## A grcnm Aengmng der Matrizen, wirken. In Christus erfährt die Gemeinschaft ihr Die Maschine brachte zunächst einen Systemwechsel, indem don diese haarscharf in den Kanal des Magazins abfallen, größtes Ideal, sie wird in ihm gewissermaßen zu einer fortan bei glatten Satz nict mit Buchstaben(Lettern), son= wohin sie gehören. 92 Kanäle enthält das Magazin, Einheit, denn:„Ihr Viele seid ein Leib in Christo, dern mit Matrizen gearbeitet wurde. In diese ist der eigent= sehr schmal und oven nur durch eine dünne Messingwand geeinzeln untereinander Glieder.“ So bietet das Chri= liche Buchstabe eingraviert. Ein leichter Arschlag des genseitig getrennt. Das Genie des Erfinders sorgie aber dastentungg die Möglichkeiten zu einem Ausgleich der Maschinensetzers auf die Tastatur(ähnlich der Schreibma=] für, daß ie Matrizen keinen„Wohnungswechsel" vornehmer Spannuhgen allen, die guten Willens sind. schine) bringt die Matrizen aus ihrem Magazin uver ein können. Der leichte Anschlag des Maschinensetzere auf die Im Kampf um die gesellschaftliche Eingliederung Transportband in den Sammler(Zeitenhalter). Ist dieser Tastatur fordert sie dann wieder auf zu neuer Tätigkeit findet die Arbeiterschaft eine tatkräftige Hilfe in den gefüllt, so geleitet die Matrizenzeile nach links zum Gieß= Acußerst anstrengend aber ist die Arbeit des Maschinensetzers Feststellungen des Universitätsprofessors Dr. Dessauer, rad, aus dem dahinterliegenden Bleikessel wird flüssiges Blei] Ein ungemein wertvoller und außerst komplizierter OrganisFrankfurt. Er bietet in seinen letzten Werken ge= gegen die Matrizen gespritzt, sodaß nunmehr eine ein= mus ist ihm anvertraut. Auf tausende von Rädern und wissermaßen die Ehrenrettung der Handarbeiter. In zige, in Biei gegossene Zeile entstanden ist. Ein Rädchen, Federn und Wellen, Erzentern und Kurven muß der Bejahung der Technik zeigt er Wege, die die Seele weiterer Vorgang bestößt die Zeile schön egal und befördert seine Aufmerksamkeit gerichtet sein der Industriemenschheit retten und den Wert der r beit und die Bedeutung der Arbeiterschaft in ein Welt und die Dienstmittel der Menschen. Die heutige nen Menschen bringen ein viel stärkeres Aufeinanderneues, helles Licht rücken. Ja, in seinem neuesten Menschheit ist ron dei Wiege bis zum G abe in un= angewiesensein der Menschen mit sich. Man empfindet Werke(Philosophie der Technik, Verlag von Friedrich endlicher Fülle von Dingen der Technik umgeben, das allerdings weniger, da die modernen VerkehrsCohen in Bonn) zeigt dieser Forscher, wie das Wort empfangt stündlich Hitfeleistung und Dienst von ihr. seinrichtungen die Befriedigung menschlicher Bedürfder Genesis:„Beherrschet die Erde und machet sie Ja, uns modernen Menschen sind die Dinge der Tech= nisse erleichtern. Handel und Verkehr treten mehr in auch untertan“ erst in stärkttem Maße durch die Tech= nik so alltäglich geworden, daß wir ihrer Fülle und den Vordergrund. Die Handarbett im blauen Kittel nik verw’oklicht wurde. Professor Dessauer betrachtet ihres Wertes kaum noch bewußt werden. Mehr noch und mit schwieligen Händen muß sich zumeist im Hinmit Recht die Technik als den Gottesbesehl aus odigen wird der arbettende Mensch verkannt, der die Dina= tergrund aushalien. Doch die kommende Zeit wicd Worten. Nach ihm ist die Technik eine Weiterführung der Technik schafft. Die große Vielseitigkett der Le= den Wert der Technik und die Bedeutung der in Hütte der Schöpfung, denn die Technik bereichert taglich die lbensbedürfnisse und Lebensgewohnheiten der moder= und Schacht, an Maschine und Bau tätigen Menschen Bild 6: Seymaschine. Das System unserer Setzmaschinen heißt Linotype. Erfinder dieser Wundermaschine ist der Deutsche O. Mergenthaler(geb. 1854 zu Hachtel bei Mergentheim i. Witbg., gestorden 1899 zu Baitimore). Die Erfindung der Setzmaschine in einer wirklich brauchbaren Gestait brachte seinerzeit dem Zeitungswesen einen gewaltigen Fortschritt. sie sorgfältig auf das sog. Setzschiff. Unterdessen glitt vom Kopfteil der Maschine ein langer Eisenarm herunter, der die mit ihrer Arbeit fertigen Matrizen ersaßt und sie einer Transportwelle übergibt. Hier beginnt nun eine Tätigkeit, die bei Besichtigungen allen Beschauern das höchste Erstaunen abgewinnt. Man möchte glauben, ein menschliches Jetzt brauchten die Buchstaben nicht mehr durch mühsame Gehirn sei hier verborgen. Eine Gleitschiene von allerHandarbeit einzeln aus dem Setzkasten geholt und nach beendetem Druck darin wieder sorgfältig abgeleat zu werden seinster Präzision ermöglicht nämlich in Verbindung mit der auf das sorgfäitigste ausgeführten Zahnung der Matrizen. höher einschätzen. Man kennt ihre Erzeugnisse meist nur als Ware, und doch sind es Werke, geschaffen „durch den Einzug des Geistes in Material und Energie. Diese beiden vermählen sich unter dem Siegel des Geistes, und ihre Vermählung vollzieht der Mensch der technischen Arbeit.“(Leben, Natur, Religion, Seite 137.) So erhält das scheinbar entwürdigte Leben des Arbeiters eine große Mission und Arbeit, auch die körperliche und einfachste(die nie von geistiger Tätigkeit ganz getrennt ist) wieder heiligen Beruf. Ihr Beruf ist der innere Ruf des Menschen zu seinem Werk, ist Hilfeleistung irgendwo und irgendwann im Dienste der Menschheit.„Alle Stoffe, alles Geflecht, alle Kleidung, alle Fahrzeuge, aller Schrift= und Buchdruck wird durch die Arbeiterschaft bewirkt. Die von ihr geförderte Kohle entwickelt die Kraft von 2 Milliarden Sklaven. So dringen durch die Arbeit Ströme der Kultur in die Daseinsgrundlage unseres Volkes. Und Professor Dessauer sagt mit Recht:„Die Arbeiterschaft trägt das Gewölbe der gesamten Kultur“. Darum ist es Undank, die Arbeiterschaft noch länger in der heute noch üblichen Vereinsamung leben zu lassen. Dessauer zeigt einen Weg, sie da heraus zu führen. Es gilt zu erkennen, daß technisches Schaffen und Arbeit an der Maschine jedem andern irdischen Schaffen auch an religiösem Gehalt gleichwertig ist. Gewiß scheinen die Warenmassen der Industrie unpersönlich und namenlos, aber es ist verkehrt, sie lediglich als Dinge zu betrachten, die man kauft und verkauft, an denen man gewinnen oder verlieren kann. Meistens erfahren diese Erzeugnisse und auch die Arbeit selbst eine Wertung in dem Sinne, wie sie Gewinn, Reichtum und Macht bringen. Aber es liegt wahrlich ein tieferer Sinn in dem Erzeugnis und in der Arbeit. Man muß Prof. Dessauer selbst sprechen lassen, der in so feinsinniger und tressender Weise technischer Arbeit letzten Sinn enthüllt.„Aber ist denn Ware wirklich nichts anderes, als das Aequivalent für eine Ziffer des Hauptbuches oder der Foktura? Freilich, eine Ziffer aus einer Rechnung oder in einer Bilanz kann irgendwelche Ware bedeuten. Im Grunde ist es gleichgültig, welche Waren es sind, wenn der Ueberschuß nur derselbe bleibt. Aber die Güter des Verkehrs, gedankenlos als„Ware" bezeichnet, haben eine viel höhere Bedeutung. Auch eine Arznei ist eine Ware, und ein Kirchenbau, denn dafür wurde bezahlt. Aber ist ihr Sinn damit erschöpft? Niemals. Wenn ein Kind im Sterben liegt, und eine Arznei, ein Serum rettet es— natürlich ist es ein Ware. Aber hat es nicht menschlich einen viel höheren Sinn? Ist nicht alles, was die Technik herstellt, Häuser und ihre Einrichtungen, Kleider, Arzneimittel, Spiele, Bücher, Musikinstrumente, Schmuck, Fahrzeuge, Fluggeräte, Schiffe, Uhren, ist nicht alles das, was uns auf Erden Schritt für Schritt umgibt, leitet, was sich Menschen einander reichen, viel mehr, als nur das Wirtschaftsstück, für das man bezahlt oder Bezahlung erhält? Steckt nicht in all diesen Gütern ein Stück Menschenhilfe? Ist nicht der Erfinder der Arznei, als Unbekannter, der Arbeiter, der sie hergestellt hat, der Retter jenes Kranken? Ein guter, ja der beste Freund? Weht nicht aus allen diesen Dingen ein ungeheures Maß von Dienst am Nächsten, von Hilfe unter den Mitmenschen? Paart sich nicht an der Maschine die gebändigte und geregelte Kraft des Mechanismus mit der lenkenden, geistig geführten, geschickten, geübten menschlichen Hand des Arbeiters, der die Maschine regiert? Und ist nicht jede Bewegung, jeder Schritt zur Vollendung eines Arbeitsstückes ein„gutes Werk“ am Mitmenschen, das irgend einem, wenn auch Unbekannten, Notwendigkeit, Hilfe, Freude, Erleichterung bedeutet? So ist der Beruf des technischen Arbeiters gänzlich verwandelt, wenn er nicht nur daran denkt, wie bisher, daß er eine Ware macht, die seinem Unternehmer Gewinn bringt, sondern daran, daß er ein Gut schafft für die große Menschheit draußen, die bedürftig auf dieses Gut wartet, so wie sie auf Brot wartet, auf Sonnenschein, aus Regen, auf Tag und Nacht. Der Arbeiter an seiner Maschine ist ein großer Helfer der Menschheit, ein Tröster, ein Kulturbringer. Er bereichert die Welt. An seiner Maschine vermählt sich Materie und Energie unter dem Siegel der naürlichen Offenbarung Gottes zum Hilfswerk. Sein Beruf steht an Edelwert keinem andern nach. Ohne ihn müßte Europa ins Chaos zurücksinken, die Hälfte seiner Bewohner ware dem Tode geweiht Wenn er mit solchen Gedanken in den Schamt fährt, einen Automaten einstellt, seinen Weostuhl vorbereitet, wird er Freude an seiner Arbeit haben, wird er das immer wieder erneute Staunen erleben, das den nachdenklichen Menschen ersaßt, wenn er sieht, wie Mensch und Maschine zusammen etwas hervorbringen, was vorher nicht war, und das ganz neue Eigenschaf= sbeiterschaft herrührt und womit sie diejenigen ihrer en, ganz neues Vermögen in sich trägt.“(Schicksal Mitglieder bezeichnen, die infolge Erwerbolosigkeit und Beruf des Arbeiters. R. M. V. Nr. 208 vom 9. 9. 1926.) Diese Worte müßte man das Hohelied der Arbeit nennen. Sie sind ein Aufruf zur Hochachtung des Arbeiters, dem sich niemand verschließen sollte. Auch die Arbeiterschaft selbst nicht. Sie muß aus solchen Porten eines Mannes, der die Handarbeit aus eigeier Erfahrung kennt und sich heute der Wissenschaft vidmet, auch etwas lernen. Nämlich Selbstachtung ind Standesbewußtsein erwerben und pflegen, eignen Wertes und eigner Würde sich bewußt werden. Wenn es wahr ist, daß derjenige dem Menschen den besten Dienst tut, der ihn besser versteht als er sich selbst versteht, dann hat hier ein Professor der Arbeiterchäft den besten Dienst erwiesen. Die Lösung des Problems der Industriearbeiterschaft in dieser Weise schtbar gemacht zu haben ist ein hohes Verdienst. Es gilt damit auch eine Umkehr in den Gesinnungen der Menschen anzubahnen, denn aus der Gesinnung wächst das Handeln. Auch im Interesse von Wirtschaft und Volk muß der Arbeiterschaft Anerkennung und Gleichachtung zuteil werden. In Amerika ist das Verhältnis zwichen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein ganz anderes, gesseres als bei uns. Die Armee der Wirtschaft ist dort geschlossener als in der Alten Welt. Dort herrscht ein einheitlicher Wille in der Wirtschaft. Im Konkurrenzkampf der Waren auf dem Weltmarkt ist die dahinterstehende, gesellschaftliche Struktur nicht ohne Bedeutung. Unsere Unternehmer beginnen einzusehen, daß sie hier etwas nachzuholen haben; gutmeinende Kräfte auf jener Seite ringen darum. Die Erkenntnis wächst, daß an die Stelle von Kampf und Krieg Verständigung und Frieden treten muß. Die Arbeiterschaft ist heute der volljährige Sohn in de: Volksfamilie, man sollte ihr daher den Eintritt in die Herrenstube des Volkes nicht mehr verwehren. Möge der Geist des„Dienstes“ der Technik an die Stelle des Nurverdienstes in der Wirtschaft treten, dann findet die Spannung und Traaik der Industriearbeiterschaft ihre Lösung zum Wohle des Gesamtvolkes. Nur so ist zu verhindern, daß der Nächsten Schicksal von Heute unser Aller Schicksal von Morgen werde.— zeich gleichfalls die Unterstützung ihrer Organisation bis zu Ende ausgenußt haben und von nun ab von der Beitragspflicht entbunden sind. Diese Ausgesteuerten belasten nunmehr den Etat des Wohlfahrtsamtes ständig. Die Aufwendungen hierfür werden gleichsalls auf rund 150000 Mark geschätzt, so daß also allein für diesen Kreis ein Betrag von 330000 Mark ausgegeben werden muß. Dieses sind allein 5 Mark auf den Kopf der Bevölkerung. Ein weiterer Kreis von bedürftigen Personen sind die Sozial= und Kleinrentner. Unter Sozialrentnern werden die Kreise ersaßt, die auf Grund einer staatlichen oder privaten Selbstversicherung infolge Arbeitsunfähigkeit eine Rente beziehen. Es sind dieser die Rentenbezieher der Reichsversicherungsordnung, der Knappschaftskasse, der Angestelltenversicherung usw., ferner solche Personen, die unter normalen Verhältnissen damit rechnen konnten, daß sie von ihren Angehörigen bezw. Arbeitgebern laufend eine solche Unterstützung erhielten, daß sie ihren Lebensunterhalt damit bestreiten konnten. Dieser Kreis von Personen war im Jahre 1913 auch bereits vorhanden, aber er belastete die öffentliche Wohlfahrtspflege nicht, da in Baracke steht heute noch und dient für die kath. Kinder als Aufenthalt. Auch hier fehlte die helfende Hand der Stadtverwaltung, um dem kath. Vorrsteil unserer Stadt die Möglichkeit zu geben, ein entsprechendes einwandfreies Heim für die Waisenkinder zu schaffen. Es zeigt sich hier, daß das Element in den städtischen Körperschaften fehlte, das meistens Objekt aller solcher Einrichtungen und Maßnahmen ist, und zwar die Arbeiterschaft. Wohl saß als weißer Rabe ein christlicher Arbeitersekretär bereits mehrere Jahre vor dem Kriege im Stadtparlament, aber was sollte der gegen soviel Unverstand und soziale Verständnislosigkeit machen?! Es war also etwas ganz Selbstverständliches, als im Jahre 1919 die Arbeiterschaft mit bestimmendem Einfluß in die städt. Körverschaften einzog, daß sich auch auf dem Gebiete der Gesundheitsfürsorge und Jugendfürsorge das Bild von Grund auf ändern mußte. Was in den Jahren vor dem Kriege versäumt wurde, mußte nunmehr doppelt nachgeholt werden, da auch der Krieg unheilvoll auf den GesundheitsArbeitgebern laufend eine solche zustand der Bevölkerung eingewirkt hatte. So werden dann im Jahre 1926 auf dem Gebiete der Gesundheitsfürsorge rund 200000 Mark aufgewendet werden, das sind 3 Mark auf den Kopf der Bevölkerung; damit sind bei weitem noch nicht die Aufgaben gelöst, der Regel die Rente ausreichte zum notwendigsten die eigentlich 1913 schon gelöst sein sollten. Ausgaben in der öffentlichen Wohlfahrtspflege einst und jetzt. (Vom Beigeordneten Hölkeskamp, Herne.) Wenn wir von öffentlicher Wohlfahrtspflege einst sprechen, dann sollen hiermit die letzten Jahre vor dem Kriege gemeint sein. Im Jahre 1913 wurden in der Stadt Herne für Armenfürsorgezwecke ausgegeben insgesamt 138000 Merk. Von diesen Aufwendungen kamen wieder zur Erstattung 54300 Mark, so daß aus Steuermitteln sich ein Zuschuß von 83 700 Mark notwendig machte— 1,37 Mark auf den Kopf der Bevölkerung. Auffallend ist der hohe Prozentsatz der Erstattungen, das sind rund 40% der aufgewendeten Beträge. Herne hatte 1913 nur 8000 Einwohner weniger, als heute. Aufwendungen erheblicher Art über den Rahmen der zwangsläufigen Armenfürsorge wurden fast keine geleistet. Für Jugendpflege, Wohlfahrtsvereine, Milchküche usw. wurden ganze 13000 Mark aufgewendet. Ein Vergleich dieser Zahlen mit denen von 1924, 1925 und 1926 ist unmöglich. Auf dem Gebiete der allgemeinen Wohlfahrtspflege einschließlich Armenfürsorge wurde 1913/14 nur das Allernotwendigste getan. Andere Städte haben beceits in dieser Zeit ganz erheblich Vorbildliches geleistet. Auch Herne wäre hierzu in der Lage gewesen, denn seine Finanzen waren äußerst gesund. Der Ausgleichsfonds der Stadt enthielt allein soviel Mittel, um alle die Einrichtungen zu schaffen, die heute als die dringendsten Erfordernisse erachtet werden. Das sind u. a. Neubau eines Versorgungshauses, Bau einer Badeanstalt, Bau einer Großmarkthalle usw. Diese Aufgaben hätten also aus den Reserven der Stadt mit Leichtigkeit geschaffen werden können, aber der Geist der Industrie ließ ein größeres soziales Verständnis nicht zu, und die bürgerlichen Vertreter, die unabhängig von der Industrie waren, konnten sich nicht so durchsetzen, wie es vielleicht gewünscht worden wäre. Eine Neuordnung der allgemeinen Wohlfahrtspflege, die von sozialem Geist und Hilfsbereitschaft getragen wurde, mußte deshalb in der Stadt Herne eine Auswirkung erfahren, die heute im Vergleich zu 1913 bei dem Uneingeweihten selbstverständlich den Eindruck hervorrufen muß, als wenn in Herne die öffentliche Wohlfahrtspflege etwas überspannt sein müsse, und doch leistet Herne im allgemeinen nicht mehr, aber auch nicht weniger, als die Städte in Rheinland und Westfalen und auch solche darüber hinaus. Im Jahre 1926 wird sich der Anteil pro Kopf der Bevölkerung, der durch Steuermittel für die öffentliche Wohlfahrtspflege aufzubringen ist, auf 20 Mark belaufen, das ist das 12fache der aus Steuermitteln aufgewendeten Beträge von 1913. In der Summe von 1 400000 Mark nehmen die Aufwendungen für die Erwerbslosen den größten Raum ein Erwerbslose waren im Jahre 1913 überhaupt nicht vorhanden, es brauchten also irgendwelche Beträge hierfür nicht aufgewendet zu werden. Die Verordnung über die Erwerbslosenfürsorge sieht vor, daß die Gemeinde mit einem Drittel der sächlichen Kosten und mit einem Neuntel der Aufwendungen für Unterstützungen in der Erwerbslosenfürsorge beteiligt wird. Im Jahre 1926 belaufen sich diese Zuschüsse auf rund 200000 M., hinzu kommen die Aufwendungen, die für ausgesteuerte Erwerbslose aufzubringen sind. Erwerbslose, die 39 bezw. 52 Wochen fortlaufend Erwerbslosenunterstützung bezogen haben, müssen aus der Erwerbslosenfürsorge ausscheiden und werden, wenn für sie keine Arbeit beschafft werden kann, dem Wohlfahrtsamt überwiesen zur weiteren Unterstützung. Solche Erwerbslose werden dann„Ausgesteuerte“ genannt. Ein Ausspruch, der von den Organisationen der ArHerne, den 30. Oktober 1926. Der Oberbürgermeister der Stadt Herne An den Herner Anzeiger Herne. G tolz und schön, ein wahrer Schmuck für unser Stadtbild, steht Ihr neues Heim da, das Sie nunmehr bezogen haben. In der wirtschaftlich besonders schweren Zeit begonnen, bedeutet Ihr Neubau ein kühnes Wagnis und zeugt von dem gesunden, frischen Wagemut, der in Ihrem Unternehmen zu Hause ist. Jur Vollendung dieses Werkes spreche ich Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche aus, die vor allem dahin gehen, daß der große Aufschwung, den Ihr Unternehmen in den letzten Jahren genommen hat, in dem neuen eigenen Heim noch weiter gehen möge und Sie an dem neuen Haus stets Freude haben und sich darin wohl und glücklich fühlen möchten. Bei dieser Gelegenheit möchte ich es nicht unterlassen, Ihnen den besonderen Dank der Stadtverwaltung auszusprechen für den regen Anteil, den Sie stets an allen kommunalen Fragen genommen haben und dankend hervorzuheben, wie sehr Sie durch Ihr Blatt auf das ganze öffentliche Leben unserer lieben Stadt segensreich befruchtend gewirkt haben. Ich hoffe, daß die engen Beziehungen, die Sie mit der Stadtverwaltung verknüpfen, auch in Zukunft ungetrübt zum Segen der Allgemeinheit weiter bestehen bleiben und sich immer enger gestalten möchten. Mit vorzüglicher Hochachtung Täger, Oberbürgermeister. Die vornehmste und wichtigste Aufgabe der öffentlichen Wohlfahrtpflege ist die Arbeitsbeschaffung für jeden Hilfsbedürftigen, soweit er körperlich zur Arbeitsleistung befähigt ist. In erste- Linie muß versucht werden, den Hilfesuchenden die Möglichkeit zu geben, durch selbständige Arbeit den Lebensunterhalt für sich und die Seinen zu erwerben. Die Gewährung von Unterstützung kommt bei diesem Grundsatz erst in zweiter Linie. Vom Wohlfahrtsamt wird mit allen Mitteln versucht, die Möglichkeit der Arbeitsbeschaffung in den Vordergrund zu rücken, aber bei den großen Massennotständen ist diese Arbeit wenig erfolgreich. Dieses Bestreben darf nicht nur allein bei der Wohlfahrtsverwaltung bleiben, sondern alle einsichtigen Bürner der Siabi, vornehmlich die Arbeitgeben müssen eingedenk bleiben: die Lasten, die heute die Wohlfahrtspflege der gesamten Bürgerschaft bringt, sind nur zu erleichtern, wenn es gelingt, alle die in Arbeit zu bringen, die heute körperlich gesund und Fräftig sind und trotzdem der Wohlfahrtspflege anhei allen, weil keine Möglichkeit besteht, ihnen Arbeit zu beschaffen. Nur wenn alle Kreise sich gegenseitig in dem gemeinsamen Bestreben, zu helfen, die Hand reichen, dann wird es möglich sein, diese hohe Last der Wohlfahrtspflege recht bald wieder auf ein vernür###es Maß herabschrauben zu können. Solange dies nicht möglich ist, werden wir uns damit abfinden müssen, daß wir die hohen Ausgaben für die Wohlfo###pflege auch weiterhin auf uns nehmen müssen. ine Befriedigung darin, viel Geld für die Hilfsbedürftigen auszugeben, findet von den Beamten des Wohlfahrtsamtes keiner. Das Bewußtsein, einen Mann in Arbeit gebracht zu haben, befriedigt oft mehr, als 10 Hilfesuchenden eine geldliche Unterstützung zahlen zu können. Lebensunterhalt, und soweit das nicht der Fall war, wurden sie von ihren Angehörigen bezw. den Unterstützungskassen der Werke mit unterhalten. Die Renten, die heute von den Reichsversicherungsanstalten gezahlt werden, reichen bei weitem nicht aus, auch nur den nackten Lebensunterhalt davon bestreiten zu können. Alle diese Personen sind heute, wenn sie nicht verhungern wollen, auf die Unterstützung durch das Wohlfahrtsamt an Personen wird ordnung, die anstelle Recht auf UnterAufwendungen machten Mark aus, das sind 2 Mark pro Kopf der Bevölkerung. n wollen, auf die Unterftußung durch samt angewiesen. Diesem Kreis der ausdrücklich in der Fürsorgepflichtvernstelle des Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz getreten ist, ein stützung zugebilligt. Diese Aufw im Jahre 1926 rund 150000 M unentgeltliche Beratungsstellen für tuberkulös Erkrankte einzurichten. Während in fast allen Städten des Umkreises solche Einrichtungen vor dem Kriege schon bestanden, wurde in Herne die erste Beratungsstelle im Jahre 1919 eingerichtet. Der Bericht der Verwaltung an die Regierung hatte jedesmal denselben Wortlaut und zwar in dem einen Satz:„Wir sind dabei, die Vorbereitungen für die Errichtung einer Beratungsstelle für tuberkulös Erkrankte zu treffen.“ Die Fürsorge für die Waisen wurde den konfessionellen Vereinen überlassen, die Fürsorge für Kranke den Kirchengemeinden. Obwohl diese Vereine der freien Liebestätigkeit den besten Willen hatten, Gutes zu leisten, fanden sie jedoch die finanzielle Unterstützung bei der Stadt nicht, die sie eigentlich erwarten durften. Nur dem evgl. Kinderheim ist es gelungen, ein einigermaßen gutes Haus für die Waisenkinder eogl. Glaubens zu errichten. Dem größeren Teil der Bevölkerung, dem katholischen, wurde eine Baracke käuflich überlassen für ein Waisenhaus, das bisher als Seuchenhaus diente und so primitiv war, daß noch sehr viel Liede und Geld notwendig waren, um hieraus etwas Heimisches für die Kinder zu schaffen. Diese Fül 1900 ür Jugendfürsorge und Jugendpflege wurden 11•13 ) M a r k a u f g e w e n d e t. H e u t e e r f o r b e r t d i e s e s G e biet allein einen Betrag von rund 100000 Mark. Diese machen 1,50 Mark auf den Kopf der Bevölkerung. Durch die große Erwerbslosigkeit werden heute auch eine große Anzahl von Personen in Mitleidenschoft gezogen, die dann der allgemeinen Wohlfahrtspflege gleichfalls zur Last fallen, und so sehen wir, daß die Zahl der Personen, die in wirtschaftliche Not geraten und nicht ein noch aus wissen, immer größer wird, und die zuletzt den Weg zum Wohlfahrtsamt beschreiten müssen. Die vom Wohlfahrtsamt gezahlten Unterstützungen sind jedoch in der Regel so karg bemessen, daß sie kaum ausreichen, um den nackten Lebensunterhalt zu bestreiten. Es bestehen in Rheinland und Westfalen in allen Städten und Gemeinden gleichmäßige Richtsätze, nach denen die Unterstützung bemessen wird, und zwar beträgt der Richtsatz für Sozial= und Kleinrentner und ihnen gleichstehende Personen: für eine Person, die einen eigenen Haushalt führt und dafür Licht, Kohlen, Miete usw. aufzuwenden hat, 40 Mark den Monat, für jede weitere erwachsene Person 20 Mark im Monat und für jedes Kind von 1—14 Jahren 12 Mark, das sind für eine Familie, Frau, Mann und 2 Kinder im Höchstfalle 84 Mark monatlich. In dem Unterstützungssatz des Mannes bzw. des Haushaltungsvorstandes sind enthalten neben der Lebenshaltung Beträge für Miete, Heizung. Licht und kleinere Bedarfsgegenstände für den Haushalt. Der Betrag, der für Lebensmittel aufzuwenden ist, wird für eine erwachsene Person mit 20 Mark im Monat errechnet. Diese Richtsätze können jedoch nach Lage des Falles überschritten oder unterschritten werden. Eine Ueberschreitung dieser Richtsätze kommt weniger vor, jedoch bleiben sehr viele Unterstützungsempfänger unter diesen Richtsätzen. Auf die Unterstützung in Höhe dieser Richtsätze werden alle Beträge angerechnet, die der zu Unterstützende erhält, sei es Rente, Zuschüsse, die die Kinder zu leisten haben, usw. Die Milchversorgung. (Von Dr. Hackenberg.) Die Versorgung der Herner Bevölkerung mit Milch beanspruchte solange nicht ein besonderes Augenmerk, als die Bevölkerung unmittelbar von den Landwirten der Umgebung beliefert wurde. Diese unmittelbare Belieferung war nur solange möglich, wie die heimische Landwirtschaft genügende Mengen produzierte. Mit dem Größerwerden der Stadt entstand jedoch das Problem der Versorgung der städt. Bevölkerung mit einwandfreier Milch. Zwischen die Verbraucher und die„Milchbauer“, schob sich der Milchhändler, und bei noch größerem Anwachsen der Stadt schob sich noch als Dritter der Milchgroßhändler ein. Er bezog die Milch von entfernt liegenden Molkereien und vermittelte sie an die Kleinhändler. Denn die heimische Landwirtschaft war nicht mehr in der Lage, den ständig wachsenden Bedarf zu erzeugen. Diese Entwicklung war jedoch für die Milchversorgung nicht vorteilhaft, sie brachte im Gegenteil erhebliche Nachteile. Denn das frühere Bestreben des „Milchbauern“, der der Hausfrau seine Milch noch direkt brachte, nur gute, gesunde und frische Milch zu liefern, entschwand. Die Milch wurde für Landwirte. Molkereien und Händler in erster Linie Handels objekt. Das schloß jedoch nicht aus, daß es unter den Genannten auch solche gab, deren Bestreben war, ihren Abnehmern durchaus einwandfreie Milch zu liefern. Die Erfahrung zeigte jedoch, daß es um die Milchversorgung traurig bestellt war. Ich erinnere nur an die Ausführungen des Herrn Beige####dneten Hölkeskamp in der Stadtverordnetensitzung vom Oktober vorigen Jahres. Die Gründe für diesen Unnstand liegen klar zu Tage. Denn kein Geschäft konnte leichter gegründet werden, als ein Milchgeschäft. Irgendwelche Kenntnisse und Fähigkeiten, wie etwa beim Handwerk, wurden nicht verlangt. Besaß man Kannen, Maß und Wagen, so kaufte man beim Großhändler Milch und bot sie in der Stadt an, and zwar zu niedrigen Preisen, um Kunden zu bekommen. Leute aus allen Ständen wurden Milchhändler. Das hatte natürlich zur Folge, daß die Zahl der Milchhändler in gar keinem Verhältnis stand zu der Menge“ der umgesetzten Milch. Es gibt Milchhändler, die eine so winzige Menge Milch umsetzen, daß man sich“ wundern muß, daß sie überhaupt von ihrem Handel leben können. Es kommt noch hinzu, daß bei dieser Sachlage natürlich in vielen Fällen keine Rede davon sein konnte, daß die Milch beim Milchhändler eine sachgemäße Behandlung und Aufbewahrung erfuhr Dazu fehlten Einrichtung und Raum. Blieb Milch beim Verkauf übrig, so ließ man sie des Nachts entweder auf dem Wagen oder brachte sie in der Wohnung, oft sogar im Schlafzimmer unter. Am andern Morgen wurde dann diese Milch mit der neuangekommenen vermischt und verkauft. Berücksichtigt man weiter, daß auch die frisch angekommene Milch schon einen weiten Weg vom Erzeuger bis zum Kleinhändler durchlaufen hatte und mehrfach umgeschüttet war, so nimmt es nicht Wunder, wenn die Milch häufig insbesondere den Säuglingen gesundheitsschädlich war. Denn gerade die Milch besitzt eine geringe Haltbarkeit, die durch eine Anzahl von Bakterienarten hervoxgerufen wird, die in der Milch enthalten sind, oder sehr leicht hineingeraten können. Konnten und können nun diese Zustände so bleiben? Nein. Denn die Milch ist das wichtigste aller Nahrungsmittel. In den er###ten Jahren seines Lebens gibt sie dem Menschen infolge ihrer Zusammensetzung und ihrer leichten Verdaulichkeit die Nährstoffe, die er zum Leben und zur Fortentwicklung braucht. Kranke und Genesende verdanken ihr fast stets die Wiedererlangung ihrer Gesundheit und Kraft. Daher muß die Organisation der Milchversorgung gefördert werden, die eine unverdorbene, keimfreie, unverfälschte und hochwertige Milch gewährleistet. Diese Gewährleistung gibt nicht nur die Zwangswirtschaft, auch der freie Handel kann sie geben. Der Weg, der zu beschreiten ist, zeigt sich von selbst, wenn man außer den obengenannten noch folgende Um tände berücksichtigt: Die Milch durchläuft am häufigsten auf dem Wege vom Erzeuger zum VerAutomobile Motorräder Ersatzteile und Zubchör Alle Fabrikate des In- und Auslendes zu Original-Preisen mit Werksgerentien liefert Anfa„Kähler Herne i II), Bahnhofstraße 6 c. Jeoss renrzeug urd unver Aufo-Homer, nerne I. W. Fernsprecher 499 Bodien vorseichnr und nech Wunsch geliefert. Herner Anzeiger/ Anzeiger für das Amt Sodingen7 Gerther Anzeiger Viertes Wlatt. Samstag, den 12. Mär 1927 Rummer 70 Kirchliche Hausweihe. Es liegt im Tiefsten katholischen Wesens, den Menschen in seiner Ganzheit zu erfassen; nicht nur dann will Die Religion ihn haben und übernatürlich beeinnussen, wenn er seine Weihestunden hat im Gebete und### seinen Opsern, sondern seine Religion soll sich äußern in seinem ganzen Leben und in all seinen Kräfien.„Du sollst den Herrn deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen und aus all deinen Kräften.“ * Felbußtsein vertritt die neue Zeit diese Forderunn= wenn sie für die Akademiker redet von dem „katholischen Menschen“, wenn sie in den Standesund Berufsvereinigungen danach ringt, katholisches r„„„„„„„„„„„ sie###der liturgischen Bewegung benediktinischer Färbi### von einer Verklärung des ganzen täglichen Schaffens durch die Eucharistie spricht. d#e####ge als die Hüterin und Formerin und Lehrmente religiösen Lebens kommt dieser Wesensforder kat##olischen Lebens in vollkommenster Weise entgegen. Zunäckst in ihrer Lehre von den Sakramentalien. Jedem Schulkinde ist aus dem Katechismus die Dreiteilung der Sakramentalien bekannt: in Weihungen, Segnungen und Beschwörungen; dieser Dreiteilung liegt ein wichtiges Teilungsprinzip zugrunde, und das lautet nicht anders als das oben angeführte Hauptgebet: Du sollst den Herrn deinen Gott liehen aus deinem ganzen Herzen.— Nur kurz könnin mir es hier andeuten: Einen Teil der geschaffenen Dinge, deren Herr der Mensch als Krone der Schöpfung ist, nimmt der religiöse Mensch ganz aus seinem privaten Gebrauche heraus und widmet sie ausschließlich Gott durch die sogenannten Weihungen (Glockegweihe, Kirchenweihe, Weihe der gottgeweihten Personen): einen Teil der Dinge, die er für sich verwendet, läßt er segnen durch die kirchlichen Segnungen(Segnungen von Bildern, Häusern; Segnung von Feld und Flur) dem Teile der Dinge, die ihm feindlich und verderbenbringend nahen, läßt er die feindliche Kraft nehmen oder vertreibt sie durch die Beschwörungen. Der Leyre der Kirche entspricht sodann eine reich ausgebildete Uebung. Und hier entbehrt es nicht des größten geschichtlichen Reizes zu sehen, wie diese Uebungen im Laufe der Kirchengeschichte sich entwickelt haben, wie sie mißverstanden und mißbraucht sind und wie sie so manchmal unverstanden gebraucht werden. Heute, da der„Herner Anzeiger“ in Freude seinen Lesern Bilder von seinem neuen Heime zeigt, ist u. E. auch den Gedanken einen Raum zu gewähren, die die Kirche von einem neuen Hause verwirklicht sehen möchte. Eine Formel für diese Gedanken finden wir in der kirchlichen Hausweihe. Kirchliche Hausweihen den in unserer Gegend selten statt, weil sie felten gemynscht werden; in ländlichen rein katholischen Gegenden sind sie noch in Gebrauch, wenn man auch da von einem Absterben sprechen kann; man kennt wohl auch noch einen Haussegen in der Weihnachstzeit oder in der Österzeit. Einen Rest des Haussegens haben wir##ei kirchlichen Gebräuchen, die uns ganz geläufig der erste ist die Sitte, daß die Gläubigen von besonders geweihtem Wasser am Karsamstag in ihre Hauser holen; der zweite wird jeden Sonntag von der Gemeinde vor dem Hochamte beobachtet, wenn bei dem Asperges die Kirche mit dem geweihten Wasser besprengt wird; der Priester, der das hierbei verwendete Wasser aussprengt, hat bei dem Weihegebet die Bitle ausgesprochen, daß das Weihwasser gebraucht werde zum Besprengen der Wohnhäuser der Gemeindemitglieder; von dem Wohnhause Gottes ist bei diesen Gebeten gar nicht ausdrücklich die Rede. Eine Ernnerung aus der geschichtlichen Entwicklung der Haus4 weihe ist auch das Gebet, das im Chorgebete der Kirche “# a g e n J a g m i e d e r k e h r t b e i d e r K o m p l e t:„ S a c h e h e i m, wir bitten dich, Herr, dieses Haus, und alle Nachstellungen des Feindes treibe weit von ihm. Deine heiligen Engel mögen in ihm wohnen und uns in Frieden behüten. Und dein Segen sei über uns allezeit.“ Eine feierliche Hausweihe ist bei uns allgemein gebräuchlich nur noch bei der Weihe eines Schulhauses und unerläßliche Vorschrift beim Gotteshause Uebrigens ist die Hausweihe gar nicht etwas, was wir nur in der katholischen Religion finden. „Das religiöse Bedurfnis des Menschen, für sein Heim den Schutz der Gottheit zu finden, hat bei allen Kulturvölkern Formen und Bräuche geschaffen, welche sowohl bei dem Baue der Häuser wie auch später geübt wurden. Mannigfaltig waren die Zeremonien, mit welchen bei den Indern der Beginn und die Beendigung eines Hausbaues und der Einzug in das: neue Haus verbunden war. Die Griechen übergaben das haus dem Schutze des„Zeus herkeios“(des hausbeschützenden Gottes), dessen Altar darin stand. Bei den Römern galten die Penaten und der Lar familiaris als die Behüter des Hauses. Auch die Jud kannten die Weihe eines neuerbauten Hauses. Wenn der Heiland den Aposteln bei dem Betreten der Häuser den Gruß vorschreibt: Friede sei diesem Hause (Mt. 10, 12), so deutet er an, daß das christliche Haus unter dem Schutz Gottes gestellt werden soll, von dem allein der wahre Friede kommt(Joh. 14, 27).“ So schreibt einer der besten Kenner der Geschichte der kirchlichen Segnungen, Adolph Franz. on der alten Zeit der Kirche war es sogar Sitte, in dem neuen Hause die Weihe mit der im Hause zu lesenden hl. Messe vorzunehmen. Wir haben Beweise dafür in den Schriften des hl. Ambrosius und des hl. Augustinus. Dann begnügte man sich damit, das Wasser in dem neuen Hause selbst zu segnen und dann damit das Haus zu besprengen. Eine spätere Entwicklung kennt die Wasserweihe nur allsonntäglich im Gotteshause, wie wir sie noch heute haben. Nur noch an zwei Festtagen lehnte sich später die alljährliche Häuserweihe an: an Ostern und Epiphania. Was das Volk sonst selbst besorgte, vollzog nunmehr der Priester oder vielmehr der Pfarrer; denn die Einsegnung der Häuser wurde Pfarrecht. Heute bietet das offizielle Weihebuch der Kirche, das sogenannte Rituale Romanum eine ganze Reihe von Segensgebeten, die über die Wohnungen der Menschen gesprochen werden können. Es ist nur zu bedauern, daß die inhaltlich und formell oft schönen Gebete so wenig bekannt sind. Die Benediktiner der Abtei Maria Laach haben versucht ein„Büchlein für Landleute und Winzer nach dem Römischen Rituale" zusammenzustellen. Vieles Interessante findet sich auch in einem Büchlein derselben Reihe mit dem Titel„Frohe und ernste Tage":(erschienen im VerNamens Ehr' in Angriff nehmen, durch deiner vaterlichen Weisheit Ewigkeitskraft zum gesteckten Ziele geführt werden. Und Mittler dieser Gnade sei uns Christus unser Herr. Amen. 2. Gebete über ein neues Haus. Dich. o Gott, allmächtiger Vater, bitten wir flehentlich für dieses Haus und seine Bewohner und für alles, was darinnen ist. Segne und heilige es gnädig mit Gütern. Gib seinen Bewohnern im Tau vom Himmel und im Fett der Erde reichlich alles, was zum Leben notwendig ist. Laß ihre frommen Wünsche barmherzig in Erfüllung gehen. Ja segne und heilige bei unserm Einzuge gnädig dieses Haus, wie du das Haus des Abraham, Isaak und Jakob gesegnet hast. Laß die Engel des Lichtes darin wohnen: sie Drei weitere Arteile über die Bedeutung des Herner ) Nr. 21(1926) der Zeitschrift des Verbandes Deutscher Annoncen=Expeditionen. Berlin: „Der Herner Anzeiger hat ein neues Zeitungs- und Druckereigebäude errichtet, das der Stadt Herne nicht nur zur architektonischen Zierde gereicht, sondern auch ein Beweis dessen ist, daß in dieser Stadt der Betriebsamkeit und des Gewerbefleißes auch geistige Interessen voll gewürdigt werden. Dem„Herner Anzeiger“ ist es gelungen, der geistige und journalistische Repräsentant Hernes zu werden. der das Gesellschafts= und Wirtschaftsleben in erfreulicher Weise maßgebend beeinflußt.“ 2) Nr. 7(1926) der Mitteilungen des Reklameschutzverbandes, Berlin: „A. W. ist es zwischen den Mitgliedern unseres Verbandes und dem Verlage des Herner Anzeigers niemals zu Disserenzen gekommen. Stets hat der Verlag freiwillig jede Auskunft über die gewöhnliche, regelmäßige Auflage und über alles sonst Wissenswerte erteilt; auch die von dem Verlag geforderten Inseratpreise halten sich unter Berücksichtigung aller Verhält nisse innerhalb angemessener Grenzen. Wir nehmen deshalb Veranlassung, dem Verlage weiteres Wachsen und Gedeihen zu wünschen.“ 3) Nr. 11(1926) „Werberundschau". Berlin: „.. Außerdem aber hat der Herner Anzeiger— was wir an dieser Stelle betonen möchten— seine gesamte Werbearbeit seit Jahren in einer so werbgerechten und vorbildlichen Weise und dabei so großzugig gestaltet, wie dies in Deutschland nur von wenigen Blättern behauptet werden kann. Wir möchten die Vermutung aussprechen, daß der Herner Anzeiger damit nicht nur sich selbst, sondern auch dem Gesamtwerbewesen einen Dienst erwiesen hat. Auch soweit der Inhalt des Herner Anzeigers in Betracht kommt, darf man diesen den Großstaötblättern als ebenbürtig an die Seite stellen, was ebenfalls gunstige Rückschlüsse auf den Insertionswert dieses Blattes zuläßzt.“ und Balthasar schreiben werden, durch deren Fürbitte und Verdienste Gesundheut des Leives und Schuß der Seele erlangen: durch Christus unsern Herrn. Amen. Oder am Karsamstag: Erhöre uns, heiliger Herr, allmächtiger Vater, ewiger Gott! Beim Auszug aus Aegypten hast du die Häuser der Hebräer, die mit dem Blute des Tammes bestrichen waren, vor dem Würgengel bewahrt— das war ein Vorbild unseres Ostern, an dem Christus geopfert worden. Schicke nun auch in Gnaden deinen heiligen Engel vom Himmel her zu uns herab; er möge alle Bewohner dieses Hauses hüten und hegen, sie schützen, besuchen und verteidigen, durch eben diesen Christus unsern Herrn. Amen. Die feierliche kirchliche Grundsteinlegung für das neue Heim des„Herner Anzeigers“, fand statt in der Morgenfrühe des 22. März 1926; die kirchliche Hausweihe empfing das neue Heim am Sonntag, der 21. November 1926. * lage Herder in Freiburg); hoffentlich schenken uns die Benediktiner auch bald ein Büchlein für Stadt= und Industriemenschen nach demselben Rituale. Wenn wir nach dem Romischen Rituale die kirchlichen Segensformeln für die Hausweihe zusammenstellen, so können wir drei Gruppen benennen, aus denen wir im folgenden wenigstens einige Gebete mitteilen: nämlich Gebite bei der Grundsteinlegung eines Hauses, Gebete über ein neues Haus, Gebete bei der jährlich wiederkehrenden Segnung. 1. Gebete bei der Grundsteinlegung. Unsere Hülfe ist im Namen des Herrn, Der Himmel und Erde geschaffen. Der Herr sei mit euch Und mit deinem Geiste. Lasset uns beten. O Gott, von dir nimmt alles Gute seinen Anfang und, daß es ständig wächst zum Bessern voranschreitend, dazu gibst du die innere Kraft; unsere demütige Bitte an dich geht dahin: möge, was wir zu deines mögen es selbst und seine Bewohner behüten; durch Christus unsern Herrn. Amen. Oder: Segne, Herr, allmächtiger Gott, dieses Haus Laß darin herrschen Gesundheit, Keuschheit, Tugendsieg, Güte und Milde, Treue in der Gesetzeserfüllung und Dankbarkeit gegen Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Dieser Segen bleibe über diesem Hause und seinen Bewohnern, durch Christus unsern Herrn. Amen. 3. Gebete über ein Haus am Feste der Erscheinung des Herrn, am Karsamstag oder zu anderen Zeiten. Am Dreikönigstage schreibt man mit Kreide die Ansangsbuchstaben der drei an die Oberschwelle C M B; dazu betet die Kirche: Segne Herr und Gott, diese Kreide; laß sie dem Menschengeschlechte heilsam sein. Gewähre durch die Anrufung deines heiligsten Namens, daß alle, die davon nehmen oder mit ihr auf die Türen ihres Hauses die Namen deiner heiligen Caspar, Melchior Herner Straßendeutsch. Von Bernhard Lindemann. Trotz aller Bemühungen der deutschen Sprachmethodiker und zielbewußter Arbeit der Lehrerschaft wollen die Klagen über die Leistungen der Schüler im mündlichen und im schriftlichen Gedankenausdruck, besonders in den Schulen der Industriestädte, nicht verstummen. Was die Schule in überaus mühsamer Arbeit erreicht, wird nicht selten durch die Umgangssprache der Bevölkerung, durch das Haus= und Straßendeutsch, wieder niedergerissen. Ein ganzes Heer von Sprachsünden, von Sprachfehlern stellt sich der Arbeit der Schule entgegen. Ihnen gilt der Kampf; doch er ist langwierig und sehr schwer, weil die immer wiederkehrenden Einflüsse des Straßendeutsches die Kinder bestürmen, so daß die Kinder das, was sie in der Schule zwanzigmal richtig hören, auf der Straße sicherlich hundertmal falsch zu hören bekommen. Seit langen Jahren hat die Lehrerschaft den Kampf gegen das Straßendeutsch mit seinen vielen Sprachfehlern ausgenommen und führt ihn konsequent und systematisch durch. Die in die Schule eintretenden Kinder reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, und sollen so reden, damit der Lehrer die Umgangssprache der Kinder mit all ihren Formen und Fehlern kennnen lernen kann; denn der Sprach unterricht des einzelnen Lehrers kann nur dann fruchtbringend sein, der Kampf gegen die Sprachfehler sich nur dann erfolgreich gestalten, wenn die Sprachfehler bekannt sind. Auch hier gilt es, den Unterricht auf heimatlicher Grundlage aufzubauen, Sprachbeobachtung zu treiben, die Umgangssprache des Wirkungskreises zu studieren, alle Fehler zu sammeln, zu ordnen und systematisch zu bekämpfen. Aus dem reichen Material, welches sich in meinen Sammelheften der Sprachfehler der hiesigen Gegend zusammengefunden hat, möchte ich eine größere Anzahl herausgreifen und herausgehoben aus einem streng gegliederten System, den Lesern unterbreiten. Da die meisten der Sprachsehler nicht rein örtlich beschränkte Sprachsünden sind, sondern sich über das ganze niedersächsische, teilweise sogar über das ganze niederdeutsche Sprachgebiet verbreiten, werden viele Leser, die nicht in Herne geboren sind, eine ganze Anzahl Sprachfehler als alte Bekannte aus ihrer Jugend und Heimai wiedererkennen.— Für Herne besonders typische Fälle sind durch Sperrdruck hervorgehoben. An Hand einzelner Wortarten sollen nun die wichtigsten Sprachfehler genannt werden: Dingwort. Bei einer ganzen Reihe von Dingwörtern wird ein alsches Geschlechtswort gebraucht. Der wird salsch gebraucht bei: der Band, der Chaussee, der Dach, der Datum, der Kartoffel, der Taschentuch, der Wachs. Die: die Affe, die Belle, die Begräbnis, die Fräulein, die Griffel, die Käse, die Monat. Das: das Altar, das Draht, das Griffel, das Koffer, das Markt, das Leib, das Lohn, das Saal, das Senf(Semf), das Schirm, das Schlamm. das Speck, das Soda, das Strick, das Sarg, das Schrank, das Nummer, das Verein. Jalche Bildung der Dingwörter erfolgt in Fall falsch gebildet in: des Jungens, des Knabens, des Nächstens, des Soldats. Der zweile Jall der Eigennamen wird häufig fehlerhaft umgangen: Z. B.: August sein Onkel ist gekommen: Karl seine Tafel ist kaput. Anna ihr Kleid ist zerrissen. Nimm Auguste ihr Butterbrot mit! Jalsche Bindung der Dingwörter erfolgt in Nachtswächter, Prachtsmensch; lautliche Veränderung in Semf, Hamf. Die Mehrzahl erhält falschen Umlaut in: die Butterbröte(meist gebraucht: die Butters), die Hünde, die Kästen, die Krägen. Falsche Mehrzahl in Iremdwörtern: die Balkons, die Barbiers. Jasche Endung(besonders mit s): die Aepsels, die Bengels, die Deckels, die Eimers, die Fingers, die Frauleins, die Grissels, die Jungens, die Kartoffels, die Knüppels, die Korber, die Kreuzer, die Lehrers, die Mädchens(Madches), die Meisters, die Möbeln, die Schlifühngels, die Steiner, die Stöcker, die Tellers, die Bellches, die Wagens, die 5 Wochens Ferien, die Würfels, die Zimmern. FARBEN für alle Zweige des grephischen Gewerbes Farbenfabriken Berger& Wirth, Leipzig Gegründet 1823 Berlin- Bormen- Hamburg- Amsterdem- Budepest- Prag- Rio de Janeiro Zweigfabrik Bermen, Kaiserplatz 5# Fernsprecher 1108 und 5372 Langjährige Lieferanten des„Herner Anzeigers K Das Tatigkeitswort. Aus der überaus großen Zahl der Sprachfehler veim Tätigkeitswort seien folgende herausgegriffen: Fehler in der Wahl der Wörter: Der Lehter hat mich das gelernt. Ich habe eine neue Tasel gekriegt. Jalsche Abwandlung: Er hat mich ein Buch geleihnt. Er käuft ies) sich ein Heft. Sie mächt Einkäufe. Falsche Mittelwortbildung. Ich habe mich verkühlt. Er hat mich auf die Erde gegessen geschmissen. Er ist mir am gestern begegnet. Ich habe!?" mich verschrocken. Falsche Besehlsform Für„nur“ wird„Mun“ gesetzt: Laß das man sein. Tu man nicht so! Rühre mich man bloß an! Iß man erst ruhig! Zusammengehörige Umslandswörter werden sehlerhaft getrennt: Z. B. Da konnte ich nichts für(dafür). Da habe ich nichts von. Da lache ich über. Da werde ich nicht klug aus. Da habe ich kein Geld für. Da weiß ich nichts von. Zusammengesetzte bezw. zusammengehörige Wörter werden fälschlich getrennt. 3. B. Als es an zu regnen sing. Als es auf Preise sind niedrig. zu regnen hörte. Da wurde das Butterbrot zu! Besonders schwer auszurotten sind die Provinzialismen, wie z. B.: Wir tunspielen. Ich tat lesen. Es ist am Schneien. Mutter ist am Waschen. Es sind jetzt 4 Uhr. Hier geven es viele Schulen. Er hat amgestern gefehlt. Ich war am gestern krank. Erstert, zweitert usw. Ebenso unausrottbar scheint der Fehler zu sein, den die Geschäftsleute in ihren Inseraten machen. Sie bieten die Ware an zu„billigen" Preisen, die es doch gar nicht gibt. Die Ware ist billig. Die Fehlerhafte Bildungen wie z. B:ssam(leise). Der Lehrer ist frech(streng). Eß! statt Iß! Trete! Red' doch! Eß doch! Geh laufen! Die Nachlässigkeit beim Sprechen zeigt sich gichts von, D glache sch üpe: u: Da weiß in Zum Schluß noch eine kleine Auslese von den vieHtamanmmachkalusam, 2.kst un—i len hundert unedlen und mundartlichen Ausdrücken die a.. eperzwechseln gen#e#g##—. zum Sprachschatz eines jeden gehören, im Schuldeutsch Jc bin ganz hart(schnell) gelaufen. Geh lang= sedoch nicht gebraucht werden. Geh sitzen! Gehste weg! Kommite her! Sind Sie so gut! Sind Sie so freundlich! und unschöner Gebrauch von„tun“ und„machen": Tu deine Mütze auf! Mach das Feuer an! Machste daß du wegkommst! Mache das Glas nicht kaput! Tu deinen Schal um! Tu deine Schürze vor! Jehlerhafte Fügung. Trink dich man noch einen! Fall dich man nicht! besonund ders beim Gebrauch von„ken" statt„chen“ „unse" statt„unser" und„unsere". Bißken, Händken, Büchsken. Unse Mamma, unse Papa. Jes(Jesus), Mos(Moses), Kaffi, Koffi(Kaffee), Kohlkasten(Kohlenkasten), leblt), han(haben), dat, wat, namtags(nachmittags), Lem(Leben), menn (man), wern(werden), Stiebel, teglich, Kränse, ZeiDavor kauf dich was! Er trinkt sich ein Glas Bier, chen, Lahrer, Vatter. Er ißt sich ein Schnittchen. Er raucht sich eine Zigarre.] Beim Rechnen wird bezahlt und gezahlt nicht Ich gehe ein Glas Bier trinken. Er geht tot. Wir ge= unterschieden, jährig und jähr lich verwechselt. hen schlafen. Hilf mich doch! Ich gratuliere dich auch!] Es wird: 6-4sind 10 und 6 c4+3cist9cA Ich habe doch schon mal bei Sie gearbeitet. Er glaubt gesagt. mich nicht. Karl brachte mich einen Schirm. Ich bitte! Statt wleviel wird was gebraucht. Was kosten Ihnen! Ich hab' mich vertan. Schreib’ mich doch mal. 6 Meter? Er grüßt mir nicht mehr. Ich geb’ dich auch was.] Statt„verwandeln“ hört man immer: Ich Leuchte mich mal! Geben Sie mich für einen Groschen fleihe mir einen Zehnez usw. Brötches! Das Eigenschaftswort. Beim Eigenschaftswort erfolgen Fehler in der Wahl und Bildung, der Biegung und Steigerung. Es seien herausgegriffen: blank— blänker, fromm— frömmer, gut— güter, hoch— höger, mehr— am mehrsten. Dazu kommen unschöne Bezeichnungen des höchsten Grades wie: suchsteufelswild, hochsein, hochnobel, stinkfaul, seltenschön. Recht verbreitet sind die Fehler bei der Fügung. der Rektion der Eigenschaftswörter. Folgende Redewendungen sind bei vielen Erwachsenen zu hören: Das soll mich ganz gleich sein. Jetzt bin ich dich böse. Werde mich man wieder gesund! Das ist mich gar nicht angenehm. Mich wurde ganz schwindelig. Ich bin bange für dich(sie). Das ist mich verdächtig. Das ist mich nicht bekannt. Wortüberfluß. Häufung gleichbedeutender Wörter erfolgt bei: der alte Greis, der weiße Schimmel, der runde Kreis. „Wie“ und„als“ wird falsch gebraucht: Ich bin so groß als du. Ich bin größer wie du. Statt„alle" wird„ganze“ gebraucht Die ganzen Kinder haben es gesehen. Die ganzen Fenster standen auf. Das Fürwort. Beim persönlichen Fürwort wird„mir“ und „mich“ verwechselt. Das persönliche Fürwort„ich" wird besonders in Geschäftsbriefen häufig weggelassen. Der Fehler scheint unausrottbar zu sein. Z. B.: Teile Ihnen hierdurch mit, daß Ihr geehrtes(!) Schreiben erhalten und werde Ihre Bestellung sofort erledigen. Empfehle mich Ihnen hochachtungsvoll. Dazu die lächerlich wirkenden: Wie meinen? Wie bitte? Beim besitzanzeigenden Fürwort wird der zweite Fall umschrieben. Z B.: Das ist meinem Vater sein Kumpel. Das ist unse Oma ihr Haus. Meinem Bruder seine Stiefel sind kaput. Weitere Fehler: Das Buch gehört meine. Die Schürze ist ihre. Karl hatte Knicker, er hat mich welche(statt einige) mitgegeben. Wovon(statt„von wem") hast du das Geld bekommen? Von was(statt wovon hast du geträumt? Die Wortverbindung„was für ein“ wird meist zerrissen. Z. B.: Was machst du für ein Gesicht? Was sind das für Sachen? Außerordentlich zahlreich sind die Fehler, die bei der Anwendung der Verhältniswörter gemacht nerden. Der falsche Gebrauch von„für" und„vor“. „zu“ und„nach" dürfte seinen Ursprung in der Anlehnung an das Plattdeutsche haben, das die einzelnen Wörter nicht unterscheidet und für:„ur- und „vor“,„vör“, für:„Au“ und„nach“,„no“ setzt. Beispiele: Das Heft ist vor dir. Das ist das Geld vor das Buch. Ich sag's vor den Lehrer. Er sagt es vor den Jungen. Ich gehe nach Schule. Er geht nach die Schule. Besonders häufig sind die Fehler bei der Anwendung in den einzelnen Fällen: Z. B.: Beim 2. Jall: Während dem Regen waren wir in der Schule. Er kommt von wegen dem Gelde. Beim 3. Fall: Er setzte sich bei mich. Geh' mit mich mit! Komm bei mich! Der Schnee fiel vons Dach. Er stürzte vons Gerüste. Falle nicht mit die Gläser! Beim 3. und 4. Fall: Das ist der Dank dafor. Er ist bange für sie. Karl fürchtet sich vor die Hünde. Ich lag gestern schon um 9 Uhr ins Bett. Er konnte nichts davor. Er ist mir gut davor. Er hatte sich neben mir gesetzt. Das Umstandswort. Fehl in der Wahl und Bildung: Wir wollen was essen. Dadrauf wäre ich nicht gekommen. Das Essen schmeckt sehr schön. Dingwörter: Alsche(Frau), Backmann(Ziegelstein), Bommel(Troddel), Buddel(Flasche), Dämelack, Döskopp (Dummkopf), Dreckhammel, Drecksack(Schmutzfink), Drömmelpeter(langsamer Mensch), Dusedier(Dummkopf), Eisdopp(Kreisel), Faultier(Faulenzer), Ferkel, Fickel(Schmutzfink), Flugge(Zigarette), Freisepitter(Mensch, der leicht friert), Fresse(Mund), Freßsack(Vielfraß), Halle(Abort), Holschen(Holzschuhe), Hämpittel(Ameise), Kabüffken(kleines Zimmer), Kibbitz auch Bibbi(steifer Herrenhut), Kiff(Hut), Klaue(Hand), Klotschen(Holzschuhe), Krotz(kleiner Kerl), Kodde(Schwein), Lüling (Sperling), Matsche(Schmutz), Mückenpinner, schrieber(Schreiber), Oelsche(Frau), Pimmock(Schimpfname), Pirre(Frosch), Prock(altes Messer), Quatschkopp(Schwätzer), Rür(Hund), Saufsack(Säufer), Schickse(junges Mädchen), Bild 7: Matrizen-Prägevresse. Die in der Setzerei umbrochenen Seiten, durch einen schweren eisernen Rahmen zusammengehalten, werden mittels fahrbaren Arbeitstisches in die Prägepresse transportiert. Die Prägepresse dient zum Anfertigen der Matrizen.(Diese finden eine wesentlich andere Verwendung als die bei der Setzmaschine genannten). Bei der Prägepresse beginnt im heutigen Zeitungsvetrieb ein sehr mühevoller Zwischenakt der unbedingt nötig ist, um später das eigentliche Drucken mit einer riesigen Beschleunigung vorzunehmen. Unsere Prägepresse wurde erbaut von der weltbekannten Maschinenfabrik Augsburg=Nürnberg; sie hat eine Druckkraft von 300 000 kg. Das Gewicht der Maschine ist 4000 kg. Da nur wenige Einzelteile vorhanden sind, trugen bei Gelegenheit des Umzuges die Monteure ernste Bedenken. den Transport in die Setzerei über die Treppen vorzunehmen. Deshalb mußten eine besondere Holzdecke und eine Mauerwand durchstoßen werden. Erst so gelang es, mittels eines soliden Gerüstes die schweren Eisenteile in die Höhe zu bekommen. Dort, wo während der Bauzeit der Standort der Maschine vorgesehen wurde, erhielt der Betonboden eine Verstärkung für 4500 kg., je Quadratmeter Grundsläche.— Das Prägen der Matrizen selbst ist denkbar einfach und beansprucht alles in allem wenige Minuten. Nachdem die Satzform in vorsichtiger Weise zugerichtet worden ist, Schillipp(Sperling), Schnacke(Peitsche), Spulipp(Sperling), Sticke(Streichholz), Stoppen(kleiner, dicker Mensch), Stutz(Knabe einer höheren Schule). Stutzenschule(höhere Schule), Trecksack(Ziehharmonika), Wippsteert(Leichte fuß, unruhiger Mensch) Zicken(Dummheiten), Ziesemännken(kleiner Knallfrosch). Eigenschafswörter. baselig(täppisch), beduselt, beschmort(betrunken), belämmert(minderwertig), dicke(betrunken), dösig (dumm), duselig(schwindelig), fies(unangenehm, ekelhaft), glitschig(glatt), kiebig(komisch), Natrig (mißlich), knülle(betrunken), knorke(richtig), kregel(munter), mies(schlecht), mucksig oder mucksch (trotzig), ramdösig(verrückt), schmuddelig(schmutzig). Tätigkeitswörter. bekieken(besehen), bemogeln, beschummeln(betrügen), dösen(gedankenlos hinleben), drämmeln (langsam gehen, arbeiten), dünne machen(weglaufen), einduseln(einschlafen), hümpeln(hinken), kloppen (schlagen), knuffen(stoßen), kohlen, verkohlen###ufschneiden), krampfen(stehlen), kungeln(tauschen), mantschen(durcheinanderbringen), megeln(betrügen), pinnen(schreiben), platern(spazienen gehen), prockeln(stochern), quackeln(schlechs schreiben), quatschen(Unsinn reden), rumstiebeln(umherlaufen), sabbeln(schwätzen), schwiemeln(unsolide leben), stippen(eintunken). Für verhauen wird gebraucht: verhauan, verdreschen, verkeilen, verkamisölen, verklopp#n, vermöbeln, versohlen, vertobacken, verplästern verwamsen, verwichsen. Am häufigsten wird verhauen gebraucht. „Warte, ich sag's meinem großen Bruder; der verhäut dich!“ wird auf sie die aus besonderem Papierstoff angefertigte Matrize gelegt. Auf diese kommt eine Auflage von dünnen Filzen. Dann wird die Form unter den Prägekopf geschoben(auf dem Bilde das hochstehende Teil). Der 5 PS Motor wird in Bewegung gesetzt, ein kräftiger Druck auf den Fußhebel, und langsam— kaum sichtbar— senkt sich der massive, von zwei gewaltigen Zugstangen gezogene Prägekopf. Ungeheuere Kräfte sind nunmehr entfesselt, darum die Augen des Maschinenmeisters scharf auf das Amperemeter gerichtet, die linke Hand ruht auf dem Sicherungshebel. Gott sei Dank ging die Prägung gut vonstatten, wieder ein kräftiger Druck auf den Fußhebel, und gehorsam bewegt sich der Prägekopf aufwärts. Die Satzform wird vorgezogen und die Matrize abgenommen. Mit Zufriedenheit stellt der Maschinenmeister das gute Ergebnis der Prägung fest. Unterdessen sorgten fleißige Hände, daß sofort wieder eine andere Form geprägt werden kann.— In ganz Rheiniand=Westfalen gehörte seinerzeit der Verlag des Herner Anzeigers mit zu den erne, die die erheblichen Vorzüge der MAN Presse erkannten und sich nutzbar machten. Bereits im Jahre 1921 kam in unserm Betrieb die Maschine zur Aufstellung. Viele Druckereien sind mittlerweile nachgefolgt. Die Entwicklung des Amtes Sodingen. Die politischen Gemeinden. Die Gemeinden Sodingen, Börnig und Holthausen gehörten politisch bis zum 1. 4. 1902 zum früheren Amte Castrop. Seidem bilden sie einen eigenen Amtsbezirk Sodingen mit z. Zt. 22 394 Einwohnern. Die Bevölkerungsziffer betrug demgegenüber im Jahre 1818: 584; 1890: 3366; 1902: 8716; 1910: 16001; 1915: 19929; 1920: 21 911, sodaß sich innerhalb der letzten 20 Jahre, also seit der Amtsbildung, die Einwohnerzahl um mehr als das Dopelte vermehrt hat. Die rasche Bevölkerungszunahme ist hauptsächlich auf die flotte Entwickelung des Kohlenvergbaues zurückzuführen, der durch die Inbetriebnahme der neuen Schachtanlage III der Zeche Mont=Cenis in Sodingen, der neuen Schachtanlage III/IV der Zeche Friedrich der Große in Börnig, und der neuabgeteuften Zeche Teutoburgia in Holthausen mehrere tausend Bergarbeiter mit ihren Familien herbeiholte und sie hier seßhaft machte. Seit dem Jahre 1922 ist in der Bevöc kerungszunahme ein Rückgang eingetreten. Ursache war die Abwanderung vieler Polenfamilien in ihre Heimat und nach Frankreich und die schlechte wirtschaftliche Lage der Industrie infolge der Nachkriegszeit und der Besetzung des Ruhrbezirks mit den sogenannten Micumverträgen. Außer Zweifel ist aber, Daß die Gemeinden sich bei Klärung der politischen un# wirtschaftlichen Verhältnisse gesund weiter entwickeln werden, wie das das letzte Jahr gezeigt hat.“ In städtebaulicher Hinsicht waren von den Gemeinden sofort nach der Amtsbildung große Aufgaben zu lösen. Zunächst hieß es Bebauungspläne schaffen und an Hand dieser wurde alsdann der ganze Amtsbezirk mit einem mustergültigen Straßennetz durchzogen, ebenso wurden die Wege, die durchweg schlechter Beschaffenheit waren, dem Verkehr entsprechend ausgebaut und sämtliche Bürgersteige freigelegt. Heute können die Gemeinden ein gut ausgebautes Straßen= und Wegenetz ihr Eigen nennen. Im ganzen sind vorhanden: An gepflasterten Straßen 3000 Meter; an chaussierten Straßen 19 300 Meter; an straßenmäßig ausgebauten, aber vorläufig mit Asche befestigten Wegen 7500 Meter. Ein großer Teil der Bürgersteige, besonders im Ortskern, ich im Paderborner Riemenpflaster befestigt, welches mit seinen weißen sauberen Flächen in Gemeinschaft mit den beiderseitigen Baumpflanzungen das Straßenbild ungmein belebt. Auch für die Zukunft wird die Verwaltung weiter bestrebt sein, durch planmäßigen städtebaulichen Ausbau des Amtsbezirks dem steigenden Verkehr gerecht zu werden und das Ortsbild zu verschönern. Infolge des Krieges mußten hier leider viele Projekte zunächst noch zurückgestellt werden. In den Jahren 1909 bis 10 erfolgte die Kanalisierung des ganzen Ortskernes nach einem einheitlichen, landespolizeilichen Entwurf, wobei zur Reinigung der Abwässer eine besondere Kläranlage am Sodinger Bach geschaffen wurde. Damit wer auch in hygienischer Beziehung ein großer Fortschritt erreicht, indem vor allem die vorher häufigen Typhusepidemien nach Fertigstellung der Kanalisation mit einem Schlage aufhörten. Die Gemeinde Sodingen ist heute ganz kanalisiert, in den anderen Orten wird bald dasselbe der Fall sein. Großer Wert wurde in weitsichtiger Weise von vornherein auf die Schaffung zahlreicher Grünanlagen und Baumpflanzungen gelegt, um so das an und für sich etwas düstere Bild des Industrie ortes zu verschönern und der Bevölkerung in ihren freien Stunden die Möglichkeit der Erholung zu bieten. Heute bieten die öffentlichen Plätze und Straßen des Amtsbezirks mit ihren grünen Alleen ein frisches Bild, wie es nicht in vielen anderen Bezirken der Umgegend wiederzufinden ist. Als besondere Zierde des Amtes ist der in den Jah ren 1910•12 angelegte 9 Hektar große Volkspark mit Gartenwirtschaft und dem schönen, die Umgegend überragenden Aussichtsturm sowie ein großer Sport platz zu erwähnen.* 1Die Maschinen des„Herner Anzeigers“ sind nech den neuesten Errungenschaften der Technik durch unsere eisenarmierten Korktundament-Unterlagen D. R. P. und Schwingungsdämpter D. R. P. gegen die Uebertragung von Geräuschen und Erschütterungen auf die Nechbarhäuser und Büroräume isoliert. Berlin S 14 In tausenden von Fällen haben sich unsere Isellermeterialien zur Dämptung von Schell undVIbratienen bewährt. Iotmemm Donmund, Gr. Heimstraße 122— Fernsprecher 8885 Der Volkspark mit seinem uralten Baumbestand kann als Muster eines Naturparkes angesvrochen werden, in welchem nicht nur die Einwohnerschaft des Amtes, sondern auch diejenige der weiteren Umgegend Erbolung sucht und findet. Weiter ist zu erwähnen der Kommunalfriedhof der Gemeinde Holthausen, der in seinem ältesten Teile in den Jahren 1912/13 angelegt ist. Er wird, wenn seine Erweiterung nach dem großzügig aufgestellten Plane fertiggestellt ist, eine Zierde des Amtsbezirkes darstellen und den Vergleich mit anderen Tähnlichen Anlagen nicht zu scheuen brauchen. Der Ausbruch des Weltkrieges unterbrach auch hier mit einem Schlage die städtebauliche Entwickelung des Amtsbezirks. P 1. Kurze Darstellung über die Entwicklung der Gemeinden des Amtes Sodingen in den letzten 50 Jahren Die politischen Gemeinden Sodingen, Börnig und Holthausen bestanden bis zum Jahre 1870 fast ausschließlich aus kleinen Bauernschaften. Die wenigen der Industriearbeiterschaft angehörenden Personen waren auf die Zechen der umliegenden Gemeinden angewiesen. Die Gewerkschaft Mont=Cenis gr es, welche im Jahre 1871 in die ländliche Stille der Gemeinden ihren ersten Einzug hielt. Um die Entwicklung der Gemeinden schildern zu können, sei daher zunächst der Aufstieg der Zechen erwähnt. Gewerkschaft Mont-Cenis. Das Steinkohlen=Bergwerk Mont=Cenis ist bergrechtlich entstanden durch Konsolidierung der fünf Grubenfelder Theresia 1, Eugenie, Mathilde 1, Luise „ und Jerome. Gleichzeitig mit dem Konsolidationsakt ging das Eigentum an dem konsolidierten Felde von dem Rentner Wilhelm Endemann zu Bonn an den Bergingeneur Josef Moning aus Marseille und den Renter Franz August Viviers in Lyon über. Sie waren die Gründer der Gewerkschaft der Steinkohlenzeche Mont=Cenis. * Die Bestätigung des Konsolidationsaktes und des Gewerkschaftsstatuts durch die Bergbehörde erfolgte am 27. Juli 1872, sodaß dieser Tag als der eigentliche Gründungstag der Gewerkschaft anzusehen ist. Der erste Spatenstich zum Niederbringen des heutigen Schachtes I erfolgte am 15. November 1871 im nordöstlichen Teile der Bauernschaft Sodingen an dem Wege Herne—Castrop in der westlichen Hälfte des Feldes. Das Steinkohlengebirge wurde Mitte Sep tember 1873 bei 190 Meter Teufe erreicht. Anstatt der edlen Fettkohlenpartie, die man nach den Nachbaraufschlüssen erwarten durfte, traf man indessen die Gaskohlenzone an. Die Bausohle wurde 1874 bei 304 Meter Teufe ausgesetzt und die Förderung im Juni 1875 ausgenommen. Das junge Unternehmen hatte in den 70er und 80er Jahren unter dem Druck der wirtschaftlichen Krise schwer zu kämpfen. Erst mit dem allgemeinen Aufschwung der deutschen Wirtschaft im Jahre 1890 begann auch eine raschere Entwicklung von Mont=Cenis. Es bot sich nunmehr die Möglichkeit, die technischen Einrichtungen zu vervollkommnen und die Grubenbetriebe zu erweitern. Die in den folgenden Jahren stark zunehmende Entwickelung des Werkes veranlaßte die Gewerkenversammlung am 5. 12. 1895 die Errichtung einer zweiten Schachtanlage im Ostfelde zu beschließen. 4 Die neue Schachtanlage gab dem Unternehmen die Vbreitere Grundlage, auf der ein tatkräftiger Führer große Erfolge erzielen konnte. Dieser Führer fand sich in der Person des Direktors Heyer, der die Leitung des Werkes übernahm, bevor der neue Schacht fertig niedergebracht war. Bereits im Jahre 1897 konnte die neue Schachtanlage II in Betrieb genommen werden. Im Jahre 1905 begann man mit dem Abteufen eines dritten Förderschachtes, der zur Entlastung des alten Schachtes I bestimmt war und schon im Jahre 1909 in Betrieb genommen werden konnte. Die Gewerkschaft besitzt seit 1905 eine Kokerei, seit 1913 eine Maschinenziegelei und seit 1909 und 1920 je eine Feldringofenziegelei. Die Belegschaftsstärke stieg von 80 im Jahré 1872 auf über 4000 im Jahre 1926. Die fortschreitende Technik auf dem Gebiete der Kohle und die bahnbrechenden neuesten Erfindungen zur Verflüssigung derselben und der synthetischen Stickstoffgewinnung hat die Gewerkschaft Mont=Cenis zu umfangreichen Neuanlagen veranlaßt, an welchen auch der Staat beteiligt ist. Die riesigen Bauarbeiten sind in vollem Gange. Eine gleiche Anlage wird auf Schacht 3•4 der Zeche Shamrock der Bergwerksgesellschaft Hibernia gebaut. Welche Entwicklungsmöglichkeiten durch diese großzügigen Neuanlagen auch für das Amt Sodingen gegeben sind, ist noch nicht abzusehen. Gewerkschaft Friedrich der Große Die Gewerkschaft des Steinkohlenbergwerks Friedrich der Große in Herne erweiterte dadurch ihr Grubenfeld, daß sie in der Gemeinde Börnig die * Schachtanlagen III/IV errichtete. Die Niederbringungsarbeiten dieser Anlage wur den in den Jahren 1902104 vorgenommen. Im Jahre „ 1905 konnten bereits 169 Arbeiter dort beschäftigt werden. Der weitere Aufstieg des Werkes ermöglichte es, im Jahre 1910 schon 1188 und im Jahre 1920 über 2000 Mann zu beschäftigen. Die Belegschaft zählte im letzten Jahre 2210 Köpfe. Gewerkschaft Teuloburgia. Der in der Gemeinde Holthausen liegende Schacht der Gewerkschaft Teutoburgia ist am 1. 8. 1909 abgeteuft worden. Beschäftigt wurden zu dieser Zeit 200 Arbeiter. Am 1. 4. 1911 konnte der Betrieb unter Tage voll ausgenommen werden. Im Jahre 1915 beschäftigte die Zeche 946, im Jahre 1920 1455 und 1924 1107 Mann. Bei den Zusammenlegungen und Vertrustungen der letzten beiden Jahre wurde die Zeche den vereinigten Stahlwerken=Düsseldorf angegliedert. Die Folge war die im September 1926 beschlossene Stilllegung dieser Schachtanlage und der im Oktober des selben Jahres beschlossene Abbruch der Anlagen. Da 1923 setzte besonders er bald in iisse fast Bild 8: In der Stereotuvie(Gießerei). Hier beginnt allnächtlich um die Mitternachtsstunde eine geheimnisvolle Tätigkeit. Die großen Bleikessei werden angeheizt, große Bleiplatten oder Bleiklötze verschwinden in dem weiten Rachen der Kessel, verschiedenartiges Surren von Motoren ertönt. Der Stereotypeur und seine Hilfsarbeiter sind emsig bei der Arbeit, alles geht lautlos, aber alle beherrscht Energie und klarer Wille. Dieser Wille kennt unerbittlich nur ein einziges Ziel, und es ist, als ob jedes Teil in der Gießerei lebendig wäre und immer aufs neue daran erinnere! Dieses eine Zier heißt: Nunk 5.15 Uhr mussen die ersten Platten an der Rotation stehen, punkt 5.40 Uhr muß der Druck beginnen! Geradezu fieberhaft ist darum oft die Arbeit gerade in der Gießerei! Die auf der Prägepresse hergestellten Matrizen werden mit großer Sorgfalt zugerichtet, getrocknet und kommen dann in das gleich neben dem Bleikessel eingebaute Gießinstrument. Der Ausflußbahn wird geöffnet, sodaß das flüssige Blei sofort in das Gießinstrument fließt. Nach wenigen Minuten ist die Form erkaltet und kommt zur weiteren Bearbeitung auf die Fräsmaschine(Bild 9). Von hier aus wandert sie in die Ausbohrmaschine, damit die Platten alle gleiche Dicke erhalten. Aufo äußerste sind die Nerven angespannt, wenn gegen 5 Uhr die letzten Matrizen in die Gießerei kommen. Das Metall wird dann besonders genau geprüft, ob nicht zu heiß oder kalt, denn jetzt muß jeder Guß sitzen! Ein Fehlguß darf nicht vorkommen, denn: 5.40 Uhr Beginn des Druckes! Bilb9: Hochleistungs-Fräsmaschine. Um in der Gießerei zur festgesetzten Zeit unbedingt fertig zu sein und trotzdem alle Druckpiatten, Klischees usw. in la. Ausführung abliefern zu können, war die Aufstellung dieser modernsten unter den Bearbeitungsmaschinen unerläßlich. Sehr vielseitig ist ihre Verwendungsmöglichkeit. Sie fräst, bohrt, schneidet, sägt, schabt, schleift, poliert, sie zieht Vierecke Kreise, Ovale, es gibt keine geometrischen Formen, die sie infolge besonderer Winkel=Einstellung und sog. Sup porte nicht bearbeiten könnte. Der Antrieb geht überall elektrisch. Hierzu kommt(und das ist doch das entscheoende) die sichere, geübte Hand des Stereotypeurs, sowie sein in mührvoller Berufsarbeit und ungezählten Nachtstunden erworbenes Können. Sind die Rundplatten in dem Gieß instrument gegossen worden und hinreichend erkaltet, so kom men sie in die Fräsmaschine aus den. großen Zylinder(von Beschauer rechts). Mit Riesengeschwindigkeit rau der Fräf über die Piatte und schleudert alles weg, was beim Druck nicht erscheinen darf, z. B. die Gießränder, schwarze Flecken usw. Auf dem Flachtisch links werden all die vor hin genannten Spezialarbeiten ausgeführt. Diese mussen siets vorher getan werden. Ist die Platte einmal rundgegossen und sitzt aus dem Zylinder, so ist dazu keine Zeit mehr vorvanden mit war die Kohlenförderung der Zeche Teutoburgia zu Ende, der unterirdi#c Abhau des Grubenfeldes geschieht jetzt durch die Reche Erin. Or die Seilfahrt für die Vergleute wieder ausgeno ist fraglich. Nach dem Kriege, in den Jahr infolge der gewaltigen jege Bautätigkeit folge der schlechten wirtschaftlichen ganz wieder aufzuhören. Geschaffen wurden in dieser-Zeit 806 Wohnungen der Bergmannssiedlung Herne und der Gewerkschaft Mont=Cenis, 9 Wohnungen der Gewerkschaft Teutoburgia und 50 Wohnungen des gemeinnüßigen Bauvereins für das Amt Sodingen, während die sonstige private Bautätigkeit fast ganz ruhte. Die 3 Gemeinden selbst beteiligten sich an der Behebung der Wohnungsnot durch Herstellung von 23 Wohnungen für Staats= und Kommnalbeamte, welche als Eigenheime den Wohnungsinhabern aufgelassen werden sollen. Eine der letzten Einrichtungen der Gemeinden ist die Schaffung des sich überaus günstig entwickelnden Wochenmarttes auf dem Platze vor dem Amts hause. Der Markt findet jeden Mittwoch und Sams tag statt und wird sowohl von den hiesigen, wie auswärtigen Gewerbetreibenden beschickt. Jeder Markttag gleicht einem emsigen Zeltlager, dessen reichhaltige Beschickung einen Besuch der benachbarten Märkte unseren Hausfrauen erübrigt. Schulwesen. Das erste Schulgebäude wurde im Jahre 1820 in der Gemeinde Börnig errichtet. Es war ein kleines einstöckiges Fachwerkhaus mit Lehrerwohnung, das noch heute zu Wohnzwecken benußt wird. In Betracht kommt das Haus Dorfstr. 27. Beschult wurden in Börnig die kath. Kinder der eigenen Gemeinde und die kath. Sodinger Kinder, während die evgl. Kinder der beiden Gemeinden zur evgl. Schulgemeinde Castrop gehörten. Die zunehmende Schülerzahl machte im Jahre 1876 die Gkündung einer eigenen Schule für Sodingen wünschenswert. Beide Konfessionen der Gemeinde setzten daher ihre Trennung von Börnig bezw. Castrop durch und gründeten eine paritätische Kommunalschule in Sodingen. Als Schulzimmer diente zunächst ein von dem Wirt Wiesmann gemieteter Raum. Im Jahre 1885 wurde die paritätische Schule aufgehoben und an deren Stelle eine ein=klassige kath. und eine ein=klassige evgl. Schule eingerichtet. Bald schritt man auch zum ersten Schulnenbau, der am 7. 7. 1886 vollendet wurde und den Namen„Marien=Schule" erhielt. Die älteste Schule der Gemeinde Holthausen ist die Cäcilien=Schule. Als zweite Schule kommt die Kaiser=Friedrich=Schule in Frage. Vor Errichtung dieser Schulen gehörten die Kinder zu den Schulen Börnig und Castrop. Infolge der ständigen Bevölkerungszunahme, mit der die Schülerzahl gleichen Schritt hielt, wurden sowohl in Holthausen, als auch in den beiden anderen Gemeinden weitere Schulen notwendig und heute ver fügen die Gemeinden über zusammen 11 Schulen mit 87 Schulklassen. Sämtiiche Schulen entsprechen allen hygienischen und baulichen Anforderungen der Jetztzeit, die Bonifatiusschule in Börnig und die Lutherschule in Holthausen haben zudem moderne Badeanlagen für die Schulkinder und die Bevölkerung. Träger der Schullasten waren bis zu der im Jahre 1906 erfolgten Bildung des Amtsschulverbandes die konsessionellen Schulgemeinden. Schon seit Jahren stellte sich das B#e##ürfnis heraus, im Amte eine höhere Schule einzurichten. Die jährlich steigende Schülerzahl und die mit der Aufnahme in Nachbarschulen verbundenen Schwierigkeiten haben dazu geführt, am 1. 4. 1924 eine höhere Schule zu eröffnen. Kirchliches. Kirchlich gehörten die Gemeinden, wie auch polie tisch, zunächst nach Castrop. Die stete Entwickelung der Gemeinden veranlaßte aber auch hier die spätere Abtrennung von der Kirchengemeinde Castrop. Im Jahre 1892 erfolgte zunächst die Gründung der katholischen Filialgemeinde Börnig=Sodingen, die kaum 10 Jahre später eine selbständige Pfarrgemeinde wurde. Die kath. Kirche in Börnig wurde im Jahre 1903 erbaut. Die kath. Filiakgemeinde Holthausen wurde 1908 gegründet und Ostern 1914 zur selbständigen Pfarrgemeinde erhoben. Die Nottirche in Holthausen wurde im Jahre 1908 errichtet. Die selbständige evgl. Kirchengemeinde Sodingen ist am 1. 10. 09 gebildet. Die Kirche ist im Jahre 1903=04 erbaut worden. In der Zwischenzeit der Loslösung von der Muttergemeinde Castrop und der Vollendung des Kirchenbaues ist der Gottesdienst in der Falkschule abgehalten worden. Krankenanstatten. Im Jahre 1912 vollendete die kat meinde Börnig=Sodingen den Bau Krankenhauses, womit einem hier bei dürfnis nach dieser Richtung hin wirksa tan wurde. Die starke Inanspruchnal hat schon im letzten Jahre eine Erwei## dig gemacht, wodurch das Krankenhau gend groß im Innern mustergültig ein daß es einen Vergleich mit den umlieg nicht zu scheuen braucht Neuerdings hat der Kircheno großen Erweiterungsbau des Krankenn sen, da das Haus in seinem bisherige Anforderungen bei meitem nicht mei konnte. Der neue Erweiterungsbau Kürze in Angrisi genommen. Nach sei lung wird das Krankenhaus die Zah auf 250 erhöhen können. Postwesen. Das Postamt Sodingen wurde am Wiesmann in Sodingen eingerichtet. auch noch die Posthilfsstellen Hiltrop Landwehr an. Am 3. 5. 1909 konnte dem von der Gemeinde Sodingen, Der neuerrichteten Postgebäude au genomme lirchengeeines eigenen lehenden BeI Abbruch gene der Anstalt rung notwenheute genürichtet ist, sonden Häusern erneut einen auses beschlosUmsang den entsprechen wird in aller ner Fertigstelseiner Betten 494 bei ihm gehörten nd Hiltroper= er Betrieb in mannstraße Willst Qu mal den Ofen schüren, well es anfängt, Dich zu Oftmals er nicht richtig„zieht“, wie man auf dem Bilde sieht! — auf den ersten Streich, und er macht auch werm: Dahlsgeren brennt Im Zimmer solch ein Gashehzofen immer— K * erwahnten Posthiltsstellen wurden im selben Jahre! dem Postamte Gerthe zugeteilt. Straßenbahn. Schon bald nach Errichtung des eigenen Amtsbezirks machte sich die Verwaltung daran, auch den Plan einer Straßenbahnverbindung zwischen Sodingen und Herne aufzunehmen und möglichst bald zu verwirt ichen. Aber hier waren die Schwierigkeiten nicht klein und erst im Jahre 1906 konnte die Bahn nach Ueberwindung großer Widerstände durch die StraßenbahnGesellschaft Herne=Sodingen in Betrieb genommen werden. Später wurde dann die Bahn, die von ihrer Entstehung an wohl eine der rentabelsten des ganzen Industriebezirks gewesen ist und auch sicherlich bleibt, bis zur Stadt Castrop weitergebaut. Dieser Bau wurde im Jahre 1910 vollendet, und so durch Anschluß in Castrop auch eine direkte Straßenbahnverbindung mit der Stadt Dortmund erreicht. In Herne hat die Bahn Anschluß nach Bochum, Gerthe, Wanne und Recklinghausen. Der Straßenbahngesellschaft gehören heute an die Stadt Herne, die Gemeinden Sodingen und Börnig und die Stadt Castrop, die das Unternehmen in eigener Regie betreiben. Der Betriebsbahnhof ist in Sodingen, während die Verwaltung sich in Herne befindet. Eisenbahn und Kanal. Die Emschertalbahn berührt in der Gemeinde Börnig den Amtsbezirk Sodingen. In der Nähe des alten Dorfes ist hier im Jahre 1904 eine Eisenbahnstation, auf Kosten der Gemeinde errichtet, welche aber bis jetzt nur für den Personenverkehr in Frage kommt. Die geplante Güterabfertigung wurde durch den Krieg inhibiert. Außer dem Bahnhof Börnig sind die Nachbarbahnhöfe Herne und Castrop, die auch den Güterverkehr vermitteln, mit der Straßenbahn in ganz kurzer Zeit zu erreichen. In ihrem nördlichsten Teile durchfährt noch die Köln=Mindener=Bahn die Gemeinde Börnig, während sie an ihrer äußersten Grenze auf mehrere hundert Meter Länge von dem Rhein=Herne=Kanal berührt wird Hier haben die Zechen Friedrich der Große und neuerdings Mont=Cenis für die Verfrachtung ihrer Kohlen pp. einen eigenen Hafen angelegt, um sich so von dem Landwege möglichst unabhängig zu machen. Gas= und Elektrizität. Die Versorgung der Gemeinden mit Gas und Elekirizitat geschieht seit dem Jahre 1917 durch die in diesem Jahre gebildete Gas. und Elektrizitäts=Versorgungs=Gesellschaft des Amtes Sodingen. Gesellschafter sind die Stadtgemeinde Herne und die hiesigen Gemeinden Börnig, Sodingen und Holthausen. An dem Unternehmen sind Herne und die hiesigen Gemeinden gleich stark beteiligt, uno zwar Herne mit 50 Prozent, Sodingen mit 20 Prozent, Börnig und Holthausen je mit 15 Prozent, also zusammen auch mit 50 Prozent, die Vertragsdauer beträgt 50 Jahre. Vor Bestehen der jetzigen Gesellschaft lag die Lichtversorgung seit dem Jahre 1904 in eigener Regie der Gemeinden, bis dahin regierte hier nur das Petroleum, Straßenbeleuchtung gab es überhaupt nicht. Gas hatten die Gemeinden nicht. Die elektrische Energie lieferte die Gewerkschaft Mont=Cenis, während die weitere Stromabgabe an die Verbraucher Sache der Gemeinden war. Mit der zahlenmäßigen Entwicklung der Gemeinden vermochte aber das elektrische Leitungsnetz, das auf solchen Konsum nicht eingestellt war, nicht aleichen Schritt zu halten. Es wurde durch die vielen Neuanschlüsse nach 10jährigem Bestehen bald so belastet, daß Lichtstörungen und ungenügende Lichtstärke sehr unangenehm in die Erscheinung traten. Eine völlige Umgestaltung der ganzen Anlage wurde immer dringender. Zumal während des Krieges hierselbst Monteure zur Instandhaltung des Netzes nicht mehr vorhanden waren, also hier ein direkter Notstand eine rasche Entschließung der Gemeinden notwendig machte. Die Verhandlungen wegen der Neugestaltung der elektrischen Lichtversorgung und wenn möglich, auch Einbeziehung der Gasversorgung, begannen im Jahre 1915. Sie führten nach eingehender Kostenberechnung und Prüfung der Rentabilität zu einem Vertrage mit der Stadt Herne, die sich bereit erklärte, in diesem Falle auch die Gasbelieferung mit in die neue Gesellschaft einzubringen. Bereits im Jahre 1918 wurde die elektrische Lichtleitung zum Teil neu verlegt und im Jahre 1918 die Gasberohrung aller 3 Gemeinden zum größten Teil zum Abschluß gebracht. Wohl die Gesamtbevölkerung hat heute elektrisches Licht oder Gas, ebenso sämtliche Hauptverkehrsstraßen elektrische Straßenbeleuchtung. Herne— Sodingen. Am 1., 2. und 3. Juli 1926 schlossen die Gemeinden Sodingen, Holthausen und Börnig und am 5. Juli das Amt Sodingen mit der Stadt Herne einen Eingemeindungsvertrag ab, wonach von dem durch Gesetz zu bestimmenden Zeitpunkt ab Herne und das Amt Sodingen unter bestimmten Bedingungen zu einer Stadtgemeinde zusammengeschlossen werden. Hoffentlich ist dieser Zeitpunkt nicht mehr fern. welcher der Herstellung von Geschossen diente. Zwei Oesen von der Größe zweier Bahnwärterbuden standen darin, die eine ihm unerträgliche Hitze verspieen. Daneben standen drei hydraulische Pressen. Aber schon schleppte man weitere Teile zum Aufbau neuer Pressen heran. Diese wie die alten waren englische Fabrikate. Martin meldete sich beim Vorarbeiter, der ihn mürrisch an die Ofentür wies und ihm eine Zange in die Hand gab. Man preßte kleine Feldgeschosse im Gewichte von zehn Pfund. Martin mußte nun jedesmal, wenn ein Geschoß gelocht war, die Ofentür ziehen und einen weißglühenden Stahlbutzen mit der Zange vor die Presse werfen. Der Schweiß rann ihm über den ganzen Körper. Nach der Kaffeepause zog er das Hemd aus, da auch die andern nur Kittel. Hose und Schürze trugen. „Wo kommst du her— von der Polackei und willst hier helfen alles verderben? Wir haben Ueberkluge genug—. redete ihn ein rothaariger, wild Huflattich, Schafgarbe und einige Bruchweiden. Wehmütig wie ein Eingekerkerter betrachtete Martin das sterbende Leben im Rauch der Schlote. Mittags durfte er nun nicht mehr nach Hause. Er mußte sich, wie alle Feuerarbeiter, das Essen brin gen lassen und Christine hatte sich damit auf den Weg gemacht. Hustend stand sie am Tor. Martin sollte ihr gleich alles erzählen, doch dazu langte seine Zeit nicht. „Bis heute abend, Mutter—“ sagte er und blickte ihr lange sinnend nach, als sie die Straße hinunterhumpelte. Dann rief ihn die Pflicht. Die Pressen sausten— die Fundamente dröhnten, und über dem Dache schossen in weißen Ringen die Dampfwolken auf, sich auflösend im Kreise des unendlichen Werdens und Geschehens. Nach einer Woche hatte Martin sich eingelebt. Wenigstens schien es so, wenn auch in ihm das Samenkorn einer neuen, größeren Sehnsucht nach Entsaltung schrie. Er bekam zum ersten Male Nachtschicht. Ein österreichischer Brudergruß aus der ewigen Stadt an den Herner Anzeiger und seine getreue Leserschar von Monsignore Dr. theol. et phil. Franz Bayer Professor in Graz, z. ht. Rom. großer Freude habe ich von den schönen Erfolgen vernommen, D### welche das Organ der Herner Katholiken, der Herner Anzeiger, während der etwas mehr als zwei Dezennien seines Bestehens im Kampfe für unsere katholischen Ideale erzielte, und wie derselbe, unterstützt durch seine getreue Leserschar, sich zum maßgebenden journalistischen Repräsentanten Hernes emporgeschwungen hat. Man kann die Herner Katholiken nur aufrichtig beglückwünschen, daß sie im Herner Anzeiger über eine so gediegene moderne Tageszeitung ersten Ranges verfügen. Gleichzeitig beglückwünsche ich aber auch den rührigen Verlag zu seinen schönen Erfolgen und besonders zu dem neuen eigenen Geschäfts- und Druckereigebäude, worin er seinen ständig wachsenden Betrieb nunmehr verlegte. Möge auch in diesem modernen, architektonisch schönen Monumental=Neubau Gottes reichster Segen aus dem ganzen Unternehmen ruhen und es, auch zum Besten der katholischen Sache, weiter wachsen und gedeihen. Mit herzlichem österreichischen Brudergruß an Verlag und Leser Mons. Dr. theol. und phil. Franz Bauer Professor in Graz, z. Jt. in Rom. Feuerarbeiter. Christoph Wieprecht. Wir entnehmen dieses Kapitel mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers dem Industrieroman„Nachtgesang" was Werk ist in der Reihe der SchollenBücher im Verlag von Otto Schlingloff. Essen, erschienen. Es schildert die Entwicklung eines jungen Arbeiters Martin Claus zum Dichter und gewährt tiefe Einblicke in das seelische Leben eines arbeiters. Hinter dem jungen Kämpfer lag die Sakristei der Arbeit. Vor ihm öffnete sich ihr Tempel, in dem die Opferflammen emporschlugen. Er stand schüchtern, die Holzschuhe seines Vaters unter dem Arm in dem dunstigen kleinen Raum, aussehender Geselle, der einheimischen Dialekt sprach, an. „Ich verderbe euch die Arbeit nicht—“ beteuerte Martin, Dialekt redend,„ich bin ein Hiesiger und froh, wie ihr alle, wenn ich ein paar Mark verdienen kann. Mein Vater hat der Firma ausgedient, seine Knochen sind kaputt; jetzt komme ich dran.“ „War dein Alter auch hier?“ forschte der Rotköpfige. „Nein, er ist drüben im Martinwerk, fegt den Bau und streicht die Formen mit Teer und Graphit. Er ist bald erledigt und meine Mutter auch. Ich dachte ja auch ich hätte was Leichteres gefunden, aber was soll ich machen—“ und Martin erzählte von seinen Verhältnissen. „Wie sollen wir dich nennen?“ fragte der Rothaarige und faßte Martin beim Haarbusch. „Martin Klaus“ „Weißt du, Martin— das ist so— meine Alten sind von hier und haben einen Kotten, den sie beackern. Es sind ja wenig Menschen von hier und mit jedem neuen Kerl, den sie aus dem Osten herschleppen, wird es schlechter. Früher hatten wir noch einen kleinen Eichenbusch am Hause, aber da steht jetzt ein Kohlenschacht, der uns Dreck und schwarze Brühe als Badewasser liefert. Weiß der Teufel, wie das noch enden soll! Statt ein paar Groschen mehr für ein Stück Fleisch geben sie uns lieber Schnaps, damit wir im Dusel drauflos arbeiten. Den Balg lügen sie einem voll, es würde Geld verdient. und wenn der Lohntag kommt, guckt man in den Mond. Die Lohnschere hängt immer fertig. Na... du wirst sa sehen. Du verdirbst noch nichts; wir beide sollen schon auskommen miteinander. Also zieh’ mal die Tür— Und Martin zog die Ofentür hoch, faßte das zehnpfündige glühende Stahlstück mit der Zange und warf es der Presse zu. Diese drückte nieder. Graphitstaub und Schlacke wirbelte über grünen Flammen, hoch, und das Geschoß hatte seine Gestalt. In der Pause schritt Martin das hintere Gelände des Riesenbaues ab, in dem außer dem kleinen Presseraum in großen, glasüberdachten Hallen Martinösen und Schweißöfen, große Schmiedepressen, Bearbeitungsmaschinen und eine große Walze standen. Dahinter trauerten im Schlackenboden die letzten Reste der Natur. Es war ihm tiefes Erlebnis, als er zwischen den Pressen und Feuern stehend, die Sonne sinken sah und dann das Licht der Lampen den Raum erhellte, wo zwischen den anwachsenden Haufen fertiger Schrapnells und Granaten sich die Gestalten tummelten. Und als dann nach vielen Stunden die Sonne wieder aufstieg, die Lampen und Osenflammen vor ihrer Schön heit wie schwache Milchstraßengestirne erblichen, da faßte es ihn mit Zaubergewalt. Er träumte sich in die Wunder der Natur und griff in der letzten Morgenpause zu seinem Notizbuch, das er am Abend absichtslos in sein blaues Arbeitskleid gesteckt. Was er jetzt wollte, wußte er nicht. Ihn trieb eine Kraft, die ihm wie ein Mysterium vorkam. Die Kameraden schüttelten die Köpfe, während sein dunkles Auge w. erstarrt durch die Fenster blickte, seine Lippen sich bebewegten und sein Bleistift über das Papier glitt. Und endlich lag es vor ihm— das Gedicht, das er las und immer wieder las: Die Sonne taucht empor aus ros'gem Schmelz Und schickt der Welt die ersten Morgenstrahlen; Sie gleiten leicht herab von Fels zu Fels, Auf gold'nem Grund ein lieblich Bild zu malen. Selbst in des Waldes hehre Himmelsnacht Dringt durch der Bäume Grün sie siegend ein, Erfüllt die Au mit ihrer Strahlenpracht, Von Gold durchwirkt liegt still der Tannenhain. Vorüber ist die arbeitsreiche Nacht, Die ich durchschafft beim trüben Lampenlichte; Ob ich ermüdet bin— was soll's? Es lacht Der Morgen ja im neuen Sonnenlichte! Und ringsum seh' ich tausend Farben glüh'n, Ich höre Vogelschlag und seh' die Blumen blüh'n Und wie ich staunend schau' der Wunder Pracht, Hauch leis' ich: Groß, o Gott, ist deine Macht! Wie war er dazu gekommen? Er erinnerte sich der Tage, da ihn Leni für immer verlassen. Auch damals hatte er zur Feder gegriffen und niedergeschrieben, was ihn so tief gepackt. Alle die Niederschriften hatte er damals verb annt. Sollte er dieses Gedicht auch verbrennen, auf den Haufen glühender Geschosse wersen, wo es im Augenblick verloderte? Nein— er wollte es aufvewahren: es war ja ein Stück von ihm selbst, von seinem Leben, von seiner Seele. Christine und Alois sahen an der Heiterkeit ihres Einzigen, daß irgend etwas Bedeutendes mit ihm rorgegangen war. Sie fanden auch sein Gedicht, das er sein säuberlich mit Tinte in Reinschrift gebracht hatte. Darunter stand sein Name. Christine war erstaunt und tief gerührt. Das war ihr Martin, den sie getragen hatte! Und jetzt sahen sie ihn öfter, wenn er abseits in der Kammer saß und schrieb. Auch an kleinen Bleistiftzeichnungen versuchte er sich, doch mit wenigem Erfolg. Seine Hände, nun mit dicken Schwielen bedeckt, waren zu steif und schwer. Die Arbeit im Preßwerk nahm ihren Fortgang, der Bau wurde erweitert, neue Pressen und stellte man auf. Immer mehr Arbeiter erschienen. Oft schlich sich Alois aus dem Martinwerk dorthin, um Martin ungesehen bei der Arbeit zuzuschauen. Mit einem Gefühl der Liebe, des Mitleids und des Stolze# sah er den gesetzten#m chen zwischen Flammen## Werkgestampf. Was hatte man alles aus ihm machen wollen! Und jetzt stand er, wie sein Erzeuger, fast selbst Maschine, inmitten rasenden Triumphgeheuls moderner Arbeit. Die Jahre waren dahingerauscht, wie ein 173. Martins neue Arbeit trug auch materielle Früchte. Nun brauchte nicht alles nur Wunsch bleiben. En kaufte ein Bücherbrett und mehrere Rla##er.?#. die er von Lohntag zu Lohntag vermehrte. Ant. einer Leihbiliothek schloß er sich an, besuchte das gute Theater der Stadt und unternahm allein Wanderungen nach dem Süden der Arbeitsstadt, wo er Verse schrieb und skizzierte. Doch seine freiwillige Zurückgezogenheit brachte ihm wieder Nachteile. Die jüngeren Kameraden auf dem Werke setzten ihm zu und hingen sich oft an ihn mit Sticheleien wie Kletten, und wenn er gar hier und da ein Gedicht vorlesen oder von seinem Lieblingsdichter Schiller erzählen wollte, dann war wohl ein einzelner, der einmal ernst zuhörte, aber die andern lachten ihn aus. Er stieß ins Finstere. Zweckloses Bemühen. Die Fabrik brauchte keine Aestheten. nur rohe Kraft verlangte sie und in Menschheitsgedanken ein weites Gewissen Die Maschine stampfte und zerstampfte. Als er einige Tage später wieder Nachtschicht mir dem Vater zugleich hatte, stand er in der Pause auf dem Hofe und träumte durch die ruhende Nacht. Seine fabelhafte Phantasie führte ihm das Schloß Werkbesitzers vor Augen. Er sah die prächtigen Parkanlagen, die Festsäle und Goldgemächer, die plätschernden Springbrunnen, Rosenlauben und Blumen beete in berauschender Ueppigkeit vor sich. Durch Gemächer, Prachtportale und Gärten sah er zwei junge Mädchen, die Töchter des Werkherrn, sich in Tanz und Reigen schwingen. Er drückte die beiden Lockenköpfe im Geiste an seine Brust, küßte und kost sie. Konnten sie nicht seine Schwestern sein? Miklopfendem Herzen hielt er das Bild fest und schritt ekstatisch über den Schlackensand dem Martinwerke zu. Er blickte in die Weißglut eines geöffneten Ofens. und als er den Blick geblendet von dem kochenden Stahl wandte, standen grüne und rote Sonnen vor ihm und in jeder sah er das geträumte Phantasiebild der Schönheit. Die Lichter ebten ab und schwanden. Er sah vor sich die Wirklichkeit, blickte in die Gießgrube des vorderen Ofens, wo die Kopillen noch die Güsse umhüllten, und sah oben auf dem Schlackenboden seinen Vater, der eine Form nach der andern anhängte und durch den Kran abstreifen ließ. Aus den fernen Feidern des Baues rasselte Maschinengesang. D## Einstellungsflammen der Glühöfen flackerten m## trübe Lampen herüber. Jetzt sah er Alois, der ihm zuwinkte, ganz vor sich. Martin mußte lächeln über das, was er soeben geträumt. „Vater! Vater!“ schrie er plötzlich. Die Kräne donnerten— niemand hörte ihn. Der Handsack Alois' hing am Haken der Krankette und zog den ganzen Körper mit. Sekundenstille— da stürzte Alois hinäh — kleine Flaschen züngelten auf. Der Maschinist stoppte— zu spät. Martin riß sein Schurzfell ab und sprang zur Grube. Zu spät! Der Bart seines Vaters kräuselte sich qualmend hinein in ein nacktes Gesicht. Wimperlose Augen sah er vor sich— flammende Kleider. Zwanzig Hände faßten nun zu, rissen und schnitten die Kleider herunter— zu spät... „Zu spät!“ furchtbar wand sich das Wort aus Martins Brust— Welten umspannend. Da lag vor ihm eine Gestalt— wie ein nackter Knäuel blutigen gekochten Fleisches und— eine Seele, die er Vater nannte.. Oft brechen urplötzlich Schatten des Todes auf und legen sich über trostlose Weiten. Doch hinter ihnen zucken Lichter des Lebens... Als der stille Wagen Alois aus dem Operationsraum des großen Krankenhauses wieder zurückbrachte, standen die Aerzte in ernstem Sinnen. „Mehr als der vierte Teil der Haut verbrannt; schwerer Fall— und doch, es muß versucht werden. Es wäre schade um den prächtigen Alten—“ hörte Martin den Chesarzt sprechen. Er fühlte ein Würgen in seiner Brust. Neben ihm stand Christine, die die nicht hörte. Sie war gefaßt und ruhig— in ihrer Hand lag ein Rosenkranz, den sie soeben gebetet. Wohl hätte die erne Mitteilung über das entsetzliche Unglück ior fast den Rest gegeben, aber standhaft wie ihre Seele blieb der Körper dieser Frau. Sie lebte fast nur noch in der Ewigkeit. In Martin war seit dieser furchtbaren Nacht eine große Veränderung vorgegangen. Er wich der Menge mehr als bisher. Er empfand es als Notwendigkeit, um Einkehr zu halten bei sich selbst. Das Mitleid, das ihm Arbeitskameraden entgegenbrachten, tat wohl, aber furchtbar traf es ihn, wenn er aus dem Munde der Rohesten noch banale Spöttereien hörte. Er empfand, daß die Tierheit im Menschen stärker lebte, als er geglaubt. Ein Gedicht rang sich los in ihm, das seine gewandelte Seele schilderte: Grenzpfähle will ich rammen zwischen euch und mir, Und wenn sie bis ans Herz der Erde gehen: Ich bin kein willenloses Herdentier, Laßt mich in Durst und Einsamkeit vergehen; Ein Hund bin ich, der an der Kette kreist—* Doch einmal schlägt die Stunde, da sie reißt... * die herrlich erfrischende Zahnpaste macht die Zähne blendend weiß Tube 60 Pig., große Tube Mark 1.— braucher einen Verfälschungsprozeß. Denn sie kann ohne chemische oder maschinelle Hilfsmittel so versälscht werden, daß der Laie die Verfälschung garnicht erkennt. Sie kann entrahmt und mit Wasser verdünnt werden oder es kann ihr Magermilch zugesetzt werden. Auch kann die Milch gefährlich werden als VerPbreiterin von Krankheitserregern, die nur durch die Milch übertragen werden können bei der Produktion durch rückständige Produktionsverhältnisse, beim Handel durch Fahrlässigkeit des Personals, oder von Tieren, die an Krankheiten leiden Die aufgezeigten Mißstände sind beseitigt, wenn eine zuverlässige Milchhändlerschaft vorhanden ist und keine Milch an den Verbraucher gelangt, ohne daß sie gorher auf ihre hygienische Beschaffenheit geprüft ist. Die zurzeit in Kraft befindlichen gesetzlichen Handhaben reichen nicht aus, um dieses Ziel zu erreichen. Eine Reihe von Städten war bereits auf Grund der Kriegszwangswirtschaftsgesetze dazu übergegangen, die Pklchversorgung zentral zu regeln und die Versorgung der ganzen Stadt von einem einzigen, unter ständiger Kontrolle stehenden Milchhof vorzunehmen. Damit war zu gleicher Zeit eine Säuberung der Wilchhändler Hand in Hand gegangen. Es wurde ver*, daß derjenige, der zum Milchhandel zugelassen werden wollte, die hierzu erforderliche Sachkenntnis und Zuvérlässigkeit besaß, daß er die erforderlichen Räurplichkeiten hatte, und daß er ein bestimmtes Mindestn# von Milch in Verkehr brachte. Gerade diese letzte Bestimmung ließ eine Reihe von Milchhändlern ausscheiden. Das mochte zwar bedauerlich sein, weil ihre Existenzen vernichtet wurden, aber mit Rücksicht auf Gesundheit und Leben von Hunderten, rielleicht von Tausenden, durfte man von den eingeschlagenen Maßnahmen nicht abgehen. Oben habe ich schon darauf hingewiesen, wie leicht es gerade bei der Milch ist, den Verdienst durch kostenlose Zusätze zu steigern. Für Händler mit geringem Um aße besteht daher stets die größte Versuchung, durch Zusetzen von Wasser und dergleichen sich einen auskömmlichen Verdienst zu schaffen. Eigentlich selbstverständlich erscheint die Bestimmung, daß Sachkunde und Zuverlässigkeit verlangt werden Ebenso sollte man es für selbstverständlich halten, daß der Milchhändler die zur die Aufbewahrung der Milch erforderlichen Räume hat. Ueber die Rechtsgültigkeit dieser Verordnungen waren jedoch Zweifel entstanden, nachdem das Oberverwaltungsgericht in einem Streitverfahren die auf die Reichsmilchverordnung sich stützende Polizeiverordnung einer Stadt des Industriebezirkes für ungültig erklärt hatte. Um einen sicheren Rechtszustand wieder herzustellen, wurde das Gesetz zur Regelung des Verkehrs mit Milch vom 23. 12. 1926 erlassen. In diesem Gesetz sind die bisher in Kraft befindlichen Vorschriften der bestehenden Milchverordnung, soweit sie sich bewährt haben, übernommen worden. Dieses Gesetz ist jedoch kein endgültiges. Es wurde nur erlassen, um die Ergebnisse langjähriger Arbeit in zahlreichen Städten nicht verschwinden zu lassen. Auf Grund des erwähnten Gesetzes vom 23. 12. 1926 hat der Magistrat der Stadt Herne am 28. 2. 27 eine Anordnung über die Regelung des Milchverkehrs erlassen. Diese Anordnung bezweckt eine einwandfreie Gestaltung der Milchversorgung und sie gibt # Vorschriften, die Gewähr dafür bieten, daß dieser Handel nur von fachkundigen und zuverlässigen Persönlichkeiten in sachgemäßer Form insbesondere in zweckdienlich eingerichteten Räumlichkeiten ausgen#t wird. Weiterhin bestimmt die Verordnung, daß Personen, denen eine zu geringe Menge Milch zur Verfügu tgsteht und bei denen die Gefahr einer unhygienische und unrentablen Verteilungsart zu befürchten ist, von der Zulassung zum Milchhandel ausgeschlossen swerden. Diese Bestimmungen sind durchaus als vorläufig anzusehen, die, sobald eine Rechtsgrundlage geschaffen wird, weiter auszubauen sind. Mit Hilfe dieser Anordnung können die gröbsten Mißstände in der Milchversorgung beseitigt werden. Diese Anordnungen geschehen nicht im Gegensatz zur Milchhändlerschaft. Es ist für das Fortschreiten der Einsicht auch gerade bei den Milchhändlern bezeichnend, daß aus diesen Kreisen heraus Anordnungen der erwähnten Art gefordert werden. Auch gerade die Milchhändlerschaft verlangt eine ständige Kontrolle und eine Handhabe, daß unzuverlässige Elemente vom Milchhandel ausgeschlossen werden. In Herne sind wir allerdings noch sehr weit von dem Idealzustand entfernt. Eine ständige Kontrolle ist nicht gegeben. Nur zeitweise können Kontrollen durch Probeentnahmen stattfinden. Lange Verhandlungen zwischen Stadt und Milchhändlerschaft haben endlich als Ergebnis zeitigen können, daß wenigstens ein Teil der Milchhändlerschaft bereit ist, im Verein mit der Stadt eine zentrale Milchverteilungsstelle zu schaffen, in der die zu verteilende Milch einer ständigen Kontrolle unterworfen ist und die dem Milchhändler die Schaffung von Räumlichkeiten zur Aufbewahrung von Milch erspart. Für Kinder ist allerdings auch heute schon eine einwandfreie Milchlieferung durch die städt. Milchküche gewährleistet. Wird die Anordnung des Maaistrats vom 28. 2. 1927 durchaeführt, so wird wenigstens schon das erreicht, daß sich unter Abstoßung ungeeigneter Elemente „ eik angesehener Milchhändlerstand bildet, zu dem die Verbraucherschaft Zutrauen haben kann, wenn auch nicht das letzte Ziel erreicht ist, das für die einwandfreie Versorgung der Stadt mit Milch erstrebt werden Pa. Zweihundert Jahre Streit und Kampfzwischen Strünkede und Recklinghausen. (Auszug aus einer demnächst erscheinenden längeren Abhandlung.) Ein um die Recklinghäuser Mark entbrannter Streit zwischen der Stadt Recklinghausen und d.im Hause Strünkede zog sich durch mehrere Jahrhunderte hindurch. Er nahm im Jahre 1405 seinen geschichtlichen Anfang. Die Strünkeder versuchten mit allen dem Raubadel zu Gebote stehenden Machtmitteln, die Recklinghäuser in den Rechten der Nutzung der Mark einzuschränken. Die Reckinghäuser verteidigten ihre altüberkommenen Ansprüche. Sie waren in ihren Abwehrmitteln aber auch nicht allzu wählerisch. Eine Viehbeschlognahmung(von weicher Seite sie erfolgte, häuser zu beunruhigen. Es wurde die Burg von den Bürgern der Städte Recklinghausen und Dorsten gesturmt und vollständig zerstört. Doch war Bernd nicht besiegt, als es gegen Ende des Jahres 1409 zu einem Vertrage kam. Unter den Nachfolgern Goddert und Johann nahm der Streit seinen Fortgang. Johann erzielte durch ein Zeugenverhör im Jahre 1471 vor dem Richter Steinhaus in Bochum ein sehr günstiges Urteil. Nach diesem Urteilsspruche waren die Strünkeder nicht nur in der Mark nußungsberechtigt, sondern sogar bevorzugte B.sitzer. Durch einen Kampf mit den Adeligen des südlichen Munsterlendes, den Stevelingen, gehindert, hat Johann seine Ansprüche nicht geltend gemacht. Die Tat war seinem Nefsen Reinert v. Strünkede vorbehalten. Reinert war einer der gefurchtetsten Raubritter der damaligen Zeit. Geboren im Jahre 1455 Mutter! Wünschest Du Dein Kind Kerngesund, mit roten Wangen P Moßt im Laden nur geschwind Zwieback„Emmerlinge“ verlangen. 0 Dem Herner Anzeiger zum Geleit in sein Eigenheim. Von Verleger J. Koethers, z. It. Rom. ∆) ir Katholiken haben alle Ursache, uns über das Gedeihen und den Fortschritt unserer katholischen Presse zu freuen, denn je leistungssähiger unsere katholische Presse ist, desto besser ist sie dann auch in der Lage, unsere katholischen Interessen im öffentlichen Leben wirkungsvoll zu vertreten. Der hl. Vater, unsere Bischöse und Priester und unsere deutschen KatholikenVersammlungen, die alle durchdrungen sind von der hohen Bedeutung, die die Presse im allgemeinen sich im modernen Leben der Völker errungen hat, so daß man heute mit voller Berechtigung von der„Großmacht der Presse“ spricht, ermahnen deshalb immer wieder von neuem die Katholiken, vor allem für eine gediegene, leistungsfähige katholische Presse zu sorgen. So sagte ja bekanntlich der sel. Papst Pius X. u. a.:„Ihr möget Kirchen bauen und Missionen halten, so viel Ihr wollt, vernachlässigt Ihr aber Eure katholische Presse, so ist all Euer Bemühen umsonst.“ Wo immer die Katholiken diesen von höchster Stelle gegebenen Mahnungen entsprechen und ihr katholisches Organ nach besten Kräften durch Abonnement, Zuwendung von Inseraten und Druckaufträgen und Empfehlung in Bekanntenund Freundeskreisen tatkräftig unterstützen und so immer leistungsfähiger gestalten, da ist es um die katholische Sache und deren Vertretung im öffentlichen Leben, um die katholische Presse gut bestellt. Da blüht das religiöse Leben in Kirche und Gemeinde, da erhält die breite Oeffentlichkeit durch das katholische Organ auch Kenntnis von katholischen Veranstaltungen, und da erfreut sich der Katholizismus auch bei den Andersgläubigen einer viel größeren Achtung und Wertschätzung, als es da der Fall zu sein pflegt, wo man über alles Katholische nur unklare und irrige Vorstellungen hat und unsere katholische Religion in ihrer Erhabenheit und Schönheit und in ihrem die Welt beglückenden Wirken nicht kennt. Der Herner Anzeiger hat sich in mehr als 20jährigem Kämpfen und Ringen, in steter getreuer Vertretung unserer katholischen Ideale, dank der tatkräftigen Unterstützung, die ihm in immer größerem Maße von Seiten seiner treuen Leserschar und der geneigten Geschäftswelt zuteil wurde, zu der heutigen, von Freund und Feind anerkannten Leistungsfähigkeit emporgeschwungen. And wenn der langgehegte Wunsch nach einem praktischen, modernen Eigenheim, dessen Erfüllung infolge des ständig wachsenden Betriebes zu einer immer zwingenderen Notwendigkeit wurde, sich Gott sei Dank nun endlich verwirklicht hat, so werden auch die Leser und Geschäftsfreunde des Herner Anzeigers, dessen wird sich der Verlag versichert halten dürfen, diesen weiteren Fortschritt mit Freuden begrüßen und ihm wünschen, daß ihm auch im nunmehrigen Eigenheim weitere schöne Erfolge beschieden sein werden. Das walte Gott! ist nicht bekannt) entfachte den Funken des gegenseitigen Mißtrauens zur hellen Glut. Um aber doch ohne Raub= und Fehdezug den Vorfall zu erledigen, einte man sich auf eine mündliche Verhandlung. Bernd von Strünkede zog, mit dem schriftlich zugesicherten Geleitwort in der Tasche, in Begleitung seiner Knechte getrost nach Recklinghausen. Die Verhandlung dauerte bis in die Nacht hinein, war aber ohne Erfolg. Nach freundschaftlicher Verabschiedung begab sich Bernd mit seinen Reisigen auf den Heimweg. Zwei Bürgersleute, die sich ohne Wissen der städtischen Behörde nach einer halben Stunde zum Stadtter hinauswagten, trafen die Strünkeder dort noch an. Sie fingen mit ihnen Händel an und erschlugen einen Knecht. Nun war das zugesicherte Geleitwort gebrochen. Es hielt jetzt nicht schwer, unter dem andern Adel Bundesgenossen gegen die treulose Stadt zu finden. Diese wandte sich in einem Sammelschreiben an den Bischof von Münster, den Grafen Adolf von Cleve und von der Mark, und an viele umwohnende Ritter und Knappen und bat um Beistand, die Angelegenheit durch ein Rechtsverfahren aus der Welt zu schaffen. Nicht lange dauerte es, da zog das Unwetter über Recklinghausen herein, das 4 Jahre anhielt. Die Kampfführung der damaligen Zeit geschah in der Weise, daß man sich auf Raubund Plünderungszüge beschränkte, bei denen dann die Bauernhöfe niedergebrannt und das Getreide auf den Feldern vernichtet wurde. Wahrscheinlich hat Bernd während dieser Zeit sich auf der ihm gehörenden Burg □ Loe bei Marl festgesetzt, um von hier aus die Reckling verkörperte er so recht den aufbäumenden Trotz des Adels gegen die im Jahre 1495 durch den Wormser Reichstag auferlegten Fesseln, der alle Fehden untersagte. Es konnte nicht Wunder nehmen, daß er als streit= und rauflustiger Geselle bald mit den Recklinghäuser Markgenossen in Kampf geriet. Die Anmahnung zur Bezahlung einer alten Forderung bildete den Anfang des Zwistes. Hinzu kamen dann die vorgebrachten Ansprüche auf die Nutzung der Mark. Reinert legte eigenmächtig in der Mark Schweineschotten(Verschläge) an. Die Recklinghäuser zerstörten sie und brachen sogar die Brücke ab, die über die Emscher führte. Mit vermehrtem Eiser huldigten sie von nun wieder der Jagd in der Mark. Sie gewährten sogar seinen Feinden Aufenthalt in ihrer Stadt. Im Verein mit Recklinghäuser Bürgern drangen seine Widersacher immer wieder in das Gebiet ihres Todseindes ein und raubten und plünderten. Reinert suchte nicht den offenen Kampf. Vielmehr lagen seine Knechte und Mannen jeden Tag in den Büschen auf der Lauer. Endlich gelang es ihnen, am 3. Juli 1497, den Ambrosius v. Westerholt und noch 3 Bürger gefangen zu nehmen. Reinert schenkte den Bürgern vald die Freiheit wieder, setzte dagegen den Verwandten der adellgen Familie in Haft. Für seine Freilassung wollte er unbillige Zugeständnisse erpressen. Alle Bemühungen der Stadt und des vestischen Adels prallten ab an dem Starrsinn des Strünkeders. Auch der Versuch, eine Vermittelung des Herzogs von Cleve zu erreichen, scheiterte. Nach längerer Zeit versuchte es Reinert auf seine ihm eigene Weise, das Ziel zu erreichen. Er legte dem Ambrosius einen Vertrag, der auf die Stadt ReckUnghausen lautete, zur Unterschrift vor. In Schriftstück ließ er sich von den Recktinghäusern gehende Zugeständnisse machen. Ein eidliche#### chen verpflichtete den Freigelossenen, innerhalb denächsten 14 Tage entweder das Schriftstück Siegel der Stadt zurückzubringen, oder aber 50gulden zu zahlen. Beides geschah nicht. Nun fürc man sich in Recklinghausen vor Raub und Brano. Abermals versuchten sie, die Hilfe des Herzogs in An pruch zu nehmen. Dieser zeigte sich wieder sehr zurückhaltend. Doch scheint es, daß der Herzog dahin wirkte, die Sache vor ein Schiedsgericht zu bringen. Die Recklinghäuser erzielten ein günstiges Urteil. Als nun aber zwei Reckinghäuser Bürger dem Strünkeder Bauern Dirich Hülsmann zu Pöppinghausen fünf Pferde stahlen, erwachte der alte Groll. Märkische Amtoleute, Richter, Gerichtodiener und ein Hausen Untersassen drangen in Recklinghäuser Gebiet ein. Der eine Dieb, Johann Leushacke, der auf dem geweihten Boden des Friedhoses in Suderwich Schutz suchte, wurde hier erschlagen. Reinert billigte diese Tat durch ein Schreiben vom 14. Oktober 1505. Die Stadt Recklinghausen, obwohl nicht verantwortlich für den Diebstahl, ersetzte dem Geschädigten nicht nur die Pferde, sondern auch allen Schaden, der erwachsen war. Nach vielen ungerechten Streichen und mehrmaligen Empörungen gegen seinen Lehnsherrn, den Herzog von Cleve, sand Reinert als Gefangener im Turm seiner Burg im achtzigsten Jahre seines Lebens ein unrühmliches Ende. Der Sohn Reinerts, Jost mit Namen, ist der Ritter, dem die Sage„vom dullen Joest" unverdienter Weise arg mitgespielt hat. Er war in seiner Jugend am Hofe des Herzogs von Cleve und erwarb sich dessen Gunst. Er erhielt dann auch Strünkede als Lehen übertragen. Dabei ader mußte er als Sohn ein trauriges Amt übernehmen. Der Herzog verpflichtete ihn, der Gesangenenwärter seines Vaters zu ein. Von jetzt ab wagte es kein Strünkeder mehr, sich gegen den Herzog auszulehnen. Um so fester und starrer aber suchten sie ihre Rechte an der Recklinghäuser Mark zu verteidigen. Kaum fühlte sich der im Jahre 1500 geborene Jost im Besitze seiner Güter gevorgen, da begannen auch schon wieder die alten Streitigkeiten. Nach vielen Reibereien kam es zu einer mündlichen Besprechung in Recklinghausen. Jost vergaß in seiner Erregung alle seine Ritterwürde. Er ließ sich dazu hinreißen, ein Mitglied der Versammlung recht kräftig am Bart zu zupfen. Diese Schmach mußte gebührend gerächt werden. Die Sturmglocken läuteten, die Bevölkerung kam in Aufruhr und eille schwer bewaffnet herbei. Jost ergriff mit seinen Leuten das Hasenpanier und suchte sich eiligst zu retten. Dabei ritt er(wie Jost es in einem Schreiben ausdrückt) unabsichtlich in eine der Stadt gehörende Schafherde. Bei dieser Gelegenheit müssen viele Tiere zu Tode gekommen sein. Die Recklinghäuser sahen nach diesem„Heldenkunststückchen“ in ihm einen ungefährlichen, harmlosen Gegner und trotzten von nun allen seinen Forderungen. Sie verweigerten ihm sogar das ihm gewohnheitsmäßig zustehende Holz. Um ihn überhaupt kalt zu stellen, ließen die Schernen (Aussichtführenden) ein in Frage stehendes Holzgelände mit einem Plankenzaun umgrenzen. Die Drohungen Josts wurden im Best nicht beachtet. Jost schritt zur Selbsthilfe und ließ den Zaun abbrechen und verbrennen. Nun wurden die im Recklinghäuser Gebiet liegenden Strünkischen Güter mit Beschlag belegt und Jost zur gerichtlichen Verantwortung eingeladen. Jost lehnte ab mit der Begründung, daß er sein Recht auf dem Boden der Grasschaft Mark verteidigt habe und für ihn deshalb nur das Gericht des Herzogs von Cleve oder das des Drosten in Bochum zuständig sei. Nach langem, vergeblichem Bemühen der Recklinghäuser, die Streitsache auf friedlichem Wege zu schlichten, ließen sie endlich durch einen richterlichen Spruch die im Veste liegenden Güter des starrköpfigen Jost für verfallen erklären. Aber auch jetzt versuchten sie es noch immerfort, friedlich zum Ziele zu kommen. Alles war umsonst. Dennoch folgten Zeiten, in denen es den Anschein hatte, als sei die Streitaxt begraben. Als aber im Juni des Jahres 1528 drei Recklinghäuser Bürger und einer aus dem Münsterschen in der Nähe des Hauses Strünkede auf der märkischen Seite fischten, nahm Jost mit seinen Knechten einen Recklinghäuser und den Münsterschen gefangen. Er ließ sie in den Turm bringen. Zu ihrer Befreiung erschien ein Bürgerhaufen aus Reckling= hausen vor der Burg, um zu verhandeln. Während ein Teil sich mit Jost um die Befreiung der Gefangenen herumzankte, war der andere Teil in Herne auf der Suche nach Gefangenen. Mehrere Strünkeder Bauern wurden dann auch als Geiseln mit über die Emscher geschleppt. Jost, der sich der neuen Zeit angepaßt hatte, zog nicht auf Raub und Brandschatzung aus, wie es seine Vorfahren in diesem Falle sicherlich getan hätten, er nahm vielmehr die Hilfe seines Landesherrn in Anspruch. Schon eine Aufforderung des Drosten von Bochum genügte für die im Unrecht sich befindlichen Recklinghäuser, die Gefangenen freizugeben. Auch Jost entließ nach Bezahlung einer Geldbuße den Recklinghäuser Gefangenen. Die folgende Zeit brachte trotz zweimaliger Verhandlungen keine Einigung. Am 16. September 1528 zog sogar ein bewaffneter Hause an die Emscher zum Fischfang. Jost machte gute Miene zum bösen Spiel. Es genügte ihm, sich beschwerdeführend an den Richter in Bochum zu wenden, der sich dann auch des Strünkeders warm annimmt. Als Antwort gaben die Erbgenossen der Mark einen von dem Richter Heinrich von Uhlenbrouck ergangenen Entscheid bekannt, nach dem ihnen sogar das Eigentumsrech: an einem Weidekampstück übertragen war, das ursprünglich zu Strünkede gehörte. Nun schien es, als wenn an eine Einigung überhaupt nicht mehr gedacht werden könne. Da fiel am 29. Mai 1529 der Ritter Jost einer furchtbaren Bluttat zum Opfer. Von seinem eigenen Schmiede erschlagen, starb er, erst 29 Jahre alt. Ueber die Gründe der unseligen Tat schwebt ein tieses Dunkel. Die Witwe des Jost, eine geborene Margarete von Asbeck, unterhielt anfangs gute Beziehungen zu Recklinghausen. Es kam dann aber wiederum zu Reibereien, als sie, trotz des gegebenen Versprechens, nur 12 Schweine und 1 Eber zur Mast treiben zu wollen, Die LDahrung der eigenen Unteressen beim Ollöbelkauf erfordert von jedem Reflektanten auch einen unverbindlichen Besuch unserer Ausstellung. Auswahl und billige Dreise sind bestimmt eine Ueberraschung. Und für beste Qualilêt— bürgi unser Name INöbelhaus Kramm, assen, Simbecker Straße 97—103 Bild 10: Unsere 16 seitige Rotationsdruckmaschine. Zu den Maschinen, die bei allen Besuchern Erstaunen und Bewunderung hervorruft, gehört insbesondere unsere Notationsdruckmaschine. Eine Maschine von bedeutenden Maßen: 6,30 Meter lang 1.00 Meter breit 2,80 Meter hoch. Gewaltige Mengen von Eisen, Stahl und Messing hat hier der Geist des Insenieurs und Maschinenbauers zu einem Wunderwerk vereinigt. Walzen, Zylinder, Zahnräder, Spindeln, Schrauben, Bolzen, alles in solcher Ueberzahl oder derart wuchtigen Größen, daneben aber auch in kleinsten Abmessungen, daß die große Bewunderung des Beschauers wohl begreiflich ist. Aufs höchste aber steigert sich sein Erstaunen, wenn das Ungetüm durch die sichere Hand des Maschinenmeisters in Bewegung gesetzt wird. Der Druckvorgang selbst spielt sich in voller Sichtbarkeit ab. Die in der Gießerei fertiggestellten runden Bleiplatten werden auf den großen Zylindern stark befestigt. Aus vier Farbkästen wird die Druckfarbe entnommen, durch zahlreiche Walzen verrieben und auf die Bieiplatten übertragen. Die Papierbahn wickelt sich von den Papierrollen ab und gleitet zwischen Platten= und Druckzylindern zu den Schneidemessern. Hier werden die Bogen auf das richtige Format abgetrennt. Genau eingestellte Führungs. rollen Übernehmen die Bogen und bringen sie ins Falzwerk, wo das Falzen besorgt wird. Unablässig eilen die Bogen weiter und kommen auf dem Wege über die Sammeltrommel zum Auslegetisch. Bei je 50 Exemplaren ertönt ein hellklingendes Glockenzeichen und zeigt an, daß für eine neue Lage Platz gemacht werden muß. Das alles vollzieht sich mit außerordentlicher Gechwindigkeit. Der 20=PS=Motor entwickelt eine riesige Kraft und bringt die wuchtig großen Stahlzylinder und die schweren Zahnräder in ein rasendes Tempo. Jede Verständigung ist unmöglich. Die in der Maschine ruhenden Zauberkräfte sind von ihren Fessein befreit und drängen nach voller Ausdehnung. Alle Sinne des verantwortlichen Maschinenmeisters sind jetzt aufs äußerste angestrengt. Aber er kennt gründlich die ihm anvertraute Maschine und weiß, daß der Organismus der rasenden Maschine wohl in Ordnung ist und der leichte Druck auf den Schaltknopf genügt, um das Räderwerk sofort zum Stillstand zu bringen.... Ohne Unterlaß dröhnt die Maschine weiter, im Botenraum nebenan aber zählen flinke Hände die deren 84 Stück auftrieb. Die Schweine wurden beschlagnahmt und öffentlich versteigert. Durch die Vermittlung des Herzogs erhielt sie einen Teil der Schweine zurück. Gleichsam, um Rache zu üben, erschienen 200 Recklinghäuser an der Emscher, um Fischfang zu treiben. Um diesem Frevel zu fühnen, wandte sich die Witwe an die herzogliche Regierung in Hörde und bat um Hilfe und Beistand. Auch unter ihrem Sohne Goddert blieben die gespannten Beziehungen. Er richtete an der Emscher einen Wachtdienst ein. Mit Gewehren bewaffnete Landsknechte benahmen sich dort äußerst roh gegen die Recklinghäuser. Als sie einmal einen Dietrich von der Horst und Johann Schmeding antrafen, hielten sie diesen die Gewehre auf die Brust, und beide wären erschossen worden, wenn man Fische bei ihnen vorgefunden hätte. Ein Bürger wurde von den Knechten mit einer Kugel in den Oberschenkel getroffen. Der Vikar Osthoff mußte wegen Fischfrevels eine ihm vom Richter in Bochum zudiktierte Strafe von 20 Wochen verbüßen. Die Recklinghäuser ließen es an Wiedervergeltungen nicht fehlen. Sie beschlagnahmten nicht nur das Vieh des Goddert, sondern sie holten sogar in einer Nacht einen Eigenhörigen des Strünkeder aus dem Bette heraus und führten ihn nach Recklinghausen. Nun stellte es der Herzog dem Goddert anheim, sich mit den Bauern des Amtes Bochum schadlos zu halten. Am 8. Juli 1564 versammelten sich die aufgebotenen Bauern aus Herne, Bochum, Castrop, Lütgendortmund, Wattenscheid und Gelsenkirchen auf dem Schultenhofe zu Pöppinghausen. Die Emscher erhielt in der Nacht scharfe Wachtposten, damit am gegenseitigen Ufer ja nichts von dem Ueberfall bekannt werde. Zwei am frühen Morgen ausgeschickte Kundschafter kamen mit der Meldung zurück, daß die Recklinghäuser Viehherde, nur von dem Hirten und einem Jungen bewacht, zwischen dem Ortloh und dem Kunibertitore lagere. Auf diese Nachricht hin setzte sich der Troß in Bewegung. Es waren 40 Reiter und mehrere hundert Fußgänger. Sie alle starrten in Wehr und Waffen. Vorauf ritten Goddert von Strünkede, der Droste des Amtes Wetter, Jörgen von Boenen, der Droste des Amtes Bochum, Melchior von Dellwich, der Richter zu Bochum, Wessel von der Lembeck, der Richter zu Castrop, Peter Swardt, und der Bochumer Bürgermeister Heinrich Roifhacken. Der Ueberfall glückte. Der Kuhhirt Bernhard Pill wurde in Fesseln gelegt, aber nicht, wie anfangs beabsichtigt war, mit nach Strünkede genommen. Sein Sohn erhielt mit einer Feuerbüchse den Rücken bunt und blau geschlagen. Die ganze Viehherde, 198 Stück Kühe, trieb man bis zur Emscher, wo 108 der besten heraus gezählt wurden. Die anderen blieben zurück. Der Hauptanführer bei diesem Ueberfall war ein Jost, der Halbbruder Godderts. Die Recklinghäuser waren nicht gewillt, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, vielmehr wandten sie sich an das Reichskammergericht, dem jetzt die Schlichtung von Streitsachen übertragen war. Die Anklage lautete auf Landfriedensbruch. Zunächst ordnete das Kammergericht an, daß nichts unternominen werden solle, was an Gewalt grenze. Dessen ungeachtet ließ Goddert auf alle schießen, die beim Fischfang angetroffen wurden. Am 22. Mai 1566 schoß der Landsknecht Christoph von Störmede den Bürger Johann Schwertfeger in die Lende. Der Verwundete erlag am anderen Tage seiner Verletzung. Der Uebeltäter flüchtete ins Ausland. Zehn Jahre Exemplare und übergeben sie den Zeitungsbotinnen. Auch sie treibt die Eile, auch sie haben nur einen Auftrag zu erfüllen: Mit größter Beschleunigung den„Anzeiger“ den verehrl. Lesern ins Haus zu bringen! ** Einige Einzelheiten von unserer Rotationsdruckmaschine werden die Leser noch interessieren: Mit ihrer Aufstellung in unserem Neubau wurde bereits am 13 Juli v. J. begonnen. Zu dieser Zeit war der Maschinensaal erst im Rohbau fertig. Bis Ende August waren eine Reihe von Monteuren Tag für Tag tätig, bis der Koloß in seinem Aeußeren vollendet dastand. Nun begann die langwierige Arbeit des inneren Ausrichtens, des Probelaufes, der Nachbearbeitung usw. Gründliche Vorbereitungen erforderte auch die Errichtung des Fundaments für die Maschine. Da es in Fachkreisen bekannt ist, daß solch große Maschinen erhebliche Geräusche und starke Erschütterungen hervorrufen, mußte mit Rücksicht auf die bebauten Nachbargrundstücke alles getan werden, um Klagen aus dem Wege zu gehen. Deshalb erhielt die Maschine umfangreiche Korkiselierungen und ein massives eigenes Fundament. Die Tiefe beträgt etwa zwei Meter. Mit dem gesamten übrigen Mauerwerk steht es in keinerlei Berührung. Rings berum geht eine isolierende Luftschicht. Etwa ½ Meter unter Fußbodenhöhe befinden sich ganz dicke Korkplatten, hergestellt von der größten deutschen Spezialfirma für Isolierungen. Das Ergebnis dieser vorsorglichen Schutzmaßnahmen ist sehr gut! Bild 11: Druckpapierrollen. Ein Doppelwaggon Druckpapier ist angekommen, wurde auf dem Geschäftshof abgeladen und wandert nun mittels Aufzuges hinunter in den großen Papierkelier. Jede Rolle hat ein Gewicht von etwa sechs Zentnern und enthält eine Papierbahn von 7—8000 Metern. Die Rollen sind sehr empschon wurde der kostspielige Prozeß hingeschleppt, und vorläufig war kein Ende zu erwarten. Weil Goddert schon längere Zeit dem Irrsinn verfallen war und die Vermögensverhältnisse der Herrschaft auf Strünkede denkbar ungünstig lagen, so suchte die Vormundschaft durch einen Vergleich den Streit und Prozeß aus der Welt zu schaffen. Die Gegner einigten sich am 5. Januar 1374. Das Haus Strünkede mußte in seinen Forderungen bedeutend nachgeben und zudem noch wesentliche Opfer aufbringen. Gerade diesem Umstande ist es wohl zuzuschreiben, daß der Vergleich erst nach 20 Jahren die landesherrliche Bestätigung fand. Jobst. der Sohn Godderts, hatte gar keine Eile, den Vertrag rechtskräftig werden zu lassen. Die Belästigungen und findlich, deshalb werden sie durch Holzpfropfen, Packpapier, Bretterverkleidung und Bandeisen geschützt. Werden die Rollen verdruckt, so gelangen sie auf kürzestem Wege mittels elektrischen Aufzuges in den Maschinensaal. Alle paar Wochen ist eine Ladung verbraucht. Schikane begannen von neuem. Strünkede sperrte den Recklinghäusern die Emscherzugänge zu der Zeit, wenn die Moene(Fischart— Rotbart, Wels) in Scharen den Fluß hinaufstiegen: Baumstümpfe und Eichbäume warf man ins Flußbett, wodurch nach Meinung der Gegner der Fischbestand abnahm. Ebenso singen sie wieder an, das verlaufene Vieh zu beschlagnahmen. Insolge der religiösen Wirren und der politischen Gegensätze damaliger Zeit war an eine richterliche Entscheidung nicht zu denken. Wenn Jobst auch zuletzt den Vertrag dem Buchstaben nach wohlachtete, so blieb er doch voller Groll gegen die Stadt Reckling= hausen. Selbst in der allergrößten Notlage, in der sich die Stadt befand, konnte er kein Mitleid für sie aufbringen. Recklinghausen, am 16. Dezember 1598 von den Spaniern erobert und mit einer hohen Geldbuße belegt, verpfändete, um Geld zu bekommen, ihre Fischereigerechtsame in der Emscher. Die Mitz von Virmundt auf Bladenhorst, die Schwieg#nutter Jobsts, mußte für das 10 Jahre währende Fischrecht 350 Taler bezahlen. Jobst legte Verwahrung ein und verlangte die Verpfändung an das Haus Strünkede. Zur Erreichung seines Zieles bediente er sich sogar des spanischen Obersten Sapena. Dieser trat dann auch auf Seite des Strünkeders und drohte der Stadt int Falle der Nichtverpfändung der Fischerei an Joh', mit den Einwohnern so zu verfahren, daß„Ihnen die Haare auf dem Kopfe kröchen". Da nichts zu erreichen war, griff Jobst zur Tat. Am besten Fischplatz ließ er in der Nacht vom 5. zum 6. Juli Schanzwerke ausheben und mit bewaffneten Knechten besetzen. As 1 nun die Diener der Badenhorster Gutsherrschaft erschienen, wurden 20 bis 30 Schüsse auf sie abgefeuer.. Die Geängstigten ließen ihre Fanggeräte im Stich, flüchteten und suchten Deckung. Jobst selbst war hinzugekommen, schoß herzhaft hinter den Ausreißern her und hätte um Haaresbreite beinahe einen erschossen. Die Witwe von Virmundt verlangte von Recklinghausen Schadenersatz und weigerte sich ganz energisch, mit Jobst, ihrem Schwiegersohne, zu verhandeln. Sie verlangte zum Schutze ihrer Diener ein Bürgeraufgebor. Die Stadt wandte sich an den Landesherrn. In Horneburg traten die Parteien zur Regelung der Angelegenheit zusammen. Jobst, ein pfiffiger Rechesgelehrter und in allen Sachen bewanderter Staatsmann, verteidigte seine Ansprüche so geschickt, daß man unverrichteter Dinge wieder von dannen zoa. Der Streit ging weiter und endete auch noch nicht, als Jobst bald danach starb. Nach einem Jahrzehnt wurde das Offizialgericht in Werl angerufen. Auf beiden Seiten kam jetzt die jahrelang aufgespeicherte Erbitterung zum Durchbruch und vergrößerte die Feindschaft zus schen der Stadt Recklinghausen und dem Hause Strünkede noch mehr. Der Ausgang des Prozesses ist nicht bekannt. So hat sich der Haß und Groll der Einwohner ron Recktinghausen und dem Geschlecht der Strünkeder durch Jahrhunderte hindurch gezogen. Immer wieder fand sich durch irgend ein Vergehen, eine gegenseitige Reizung neuer Nährboden. Man kannte weder hüben noch drüben ein Verzeihen und Vergessen Von Mund zu Mund, von Geschlecht zu Geschlecht hatte sich der beinahe ewig währende Streit und Kampf dem Gedächtnis des Volkes fest eingeprägt. Geschichtliches und Sagenhaftes ist dabei vermischt worden. Was aber lag der Volksseele bei solchen Erzählungen näher, als die vielen Namen der Uebeltäter verschwinden zu lassen und eine Person zum Träger all der Schurkenstreiche zu machen. So ist es auch geschehen. Daß wir nun gerade einen„dullen Jovs:“ haben, hat seinen Grund zum Teil sicher darin, w.il nicht weniger als sechs Strünkeder Träger dieses Namens sind und somit der Name Jobst mit derWorte Strünkede beinahe geläufig geworden war" Dazu kommt noch der Umstand, daß gerade drei Jobste es waren, die den Recklinghäusern bittere Feindschaft geschworen hatten. Das tragische Ende des ersten Jobst, der von seinem Schmiede in der Blüte seines Lebenerschlagen ist, hat sich dann noch besonders scharf in Gedächtnis erhalten und ihn so zum„Helden“ der Sage gemacht. Dabei ist dann aber, schon aus einem gewissen Nationalstolz heraus, der Strünkeder Schmied durch einen Recklinghäuser Schmied oder Metzger abgelöst worden. D. Abonniert den Herner Anzeiger, “ a m t l i c h e s O r g a n, o l e i c h z e i l i g A n z e i g e r f ü r d a s A m t Sodingen(Amisblatt) und Gerlher Anzeiger!— lockendem, einschmeichelndem, sinnbetörendem, verührerisch=süßem Sang erklingen. Und da werden ach so viele gewonnen! Stolz erhebt sich die Höllen pforte, denn„breit ist das Tor". Der Künstler hat ihr durch den gotischen Stil und angebrachte Blumenampeln das rechte Ansehen verliehen. Und da heraus strömen dem höllischen Abgrund zu die sieben Haupt sünden. Wieder bleibt der Meister allegorisch. Allen voran, der Hölle fast schon verfallen, schreitet ein Weib, in der Hand den Spiegel, eitel aufgeputzt und geschmückt, überhebend sich gebärdend: die Hoffart. Hinter ihr ein Mann, fast scheint es Judas, denn er läß## mit wonnigem Behagen Goldstücke in die gefüllfe Börse hineinklingen: der Geiz. Dahinter versteckt sich ein Einzelner, der sein Tun im Dunkeln vollbringt: die Unkeuschheit. Einer lugt dem Geizigen über die Schulter, gierig blicken die Augen, fahl ist sein Antlitz: der Neid. Gerade vor dem Tor angelangt geht eine korpulente Gestalt, fast aufgedunsen vom Wohlleben: Unmäßigkeit im Essen und Trinken. Efolgt einer, hochrot vor Wut, wild in seinen Gebärden, r rzerrt in seinen Zügen: der Zorn. An der Mauer — Hinter den Hauptsünden her wandeln die betörten Menschen.— Unten im Höllenabgrund wartet hohnlachen ein Teufel; ein Band hält er, das oben am Ran des Abgrundes eine Schlinge zuziehen kann, die mit Rosen fast versteckt ist; immerhin bleibt sie dem Gewarnten— und wer wäre nicht gewarnt— sichtbar genug. Daß sich aber doch schon manche durch die fieben Hauptsünden in der Schlinge des Verführers haben fangen lassen, deutet der Maler an durch den Totenschädel, der in den Flammen der Hölle brennt.— Eine erschütternde Predigt ist diese Allegorie. Aber auch wieder erhebend und stärkend. Blicke nur nach oben: Auf der Brücke, die zur Stadt Gottes führt, steht St. Michael; ein leuchtendes Schild vor sich, das Flammenschwert in seiner Rechten— nicht abwehrend, nicht kämpfend, sondern einladend, anziehend; er ruft zum Himmel; schrecklich nur den bösen Geistern. Mit seiner Hilfe kann jeder den Teufel mit den Verlockungen der sieben Hauptsünden übe stvinden. So hat es der Meister verstanden, seinem erschütternden Bild das Entmutigende zu nehmen. Jeder Mensch hat ja mit der einen oder anderen der Sieben Hauptsünden zu kämpfen. Damit keiner murlos werde, läßt der Künstler von oben den helfenden Engel— er stellt, allegorisch genommen, die wirkliche Gnade dar— erscheinen zum kraftvollen Beistand. Wer also nicht will, der wird in den grauenvollen Abgrund nicht hineinstürzen, das will der Maler in seinem Kunstwerk predigen.—— Sechs Wandgemälde von hohem Kunstwer: schmücken die Riemker Pfarrkirche, geben ihr ein eigenartiges, vornehmes Gepräge. Wallers Schöpfungen— 1902 unter Pfarrer Berg wurden die Chorzemälde, 1964 die Gemälde der Querschiffe vollendet — reihen sich ebenbürtig an die Kunstwerke der Großen aus der Nazarenerschule an, sind noch fortschreitend, weitergehend, in modern leuchtenden Farben, vor allem ergreifend in ihrer Idee, angepaßt den Forderungen des heiligen Ortes der Kirche. Sie geben den Vorgeschmack des Himmels, sind laute Mahner zur Tugend, die Fortsetzung der Predigt, ja, eine beständige Verkündigung des Wortes Gottes. Zwanzig Jahre katholisches Arbeitersekretariat. „(Von Arbeitersekretär Weiß=Herne.) : D i e B e s t r e b u n g e n, f ü r H e r n e e i n k a t h o l. A r b e i t e r sekretariat zu errichten, setzten bereits 1905 ein. Der damalige Herner Geschäftsführer des Volksvereins für das katholische Deutschland, Vikar Düwell, unser heutiger Dechant, mit einigen Getreuen, waren Träger der Bewegung. Wie überall, so waren auch hier unendliche Schwierigkeiten zu überwinden. Zunächst galt es, Verständnis für die Notwendigkeit eines Sekretariats zu wecken. Nicht überall war es zu finden und far manche Tür schloß sich verständnislos. Es mußte aber auch eine finanzielle Grundlage geschaffen werden, und das war noch schwerer. Die Basis war zu schmal. Die Arbeiter= und Knappenvereine von Herne. Börnig, Sodingen und Holthausen waren zu schwach. So mußte zunächst ein Sekretär im Nebenamte angestellt werden. Es war dies der Schreiner Christian Schlick, heute an der Zentrale des christlichen Holzarbeiterverbandes in Köln. Bald zeigte es sich, daß eine nebenamtliche Kraft nicht ausreichte. Die Geldmittel reichten auch nicht mehr aus und so mußte man sich nach weiteren Bundesgenossen umsehen. Nach langen Verhandlungen schlossen sich die VerBild 12: Maschinensaal. Hier liegt in den allermeisten Fällen die Entscheidung darüber, ob eine Druckarbeit gesällt oder nicht. Darum beanspruchte auch der Maschinensaal bei Projektierung des Druckereigebäudes und seiner zweckmäßigen Einrichtung eine ganz besondere Aufmerksamkeit. Viel Licht und alles sehr übersichtlich, dies waren hier gleichfalls die wichtigsten Voraussetzungen. Trotz des vielen Hantierens mit den Druckfarben und ihren unheimlichen Tücken, mit Firnissen, Fetten und Oelen müssen die Maschinenmeister ausreichend Gelegenheit haben, mit allergrößter Sauberkeit das Drucken vornehmen zu können. Feine und feinste Papiere eine von Eickel, Hordel und Wanne an. Der Volksverein sagte namhafte Unterstützung zu, und so wurde am 24. November 1907, die Errichtung eines hauptamtlichen Sekretariats beschlossen. Da Schick inzwischen zur Holzarbeiterbewegung zurückgekehrt war, mußte die Stelle in der Westdeutschen Arbeiterzeitung ausgeschrieben werden. Unter zahlreichen Bewerbern wählte das Kuratorium am 15. März 1908, den bisherigen Arbeitersekretär J. Isenrath aus Osnabrück zum Arbeitersekretär des neuen Institutes. Am 1. Mai 1908 trat Isenrath seine Stelle an. Sein erfolgreiches Wirken ist noch in aller Erinnerung. Auch für ihn galt es, Schwierigkeiten vieler Art zu überwinden. Es war eine Zeit abwärtssteigender Konjunktur. Trotzdem wurde das Leben in den Arbeitervereinen sehr rege. Gern erinnern sich die älteren Vereinsmitglieder noch jener Zeit mit ihren interessanten Vereinsversammlungen und Unterrichtskursen. Das Sekretariat wuchs sich immer meyr zu einer Zentralstelle für die Agitation und Organisalion der kathol. Vereine des Bezirks aus. Die Rechtsschutztätig keit wuchs immer mehr. Vom 1. Mai 108 ab, wo noch Aufzeichnungen vorliegen bis 1. Januar 27, sind mehr als 41000 unakünfte erteilt und 15 000 Schriftsätze angefertigt worden. Weiche Erfolge für die Arbeiterschaft in diesen Zahlen stecken, läß: sich leider nicht lückenlos feststellen. Sicher ist, daß in den 20 Jahren unendlich viel Not durch das Se kretariat gelindert werden konnte. Rechtsschutztätigkeit ist aber nicht die Haupttätigkeit eines Setretariats. Es galt auch den Arbeiterstand geistig und sitt lich zu heben, ihn an Gemeinde, Staat und Reich zu kommen zur Bearbeitung. Zunächst geben eine Reihe von Schnellpressen und Tiegeldruckpressen, alle mit elektrischem Einzelantrieb, die Möglichkeit zu rationeller Arbeitsverteilung. Für die Herstellung seiner Arbeiten in Mehrfarbendruck wurde eine besondere Spezialmaschine aufgestellt. Sog.„Tageslichtlampen“ sorgen dafür, daß auch bei Dunkelheit das Mischen und Verdrucken von Farben mut den gleichen Nüancen geschehen kann wie am Tage. Im Maschinensaal ganz besonders gilt das Prinzip: Nur Qualitätsarbeit darf die Offizin, verlassen!— Das dunkle Massiv im Hintergrunde deSaales ist die Rotationsmaschine.(Bild 10). interessieren, obwohl der Arbeiter politisch damals ziemlich rechtlos war. So sind in den 20 Jahren mehr als 2500 Vortrage in den Vereinen gehalten worden. Das Sekretariat wurde in wenigen Jahren unentbehrlich. Das Jahr 1911 brachte Schwierigkeiten finanzieller Art. Der Verein von Hordei trat aus und schloß sich dem neugegründeten Sekretariat Wattenscheid an. Auch diese Schwierigkeiten wurden überwunden durch die Opferwilligkeit der Präsides. Jahrelang haben diese persönliche Beiträge gezahlt und als 1914 der Krieg ausbrach, war ein ansehnlicher Fonds vorhanden. Der Krieg stellte das Sekretariat vor neue Aufgaben. Die Blüte der Vereinsmitglieder zog in den Krieg, und es galt, sich der Hinterbliebenen anzunehmen. Durch die langen Kriegsjahre mit ihrer Zwangswirtschaft ist das Sekretariat der getreue Helfer so vieler Bedrückten gewesen. Zweimal war es verwaist, da Arbeitersekretär Isenrath zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Nur der Rechteschutz wurde aufrecht erhalten, indem die Arbeitersekretäre Otto, Wattenscheid und Kaisel, Recklinghausen, an drei Wochentagen in Herne und Wanne Rechtsschutz erteilten. Im Herbst 1917 wurt Isenrath vom Heeresdienst zurückgestellt und konnte sich wieder mit ganzer Kraft dem Sekretariat widmen. Da starb in Hamm der Sekretär des dortigen Bezirk und Herne mußte in Hamm einspringen. Mehr al ein halbes Jahr hat Isenrath beide Sekretariate versehen, unterstützt von einigen Vereinsmitgliedern. Der große Hammer Bezirk drängte aber auf Neubesetzung der Stelle, uno so wählte das Kuratorium am 15. Mai 1918. Isenrath zum Arbeitersekretär von Hamm. Ungern vernahm man in Herne diese Kunde Am 29. Mai übertrug das Herner Kuratorium die Nachfolge Isenraths dem Bergmann Aloys Weiß, zunächst probeweise. Im Frühjahr 1919 erfolgte die feste Anstellung. Kriegsende und Revolution brachten für das Sekretariat erneute, große und wichtige Auf gaben. Der bis dahin politisch rechtlose und wenig geachtete Arbeiter trat in den Vordergrund des politischen Geschehens. Wollte man erschöpfende Berichte aus der aufregenden Tätigkeit jener Tage geben, es würde ein ansehnlicher Band werden. Es folgte die Inflation und mit ihr kamen die erneuten finanziellen Sorgen. Ein Jahr lang hat der Sekretär eine Nebenbeschäftigung ausüben müssen, um durchhalten zu können. War diese auch leicht, so mußte doch die Nachtruhe dabei geopfert werden. Im Herbst 1922 kam die Krise mit der rapiden Geldentwertung und man stand vor der Frage: Was nun? Allgemein war im Kuratorium die Ueberzeugung, ein vorläufiges Aufgeben des Sekretariats bedeute das Ende. Der Wille zum Leben war da. Der Sekretär nahm seine Beschäftigung auf Zeche Shamrock 1=2 wieder auf und hielt das Sekretariat im Nebenamte aufrecht, so gut es ging. Niemand kann aber auf die Dauer zwei Herren dienen. Im März 1924 mußte Schluß gemacht werden mit dieser Doppeltätigkeit: mit Hilfe opferwilliger Freunde wurde das Gehalt für den Sekretär für drei Monate zusammengebracht, bis die Beiträge aus den Vereinen wieder zu fließen begannen. Die Inflation war überwunden, das kleine Herner Sekretariat hatte, wenn auch unter erschwerenden Umständen, seine Existenz behauptet, im Gegensatz zu manch anderen, größeren. Allen, die damals mitgeholfen, sei an dieser Stelle nochmals gedankt. Das Sekretariat besteht nun 2 Jahrzehnte; die einzelnen Jahresberichte geben Kunde von reger Arbeit im Dienste der katholischen Arbeiterschaft. Man sollte nun annehmen, daß heute auch der letzte kath. Arbeiter von der Notwendigkeit des Sekretariats überzeugt sei. Dem ist aber leider nicht so. Die Vereinsmitglieder zahlen pro Monat und Mitglied 10 Pf. an das Sekretariat. Gewiß, bei der heutigen schlechten Lage des Arbeiters anerkennenswert. Nur vergißt man dabei, daß nach dem Kriege eine katastrophale Geldentwertung einsetzte. Der Etat des Sekretariats von 1911 betrug 2956 Mark, der von 1925 4300 Mark. Diese Gegenüberstellung dürfte beweisen, wie sparsam gewirtschaftet wird und werden muß. Wenn heute so manche Stimmen laut werden, für kleinere Bezirke Sekretariate zu gründen, so ist doch zu wünschen, daß ihnen die Geschichte des Herner Sekretariats eine heilsame Lehre sei. Die Arbeiterschaft von heute hat sich die Gleichberechtigung erkämpft, die Gleichachtung gilt es noch zu erkämpfen. Auf diesem Wege will und muß das Sekretariat Führer=sein. Möge demnächst das 25. Jubiläum des Sekretariats, auf das wir zustreben, noch alle Freunde und Gönner am Werke des weiteren Ausbaues finden! Undankbar wäre es, bei diesem Rückblick nicht auch des Kath. Gesellenhauses zu gedenken, welches dem Sekretariat nun schon 2 Jahrzehnte ein gastliches Heim geboten hat. Kolpings Werk und Kettelers Werk haben sich hier zusammen gesunden. Möge es weiter so bleiben, damit das Sekretariat weiter wirken kann zum Segen der katholischen Arbeitstandesbewegung. Gott segne die christliche Arbeit! Bild 13: Buchbinderet und ein Teil des Papierlagers. Ist der Druck der Drucksachen beendet und haben sie auf den sog. Trockenhürden ausreichend gelagert zum Trocknen, so kommen sie mittels elektrischen Aufzuges hinauf zur Buchbinderei, die— abgetrennt durch eine massive Holzwand mit nstern— neben der Setzerei liegt. Hier erfahren die Drucksachen eine gründliche Durchsicht nach ihrem tadellosen Aussehen. Irgendwie mangelhafte Bogen, Karten usw. wandern schonungslos in die Makulaturkiste. Die Buchdie erst nach beendetem Druck geschehen können, z. B. Falzeu, Perforieren, Heften, Einbinden zu Büchern usw. Eine Reihe von besonderen Maschinen und Apparaten sind dazu zur Verfügung. Gleich unsern übrigen Abteilungen steht auch die Buchbinderei unter Leitung eines tüchtigen, bewährten Mei sters. Seine Spezialttät ist das Einbinden von Büchern und zwar von der einfachsten dis zur feinsten Ausführung.— Bild 14(Schlußbild) zeigt eine der größten Maschinen unserer Buchbinderei. Bild 14: Schnellschneidemaschine. Die Vorgängerin dieser Maschine in unserem Be steht dereits seit Geschäftsgründung im Dienste, erjuh Gelegenheit des Umzuges eine gründiiche Reparatur arbeitet nun wieder zuverlässig weiter. Sie besitzt sbei große Nachteile: sie hat nur Handbetrieb und zu klein. Deehalb mußte vereits 1921 eine bedeunend a1 Maschine aufgestellt werden. Diese Maschine gehört: samten Buchbindereifach überhaupt mir zu den grö und leistungsfähiasten Maschinen. Sie folg 1 * * M Wiederverkäufer und Wirte kaufen alle Tabakwaren wie Zigarren, Zigaretten, Rauchund Kautabak am besten in der Tabakwaren=Großhandlung Julius Romann Herne i. Westf. Bahnhofstraße 8a Alle Marken ständig am Lager. 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