Bielefeld, 24. Oktoder.

Ein Bielefelder Zwischenzahlungsmittel?

Alles, was zu den täglichen Bedarfsgegen­ständen gehört— in den letzten Tagen Milch und Fleisch— ist auf Goldpreise gestellt, während Lohn= und Gehaltsempfänger in Pa­viermar: ausgezahlt werden. Durch diese Dop­pelwährung haben sich wirtschaftliche Schwierig­keiten ergeben, die unmittelbar die Verbraucher, unmittelbar auch die Produktion und den Han­del trafen.

Da eine Regelung der Währungsfrage eine brennende Lebensfrage für weite Kreise gewor­den ist, deren Regelung durch das Reich noch einige Zeit auf sich warten lassen wird, haben sich Bielefelder Arbeitgeber= und Arbeimehmer­organisationen mit der Frage eines wertbeständi­gen Zwischenzahlungsmittels für Bielefeld befaßt:

Es wird uns darüber berichtet:

Auf Antrag der Gewerkschaften Bielefelds fand gestem im Gildenhause eine Aussprache des Bielefelder Arbeitgeben=Bundes mit den Vertretern der Gewerkschaften statt, die die Schaffung eines wertbeständigen Zahlungs­mittels bezweckte. Die Besprechung gründete sich auf eine Verfügung der Regierung, nach der in allen geeigneten Fällen und zu best­möglichsten Bedingungen die Genehmigung er­teilt werden soll, daß in dustrielle Werke von sich aus für kurze Zeit wert­beständiges Geld ausgeben können.

Nach längerer, eingehender Erörterung wurde beschlossen, die Frage in engerer Kom­missionsberatung sowohl arbeitgeberseitig als auch arbeitnehmerseitig unter Hinzuziehung Sachverständiget unverzüglich weiter zu ver­folgen, damit feste Pläne erarbeitet werden können.

Ueber das Ergebnis der Verhandlungen wird in Kürze weiter berichtet werden.

(:)

Oktoberkirmes.

Bei einem Dollarstande von 60 Milliarden ge­hört schon eine gehörige Portion Mut dazu, Kirmes­stimmung aufzubringen. Und die Zahl solch Mutiger, die sich gestern auf dem Kesselbrink„amüsierten", war immerhin erstaunlich groß. Die Oktoberkirmes als solche war nur noch der Schatten einer Kirmes aus wertbeständigen Tagen. Die Sturzflut der Inflation scheint die Teuerung unter dem Rasseln der Dampf­karussells gelöscht. Diese technisch vorgeschrittensten „Typen“ fehlten. Dafür sah man ein mit Menschen­kraft getriebenes Karussell. Die Kirmesbesucher fan­den sich mit diesem zeitgemäßen Rückschritt mit Ver­mügen ab.

?? Kreditierung der Milchlieferung?

" Die Wirtschaftsstelle der Stadt Münster hat bekanntlich die Einführung des Goldpreises für Milch nicht anerkannt. Eine Nichtbelieferung der Stadt Münster aber scheint nicht zu be­fürchten zu sein.

Dem„Münst. Anz.“ wird nämlich vom Meiereiverband mitgeteilt, daß dieser den Westsälischen Milchpreisausschuß sowie Ver­treter der Regierung, Städte usw. zu Diens­tag morgen zu einer Sitzung geladen, um zu folgendem Plaue Stellung zu nehmen: Bei der katastrophalen Entwertung der Mark und dem wahnsinnigen Steigen des Dollars ist die Durchführung der Gold­psennigrechnung unmöglich. So viel Papiergeld würden die Verbraucher gar nicht beschaf­fen können, um den täglichen Bedarf zu decken. Um nun aber die Milchlieferung nicht ins Stocken geraten zu lassen, soll den Landwirten der Betrag von 11½ Psg. gutgeschrieben werden, bis in etwa 14 Tagen die Rentenmark

in Verkehr kommt. Die Molbereien liesern ebenfalls auf Kredit bis zur Einführung der Rentenmark die Milch an die Städte und diese an die Verkaufs­stellen. Diese sollen ebenfalls die Milch an die Kinder auf Kreidit abgeben, bis sie die in den 14 Tagen er­haltene Menge mit Rentenmark bezahlen können.“

Man kann sich über die Einsicht des Mol­kereiverbandes nur freuen. Die Durchführung des Vorschlags scheint allerdings auf eine Reihe Schwierigkeiten zu stoßen.

von

für

Von den tiefen Roten des Hans Schäffner!

83)

Roman von

Wilhelm Edward Gierke.

Copyright 1920 by Bibliographisches Institut Leipzig.

(Nachdruck verboten.)

Doch als er im Rahmen der Küchentür eine weibliche Gestalt in einfachem Kleide und fast vornehmer Schlichtheit sah, wurde er stumm. Er verneigte sich etwas verwirrt.„Unsere Tochter Maria, stellte Frau Reinhardt vor. Sie gab ihm zögernd die Hand. Er blickte sie nur flüchtig an. Maria hatte die Mutter gesagt, nicht Marie ... Maria Reinhardt... Sie hatte tiefblondes Haar und blaue Augen. Ihr Gesicht prägte sich ihm gleich ein.———

Er saß nun vor seinem dicken Buch und suchte nach Wörtern. Es hieß„Das Buch der Liebe“. Schaffner ergötzte sich an den alten Volksbüchern des 16. Jahrhunderts, die hierin gesammelt waren. Er schrieb Zettel auf Zettel.

Und wenn er ein Paket fertig hatte, stand er auf, blickte in den Spiegel und verneigte sich.„Alle Achtung, Hans Schaffner, du Wan­delbarer! Ehemals Schulmeister, dann Klavier­spieler in Nachtkneipen, Balladendichter, Privat­stundenlehrer— nun Exzerptor! Das klingt sicherlich vornehmer. Alle Achtung!“

Er mußte sich von seiner Wirtin wieder­holt daran erinnern lassen, daß das Mittag­essen kalt werde und er sich endlich Ruhe gön­nen müsse. Er maß sie dann mit einem gro­Blick.„Bitte nicht zu vergessen, ich bin

ßen

schrieb und Tisch, und Buch durch

Exzerptor.. bitte!“ und er chrieb, kam selten von seinem chon nach zwei Wochen war das searbeitet.

Als er seinen Hausen vollbeschriebener Zet machte der Leiter des Bureaus ein verwundertes Gesicht:„So schnell, Herr Schaff­

Der Niedergang der

Verschlechterung des Arbeitsmarktes.

Die Woche vom 14. bis 20. Oktober brachte den westfälischen Arbeitsmarkt eine weitere Verschlechterung.

Die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse im Zusammenhange mit der fortschreitenden Geldentwertung haben eine große Anzahl von Betrieben in durchweg allen Industrie= und Ge­werbezweigen zu neuen Betriebseinschränkungen und Arbeiterentlassungen gezwungen.

Dementsprechend hat sich auch die Zahl der Erwerbslosen und Kurzarbeiter erhöht.

Aus den einzelnen Berufsgruppen ist wesent­liches nicht zu berichten, mit Ausnahme von Landwirtschaft, wo sich insbesondere ein stärkeres Angebot arbeitsloser Industriearbeiter zeigte. Unterbringung war nicht möglich, da es an offenen Stellen fehlt.

Auch im besetzten Gebiet muß die Lage des Arbeitsmarktes nach vereinzelt eingegangenen Berichten als sehr unsicher und gespannt be­urteilt werden. Die überaus starken wirtschaft­lichen Depressionen, die auch nach Aufhebung des passiven Widerstandes fortbestehen, lassen die erhoffte Widerbelebung von Industtie, Handel und Handwerk zunächst nicht zu.

*

Die Arbeitslosigkeit in Bielefeld.

Eine Uebersicht über Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit im Bielefelder Verwaltungsbereich des Deutschen Metallarbeiterverbandes gibt eine Statistik des Verbandes. Danach erstreckt sich die Kurzarbeit bereits auf 126 Betriebe mit 16 950 Beschäftigten. In der Woche vom 15. bis 20. Oktober wurde verkürzt gearbeitet in 18 Betrieben mit 9500 Arbeitern um 8 Stunden, in 23 Betrieben mit 2900 Arbeitern um 16 Stunden, in 50 Betrieben mit 3850 Arbeitern um 24 Stunden, und in 36 Betrieben mit 700 Arbeitern um 25 und mehr Stunden. Voll­beschäftigt sind noch 24 Betriebe mit 4000 Ar­beitern.

gegen Brotmarken verabfolgt werden. Im übri­gen steht das Reichsministerium auf dem Stand. punkt, daß die Rückkehr zur Zwangswirtschaft schon aus technischen Gründen nicht möglich sei.

Eine Verbilligung des Brotmehls durch Zuschüsse des Reiches ist ebenfalls nicht mög­lich, da dadurch die Maßnahmen zur Sanie­rung der Reichsfinanzen, wozu die Brotkarten­Zwangswirtschaft aufgehoben ist, durchkreuzt wür­den. Mit einer Stabilisierung des Brotpreises ist, wie wir aus dem Reichsenjährungsmini­sterium erfahren, vorläufig nicht zu rechnen, da eine solche nur durch Verbilligung der Mehl­belieferung ermöglicht werden könnte.

Am die Zukunft des Musikvereins.

Die Bildung eines Abonnementsblocks.

sehen, an Finanzkasse

dem der Betrag gutgeschrieben ist.

dem Konto der

Teuerungs=Barometer.

der

der

P. Der Bieleselder Musikverein hatte seine Mitgliedern gestern abend zu einer General­versammlung geladen; zur Aussprache stand die Zukunft des Vereins.

Das erste Konzert des Vereins hat eine Ein­nahme von 119 Milliarden erbracht, die, trotzdem das Geld sofort wertbeständig angelegt wurde, nicht für die Deckung aller Unkosten ausreichen. Die Geldfrage ist somit zur Lebensfrage für den ganzen Verein geworden, und der Re­gelung der Finanzen galten dann auch die Vor­schläge(Ergebnisse bisher gepflogener Vorbespre­chungen), die aus dem Kreis der Mitglieder gemacht wurden. Die Einrichtung eines Abon­nements, wobei die Preise in Goldmark festgesetzt werden sollen, soll den Besuch der Kon­zerte im Voraus sicherstellen. Darüber hinaus soll eine Sammlung der Schaffung eines Be­triebskapitals dienen. Die Werbearbeit soll einem besonderen Ausschuß obliegen. Auch die Gründung einer Notgemeinschaft durch zahlungskräftige Personen wurde, als Erganzung zu der einzuleitenden Sammlung, in Vorschlag gebracht.

Schließlich wurde ein aus Damen und Her­ren des Vereins bestehender Ausschuß gebildet, der die Geldfrage und alle zu ihrer Lösung ge­machten Vorschläge noch einmal eingehend prü­fen soll.

Der Mitgliedsbeitrag wurde auf eine Mil­liarde festgesetzt, die sofort zahlbar ist. Doch sind auch hier der Wohltätigkeit keine Schranken gesetzt.

Eine baldige glückliche Regelung der Geld­frage ist im Hinblick auf die Schädigung, die durch einen(wenn auch nur vorübergehenden) Ausfall der Musikvereinskonzerte das Kunstleben unsrer Stadt erführe, durchaus zu wünschen.

980000000

600000000 1000000000 300000 000

12000000 13000000000

% Die Bieleselder Teuerungszahl

für den 23. Oktober 1923 beträgt 596391 000 000. Die Steigerung gegenüber dem 16. Oktober beträgt+ 902,6 Prozent, die Steigerung gegenüber dem 14. Septbr. 1921 beträgt das 532 967828/4fache, die Steigerung gegenüber dem 1. Sept. 1919 beträgt das 6277800000­fache.

Die Brotversorgung.

Nachdem mit dem 15. Oktober die Mar­kenbrotversorgung aufgehört hat, werden die als Bedarfs=Kommut#ilverbände anerkannten Kreise, zu denen Stadt= und Landkreis Biele­seld gehören, noch zu ¾ der vordem bezoge­

nen Mengen mit Getreide aus der Reichs­

reserve beliefert. Die Lieferungen erfolgen je­doch nur zum jeweiligen Tages­preise, woraus sich ergibt, daß die Bäckerei­betriebe für alle von ihnen zu verarbeitenden Mehlmengen den Tagespreis zu zahlen haben und mithin auch der Brotpreis dem täglichen Wechsel der übrigen Warenpreise unterworsen ist. Durch die behördliche Ueberwachung er Preisbildung ist aber Vorsorge ge­troffen, daß die Brotpreise so niedrig als mur irgend möglich gehalten werden. Vom Pu­blitum muß erwartet werden, daß Vor­atskäufe unterbleiben, da es den

äckesrei betrieben nur so möglich sein

wird, die geordnete Brotversorgung aufrecht zu erhalten. Auf der anderen Seite ist es im In­teresse der Verbraucher eine unbedingte Notwen­digkeit, daß die Bäckereien ihre Betriebe unge­achtet aller Schwierigkeiten fortführen und ihre Kundschaft im bisherigen Umfange mit Brot versorgen.

Infolge der ungeheuren Steigerung des Mehlpreises ist die Brotversorgung gefährdet. In Bieleseld machte sich schon eine gewisse, wenn auch nicht beunruhigende Knappheit be­merkbar.

In zahlreichen Städten soll, um die Ham­sterei mit Brot einzudämmen, Brot nur noch

B

Erleichterungen im Zahlungsverkehr

mit den Finanzämtern.

Kürzlich sind die Finanzkassen angewiesen, zur Begleichung von Steuern Bankschecks einst­weilen nicht anzunehmen. Dies vorübergehende Verbot der Annahme von Bankschecks ist eine unvermeidliche Folge der verzögerten Gutschriften des Gegenwertes der Schecks durch die Geldanstalten. Die späte Zuführung der Beträge an die Reichs­kasse bedeutete bei der gegenwärtigen Geld­entwertung eine wesentliche Verringerung der Steuerleistungen gerade lei­stungsfähiger Schuldner und be­dingte Ausfälle der Reichskasse, die nicht länger tragbar waren. Daß daneben das Streben dahin gehen muß, den Steuerpflichtiaen die Begleichung der Abgaben nach Mög­lichkeit zu erleichtern läßt sich jedoch nicht verkennen. Diesem Bestreben dient es, worauf hier nochmals hingewiesen sei, daß bei Entrichtung von Abgaben mit Postanweisung oder Zahlkarte als Zahlungstag der Tag ange­sehen wird, an dem der Betrag bei der Post eingezahlt und daher in eine Reichskasse geflossen ist. Bei Ueberweisung auf das Postscheck­konto und bei Postschecks ist für den Tag der Zahlung der Tagespoststempelabdruck des Post­scheckamtes maßgebend. Bei unmittelbarer Ab­der roten Postschecküberweisungsaufträge (Ueberweisungen) und der Postschecks bei der Finanzkasse selbst, gilt als Zahlungstag der Tag der Abgabe der Ueberweisung oder des Post­schecks bei der Kasse. Auch die Begleichung von Steuern durch Banküberweisung ist dem Steuer­pflichtigen nach wie vor unbenommen. In diesem Falle wird als Zahlungstag der Tag ange

Errichtung einer Volksküche in Bielefeld

Der Magistrat hat in seiner Sitzung am Mon­tag beschlossen, angesichts der großen Ernährungs­schwierigkeiten weiter Volkskreise eine Volks­küche zu errichten. Dank dem Entgegenkommen der Schildescher Gemüsebau=Genos­senschaft, die zur Zeit die früher für Volks­küchenzwecke gebaute Halle in Benützung hat und sie jetzt für den Volksküchenbetrieb zur Verfügung stellt, kann der Betrieb in kürzester Zeit aufge­nommen werden. Die notwendigen technischen Einrichtungen sind zum Teil noch vorhanden und werden sofort eingebaut. Damit die Genossen­schaft in ihrer Tätigkeit— Versorgung des Bie­lefelder Marktes— nicht gehemmt wird, stellte ihr der Magistrat entsprechend andere Räume zur Verfügung. Zur Durchführung der Volksspeisung soll eine Vereinigung— ähnlich dem früheren Kriegshilfsverein— geschaffen werden. Allen leistungsfähigen Kreisen wird die Möglichkeit ge­geben, an dem Hilfswerk tätig mitzuwirken.— Näheres wird in den nächsten Tagen bekannt ge­geben.

Unser Trägerpersonal ist beauftragt,

Heine Gelaschöhle alftel 20 Tilhionen-Tin

mehr in Zahlung zu nehmen. Der durch das Zählen kleiner Geldscheine verursachte Zeit­aufwand beim Einzug und bei der Abrechnung der Abonnementsgelder rechtfertigt ohne weitere Begründung diese Maßnahme.

ner?“ Und eine Reihe neuer Werke wurde ihm übertragen.

Anfang Dezember hatte ein Grammophon bekommen Schaffner froh. Und jeden heitere Melodien. Schaffner Arbeit auf und lauschte. Die

der alte Reinhardt Er verkündete es Abend erklangen fuhr oft in seiner Musik paßte nicht

so ganz zu seinen alten, vergilbten Liebes= und Rittergeschichten. Aber er hörte die Tänze gern. Denn am Abend brannte sein Kopf von der vielen Arbeit, und seine Augen schmerzten vom Schreiben. Und daher war es selbstver­ständlich, daß er Herrn Reinhardt eines Abends folgte, als der ihm sagte, er solle sich doch nun mal etwas schonen und ein bißchen mit in ihre gemütliche Stube kommen.

Frau Reinhardt saß mit ihrer Tochter am Tisch. Schefner begrüßte die Alte freundlich, und die Tochter verneigte sich verlegen. Er

wußte nicht, was er ihr sagen sollte, denn durch seinen Kopf huschten noch alle die Ge­stalten, denen er in seinen Büchern begegnet war.

Er wußte erst recht nichts zu sagen, als

er ihre blauen Augen und ihr blondes Haar

sah und auch sie so wortkarg mit ihm war. Er redete über dies und jenes und bat zuletzt, sich etwas abseits vom Tisch setzen zu dürfen. Seine Augen täten ihm weh. Und es wäre ihm alles dumpf im Kopf. Ob er irgend etwas wünsche? Ob er Schmerzen habe?“ fragte Frau Reinhardt besorgt.

Und Schaffner sah, wie Fräulein Maria ihn plötzlich jäh anblickte. Er schüttelte den Kopf. Nein! Nur keine Mühe sollten sie sich machen. Aber— vielleicht Musik? Irgend was Drolliges! Er lächelte. Und der alte Reinhardt setzte mit Kennerblick den neusten Tanz auf den Apparat.

Schaffner lehnte sich zurück. Er saß im Halbdunkel. Er schloß die Augen. Das Gram mophon erklang. Es spielte sehr rein. Töne kamen, nein. Kobolde stürzten aus dem braunen Kasten, überschlugen sich und huschten in bunter Kette durch das Zimmer. Sie sprangen an ihm vorbei, tippten auf seine Stirn, daß es ihn

durchprickelte, liefen fort und führten allerliebste Reigen auf.

Schaffner öffnete seine Augen. Und als er die Stube übersah, sing er einen Blick Marias auf. Sie war verwirrt und suchte in ihren Stickereien herum. Der Alte hatte die Platte abgenommen und umgewandt.„Schön, nicht wahr? Mein Lieblingsstück.“

Schaffner mußte sich besinnen. Ja, natür. lich, das wäre ja recht lustig gewesen. Er be­trachtete Maria. Ihr Gesicht war vom Schein der Lampe rosig übergossen. Ein schwärmerischer Zug lag darüber. Ihr Haar erschien ihm wun­dervoll reich.

Als die Musik zu Ende war, wurde er redseliger. Er schob seinen Stuhl an den Tisch und lachte auf.„Sehen Sie! Wie gut Ihre Musik wirkt! Ich darf mich doch näher setzen? Danke! Mein Kopf ist wieder hell, und ich fühle mich ganz lebendig.“ Der alte Reinhardt legte die Platten weg.„Sie arbeiten zu viel. Das ist die ganze Sache. Schonen Sie Ihre Schme Er setzte sich an seine Seite. Eine Schwarzwälder Uhr schlug... tit... tack...

... tack... Das hörte Schaffner genau und sah auch, wie der Alte sich seine Pfeise an­zündete. Aber vieles hörte er nicht. Fräulein Maria war schön. Das sah er nun deutlich. Und er dachte an die Rittergeschichten, die er heute gelesen hatte, von der„schönen Magelone“ und dem„Ritter Galmy“. Und die Frauen darin müßten sicher so schön und blond gewesen sein wie Maria. Und auch die lächelnden Augen müßten sie gehabt haben.

Herr Reinhardt erzählte in einem fort.... Schaffner fuhr aus seinem Nachsinnen auf und zu. Daß er auch mal jung und voller Pläne gewesen sei, sprach der Alte. Denn sein Vater hätte ihn auf eine gute Stadtschule ge­schickt. Er wäre gut erzogen worden, wenn sie auch damals nicht so viel gelernt hätten, wie heute die Kinder. Und als er dann als junger Mann auf eine Bauschule habe wollen, sei der

müssen. Ganz gewöhnlicher Tischler. Das habe ihm große Schmerzen bereitet, denn seine Braut sei aus guter Familie gewesen. Und er habe sich geschämt, nur ein kleiner Tischlermeister zu sein. Endlich hätten sie doch geheiratet. Er als Vierziger damals. Aber sie wären sehr glücklich geworden. Und ihr Kind das wäre ihr Ein und Alles. Maria hätte eine gute Stadtschule besucht. Doch die Hauptsache sei ja nicht das viele Wissen und alle die Dummheiten, die heute die jungen Mädchen lernten, sondern Ehrbarkeit. Und ihre Ehre hielten sie hoch, wenn sie auch noch so arm seien. Schaffner horchte immer hin, als der Alte erzählte. Aber er blickte auch auf Maria, die emsig und verwirrt über ihren Handarbeiten saß.

Vater gestorben und er hätte Tischler bleiben

So wurde es zur Gewohnheit, daß Schaff­ner jeden Abend zu Reinhardts hinüberging und sich an den großen runden Tisch setzte und plauderte. Es bildete sich still ein Band zwischen ihnen. Schaffner sprach oft von seiner Jugend und von seiner Mutter. Und er fühlte, daß die alten Leute ihm vertrauten und ihn schätzten. Und er kam gerne zu ihnen. Mit Maria sprach er selten. Aber oft, wenn er plötzlich aufblickte, war es ihm, als hätten ihre Augen auf ihm geruht. Und er dachte an die schönen blonden Frauen seiner Rittergeschichten, um die edle Helden gekämpft hatten, und stellte sie sich immer so vor, wie Maria mit dem schönen Haar, dem lieblichen keuschen Gesicht und den guten Augen.

Kurz vor Weihnachten fragte ihn Herr Reinhardt, ob er ihn zum zweiten Weihnachts­abend einladen dürfe.„Ich bin Mitglied eines Turnvereins“, sagte er,„den ich vor Jahren mit gründete. Ich gehe sonst nicht mehr hin, aber an einem solchen Tage muß ich mich doch mal blicken lassen. Wir gehen ja auch nie aus, und solch eine kleine Abwechslung ist doch ganz schön.“ Schaffner sprach von seinen Ar beiten. Aber da sah er Maria vorüberhuschen und willigte ein.—

Vertiechus kin!

18 Sge

Es beträgt

die Mark nach der Umrechnungs=Tabelle der Bielefelder Kaufmannschaft des Einzelhandels vom 28.—24. Okt. 18 100000 000 Lebenshaltungsinder der Stadt Bielefeld am 23. Oktober 596891000000 Steigerung gegen die Vorwoche 902,6%

Reichs=Lebenshaltungsindex vom 16. Oktober. 691 900000

Steigerung gegen die Vorwoche. 584,2 0

der Großhandelsindex vom 16. Okt.. 1093000 000 Steigerung gegen die Vorwoche. 255%

der Goldankaufspreis für ein Zwanzig­

markstück.. 256 900 000000

der Silberankaufspreis f. 1 Einmarkstück 1000000000 das Goldzollaufgeld v. 20. bis 23. Okt. 93 599 999 900 Der Goldumrechnungssatz für Reichs­steuern für die Zeit vom 20. bis 23. Oktober 1923 einschließlich

Papiermark für je eine Goldmark. die Schlüsselzahl im Eisenbahnpersonen­verkehr ab 18. Oktober die Schlüsselzahl im Eisenbahngüter­verkehr ab 18. Oktober die Schlüsselzahl d. Deutsch. Buchdrucker­Vereins ab 20. Oktober die Schlüsselzahl für die Anzeigengrund­preise des V. D. Z.

die Schlüsselzahl im Buchhandel.. 180

Hotelindex 7000000 000

Arzneitaxe(Warenpreise) 28600000

desgl. Arbeitspreise 7006 000

Roggen, märkischer, Berlin,... 68—70 Milliarden *

Be

Zur Behebung der E olge der Steigerung d de daraus hervorgeganger eenverkehrs ergeben haben, ung eine Anzahl einschne pflassen. Neben diesen V die Reichsregierung die E ändiger Zahlun Zeitspanne bis zur Aus­narl auszufüllen, werde segeben, in größerem Um oldanleihe hergeste Gegeben. Ferner ist zur schleunigung die Ausferti scheinen für bestimmte #ung. Die Regierung wir eigneten Fällen und unt dichen Bedingungen die G ##eilen, falls industrielle ut kurze Zeit wertbe ausgeben wollen. Ueber Boldschecks von Banken w Die gestrige Börse hal die Devisenkurse lediglich ei der maßgebenden Be #urse auf die gesamte i ieht sich die Reichsregiern

Eingriffen in die

gezwungen und hat des #ber den Handel mit au mitteln und Dollarschatza# #eitskurs mit Aenderunge einerzeitigen Erfahrungen Brund des Ermächtigungs Reichsgebiet erneu in die Verbreitung durch W. Kündung. Die Verordnun In Geltung bleiben, bis d Lorgung der Wirtschaft mi­ungsmitteln eine Wirkung Devisenmarkt eingetreten i

Die Inhaber d

n denen die täglichen Bed werden, werden für verpfl aufsräume werktäglich zu hut Abgabe von Ware of Uhre Waren gegen Zahl nart abzugeben. Für Zun diese Vorschriften sind ho heitsstrafen angedroht. Ar valtungsbehörde die Sch mnordnen. Gegen die Pl ame Wegnahme sowie di zwungene Herausgabe schärfste Strafen angedroht Dem inzwischen vorli bisenverordnung entnehme bende Einzelheiten.

Nach§ 1 der„Veror el mit ausländischen Dollarschatzanweisungen der Erwerb und die Ve ungsmitteln oder Fordern Lährung gegen Reichsm eder Art, die auf Reichsm dollarschatzanweisungen ir and nur zu dem an otierten Kurse schäftsabschlusses zulässig, Geld= oder Briesturs o iegenden Kurse. Zahlungs

Hafn

Börse und

Mark in Ne Vorbörslicher M ,0000000012 Cts. Geld( 0000000014 Cts.Brief(:

1 Berlin, 24. Oktober eute stark unter dem Ein ##nruhigenden Meldungen. west. Zum Teil wirkten AAbendkurse nach, doch blieb Getzung stark hinter den Ku wiewyork wurde amtlich 56. Goldanleihe hörte man mit über Gleichwert mit 65. D #don mit 250 Milliarden. Ewischen die Marknotierung Pnommen hat, mit 12½ Cen urzit.0.000010. Am Geldma Nchhung eingetreten. Da die orgt hatten, ist Geld sehr le 3 Prozent zu haben.

Goldanleihe war 958 Milliarden.

Aus dem Verlauf des

ist. noch hervorzuheben, da piemden Zahlungsmitteln

miinger als gestern waren. #lage nach Dollarschatzanw# Damtliche Notierung gemä #stattfand. Dollarschätze m miugeteilt. Aufträge unter minud aus. Goldanleihe stel #6leichwert von Kabel New Das Geschäft war auch a beute wird die Reichsbank vder Goldanleihe an den Se l angekündigte Ausgabek Shonnen hat. Gerade letzter #ingtes Erfordernis beze gchleunigst Zwischenscheine nausgegeben werden. um ein unittel für den Kleinverkeh

Reorraphieche kus­

zahlungen auf

Waland. 1F

Abnenas dires, 1Per.

Beigien..1 Pres.

Norwegen.. 1 Kr.

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