Dienstag, den 23. Oktober 1923.

Lagerreinigung bei Goffesleben

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Wohnunsseinrichtungen Ph. Gottesleben Nachf.

Gelsenkirchen Bochumerstr. 94-98

Ueber unsere post vor sechzig Jahren")

Nach amtlichem Material bearbeitet von Reinhold Grasreiner. Pfleger für kulturgeschichtliche

Bodenaltertümer.

Zwei„Menschenalter sind ja im großen Welt­gesriebe eine recht turze Zeitspanne. Wenn man aber bedentt, was alles an Entdegungen ischen 3a—

n Galbegungen, Ersindungen,

technischen Fortschritten in den letzten paar Jahr­zeonten geleistei wurde. so bedeuten sechs Jahrzeynte schon einen beirächtlichen Zeitraum. Vergegenwär­tigen wir uns auch die postalischen Vervälinise aus der Zeit vor sechzig Jahren. so muten sie uns noch manchmal recht primitiv an. Aus den folgenden Auf­zeichnungen, die sich auf amtliches Material stützen und im wesentlichen den Regierungsbezirk Arnsberg betreisen, dürfte das zur Genüge vervorgeben.

Unterm 6. November 1868 forderte die Oberpost­direktion zu Arnsberg erneut die Versender aus. von der undellarierten Verpackung in Briesen und Pa­teien Abstand zu nehmen.„Zur Uebermittelung von Celd durch die Post vietet sich unter Garantie die Versendung des detlarierten Wertbetrages in Briesen und Paleten oder die Anwendung des Verfahrens der Posanweitung dar“ Neven der Angabe des Pertbetrages wurde außer dem tartmäßigen, nach Entiernungsstusen, sowie nach dem Gewicht zu berech­neuden Fabxpostporto eine Aneturanzgebühr er­boben. Diese betrug bei Zendungen, welche nach Orten des Norddeutschen Postbeziris, sowie nach

Unterm 16. Juli bekannt. dan„be auch im Verkehr

16. Juli 1869 machte die Oberpostdirektion 6 das Verfahren der Postanwetsung... erkehr mit Dänemark, den Niederlanden,

auch im Verkehr mit Dänemark. Norpegen. Schweden, der Schweiz ten Staaten von Nordamerika zulä

taaten von Nordamerika zul benutzte die Postbedorde diese Ge auf die Verwendung der Posta binzuweisen: das undeklarierte Verpacken von

und den Vereinig­stig; sei. Zugleich elegenheit, wiederum stanweisung dringend

wurden die Tienststunden dieser Postanstalt im Ver­kehr mit dem Publitum festgesetzt: an den gewöhn­lichen Wochentagen im Sommer von 7—12, 3—7 Uhr, im Winter von 8—12, 3—7 Uhr, an Tonntagen 6 bezw. 5 Stunden. an den gesetzlichen Feiertagen 7 bezw. 6 Stunden.

Einige Aufregung in den Amtsstunden der Ober­postdirektion in Arnsberg scheint die„Fama“ hervor­

gerufen zu haben, die Post wolle keine Palete mehr befördern. De

Da sah sich der

neue Ober­

endungen über 360 big 362 Eilder.

Silbergroschen

groschen. Bei Sendungen über 50 bis 100 Taler ei­höbte sich der Beirag bei den beiden ersten Entser­nungszonen aus das ooppelte. bei der dritten Zone auf 3 Silbergroschen. Die Anwendung der Postan­weisung war zulässig innerhalb des Cosamigebietes des Norddeutschen Postbezirks. sowie im Verkehr mit Bavern. Württemderg. Baden und Luxemburg. Die Gebühr für die Vermittlung der Zahlung durch Post­anweisung betrug bis 25 Taler: 2 Silbergroschen, über 25 bis 50 Taler: 4 Silbergroschen. Die Ober­postdirektion sab sich veranlaßt, die Verwendung der Postanweisung wie folgt zu empfeblen:„Beim Ge­brauche einer Postanweisung wird das zeitraubende und müdsame Verpacken des Geldes. die Awrendung eines Kuverts und die fünsmalige Versiegelung völlig erspart. Auch bietei das Verfähren der Postanwei­sung den Vorteil, daß zwischen Absender und Emp­fänger Dilterenzen über den Besund an Geld nie­mals erwachsen können.“

„Toppelt genäht dält besser, dachte die Oberpost­direttion in Arnsberg, und so veröffentlichte sie nach vier Monaten nochmals dieselde Versügung. Das dochverehrte Publitum schten sich also nicht aut an die„Postanweisung" gewöhnen zu wollen. Nach zwei Monaten erneute die Postbedörde abermals ihre Auf­forderung an das Pubtikum, immer mit dem Schluß­sat:„Um so mehr darf die Postbehörde an. die Ver­sender die erneute Aufforderung richten. sich einer un­deblarierten Verpackung von Geld in Briesen oder Paketen zu enthalten, vielmehr von der Versendung unter Wertangave oder von dem Verfahren der Post­anwetsung Gebrauch zu machen.“

Vom 1. Jgnuar 1869 an sollten„noch ferner ver­bsweise“ für gewöhnliche Briese, die nack ts= oder Landbestellbezirk verselden Postan

vo sie eingeliefert worden— gerichtet waren

K"—„—"—

uchsweise“ für gewöhnliche Briese, die nach dem erts= oder Landbestellbezirk derselden Postanstalt— vo sie eingeliefert worden— gerichtet waren, im Re­gierungsbezirk Arnsberg statt des Tatzes von 1 Sil­vergroschen der Tatz von&1m Silbergroschen angewen­det werden. Für einfache Trucksachen und Waren­proven war 4 Silbergroschen zu entrichten.(Ter Silbergroschen datte 12 Psennig.) Postanweisungen seln. Die Gedüdren für Be­

mußzten stets frankiert seln. Die Gedüdren füx sorgung dieser Gegenstände an Adressaten im Land­bestellbezirk der Ausgabe=Postanstalten betrugen Postanmeisungen, obne Rücksicht darauf, ob zue der Geldbetrag dem Adressaten von dem Landbrief träger mit überbrachmu*::

er mit überbracht wurde. 2 Sülbergroschen om 1. Zebruar 1869 an wurde die Personen­zwIschen Bochum und Castrog,auf­

8

von.„„„

geboben. Für Schwerte wurde vom 1. April 1869 an die Station für Extrapost ausgeboben. Die Station für ordinäre Posten. Beichaisen und Extraposten in Castrov. sowie die Beichalsen und Extraposten in Schweim wurden im Mai 1869 ausgehoben.

Im Laufe des ersten Quartals 1869 wurden die invaliden Füsiliere Elend und Weder II als Brieftrager in Gelsenkirchen angestellt.

Auf die Verfügung betreffend Anwendung der Postanweisung usw. wies die Oberpostdirektion im Juni 1869 wiederum din.

Zum 1. Juli 1869 wurde„in dem Orte Wilnsdorf im Kreise Siegen versuchsweise eine Post=Brief­sammlun„eingerichtei und deren Verwaltung dem Gastwirt Vitt übertragen.“

*) Aus dem Verkehrsturm. Heft 11/1923.

„ n Besörderung von Pa­

keten durch die Post mit dem 1. November 1869 auf­richt ist unbegründet. In­

postdirektor Schultze veranlaßt, folgende Bekannt­machung unterm 25. Oktober 1869 zu erlassen:„Es ist im Kreise des korrespondierenden Publikums die Nachricht verbreitet, daß die keten durch die Post mit

hören werde. Tiese Nachricht in a...

ge zahlreicher an die Postbebörden gerichteter en bringe ich zur öffentlichen Kenntnis, daß die esörderung von Pakeien durch die Post nicht auf­bört. vielmehr Päckereien in der bisherigen Weise auch ferner durch die unverändert bestebenden Post­einrichtungen befördert werden.“

Im Oktober 1869 wurde der Post=Expedient­Anwärter Jung in Gelsenkirchen zum Postervedienten ernannt.

Um dieselbe Zeit kamen nicht wenige Versetzun­gen auf große Entsernungen vor, so von Tanzia nach Arnsberg(der Oberpostdirertor Schulve). von Lüden­scheid nach Magdeburg=Burg. von Hamm nach Gör­litz. von Breslau nach Soest, von Frankjuri a. M. nach Soest. von Berlin nach Bochum. von Hildesbeim nach Hagen, von Unna nach Danzia. von Braun­schweig nach Unna von Soest nach Uuben, von Bo­chum nach Muskau, von Soest nach Münster usw. Also großes Revirement! Bei den versetzten Personen dandelte es sich meist um höhere Postheamte, aber auch ein Postassistent. sowie ein Postexredient und ein Briefträger waren darunter.

Mit dem 1. Dezember 1869 wurde die Olpe—Kir­chener Personenpost auf der Strecke Olpe—Freuden= berg, sowie die Botenpost zwischen Freudenberg und Kirchen ausgehoben. Dieser Ausfall wurde aber reich­

So stehls im Kochbuch: „I nicht nur überbrühen,

den Kathreiner

ondern eunge Minuten kochen lassen“

So kommt nämlich erst der— richtige Kathreinergeschmack zur Geltung!

lich wettgemacht dadurch, daß bei

edört, zug„Rüstzeuge des Lehrers wie des

testräger oder durch sonstige Post­boten bestellt wurden: Als Bestellgebühr wurde fest­gesetzt: für Patete über 15 Lot(— 250 Gamm) bis zum Gewicht von einschließlich 15 Pfund„für das Stück 4 Eilbergroschen. für Pakete über 15 Pfund das Stück 1 Silbergroschen: für Pakete bis zum Ge­wicht von 15 Lot einschließlich wurde eine Bestell­

gebühr nicht erhoben——

Abso wie gesagt; das war vor sechs Jahrzehnten. Und beim Lesen oder Ueberdenken mancher der vor­stedenden Einzeldeiten taucht bin und wieder vor dem geistigen Auge der Postillon auf, wie ihn schon Lenau besang:

Rauder war mein Postillon,

Ließ die Geitel knallen, Ueder Berg und Tal davon Frisch sein Horn erschallen.

Und von flinken Rossen vier Scholl der Huse Schlag

Scholl der Die durchs bl

gen.

tühende Revier

Trabten mit Behagen.

Weiter ging's durch Feld und Hag Mit verhängtem Zügel———.

Zeilungswissenschaftliche Arbeit

der Universität Münster i. W.

Immer stärker wächst die Erkenntnis, daß die große kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung der Presse auch an unseren Hochschulen mehr gewürdigt werden muß. Die Wissenschaft sann nicht mehr um­hin, die inneren Gesetze dieser Weltmacht, die heute fast alle Schichten des Volkes umfaßt, eingehend zu beobachten und zu erforschen. Dieser Aufgabe sollen die Zeitungsinstitute, die an verschiedenen deutschen Universttäten im Lause der letzten Jahrzehnte er­richtet worden sind. dienen. Sie sollen neben der eigen lichen Forschungsarbeit, die sich auf Geschichte und Wesen der Zeitung erstreckt, dem Studenten Einblicke verschaffen in die geistige, wirtschaftliche und technlsche Struktur der modernen Tageszeitung. Vorlesungen und Uebungen, die in diesen Instituten über die gerade heute so orennenden Fragen gebalten werden, gehen deshalb nicht nur den Journalisten oder Verleger an, sondern nicht weniger alle Beruse, die einmal mit der Presse zusammenarbeiten müssen. Es gibt aber heute kaum mehr einen akademischen Beruf. der sich dieser Notwendigkeit entzieben könnte. Man kann, ja soll Zeitungswissenschaft studieren. auch ohne Journalist werden zu wollen, weil Zeltungswissenschaft als akademische Disziplin Allge­meinbildungsfach ist, zur staatsbürgerlichen Bildung

schaftlers, des Staatsbürgers

kultät die Zusammenhänge von Wirtschaft mit großem Erfolg. Aber ein selbständiges titut muß natürlich über diese Sepezlal­

ters, wie des Beamten, wie jedes

Die univerllict Wünster dat die Beden­tung zeitungswissenschaftlicher Vorlesungen swon früb erkannt. Der verstorbene Geheimrat Meister und Prosess den bistoris# gelegt. Prose.

Zeitungsseminar mischen Fakuliät und Presse mit g

Zeltungsinstimt

fragen hinausgeben und alle Bereiche der Presse umfassen: Politik und Nachrichtenwesen. Feuillzion und Kritik. Gerichtsberichterstattung, Kommunal= volitit und Wirtschaftsteil. Technit und Organisation des Verlagswesens ebenso gut wie das Gebiet der Geschichte und der Massenpsychologie. Deshald wird das eigentliche Institut für Zeitungswesen an der Universttät Münster, das setzt im alten Lehrerinnen­seminar am Domplatz untergebracht ist und zu dessen Leiter mit Wirkung vom 1. Oktober d. Is. ad der Lektor für Zeitungswesen Dr. phll. Heinz Bause ernannt worden ist. mit besonderem Nachdruck alle mit dem Wesen der Presse zusammenhängenden Fragen behandeln.

In diesem Semester werden zwei Vorlesun­gen gehalten werden. die über einen engeren Inter­essenkreis weit hinausgeben dürften:„Geschichte der deutschen Presse in den letzten fünfzig Jahren mit besonderer Berücksichtigung der Konzentrations­bewegung im deutschen Zeitungsgewerde“ und„Or­ganisation und Technik der modernen Tageszeitung". An die letztere Vorlesung sollen sich prattische Uebun­gen anschließen, die durch eine Besichtigung einer biesigen Zeitung und eine Exkursion ins Industrie= gebiet sowie durch Vorträge bekannter Persönlich­keiten der deutschen Presse erweitert werden.

So werden Sondervorträge halten: Cdef­redakteur Paul Baecker(Deutsche Tageszeitung), MdL. und MdRWR.: Cbefredakteur Geora Bern­hard(Vossische Zeitung), MdR.: Professor Dr. Dovisat. Direktor des Deutschen Zeitungslnstituts In Berlin. und Dr. Martin Carbe. General= bevollmächtigter der Firma Mosse=Berlin. Wagen eines Vortrages über Zustiz und Presse wird urch verhandelt. Zu den Einzelvorträgen sind Gäste stets willkommen Für die Institutsmitglieder selbst steht ein eigener Leseraum mit einer guten Auswahl der Großstadtpresse sowie sämtlicher niederrheinisch=west­sälischer Zeitungen außerdem eine Fachblbklotbek üder Geschichte der Zeitung, Zeitungswesen, öffent­liche Meinung, Verlagswesen, Rekkame, Drucktechnik usw. zur Verfügung.

Anfragen drieflich oder telesonisch unter Nr. 20173 Münster an das Institut für Zeitungswesen, Domplatz 4, erbeien Der Leiter des Instituis ist persönlich wochentags zwischen 11 und 12 Uhr zu sprechen.

Amerikanische Geschmacklosigkeit

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„AEIPERIZ

In der amerikanischen Armee ist jetzt man kann wohl sagen, die Unsitte eingerissen, Episoden des Weit­krieges in kleinem Maßstabe vor einem großen Publikum nachzuspielen. Naturgemäß werden dabei immer solche Szenen herausgegriffen, die die Tapferkeit der amerikanischen Truppen In besonders hellem Lichte erscheinen lassen. So wird jetzt an vielen Plätzen eine Szene aus der Argonnenschlacht vorgeführt. in der der amerikanische Sergeant Vork angeblich 132 Deutsche gesangen nahm Im großen und ganzen eine etwas kindliche und eigenartige Propaganda des„friedsertigen“ Amerikas für seine Armee. Unser Bild zeigt den Schluß der erwähnten Episode: Feldwebet Vort läßt die gesangenen Deutschen an sich

vorüberzieben.

Trosen von der Stirn nach den Wangen derab­sickerten.

„Sieh. Peter!" Der duftende Körver schmeichelte sich an seinen schweißgebadeten.„Wenn man so ganz eines Wesens geworden ist wie du und ich—— und wenn ein Weib so ganz in Liebe zu dem Manne aufgebi und sich ihm so ungeteilt zu eigen gibt wie ich mich dir—— muß da nicht auch noch die letzte

Schranke fallen?—— die allerletzies Peter?“

Sein Leib zitterte, daß es ihn wie im Schüttel­

froste din und der zu wersen begann.„Ich———

weiß nicht— was du— meinst. Brunbilde!"

„Nichts———“ Ihre Hand löste sich aus der

seinen, und ihr Gesicht wurde wieder kübl und nach dentlich.„Ich fürchte, daß dem armen Hindu nicht mehr zu helfen sein wird.“

„Es muß ihm zu velsen sein!“ Anstetten taumelte mit schweren Fützen vom Divan auf. Er wankte, ohne daß Brunbildens Arm lom zu Hilfe kam

„Cünter kann nicht tot sein!—— Ist nicht von ihm

ermordet worden.— Ich—— du wirst begreisen. Hilde, daß ich hinüber muß, die Unschuld Akabs zu beweisen.

„Kannst du denn das!“

„Ja.“

„Wie willst du denn das machen. Peter?: Die Sprache versagte ihm vollkommen.

„Vielleich———“ Brunhildes Stimme schuf

eine Pause von Sekunden———. indem du dich

für Güntei ausgibst?“

„Ja——— das will ich tun!“

Sie bielt das Gesicht erwas vornübergeneigt, als sie jetzt sprach.„Komisch!—— An diesem Hindu scheint dir viel mehr gelegen zu sein als an Günter selbst. Du willkt ion um jeden Preis vor der Strafe bewahren, nährend es dir scheinfar gar; gleichallltig ist, deinen vermodert und verscharrt zu wissen“ Ansteiten vermochte nichts zu erwidern, preßte nur die Lände an die Schlälen und verließ das Zim­mer Auf dem Korridor stieß er gegen Friedrich, der ihm flüsternd berichtete:

„Herr Baron, der Siephan Würz wartet oben in Ihrem Arbeitszimmer Es wäre sehr dringend, lüßt er bitten.“„

„Würz!“ Auf den hatte Anstetten vergessen. Es gab noch einen, der außer Alsworth und Akab um

Hans Peters Sterben wußte. Ob er zum Verräter an ihm wurde oder schon geworden war?" Sein Schritt wurde schleppend langsam, als er letzt nach dem Westflügel ging um in sein Arbeits­zimmer zu kommen.

Würz stand nahe der Türe und drehte den Hut

in der Linken. Guten Tag. Herr Baron!—— Aus

is und gar! Zwölfe hat's geschlagn! Ein Spür­hund is heut bei mir gewesn"

„Du hast mich— verraten?“

*<space> S t e p h a n s<space> G e s i c h t<space> f l a m m t e<space> a u f.<space>„ N a.<space> H e r r<space> B a r o n!<space> Bei unserm Herrgott am Kreuz! Kein Wörtl hab ich raus lan, das Ihnen belasin! Aber davon müssn mir uns machn, alle zwei! Der laßt nimmer aus! Der nimmer! Gfragt hat er mich! Gfragt, als wenn ich den Herrn Baron Günter umbracht hätt!“

„Glaubst du. Würz, daß er von Hans Peiers Tod weiß?“

Ein Achselzucken.„Nix Gwiß laß sich net sagn, Herr Baron. Der gnädan Frau müsin S' halt was vormackn, daß Ihnen auslaßt Zu Schiff dauert's eine Ewigkeit, dis wir nüberkommen Müsin wir schon das Flugzeug nehmen, das grausliche! Is gut, daß ich net gbeirat hab! Jevi sitzei ich schön fest!“ „Du mußt dier bleiden, Stephan!“ gebot. An­stetten.„Wenn du mitkommst, ist es zu verdächtig.“ „Nachher bleib ich halt da, wan S' meinen, Herr Baron!“

Anstetten maß lon mit einen langen Blick.„und eines Tages wird der Engländer dich docd so weit haben, daß du— alles bekennst— und für mich ist alles verloren.“

Würz schüttelte bodächtig den Kopf.„Ich weiß von nix, Herr Baron!— Ich kann grad sagn, daß ich den Herrn Günter das letztemal gesehn hab, wie wir von Dardschiling weggjahrn sind. Seither dab ich

Auch nir mehr — Da is

von

gleich

lon nimmer zu Gesicht kriegt ihm gbört! Kein Sterbnswört! net! ause ragt.“

Anstetten drückte die Fäufte gegen die Augen. „Würz. ich werde alles wieder verlieten, was ich mir zu Unrecht angeeignei habe.“

„War net übl. Herr Baron! Zu Unrecht? Daß ich net wüßt! Das is wirklich ehrlich verdient

gwesen: die Witwe vom Herrn Peter und das finderl und die Liab vom Herrn Bernd. Wann

einer sein Leben einsetzt für ein Weib. nachher ghört's ihm auch. Und der Herr Peter hat's ja selber so wolln! Sie habn ihm's Sterbn damit leichter gmacht."

„Von dem war keine Rede, daß ich seine Frau als die meine betrachten soll.“

„Von was nachber sonst, Herr Baron! Vater­und Gattenrechte hat er Ihnen zugestandn. Das hab ich in meine eignen Odrn neighört. Wenn er heut redn könnt, müßt er's bestätign.“

Anstetten war nach seinem Schreibtisch gegangen und zog die Lade heraus, die seinen Revolver ent­dielt.„Wenn es nicht glückt, Würz, bleibt immer noch dieses eine"

In Stephans Gesicht verblaßte die gesunde Farbe. „Damit warin S' bis zu allerleti, Herr Baron!— Eine Frag, wann S' erlaudn möchtn: Glaub S', daß die Frau Baron einen Skandal machn tät, wann S' ihr alles eingstehn?“

„Das ist ganz unmöglich, Würz! Das hiede so­viel, wie schon verloren haben. Denke dir doch— ich brauche dir ja gar nickts vorzumachen, du weißt da alles— wir sind nicht einmal verbeiratet. Das Kind ist— illegitim!“

„Mich tät das nix geniern, Herr Baron! Mich nei!“ unterbrach ion Stephan mit Ueberzeugung. „Aber ich begreif's schon, bei Ihnen is das was anders.— Zweihundert Fesmmeter wärn noch zum Schlagn am Hundsruck obn. Der Herr Forstmeister laßt fragn, ob wir gleich damit anfangen dürftn.“

Anstetten wandte sich rasch herum und sah Bernd im Rahmen der Türe stehen.

„Es ist gut. Stephan,“. Er nickte ihm lässig zu. „Ich komme morgen früh selder noch hinauf.“

Dann klappte die Türe binter Stephan zu.

„Ich bitte dich, Brunhilde mir Verständnis ent­gegenzubringen.“ Anstetten sah nach seiner Frau hin, die in dem gemütlichen Teezimmer an dem ovalen

soschlene. Der. Laing, Laund deur vien die 9u.

das rasch in seinem Mäulchen verschwand.

Die Baronin wandte das Gesicht nach dem Gatten, ohne ihn eigentlich anzusehen.„Der braune Hindu steht dir demnach näher als Frau und Rind?“

die in rem gemutlichen Teezimmer an dom ovalen Tische stand und Backwert in eine„Stiberschale schichtete. Der kleine Hans Perer hien die Händchen empor und bekam ab und zu ein Stück dineingelegt.

„Hilde, ich bitte dich!“

„Mach nicht viele Worte! Deln Verhalten be­weist, daß es so ist. Wenn du dir irgendwelchen Er­folg versprichst, dann reise.“

Er war mit ein paar Schritten bei ihr, umsaßte sle von rückwärts und drücke ihr Gesicht an seine Brust.„Ich danke dir!— Und meine andere Bitte, daß du über das Ziel meiner Fahrt Stillschweigen bewahrst“— Darf lch auch diese erfüllt hossen!“

Er gab sie hastig frei, so hart und mapp hatte dieses„Ja“ geklungen.

Am andern Tage stand er reisefertig. Der Wagen sollte ihn nach Wien bringen, und von dort woule er mit dem Flugzeug das Schiff erreichen, das nach Bombay ging. Die Reise nach Benares doffte er wieder im Flugzeug zurücklegen zu können. Brun­bilde schlug die Klappen ihrer Lederyaube verab und knöpfte den Pelzmantel übereinander. Sie wollte den Gatten bis Wiens begleiten. Aus dem Kinder­zimmer kam Klein=Hans=Peiers Lachen herüver und eine Minute darauf ein so fläglich hilfloses Weinen, daß sie durch die beiden Zimmer hepte, welche sie von der Kinderstube trennten.

Sie mußte sich an der Portiere halten, um nicht schwach zu werden. Aus dem Boden kniete ihr Mann und hielt den Knaben mit beiden Armen an sich ge­drückt, das schmale Kindergesicht immer und immer wieder mit Küssen bedeckend:„Wenn ich dich nicht mehr seben sollte, mein Junge— vergiß deinen Vater nicht!— Vergiß mich nicht!“

„Vaterle!" ichluchzte der Kleine.

„Werde ein guter Mensch, mein Bub, und mach deiner Mutter Freude!— Klein Peter, solch einen unglücklichen Vater hast du.— Solch einen unglück­lichen Vater!"

Brunbilde hörte ein würgendes Aufschluchzen und ließ die schweren Sammervorhänge zusammen­fallen. Lautlaus drückte sie das Gesicht binein.

Fünf Minuten später ging sie nach der Halle, vor deren Eingang der Kraftwagen stand. Man wollte in Wien Bernd noch besuchen, der schon seit einer Woche wieder an der Hochschule war. Brun­hilde unterrichtete Friedrich, daß sie morgen abend wieder zurück sein werde. Der Herr Baron wolle nach Krösolyi zur Jagd und denke Wochen zu blei­ben.(Fortsetzung folgt)

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