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Beileidskundgebungen zum Tode des Reichspräsidenten
Für die Heimatchronik festgehalten seien anschließend noch die Kundgebungen, die aus Anlaß seines Todes
btschof Dr. Klein für die Erzdiözese und die Städte, Paderborn und Bad Lippspringe dem verstorbenen neugrpräsidenten widmeten.
Kundgebung des Erzbischofs Dr. Klein.
Am Donnerstag, dem 2. August, gegen 9 Uhr vormittags ist der Herr Reichspräsident, Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg vom Herrn über Leven und Tod in das bessere Jenseits abberufen worden. Schmerzexfüllt steht das gesamte deutsche Volk am Sarge des rrefstiche. Mannes, der selbstlos und unermüdlich seine ganze Kraft in den Dienst unseres Vaterlandes stellte und in jeder Beziehung ein Vorbild tiefster Berufsauffassung und treue
Den großen Toten seinen reichen Verdiensten entsprechend würdig zu ehren, ist uns ein aufrichtiges Herzensbedürfnis. Diesem folgend, wird hierdurch angeordnetz, daß bis zur Beisetzung in allen Kirchen der Erzdiözeg abends von 8 bis 9 Uhr Trauergeläute stattfindet und Flaggen halbmast gehißt werden.
Paderborn, den 2. August 1934.
Caspar,
Erzbischof von Paderborn.
*
Das Beileid der Stadt Paderborn.
Nach Eintreffen der Kunde von dem Ableben unseres allverehrten Ehrenbürgers, des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, hat die Stadt Paderborn das nachstehende Beileidstelegramm an das Büro des Reichspräsidenten
gesandt:
Tieferschüttert von der Nachricht des Heimganges des geliebten Ehrenbürgers weilte die gesamte Bürgerschaft der Stadt Paderborn im Geiste an der Bahre des Reichspräsidenten und Generalseldmarschalls von Hindenburg, des getreuesten Eckehards seines Volkes, und gelobt dem treuen Toten mit tiefstem Dankgefühl im Herzen für
seine überragenden Leistungen für das Vaterland in Krieg und Frieden, sein Andenken stets heilig zu halten durch ein unaufhörliches Streben, jetzt und in aller Zukunft, mit gleicher Liebe, gleichem Ernst, gleicher Hingabe und gleicher Entsagung seine Kräfte für's Vaterland und die deutsche Volksgemeinschaft einzusetzen, getreu seinem
eo„Richts für uns, alles für Deutschland!“
Der Bürgermeister:
J. V. Seidter.
Das Beileid der Stadt Bad Lippspringe.
Die Stadt Bad Lippspringe hat aus Anlaß des Ablebens des Reichspräsidenten v. Hindenburg, der ihr Ehrenbürger war, folgendes Beileidstelegramm an das Buro des Reichspräsidenten gesandt:
„Tief erschüttert über die Nachricht von dem Ableben unseres hochverehrten Reichspräsidenten und Generalfeldmarschalls, unseres über alles geliebten Ehrenbürgers, trauert die Stadt Bad Lippspringe an der Bahre des teuren Toten und gelobt, im Sinne des Dahingeschiedenen und getreu seinem Vorbilde auch zukünftig in ernster Pflichterfüllung an dem weiteren Aufbau unseres geliebten Vaterlandes mitzuarbeiten.
Der k. Bürgermeister Bock.“
Kunsthändler Julius Lammersen
Am 9. August starb der allbekannte und geschätzte Mitbürger Kunsthändler Julius Lammersen und am 12. August fand er unter großer Beteiligung auf dem Paderborner Ostfriedhofe seine letzte Ruhestätte. Julius Lam
wo er am 12. 4. 1863 das
erblickte, nach Paderborn gekommen und begründete hier am 1. Oktober 1886 eine Kunsthandlung verbunden mit einem Einrahmungsgeschäft. In zwei Jahren hätte der jetzt Verstorbene sein goldenes Geschäftsjubiläum feiern können, das zu erleben ihm leider nicht mehr vergönnt war. Lammersen sah aber im Laufe der fast fünf Jahrzehnte doch reiche Erfolge seines Fleißes und seines feinen Kunstverständnisses. Die Kunsthandlung Lammersen wurde immer mehr und mehr zu einer Förderin der guten Kunst im besten Sinne des Wortes. Die Ausstellungen, die bei Lammersen immer wieder zu bewundern waren, zeugten dafür, daß die Träger des Geschäftes dem sogenannten Kitsch und gewissen „Kunstsensationen“ aus Prinzip abhold waren. Dadurch hat die Lammersensche Kunsthandlung unzweifelhaft für Paderborn in und um Paderborn sehr verdienstvoll gewirkt. Viele Meisterwerke religiöser und profaner Gestalt sind durch die Hand der Firma Lammersen zu uns und damit in das Paderborner Land gekommen. Der Verstorbene hat es sich insbesondere auch angelegen sein lassen, die Kunst der
Heimat zu hegen und zu pflegen. Unzählige wertvolle Paderborner Radierungen sind durch die Förderung des Verstorbenen aus bewährter Künstlerhand geschaffen und verbreitet worden. Ohne Julius Lammersen hätten gewiß auch viele dieser Kunstwerke mit ihren intimen Darstellungen aus der Paderstadt und dem Paderborner Lande nicht den uns gefunden. Wir weisen dabei auf die Gesellschaftsräume des Paderborner Bürgervereins hin, deren reiche Ausstattung mit wertvollen und seltenen Bildwerken immer wieder die Bewunderung besonders auch der vielen Fremden findet. Auch dieser wertvolle Schmuck ist zum großen Teile der Initiative des Verstorbenen zu danken. So hat die stille und emsige Arbeit Julius Lammersens ifellas fast 50 Jahre lang im Dienste der kulturellen
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so hat die stille und emsige Arbeit Julius Lammerse.
zweifellbs sünt 30 Juhler tung im Menste der kulturellen und künstlerischen Bestrebungen der Paderstadt gestanden und dabei sehr verdienstvolle Arbeit für die ihm zur zweiten Heimat gewordenen Paderstadt geleistet. Dies aus Anlaß seines Hinscheidens dankbar anzuerkennen, ist uns liebe Pflicht. Auch in den weitesten Kreisen der Bürgerschaft wird dies geschehen, und Julius Lammersen wird daher auch bei allen, die ihn kannten, in freundlicher Erinnerung bleiben. Er ruhe in Frieden! Wg.
Straßennamen der Stadt Paderborn
Von Konrektor a. D. Herwald. IV
(Schluß).
Am Westausgange der alten Stadt Paderborn wurde ein Zoll erhoben. Das Recht, den Zoll zu erheben, erteilte der Bischof dem alten Paderborner Geschlechte der Familie von Schildern. Davon hat der„Schildern“ seinen Namen.
An der Warburger Straße liegt die„Schulbrede". Diesen Breden= Breiten— Hufen, waren die Ländereien, die einer Schule(Domschule?) gehörten.
Gegenüber dem Hotel„Graf Moltke“ führt, von der Neuhäuser Straße ausgehend, die„Sertürnerstraße“ zu den Paderwiesen. Sertürner stammt aus Neuhaus. Er arbeitete in der alten fürstbischöflichen Hofapotheke, später Adlerapotheke am Markt, heute Buchdruckerei Anton Kleine. Er erfand in diesem Hause das Morphium. Gedenktafel am
Die Spitalmauer reicht vom Neuhäuser Tor bis zur Pader. Am Ende der Straße lag früher ein Hospital, später Lazarett, und dann Kammergebäude des Husaren
In der Bauernschaft Westerloh des Amtes Delbrück wurde im Jahre 1600 Johannes Spork auf dem Sporkhofe geboren. Uneinigkeiten mit seinem Vater, das Hin= und Herziehen der Truppen während des Dreißigjährigen Krieges, und auch wohl die Not, worin das ganze Land versetzt war, bestimmten ihn, sich dem Soldatendienste zu widmen, der damals alles gab, was der Bauer entbehren mußte. Eine andere Lesart ist, Spork habe wegen unglücklicher Liebe die Heimat verlassen.
Natürliche Geistesanlagen und Heldenmut hoben ihn bald empor. Er galt zuletzt für den ersten Reitergeneral der Welt. Nach ihm ist die Sporkstraße benannt worden.
Am Stadelhof. Der Stadelhof= Stadthof gehörte zu Enenhus. Enenhus, eine eingegangene Siedlung, lag am Elserweg in der Nähe der Immigschen Ziegelei.„
Auf der Sühle. Auf der Nordseite der Stadt lag die Siedlung„Sulithe", davon der Name auf der Sühle. Bischof Meinwerk wollte hier eine Kapelle bauen, kam aber nicht dazu und errichtete statt dessen die Alexiuskapelle.
Vor Marienloh lagen früher Ziegeleien. Der Weg dorthin wurde Teilweg, d. i. Weg zu den Tigel= Ziegel=Höfen. Dort lagen auch die Tegels= Teiche. Der heutige Tegelweg hat davon den Namen. gee
Die Theodorstraße ist benannt nach Theodor oder Dietrich von Fürstenberg.
Thisaut. Die Maspernbauerschaft hatte ein eigenes Stadtgerichtshaus, das wurde„The— Tigge“ genannt. der Nordseite des Gerichtshauses fand sich ein Ziehbrunnen =„Saut". Thisaut heißt also:„Gerichtsbrunnen“.„
Das Wort„Töterlöh“ ist noch nicht gettärt. Lo=
lau— Wald. Töter— Tatern. Der Volksmund bezeichnet fahrendes Volk mit Tatern. Wäre Töterlöh also ein Wald, wo solches Volk Aufenthalt nahm? Oder sollte es
„Uekern.“ Dort, wo jetzt, die Meinwerkschule sich er
hebt, war früher ein Sumpfgelanoe,„Uissenpohl“ genannt. Davon soll das Wort Uekern abgeleitet sein. Der Name kommt in einer Urkunde von 1328 als„uppen Uekern“ vor.
„Uhlenwinkel.“ Im Paderbornischen Intelligenzblatte vom Jahre 1775 wird angezeigt, daß die Behausung des Jürgen Uhlen, unweit des Steinweges nebst dem dazugehörigen Garten verkauft werden soll. Nach diesem Bürger Jürgen Uhlen wird der Uhlenwinkel— heute leider Uhlenstraße genannt— den Namen haben. Der Uhlenwinkel ist die Verbindung zwischen dem Steinwege und der Giers
„An der Wasserkunst“ liegt das Maschinenhaus
ove„Herberg und Beberstraße“.. gae
Jahre 1422 erwähnt. Hier übten, wie auch in der Klepper
lichen Höhen zur Stadt fließen, zurückzuführen.
Ein sonberbärer aller Rechtsbrauch in Westsalen
(1492)
Von Reinhold Grasreiner.
in bestiger,Zahre“. 1489 in Essen vorgenommenen
von oberstein und der Irmo=gerrg. graf Johann
e 1492 bbez der Stadt=Essen über neue Unruhen und
selber nicht die Macht dezu besitzen, so wolle er, Johann,
die Rute schwingen. Das schrieb der Herzog=Graf nach
Essen. Von hier aus sandte man ihm wieder einen Schreibebrief. Darin stand: Wir teilen Euch, Herr Herzog, mit, daß einer unserer Bürger„drunken“ gewesen ist. Und dieser Trunkenbold und Trunkenheld hat irgendeinen andern Mann verfolgt durch die„Freiheit der Burg" bis auf den Markt. Dabei hatte der Verfolger ein Messer in der Hand. Unsere„Stadtknechte", immer eifrig dienstbeflissen, sahen das, und da— wie sich das so gebührt haben sie den Messerhelden festgenommen und ins Stadtgefängnis geworfen. Aber das ging etlichen unserer Bürger wider den Strich. Sie machten einen Auflauf und riefen und schrien durcheinander:„Hy sy ein burger, dat eine burgerrecht laten wederfaren ind leide on up die 4
orde des markts!"(Er sei ein Bürger, man solle ihm
Bürgerrecht widerfahren lassen und leite ihn auf Orte des Marktes!) Und so ward der Messerläufer wieder aus dem Gefängnisturm geholt und auf die genannten „Orde“ geleitet. Da war der Mann aber noch frech, gab
„unsen Knechten noch verkarde Worde". Dafür haben ihn
unsere Knechte„vur den mont geslagen: Das war wiever einem Teil unserer Bürger, die ganz gegen den Willen des Rats herbeigelausen waren, nicht recht. Diese Bürger schlugen wiederum die Polizei. Aber„dar is gein blotstortinge gescheit"(dabei ist kein Blutvergießen geschehen). Und so sitzt der„hantdeder" noch im Gefängnis und zwar so lange, bis wir vernehmen, ob er um des Handels willen Wandel und Buße getan habe, wo Gewohnheit und Recht unserer Stadt ist, falls er für schuldig befunden würde.
Das Sonderbare bei dem Rechtsbrauch war nun weniger das Herumlaufen des betrunkenen Amokläufers, auch nicht seine Festnahme durch die Polizei, auch nicht die Parteinahme eines Teils der Bürger für ihren Milburger und Messerstecher, nicht einmal, daß man die heilige Hermandad schlug, sondern„das Herumleiten auf die 4 Orde des Marktes". Dieser sonderbare Rechtsbrauch wie aus einem Ortsstatut der niederrheinischen Stadt Goch zu entnehmen, folgendermaßen ab:
Wenn ein Bürger, der sich gegen das Zivil= oder Kriminalrecht vergangen hatte, innerhalb der Stadt gefänglich eingezogen worden war, so wurde er„strax an di
4 hurken(— Hucken, Ecken) up den markt umgeleidet", und der mitgehende Gerichtsbote rief laut aus: Ist jemand da,
der für die Unschuld des Umhergeleiteten bürgen kann und will, der melde sich:— Fand sich ein Bürgr, oigugde der Gefangene vorläufig freigelassen und das Ergrom per Gerichtsverhandiung abgewartet.
Stadt und Land Paderborn im August 1934
Der selten schöne und warme Sommer des Jahres 1934 setzte sich auch im Ferienmonat August anhaltend durch. die ersten Tage des Monats fiel die zweite Hälfte der Großliboriwoche. Auf diese Hauptfestwoche des ganzen Paderborner Landes lag in diesem Jahre ein Schatten. Der Festtrubel fand durch den Klang der Trauerglocken aus unlaß des Todes des Reichspräsidenten von Hindenburg und durch die angeordnete Landestrauer eine jähe Unterbrechung. Zwei Tage lang waren alle Vergnügungsbetriebe auf dem Liboriberg geschlossen. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde dann den Unternehmungen erlaubt, an den beiden Schlußtagen ihre Betriebe offenzuhalten, allerdings mußte sich alles ohne besonderen Lärm und insbesondere auch ohne den Takt der Musik und der der Karussellorgeln abspielen. Das große Publikum nahm diese Beschränkungen als ganz selbstverständlich hin. Der Besuch, der an den ersten Haupttagen der Liboriwoche ungemein stark war, hatte unter dieser Maßnahme kaum zu leiden, denn auch an tagen herrschte in der Stadt und auf den Messeplätzen wieder ein gewaltiger Andrang. Der Chronist hat jedenfalls festzustellen, daß die Liboriwoche an ihrer alten Zugkraft nicht nur nichts eingebüßt, sondern noch gewonnen hat. Die alte Paderstadt war in der Liboriwoche wieder der große Mittelpunkt für den weitesten Umkreis. Zu dieser für das Wirtschaftsleben Paderborns sehr erfreulichen Tatsache trug die sehr umfassende Verkehrsorganisation des Verkehrsvereins in erheblicher Weise bei. Auch der wirtschaftliche Erfolg der Liboriwoche für die Unternehmungen wie für die einheimische Geschäftswelt wurde allgemein als gut und als besser wie in den Vorjahren bezeichnet. Von den übrigen Ereignissen des Monats von Bedeutung sind nachstehende festgehalten:
1. 14. Jahrestag der Konsekratton des Erz
bischofs Dr. Kaspar Klein.
1. Der seit dem 1. November 1932 mit der Leitung der Stadt Bad Lippspringe betraute kommissarische Bürgermeister Becker wurde an die Stadtverwaltung Bielefeld zurückversetzt. Zum k. Bürgermeister wurde Referendar Bock ernannt.
2. Gedenkstunde der Garnison zum 20. Jahrestag des Kriegsausbruches auf dem Schützenplatz mit gleichzeitiger Gedenkfeier für den dahingeschiedenen Reichspräsidenten und Generalfeldmarschall Paul v. Hindenburg.
4. In Bad Lippspringe fand eine große Saar= und Treuekundgebung statt.
9. Während eines über Paderborn niedergegangenen Ge
witters wurde ein Kugelblitz beobachtet, der die Domuhr außer Betrieb setzte und vielfach vorübergehende Störungen der Lichtleitungen verursachte. Kunsthändler Julius Lammersen starb im Alter von 71 Jahren.
Weihbischof Baumann spendete in der kirche 18 Ordensleuten das Sakrament der Priester
13. Der Direktor des Leokonviktes, Dr. theol. et jur. Maxten Hompel, feierte sein silbernes Priesterjubiläum.
17. Zum Propst der Gokirche wurde Oberstudienrat a. D. Otto Koch ernannt.
18. Rentier Hugo Recknagel vollendete sein 80. und am Tage darauf Schlossermeister Augustin Eickel sein 75. Lebensjahr.
19. Bei der Volksabstimmung über das Gesetz der Vereinigung der Aemter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers wurden in der Stadt Paderborn 17 680 Ja=, 3799 Nein= und 740 ungültige Stimmen abgegeben.— Im Kreis Paderborn wurden bei fast 100prozentiger Wahlbeteiligung 41076 Ja=, 6 568 Nein= und 1591 ungültige Stimmen abgegeben.
27. Der Turnverein Elsen feierte sein 40jähri
ges Bestehen.
26. Auf dem Rathausplatz fand eine große Saarkundgebung statt.
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