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Nr. 260

Gelsenkirchen, Donnerstag, den 6. November 10.30

12. Jahrgang

e K. EE

zum Buldersee

Iriumphfahrt des deutschen RiesenNlugzeuges

Großer Tag in Altenrhein. Das Riesenflugboot der Dornierwerke„Do X“ soll nach Amsterdam fliegen. Um 4 Uhr morgens schon ist die Bordbesatzung angetreten. Kommandant Christiansen mustert seine Begleiterschar: zwei Piloten, je einen Navigations= und Funkoffizier, ein leitender Ingenieur und sechs Bordmonteure. Gegen 8 Uhr endlich wird der Luft­riese aus der Halle auf den See überführt. In Altenrhein sind nur wenige Zuschauer, dagegen zahlreiche Pressevertreter und Filmleute versammelt. Startklar liegt die Maschine vor der Halle. Letzte Wettermeldungen werden eingeholt. Stunde um Stunde verrinnt. Es wird 9 Uhr, 10 Uhr, 11 Uhr. End­lich, um 11.31 Uhr, beginnen die Propeller der 12 amerika­nischen Curtiß=Motore ihr surrendes Lied. Zwei amerikanische Spezialingenieure sind zur Kontrolle mit an Bord.

Hoch und höher zieht der Riese seine Kurven. Kurs: Friedrichshafen! Eine weitgezogene Schleife über der Stadt. Weiter geht's in Richtung: Rheinabwärts! Ohne Unter­brechung auf Amsterdam zu. Der Telegraf meldet das erste Vordtelegramm. Um 12.28 Uhr wird Waldshut am Ober­rhein bei leicht ungünstiger Witterung überflogen. Um 14.13 Uhr huscht der Riesenvogel über Mannheim—Ludwigshafen hinweg.: Kaum 20 Minuten später läßt die Stadt Mainz den Wunderriesen der Lufttechnik durch einen kleineren Flugzeug­kollegen begrüßen. Neues Bordtelegramm: Straßburg in Sicht. An Bord alles wohl.„Do X“ fährt herrlich. Weiter geht's mit sausender Geschwindigkeit über Bonn nach Köln und Düsseldorf. Majestätisch kreist der„Triumphator der Flug­zeuge“ inmitten mehrerer kleiner Jünger um 15.45 über der Stadt. Dann grüßt Duisburg mit seinen qualmenden Schloten und mit seinem größten Binnenhafen Europas. Um 16.15 Uhr entwischt der„Do X“ der holländisch=deutschen Grenz­kontrolle.

Amsterdam ist in großer Erwartung. Der Telegraf hatte die Ankunft für 17 Uhr Amsterdamer Zeit gemeldet. Schon zwei Stunden vorher setzte eine Menschenwanderung nach Schellingwoude ein. Hastende Autos, Motorräder und Fahrräder rasen nach dem abseits von der Stadt gelegenen Flugterrain. Die Ufer des Zuidersees sind dicht umlagert. Vertreter der Regierung, der deutsche Generalkonsul, die hol­ländische und ausländische Presse ist zum Empfang bereit. Endlich, um 16.30 Uhr, landet der Luftriese wohlbehalten auf dem Zuidersee, in der Nähe des großen Flugschuppens des Amsterdamer Marinehafens.

Der Erbauer, Dr. Claudius Dornier, weilt zur Zeit in Berlin und ist nach Amsterdam abgereist, von wo aus er den Ueberführungsflug nach Le Havre mitmachen wird. Sein Bruder Maurice Dornier wird das Flugschiff erst in Lissabon besteigen.

Do X

der dem Start

Die Mannschaft des Do. X vor dem Riesenflugboot. In der Mitte Kommandant Christiansen.

„Do X“ in Amsterdam

Amsterdam, 5. Nov. Das deutsche Flugschiff„Do X“ wurde nach seinem Niedergehen im Marineflughafen Schellingwoude am Zuider See von Motorbooten umringt. Eine Motorbarkisse der holländischen Marine ergriff die ihm vom„Do X“ zugewor­fene Leine und nahm das deutsche Flugschiff ins Schlepptau. Während des Abschleppens wurde der Besatzung des„Do X“ von den Insassen der Motorboote eine lebhafte Huldigung dar­gebracht. Da eine Bergung des„Do X“ in und unmittelbar vor dem Flugzeughafen der holländischen Marine wegen seines großen Umfanges nicht in Frage kommen konnte, mußte das

Flugschiff mitten im Wasser in einer Entsernung von etwa 50 Metern vor dem Flugzeughafen verankert werden. Von allen Seiten näherten sich neue Motorboote, von denen aus Presse­photographen Blitzlichtaufnahmen machten. Die Insassen meh­rerer Motorboote versuchten, auf„Do X“ überzusteigen, was jedoch nur wenigen gelang. Da gleichzeitig auch Motorboote der Amsterdamer Hafenpolizei und der Zollbehörde bei„Do X“ an­legten, entstand zeitweise ein gefährliches Gedränge. Mehrere drohende Zusammenstöße zwischen den Motorbooten und dem Flugschiff konnten nur mit Mühe vermieden werden. Vertreter der Amsterdamer Hafenbehörde begaben sich zur Begrüßung der Besatzung an Bord.

*

„Do X“ dürfte mehrere Tage in Amsterdam bleiben. E wird zunächst einige Probe= und Vorführungsflüge über Zuider­see und Nordsee vornehmen. Für morgen vormittag ist eine offizielle Besichtigung des Flugschiffes vorgesehen, zu der Ein­ladungen an mehr als 600 Persönlichkeiten aus holländischen amtlichen und Wirtschaftskreisen, sowie aus der Amsterdamer deutschen Kolonie ergangen sind. Auch die Mitglieder des hollän­dischen Kabinetts wurden zu dieser Besichtigung geladen. Be­zeichnend für das große Interesse, das das Amsterdamer Publi­kum für die Ankunft des deutschen Flugschiffes zeigte, ist es, daß heute nachmittag und noch in den ersten Abendstunden alle Zugangsstraßen zum Marineflughafen Schellingwoude nach Amsterdam mit Automobilen, Fahrrädern und Fußgängern ver­stopft waren. Die Polizei mußte umfassende Vorkehrungen für die Regelung des Verkehrs treffen.

Schlagende Wetter in Ohio

Wieder 160 tote Bergleute

Athens(Ohio), 15. November.(Drahtmeldung.) In der benachbarten Ortschaft Millfield ereignete sich in der der Sundan Creek Kohlengesellschaft gehörigen Kohlengrube eine schwere Schlagwetter-Explosion. Zur Zeit der Explosion waren 300 Bergleute eingefahren, von denen mehr als die Hälfte bisher gerettet werden konnte. Unter den Geretteten befinden sich zahlreiche Verletzte. Die Grube steht in Flammen. Nach den letzten Meldungen sind noch mehr als 100 Vergleute in der brennenden Grube eingeschlossen; davon befinden sich einige ui Stollen, die mehrere Kilomeler weit von dem Schachkeingang entfernt liegen. Unter den Eingeschlossenen befindet sich auch der Präsident der Kohlengeseilschaft Titus. Die Explosion erschütterte die ganze Umgebung. Zahlreiche Frauen und Kinder eilten angsterfüllt zum Schacht­eingang. Das Rettungswerk wurde sofort in größtem Umfange eingeleitet. Aus dem ganzen Umkreis sind Aerzte und Sanitätsmannschaften angefordert worden.

Athens(Ohio), 6. November.(Drahtmeldung.) Nach den letzten Meldungen sind bei der Schlagwekterexplosion in der der Sunday Creek-Kohlengesellschaft gehörenden Grube 160 Bergleute ums Leben gekommen.

Die Führer

des größten Ilugzeuges

der Welt

Die Offiziere des Do. X., dessen Start zu einem Europaflug mit anschließendem Flug über den Ozean unmittelbar bevor­steht. Oben von links nach rechts: Otto Eitel, der Bordingenieur, Flugkapitän Christiansen, der Kommandant des Flug zeuges, Harvey Brewton, der Ingenieur von der Firma Curtiß Wrigth, die d Motoren geliefert hat.

Untere Reihe von links nach rechts: Flug­kapitän Horst Merz, der eine Fliegeroffi zier, Clarence H. Schildhauer, der ander­Fliegeroffizier, Henry Kiel, der Funk offizier.