Erzähler.

190 4.

Eduard in Marienbad.

#ue engsischen Zeitungen lassen sich aus Marinbad meiden, daß dei Konig in seiner Kur durch die unhofliche Neugierde des Puotitums außerordentlich belästigt wird. trotzdem die Behorden die Badegäste ausgefordert hatten, den boten wast moglichst underücksichtigt zu lassen. Sotald

der Kongz seine vorgeschriebene Morgenpromenade beginnt, folgt ihm ein ganzer Schwarm von kurgasten, unter denen besonders Polen Rumänen und andere Osteurooder start #rtieten sein sollen. Viele der Leute lausen sogar einige

##ritte voraus, um dann stehen zu bleiben, um den nonig von vorne zu betrachten. Am schlimmsten sollen in Ergiegung die Tamen sein. Ais der Konig sich auf eine Bank setzte, war er sofort von einem dichten Menschen. lreis umgeben. Schließlich mußte die Poiizei den Wunsch des Konigs, daß sie sich nian in seiner Näbe zeigen solle, unberucksichtigt lassen und die Neugierigen zum Auseinan­rgehen auffordern. Als der Konig in einem Hutladen, kausen pflegt, eine Unterhaltun

seine

mit

der Tochter des Eigntumers begann, drängte sich sofort seine neugierige freumllige Eskorte dinzu, um zu horen ##### er sage. Der Konig brach sofort die Unterhaltung ab

und ging unwillig davon. König Cduard muß strenge Diat halten. Champagner, Wein und Liköre sind ihm evenso P##r#oten wie eine Menge seiner Lieblingsspeisen.

Der Milade als Ringkampfer.

aer Kaiser von Japan in, wir eine Londoner Wochenschrift

erzodien weig. ein eifriger Anhänger des Ringkampf= kes. Bis vor wenigen Jahren rang er selbst immer

###ng mit verschiedenen Herren seines Hoses. Er suchte ch die Gegner immer aus, machte aber leinen Unterschied

den Stärkeren und Schvächeren, sondern jeder kam

###mal daran, und fast immer blieb der kaiser siegreich, dis er einmal mit Grai##erau zusammntraf, der seinen Herrn

n Meister besiegte. Seit dieser Zeit nimmt der Kaiser von Japar selbst nicht mehr an Rangsämpfen teil, wenn er ich den Sport wo er nur kann,reichlich unterstützt. Graf ist gegenwörtig der japanische Cdampion und der lado pflegt zu sagen: er hat mich besiegt, nun muß ein anderer juchen, die Ehre seines Karsers zu retten.

Ueber einen Augelblitz auf See,

den der Kapitan C. Tramborg in der Nacht vom 8. aus den 9. April d. J. in 4 Grad nordlicher Breite, 30 Grad westlicher Lange an Bord der von Anto­sagasta nach Quende bestimmten Bark Cap Horn be­

LSn i

obachtete, wird im Augusthest der Annalen der Hy­drographie und maritimen Meteorologie berichtet. Der Lapitan schilderte der Deutschen Seewarte den Vor­gang solgendermaßen:„Am 8. April 10 Uhr nach

dem Namen Iran besteht das Blatt heute noch. Mit welchen Schwierigkeiten diese Zeitung aber zu käm­vien hat, kann man sich nicht so leicht vorstellen. Ver­urteilt zu einer vollständigen Farblosigkeit, darf sie

mittags sing es heitig an zu regnen, ohne wieder nur Regierungsangelegenheiten und die Reden des

Schah veröffentlichen. Die Redaktion des Iran ist

aufzuhören, mit leichten Blitzen um den ganzen Hori­

zont. Der Wind mallte zwischen SC. und NO. durch Ost, Stärke 1 bis 4. Am 9. April 0 h 15 min. vor­mittags war der erste Donnerschlag von mittlerer S#arte, dann wieder leichtes Blitzen. Um 0 h 50 min. blitzte es so heftig, daß es um uns ber ein Feuer war und der Schiffsrumpf wie glühendes Eisen aus­sah. Dicht vor unsere Füße— wir waren einschließ­lich des Mannes am Ruder drei Personen auf dem Achterdeck— fiel ein Feuerball, ungefähr von der Größe einer Kegelkugel, blauweiß aussehend. war ein Tag nach dem letzten Mondviertel, also bei dem heftigen Regen sehr dunkel. Unmittelbar auf diesen Bli tzkam der Donner, der das Schiff erzittern machte. Wir waren mehrere Sekunden geblendet und sahen, nachdem die Feuertugel versckwunden, nur gelben Nebel um uns. Wie uns geschah, konnte kei­ner recht angeben. Nachher folgten in einer Zwischen. zeit von 15 Minuten noch drei ungefähr ebenso grelle Blitze und Donnerschläge, jedoch war der erste der schwerste, und wir sahen später auch keine Feuertugel mehr. Hierauf verzog sich das Gewitter. St. Elms­Feuer war auf den Flaggentopps. Leichtes Blitzen nach wie vor und heftiger Regen herrschten die ganze Woche. Das Schiff ist mit drei Blitzableitern ver­sehen. Der Blitzableiter im Besanstopp, der in dem eisernen Mastdeckel des Untermastes mit einem Holz­keil sestgekeilt war und 0.6 Meter(2 Fuß) in den Mast hineinreichte, war am nächsten Morgen heraus­gerissen.“

*

Das Zeitungswesen in Persien.

In der russischen Zeitung Kawkaz beschreibt der persische Schriftsteller Kara Chan die Entwickelung und den gegenwärtigen Stand des Journalismus im Reiche des Schah. Ein kleiner Kreis der intelligenten Jugend au sTheran, die sich ihre Bildung meist auf europaischen Hochschulen erworben hat, kam vor eini­gen Jahren bei der Regierung um die Erlaubnis ein, eine persische Zeitung grunden zu dürfen. Unter

Kus

indessen bemüht, Tüchtiges zu leisten, und außer der Tageszeitung gibt sie auch eine Wochenschrift Itilla beraus. Außer dem Iran haben Teheran und Te­

bris heute noch einige Tageszeitungen; die beden­tendste davon ist Nasree, das Organ einer höheren Schule, die denselben Namen trägt. Diese Zeitung ist liberal, was auch von der Zeitung Rusmanet Tobi=Tobijat gilt, die besonders Propaganda für die Resorm des Schulwesens nach europäischem Muster macht. Das radilalste von allen persischen Blättern war der Cehliatsch. Er kämpfte gegen die herrschende Staatsordnung und mußte deshalb nach kurzer Zeit auf Besehl des Schah sein Erscheinen einstellen. Der Redakteur des Blattes mußte seinen Mut schwer bü­ßen. Auf Besehl des Schah wurde er ins Gefängnis geworsen und öffentlich gepeitscht. Wenn die persischen Zeitschriften, welche die soziale Frage in Persien be­handeln, bis jetzt keinen festen Boden fassen konnten, so haben dagegen jene Zeitschriften großen Erfolg, die Romane und leichte schöngeistige Lektüre publi­zieren. Sogar die Frauen lesen die Zeitschriften, auch ersreuen sie sich der Zustimmung der Regierungs­kreise. Edal und Kiamiel veröffentlicht viel poetische Beiträge. In letzter Zeit erscheinen in Teheran zwei illustrierte Zeitungen, die freilich nur die Bilder der Minister, der Würdenträger und der fürstlichen Ho­heiten wiedergeben. Persische Zeitungen erscheinen auch außerhalb der Grenzen Persiens— einige in Indien und Aegupten—, dort genießen sie größere Freiheiten und tragen einen vollständig zeitgenössischen Charakter, stehen aber durchaus unter englischem Ein. flusse. Bedeutende Talente sind unter den persischen Journalisten und Schriftstellern selten; der berühm­teste ist jetzt der Dichter Omar Hajama, der äußerst schöne und wertvolle Arbeiten publiziert. Ueber­setzungen an. remden Sprachen haben wenig Erfolg. Der Robinson und einige Romane von Dunzas Vater— das ist sast alles, was sich die Perser von der abendländischen Literatur zugeeignet haben.

iie Industrie, Handel und Verkehr.

Bürderungsmöglichkeit und Adsatz im Kohlenbergdau

nicht im Jahre 1902, als der Druck der Krise

zvei

nis zwrden gordetungsmoglichkeit und Ab­saz so scharf in die Erscheinung wie in den Sommermo­naten des laufenden Jahres. War schon für den Juli

rungse inschrankung von 22 Prozent vorgesehen, so ergab

der tatsächliche Abschluß fur den Monarei#n

rung gegenuder der Beteingungsziffer der Syndilatswerke

**

auoten als notwendig erwiesen wie im laufenden

Die hocrte Erzeugungeinschrankung verzeichnete der Juli

dersocderung nur 16.48 Prozent. Wenn man erwagt, daß die den Werten derwilligte Beteiligungsziffer beim

syndtlat hinter der Forderungsmöglichken der Zechen noch zurückdleist, so deutet eine Einschrankungsguote, die mehr als den vierten Teil der Leistungsjähigkeit der Gruben ausmacht, auf eine ungesunde Versassung des Koh. lenvergdaues hin, die noch dadurch verschärft wird, daß die nottenbohrungen noch immer mit fieberhafter Em­betricben nerden und jeder Erfoln nach einer neuen Steigerung der Lentungssahigkeit des Rohlenberg. hauet bindrangt. Im Regierungsvezirk Munster neh­

men sowch.#i Internationale Bohrgesellschaft als auch die * Laf Rheinperußen fortgesetzt erfolgreiche obrungen vor Man wird sich der uvermäßigen Ent­saltung des deutschen Kohlenbergtaues erst techt bewußt, nennen auf das Jabr 1900 zurückblickt, in dem die

Kotzlenforderung geinweilig

frage zu befriedigen. Damals betrug für das Gesamtjahr die Minderförderung beim Kohlensyndikat nur 4,34 Pro­zent und sank bis auf 0,57 Prozent im November herab. Es in in absehbarer Zeit gar nicht daran zu denken, daß

setzt werden kann, mögen die Herbstmonate auch eine noch so starte Beie ung des Absates herbeifudren. Vor­läusig ist aber an diese Belebung noch garnicht zu denken. Wahrend sonst in der zweiten Hälfte des Monats August

em Jad-= infolge der niedri­gen Waierstundsverbaltnisse noch aueste. schlossen. So bedingt die augenblickliche Marktlage erbed. liche Körderun=seinschrankungen in sämt­lichen Verehaubezirken. Im Anfang des August wourden h auf sämtlichen en der

Schackt 1/3 Feierschichten eingelegt. Um gar zu viele Feierschichten zu vermeiden, werden auch auf manchen Zechen erdcon ovlenvorrate aufgestapelt und vermehren so die schon am Ende des zweiten Quartals gegenüter dem Vorjahr großeren Kohlenvestände. Die eingeschränkte Förderung trifft den Arbeitsmarkt um so empfindlicher, als die Belegschaft während des zweiten Quartals im Oberbergamtsbezirk Tortmund um mehr als 16 000 Köpfe größer war als im Vorjahre. Das Koh­lensyndikat bietet alles mögliche auf, um den Export zu steigern und soll dem Vernehmen nach in letzter Zeit er­hebliche Abschlüsse mit dem Ausland getätigt haben. soll u. a. mnt Rußland eine Lieferung von 300 000 Tonnen abgeschlossen worden sein. So günstig eine Stei­gerung des Exportes auch wirken mag, so wird sie doch vielfach durch die steigende Konkurrenz der eng­lischen-ohle auf dem deutschen Markte wieder durch­treuzt. Dieser Wettbewerb hat sich nicht nur an den deut­schen Hafenplätzen, sondern bis hinunter nach Süddeutsch­land verschärft und verlangt Abwehrmaßregeln seitens der deutschen Kohleuproduzenten in Form von Preisermäßi­gungen. So erfordert der Kampf in den umstrittenen bieten, zu denen auch Berlin gehört, oft ebenso große finanzielle Ovfer wie die Steigerung des Exports.

via.

** Wagenmangel in Sicht. Der Umstand, daß in den letzten Wochen der Transport von Waren auf dem Wasser­wege unterbrochen war, hat nicht nur zu einer vorüver. gehenden Steigerung des Eisenvahngüterverkehrs geführt, sondern hat auch bewirkt, daß zahlreiche gewerbliche Be­triebe für die Hertorsaison mit Rohhulfs= und Heizstoffen nicht rechtzeitig versorgt werden können. Es wird daher im Laufe der kommenden Herbstmonate eine besonders starte Nachfrage nach Güterwagen entstehen, da es dann meist zu spät werden wird, zur Herbeischaffung des nöti­gen Materials den zeitraubenden Wassertransport zu be­

nutzen. Namentlich wird der Kohlenberabau eine ganz bedeutende Menge Wagen mehr beanspruchen als im Vorjahr. Wenn man nun erwägt, daß zu dieser aus­nahmsweisen Erhohung noch die regelmäßige Steigerung des Eisenbahnguterverkehrs während der Herbstmonat# tritt, di durch den auf kurze Zeit sich zusammendrängen­den Versand von Kartoffeln, Rüben und anderen Gütern bedingt wird, dürfte in manchen Bezirken, namentlich in Rheinland=Westfalen, in Oberschlesien und im Bezirk der Naliindustrie die Unzulänglichkeit der gegenwärtigen Ver­kehrsmittel sich noch weit schärfer herausstellen als im Vor. jahre. Trotzdem am 20. August 1903 im Ruhrbezirk eine

r Beraneneesellschaft, auf Schen 2/7 der Gestellung von 20 000 Ladungen à 10 Tonnen erreicht

zenpart der Eisenbahn auch den höchsten Anforderungen entsprechen wurde, trat doch bald danach ein bis in den Ottober hinein sich verscharfender Wagenmangel ein. der zu starten Betriebsstörungen und Feierschichten im Kali. und Kohlenbergbau fuhrte. Obgleich in diesem Jahre der Verkehr sich bisher keineswegs so lebhaft gestaltete wie 1903, so m es um so befremdlicher, daß in der Kaliindu­strie schon Ende Juli sich einWagenmangel einstellte, der erheblicher war als in der entsprechenden Zeit des Vor­jahrs.

*

4 Handelsentwickelung der Hauptexportländer.

Die Vereinigten Staaten von Amerika stehen, was die Ausfuhr heimischer Produtte angeht, an der Spitze aller exportierenden Ländern; ihre Ausfuhr hat außerdem im letzten Jahrzehnt ein absolut rascheres Wachstum aufzu­weisen gehabt, als die Ausfuhr aller konkurrierenden Staaten. Eine Tabelle, die das Statistische Bureau des

ndels- und Arbeits=Amtes in Washington veröffentlicht, stellt die Ausfuhr der in Betracht kommenden Hauptländer für die Jahre 1893—1903 einschließlich zusammen; sie ####iat, daß sich der Export der Vereinigten Staaten in der angegevenen Zeit von 854 Millionen auf 1457 Millionen Dollars gehoben hat, also um 603 Millionen Dollars oder 70 Prozent, wahrend Großbritannien, der stärkste Konkurrent der Vereinigten Staaten, eine Ausfuhrvermeh­rung von 1062 Millionen auf 1415 Millionen Dollars zu verzeichnen hatte, das heißt eine Vermehrung um nur 353 Millionen Dollars oder 33 Prozent. Die deutsche Ausfuhr ging in den 10 Jahren von 735 Millionen auf 1185 Mil­lionen Dollars hinauf; die Zunahme betrug mithin 450 Millionen Dollars oder 60 Prozent, sie kommt absolut und relativ den Vereinigten Staaten am nächsten. Frank­reich exportierte im Jahre 1893 für 624 Millionen Dol. lars einheimische Produtte, im Jahre 1903 für 804 Mill.

oder 30 Prozent mehr. Oesterreich= Ungarn zeigte eine Vermehrung der Ausfuhr von 327 auf 428, Bri­tisch=Indien von 310 auf 408 Millionen, Argen­tinien von 90 auf 213, Japan von 56 auf 142 Mil­lionen Dollars. Verhältnismäßig ist die Zunahme des Exports der beiden letztgenannten Länder weit bedeutender als die der Vereinigten Staaten; absolut genommen reichen sie nicht an diese hinan. Für Rußland waren nur die Zahlen für ein zwei Jahre zurückliegendes Jahrzehnt, für 1891—1901, zu erlangen: in dieser Zeit steigerte sich die russische Ausfuhr von 378 Millionen nur auf 392 Mill. Dollars.

Verantwortlicher Redakteur Ed. Verhülsdonk in Bochum.

Bechr wor#.mtten, auf Rheinelbe und auf Rheinpreußen wurde, und damit der Beweis erbracht schien, daß der Wa­ Verlag und Rotationsdruck der Märkischen Vereinsdruckerei.

Verschlungene Pfade.

Roman von Carola v. Eynatten=Dirking.

Richard, dem nicht weniger schlecht zu Mute war, so schlecht, daß er den Blicken der Mutter nicht zu be gegnen wagte, war an den Schreibtisch getreten, auf welchem ein Bild de: Vaters stand, und nun gab er sich den Anschein, nit der Erscheinung seines Ga­stes zu vergleichen.

„Ja, die Aehnlichkeit ist eine wunderbare,“ sagte er, noch immer vor dem Schreibtische stehen bleibend.

„Für derartige Erscheinungen hat man, wie ich glaube, keine Erklärung, obgleich sie gar nicht so selten sind, sagte Bolevand, das Armband mit möglichst gleichgiltiger Miene zurückgebend.

Für einen Augenblick gelang es ihm wirklich, die Gräfin irre zu machen, dann aber sagte sie sich:„Er spielt Komödie— sogar die Stimme ist die des Ver­storbenen!“

Und damit war der gute Eindruck, den Bolevand bisher auf sie gemacht hatte, so ziemlich verwischt. Ri­chards und Mar hartnäckiges Schweigen, war es auch töricht, entsprang liebevoller Rücksicht für sie, der Fremde jedoch hatte keine Ursache, ihre Gefühle zu schonen.

Wenn er nicht im Trüben zu fischen gedachte, oder ihre Söhne sich unter der Bedingung vollen Schwei­gens bereits zu weitgehenden Konzessionen entschlos sen hatten, mußte er sogar darauf bedacht sein, sie von seinen Beziehungen zu dem verewigten Grafen zu unterrichten.

Ein ehrenwerter Mann behält entweder verartige Dinge für sich oder er weiht sämtliche Bereiligte ein.

Zu einem abermalige nAngriff bot sich vorerst je­doch keine Gelegenheit, denn die beiden Brüder ver einigten sich in dem Bemühen, dem Gespräch eine an­dere Wendung zu geben.

Man sprach von Nelsons, ein für den Amerikaner beinabe unerschöpfliches Thema.

„Man rühmt Mr. und Mrs. Nelsons Wohltätig­leit,“ warf nach einer Weile die Gräfin dazwischen die schweigend zugehört hatte, sich aber von der Ver­ehrung, mit welcher der Amerikaner von seinem ehe­maligen Prinzipal und dessen schöner Tochter sprach, wenig berührt zeigte.

„Was sie hier tun, ist mir natürlich unbekannt, erwiderte er,„wohl aber darf ich sagen, daß sie in New=Hall City eine großartige philantropische Tätig­keit entwickelten. Es gibt dort aber auch niemand, der sich so allgemeiner und hoher Verehrung zu er­freuen hatte, wie Mr. James und Miß Jane. Ue­berhaupt ist er der eigentliche Gründer der Stadt, ihm dankt sie ihr Entstehen, ihr rasches Emporwachsen, ihre heutige Blüte, und wenn man ihn den„Vater

von New=Hall City“ nennt, so ist das nur schuldige Aneckennung“

„Und jetzt noch, wo er in einem anderen Weltteil lebt, zurückgezogen von den Geschäften, beherrscht der Name Nelson den dortigen Markt, denn es bestehen nur wenige gemeinnützige Anstalten, wenige indu­strielle Gründungen, an denen er nicht beteiligt wäre. Seine Beiträge erhalten die Schulen, Spitäler und Asyle im Gange, sein Geld arbeitet in den Bergwer­ken wie in den Sägemühlen der Umgebung, und ebenso in den Fabriken und Bankinstituten der Stadt selbst. Und dabei sind Vater und Tochter die einfach­sen Menschen von selbstloser Güte.“—

Bolevand hatte sich warm gesprochen, und in seinen Augen leuchtete all die Bewunderung, die er für die Freunde empfand.

„Für einsach und selbstlos habe auch ich die junge Dame angesehen,“ bemerkte Richard.

Nelson soll ja ein französischer Marquis sein, sagt man,“ warf die Gräfin ein.

Edgar machte große Augen, dann aber glitt ein leichtes Lächeln über sein Gesicht und kopfschüttelnd entgegnete er:

„Davon habe ich nie etwas gehört, Erlaucht, und glaube es auch nicht. Darf ich mir die Frage erlau­ben, wer das behauptet?“

„Ich habe es in den letzten Tagen von verschie­denen Seiten gehört," erwiderte die Gräfin.„Es soll bereits Stadtgespräch sein, und das glaube ich gern, denn zu meinen Ohren dringen derartige Neu­igkeiten erst, wenn sie längst aufgehört haben, eine Neuigkeit zu sein.“

Bolevand zuckte die Achseln.

„Ich glaube es nicht, mag es auch die ganze Stadt behaupten. Vater und Tochter wäre wohl zuzutrauen, daß sie dem bescheidenen Namen Nelson den Vorzug gaben, indessen müßte Mrs. Nelson wohl ebenfalls darum wissen—“

Hier stockte er in einiger Verlegenheit, denn er hatte mehr gesagt, als er mit seinen Beziehungen zu Nelson verträglich fand.

Um die Lippen der Gräfin spielte jetzt ein seines Lächeln, als sie, ihren Arbeitsbeutel nehmend, sich erhob.

„Ich will die Herren nicht länger stören,“ sagte sie, „vielleicht haben sie auch Geschäftliches zu verhandeln. Ich sehe Sie in der nächsten Zeit wohl wieder, Mr. Bolevand?“

Richard, der aufgestanden war, um seiner Mutter die Tür zu öffnen, kam jetzt mit ausgestreckter Hand auf Edgar zu, der neben dem Tisch= stand und sagte in tieser Bewegung:

„Zwischen uns bedarf es wohl keiner Erklärung mehr, Edgar: Miß Jane hat mich durch ein Billet

von allem unterrichtet. Und ebensowenig brauche ich Dir zu sagen, wie sehr ich die Ereignisse beklage, die so lange trennend zwischen uns standen, Mutter und Max werden ebenso fühlen.“

Edgar Bolevand konnte im ersten Augenblick nicht sprechen, und begnügte sich, des Bruders Hand zu drücken.

Der kalte Stolz, der siebzehn Jahre lang wie ein undurchdringlicher Panzer um sein Herz gelegen und erst während der letzten Wochen erschüttert worden war, schwand dahin unter den Strahlen der dunkel­blauen Augen, die mit unendlich wehmütiger Innig­keit auf ihm ruhten.

Endlich raffte er sich auf und sagte mit ansangs schwer verständlicher Stimme:

„Es hat so sein sollen, der Himmel hat es gefügt, folglich ist es gut, und in dieser Ueberzeugung wollen wir weder gegen irgend temand einen Vorwurf er­heben, noch uns über das Geschehene betrüben. Ich wünschte allerdings, meine Braut hätte größere Vor­sicht bewahrt—“

„Damit wir uns niemals gefunden hätten!“ rief der Geistliche aufgeregt.

„Es wäre für— Dich sicher, für mich vielleicht besser gewesen, wenn unsere Wege sich niemals ge­kreuzt hätten.“

„Du widersprichst Dir selber, Edgar, denn Du sagtest soeben, was der Himmel gesugt hat, ist gut, und daß es der Himmel war, der uns auf weiten Umwegen zusammengeführt hat, kann keinem Zwei­sel unterliegen.“

Bolevand senkte ein wenig den Kopf, während er erwiderte:

„Ich wollte damit nur sagen, daß dieses Finden Dir und mir viel Schmerzliches brachte und vielleicht noch bringen wird, wäre es auch nur der Abschied für immer. Ende nächster Woche kehre ich nach New­Hall City zurück, um als Teilhaber in ein bedeuten­des Bankhaus einzutreten, an welchem Mr. Nelson stark beteiligt ist. Damit ist über meine Zukunst ent­schieden, gleichzeitig aber auch meine Existenz ge­sichert: Du brauchst Dir also in dieser Hinsicht keine Gedanken zu machen.“

Er atmete auf, als ausgesprochen war, wovor er sich beinahe gescheut hatte, dann fuhr er, ohne dem Geistlichen Zeit zu einer Zwischenrede zu lassen, hastig fort:

„Und nun zu dem Wichtigsten— wie steht es mit der Gräfin, weiß sie näheres über mich?“

„Wußte Mama etwas Bestimmtes, so würde## kei nHehl daraus machen, indessen scheint„ächdem Ahnungen erfüllt zu sein; sie war gester nachdenk­sie Dich in den Kuranlagen gesehelauf. Im Fie­lich, und auch heute ist sie nicht.““

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