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den 2 Mai 1906.

er Verwalter.

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Historischer Kalender.

8 Mai: Sieg der Jeanne d'ürc bei Orleans, 1429— Karl II vom englischen Parlament als König eingesetz; Ende der eng­lischen Republik, 1660.— Pombal, portugiesischer Minister, Feind der Jesuiten gest. 1782.— Chemiker Antoine Lavoisier, in Paris quillotiniert, 1794.— Justus Liebig, Che­miker, geb. 1803.— Prinz Albrecht von Preußen, geb. 1837.— Revolutionäte

Erhebung in Düsseldorf, Elberfeld und Breslau, 1849.— Londoner Proto­koll, das Schleswig=Holstein den Dären aus­liesert, 1852.— Wißmanne obert das Lager Buschiris, 1889.— St. Pierre auf der Insel Martinique zerstört, 1962.

gemacht hat. Oder sollen sie auswechsen unter dem vollen Einflusse des Evangeliums von Jesu Christo in evangelischer Luft, in evangelischer Freiheit und als beste Frucht evangelischen Glauben, eine evangelische Lebens= und Weltanschauung mit hinaus.

nehmer? Wir sagen gewiß letzteres, dann aber dürfen wir uns unsere evangelische Volksschu'e nicht nehmen lassen und wehr, wie anderswo, heißt es hier: Deutsches, preußisches evangelisches Volk, wahre Deine heiligsten Güter.

Bielefeld

Dienstag, 8. Mai 1906.

Wie die Simulunschale auschen wurde.

(Den evangelischen Haus vätern zur Beherzigung empfohlen.)

I.

In Moers hat am 23. April Prof. W. Weber aus Wesel in einer konser­vativen Versammlung einen bemerkenswerten längeren Vortrag über„die konfessionelle evangelische Volksschule und das Schulunter­haltungsgesetz“ gehalten, dem wir nach dem Bericht der Moerser„Dorfchronik und Graf­schafter“ folgendes entnehmen:

„Die Theoretiker unter unseren Geguern wollen nur die Simultanschule, weil sie dieselbe für die bessere und unsern Verhältnissen angemessenere halten, sie wollen sogar zum Teil eine Simultanschule, die, wenn auch keinen konfessionellen, evangelischen oder katholischen, so doch christlichen Charakter tragen soll. Ihre Sätze sind: 1. In der Simultanschule finden beide christliche Konfessionen ihr volles Recht in dem getrennten konfessionellen Religions­unterricht; 2. die übrigen Fächer haben mit der Konfession nichts zu tun und können ebensogut, ja besser betrieben werden ohne konfessionelle Scheidung der Lehrer und Schüler; 3 die Simultan­schule wird dazu beitragen, den kon­fessionellen Riß, der nun einmal durch unser Volk geht, zu schließen, oder doch durch Gewöhnung der Kinder an gegenseitige Verträglichkeit und Toleranz unschädlich zu machen. Diese Sätze wollen wir einer kurzen Püfung unterziehen.

Da ergibt es sich nun allerdings schon aus dem bisher gesagten, daß die evangelische Kirche bei der Simultanschule ihre Rechnung nicht findet. Allenfalls wohl die katholische, sie kann sich wenigstens, das wird noch das folgende ergeben, vortrefflich damit abfinden, aber die evangelische nicht. Die evangelische Kirche, das wollen wir nun freilich hier gleich heroorheben, obgleich es eigentlich selbstverständlich ist, das sind nicht blaß die Pastoren und Prediger, das find wir, die evangelischen Väter und Mütter, das sind unsere Brüder und Schwestern, das sind unsere Kinder, das ist unser evangelisches Volk. Man hat es freilich ganz vortrefflich ver­standen, besonders für solche, die nicht selber zu denken gewohnt sind, die Sachlage zu verschieben und es so darzustellen, als handele sich bei der Simultanisierung der Volks­schule lediglich darum, der angeblichen Herrschsucht der Geistlichkeit, der Herrschaft der Kirche, die Schule aus den Fingern zu reißen, und da helfen und schreien dann wirklich unter dieser Firma eine Masse guter Leute mit und begeistern sich für die Simultanschule und merken nicht, wie sehr sich ins eigene Fleisch schneiden. Nein,

Du evangelisches Volk, tua res agitur, um Deine eigene Sache, um Dein Fleisch und Blut, um Deine Kinder handelt es sich. Sollen sie notdürftig ein paar Katechismussätze, ein paar bibl. Geschichten und Liederverse lernen, das kann zur Not die Simultanschule leisten, so lange sie der religionslosen Schule noch nicht Platz

Das wird noch klarer, wern wir nun die zweite Behauptung der Gegner prüfen, daß die übrigen Fächer der Volksschule außer dem Religionsunterricht mit der Konfession nichts zu tun hätten und ebenso gut, ja besser ohne Räcksicht auf dieselbe betrieben werden könnten, wie das die Simultanschule verlangt und verlangen muß, weil sie eben auch den katholischen und womöglich den jädischen Kindern gerecht werden soll. Gewiß es gibt kein katholisches ABC und es gibt kein evangelisches Ein mal Eins. Aber mit diesen Binsenwahrheiten ist die Sache doch nicht erletigt. Schon in der Geographie dürfte die Sache bedenklich werden. Die Wartburg wird doch, wenn Thüringen, wenn Eisenach durchgenommen wird, nicht unerwährt bleiben können. Soll da nun der Lehrer zwar erwähnen, daß sie der Sitz der hl. Elisabeth gewesen, nicht aber, daß dort im Jahre 1520 Dr. M. Luther, der Resormator, mit des Reiches Acht und Aberacht beladen, eine Zuflucht gefunden, daß er dort sein größtes Werk, von dem bis heute unermeßlicher Segen aus geht, die Uebersetzung der hl. Schrift be­gonnen? Wir dürfen eben nicht vergessen, daß in der Simultanschule auch katholische Kinder gleichberechtigt neben den evangelischen sitzen und daß sie ihr gutes und von ihrer Kirche eifersüchtig gewahrtes Recht besitzen, nichts zu hören, was sie nur im Entferntesten verletzen oder irritieren könnte. Ihnen aber ist Luther nicht der Reformator, sondern der abtrünnige Irrlehrer, ihnen seine Ueber. stzung der Bibel ein ketzerisches Werk. Und nun gar die Geschichte. Die Gegner sagen wohl, wir gehen auf die konfessionellen Auf­fassungkunterschiede nicht ein, wir betreiben die Sache rein wissenschaftlich, halten uns bloß an die nackten Tatsachen. Ein vor­trefflicher Grundsatz— für die For­schung, aber nichts wert für die Volksschule. Hier muß Goethes Wort maßgebend sein, das Beste an der Geschichte und das eigentlich Bilbende ist die Begei­sterung, die sie erregt. Nun, ich hebe ein­mal ein Faktum heraus aus der älteren vor­reformatorischen deutschen Geschichte, Kaiser Heinrichs IV. Demütigung zu Canossa vor Popst Gregor VII. Uas Evangelische wird immer eine innere Entrüstung durchzittern, ob dieser jammervollen Erniedrigung des Herrschers vor dem herrschsüchtigen Priester und auch unsere Kinder sollen das Gefühl haben. In der Simultanschule aber darf das nicht zum Ausdruck kommen. Und nun gar erst die Reformations­geschichte. Gewiß man kann sich an die bloßen Tatsachen halten:„Am 31. Oktober 1517 schlug Luther die 95 Thesen an, am 18. April 1521 stand er vor dem Reichstag zu Worms, weigerte sich seine Lehre zu widerrufen und ward in die Reichsacht er­klärt.“ Das ist allerdings ganz korrekt, ganz den Tatsachen entsprechend, aber auch ganz wertlos und ganz oberflächlich. Letzteres, weil es der eigentlichen geschichtlichen Be­deutung des Vorgangs, daß hier ein Mann, gegenüber der Kirche, gegenüber der Welt, gegenüber der Macht sich lediglich auf sein Gewissen und seinen Gott beruft:„Hier stehe ich, ich kunn nicht anders, Gott heife mir“, nicht gerecht wird und nicht gerecht werden kann, ganz wertlos im pädagogischen Sinne, weil solche Darstellung keine Begei­

sterung, weder für roch gegen, wicken kinn. Ich könnte weiter reden von der Geschichte unseres preußischen Staates, unseres Hohenzollernschen Herischerhauses, beide so eng verschwistert und verflochten mit der Geschichte der Reformation und der evan­gelischen Kirche, daß das Beste und das Tiefste, das Begeisterndste und das Bilderste daraus wegbleibt, wo dies unterdrückt werden muß. Ich wende mich zum deutschen Unterricht. Seine Grundlage muß— Schillersche Dramen können doch in der Volksschule nicht gelesen werden— seine Grundlage muß das Lesebuch sein, welches ja über haupt in der Volk=schule und für die häusliche Lektüre der Kinder eine überaus wichtige Rolle(pielt. Haben Sie, m. H, schon einmal ein Lesebuch für Simultan­schulen gesehen? Es gibt deren ja auch gute und reichhaltige, aber sie alle lassen unbefriedigt, wegen dessen, was nicht darin steht und richt darin stehen darf. Ich er­innere mich aus meiner Jugend, mit welcher Freude und welchem Interesse wir die Schilderung von Luthers Familienleben, von Lathers Arbeit an der Bibelübersetzung lasen, ferner die Erzählung, wie der große Kur­fürst die Hugenotten, Friedrich Wilhelm I. die B Uertaler in seine Staaten aufnahm. Das alles muß den simultanen

Lesebüchern fern bleiben, auch ebenso Kaiser Wilhelms I. herrlicher Brief an Papst Pius IX mit dem schönen Bekenutais des Kaisers, daß er als evangelischer Christ in dem Verhältnis zu Gott keinen anderen Mittler kenne, als unsern Herrn Jesus Christus allein. Kurz wir müssen sagen, gerade den wichtigsten für die Bildung und Lebensanscheuung bedeutendsten Fächern ist in der Simultanschule das Herz ausge­brochen, ihnen kann allein die konfessionelle Schule gerecht werden und darum wollen wir sie behalt n.

Auch wir finden das Verbolten der„ver­einigten Lideralen“ urqual fizierbar. Diese „Wasserstie fler" und„Wadelstrümpfler“ sind zu einer Hilfstruppe der Sozialdemokratie, zu Schrittmachern des Umsturzes herab­gesunken und haben sich damit des Rechtes zu den staatserhaltenden Parteien gerechnet zi werden, ohne Scham begeben. Er wäre nur in der Ordnung, wenn die National­liberalen wirklich die Konsegienzen daraus ziehen würden

Die Stichwahl in

ist, wie gemeld.t, zu Gunsten der Sozial­demokratie ausgefallen, deren Kandidat mit einer geringen Mehrheit der jenigen der natio alliberalen Partei geschlagen hat. Litzterer hatte alle Chancen des Sieges für sich; aber die„vereinigten Liberalen“, d. h. Demokraten und Freisinnler jeder Schaltierung, hatten die Parole, für den sozialdemokratischen Gegenkandidaten Berthold zu stimmen, ausgegeben und die große Mehr­heit ihrer Anhänger ist ihnen gefolgt. Die treibende Kraft war dabei die„Freisinnige Vereinigung". Man kang es den National­liberalen nicht verargen, daß sie über diesen Verrat geradezu empört sind. Die„Natl Korr.“ droht mit einer gründlichen Revision ihrer Beziehungen zur frei­

sinnigen Vereinigung. Noch deutlicher aber spricht sich eine Darmstädter Korrespondenz des„Hann. Cour.“ aus.„Der Kampf“, heißt es darin,„hätte im Folle einer Einigung sämtlicher liberalen Parteien gegen die Sozialdemokratie glänzend gewonnen werden müssen. Die Klust, die der Links­liberalismus durch seine Stichwahl­parele zwischen sich und den übrigen bürger­lichen Parteien gegeben hat, wird nicht leicht überbrückt werden können. Ein Zusammen gehen zwischen Nationalliberalen und„ver­einigten Liberalen“ ist wenigstens für abseh bare Zeit ausgeschlossen. Das erklärte schon in der nationalliberalen Wahlversammlung der Vorsitzende der nationalliberalen Partei Dr. Osann II unter dem stürmischen Bei fall aller Anwesenden mit den Worten: „Ein Vergessen dieses Verrats an der Sache des Bürgertums gibt es für uns nicht.“ Die Neue wird also der Stichwahlparole der„vereinigten Liberalen“ sehr bald folgen, und, was das Bedauer­lichste ist, der Wahlkreis Darmstadt Groß­gerau wird auch 1908 mit Sicherheit der Sozialdemakratie wieder zufallen.“

Nachrichter

Aus dem Deutschen Reiche.

Berlin, 7. Mai

Morgen mittag trifft der Kaiser, von Donaueschingen kommend, zu einem kurzen Besuch des Großherzogpaares von Baden in Karlsruhe ein. Von dort begibt er sich nach den Reichslanden. Am 18. d. Mis. kehrt der Kaiser nach Hom­burg v. d. H. zurück und begibt sich an demselben Tage in Begleitung der Kaiserin und der Prinzessiz Viktoria Luise nach Wiesbaden.

Am 20. Mai vormittags wird der Kaiser zur Erinnerung an den Tag, an dem er im Jahre 1888 seine damalige Brigade, die 2. Garde Infanterie Beigade, seinem Vater am Schlosse von Charlottenburg vorbeiführte, die Brigade auf dem Döberitzer Truppen übungsplatz exerzieren.

Am gestrigen Geburtstage des Kron­prinzen fand in Potsdam auf der Matrosen­station bei dem Kronprinzenpaare Abendtasel statt, wozu Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich, Prinz August Wilhelm und das Offizierkorps des ersten Garderegiments mit seinen Damen geladen waren. An die Tafel schloß sich ein von der Kapelle der Garde du Korps ausgeführtes Promenadenkonzert und Feuerwerk.

Herr Breitenbach, Prasident der Eisen­bahndirektion Köln, wurde zum Eisen­bahnminister ernannt. Der neue Minister, geb. am 16. April 1850 in Danzig, gilt als einer dee bedeutendsten technischen Oeganisatoren im Eisenbahndienst.

Zi den Gesetzentwürsen, die in dem gegen­wärtigen Sessionsabschnitte, d. h. bis zur Vertagung des Reichstags, nicht mehr ver­abschiedet werden können, gehört auch der Entwurf betr. die Sicherung der For­derungen der Bauhandwerker, den der Bundesrat in seiner letzten Sitzung nach jahr elangen Vorver handlungen genehmigt hat— vorausgesetzt, daß der Entwurf jetzt überhaupt noch im Reichstage eingebracht wird. Wahrscheinlich wird er ebenso wie der Ertwurf betr. die Berufsvereine und wie die Novelle zum Börsengesetz bis zur Herbstsession zurückgehalten werden. Gutem Vernehmen des„Hann. Cour.“ nach soll die Sicherung der Forderungen der Bauhand­werker in der Weise erreicht werden, daß der Bauunternehmer eine Kaution zu hinter­legen hat, die die Forderungen der Bau­handwerker zu deckn imstande ist, oder daß die Forderungen an erster Stelle ins Geund­buch eingetragen werden, so daß fi: bei einer späler etwa notwendig werdenden Sub­hastation nicht ausfallen können.

Eine Generalstabsreise durch den Harz wurde heute von 22 Offizieren, unter ihnen Prinz Friedrich Wilhelm, Major im Großen Generalstabe, angetreten. Die Herren fuhren von hier nach Seesen, wo sie die Pferde bestiegen und den Ritt durch den Harz über Grund, Zellerfeld, Clausthal nach Goslar begannen. Die taktischen Studien dienende Reise ist auf acht Tage verechnet.

Die nächste Plenarsitzung des Herren­hauses ist nunmehr auf Freitag, den 25. Mai ds Is, nachmittags 2 Uhr, mit den Beratungsgegenständen Wahlrechtsverlagen und Petitionen festgesetzt worden.

Kiel, 7. Mai. Das erste Geschwader hat am 5. Mai um Skagen, das zweite