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Nr. 202
Samstag, den 1. September 1917
31. Jahrgang.
Amrriches Kreisbtatt, Anzeiger für Neuhaus und Betbruck
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Wilson will das Wellärieg=Volkar=Geschaft noch Richt liguivieren.
Gerechtfertigt und unerschüttert.
[Am Wochenschluß.]
ein- Nicht ganz mit Unrecht hat man gesagt, daß es im jetzigen Augenblick mehr darauf ankommt, wie der Weltkrieg ausgeht als wie er angefangen hat. Das hindert doch nicht, daß in dieser Woche das Hauptinteresse nicht dem gegolten hat, was an den Fronten geschah, sondern es erinnert fast an Friedenszeiten— den ZeugenausSensationsproßes, der sich weit, weit hinter der Front in Rußland abspielt. Nur freilich, der Inhalt jener Zeugenaussagen ist ein gar anderer, als er sonst je das Interesse 55. Zeitzngslesers gefesselt hat. Es war eine schwarze San#engur Rußland. Sie sah die große National
pach FFhas; der Konstituante=Ersatz, den sich Kerenskt beschieden hatte; sah diese Veranstaltung mit Erfolgen enden, so überaus bescheiden, daß Kerenski sich bemüßigt fühlte, in seiner Schlußansprache selbst hervorzuheben, die Regierung habe praktische Erfolge nicht erwartet; sah, wohl das Wichtigste, Kerenski selbst so wenig Anklang auf der Konferenz finden, daß ihm sogar die getreulichst verbündeten englischen und italienischen
bescheinigen— was sie sogleich mit einer Geflissentlichkeit getan haben, die die Vermutung erweckt,
sie hielten Kerenski bereits für gänzlich abgewirtschaftet und sähen sich nach einem Kerenski=Ersatz um, den sie
wohl in„General Kornilow gefunden zu habep hoffen Und endlich brachte diese Woche die Zeugenvernehmungen im Suchomlinow=Prozeß, die wohl das schwärzeste Blatt in Rußlands Kriegsgeschichte darstellen. Deutschland aber steht auch vor dem böswilligsten Auge gerechtfertigt da.
Wer trägt Schuld am Ausbruche des Weltkrieges?. Die Dinge liegen so eindeutig klar, von König Eduards Einkreisungspolitik an bis zu der RevanchePräsidentschaft Poincares und den strategischen Milliardenkrediten, die sich Rußland von Frankreich einräumen ließ, daß wir schwerfälligen Deutschen immer noch nicht recht begriffen haben, wie es der Fälscherkunst der Ententeleute gelingen konnte, sich der Welt als blütenweiße Unschuldslämmer zu präsentieren. Kein Zweifel aber, daß es ihnen gelungen ist. Mit verzweifelt wenig Ausnahmen schwört alles Feindliche und Neutrale rings um den Erdball darauf, daß es Deutschland war, das in wilder Eroberungslust den Weltkrieg heraufbeschwor. Ein Märlein für Kinder? Gewiß; aber es hat auch bei den Erwachsenen Glauben gefunden; und alles, was an schlüssigem Beweismaterial dagegen vorgebracht worden ist— wir erinnern nur an die Veröffentlichungen aus belgischen Archiven—. ist ziemlich eindruckslos geblieben. Jetzt kommt indessen aus sehr unerwarteter Richtung die um den Erdball hallende Bestätigung: die russische Mobilmachung, die den Stein ins Rollen gebracht hat, ist in den Aussagen von Januschkewitsch und Suchomlinow selbst wieder aufgelebt. Am 29. Juli schon hatte Januschkewitsch dem Zaren den Befehl zur Gesamtmobilisierung entlockt. Den gab er nicht wieder her; selbst als der Zar— auf Grund eines Telegramms Kaiser Wilhelms, der sich ehrenwörtlich dafür verbürgte, Deutschland träfe keine militärischen Maßnahmen gegen Rußland— den Befehl widerrufen hatte, fand er keinen Gehorsam; während der Zar vorübergehend nur eine Teilmobilmachung im Gange wähnte, ging die Gesamtmobilmachung ihres Weges. Und damit war für Deutschland schon am 29. Juli von diesen russischen Söldlingen des eigenen Größenwahns und Englands, die ohne jedwede falsche Scham jetzt erzählen, wie sie den Zaren anlogen und dem deutschen Militärattaché die Lüge mit dem Ehrenwort bestätigten, die Bwangslage geschaffen worden, zur Gegenmobilmachung zu greifen. Hiermit aber war automatisch der Weltkrieg da.
Der Weltkrieg, für den der russischen Dampfwalze
die entscheidende Rolle zugedacht war. Auch an sie wurde die Erinnerung in dieser Woche, unmittelbar erneut: durch den vorjährigen Gedenktag der Schlacht bei Tannenberg, Hindenburgs erste Großtat, der er seitdem so unzählige andere hat folgen lassen und dessen jetzt just einjähriges Wirken als Chef des Generalstabes des Feldheeres eine einzige einheitliche Großtat ist. Was zieht, wenn wir dieses Jahr zurückblicken, alles an unserem erinnernden Blicke vorüber! Die Niederwerfung des treulosen, wort= und vertragsbrüchigen Rumänien durch den Siegesmarsch in der Dobrudscha und den konzentrischen Einmarsch durch die Walachei in die Moldau— genialste — Geisteskinder beide Pläne des genialsten Schlachtendenkers des Weltkrieges. Die Frontverkürzung im Westen, die Umstellung der deutschen Volkswirtschaft auf größtmögliche Munitionserzeugung, was beides, im Verein mit dem Heldenmut unserer Männer draußen, allein eine Offensive Im Westen nach der andern hat im Blut der Angreifer ersticken, uns eine der Übermaterialschlachten nach der andern hat siegreich beenden lassen. Weiter: Hindenburg war es, der den Ausschlag für den uneingeschränkten=Bootskrieg ## gegeben hat, diesen Wechsel auf den Endfieg, der mit auto# matischer Sicherheit näher und näher kommt; Hindenburg war es, der das Wort:„Nicht durchhalten. sondern siegen!“
Papiermangel heißt„Sorge: Papiernot—„Elend“ Drumspare Papier!„
geprägt und uns die darin steckende Wahrheit und die in ihm selbst steckende Siegeszuversicht unermüdlich eingehämmert hat.
Die Kämpfe am Westrande der Moldau mit ihren Sturmerfolgen unserer Waffen am Nord= wie am Südflügel sind, neben den Großkampftagen am Isonzo, in denen die zähe Abwehrkraft unseres Verbündeten über Italiens Übermacht in einer wochenlangen, von England und Frankreich hilfsbereit gespeisten Übermaterialschlacht Sieger geblieben ist, das lebhafteste Kampfbild, das diese Woche geboten hat. Im Westen ist eingetreten, was man bei uns militärtscherseits als Erschöpfungspause Im Generalangrist hat bezeichnen dürfen. Schon ist sie also da, jene Pause der Erschöpfung an Blu## und an Munition, die wir von Anfang an kommen sahen, und unerschüttert wie je stehen unsere Fronten Und wenn wir uns bei unserem neuen treuen Verbündeten der Zeit, erkundigen, wie es denn um den=Bootkrieg stehe, so antwortet sie uns, daß England jetzt zugibt, runk 800 Schiffe, darunter 525 große, seit dem 15. Februai verloren zu haben. Alles in allem: die Aussicht, daß wir nicht gar so viele Kriegswochen mehr zu überblicken haben werden, sie scheint ja nun wirklich immer sicherer zu mede—
(ilsons Antwort an den Dapft.
*„„ Die amerikanische Gesandtschafti
teilt den Text der Antwort der Vereinigten Staaten an den Papst mit.
Nachdem die Gründe gewürdigt sind, die dem Papst den Wunsch eingegeben hätten, daß Amerika den Weg zum Frieden einschlage, fährt die Antwort fort:
Es wäre sinnlos, nachzugeben, wenn dieser Weg nicht zu dem Ziele führen würde, das er in Aussicht stellt. Nicht ein bloßer Waffenstillstand ist zu wünschen, sondern ein bleibender und dauernder Frieden. Wir dürfen nicht aufs neue vor die Verpflichtung gestellt werden, diesen Kampf auf Tod und Leben wieder durchzumachen, und nur ein nüchternes Urteil kann uns dagegen sichern. Der Kern des Vorschlags Seiner Heiligkeit ist, daß wir zum völligen Status quo ante(zur Lage vor dem Kriege) zurückkehren, daß eine allgemeine Verzeihung, Entwaffnung und Einigung der Nationen kommen soll, gegründet auf die Einsetzung eines Weltschiedsgerichts, daß ferner durch eine ebensolche Übereinstimmung die Freiheit der Meere eingesetzt und daß die Gebietsforderungen Frankreichs und Italiens, die unruhestiftenden Probleme der Balkanstaaten und die Wiederherstellung Polens entsprechenden versöhnlichen Vereinbarungen überlassen werden sollen, wie sie in der neuen Aera eines derartigen Fried us möglich werden können. Dabei soll durchaus den ünschen des Volkes Rechnung getragen werden, desse politisches Schicksal und Stammeszugehörigkeit jeweiig in Frage kommt. Es ist unverkennbar, daß niht ein einziger Punkt dieses Programmes erfolgreich###rwirklicht werden kann, wenn nicht die Wiederherstellung des Status quo ante dafür eine feste und befriedigende Grundlage abgibt. Das Ziel dieses Krieges ist, die freien Völker der Welt von der Bedrohung und gegenwärtigen Macht zu befreien, die ein umfangreicher militärischer Organismus unter der Herrschaft einer Regierung ohne Verantwortlichkeit darstellt. Diese Regierung hat im Geheimen ein Komplott geschmiedet, um die Welt kzu beherrschen, ist dann zur Ausführung dieses Plaues übergegangen, ohne Ehrfurcht vor geheiligten Vertragsverpflichtungen, noch vor den seit langem widerlegten und höchstgeschätzten Grundsätzen interuationalen Zusammenlebens und internationaler Ehre.
Die Note führt dann weiter aus, daß mit einer solchen Macht in Friedensbeziehungen zu treten, ihre Macht erneuern und sie zur Fortsetzung ihrer gefährlichen Politik in den Stand setzen hieße. Zum Schlusse heißt es: Amerika strebt nach keinen materiellen Vorteilen. Die unerträglichen Rechtsbrüche, die in diesem Kriege durch die rohe Macht der deutschen Reichsregierung begangen werden, müssen wieder gutgemacht werden. Das Wort der jetzigen Beherrscher Deutschlands kann nicht als eine Bürgschaft betrachtet werden, es sei denn, daß dieses Wort ausdrücklich als der Wille und die Absicht des deutschen Volkes bekräftigt wird. Wir müssen aus diesem Grunde neue Außerungen über die Absicht der großen Völker der Mittelreiche abwarten.
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Die Note, die ziemlich umfangreich ist, äußert sich nicht klar über Amerikas Kriegsziele. Sie lehnt nur mit reichem Wortschwall den Vorschlag des Papstes ab. Es ist kein Zweifel, daß auch die Note der übrigen Ententemächte In ablehnendem Sinne gehalten sein wird. Amerika will also das Blutvergießen nicht beenden lassen und hat offenbar auch kein Interesse daran, die Vernichtung der Mensch heit zu verbindern. Mit einer Klut von Beschimpfungen
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gegen die deutsche Regierung leynt Wilson die Verhandlungen über den Frieden ab, ohne seine Bedingungen unzweideutig zu nennen. Damit dürfte die Aktion des Papstes, vorläufig wenigstens, ihr Ende erreichen. Die Antwort der Mittelmächte an den Papst ist wie in Wiener gutunterrichteten Kreisen verlautet, nicht so hald zu erwarten. Man meint an maßgebender Stelle, die Antwort erfordere Zeit und gründliche Bearbeitung der inzelnen Punkte, die je nach dem Standpunkt für die Verbündeten von größerer oder geringerer Bedeutung sei,
Heftige Kämpfe in Macedonien.
Mitteilungen des Wolffschen Telegraphen=Bureaus.
Großes Hauptquartier, 31. August. Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. In Flandern steigerte sich die Kampftätigkeit der Artillerien an der Küste und zwischen Yser und Lys erst gegen Abend. Nachts kam es mehrfach zu Zusammenstößen im Vorfeld unserer Stellungen; eine Anzahl Engländer wurde gefangen.— Im Artois entwickelten sich nördlich von Lens örtliche Kämpfe, die bis zur Dunkelheit andauerten.— Südwestlich von Le Catelet entrissen Jägerkompagnien den Engländern einen Teil ihres neulichen Gewinns; zahlreiche Gefangene sind eingebracht worden.— St. Quentin lag wieder unter französischem Feuer.
Herresgruppe=Deutscher Kronprinz—In der östlichen Hälfte des Chemin=des=Dames=Rückens war die Feuertätigkeit lebhaft.— Vor Verdun ging das Störungsfeuer auf beiden Maas=Ufern abends wieder in starken Artilleriekampf über, ohne daß es bisher zu neuen Angriffen kam.
Östlicher Kriegsschauplatz.
1 Front des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Nordwestlich von Dünaburg stießen russische Streifabteilungen unter Feuerschutz bei Illuxt vor; unsere Grabenbesatzung schlug den Feind zurück. Ebenso vergeblich blieben russische Unternehmungen am Narocz=See.— Bei Skala setzten einige unserer Kompagnien über den Zbrucz, brachen in die russischen Linien ein und kehrten nach Zerstörung der Grabenaulagen mit Gefangenen und Beute über den Fluß zurück.
Zwischen Dujestr und Donau ist die Lage unverändert.
Macedonische Front.
Bei großer Hitze hielt die gesteigerte Gefechtstätigkeit an. Am Dobropolje wurden serbische Abteilungen, südwestlich des Dojran=Sees englische Vataillone unter schweren Verlusten abgewiesen.
Der Erste Generalquartiermeister Ludendorff.
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wtb. Berlin, 31. Aug., abends.(Amtlich.) Die Lage ist unverändert.
g: Der 14. Schlachttag am JTonze. (Aus dem österreichisch= ungarischen Heeresbericht K E—.„ 5 Wien, 31. Augnt.
Triest wurde gestern mittag zum vierten Male von feindlichen Fliegern angegriffen, ohne daß nennenswerten Schaden entstanden wäre.— Auf der Karsthochfläche war es verhältnismätig ruhig.
Im Raume von Goerz zwang den Italienern der opferreiche Niederbruch ihrer letzten Angriffe eine Kampfpause auf, die von uns dazu beutzt wurde, einige noch verbliebene Feindnester auszuheben. Ebenso kam es nördlich von Kal, nach dem am Morgen noch einige Einzelstöße des Feindes gescheitert waren, tagüber zu keiner größeren Kampfhandlung mehr.
Umso ungestümer warfen sich die italienischen Divisionen neuerlich auf die zwischen den eben genannten AbI: schnitten sich ausdehnende Front, auf unsere Stellungen bei Podlesce, Madoni, Britof und auf den seit sieben Tagen im Mittelpunkt des Isonzoringens stehenden Monte San Gabriele. Mit außerordentlicher Zähigkeit ließ der Feind Angriff auf Angriff folgen. Wieder war es der Tapferkeit und Ausdauer von Truppenverbänden aus allen Teilen Österreichs und Ungarns zu danken, daß in hin und her wogender Schlacht sämtliche Stellungen siegreich behauptet wurden. In stundenlang währenden Nahkämpfen fanden Manneszucht, Gefechtsmoral und auf gründlicher Ausbildung fußende Kampftüchtigkeit wieder einen untrüglichen Wertmesser. Voll frisch fortlebenden Angriffegeistes holten abends bei Britof, als der
Italiener von seinem Anstürmen etwas abließ, unsere Abteilungen drei italienische Offiziere, 110 Mann und zwei Maschinengewehre aus den feindlichen Gräben. So war auch der 14. Schlachttag für unsere Truppen ein Tag des Erfolges.
An der südtiroler Grenze, nordwestlich von Bezzecca, entrissen wir dem Feinde einen Stützpunkt. Was von den Italienern nicht im Kampfe umkam, wurde gefangen abgeführt.