Ceneral-Anzeiger für das Fürstentum Lippe.

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Hohenhausen Barenholz, Sternberg=Barntrup, Blomberg, Schieder, Schu über 100 Vertretungen.— Die„Lippische Tages=Zeitung" erscheint je

walenberg den

zusammen sentag.

Ne 224.

Verantwoltlicher Redakteur: Willy Bruder, Detmold.

Detmold, Mittwocb, den 23. September 1993.

Telegramm=Adresse: Tageszeitung, Detmold.

13. Jabrgang.

KT

Vaterländische Arbeitervereine

*<space> D i e<space> z w e i t e<space> H a u p t v e r s a m m l u n g<space> d e s<space>„ B u n d e s<space> v a t e r ­<space> ländischer Arbeitervereine“ zu Waldenburg in Schlesien wurde in glücklichster Weise eingeleitet durch einen Be­grüßungsabend, verbunden mit Sedaufeier in der Gor­kauer Bierhalle. Vertreten waren 75 Vereine mit 10000 Mitgliedern. Der Vorsitzende betonte in seiner einlei­tenden Rede, daß auch bei dieser Gelegenheit wohl der Ein­druck gewonnen würde, daß bei den Mitgliedern des Bun­des und allen Vereinen sich Worte und Taten decken, und daß es dem Bunde tatsächlich um einen aufrichtigen, wirt schaftlichen Frieden, um eine vertrauensvolle Ver­einigung zwischen Arbeit und Kapital zu tun sei. Herr Heuer erstattete einen Bericht über die Wohlfahrtsbestre bungen und andere Einrichtungen im Bunde. Bei dem Punkt der Tagesordnung:„Stellung zu anderen Arbeiter­berufsverbänden“, kam es zu einer lebhaften Aussprache, die aber schließlich einmütig zur Annahme der folgenden Resolution führte:„Die Hauptversammlung billigt das bisherige auf den Frieden unter antisozialdemokratischen Arbeiterberufsvereinen gerichtete Bestreben des Vorstan­des und der Geschäftsstelle, erwartet aber auch, daß der be­sondere Standpunk des Bundes stets entschieden gewahrt werde.“ Eine weitere Kundgebung richtet sich gegen die Unterstellung, daß der Bund die kirchliche Gleichgültigkeit begünstige, vielmehr wird ausdrücklich betont, daß der Bund nach Zusammensetzung und Bestrebungen eine Ge meinschaft von Männern darstellt, die es nicht nur mit ihrer Treue zu Kaiser und Reich, sondern auch mit der Stellung der Kirche ernst meinen. Als ein ganz besonders wichtiges Ereignis dieser Tagung möchten wir anführen, daß durch einstimmigen Beschluß der Vorstand veraulaßt wurde, bei unserer Gesetzgebung Schritte zu unternehmen, daß endlich dem herrschenden Koalitionszwang, ausgeübt durch den Druck der Sozialdemokratie, ein Ende gemacht werde und an dessen Stelle eine wahre Freiheit der Vereinigung trete, unter der jeder einzelne nach sei­ner Ueberzeugung sich einem Arbeiterberufsverein anschlie­kann. Bei dieser Gelegenheit kam auch die Rede auf die Stellung des Bundes zu den Arbeitgebern. Generaldirek­tor Regierungsrat a. D. Keindorff nahm Gelegenheit, zu äußern, daß er den Bund von seinem Anfang an mit In teresse beobachtet und nun die feste Ueberzeugung gewon­neu habe, daß diese Organisation wesentlich zum Frieden in unserem Gewerbe beitragen werde. Selbstverständlich liege es auch dem Bunde gegenüber nicht in der Absicht der Unternehmer, in das Selbstbestimmungsrecht der Arbeiter irgendwie einzugreisen. Mit Bezug auf die Jugend wurde den Vereinen dringend aus Herz gelegt, hier nicht etwa die Arbeit der Sozialdemokratie zu überlassen, sondern selbst ständig oder in Verbindung mit anderen nationalen Ver einen dafür zu sorgen, daß unsere Jugend im vaterläu dischen Sinne aufwachse.

Sätze zusammen:„Die große Mehrheit will nicht trium­phieren über besiegte Kameraden und die gewiß auch uur­liche Minderheit will nicht rebellieren, sie will rung ihrer Ueberzeugung in der Gesamtpartei stehen und mit ihr marschioren!"

Die süddeutschen sozialistischen Leitungen teilen nati lich die Zufriedenheit ihrer norddeutschen Bruderblätter nicht. Der„Karlsruher Volksfreund“ gibt seinem Be­dauern über die Annahme des Parteivorstandes lebhaft sten Ausdruck. Nichts habe der Parteivorstand getan, um

eine Verurteilung der Süddeutschen zu vermeiden; nichts habe er getan, um in einem großen Augenblick die sozial demokratische Partei Deutschlands von einer schweren Er­schütterung zu bewahren; deshalb klage er(der„Volks­freund“) den Parteivorstand an.

Generalversammlung der Deutschen Mittelstandsvereinigung.

zum roten Nürn berger

Eine Art von resignierter Zufriedenheit mit dem Par teitage in Nürnberg bekunden die norddeutschen sozialisti schen Blätter. Der„Vorwärts“, der„Ruser im Streite“ ist plötzlich sanft geworden. Er hat nicht einmal gemerkt daß man sich in Nürnberg nicht gerade sehr zart bekämpft hat. Sein Artikel beginnt mit folgenden Worten:„Nicht wüsten Krafeel und Parteischädigung hat uns der Nürn berger Parteitag gebracht, sondern innere Festigung, die unerläßliche Einheitlichkeit der Aktion.“

Der„Vorwärts“ ist also mit Nürnberg zufrieden ebenso seine Lieblingsschwester, die„Leipziger Volksztg.“ die allerdings noch einiges Tadelnswertes in Nürnberg ge sunden hat. Sie schreibt, nachdem sie ihrer Zufriedenheit mit den Ergebnissen der Nürnberger Tagung im allg: meinen Ausdruck gegeben bat:„Der Parteitag hat an erkannt, daß die Budgetdebatte eine Debatte, über die Grundauschauungen der Parlei war, und dadurch erhält die Nürnberger Resolution erst ihre wahre Bedeutung. Zu übersehen ist hierbei freilich nicht die charakteristische Tatsache, daß fast alle Gewerkschaftsbeamten wie v. Elm, Legien, Schmidt, Huc, Bömelburg, Pacplow, Reichel, Sachse Bren usw., sowie der größte Teil der anwesenden Reiche tagsfraktionen gegen die Resolution des Parteivorstand gestimmt haben.“

Auch die„Frankfurler Volksstimme“ bekundet ihre Zu friedenheit. Bemerkenswert ist serner, daß die etwa revi sionistisch angekränkelten norddeutschen Blätter auch ihrer seits scheinbar nichts an den Ergebnissen des Nürnberge Parteitage auszusetzen haben. So faßt die„Dresden: Volkszeitung“ ihr Urteil über den Parteitag in solgende

Unter sehr zahlreicher Beteiligung, namentlich aus Rheinland=Westfalen, trat in Düsseldorf die v. Gene ralversammlung der Deutschen Mittelstandsvereinigung zusammen. Zahlreiche Parlamentarier aus fast aulen bur­Terlichen Parteien wohnten ihr als Gäste bei, u. a. die Reichstagsabgeordneten Nieseberg(Wirtsch. Vag.), Dr. Pie­per(Ztr.), Linz(Rpt.), Hausmann(ntl.), Malkewitz(kons.), Pauli(kons.), Roeren(Ztr.), Herzog(Wirtsch. Vag.), Dr Potthoff(Freis. Vag.); die Landtagsabgeordneten Sievers Hildesheim(kons.) und Marx(Ztr.) Die Reichs= u. Staats regierung hatte den Regierungsrat Erbslöh=Düsseldorf das Ministerium der öfsentlichen Arbeiten Assessor Kraft der Internationale Mittelstandsbund den Geh. Rat Lam­pert=Beigien, die österreichische Regierung den Sektionsrat Dr. Better entsandt; die Stadt Tüsseldorf vertrat Bei geordneter Ottermann.

Die Versammlung eröffnete der Vorsitzende der Ver einigung Landtagsabgeordneter Rahardt=Berlin mit einem Hoch auf den Kaiser. Nach einer Reihe Begrüßungsreden sprach Obermeister Rahardt=Berlin über Lage u. Aus sichten der deutschen Mittelstandsbewegung Der Entwurf über den kleinen Befähigungsnachweis sei nun Gesetz geworden. Aber man dürse nicht annehmen daß damit den Handwerkern eine Wohltat erwiesen sei Denn Lehrlinge zu halten sei alles andere eher als ein Vorteil. Die Handwerker akzeptierten den Gesetzentwur als eine winzige Abschlagszahlung, müßten aber verlan gen, daß zu den Kosten der Lehrlingsausbildung nicht al lein die Handwerker heraugezogen werden, sondern auch die Großindustrie. Der gegenwärtige Zustand sei ein bit teres Unrecht.(Sehr wahr!) Der Gesetzentwurf uver den Schutz der Bauhandwerker solle Zustände beseitigen die an die Zeit des Raubrittertums erinnern. Es habe wohl niemals an dem bösen Willen der bürgerlichen Par teien gelegen, daß sie uns nicht helfen wollten, wenn un sere bescheidenen Wünsche nicht beachtet worden sind, son dern nur an dem Mangel an Sach= und Fachkenuinis. Lebhafter Beifall.) Aus diesem Gefühle heraus sei die Deutsche Mittelstandsvereinigung entstanden. Niemals habe sie die leiseste Absicht gehabt, eine politische Parie zu sein, schon aus Klugheit und Vernunstgründen nicht Denn bei der politischen Parteizersplitterung in Deutsch land sei es ein Verbrechen, eine neue zu gründen. Aber auch aus Selbsterhaltung nicht, um nicht die dem Hand werk freundlich gesinnten Parteien abzustoßen. Außerdem sei der Mittelstand in keinem einzigen Wahlkreise stark genug, um für sich allein einen Kandidaten durchzubringen. (Sehr wahr!) Er erkläre ausdrücklich, daß die deutsche Mittelstandsvereinigung eine rein wirtschaftliche Bewe­gung sein solle.(Lebhafte Zustimmung.)„Wir haben na­türlich ein Interesse daran, daß in den Frattionen unsere Wünsche zur Geltung gelangen.(Sehr richtig!) Es wäre zu wünschen, daß wir möglichst viele Anhänger unseres Standes in den Frattionen der einzelnen Parteien haben. Es mogen bei uns Gegensätze bestehen, aber sie können gemildert werden. Wir stehen für die Interessen der Be­amten ein, wir hossen aber auch, daß der Beamtenstand sich erinnern werde, daß Handwerker und Kaufmann ein Recht auf Eristenz haben.(Lebhafter Beifall.) Wir wollen nicht eine reine Berufsvereinigung werden, denn damit würden wir den Vertretern des Kausmannsstandes und des Hand­werks keinen Dienst erweisen.(Sehr richtig!) Wir be trachten uns als eine Vermittelungsstelle zwischen Hand werk, Naufmanns= und Beamtenstand. Wenn es uns ge­lingt, in die verschiedenen Fraktionen Mittelstandsvertre= ter hineinzubringen, dann wird es auch gelingen, die Wah­

rung der Interessen des Mittelstandes bei den verschiede­neu Parteien durchzusetzen.(Lebhafter Beifall.)

Fritsch=Leipzig ergänzt die Ausführungen unter Hin­weis auf die sächsischen Verhältnisse, wo die Mittelstands­bewegung ein Machtsaktor geworden sei.

Postsekretär Stockmann=Berlin sprach über den Gesetz­entwurf betr. die Abänderung des Gesetzes zur Bekämp­ung des unlauteren Wettbewerbes. Er emp­ahl eine Resolution, die die schleunige Vorlegung eines derartigen Gesetzes erhofft. Sowohl der reelle Kaufmanns­wie Handwerkerstand als auch das Publikum würden ohne Verschärfung des Gesetzes fortgesetzt namentlich durch be­trügerische Ankündigung und Ausverkäufe geschädigt. Be­onders bedürfe auch dringend§ 20 des Gesetzes einer Ab­änderung dahingehend, daß in allen Fällen öffentliche Klage erhoben wird.„

Generalsekretär Eisenträger=Berlin sprach über die Versicherung der Privatangestellten. Er empfahl eine Resolution dahingehend:„Die Generalver­ammlung erkennt die Bestrebungen der Privatbeamten auf Schafsung einer staatlichen Alters= und Witwenversor­gung als berechtigt an und gibt der Hoffnung Ausdruck, 1d daß durch einheitliches Zusammenwirken von Regierung und Reichstag in absehbarer Zeit ein brauchbarer Gesetz entwurf zustande kommen werde.“

An die Vorträge knüpfte sich eine längere De­batte, in der die bestehenden Gegensätze der Berliner und der sogenannten Düssel­dorser Richtung zur Geltung kamen. Die Düssel­dorfer Richtung will die Vertretung der Berufsinteressen des Kaufmanns= und gewerblichen Mittelstandes und die Vertretung der Standesinteressen des deutschen Mittel­standes. Die Politik soll den Parteien überlassen werden. Die Berliner Richtung will den Zusammenschluß des ge­samten Mittelstandes. Die Berufsinteressen sollen den bürgerlichen Organisationen überlassen bleiben. Die Düs­seldorfer Richtung befürchtet, daß das Berliner Programm im letzten Grunde zur Bildung einer politischen Partei führen werde.— Der Wortführer der Düsseldorfer Rich­tung, Assessor Stocky=Düsseldorf, wendet sich gegen das na­mentlich von Fritsch entwickelte Programm. Er wider­spricht der Ansicht, daß der Mittelstand auch die Beamten und Handlungsgehilfen umfassen müsse. Er solle nur die selbständigen Kaufleute u. Gewerbetreibenden organisieren Die Wahlrechtsfrage müßte ausscheiden, ebenso alle poli­tischen Fragen; nur wirtschaftliche Fragen dürften beban­delt werden.— Dr. Wegener=Steglitz verweist darauf, daß der Vorsitzende bereits ganz unzweidentig den unpolitischen Charakter der Bewegung begrenzt habe.— Aus der Ver­sammlung, namentlich von verschiedenen rheinischen Dele gierten wird vom Vorstand eine präzise Klarstellung der Frage der Sonderkandidaturen verlangt.— Der Vor­sitzende protestiert gegen diese Debatten, da der Vorstand einstimmig den Beschluß gesaßt habe, diese Fragen in der geschlossenen Versammlung zu

halte hier und in anderen Städten Deutschlands nur a genehme Eindrücke und schöne Erinnerungen mitnehn und bewahren werden. 00#fl

Wenn mir heute die Ehre zuteil wird, mit einem Will kommengruß vor Sie zu treten, so habe ich das ermutt­gende Gefühl, Ihnen nicht fremd gegenüberzustehen. Mein Beruf hat mich mit manchem Vertreter der internatio­nalen Presse zusammengeführt, mich manchen lehrreichen Blick in das Gefüge und Getrieb der Presse tun und den Frunt des oft un scherzhafe geäußerten Sat#2,# lassen, daß die Presse eine Großmacht darstellt, eine Macht von immer wachsendem Umsang und Einfluß, v immer steigender Bedeutung im Leben der Nationen und für das Walten der Staatskunst.

Diplomatie und Presse können ans eine

Strecke geschichtlichen Zusammenarbeitens zugückblicken.

Mehr wie je stellt die Neuzeit an beide die

enger Berührung, gegenseitigen Verstehens u. der Ueber­

brückung von Gegensätzen. Denn solche bleiben bestehen,

bei aller Achnlichkeit des Wirkens, bei aller Gleichheit der

letzten Ziele. Vollkommener Freiheit sich

die Presse sich und ihre Leser in ideale, 18.er Figrnger##

Phantasie in gewagte Höhen erheben— der

den festen Boden nüchterner Wirklichkeit und kühler Er

Urteils bäufig. en gu

Quellen schöpfend, als die Presse, gebunden durch selte Regeln und Gebote, kann die Diplomatie nicht immer mit der öffentlichen Meinung gehen, auch dr..####ur 8i

matie nicht. Aber immer muß sie wwünschen, Zaß, ior„#ie Fühlung mit der Volksseele nicht verloren gebt oder rasch niedervergestellt wird. Her leistet die Presse unschätzbate Hilfe. Durch ihre rastlose Arbeit im Dienste der Oefseni­ichkeit erwirbt sie das Recht, im Namen der Gesamtheit zu

Noblesse oblige! Aus dem Recht folgt die Pflicht. In der Rede Ihres Herrn Präsidenten glaube ich den Hinweis zu finden, daß dieser Kongreß wie von berechtigtem Selbst­gefühl über die Macht der Presse auch von dem Bewußt sein ihrer Verantwortlichkeit erfüllt ist. Jo b Sie, überzeugt zu sein, daß Ihre Bestrebungen, die inter­nationalen Vorurteile zu mildern und in der öffentlichen Behandlung politischer Dinge Lindigkeit, Gerechtigkeit und Richtigkeit zu vermehren, von unseren wärmsten Sympa­thien begleitet werden. Nehmen Sie für das, was Ihre Vereinigung erreichen will, den Ausdruck unserer aufrich­tigen Wünsche und Hoffnungen entgegen.„„

„Je demande encore la permission de m’adresser

plus particulièrement à ceux d’entre vous Messieurs, qui ne sont pas au courant de la langue allemande. Je tiens à vous souhaiter, en vous saluant arec sympathie dans cette enceinte, Ia bienvenue de la part An Gonvernement Impérial. J’exprime le voeu sincère

ous

Versammlung zu erörtern. Der national an'en quittapt cette capitale et d’Allemangne v

literale Parteisekretär Köster=Düsseldorf tritt der Ansicht).auu; ung des impressions et des sonvenirs

entgegen, daß die Düsseldorfer Richtung eine Zentrums

mache sei. Er selbst sei nicht Zentrumsmann.(Lebhafte Zustimmung.) Der Vorsitzende verweist dann auf das Pro gramm der Vereinigung, dort heißt es:„Zweck der Ver­einigung ist die Förderung der Wahrung der Standes interessen des deutschen Mittelstandes, besonders bei poli­tischen und Gemeindewahlen.“ Dieser letzte Passus sei bisher nicht gestrichen. Er hoffe, daß es zu einer Ver­ständigung kommen werde.

Die

Fröffnung des internationalen Pressekongresses.

Berlin, 22. September 1908.

In Gegenwart sast sämtlicher Staatssekretäre und preußischen Staatsminister fand die Eröffnung des 12. Internationalen Pressekongresses im Sitzungssaale des Reichstages des internationalen Pressekongresses statt.

Staatssekretär v. Schön begrüßte den Pressekongreß mit folgenden Worten:

Geehrte Herren! Der Herr Reichskanzler hat mich beaustragt, im Namen der Kaiserlichen Regierung den XII. Internationalen Pressekongreß, als dessen Stätte Sie zum ersten Male seit dem Bestehen Ihrer Vereinigung die deutsche Reichshauptstadt erwählt und zu dem Sie sich in so stattlicher Zahl versammelt haben, herzlich will kommen zu heißen. Mir persönlich ist es eine Ehre un eine Freude, Sie an dieser Stelle begrüßen und die Hoff nung ausdrücken zu können, daß Sie von Ihrem Aufent

n’emporterez que des impressions agréables Jespère que, venus et regus en bons amis, vous nous, quitteres en meilleurs amis encore.

Die Rede des Staatssekretärs wurde meorfach vom leb­haften Beifall und Händeklatschen begleitet.

Uebersicht.

Deutsches

* Detmold, 23. Sept. 1908.

— Der Kaiser und die Kaiserin sind Hubertusstock nach

Rominten abgereist.

— Simon Copper. Zu der Meldung der Kabelgramm­Gesellschaft, daß sich Simon Copper abermals auf dem Kriegs­fuß befinde und daß deshalb der ganze Osten des südwestafri­kanischen Schutzgebietes für Weiße gesperrt sei, wird der„N. Pol. Korr.“ von zuständiger Seite mitgeteilt, daß über ein er­neutes offensives Vorgehen Simon Coppers nichts bekannt sei.

— Die deutsche Antwortnote auf die identischen französisch­spanischen Noten in der Marokkoangelegenheit

wurde gestern vom Staatssekretär v. Schön, dem französischen Botschafter Cambon und dem spanischen Geschäftsträger über­geben. Die Antwortnote bringt, wie das„B. T.“ hört. keine definitive Entscheidung, sondern bezeichnet nähere Aufklärungen über einige Punkte der französisch=spani­schen Note noch als erwünscht. Die Bemerkungen der Ant­wortnote dürften sich auch auf die„authentische Interpreta­

tion“ erstrecken, mit welcher die„Agence Havas“ am 14. Sept. die französisch spanische Note begleitete. Man geht schwerlich ISS

* Die Pflicht Erzlehung.

Albumblätter.

ist die innere Seele,

ist

das Leben der Michelet.

Theaterblut.

Roman von Reinhold Ortmann.

(Nachdruck verboten.)

„O, das— das ist ein Vielliebchen Geschenk des Herrn von Stetten. Ich wollte den Ring erst nicht nehmen, weil er mir zu kostbar schien für eine kleine Aufmerksamkeit. Aber dann tat ich es doch, um— um meine Mutter zu ärgern. Es war gewiß sehr unrecht.“

„Wenigstens erklärt es zum guten Teil die Freiheiten. welche dieser Herr sich später gegen Sie herausnehmen zu dürfen glauote. Doch es war nur Ihre Unerfahrenheit, die Sie so handeln ließ, und ein Unrecht würden Sie erst begehen, wenn Sie diesen Ring noch länger trügen.“

Ohne ein Wort des Widerspruchs streifte sie den Reif von ihrem Finger.

„Es fällt Ihnen hofsentlich nicht schwer, ihn dem Spender zurück zu geben?“

„Nein.“ sagte sie leise

„So bitte ich Sie, es noch heute zu tun. Oder wollen Sie, daß ich ihn in Ihrem Namen dem Herrn übersende?“

*<space>„ W e n n<space> S i e<space> e s<space> e r l a u b e n,<space> m ö c h t e<space> i c h s<space> l i e b e r<space> s e l b s t<space> t u n.<space> E s<space> würde ihn doch wohl zu tief verletzen, wenn er den Ring von einem anderen Herrn zurück erhielte. Er hat sich bis auf diesen einen Fall immer sehr zartfühlend und ritterlich gegen mich benommen und— und—“

„Und Sie möchten nicht, daß er sich gekränkt fühle. Gut es steht selbstverständlich ganz bei Ihnen, weld Form Sie für die Rückgabe wählen, wenn sie nur unverzüglich erfolgt.“

..„Ich verspreche Ihnen, daß es noch heute geschehen soll

Es war etwas rührend Demütiges in der Art, wie sie es

sagte. Und doch blieb es in Erich Gernots Herzen noch immer kalt und still. Aber er war in einer bestimmten Absicht hier her gekommen und war unwiderruflich entschlossen, sie auszu fähren.

„Sie versprechen es. Fräulein Lilli, ohne zu fragen, wober ich ein Recht nehme, solche Forderungen an Sie zu stellen?"aufgehoben!

„Nein.“ erwiderte sie einfach.„Ich glaube, daß Sie cs gut mit mir meinen und daß Sie klüger und besser sind als alle anderen Monschen. Darum werde ich immer tun, war Sie von mir verlangen.“

„Immer, Fräulein Lilli?— Ist Ihr Vertrauen zu mir wirklich so groß?“

„Weshalb soll ich Inen wiederholen, daß er so ist! Seit dem ich mich zu Ihnen geflüchtet und mich ganz unter Ihren Schutz gestellt habe, müssen Sie es doch wissen. So kindisch und unerfahren bin ich doch nicht mehr, daß ich mich dazu ent schlossen haben würde, wenn ich nicht unbeschränktes, grenzen­loses Vertrauen zu Ihnen hätte. Verfügen Sie über mich— stellen Sie mich auf die Probe! Sie können mit mir machen. mas Sie wollen.“

„Sie würden also auch einwilligen, meine Frau zu werden, wenn ich es von Ihnen begehrte?“

Ihr Gesicht brannte, und die langen seidenen Wimpern senkten sich so tief, daß es aussah, als hätte sie die Augen ge schlossen.

„O. das hätten Sie nicht tun sollen! Was habe ich ge sündigt, daß Sie so grausam gegen mich sind?" flüsterte sie wie in schmerzlichem Vorwurf. Ihre Mundwinkel hatten sich ein wenig herab gezogen, wie bei einem Kinde, dos dem Weinen nahe ist, und der Ausdruck ihres lieblichen Gesichts war auch ganz der eines bangen, gescholtenen Kindes. Erich Gernot, der unverwandt auf sie niederblickte, sah all' ihre Holdfelig keit und doch kam ihm kein Verlangen, sie in seine Arme zu nehmen und die Betrühnis von ihren Lippen wegzuküssen.

„Hier ist von keiner Grausamkeit die Rede.“ sagte er.„und der Himmel bewahre mich davor, daß ich mit solchen Dingen Scherz treibe. Im n zu keinem anderen Zweck hierher ge kommen, als um in allem Ernst diese Frage an Sie zu richten.“

Nun hoben sich langsam ihre Lider und in dem Blick, mit dem sie ihn ansah. war etwas, das ihm blitzartig den Argwohn durch den Kopf schießen ließ:

„Sie spielt eine Komödie! Sie ist in Wahrheit garnicht überrascht, sondern sie war vollständig vorbereitet auf das, was du ihr da sagtest.“

„Und Eva?— Ihre Braut?“

„Eva ist meine Braut nicht mehr. Sie ist gestern ohne

hied von hier abgereist und ihr Vater hat das Verlöbnis sie gegangen. Genug, daß sie jetzt in einen zusammenflicßen.

Und ich habe Sie doch recht verseinden, Lilli? Es sträubt sich doch in Ihrem Herzen nichts gegen die Vorstellung, mir anzu­

Mein Gott— darum also habe ich sie nicht wieder ge­ehen! Und es geschah um meinetwillen— nicht wahr?"

„Zerbrechen Sie sich darüber nicht den Konf! Aus wel chen Gründen immer es geschah. Sie haben jedenfalls keinen Anlaß. sich deshalb mit Vorwürfen zu quälen. Wäre es nicht bei dieser Gelegenheit gewesen, so würde Eva wahrscheinlich bei irgend einer anderen diesen schimpflichen Verdacht gegen mich gesaßt haben. Nicht das, was zwischen Ihnen und mir vorgefallen ist, sondern der Mangel an Achtung und Vertrauen den Eva mir durch ihr Benehmen bewiesen hat, ist es, was uns scheidet.“

Lilli schien Sekunden lang ganz in Nachsinnen verloren.

„Wo kein Vertrauen ist, ist auch keine Liebe,“ murmelte sie.„Eva selbst hat es mir einmal gesagt, als ich sie fragte

gehören?“

Sie hatte den Kopf auf das Kissen zurücksinken lassen, und überzeugender als das gesprochene Wort sagte ihr beglücktes Lächeln:

„Nein!"——

Er aber nahm ihr Schweigen doch noch für ein Zögern, oder vielleicht auch folgte er nur dem Bedürfnis, alles auszu­sprechen, was zu sagen er sich vorgenommen, wenn er fortfuhr:

„Ich begreife ja vollkommen, daß es etwas Verwirrendes, wenn nicht geradezu Verletzendes für Ihr Empfinden haben muß, daß ich mit meinem Antrag fast in dem nämlichen Augenblick an Sie herantrete, wo das Band, das mich an eine andere fesselte, gelöst worden ist. Und ich würde gewiß

ob sie garnicht eifersüchtig sei. Aber ich kann— ich win es einen schicklicheren Zeitpunkt gewählt haben, wenn es einzig

noch nicht glauben. Sie müssen sich wieder mit ihr versöhnen" „Läge Ihnen wirklich so viel daran, Fräulein Lilli, daß ich es täte?

„Wie mögen Sie das fragen! Wäre es nicht schändlich von mir, wenn ich mir die Gelegenheit Ihres Zerwürfnisses zu Rutzen machen, wenn ich mir ein Glück erkaufen wollte um solchen Preis?“

„Wenn Sie als ein Glück ansehen, was ich Ihnen da biete. so haben Sie mir damit die verlangte Antwort schon gegeben. Und ich wiederhole, daß Sie sich nichts vorzuwerfen haben. Nein Bruch mit Eva ist unwiderruflich. Sie selbst und ihre Angehörigen aber erwarten nichts anderes, als daß ich Ihnen meine Hand biete. Man würde dort sicherlich nicht besser von uns denken, wenn diese Erwartung sich nicht erfüllte.“

Lilli legte ihre Hand an die Stirn. Wenn sie wirklich eine Komödie spielte, so spielte sie sie mit vollendeter Meister schaft.

„Das alles ist mir noch so unbegreiflich. Haben Sie Nach sicht mit mir. Herr Doktor! Es ist mir, als wäre es nur ein Traum.“

Für einen Traum mögen Sie all das Häßliche und Schmerzliche nehmen, das dieser Stunde voraufgegangen ist.“ sagte er. und jetzt zum ersten Mal war ein herzlicher Klang in seinen Worten. Es waren seltsame Wege, auf denen wir bis hierher geführt worden sind, aber wir wollen nicht fragen. in

wieweit es eigener Wille oder Schicksalsfügung war, daß wir

von meinem freien Willen abhängig gewesen wäre. Aber die Lage. in der wir uns befinden, fordert gebieterisch eine rasche Entscheidung. Ob Sie meinen Antrag annahmen oder ab­lehnten—, unter allen Umständen mußte sofort etwas ge­schehen, um der Lästersucht der Welt den Mund zu verschließen. Daß es dazu allerdings kein besseres und sicheres Mittel gibt, als unsere Verlobung, brauche ich Ihnen wohl nicht erst zu

Mit so seltsam verträumtem Ausdruck hingen ihre schönen, in feuchtem Glanze schwimmenden Augen an seinem Gesicht, daß er wohl zweifeln mußte, ob sie überhaupt gehört hatte, was er sagte. Und da sie noch immer lächelnd schwieg, auch als er geendet, wurde er sich mit einer gewissen Beschämung der Sonderbarkeit seiner Brautwerbung und dieser ganzen Verlobungsszene bewußt. Wenn er nur dem Gebot einer Pflicht gefolgt war— gleichviel, ob diese Pflicht nun eine wirkliche oder eingebildete war— wenn es sich für ihn ledig­lich um Unterwerfung unter eine eiserne Notwendigkeit ge­handelt hatte— diesem armen jungen Geschöpf, das ver­trauensvoll bereit war, sich ihm hinzugeben, weil es ihn wirk­lich liebte, durfte er seine Handlungsweise doch nicht in solchem Lichte zeigen. Sie erwartete ohne allen Zweisel in solcher Stunde etwas ganz anderes als nüchterne Auseinander­setzungen— und sie hatte ein Necht, anderes zu erwarten.

(Fortsetzung folgt).

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