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Bierteljährlich in der Geschäftsstelle n. an allen Postanstalten 1., bei täglicher Zustellung in Bielefeld 1,20., durch Briefträger 1,42 M.
Postzeitungsliste Nr. 5381.
30. Jahrgang
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Ritterstr. 43. Fernsprecher Nr. 15.
Eerstes Blatt.
20. Januar: Schlacht bei Tilsit, Sieg der Brandenburger über die Schweden, 16 9.— Kaiser Karl VII., gest 1745— Erzherzog Johann, Reich verweser, geb. 1782.— Andreas = Hoser, von den Franzosen gefangen, 1810— C. M. Wieland, Dichter, gest. 1813.— Die * Deutichen erobern des Do·s Pérouse bei Bel #fort, 1871.— Hoffmann von FallersPleben, Dichter, gen. 1874— Franz Lachner, Komponist, gest. 1890.
21. Januar: Ludwig XVI. von Frankreich bingerichtst, 1793.— Motiz von Schwind, Maler, geb. 1804.— Roderich Bendix, Lustsoieldichter, geb 1811.— Matih. Claudiue, Dichter, gest. 1815.— Döle wird von den Deutschen besetzt, 1871.— Die Bayerische Kammer nimmt die Versailler Verträge an 1871. — Franz Grillparzer, dramatischer Dichter, gest. 1872.
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Sonnabend, 20. Januar 1906.
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Bie lefeld.
Ein Massenaustritt der Genossen aus der Kirche
sell nah einer durch die Presse gehenden Nachricht am nächsten Sonntag organisiert werden. Ob es wirklich dazu kommt, muß man abwarten. Der Vater dieses Planes scheint diesmal„.nesse“ Goehre zu sein. In der„Neuen Gesellschaft legt er benigstens in langatmigen Ausführungen die ko we digkeit und Nätzlichkeit eines solchen Mossinaustrittes dar. Er ist der Meinung, daß dadurch nicht nur der Erlaß des ihm sehr unbequemen Volksschulunterhaltungsgesetzes verhindert werden könnte, sondern, daß es auch möglich wäre, dadurch eine perßsche Wahlrechtsreform zu eizwingen. Freiiich, meirt er, dürften alsdann die #Massin, welche der Landeskirche den Rücken Bihren, nicht nach Tausenden und Zehnausenden, sondern nach Hunderttausenoen zählen. Die Kirchen brauchten, so #akollert Goehre, das neue Schulgesetz wie as liebe Brot, um die Massen der Zukunst ##ieder garz in ihre Macht zu zwingen; aber nürden es doch nicht erstreben durfen um en Peis, daß die Massen in der Gegen#wart ihnen völlig und definitiv den Rücken ehren Goehre behauptet, ihm, der selbst m Dienste von einer dieser Kirchen gestanden abe, sei es ganz klar, daß die Kirche lieber Das neue Schulgesetz als Hunderttausende hegenwärtiger Kirchenglieder, noch dazu steuerzahler, fahren lassen würken. Aber such auf die politischen Parteien der preusischen Junker werde eine solche Aktion eine eilsame Wirkung ausüben. Eins ihrer äiksten Motwe zur Durchdrückurg des schulzesitzes sei die Hofftung, durch den zieherischen Einfluß der Kirchen auf die schu jugend dem Umsturz dauernd das Wasser Pz4graden. Entziehe aber dieser millionen sosize Unsturz seive Jugend diesem Ein sse, wurde dadurch ein vieltausendköpfiges r von Di sidenterkindern geschaffn, so ürde das iinterliche Interess: an dem Gesetz saam richruupfen, und selbst die Regie
dust in ihrer ohnehin ncht festen esit on wick lig wirden. Dazu gehöre aber,
## der Masseraustritt schon in der Woche,
### der die zweite L sung des Sculunter#ltungs gesetzes stattfinden solle, vorgenommen ###rde. Am besten also könne die Agitation
Ofür am 21. Januar in den Massenverimlungen, wo„so wie so alles auf den inen und in Erregung ist“, beginnen. #rdings verhehlt sich Grehre die Schwi rig
##ten nicht die dieser Agitation im Wege
und schon bisher im Wege gestanden
Früher habe es sich um Frazen
welianschauung gehandelt, diesmal
sei nicht eine Preisgabe der religiösen vernuzung, sondern eher eine Befreiung „Vertiefung derselben der Anlaß. Es
e üie de Relgzon.
wuig grenz=Zig.“ bemerkt hierzu:„So #r Brehre, der unter die Sozialdemo
kraten gegangen war, um ihnen Religion beizubringen, und dem seinerzeit der Mund verboten wurde. Diesmal dürfte er auch im radikalen Lager Beifall ernten; denn er nennt schließlich den Messenaustritt aus den Kirchen eine revslutionäre Tat. Und das wäre er auch in Wirklichkeit. Wenn aber Goehre diesen Mass naustritt schon als eine Tatsache feiert, wenn er meint, der Sturm, der die Kirche erschüttern würde, würde auch am Dreiklessenwahlrecht nicht spurlos vorübergeher, so wird er doch recht bald wahrnihmen kögnen, deß Kirche und Stoat viel zu gut fundiert sind, als daß sie durch Sptzfndigkeiten eines abtrünnigen Theolozen erschüttert werden könnten.“ Hilfe, auf die er sctwerlich gerechnet hatte, erhält Herr Goehre durch Berliner Studenten der philesophischen Fakultät, denen die Lektüre der Netzsche'schen Schriften den Kopf verdreht hat. Sie haben ein von ver Komilitonen unterzeichnetes Flugblatt erlassen, aus dem wir folgende Sätze wiedergeben:
Darum bitten wir die Professoren der nichttheologischen Fakultäten, in corpore aus den verschiedenen Kirchen, zu denen sie— nur äußerlich— noch gehöen, auszutreten und bei der Regierung dahin vorstellig zu werden, daß die theologische Fakultät als dem akademischen Geiste widersprechend aufgehoben werde. Und die gleiche Aufforderung bitten wir die Leipziger Prof ssorenschaft an die Lehrkörper der anderen deutschen Universitäten zu
richten...... Nur ein allgemeiner Aus
tritt der Akademiker aus der Kirche kann uns von dem konfessionellen Zwange befreien, den ungerecht und unbe rusen die staatliche Gewalt uns auferlegt. Den Ausschuß der Studentenschaft ersuchen wir, eine allgemeine Studentenversammlung einzuberufen, die diesen wahren Begriff der akademischen Freiheit proklamiert!“
Aus den am Schlisse mitgeteilten Thesen teilen wir folgende Sätze mit:„Die Universität wirkt mit an der Befreiung der durch flaatlichen Zwang unterdrückten sittlichen Energie. Die Universität bekämpft offen und mit tiefer Leidenschaft das kultur= und lebensfeindliche Christentum. Die Universität ist die Trägerin einer lebenskräftigen Diesseitsreligion der schöpferischen Tat, einer Religion der geadelten Sinnenfreude, der Heiligsprechung aller naturgegebenen Triebe und plastischen Kräfte im Meuschen.“
Die Bäume der jungen Herren, die besser täten, mit Ernst dem wissenschaftlichen Studium obzuliegen, haben ja keine Aussicht, in den Himmel zu wachsen, immerbin aber verdient der Aufruf als charakteiistisch für unsere Z it verzeichnet zu werder.
Der Aufruhr in Hamburg.
Ene größere Abteilurg von Arbeitern zog am Mittwoch abend vor das Haus des Bürgermeisters De. Burckhardt und brachte Hochruse auf ihn aus. Nach einer Antwoc. des Bürgermeisters, die in ein Hoch aus Hamburg auslief, zerstreute sich die Menge gaz ruhig. Die Nachricht, daß ein verwundeter Schutzmann gestorben sei, erweist sich als untichtig. Die„Hamb. Nachr. berichten: Der Kampf am Fischmarkt ist unbeschreidlich ge wesen, die Szenen waren in Wrkichkeit noch viel furchtbarer, als man zuerst anr ahm. Der Pöbel hat mit seiner ganzen Beutolität und Roheit gegen die verhaßten Schutzleute gewütet. Die alte Feindschaft ist in jiner Nacht einmal vom Pöbel bis auss Messer ausgekämpft worder, und das Schlimme war, daß die Tunu tanten soroll in der Ueberzahl, als auch sozusagen besser bewaff jet waren als die Schutzmannschaft, da sie die unzähligen Bierflaschen und Mauersteine's gefährliche Wursgeschosse und die Litten und Stargen als Lanzen gegen die nur mit ihrem Sähel bewaffneten Beamten benntzen konnten. Man konnte aber doch wieder einmal deutlich sehen, wie wenig im
Grunde ein auch noch so großer Vosksheuse gegen das Vorgehen einer disziplinierten Mact vermag. Auch aus den Fenstern der Häuser am Fschmarkt und dem Schopenstehl sind die Sautzleute mit Steinen und Bie flischen bombardiert worder Wie am Schoper stehl und Fischmarkt gewütet worden ist, das zeigte nach der Schlacht der Wihlplatz; er war bedeckt mit Glasscherben und Steinen. In Schopenstehl ging man auf Glas, so viele Scherben des dcken Sriegel glases von den herausgeschlagenen Schau fenstern lagen am Boden, und mit diesen schweren Glasscherben wirden die anreitenden Schutzleute so beworsen, daß man glauben konnte, es ginge ein Hagelschauer nieder. Der Barrikadenbau am Schoper stehl und den anderen Straßen scheint übriger s durchaus plar wäßig betrieben worden zu sein. Man wollte die Straßen verbarrikadieren, um in Ruhe plündern zu lönnen. Mit diesen Szenen endete also der in einer der sozialdemokratischen Versamm lungen empfohlene„Spaziergang um die Alster.“
Ein Berichterstatter des„Hann. Courier schreibt: Die Polizei hat zwei der Hauptädelsführer des Tumuts em Muttwoch abend in ihren Händen. Es sind dies der 25 Jahre alle Scheuermann Heinrich Rudolph und der 21 Jahre alt: Gpfer geselle Emil Stange. R km als An üher ei. es Trupps von über 100 Pirsonen über den Fschmarkt und schrie:„Haut itzt von hinten auf die Haurken!" Liutes Halleh der tobend.n Menge folgte tiesen Worten, worauf R. einen Ziegelstein eu einen Schutzmarn warf. Als dieser den R packie, wurde er von R. bei der Kehle gefeßt, gewürgt und von seinen Genossen zu Boden gerissen. In dies mAugenblick ritten die Schitz eute Ait ck. und reiteten so den Kellegen rom Tode. R. wurde durch einen Sätelhieb medig stteckt und zur Wache geschafft. St kam als Arführer eines großen Tapps unter lautem Gebrüll und Toven vom Kattrepel her. Er beschimpfte den Senat und rief sortgesetzt:„Hoch lebe die Anarchie, Kollegen, drauf los, runter mit den Pckelhauben". Dann waifen seine Anhänger mt Kni ppeln, Steinen und anderen Eegenständen nach den Schutzleuten. Stange erschten dann mit einem zweiten Trupp Tumul= tuanten vom Pferdemarkt her Bei der Carien= straße hinter dem Johanneum kam es zu einem erbitterten Kampfe. St. schlug mit ein m harten Gegenstande die Ladenscheibe eines Fettwarengeschäfts ein. In diesem Augenblick warsen sich von allen Seiten Schutz leute auf den Trupp und es gelang, St. zu verhaften. Der Schaden, den eine ganze Reihe von Geschäftsleuten durch die Br. störungswut der Masse erlitten haben, wird euf 120000 Mark beziffut. Die Hamburger Polizeibehörde hat öffentliche Versammlungen für den 21. und 22 d Mis und für die Tage, an denen die Bürgerschaft über die Wahlrechts vorlage verhandelt, ausnahmslos verboten und wird sonstige öffentliche Versammlungen in nächster Zeit nur ausnahmsweise gestatten. Umzüge wirden bis auf weiteres überhaupt nicht zugelessn werden.
Politische Nachrichten.
Aus dem Deutschen Reiche.
Berlin, 19. Jaruar.
Zu der kürzlich erfolgten Einweihungsfeier der evangelischen Pauls= kirche in Moskau, die unter den g: gebenen Verhältnissen ganz geräuschios stattsand, hat Kaiser Wilhelm an den Oberpastor v. Dieckhoff folgendes Telegramm gesandt:„Ich habe mich über die Meldung von der glücklichen Einweihurg Ihrer PetriPaul=Kirche sehr gefreut und wünsche von Herzen, daß das neu: Gotteshaus unter dem Schutze des Höchsten der dertigen Ge
meinde sich stets als eine Stätte der Erbauung und des Trostes in jtzider ernster Ziit wie in künftigen ernsten Tagen erweisen möge. Wilhelm.“
Der Kronprinz ist mit der Vertretung des Kaisers bei der Trauerseier für den Staatesekretär Freiherrn v. Richthosen beaustragt worden. Der König von England ließ durch den Botschafter Sir Frank Lu#cilles der Schwester des Verstordenen den Ausdruck tiefsten Beileids übermitteln.
Wie nach der„Koln. Zig." bestimmt verlautet, wird der Oberpräsident von Sachsen, Staatsminister v. Bötticher, demrächst auf seinen Wunsch aus dem Staatsdienst ausscheiden.
Der wit Oldenburg abgeschlossene Letterievertrag wird dem Lundtage in allernächster Z it zugehen.
Den Bundesregierungen ging rom Bandesrate der Entwurf eines Automobil= gesetzes zu, welches sich nicht auf eine Zwangsgenossenschaft gründet, die Preußen a gelehnt hat.
Wie die„Hamb. Nachr.“ mitteiler, sind die militärischen Anordnungen in Berlin für nächsten Sonntag dem Ger eralfeldmarschall v. Haanke in dessen Eigenschaft als Oberbesehlt haber in den Marken und als Gouverneur con Berlin getriffen wo d n. Im Polizeipräsidium hefft man angeblich, daß der Tag ohne größere Störungen verlaufen werde. Der„Hann. Cour.“ berichtet: Eine Versammlung deutschuationaler Handlungsgehilfen und Studenten in der„Andreasburg" beschloß gest ru abend,jden Umzug der Sozialdemekaaten durch antisozialdemokratische Kandgebungen mit patriotischen Abzeichen auf der Straße zu beantworten.— Das ist gut gemeint, aber nicht unbedenklich.
Auf Antrag des Frhrn. v. Mantei ffelKrissn hatte in der vorigen Sessio des Hertenhauses argeregt, daß den Mannschoften der Lan#armee und der Marine das Militärgesangbuch als Eigenium zu übergeben sei. Daraufain hat die Heeresverwaltung dem aus dem aktiven Dienst ausscheidenden Mannschaften das Militär= gesangbuch für den mäßigen Preis von 9 Pig angeboten, und es ist von dem Anerbieten in reichem Maße Gebrauch gemacht worden.
Die Köln. Zig. erhält von zuständiger Seite die Mitteilung, daß die Nachricht der „Germ, wonach der Oerlandesgerichtspräsident in Hamm am vergangenen Sonnabend eine Konferenz der Staatsanwälte des Oberlandesgerichtsbezirks einberufen haben soll, völlig aus der Luft gegriffen ist. Eine Versamnlung von Staatsanwälten, zu deren Einbernfung übrigens der Oberlander gerichtspräsident nicht zustindig gewesen sein würde, hat überhaust in Hamm nicht stattgefungen.
Die Einführurg der 4. Wagenklasse im Reichslande ist nach dem„Journal de Colmar beschlossene Sache.
Der Aufstand in SüdwestEfrika.
An 18 d. M. gingen mit Postdampser „Erna Wörmann“ 36 Offiziere und 2600 Unteroffiztere und Mannschaften von Hamburg nach Swakepmund ab.
Die Reichskommission zur Prüsung der Rechte und Pflichten und der bis herigen Tätigkeit der in Südwestafriia tätigen Land= und Bergwerksgesellschaften wird ihre konstituterende Sitzung innerhalb der nächsten 14 Tage abhalten. Vorsitzender ist der Echpeinz zu HohenloheLangenburg.
Verluste: Serzeant Piul Heyden ist am 13. d. M. insolge eines Schlangen