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Nr. 238.

Donnerstag, den 11. Oktober 1900

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12. Jahrgang.

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Die Zeitung„Das Volk“

erscheint an jedem Wochentage abends Bestellungen sind bei dem entsprechenden Postamte(Nr. 7728 der Zeitungsliste) oder beim Landbriefträger anzubringen. Bestellungen für Siegen nimmt außer der Post die Geschäftsstelle entgegen Preis vierteljährlich die Stadtabonnenten M. 1.25 frei ins Haus 40 Pig. mehr, r aue Postabonnenten M. 1.35 frei ins Haus 40 Pfg. mehr.

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(D. v. Oertzen.)

I.

Wetzlar 8. Oktober

Unser christlich=sozialer Parteitag hat heute mit einer Vor­versammlung in Dillenbung seinen Anfang genommen Zahlreiche Parteigenossen und Gäste aus Dillenburg und der Umgebung füllten den Saal des Lokales von Blecher Den Vorsitz führte Arbeiter Heitkamp, der mit einem lebhaft aufgenommenen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser die Ver­handlungen eröffnete.

Den ersten Vortrag hielt der Chefredakteur unseres Par­teiorgaus das„Volk Dietrich von Oertzen aus Berlin, der in seinen knappen, mit lebhaftem Beifalle ausgenommenen Ausführungen hauptsächlich die Notwendig###ent der christlich=sozialen Partei im öffentlichen Leben darleate. Wie in England christlich=soziales Wirken die Gegensätze gemildert und dort die Gesellschaft vor der Sozial­demokratie bewahrt hat, so hoffen wir von christlich=sozialer Thätigkeit das gleiche auch für unser Vaterland. Können wir denn auch anderen Parteien unsere Interessen zur Vertretung anvertrauen? Eine nähere Betrachtung ergiebe, daß dies nicht der Fall ist, daß vielmehr nur die christlich­soziale Partei unseren berechtigten Wünschen und Forde­rungen so entgegenkommt und sie vertritt, wie wir es ver­langen können.

Da sind zunächst die Konservativen. Manches ver­bindet uns mit ihnen sind wir doch von ihnen ausgegangen Aber wieviele unsoziale Elemente sind doch unter ihnen Elemente, die sich sogar für Zwangsgesetze für und Vereinsgesetz begeistern konnten. Eine rechte Wärme für die sozialen Dinge vermissen wir bei den Konservativen Und doch giebt es keine wichtigere Aufgabe, als den inneren Frieden im Volke wieder herzustellen, welches nur durch versöhnende Thätigkeit in christlich=sozialem Geiste geschehen kann Es giebt sogar eine Richtung unter den Konserdanden die überhaupt nichts mit Politik zu thun haben will, die auf rein evangeli­satorischem Wege zum Ziele zu kommen glaubt. Wenn man aber auf die Notstände unserer Zeit sieht, so muß es sich einem Sradezu als eine Pich##sthche Bammherzigkeit gudrangen auch sozial thätig zu sein. Einige Zahlen mögen das illustrieren In dem Arbeiterviertel Wedding in Berlin kamen imn Jahre 1891 auf 1000 Bewohner 47 Sterbefälle, im Tiergarten­stadtteil aber, also in dem Millionärsviertel von Berlin, auf 1000 Bewohner nur 9 Sterbefälle! Unter den Armen war also die Sterblichkeit fünfmal so groß als unter den Reichen Besonders die Kinder haben einen sehr großen Anteil an der Sterblichkeit Ein Arzt behandelte in 1 Jahren rund 7000 Kinder; davon starben 70%8 Warum? Weil die Eltern nicht in der Lage waren, sie ausreichend zu ernähren und sie ge­nügend zu Pflegen In Berlin giebt es 28346 Wohnlngen wo mehr als 4 Personen auf ein einziges heizbares Zimmer kommen Noch eine andere Zahl. In Berlin ist neuerdings eine Aufstellung gemacht worden, aus der sich ergiebt, daß die Arbeitszeit der Kellner und Gastwirtsgehilfen beträgt bei 49% von ihnen 14—16 Stunden, bei 36%; 16 18 Stunden, bei 2,6% über 18 Stunden täglich Dementsprechend ist auch die Sterblichkeit in diesen Berufskreisen ungemein hoch. Ja, sind das nicht Notstände die um Abhilfe schreien, die an unser Gewissen appellieren? Woher glaubt da ein Christ das Recht herzunehmen an diesen Zuständen vorbeizugehen und zu sagen; das alles geht uns nichts an? Daher ist es die cheistlich=soziale Partei, die mit aller Lebendigkeit und Wärme und Herzlichkeit auch auf sozialem Gebiete thätig sein und den Brüdern helfen will.

Da ist weiter die nationalliberale Partei. Auch ihr können wir nicht die Vertretung unserer Interessen in die Hand legen. Auch in der letzten Reichstagssession hat sie sich wieder durchaus unsozigl gezeigt. Es sei nur an ihr Ver­halten in der R#chsbau#f#ag erinnert die National­liberalen haben mnit dazu geholfen daß die Reichsten der Reichen jährlich auf Kosten des Reiches 4 Millionen Mark schlucken können: d. h. also in den bevorstehenden 10 Jahren nicht weniger als 40 Millionen Man dente 40 Millionen Das ist eine reine Liebesgabe an die Wohlhabendsten Man ließe es sich gefallen, wenn diese Summe etwa alten Inva­liden von 187071 zu gute kommen würden. S# aber müssen wir das Verhalten der Nationalliberalen durchaus mißbilligen Sie wersen uns übrigens vor, daß wir eine einseitige Arbei­terpartei wären. Wer uns keun weiß gewiß, daß das nicht richtig ist. Unsere Wirksamkeit kommt auch den Arbeitgebern

gute. Ich erinnere hierbei an die gerade augenblicklich so besonders große Kohlennot Wäre uusere Forderung Ver­staatlichuug der Steinkohlenbergwerke erfüllt worden— nicht nur der Arbeiter hätte heute billige Kohlen sondern auch der Unternehmer, der jetzt vielfach nicht mehr weit von dem Punkte steht, wo er infolge der hohen Kohlenpreise überhaupt die Bude zumachen muß Neulich hat auch Herr Macco in Siegen in dem von ihm verfaßten Berichte des Berg= und Hottenmännischen Vereins behauptet, wir gingen darauf aus gute Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeimehmer zu tockern indem wir letztere verhetzten. Nun das ist einfach nticht wahr! Das ist Unsinn Die Wahrheit ist vielmehr— und wer uns und unsere Thätigkeit wirklich kennt, wird das durchans bestätigen— die Wahrheit in, daß wir alles thun, um ein gutes Verhältnis zwischen beiden herbeizuführen.

Bliebe noch die Sozialdemotratte. Daß diese nicht die Verrreterin unserer Interessen sein kann, liegt auf der Hand Wohl hat sich diese Partei gemausert und ist zweifellos eine andere geworden. Aber in zwei Punkten ist sie doch die alte geblieben in ihrer Religionsfeindschaft und in ihrer Vater­landslosigkeit. Wie schmachvoll hat sie sich in der chinesischen Frage benommen Nein, für eine Partei, die kein Verständuis hat für unsere höchsten Güter für Religion und Vaterland,

die sie nur haßt und schmäht, für eine solche Partei können wir nichts übrig haben.

Der Redner ging dann auf das Wirken der christlich­sozialen Partei ein. Ihr allein vermögen wir unsere Interessen wohl anzuvertrauen. Sie will ausgleichen ver­söhnen und so die klaffenden Gegensätze unserer Zeit mildern. Nicht einseitig ist ihre Thätigkeit sondern alle Schichten und Berufe will sie mit christlich=sozialem Geiste durchdringen, mit ihrer Fürsorge umfassen. Nur am christlich=soziglen Bahnen ist es möglich, daß das Wort unseres Kaisers Wahrheit wird und zwar nicht nur äußerlich sondern auch innerlich: Ein Reich, Ein Volk Ein Gott(Lebhafter Beifall.)

Nunmehr ergriff das Wort unser Parteipräsident, Reichs­tagsabgeordneter Hosprediger a. D. Stöcker zu seinem Vor­trage über

die verflossene Reichstagstagung.

Selten hat eine Tagung so lange gedauert— führte er u. a. aus— wie die letzte, die sich durch 2 Jahre hinzog Ich will mich auf das letzte Jahr mit seinen bedeutenden Er­scheinungen beschränken. Ich bin ja der einzige Vertreter der christlich=sozialen Partei im Reichstage und man könnte meinen was kann ein Einziger thun? Das ist richtig, wenn es sich um große Abstimmungen haudelt. Aber man kann doch seine Meinung äußern und sein Urteil in die Wagschale werfen. Und dies habe ich denn auch thun dürfen. Ich habe bei wichtigen Gesetzen nicht bloß durch Reden sondern auch als Mitglied in den Kommissionen teilgenommen, z. B bei dem Gesetz zur Betämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit, bei der Unfallversicherung

Die verslossene Reichstagssession hat sich mit den be­deutendsten Dingen zu beschäftigen geyabt. Am wichtigsten war ja—

die Flottenvorlage.

Auf diesem Gebiete liegt für uns eine Zukunft. Wir können freilich nicht wissen weiche Machterweiterung welche Aussicht für das deutsche Vaterland uus die Be größerung der Flotte bringen wird und die radikalen Parteien sind damit nich zufrieden. Aber ich glaube, sie sind im Iertum. Ich bin kein Flottenschwärmer und halte es nicht für richtig, ands an den Wssenien Ich alaube bielnehr noch immer, daß unsere Hauptbedeutung darin be­steht, daß wir mitten in Europa die bedeutendste und gewal­tigste Macht sind. In aller Bescheidenheit können wir sagen: Wit sind wohl noch heute unbessegbar weil wir seit 1871 eine große militärische Autorität besitzen und seit dem immer weiter gearbeitet haben. Aber es ist gewiß Eine bloße Land­armee reicht nicht mehr aus unsere Macht zu behaupten. Die politische Welt ist in drei Gruppen geteilt 1. den Drei­bund. 2. in Rußland und Frautreich ebenfalls eine respektable Militarmacht und in der Flotte stärker, als der Dreibund und 3 in England mit seinen Kolonien— eine ungeheure Seemacht, die noch heute so start ist, wie alle See­machte zusammen Dadurch beherrscht in der That England die Welt. Wenn das nicht so wäre, so hätten sich die anderen Mächte sicher den Burenkrieg nicht gefallen lassen, der eine Schande ist.— Bei einem Weltkriege wäre also der Dreibund nicht in der Lage, zu bestehen, das war für mich die wichtigste Ursache, daß ich aus Ueberzeugung der Flottenvorlage zuge­stimmt habe. Ein weiterer Grund ist die Notwendigkeit, daß unser Handel und Verkehr geschützt werden müssen. Wir sind die zweite Handelsmacht der Welt, unsere Handelsslotte ist die zweitgrößte, Hamburg ist die zweitgrößte Handelsstadt der Welt. Es ist klan, daß der Neid um dieses Vorwärts­kömmen nicht ausbleibt und was augesehene englische Blätter in dieser Beziehung bereits geleistet haben, mahnt uus durch­aus auf der Hut zu sein. Ein dritter Grund endlich ist unsere Kolonial= und Auswanderungspolitik. Was unser Auftreten in China betrifft, so muß man zugeben, da wir da außer­ordentlich schwierigen Aufgaben in politischer und militärischer Beziehung gegenüberstehen. Aber eine gute Seite hat die Sache doch auch was früher ei der Gegenstand des Rumorens war, das wird jetzt Erust. Es ist eine gewisse Nüchternheit eingerreten sodaß man in Zukunft auch wissen wird, wer solche Politit auf hoher See macht, muß bereit sein mit seiner ganzen Kraft dahinterzustehen. Ich glaube daß nun die eigentlichen kriegerischen Ereignisse in China vor­über sind und die Gesandten sich bald über den Frieden einigen werden Jedenfalls zeigt die Entwickelung doch deutlich, wie richtig der Kaiser und die Regierung daran thaten, daß sie die Flottenverstärkung forderten. Für ein Reich wie Deutschland ist Macht Leben. Man soll gewiß nicht die Macht aubeten. Aber es ist nun einmal ein großer Wettbewerb unter den Nationen. Und wenn sich die Mächte untereinander fürchten so ist es doch gewiß besser andere fürchten sich vor uns, als wir vor ihnen

Der Reichstag hat auch in der inneren Politik viel gethan. Das Invalidengesetz und das Unfallgesetz haben wir verbessert und in der nächsten Zeit soll es auch mit dem Krankengesetz geschehen. Beim

Unfallgesetz

hatten sich empfindliche Schäden gezeigt. Es dauerte zu lange ehe die Entschädigung festgesetzt war. Die Schiedsgerichte waren aus denselben Kreisen gebildet, wie die Berufs­genossenschaften Die Bestimmungen über die Aerzte welche die Gutachten abzugeben hatten waren unvollkommen. Nun sollen die Schiedsgerichte lokal sein Eine Reihe von Aerzten ist zugelassen sodaß ein Betroffener der mit einem Gut­achten nicht zufrieden ist zu einem anderen gehen kann. Außerdem ist das Verfahren beschleunigt— In das In­validengesetz sind neue Berufszweige mit einbezogen und bis zu 3000 M. Einkommen darf man sich freiwillig versichern.

In dieser Session spielte auch das

Arbeitswilligen=Gesetz

Durch die Zeitung„Das Volk­

finden Anzeigen weiteste Verbreitung im kauffähigen Publikum des ganzen Reiches. Preis der 5 gespaltenen Petitzeile für die Provinzen Rheinland und Westfalen, Hessen=Nassau und das Groß­herzogtum Hessen 10 Pfg.; für das übrige Reich 25 Pfg. Aufträge sind gefälligst der Geschäftsstelle oder durch ein Anzeigen Ver­

zu erteilen.

noch immer hinein, über das so viel gesprochen ist. Die Parteigenossen wissen, daß ich dagegen gestimmt habe, ebenso gegen das Umsturz= und Vereinsgesetz. Denn ich bin der Ansicht, daß das Koalitionsrecht den Arbeitern nicht ver­schlechtert, sondern verbessert und verstärkt werden muß Hier liegt ja die große Bedeutung der christlich=sozialen Partei, welche diese Frage lösen will durch ihre Forderung staatlich anerkannter Berufsvereine. Zu erstreben bleibt noch die Versicherung der Witwen und Waisen.

Ohne sie ist die Versicherungsgesetzgebung unvollständig. Ich bin überzeugt, daß auch einmal die

Arbeitslosen=Versicherung

kommen muß.

Man könnte sich wundern, daß alle diese Dinge auf die verföhnliche Stimmung der Sozialdemokraten nicht gewirkt haben. Das liegt sicherlich mit an der falschen Politik, die zuerst heilsame Gesetze giebt und dann die Koalitionsfreiheit unterdrücken will. Aufs lebhafteste zu begrüßen sind die Aenderungen der Gewerbeordnung, die eine feste Sonntagsruhe für die Handelsangestellten her­beiführen, ferner den 9 Uhr=Ladenschluß. Grade eine industriell scharfe Zeit braucht ja Feiertag und Feierabend. Sonst gehen die Menschen in ihrem Gemütsleben zu Grunde. Hier ist ein rechtes Stück sozialer Reform geschehen, die auch innerlich wirken wird

Die Landwirtschaft braucht starke Hilfe. Die Interessen der Industrie und Landwirtschaft auszugleichen ist vielleicht der schwierigste Punkt der inneren Politik. Die vielfach miß­verstandene Fleischbeschauvorlage sollte dabei mitwirken.

Auf dem Gebiete des Handwerks bleibt noch viel zu thun. Das jetzige Innungsgesetz ist gewiß noch mangelhaft; aber man sollte doch auch mehr Geduld mit haben, und die Zwangs=Innungen nicht so schnell auflösen, wie es leider hier und da geschieht.

Auf dem Gebiete der Justizreform wäre die leider noch immer nicht durchgesetzte Berufung in Strafsachen zu verlangen.

Ueber das Unsittlichkeitsgesetz

ist ein Lärm entstanden, als ob man die Kunst und nicht die Gemeinheit hat treffen wollen. Es liegt doch ein großer Notstand darin, daß in weiten Kreisen der Respekt fehlt vor den Heiligtümern und der Sittlichkeit des Volkes. Am meisten muß das Volk sich selbst helfen. Ein Gesetz kann ja manches thun, aber doch nicht alles. Da ist es nötig, daß eine Be­wegung wie die chriftlich=soziale auf dem Piane ist, die der parlamentarischen Arbeit zu Hilfe kommt, die einen guten Geist im Volksleben wieder wachruft. Alles Gerede von Weltmacht nützt nichts, wenn nicht die innere Welt des Ge­wissens rein und stark erhalten bleibt! Dazu gebe Gott seinen Segen(Sturmischer Beifall.)

Das Schlußwort hielt unser Parteisekretär Dr. Burck­hardt aus Godesberg a. Rh., der die christlich=soziale Presse und die christlich=sozialen Schriften empfahl. Er wies auch darauf hin, daß Stöckers Wirksamkeit im Reichstage, die Be­achtung, die er stets im Lande findet beweisen, daß es nicht auf Zahlen allein ankommt sondern auf Männer.

Eine angeregte Diskussion folgte. Mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland schloß der Vorsitzende danach die Versammlung.

II.

Wetzlar, 9. Oktober.

Im großen Saale des Schützengartens fand unter Teil­nahme von etwa 80 Delegierten die erste Mitgliederversamm­lung statt. Reichstagsabgeordneter Stöcker führte den Vorsitz. Zahlreiche Begrüßungstelegramme waren einge­läufen. Stürmischen Beifall erregte die Depesche des deutsch­sozialen Reichstagsabgeordneten Raab aus Hamburg:„Aus dem Wahlkampfe für unsere deutsche und soziale Sache her­aus sende ich den stammverwandten Kampfgenossen herzlichsten Gruß und Heilauf. Auch ein Telegramm vom Abgeordneten Liebermann von Sonnenberg und dem Grafen Revent###w sand lebhaftesten Beifall:„Aus schwerem Wahl­kampfe senden wir deutschen Gruß. Für die Zukunft erhosfen wir auf gemeinsame Arbeit zum Wohle unseres Volkes und Vaterlandes. Der Sieg muß uns doch bleiben!— Zuerst verhandelte der Parteitag eingehend über die Gewerk­schaftstrage. Es sprachen dazu u. a der Geschäftsführer des christlichen Ziegler= Gewerkvereins Ellerkamp(Lage in Lippe) Pfarrer Lic. Weber(München=Gladbach) Abg. Stöcker Generalsekretär des deutschen Gärtnervereins Behrends(Berlin) u. a Schließlich einigte man sich auf folgende Erklärung, die mit großer Mehrheit angenommen wurde:

1 Hinsichtlich der Gewerkschaftsfrage muß als Ziel be­trachtet werden die Einführung obligatorischer Fachgenossen­schaften bezw. gesetzlich anerkannter Gewerkschaften.

2. Zur Erreichung ist am besten die Bildung starker, interkonfessioneller unparteitscher einheitlicher Gewerkschaften zu empfehlen, für welche Rechtsfähigkeit auzustreben ist, die zu wirtschaftlichem Frieden geneigt, aber zu gesetzmäßigem Vor­gehen behufs Erlangung bestiedigender Arbeitsbedingungen fähig sind und die den Schwerpunkt ihrer Wirksamkeit in der Anbahnung langfeistiger Tarifgemeinschaften und im Ausbau von Unterstützungskassen, besonders gegen Arbeitslosigkeit sehen.

3. Die Erreichung dieses Zieles wird erschwert, daß die heutige Gewerkschaftsbewegung vielfach gesalten und mehrfach politisch nicht neuttal ist. Wo interkonfessionelle Gewertschaf­

ten christlichen Charatters bestehen, ist zu fordern, daß im Vorstand die beiden Konfessionen auerkannte Stellungen haben.

Es ist im allgemeinen ausgeschlossen, daß Mitglieder der christlich=sozialen Partei sich den Zahlstellen solcher Gewerk­